Manuela Martini

Undercover

Shane O'Connors vierter Fall

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

Titel

Impressum

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

Kapitel 75

Kapitel 76

Kapitel 77

Kapitel 78

Kapitel 79

Kapitel 80

Kapitel 81

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Manuela Martini

UNDERCOVER

Shane O’Connors vierter Fall



Texte: © Copyright by
Manuela Martini

www.manuelamartini.de

autor.manuelamartini@gmail.com


Alle Rechte vorbehalten.

Tag der Veröffentlichung: 10.9.2014


Prolog


Sonne und Sand, wunderbar, jeder Morgen ein Geschenk, wie lange noch? Nicht denken, laufen, laufen, laufen, atmen und laufen und atmen und laufen und das Meer, wie es glitzert, wie es rauscht, rauscht, rauscht, rauscht. Laufen und atmen, laufen und atmen - Hi! Die ist später heute als sonst, gute Figur, aber auch jünger, sicher zwanzig Jahre jünger, mein Gott, zwanzig Jahre! Laufen und atmen, eine Qualle, wie schön, die Quallen, niemand mag sie, dabei sind sie so schön. Laufen und atmen und laufen und atmen, puh, heiß ist es schon! Wie viel Uhr, ah, gleich umdrehen und dann ins Wasser, laufen, laufen und atmen, laufen und atmen, jetzt, umdrehen, zurück, das Meer, ach, wie die Sonne glitzert, laufen und atmen, hier ins Wasser, T-Shirt, in den Sand, und in die Wellen, wie schön, kalt und hart das Wasser und schaumig, der nächste Wellenkamm, untertauchen, wie es braust und brodelt! - und auftauchen und weiterschwimmen, die Sonne blendet, und die nächste Welle - und untertauchen, wie es brodelt, ach, und auftauchen und weiter und noch eine Welle, die letzte, dann kehre ich um! Wie schön, die Welle! Sie kommt wie ein Berg! Luft anhalten und runter, es brodelt und ...und au, was ist..., au, nein! Mein Fuß, au, etwas ist da, hoch, ich muss auftauchen, schnell! Auftauchen! Nein! Hilfe! Hilfe! Nein! Nein!

Kapitel 1


Die Luft war kühl und feucht, die Straße menschenleer und dunkel. Sie waren zu viert. Was für eine dumme Idee. Detective Shane O’Connor schüttelte über sich selbst den Kopf. Wir hätten gleich ein Taxi nehmen sollen.

„Mensch, Jungs, bin ich besoffen!“ Jack stolperte. Shane bekam seinen Kollegen gerade noch am Arm zu fassen. „Pass’ auf, dass du Weihnachten nicht mit `ner aufgeplatzten Lippe erleben musst!“

„Damit küsst es sich verdammt schlecht!“ Evans stieß Shane, wie so oft an dem Abend, den Ellbogen in die Seite und lachte.

„Nehmen wir die Straße da, geht schneller.“ Hawking zeigte nach links. Sie bogen in eine schmale Seitenstraße ein. Die Straße war dunkel. Es brannten keine Laternen. Wirklich eine blöde Idee, dachte Shane und stapfte weiter.

„Als Frau würd’ ich mich nicht hierher trauen“, lallte Jack und fuhr sich über seine Glatze.

„Du als Frau?“, Evans lachte, „vor dir würden sie doch alle davonlaufen!“


Schroffe Hauswände, ein Schaufenster eines Internetshops, eine Einfahrt. Der Mond war hinter einer Wolke verschwunden. Sie redeten auf einmal nicht mehr, ihre Sohlen schabten und krachten auf dem Asphalt. Plötzlich blieb Jack vor einem düsteren Hauseingang stehen.

„He!“

Zwei Gestalten konnte Shane erkennen. Sonst nichts.

Jack machte einen wankenden Schritt auf den Eingang zu.

„Na, was gibt’s hier zu tun?“

„Zieht Leine!“, kam es aus dem Dunkel.

„Jack, komm’ schon, Feierabend“, sagte Shane. Verdammt, wir wollen alle nach Hause. Ann, hochschwanger, wartete sicher seit Stunden auf Jack.

Jack fingerte seinen Ausweis aus der Hemdtasche.

„Polizei! Und jetzt mal zu euren Ausweisen!“

Evans sah zu Hawking, Hawking zu Shane. Sie standen einen Schritt hinter Jack, und Jack stand zwei Schritte und zwei Stufen vor den beiden Gestalten. Der Mond tauchte auf und verschwand wieder. Das Rauschen der Nacht. Ohne Schritte. Ohne Motorengeräusch. Vier gegen zwei. Es wäre besser, weiter zu gehen, aber wir können ihn doch jetzt nicht allein lassen, dachte Shane.

„Jack!“, sagte Hawking leise aber eindringlich.

„Also was ist jetzt!“ Jacks Stimme klang gereizt.

„Zieht Leine, Bullen, ihr seid doch total besoffen!“, knurrte die Stimme aus dem Dunkel.

„He, keine Beleidigungen, ja!“

„Jack, komm, schon.“

„Wird’s bald! Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit! Also, raus mit den Papieren!“, sagte Jack.

Die Männer im Eingang rührten sich nicht. Der Mond tauchte auf.

„Mensch! Irr’ ich mich oder seh`ich Gespenster? Bist du’s wirklich? Harry?“ Jack drehte sich zu Shane um, „he, ich glaub’s nicht aber...“

„Nein, Sie müssen sich irren“, sagte der Mann. Vor den Mond schob sich eine Wolke. Shane konnte das Gesicht nicht erkennen.

Die Sache wurde brenzlig, spürte Shane. Jack hörte ihn nicht, schüttelte die Hand auf seiner Schulter ab, die ihn wegziehen wollte, und redete weiter: „Harry, natürlich...“

„Nein!“, kam es scharf aus dem Dunkel.

„Wenn du nicht Harry sein solltest, dann will ich erstrecht eure Papiere sehen! Wir sind zu viert, also,ihr habt keine Chance!“, sagte Jack.

„Jack!“ Er sollte Jack jetzt einfach eine reinhauen, dachte Shane, damit er die Klappe hält, das hier lief auf nichts Gutes hinaus.


Ein kurzer Moment des Stillstands. Der Mond schien jetzt hell. Vier Polizisten, betrunkene Heimkehrer von einer Party, auf dem Weg zum Taxistand in der nächsten Querstraße. Für den Bruchteil einer Sekunde noch wäre ein Rückzug möglich. Shane wusste, er und Hawking sollten jetzt Jack unterhaken und wegziehen, und in der nächsten Straße ein Taxi heranwinken.

Doch der Moment verstrich. Jack machte einen Schritt auf die Männer zu, sagte:

„Wird’s bald?“, winkelte den Arm an, um in sein Jackett zu greifen.

In dieser Sekunde zog der links stehende Mann etwas aus seinem Gürtel. Ein Schuss explodierte, Shane zog die Pistole, Jack sackte vor ihm zusammen, Shane drückte ab, Schüsse peitschten, etwas riss ihn zu Boden, nahm ihm die Luft. Er fällt in einen schwarzen Schacht. Dann wird alles dunkel. Und still.


