Cover

Über dieses Buch:

»Du wirst Glück haben, aber keinen Erfolg. Du findest Zugang zu den Herzen – doch nur, weil du mit dem Herzen eines Toten spielen wirst.«

Rom um 1720: Als die berühmte Wundergeige des Komponisten Corelli in die Hände des armen Spielmanns Niccolo fällt, gelangt dieser zu Ruhm und Ansehen. Auch seinem Sohn Marcello verhilft der betörende Klang des bedeutenden Instruments zu einer Karriere als Virtuose. Doch die Neider sind nicht weit und so werden sie von einem mächtigen Gegner verfolgt, der um sie herum ein Netz aus Intrigen spinnt – getrieben von dem manischen Wunsch, Corellis Geige zu besitzen …

Über den Autor:

Andreas Liebert, von Kindheit an von Dresden fasziniert und geprägt, ist Kulturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt 18. und 19. Jahrhundert. Seit Jahren arbeitet er als Schreibcoach für eine bundesweite Romanwerkstatt, gleichzeitig engagiert er sich als Lehrkraft im zweiten Bildungsweg.

Bei dotbooks erschienen bereits Andreas Lieberts Krimi »Das letzte Viertele« sowie die historischen Romane
»Das Blutholz«
»Der Hypnotiseur«
»Die Handheilerin«
»Die Töchter aus dem Elbflorenz«
»Das Gesicht des Teufels«
»Die Tochter des Hexenmeisters«

***

Überarbeitete eBook-Neuausgabe Januar 2016

Dieses Buch erschien bereits 1998 unter dem Titel Marcellos Geige bei Lichtenberg Verlag

Copyright © der Originalausgabe 1998 Lichtenberg Verlag, München

Copyright © der überarbeiteten Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung von Gilbert-Stuart/Der Schlittschuhlaeufer

E-Book-Herstellung: Open Publishing GmbH

ISBN 978-3-95824-489-4

***

Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

***

Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weitere Bücher aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort »Corellis Geige« an: lesetipp@dotbooks.de (Wir nutzen Ihre an uns übermittelten Daten nur, um Ihre Anfrage beantworten zu können – danach werden sie ohne Auswertung, Weitergabe an Dritte oder zeitliche Verzögerung gelöscht.)

***

Besuchen Sie uns im Internet:

www.dotbooks.de

www.facebook.com/dotbooks

http://blog.dotbooks.de/

Andreas Liebert

Corellis Geige

Historischer Roman

dotbooks.

So ließ mein Zauber, scheu vor höh’rem Triebe,
mein Herz dem Liebeszauber unterliegen,
drum über allem Zauber ist die Liebe!

Calderôn de la Barca

PROLOG

DAS WEIHNACHTLICHE LICHT brannte in der päpstlichen Cancelleria nie mit demselben Glanz wie in den anderen römischen Palästen. Und mit wie viel Kerzen der Hausherr, Kardinal Pietro Ottoboni, die Räume auch erleuchten ließ, die Strenge des Gebäudes verdüsterte die Stimmung und zauberte um die Kerzenpracht einen schwermütigen Flor. Die meisten Gäste am diesjährigen ersten Weihnachtsabend eilten daher auch schweigsam durch die Flure: Kirchenobere, Gesandte fremder Mächte und die beiden hagestolzen römischen Aristokraten, denen bei jedem Schritt der Puder von der Allongeperücke rieselte. Selbst von den papageienbunt gekleideten und geschminkten Kavalieren tuschelten nur wenige mit den ihnen gewogenen Damen – Schönheiten, in gerafften Seidenröcken und mit nach Rang bemessenen Schleppen, deren Reichtum an ihren brillantenbesetzten Haarbändern abzuschätzen war.