Shane wachte auf. Der Mond war bleich und kalt. Evans’ Hand mit dem Revolver leuchtete fahl. Der Ehering blitzte. Der Kopf im Rinnstein in einer dunklen Lache. Hawking starrte in den Mond. Auf dem weißen Hemd dunkle Flecken. Und er, Shane, wo lag er, so weich und warm? Jacks Jacke war das, und unter der Jacke Jacks gekrümmter Rücken, auf Jacks blankem Scheitel glänzte weiß das Mondlicht. In der Ferne grelle, bunte Lichter wie große, leuchtende Weihnachtskugeln.


Kapitel 2


Schwitzend kämpfte sich Josh Cline mit dem röhrenden Rasenmäher durch das Gras. Mrs. Wagner hatte vergangene Woche den Termin abgesagt, so dass das Gras jetzt höher war als es sich zum Mähen eignete. Typisch, dachte er, so glauben sie zu sparen und er muss ihnen dann erklären, warum er diesmal drei statt zwei Stunden gebraucht hat. Immer dasselbe! Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, was kaum etwas nutzte, weil man bei einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 70 Prozent und 35 Grad im Schatten ununterbrochen schwitzte – und: er arbeitete nicht im Schatten sondern in der prallen Elf-Uhr-Sonne.

Er ließ seinen Blick über den Garten gleiten, eine Rasenfläche von etwa zweihundert Quadratmetern, dazwischen, säuberlich von Steinkränzen umgebene Büsche und Bäume, die dabei waren, ihre Blüten zu verlieren. Ein halbe Stunde hatte er vor dem Mähen damit verbracht, sie weg zu rechen. Das ist der Nachteil hier, an der fast tropischen Sunshine-Coast: Kaum hast du eine Pflanze geschnitten, wächst sie schon wieder nach. Nie sind alle Bäume kahl, es gibt keinen wirklichen Winter. Aber das ist auch sein Glück. So geht die Arbeit nie aus. Nur so heiß sollte es nicht sein! Er wischte sich wieder übers Gesicht, der Schweiß brannte in den Augen. Zeit für eine Pause!

Er ging zu der kleinen Steinmauer, die den oberen Teil des Gartens mit der Terrasse vom unteren Teil, abgrenzte. Unter den breiten Blättern des Gummibaums gab es wenigstens ein wenig Schatten. Schnaufend ließ er sich neben seine Proviantbox auf die Mauer nieder. In der Hitze konnte er kaum etwas essen, doch er wusste, dass es ihm nicht bekam, wenn er den ganzen Tag nur Wasser trank und erst am Abend etwas aß. Er schraubte die Drei-Liter-Wasser-Thermoskanne auf, die er während eines Arbeitstages drei- bis viermal auffüllte. Wie lange konnte man so eine Arbeit aushalten? Er hielt sie seit anderthalb Jahren aus, inzwischen war er dreiundzwanzig. Er kannte Gärtner, die waren doppelt so alt und seit zehn oder mehr Jahren in dem Job. Man gewöhnte sich wohl genauso an die harte, körperliche Arbeit unter diesen klimatischen Bedingungen, wie man sich an so vieles gewöhnte.

Josh zwang sich, langsam zu trinken, um nicht sofort alles wieder herauszuschwitzen. Ihm blieb noch eine Stunde für den Rest des Rasens und das Schneiden der Ränder, das hatte er mit Erica Wagner vereinbart. Sie war um diese Zeit nie zu Hause, sondern in ihrem Laden für Segelzubehör, unten in Maroochydore.

Er setzte die Kanne ab und klappte die blaue Box mit dem grauen Deckel auf und nahm eines seiner Sandwichs heraus, wickelte es auf und biss hinein. Ich darf nicht vergessen, morgen einkaufen zu gehen. Nachher, um eins, geht’s schon weiter zum nächsten Kunden. Nur vier Straßen weiter.

Glücklicherweise – denn das ersparte ihm lange Anfahrtswege - wohnten die meisten seiner Kunden hier oben in Buderim, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt, in den bewaldeten, kühleren Hügeln. Hier blieb man von den Touristen verschont, die sich weiter unten in Mooloolaba und den anderen Strandorten gerade zu Weihnachten drängten. Er steckte den Rest des Sandwichs in den Mund, spülte Wasser nach und packte das zweite Sandwich aus. Käse. Er nahm einen großen Bissen. Mit seiner Arbeit konnte er zufrieden sein. Vor einem Jahr, als er zum ersten Mal gekommen war, bestand der Garten nur aus einem lieblos behandelten Stück Rasen. Erica Wagner hatte ihn angesehen und seufzend gesagt: „Bitte, Josh, machen Sie was draus. Ich bin eine miserable Gärtnerin.“ Inzwischen hatte er Hibiskus-, Oleander-, und Rhododendrenbüsche angepflanzt und einen Weg angelegt. Erica Wagner war glücklich. Und sie hatte ihn ihren Freunden und Bekannten weiterempfohlen.

Hier oben in Buderim waren die Kunden anspruchsvoll. Sie beschäftigten nicht jeden x-beliebigen Gärtner, und es gab genug Konkurrenz. Dass er zuverlässig und sorgfältig war, hatte sich sehr schnell in der Gegend herumgesprochen, nachdem er das Geschäft, das heißt den Rasenmäher, den Anhänger für die Gartenabfälle, ein paar Kleingeräte und natürlich die Kundenkartei seinem Vorgänger abgekauft hatte. Seit ein paar Monaten überlegte er manchmal, einen Gehilfen anzustellen, aber er zog es vor, allein zu arbeiten. Da konnte er tun und lassen, was er wollte, musste nichts erklären und konnte sich nur auf sich selbst verlassen.

So, er wischte sich die Hände an seiner kurzen grünen Arbeitshose ab, das zweite Sandwich hatte er auch gegessen.

Für einen letzten großen Schluck setzte er die Thermoskanne an die Lippen, legte den Kopf in den Nacken.

Als sein Blick in Richtung Haus fiel, bemerkte er hinter der Scheibe auf der linken Seite des Hauses eine Bewegung. Er sah genauer hin und erkannte schemenhaft einen Mann, der an einem Sessel stand. Er stand da nicht allein, an der Sessellehne lehnte ein nackter Körper, ein Frauenkörper. Die rhythmischen Bewegungen des Mannes, der bekleidet war, waren eindeutig. Das da oben musste Ericas Tochter sein, hieß sie nicht Chrissy?

Der Mann hörte auf, drehte die Frau mit dem Rücken zu sich. Josh wollte jetzt wegsehen, doch er konnte nicht. Etwas zwang ihn, bis zuletzt zuzusehen. Der Mann, so sah es aus, kam zum Höhepunkt, Josh glaubte sogar sein Stöhnen zu hören. Kannte er ihn nicht? Dann verschwand er in der Tiefe des Raumes. Im selben Moment drehte sich das Gesicht der Frau zur Scheibe. Josh hörte auf zu atmen. Es musste Chrissy sein. Er wollte unsichtbar werden. Doch selbst die Blätter des Gummibaums gaben ihm nicht genügend Deckung.