»Auge Gottes« hatten Volk und Geistlichkeit den Palazzo della Cancelleria wegen seines dreieckigen Grundrisses getauft. Höhere weltliche Stände bespöttelten den Bau dagegen als des Papstes »Kabinett der Herzenskümmernisse«, und nur die Unwissenden hatten den Blick frei für die Ebenmäßigkeit der Geometrie und den klassischen Zug der Fronten. Allein sie konnten von der Harmonie der Säulengänge des Innenhofes schwärmen: solch Ahnungslose, die keinen Begriff von der Sacra Romana Rota hatten, die Glücklichen, die nicht mit der Bedrängnis dieses unerbittlich langsamen Gerichtes leben mussten, das darüber entschied, ob eine vor Gott geschlossene Ehe von den Menschen getrennt werden durfte oder nicht. Jahrhunderte der Verirrungen und Kümmernisse des Herzens türmten sich als Dokumente des Leidens in den Aktenschränken dieses Gerichts, zu dem nur wenige erlauchte Prälaten Zutritt hatten.

Doch heute, am 25. Dezember 1712, sollte all diesen grambeladenen Schicksalen wenigstens einmal die frohe Botschaft verkündet werden. Ein gewagter, aber doch mehrheitlich beklatschter Einfall, den Pietro Ottoboni, Neffe des Papstes Alexander VIII., aufwendig inszenierte. Begeisterter Mäzen und Ästhet, war der Kardinal über sein Amt als Vizekanzler der Heiligen Römischen Kirche hinaus auch Schirmherr der päpstlichen Kapelle. Sein Enthusiasmus für die Musik trieb ihn dazu, ein eigenes Orchester zu unterhalten, und sollte ihn am Ende seines Lebens ruinieren. Aber dieser Musikbesessenheit verdankten die Gäste jenes Ereignis, das im Banne der Aktengräber der Sacra Romana Rota stattfand: die Verkündigung der frohen Botschaft allein aus dem Geist der Musik. Dies war so ernst gemeint, wie es sich für einen Kirchenfürsten gehörte, doch Pietro Ottoboni war Weltmann genug, um seine Gäste nicht ausschließlich mit Tönen zu bewirten. Dem Konzert ging ein Festmahl voraus, das den Gegenwert von vierzig Kilogramm Silber verschlang, wovon drei Viertel für die Trüffeln hingegeben wurden, mit denen die Truthähne gefüllt waren: eine Delikatesse, die Kavaliere und Damen verwegene Blicke tauschen ließ, galten Trüffeln doch als Garanten lustvoller Liebesabenteuer.

Die fünf ovalen Tische, an denen jeweils zwölf Gäste tafelten, waren verschwenderisch mit trionfi della tavola geschmückt, jenen aus Marzipan gefertigten Figuren, die die Begebenheiten um die Geburt des Erlösers erzählten. Selbstverständlich sollten sich die Gäste in den Gesichtern der Hirten und Engel wiedererkennen, und die anerkennenden Ausrufe darüber waren dem Kardinal fast ebenso wichtig wie das musikalische Programm: componimenti musicali, die schönsten Chöre und Arien aus den in den Jahren zuvor am Christabend im Palazzo Apostolico aufgeführten Oratorien, Sternstunden römischer Kompositionskunst, die der Kardinal zu einer unterhaltsamen und andachtsvollen Weihnachtsmusik zusammengestellt hatte. Davon wussten alle, deshalb war man gekommen – nicht eingerechnet das Vergnügen, das Klatschpolster aufzufüttern, mit seinesgleichen in Erinnerungen zu schwelgen und zu lästern, oder sich an den Dekolletés der Damen zu entzücken. Vom eigentlichen Höhepunkt des Festes indes wusste von den Geladenen niemand. Aber auch wenn einer der Bediensteten geplaudert hätte: Das Ereignis dieses Weihnachtsabends wäre den apathisch in ihren Sesseln verdauenden Zuhörern bestimmt so viel Beifall wert gewesen wie die soeben verklungenen componimenti musicali ihres Kardinals.

***

Eine kleine Stärkung wurde gereicht: Kaffee mit Tresterbrand und in Honig eingelegter Ingwer. Die scharfe Wärme, die ein solcher Trank im Magen entfachte, ließ die Damen erschauern, aber Pietro Ottoboni betrachtete die Kur als zumutbar. Denn die Gäste sollten wach sein für seine Überraschung. Dass es eine werden würde, daran zweifelte der Kardinal nicht, auch wenn er in den Gesichtern Enttäuschung las. Schließlich saßen die Musiker noch auf dem mit rotem Samt bezogenen Podest. Also wieder Musik? Dazu wohl noch von einiger Länge? Denn wozu sonst reichten die Bediensteten den Instrumentalisten – zugegeben: den besten Musikern der Welt – Spezereien von der Festtafel, Wein und Kaffee?