Sie ging auf die Fensterscheibe zu. Kein Zweifel. Es war Chrissy und sie hatte ihn gesehen. Sein Herz klopfte, er schwitzte noch mehr. Warum drehte er sich nicht einfach weg und ging? Verdammt, warum nicht? Er war unfähig, sich zu bewegen. Das einzige, wozu er in der Lage war, war dort hinauf zu starren.

Eine Weile stand sie einfach so da, nackt, und sah auf ihn herunter. Ein weißer, feingliedriger Körper – das kupferfarbene Haar fiel ihr über die Schulter. Josh hatte sie nur ein einziges Mal von weitem mit ihrer Mutter gesehen. Doch schon da war ihm ihre seltsame Schönheit aufgefallen. Ihre Haut war weiß und sommersprossig. Sie hatte dichtes, lockiges Haar. Niemals hätte er gewagt, sie anzustarren oder gar mit ihr ein Wort zu wechseln. Er war sicher, sie hätte ihm nicht geantwortet, weil sie seine Stimme gar nicht wahrgenommen hätte. Und jetzt? Jetzt sah sie ihn an. Sie hatte ihn zum Mitwisser gemacht.

Auf einmal wandte sie sich um und verschwand im Zimmer.

Hinter der Scheibe konnte er nur noch den hellen Sessel erkennen.


Schließlich schaltete Josh den Rasenmäher wieder ein, und während er ihn durch das hohe Gras drückte und zerrte, versuchte er sich an das Gesicht des Mannes zu erinnern. Dann fragte er sich, ob es Chrissy im Nachhinein sogar erregt hatte, zu wissen, dass sie beobachtet worden waren. Chrissys Anblick ließ ihn nicht mehr los und er ertappte sich dabei, wie er plötzlich stehen blieb und nicht mehr wusste, was er eigentlich tat. Er musste sich konzentrieren, so würde er mit der Arbeit hier überhaupt nicht mehr fertig. Und er musste pünktlich in einem anderen Garten sein.

Eine knappe Stunde später endlich hatte er es geschafft, und packte Rasenmäher, Rechen, Hacke, Eimer und Schaufel in den Anhänger seines alten Dodges. Als er ins Auto stieg warf er noch einen letzten kurzen Blick zurück zum Eingang und überlegte, ob er hineingegangen wäre, wenn die Tür zum Haus aufgestanden hätte.


Auf dem Weg zum nächsten und letzten Job an diesem Tag, bei Donna, einer fettleibigen Psychologin, die Müll in ihren Garten warf, den Josh beseitigen musste (ihr würde er zuerst kündigen, wenn er endlich genug Geld hätte), rief er sich immer wieder die Situation, die er gerade erlebt hatte, ins Gedächtnis zurück, malte sie aus, und stellte sich dann vor, wie er ins Haus ging, sie auf der Couch saß, nackt, und auf ihn wartete.


Donna war nicht zu Hause, stellte er fest, als niemand die Tür öffnete. Es war ihm ganz recht, so ersparte er sich ihren Anblick. Er ging gleich mit dem Rasenmäher durch den Vorgarten und über einen schmalen Weg in den hinter dem Haus liegenden Garten. Diesmal kein Müll, stellte er erleichtert fest und schaltete den Rasenmäher an. Dröhnend sprang er an. Auch hier war das Gras schon zu hoch. Die Leute sparen immer am falschen Ende, dachte er verärgert und begann mit seiner Arbeit.

Allmählich empfand er Lust bei der Erinnerung an die Szene. Zuerst schämte er sich deshalb und beschimpfte sich als Voyeur und Spanner. Doch dann sagte er sich, dass er ja nur zufällig zum Beobachter geworden war. Er war niemandem nachgeschlichen, hatte sich auch nicht versteckt. Nein, er war einfach nur an seinem Platz stehen geblieben.


Als er wieder in seinem alten Dodge mit dem Anhänger saß und nach Hause fuhr, hatte sich der Himmel rosa gefärbt, und die Bäume, die die gewundene Hauptstraße von Buderim säumten, blühten in allen Farben.

Josh trat auf die Bremse. Quietschend brachte er den Wagen zum Stehen. Um ein Haar wäre er über die rote Ampel gefahren. Hinter ihm hupte ein Auto. Er zwang sich, besser auf den Verkehr zu achten. Ganz sicher wusste Erica nichts von den Aktivitäten ihrer Tochter. Die ganze Situation hatte etwas Unangenehmes gehabt. Als ob Chrissy nicht richtig bei der Sache gewesen war. Tat sie es für Geld? Die Ampel sprang auf Grün. Er fuhr los und bog rechts in den breiten und kaum befahrenen Parking Drive ein, gelangte in die großzügigen aber labyrinthischen Straßen des ruhigen und langweiligen Wohngebietes, in dem auch sein Haus stand - das Haus, das den anderen glich und indem er mit seinen Eltern gewohnt, und das er auch zwei Jahre nach ihrem Tod noch nicht verkauft hatte. Die Grundstücke in der Gegend hatten in den letzten Jahren immens an Wert gewonnen, so dass viele Besitzer ihre Häuser zum Verkauf anboten. In den vergangenen Tagen waren ihm in den Straßen mindestens vier Schilder von Immobilienmaklern aufgefallen.

Doch wenn er es jetzt verkaufte, müsste er sich nach etwas Neuem in der Gegend umsehen, das dann ganz sicher genauso teuer wäre.

Er parkte vor der Einfahrt des sauberen, backsteinverkleideten in L-Form gebauten Bungalows, in dessen Vorgarten üppige Hibiskussträucher und ein großer Gummibaum wuchsen. Als er ausstieg hörte er schon das Garbos freudiges Bellen.

„Hi, Josh!“, rief jemand, und er drehte sich um.

Pete Mulder, sein Nachbar auf der Linken, hob gerade eine Reisetasche aus dem Kofferraum seines Kombis.

„Wir sind wieder da.“ Pete schnaufte und stellte die Tasche auf die Waschbetonplatten der Einfahrt. „War alles okay hier?“

„Ja. Ich hab’ euch den neuen Gartenschlauch angeschlossen.“

„Danke! Komm’ doch morgen mal rüber, auf `nen Drink.“

Für die Weihnachtsfeiertage hatten Pete und Betsy Mulder, beide Anfang sechzig, Petes Mutter, die unter panischer Flugangst litt und in der Nähe von Sydney lebte, mit dem Auto abgeholt. In der Zwischenzeit hatte Josh ein Auge auf ihr Haus gehabt.

„Ach Josh“, Pete nahm die Tasche wieder auf, „ich wollte noch vor Weihnachten die verdammten Palmen zurechtschneiden. Kannst du mir dabei helfen?“

Das tat Josh jedes Jahr.

„Klar. Morgen ist’s schlecht, aber am Wochenende.“

Pete warf den Kofferraumdeckel zu. „Großartig.“

„Grüße an Betsy.“

„Sag’ ich. Sie will dir mal wieder einen von ihren Kuchen bringen.“ Pete verschwand pfeifend hinter dem dicht mit Oleandern bewachsenen Hauseingang.

Pete und Betsy waren erst nach dem Autounfall seiner Eltern hergezogen und hatten gleich Anschluss gesucht. Nachdem sie erfahren hatten, was passiert war, begannen sie ihn öfter einzuladen, auch zu ihren Barbecueabenden, besonders dann, wenn die jüngeren Töchter befreundeter Ehepaare mitkamen. Aus einer Begegnung hatte sich sogar eine Beziehung entwickelt. Mit Genna war er drei Monate zusammen gewesen, bis sie sich beide miteinander gelangweilt und auf undramatische Weise Schluss gemacht hatten. Sie hatten nebeneinander im Auto gesessen und festgestellt, dass es nichts mehr gäbe, was sie miteinander verband. Sie seien eben zu unterschiedlich. Im Nachhinein war ihm öfter der Gedanke gekommen, dass sie sich viel zu ähnlich gewesen waren.


Er spürte die Anstrengung eines langen Arbeitstages in seinen Beinen als er die wenigen Meter zur Haustür hinaufging. Garbo, der australische Blue Heeler, bellte ungeduldig, und als Josh endlich die Tür aufschloss, sprang er aufgeregt an ihm hoch, wedelte mit dem Schwanz und raste in die Küche und wieder zurück. „Da bist du ja wieder! Hast du gut aufgepasst?“ Garbo bellte und sprang an ihm hoch. Josh schob die Verandatür auf. Garbo stürzte hinaus und wälzte sich vor Übermut im Gras. Das gehört auch mal wieder geschnitten, dachte Josh, während er sich einen der grünen Plastikstühle, die an einem ovalen Gartentisch unter einer Pergola standen, heranzog und sich mit einem erleichterten Ächzen hineinfallen ließ. Er ließ seinen Blick über den Rasen hin zu den Büschen gleiten, die entlang eines hohen Bretterzaunes wuchsen, der das Grundstück von dem seines Nachbar abgrenzte: Zwei je drei Meter hohe Palmen, die viel Arbeit machten, wenn sie ihre alten Blätter abwarfen, ein roter und ein größerer rosafarbener Hibiskusbusch, ein stattlicher Frangipani, drei Aloe Vera, und ein noch niedriger Gummibaum, den er erst nach dem Tod seiner Eltern gesetzt hatte. Als sein Blick auf sein im linken Teil des Hauses liegendes Schlafzimmerfenster fiel, wurde die Szene von heute wieder deutlicher.

„Heute hab’ ich was erlebt, Garbo.“

Als der braun-weiße Hund mit dem kurzen Fell seinen Namen hörte, kam er auf Josh zu. Josh beugte sich zu ihm hinunter und streichelte ihm über den Kopf.

„Das glaubst du nicht, das war wie im Film.“

Der Hund leckte Joshs Hände.

„Ich weiß nicht, ob sie dir gefallen würde, Garbo.“

Doch Garbo hatte auf dem Rasen einen Vogel entdeckt und stürzte auf ihn zu, der Vogel flog auf und flatterte eine Weile über ihm in sicherer Höhe als wollte er Garbo ärgern. Prompt fing Garbo an zu bellen.

So eine Frau wie Chrissy würde von ihm nichts wissen wollen, dachte Josh. Wer war er, Josh Cline, denn schon? Er sah nur durchschnittlich aus, war nicht besonders groß, hatte die braunen Augen seiner Mutter, die er nie als besonders ausdrucksstark empfunden hatte, und dunkelblondes Haar, das er bei einem billigen Friseur schneiden ließ. Durch die harte Arbeit war er wenigstens muskulös und gebräunt. Trotzdem – er war viel zu zurückhaltend für solche Mädchen. Dieser Mann heute war älter gewesen. Älter und sicher erfahrener, und wahrscheinlich hatte er Geld. Garbo bellte noch immer den Vogel an, der über ihm krächzte.

„Siehst du, Garbo genau so ging es mir. Sie hat sich über mich lustig gemacht.“


Kapitel 3


Die Sache war schief gegangen. Er hatte es schon vorher im Bauch gespürt. Man sollte nie gegen seinen Instinkt handeln. Seine Hände schwitzten in den Handschuhen, und Nase und Lippen waren unangenehm feucht unter der Atemmaske. Sogar die harmlose Geschichte am Strand hatte er nicht mehr so einfach wegstecken können. Obwohl er sie noch nicht einmal persönlich gekannt hatte. Für ihr Alter war sie gut in Form gewesen. Wie sie um ihr Leben kämpfte!

Irgendwann gehen die Dinge schief. Und plötzlich befindet man sich auf der anderen Seite. Es sah so aus, als ob er die Grenze schon überschritten hätte. Die Grenze zwischen Licht und Schatten.


Kapitel 4


„Wie geht’s Ihnen, Shane?“, fragte der Arzt.

Eine Frage aus dem Nichts aufgetaucht wie der Mensch, der sie stellte. Vielleicht hatte er es nur geträumt? Die aufgerissenen Augen. Die dunklen Flecken.

Der Arzt lächelte gezwungen, eine Haarsträhne hing ihm in die Stirn, er schob sie zurück, lächelte immer noch.

„In ein paar Tagen können Sie auf Krücken gehen. Sie haben Glück gehabt, dass die Kugel nicht den Knochen oder gar die Arterie Ihres Oberschenkels durchschlagen hat.“ Das Lächeln verschwand, die hohe, glatte Stirn des Arztes durchzogen Falten. „Sie haben großes Glück gehabt, Shane.“

„Warum?“, hörte Shane seine eigene Stimme. Sie klang schwach und fremd.

Der Arzt holte tief Luft und strich sich das Haar aus dem Gesicht.

„Ein Kollege wird Ihnen erklären...“, begann der Arzt.

„Hören Sie auf, mit diesem Scheiß, Doc!“, fuhr Shane hoch. „Sagen Sie mir die Wahrheit! Haben sie überlebt? Haben meine Kollegen überlebt?“ Er hatte geschrien.

„Ich schicke jemanden...“ hörte er noch den Arzt sagen, dann versickerte die Stimme irgendwo in einer lautlosen Dunkelheit.

Sie waren alle tot. Jack lebte nicht mehr. Jack, mit dem er nächtelang über Fälle gegrübelt, Verdächtige vernommen, Protokolle verfasst, Meetings durchgestanden hatte. Evans, der junge, immer gutgelaunte Kollege von der Fingerabdruckabteilung. Hawking, der nach Weihnachten heiraten wollte. Shane schloss die Augen und wollte sie nicht mehr aufmachen müssen.