Ein scharfer Blick des Kardinals brachte zwei aufgeregt miteinander tuschelnde Damen zum Schweigen, die sich darauf ihren Kavalieren zuwandten und ihnen etwas ins Ohr flüsterten. Deren Mienen heuchelten Verständnis, doch die Gesten des Bedauerns waren eindeutig. Sosehr die beiden auch beteuerten, mit der Angebeteten tausendmal lieber auf eine erotische Soirée zu gehen, als noch einmal Musik anzuhören: Es würde einen zu großen Affront bedeuten, sich jetzt zu verabschieden. Die Gunst des Kardinals zu verlieren, war ein zu hoher Preis – denn womöglich hätte dies den Verlust von Pfründen bedeutet, waren diese auch noch so gering. Zum Glück war Pietro Ottoboni gut gelaunt. Mit einem zweiten, freundlichen Blick versöhnte er die Damen, ließ seine Gesellschaft noch ein wenig schwatzen und gab dann unbemerkt das Zeichen.

Die Kerzen wurden gelöscht, derart, dass es kaum spürbar dunkler wurde. Nach einem genau ausgetüftelten Plan färbte sich das Licht in ein immer dunkleres Gold, tauchten die in den Kristallspiegeln widerscheinenden Kerzen den barocken Festsaal in eine magische Aura. Wechselnde Farben flossen über Sessel und weiße Stukkaturen, ließen Gobelins und antike Statuen unwirklich erscheinen. Schwächer wurde das Licht und zugleich kälter. Die Bediensteten hatten blaue Glaszylinder über die Kerzen gestülpt und brannten bengalisches Licht ab, das nach Weihrauch und Myrrhe duftete. Unter der hohen Decke verdichtete es sich zu einer Wolke, die langsam auf das Musikerpodest zutrieb. Und dann versank die Welt in ein alles verschlingendes Schwarz. Ein Schwarz, das gebieterisch Stille forderte und die Gäste an ihre Sessel fesselte. Dauerte es eine Minute? Zwei? Eine halbe Stunde? Aussichtslos lang erschien der Gesellschaft diese Stille, deren Macht ihren Hochmut beugte und ihre Eitelkeit zerschliss.

Wie der Leibhaftige ließ der Kardinal seine Schäfchen in der Finsternis leiden, bis plötzlich entschlossene, kurze Orchesterschläge die Angst in erschreckte Stoßseufzer verwandelten. Ein beeindruckender Effekt, der Auftakt zu jenem Musikstück, das allein seinem Schöpfer Unsterblichkeit bescheren sollte: Arcangelo Corellis Weihnachtskonzert. Pietro Ottoboni lächelte zufrieden über die gelungene Szene, aber als Opernkenner wusste er, dass die Macht der Töne noch gesteigert werden konnte, wenn sie von einem pathetischen Bild, einer Szene ummalt wurden. Geisterhaft flammten blaue Lichter vor dem Orchesterpodest auf und ließen allmählich die Konturen des vergoldeten Kardinalssessels aufschimmern. Doch es war nicht Pietro Ottoboni, der auf ihm thronte, sondern ein anderer. Eine traurige, zusammengesunkene Gestalt, ein Mann mit eingefallenen Zügen, weiß geschminkt, ein Gesicht, das vom Abschied an die Welt gezeichnet war: Arcangelo Corelli, der Erzengel der italienischen Musik, der todkranke Kapellmeister des Kardinals.