Der erste, der ihn besuchte, war Pater Timothy, der Seelsorger. Ein Mann, der mit seiner großen, stämmigen Statur und seinen ruhigen, sparsamen Bewegungen Zuversicht und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlte. Der Pater hatte sich einen Stuhl ans Bett geschoben, und redete doch Shane sah zum Fenster hinaus. Das obere Drittel war graublau. Den Mittelgrund füllte eine gelbliche Hauswand aus, und den Vordergrund beherrschte eine lichte Baumkrone. Es war Sommer, und kurz vor Weihnachten. Kim, seine Exfrau heiratete wieder. Er wollte nicht mehr da hinaus. Nie mehr.

„Shane, Sie dürfen nicht verzweifeln...“

„Pater“, fiel Shane ihm irgendwann müde in seine Ausführungen, „ich bitte Sie um eins: Gehen Sie.“

Der Pater verstummte und sah ihn nur mitfühlend an. „Wenn Sie mich brauchen, dann sagen Sie Bescheid.“

Die Tür fiel ins Schloss. Shane starrte an die weiße Wand vor sich.


Ein paar Wochen zuvor sitzt er mit Jack im Auto. Die Scheibenwischer schieben die Regentropfen weg, die Neonlichter der Läden und die Scheinwerfer der Autos leuchten bunt in der schwarzen Nacht. Jack redet von Gott, weil er sich seit einiger Zeit mit der Bibel beschäftigt. „Man braucht etwas, woran man glauben kann“, hat er Shane erklärt.

„Kain erschlug seinen Bruder“, er hält an einer Ampel, „weil Gott dessen Opfer mehr beachtete als Kains. Was will uns Gott damit sagen?“

Shane ist müde und antwortet nicht.

„Er will uns sagen: Seht her, ihr seid NICHT alle gleich und manche von euch schätze ich mehr als andere. Ich bin nicht gerecht! Gott ist willkürlich. Das ist die Wahrheit. Und wir sind seiner Willkür ausgeliefert.“

Na und, denkt Shane, ob Gott oder das Schicksal willkürlich ist, ist letztlich egal, doch er sagt es nicht, weil Jack sowieso schon einen roten Kopf vor Erregung hat, und weil Shane weiß, dass solche Gespräche zu nichts führen.

„Er ist ungerecht und grausam“, redet Jack weiter, „weil wir uns vom Teufel haben verführen lassen, der Schlange im Paradies. An diesem Apfelbissen – es soll ja eine Feige gewesen sein – haben wir immer noch zu kauen.“

Shane deutet auf die längst grüne Ampel.

„Soll ich dir was verraten, Shane“, sagt Jack ohne auf die Ampel zu achten, „Gott hasst uns. Gott hasst seine eigenen Geschöpfe und damit sich selbst. Er ist gescheitert und konnte es nicht zugeben. Warum hat er denn nach der Sintflut nicht noch mal ganz von vorn angefangen? Warum hat er sein Werk doch hinüberretten müssen? Ich sage dir, er ist inkonsequent und eitel. Er hätte alles ersaufen lassen sollen. Alles! Und wir müssen nun seinen Hass auf sich ertragen. Tag für Tag. Generation für Generation. Er hat seine Schuld auf uns abgeladen.“

Shane schluckte die Schmerztabletten, die auf seinem Nachttisch lagen.

Nach Pater Timothy besuchte ihn Detective Sergeant Al Marlowe, der Koordinator der Mordkommission. Marlowes Gesicht war grau und zerknittert. Er, sonst laut und polternd wirkte gebückt und kraftlos. „Mann Shane“, sagte er leise und schüttelte den Kopf, „ich weiß nicht, was ich ...“ Dann wendete er sein Gesicht ab.

Al Marlowes Geburtstagsparty im Pub:

Alle Kollegen waren ausgelassen. Sie hockten an der Bar.

„Ich kann kaum glauben, dass unser Geburtstagskind zu Hause so miesepetrig sein soll!“, erinnerte sich Shane, gesagt zu haben.

„Würde ich von dir auch nicht glauben!“ Jack hatte schon eine schwere Zunge. Seine Augen, die in dem runden Gesicht mit der blanken Glatze während des langen Abends immer schmaler geworden waren, glänzten bierselig. Evans und Hawking, die beiden Detectives aus der Fingerabdruckabteilung grinsten. Plötzlich wurde Jack ernst.

„Wisst Ihr, was wir alle gemeinsam haben? Jeder Polizist will ein Held sein.“

Hawking schüttelte den Kopf.

„Also, ich will kein Held sein. Helden sterben zu früh.“

Irgendwann sahen der Wirt und die Bedienungen übermüdet aus und die Bewegungen, mit denen sie Gläser abtrockneten, waren schwerfälliger geworden. Die Luft nur noch Teer und Nikotin, saurer Atem und Schweiß. Auf dem hölzernen Boden standen dunkle Bierpfützen. Und die Musik war längst verstummt.

Jemand stießt die Tür auf.

Jetzt sah Shane es wieder vor sich: Auf dem ausgedehnten, kaum beleuchteten Parkplatz standen nur noch drei Autos. Die meisten der Kollegen hatten sich von ihren Frauen bringen lassen oder gleich ein Taxi genommen.

Al und ein kleine Gruppe Kollegen torkelten aus dem Eingang und Al bot ihnen an, im Taxi mitzufahren.

Ein orangefarbenes Taxi rollte fast lautlos aus der Dunkelheit heran und hielt direkt vor Al. „Ich sollte vielleicht mit euch kommen, ein bisschen Luft könnte mir auch nichts schaden.“

„Quatsch, Al“, jemand neben ihm riss den Schlag auf, „das Geburtstagskind fährt jetzt heim.“

Shane erinnerte sich, wie Al ergebend die Schultern gezuckt und beim Einsteigen gesagt hatte:

„Jungs, diese Party werd’ ich mein Leben nicht vergessen!“

Der Kollege warf die Tür zu, zwei andere stiegen hinten ein, dann fuhr der Wagen davon. Gleichzeitig bogen drei weitere Taxen auf den Parkplatz ein, die Männer stiegen ein, Türen schlugen zu, die Taxen fuhren weg.

Am Pub war das Neonschild erloschen. Sie waren nur noch zu viert. Vor ihnen lag schwarz der geteerte Parkplatz, über den wie ein Schleier das schwache Licht einer einzelnen Laterne fiel.

„Also, kommt ihr jetzt?“, hatte Hawking gesagt. Und dann waren sie losgegangen...


Unter Al Marlowes Augen hingen schwere Tränensäcke. Warum war er nicht einfach zu Hause geblieben?, dachte Shane.

Al schob sich langsam einen Stuhl ans Bett und setzte sich.

„Mein Gott, ich hab’ mir die ganze Zeit überlegt, was ich sagen soll...und jetzt...“ Er stützte sein Gesicht in die Hände, und als er wieder aufblickte, waren seine Augen feucht. „Ich kann es einfach nicht begreifen. Jack, Evans Hawking – und einer der Männer im Hausflur...“

Sie starrten ins Leere und schwiegen.

„Ein paar Stunden, nachdem Ann es erfahren hat, kam das Baby“, sagte Al.

Jacks Kind. Ann war im achten Monat gewesen, Shane wollte nicht daran denken.

„Du weißt ja, wie die Ärzte sind, Shane... sagen nie direkt, was Sache ist. Sie wissen nicht, ob es durchkommt.“ Al hob die breiten Schultern in seinem abgetragenen, unmodern gemusterten Jackett. „Ann ist hier, oben auf der Gynäkologie. Wenn du hier aus dem Bett kannst, dann...“

„Wie kommst du auf einen so idiotischen Gedanken, Al! Sie muss mich hassen!“

Al sah ihn an. Shane fand, dass dessen schiefes Gesicht noch asymmetrischer war als sonst. Die tiefen Falten um die Mundwinkel gruben sich scharf ins Fleisch, und verliehen ihm mit der groben Nase einen brutalen Ausdruck.

„Shane, du bist der Letzte, der Jack erlebt hat. Vielleicht kannst du ihr Jacks letzte Worte mitteilen, oder worüber ihr am Abend gesprochen habt. Shane“, sagte Al und beugte sich vor, „ihr wart jahrelang Partner. Du hast wahrscheinlich mehr Zeit mit ihm verbracht, als Ann.“

Ja, damit hatte er sicher recht. Trotzdem, er könnte Ann nicht in die Augen sehen. Warum er, und nicht du, würde sie denken, ganz sicher, und er könnte es ihr noch nicht einmal übel nehmen.

„Ich weiß nicht mehr, worüber wir an dem Abend gesprochen haben. Wir waren besoffen“, sagte er.

Al fuhr sich mit seinen mächtigen Händen übersm Gesicht.

„Denk’ drüber nach, Shane, ich glaube, sie braucht dich.“

Shane spürte, wie ein kalter Schatten über ihn kroch. Wieder sprachen sie eine Weile nichts, bis Shane die einzige Frage stellte, die noch für ihn von Belang war.

„Al, sag’ mir: Warum ich? Wer braucht mich? Meine Exfrau heiratet in zwei Wochen einen großzügigen Mann, meine Tochter ist fast erwachsen, ich habe weder Hund noch Katze, auch keinen Papagei oder Kanarienvogel, keine Maus und keine weiße Ratte, nichts, nur eine trinkende Nachbarin, die mich vielleicht die erste Woche vermissen würde, also, sag’ mir verdammt noch mal, warum gerade ich? Warum habe ich überlebt?“

Al blickte auf den Boden.

„Ich wäre beinahe mit euch gegangen, doch da hat mich einer ins Taxi geschoben.“ Er seufzte und hob den Kopf. „Ich weiß es nicht, Shane, aber, egal, ob du an einen Gott glaubst oder nicht, ich aber bin der Überzeugung, dass es irgendeinen Sinn gibt. Jeden Tag kann es einen erwischen. Wir vergessen das nur.“

So hatte Shane ihn noch nie reden hören. Normalerweise klopfte er einem auf die Schulter und sagte das wird schon wieder.

Al richtete sich auf.

„Shane, sie warten alle darauf, diesen verdammten Hund zu jagen!“ Seine Stimme klang fast wieder fest wie sonst. „Wir brauchen eine Beschreibung, einen Anhaltspunkt, ein Detail, irgendwas!“

Wie sehr hatte sich Shane schon damit gequält.

„Al, ich hab’ ihn nicht gesehen, er stand im Dunkeln. Aber Jack muss ihn gekannt haben, oder zumindest glaubte Jack das. Jack sagte etwas wie: Mensch, das ist doch Harry...“

Marlowe zog die Augenbrauen zusammen. Er ging im Zimmer auf und ab, einen Meter zum Fenster, zwei Meter zur Tür. Dann drehte er sich um und sah Shane direkt in die Augen.

„Der Tote im Hauseingang jedenfalls ist identifiziert. Er heißt Darren Martin, arbeitete in einem Catering-Service, oben an der Sunshine-Coast. Achtundzwanzig, ohne Familie, ohne Angehörige. Er hatte Drogen bei sich. Amphetamine. Ecstasy.“

Sie waren in einen Drogendeal geplatzt. In einen verdammten Drogendeal! Und deshalb hatten seine Kollegen sterben müssen!

„Habt ihr nach einem Harry gesucht? Dieser Harry hat geschossen! Und Jack kannte ihn!“ Ein scharfer Schmerz durchfuhr Shane. Er hatte sich in der Aufregung aufgerichtet, doch gleich ließ er sich wieder ins Kissen zurückfallen. In Al Marlowes Stirn gruben sich die Falten noch tiefer.

„Wir haben übrigens bereits Darren Martins Apartment in Maroochydore untersucht. Leer. Nur Möbel, Wäsche, Geschirr. Absolut nichts Persönliches. Da war jemand schneller als wir.“

Al warf er einen schnellen Blick auf seine Armbanduhr und räusperte sich.

„Shane, was ich dir noch sagen wollte... Man wird dich zu einer Anhörung laden. Reine Routine, du weißt ja, sie wollen dann alles noch mal wissen.“

„Wann?“

„Morgen früh um neun.“


Shane sagte es sich immer wieder nachdem Al gegangen war, dass es Routine war, dass man natürlich so schnell wie möglich über alle Einzelheiten des Falls informiert sein musste. Dennoch war er nervös. Sie verlangten von ihm, sich zu erinnern, den genauen Ablauf zu schildern, den Täter zu beschreiben, Größe, Haarfarbe, Kleidung – und er würde ihnen das alles nicht geben können. Sein Blick fiel auf den Kartenstapel mit Genesungswünschen seiner Kollegen. Sie alle warteten ungeduldig darauf, den Mörder zu jagen. Harry. Ein verdammter Harry.

Und wer war Darren Martin?


In der Nacht dachte er an seine Kindheit. Wie sehr hatte er seinen Vater bewundert. Wenn er abends heimkam und von seinen Erlebnissen erzählte, waren das Abenteuer, die er auch erleben wollte. Natürlich wollte er auch Polizist werden. Ein Polizist war ein Held. Das hatte Jack auch gesagt. War Jack ein Held, weil er sich von dem Typen nicht hatte einschüchtern lassen – oder weil er im Kampf gestorben war? Bin ich ein Held, weil ich überlebt habe, oder bin ich gerade deshalb keiner? Bin ich Polizist geworden, weil ich ein Held sein wollte, oder weil ich so sein wollte, wie mein Vater?

Wenn mein Vater Verbrecher gewesen wäre, wäre ich dann auch Verbrecher geworden? Er starrte in die Dunkelheit und dachte an Anns und Jacks kleinen Sohn, der ums Überleben kämpfte. Warum?

Die verdammten Methamphetamine! Zuerst, wenn man sie rauchte oder injizierte erlebte man den Flash, doch das dauerte nur wenige Minuten. Dann folgte das High, das auch noch okay war und sechs bis acht Stunden anhielt, doch dann kam unausweichlich das niederschmetternde Low, die Depression, die man dann wieder mit neuem Stoff überwand. Nahm man Tabletten oder schnupfte man das Zeug, erlebte man zwar dasselbe High aber nicht den intensiven Rush.