Laute der Überraschung durchbrachen die Stille, da erklangen ein zweites Mal die Schläge des Orchesters, kräftiger und energischer als beim ersten Mal – Drohung und Aufforderung in einem. Sofort erstarb das Gemurmel, dann geschah etwas, das in seiner Theatralik die Gemüter atemlos erstarren ließ. Aus dem schwarzen Nichts fassten zwei Hände nach etwas, von dem jeder wusste, dass es dem Maestro das Wertvollste, ja Heiligste war, das er besaß: seine Geige, eine Andrea Guarneri. Sie war das von allen Virtuosen bewunderte Meisterwerk des Begründers der gleichnamigen Cremoneser Geigenmacherdynastie. Ein Instrument, dessen silbrig klarer Flüsterton schlichte Tanzweisen in engelsgleiche Melodien verzauberte, aber auch mit solch majestätischer Fülle und Kraft auftreten konnte, dass es den Vergleich mit einer Posaune herausforderte. Darüber hinaus war diese Guarneri ein Muster schlichter Schönheit: goldrot im Lack, Griffbrett und Wirbel ebenholzschwarz, dazu der Ahorn des Geigenbodens von so vollkommen symmetrischer Flammung, dass man meinen könnte, sie wäre aufgemalt worden und nicht das Ergebnis sorgfältigster Holzauswahl. Selbst Antonio Stradivari soll vor diesem Instrument das Knie gebeugt und ausgerufen haben: »Niemals werde ich imstande sein, etwas Ähnliches zu machen!« Und diese Geige wurde jetzt vor aller Augen dem Maestro entwunden. Nicht ohne Kampf ging dies ab, denn Corelli barg die regina del cuore, wie er seine Andrea zärtlich nannte, an seiner Brust – aber sie wurde ihm schließlich entrissen, während ein drittes Mal das Orchester aufstampfte: im fortissimo und so gebieterisch, als ob der heilige Erzengel selbst zurückforderte, was er einst in höherem Auftrag seinem Namensschützling geschenkt hatte.

Mit feuchten Augen verfolgte die Gesellschaft dieses Schauspiel, das nur wenige Augenblicke dauerte, aber gesteigert wurde durch das nun einsetzende Grave des Concertos: Aus einem im Bass aufbegehrenden Seufzer entwand sich eine gequälte, langsam absteigende Melodie, die zusammen mit den über ihr einsetzenden Violinen zu einer Musik anschwoll, in der die Stimmen wie in Bewegung gebrachte Gesteinsschichten ineinandergeschoben waren. Gram in nie gehörter Form führte dieser Klangblock vor. Aber warum? Dies sollte der Anfang eines Weihnachtskonzertes sein? Diese Beschwörung des Kreuzes in Tönen? Was hatte sich der Maestro dabei gedacht?

Die Zuhörer fragten sich dies erst viel später, als der Verstand wieder über das Herz siegte und ihnen die Antwort gab: Das Geheimnis der Geburt Christi vollzieht sich uns vor der Gewissheit seines schmählichen Todes. In der Dunkelheit des Festsaales jedoch kapitulierte die Vernunft. Gefangen von der Inszenierung, enthüllte sich den Gästen des Kardinals die Botschaft der Freude erst, als gegen Ende des Grave ein Stern vor ihnen aufging, der in Richtung der anfangs noch verhängten Loge wanderte. Ein von Kerzenlicht illuminiertes Krippenspiel bot sich den Zuhörern dar, verklärte die Düsternis endlich wieder zur Weihnacht.

Mit geschlossenen Augen lauschte der Maestro seiner Musik. Ihm war gleichgültig, was die anderen empfanden, schmerzvoll war allein, dass ein anderer jetzt auf seiner regina spielte. So unendlich müde und melancholisch, wie er sich seit Wochen fühlte, hatte er nicht mehr die Kraft, seinem Gönner das Spektakel auszureden. Und dann war da noch das Gebot des Anstands: Wie konnte er es wagen, einfach sterben zu wollen, wenn der Kardinal ihn noch brauchte?

Aber Pietro machte seine Sache meisterhaft. Siebzehn Jahre war dieser Locatelli, der begabteste Schüler, den er je hatte, gerade alt, doch er spielte mit einer Vollendung, als hätte er nie auf einem anderen Instrument gespielt. Tommaso Albinoni, dem die zweite Stimme oblag, war kaum zu hören. Sollte er Pietro vielleicht doch die Guarneri vermachen? Nein! Corellis Herz krampfte sich zusammen: Die regina gehörte zu ihm und würde mit ihm begraben werden. So, wie er es testamentarisch verfügt hatte.