Man nahm es, weil man wach sein musste. Oder man wollte die sexuelle Lust und Aktivität steigern, die ganze Nacht feiern, im Büro ausdauernder als die Kollegen sein, länger hinterm Steuer sitzen, andere wollten ihre Depression loswerden oder AIDS-Kranke ihre krankheitsbedingte Müdigkeit. Manche wiederum wollten einfach Gewicht verlieren. Wie oft hatte er das alles schon gehört und miterlebt! Und dann wurden sie abhängig von diesem Rush und dem High. Der Crash musste unbedingt hinausgeschoben werden. Dieser Zustand, in dem man extrem irritierbar und paranoid war. Langsam aber sicher zerstörte man seinen Körper, sein Zentrales Nervensystem, sein Gehirn.

Warum waren sie nicht einfach an diesem verfluchten Hauseingang weitergegangen!

Kapitel 5


Pünktlich um neun Uhr schob ihn die Krankenschwester, eine kräftige Frau mit kurzen Beinen, zurück in sein Zimmer, das er für eine Untersuchung hatte verlassen müssen. Sie warteten schon auf ihn. Fünf Gesichter sahen ihn an. Er kannte sie alle und eines hatte er gehofft, nie wieder sehen zu müssen.

„Guten Morgen, Shane!“, sagte Al.

Die anderen nickten. In U-Form hatten sie ihre Stühle gerückt, ganz rechts saß Maree, die Sekretärin, die ihm aus ihrem vollen Gesicht mit den roten Lippen zulächelte - sie hatte ihm eine besonders warmherzige Karte geschrieben - neben ihr der Psychologe Dr. Nelson Drury, ein schmächtiger Mann mit sanften braunen Augen und herabhängenden Mundwinkeln, die ihm etwas Leidendes verliehen, links von ihm saß Andrew Ward von der Drogenabteilung, Ende fünfzig mit sonnengegerbtem Gesicht und einem dichten Faltengitter auf der Stirn, in die trotz seines Alters noch haselnussbraunes, dichtes Haar fiel. Neben Andrew Ward saß der Mann, den er nie wieder hatte treffen wollen: Internal Affairs Officer Michael – Mick - Lanski.

Sein zum Kinn hin spitz zulaufendes Gesicht war seitdem Shane ihn das letzte Mal vor zwei oder drei Jahren gesehen hatte, schmaler geworden. Auch das dunkelblonde Haar wirkte lichter, war aber noch immer akkurat seitlich gescheitelt. Mick Lanski wirkte überarbeitet, seine Haut war blass, als käme er nicht vom Schreibtisch weg. Doch seine Augen, bemerkte Shane, waren unverändert wie damals: Grau und wach. Lanski hatte als einziger das Jackett anbehalten, die anderen trugen Halbärmelhemden und Maree ein ärmelloses Kleid.

„Shane“, ergriff Al das Wort, „wie du weißt, wird in solchen Fällen die Interne Abteilung eingeschaltet. Mick ist offiziell mit der Untersuchung betraut. Wir sind hier voll und ganz auf deine Hilfe angewiesen. Bitte, Shane, versuche dich zu erinnern und berichte uns den Ablauf des Abends.“

Shane sah sie alle der Reihe nach an. Maree nickte ihm zu. Nelson Drury hüstelte und Mick Lanski lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Shane dachte an Ann und das Baby, und er fragte sich, was es ändern würde, wenn man den Mörder fände. Aber er hatte eine Rechnung zu begleichen, und er begann er zu berichten. Versuchte die Dialoge so exakt wie möglich wiederzugeben und endete damit, wie er wieder zu sich gekommen war. Danach herrschte einen Moment Stille, dann räusperte sich Andrew Ward, fuhr sich mit einer Hand über die Mundwinkel als würde er seinen Schnauzer glatt streichen, den er seit ein paar Monaten, wie sich Shane erinnerte, nicht mehr hatte.

„In der Drogenabteilung hatten wir keinen Darren Martin im Visier. Wir überprüfen gerade unsere Informanten, aber auf einen John, der in Frage kommt, sind wir bisher noch nicht gestoßen.“ Er ließ die Hände auf die Schenkel fallen, eine Geste der Ratlosigkeit. Sonst war Andrew nicht so leicht zu entmutigen, dachte Shane. Mick Lanski hatte Shane die ganze Zeit mit ausdrucklosem Gesicht angesehen. Jetzt verzog er es zu einem schwachen Lächeln, gab seine Haltung auf und formte mit seinen Händen ein Dreieck.

„Shane, wir alle wissen, wie schrecklich dieses Erlebnis war, dennoch muss auch die unangenehme Wahrheit ausgesprochen werden.“

Worauf spielt dieser Mistkerl an?, dachte Shane und bemerkte auch in den Gesichtern der anderen Irritation. Lanski sprach weiter. Deutlich und gewöhnt, dass man ihm zuhörte.

„Fakt ist: ihr hattet alle ziemlich viel getrunken, nicht wahr?“

„Das sagte ich bereits.“ Shane versuchte, sich seine Gereiztheit nicht anmerken zu lassen.

„Gut, das ist ja nicht verboten. Warum aber habt ihr euch dann in eine solche Gefahr begeben? Warum hat Jack den Polizisten gespielt?“

Jack, der ein Held sein wollte; Jack, der immer nach Anerkennung hungerte – nein, er würde seinen Partner nicht bloßstellen – und ganz sicher nicht vor Mick Lanski. Also sagt er:

„Er war immer Polizist, auch nach Dienstschluss.“

„Und was war an diesen Männern verdächtig? Ihre bloße Anwesenheit etwa?“ Mick Lanski musterte ihn.

„Ich weiß nicht, was Jack aufgefallen ist.“ Es kostete ihn große Mühe, so ruhig zu bleiben.

„Nun, inzwischen wissen wir“, schaltete sich Andrew Ward ein, „dass zumindest Darren Martin Drogen dabei hatte. Amphetamine: Ecstasy. Und zwar eine ganz beachtliche Menge. Straßenwert um die zwanzigtausend Dollar.“

Das waren etwa ein halbes Kilo Pillen, überschlug Shane.

„Das konnte Jack doch nicht wissen.“ Lanskis Augen blieben ungerührt.

Shane riss sich zusammen.

„Ich weiß es nicht, ich habe schon gesagt, dass ich nichts erkennen konnte, weil sie im Dunkeln standen.“

„Könnte es dann sein“, Lanski ließ seinen Blick über die Gesichter der anderen Zuhörer gleiten, „dass Jack einfach seine Aggressionen auslassen wollte? Alkohol macht aggressiv. Seine Frau erwartete das zweite Kind, es gab Stress, vielleicht wusste er, dass sie ihm Vorwürfe machen würde, weil er so spät nach Hause...?“

„Jack hat auch Verdächtige kontrolliert, wenn er nicht betrunken war!“

Lanski tippte die Fingerspitzen gegeneinander. Auf einmal hielt er in seiner Bewegung inne.