Nicht aufhören! Das Rascheln der gewendeten Manuskriptblätter hatte Corelli aufschrecken lassen, aber einen Herzschlag später klang die Musik wieder auf und zauberte im Wechselgesang der langsam auf- und niedersteigenden Soloinstrumente das Bild des in den Armen der Mutter gewiegten Kindes.

Nicht mehr aufhören, jetzt! Corelli wünschte, die Töne seines Concertos würden sich zu einem endlosen Reigen fügen. Seltsam losgelöst von seinen Ursprüngen erschien ihm auf einmal sein Werk. Kaum begriff er, dass er es der Welt geschenkt hatte, spürte aber, wie die Musiker eine Aura des Lichtes aus seiner Komposition zauberten. Und dieses Licht brachte Frieden, machte demütig für die Weihnachtsbotschaft. Ridur lo mondo a suo modo sereno – die Welt zurückführen auf ihr feierliches Maß: Dantes Vers aus dem Paradies war mit dieser Musik Wirklichkeit geworden.

Es blieb still, nachdem die letzten Töne der Pastorale verklungen waren – jenem wehmütig süßen Hirtenidyll mit seinen bassbrummenden Sackpfeifenklängen. Eine geläuterte Musik, Musik ohne allen Zwang. Man erhob sich schweigsam und murmelte Dankesworte gegen den Kardinal, der es sich nicht nehmen ließ, zum Abschied jedem seiner Gäste den Segen zu erteilen. Entspannt schritten sie durch die Cancelleria, noch die sequenzenselige Melodie der Pastorale im Ohr, die sich mit ihrem gleichsam unaufhörlichen Fluss in den Köpfen festgesetzt und ihnen dieses Weihnachten zu einem Fest des Lichtes gemacht hatte.

***

Zwei Wochen später war der Maestro tot. Eine Nachricht, die der Festgesellschaft, entgegen ihrem üblichen Lebenswandel, Augenblicke des Nachdenkens wert war. Denn das Erlebnis in der Cancelleria blieb lange lebendig, ja, es wurde in den folgenden Jahren geradezu verklärt. Wenn irgendwo Musik gemacht wurde, beschwor man die Erinnerung – und übertrumpfte sich wortreich in der Sehnsucht nach dem süßen Klang von Corellis Geige.

Manch einer fand den Weg zur Beisetzungszeremonie ins Pantheon, der den Planetengöttern geweihten Halle des Marcus Agrippa. Arcangelo Corelli, der römische Fürst der Komposition und Orpheus der Geige, war für würdig befunden worden, hier seine letzte Ruhestätte zu finden – wie lange vor ihm Raffael, der König der Maler. Seit dem frühen Morgen wachten Schüler und Freunde am offenen Sarg. Hunderte nahmen Abschied, der Kardinal hielt die Leichenpredigt. Locatelli sollte es vorbehalten sein, seinem Lehrer nach dem Vaterunser die regina del cuore wieder zu überantworten. Unter den hellen Schlägen des Sterbeglöckchens erhielt der virtuosissimo di violino sein über alles geliebtes Instrument zurück. Vorsichtig schob sie Locatelli unter die gefalteten Hände und forschte anschließend im Gesicht des Kardinals. Aber da war nichts. Der einstige Lieblingsschüler beruhigte sich wieder – er allein hatte des Maestros letzten Gruß gehört: die verschlierte Dissonanz, die die leichenstarren Finger den Saiten entrissen hatten. Gleich darauf legten vier Messdiener den Sargdeckel auf – ein hochgewölbtes Prunkstück, das vorübergehend die Leiche und ihren Schatz schützen sollte. Der Kardinal besprengte ihn mit Weihwasser und ging als Einziger den Trägern hinterher, die mit vor Anstrengung bebenden Körpern zur siebenten Kapelle schritten, wo bereits ein Stück des Mauerwerks herausgenommen war. Eine knappe Woche würde es noch dauern, bis die marmorne Grabtafel mit dem lateinischen Epitaph des Kardinals gehauen war. Genügend Zeit für den Tischler Gemelli, einen der Höhe der Wandgruft angemessenen, flachen Sargdeckel zu zimmern.