„Shane, wärst du stehen geblieben, wenn

du etwas Verdächtiges bemerkt hättest?“

„Vielleicht. Wer weiß?“

„Du wärst also stehen geblieben, obwohl du wusstest, dass du zuviel getrunken hattest und viel zu langsam reagieren würdest, wenn es darauf ankäme? Du würdest nicht sagen, dass Jack unverantwortlich gehandelt hat? Ihr habt ihn doch zum Weitergehen bewegen wollen. Aber er hat nicht gehört, sondern er hat leichtfertig sein und euer Leben aufs Spiel gesetzt!“

„Willst du Jack etwas anhängen? Er ist tot! Das scheinst du vergessen zu haben, Mick!“

„Moment!“, ging Nelson Drury dazwischen, „wir sollten die Angelegenheit nüchtern und sachlich erörtern.“

Lanski lächelte besänftigend.

„Selbstverständlich, Nelson. Shane, könnte es nicht auch sein, dass einer von euch zuerst geschossen hat, und der Mann sich wehren musste?“ Mick Lanski sah in die Runde. „Soweit ich informiert bin, konnte diese Frage, wer zuerst geschossen hat, von der Spurensicherung und der Pathologie bisher nicht ausreichend geklärt werden, nicht wahr?“

Jetzt konnte Shane seine Wut nicht mehr im Zaum halten.

„Ich kann beschwören, dass es der Mann war, der zuerst zur Waffe gegriffen und geschossen hat!“

„Shane!“ Lanski war ebenfalls lauter geworden, „darf ich dich erinnern, dass du gerade eben zugegeben hast – vorrausgesetzt, ich habe das richtig verstanden, die Männer da im Hauseingang gar nicht gesehen zu haben, oder? Du hast demnach nur eine Stimme gehört. Ist das korrekt?“

„Ja.“

„Nun, wie kannst du dann behaupten, du hättest genau gesehen, dass dieser Mann zuerst geschossen hat?“

„Mick!“ Al stand auf. „Es sollte hier klar sein, dass Shane nicht auf der Anklagebank sitzt!“

Andrew Ward und Maree nickten zustimmend. Mick drehte seinen Stift zwischen den Fingern.

„Al, das behauptet ja auch keiner“, sagte Mick aalglatt. „Es geht lediglich darum, den Tathergang genau zu rekonstruieren, um den Täter zu finden und um gewappnet zu sein, wenn die Öffentlichkeit genau diese Art von Fragen stellen wird. Und das wird sie mit Sicherheit.“

Al nickte. „Mick hat in dem Punkt Recht. Wenn es die Presse auf uns abgesehen hat, kann sie behaupten, wir hätten das Feuer auf harmlose Passanten eröffnet.“

Shane traute seinen Ohren nicht.

„So ein Bullshit! Harmlose Passanten, die eine Waffe haben und drei Polizisten erschießen!“

„Dass wir uns nicht falsch verstehen, Shane“, sagte Mick scharf, „nicht Al behauptet das, sondern eventuell die Presse. Es gab innerhalb der letzten sechs Monate drei Schießereien, in denen Polizisten jemanden getötet haben. Die Öffentlichkeit ist schnell dabei, wenn es darum geht, der Polizei das Etikett schießwütig zu verpassen.“

Al wandte sich Shane zu. „Du sagtest, Jack habe einen der Männer Harry genannt.“

Bevor Shane antworten konnte, sagte Lanski:

„Nun, das durfte ein Missverständnis gewesen sein. Wir haben seinen Bekanntenkreis durchkämmt. Da gibt es tatsächlich zwei Harrys, aber einer von ihnen ist dreiundachtzig und der andere ist nachweislich seit vier Wochen in Europa.“

„Jack hatte ein verdammt gutes Namens- und Personengedächtnis. Er irrte sich nur selten.“ Shane ließ sich nicht so schnell entmutigen.

„Shane“, begann Mick wieder, „es war dunkel und ihr wart alle betrunken. Unter diesen Umständen kann man sich doch mal täuschen?“

Shane warf ihm einen geringschätzigen Blick zu.

„So wie damals am Hafen? Ich hätte dein Versagen beinahe nicht überlebt!“

Abruptes Schweigen. Einen kurzen Moment lang sah Shane in den Augen von Lanski etwas aufblitzen – Wut?, Hass? -, aber es verschwand wieder, ehe Shane es benennen konnte.

Al hob die Hand.

„Shane, wir sollten hier alle persönlichen Dinge herauslassen... aber, ich denke, wenn auch Mick einverstanden ist, dass wir fürs Erste aufhören. Shane muss sich erholen. Und wir sind alle froh, dass wenigstens er überlebt hat.“

„Diesen Umstand sollten wir auch nicht vergessen.“ Das kam von Mick Lanski. Shane starrte ihn an.

„Was willst du damit sagen, Mick?“

„Ja, Mick“, Al legte die Stirn in Falten, „was willst...“

„Nun, natürlich sind wir alle froh, dass wenigstens ein Kollege überlebt hat. Aber“, Lanski machte eine kurze Pause.

In der sekundendauernde Stille wagte niemand etwas zu sagen, bis Mick in einem merkwürdigen Ton sagte:

„Vielleicht war es ja gar kein Glück. Vielleicht wollte er, dass nur du überlebst, Shane.“

Shane brauchte einen Moment, um zu begreifen, was Lanski meinte.

„Willst du etwa behaupten, ich hätte etwas mit den Morden zu tun?“

„Mick, das kannst du doch nicht...“, sagte Al, doch Lanski schien ihn nicht zu hören.

„Ich behaupte gar nichts. Ich bitte euch nur zu bedenken, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint.“ Jäh erhob sich Lanski, sagte noch etwas, das sich wie Auf Wiedersehen anhörte und ging hinaus. Die anderen sahen ihm sprachlos nach.

„Ich will, dass ihr jetzt alle geht“, sagte Shane. Er konnte nicht mehr. Die Wut und das Gefühl, ohnmächtig zu sein, machten ihn fertig. Beim Hinausgehen legte Al Shane die Hand auf die Schulter, sah ihn an, wollte vielleicht etwas Aufmunterndes sagen, doch dann ging er nur mit einem Kopfnicken.

Kapitel 6


In den Weihnachtsferien wollte jeder zum Strand. Erst in den letzten Tagen des Januars fiele Mooloolaba wieder in seinen üblichen Halbschlaf zurück. In den Restaurants müsste man dann nicht mehr um einen Platz anstehen, am Strand könnte man wieder auf seinem Handtuch die Arme ausstrecken ohne gleich benachbarte Handtücher zu berühren und einen Parkplatz fände man auch auf Anhieb, dachte Josh während er im Verkehr stand, der sich auch in den Nebenstraßen des Ortes staute. Sein Wagen hatte keine Aircondition und so machte die von einem strahlendblauen Himmel brennende Sonne den Innenraum zu einem Backofen, und die heruntergedrehten Scheiben halfen in einem Stau auch nichts.