Am übernächsten Tag kam er in der Frühe zum Ausmessen in die Rotonda, wie der Volksmund das Pantheon nannte. Aber schon am Nachmittag ließ er seinem Gesellen ausrichten, dass dieser den Deckel allein anfertigen solle.

***

Es war nicht mehr weit zum Haus des gnädigen Herrn. Hier, auf der Piazza della boca della veritä, dem antiken Rindermarkt am Tiberufer mit dem Rundtempel der Vesta, hatte Lucio Angst und schlechtes Gewissen so weit abgeschüttelt, dass er wieder den peitschenden Regen spürte. Aber so fest er den Hut jetzt auch in den Nacken drückte und den Kopf zwischen die Schultern zog: Sein Überrock war längst an den Schultern durchweicht, und das Wasser tropfte durch die Krempe in den Nacken. Lucio begann zu frieren wie noch nie in seinem Leben, aber kein Fluch kam ihm über die Lippen – im Gegenteil: Seine Lippen bewegten sich, weil er ein Ave-Maria betete und der Heiligen Jungfrau schwor, einen gehörigen Teil von seinem Lohn den Armen zu spenden.

Einhundert Dukaten! Mehr als das Dreifache, was er als Geselle in einem Jahr von seinem Meister erhielt. Genug, um sich anständig zu verheiraten, eine Familie zu gründen und eine eigene Tischlerwerkstatt aufzumachen.

Das dreigeschossige Haus lag am Fuß des Aventin, gegenüber dem Palatinhügel mit seinen antiken Palastruinen und dem von den Farnese angelegten botanischen Garten. Lucio musste ein paarmal mit dem Türklopfer anschlagen und eine ziemliche Zeit warten, bis er endlich Schritte hörte. Von seiner Größe her war das Haus eigentlich ein Palazzetto, machte aber einen heruntergekommenen Eindruck. Die Vorderfassade war von Fensterläden bedeckt, von denen einige schief in den Angeln hingen und bei jedem Windstoß quietschend gegen das Mauerwerk schlugen. Ein Fenster war ganz ohne Glas und starrte so abschreckend in die Nacht, dass Lucio zu zweifeln begann, ob er die ihm versprochenen einhundert Dukaten auch wirklich bekäme.

»Wen soll ich melden?« Der Diener fragte es mit für die späte Abendstunde überraschender Höflichkeit, während er mit seinem Windlicht dem Besucher ins Gesicht leuchtete.

»Mich. Ganz einfach mich«, sagte Lucio bestimmt. »Auch wenn ich so aussehe wie ein Landstreicher, der in den Tiber gefallen ist. Sagt dem gnädigen Herrn, ich habe ein Geschenk für ihn.«

Lucios Worte hatten die Wirkung einer Losung. Mit einladender Geste trat der Diener zur Seite und gab die Tür frei. Quer über den Innenhof, einen sorgfältig angelegten Gemüsegarten mit Kaninchenstallungen und Hühnerverschlag, geleitete er Lucio zu einem säulengeschmückten Portal, hinter dem eine mit Schnitzereien verzierte Rundbogentür zu einem laternenerleuchteten Treppenhaus mit doppelläufiger Treppe führte. »Schuh und Gamaschen bitte ausziehen.«

»Soll wohl mit meinen Socken das Parkett polieren, was?«

»So weit ist es noch nicht«, sagte der Diener betont und reichte Lucio ein Paar Stiefel mit schiefen Absätzen, unförmigen Stulpen, die in einen Pferdestall passten, aber nicht in die Wohnräume eines Adligen.

»Für den Schuhmacher ist kein Geld mehr da?«, fragte Lucio misstrauisch und verfluchte seine Leichtgläubigkeit. Einhundert Dukaten sollte er bekommen – aber von einem Herrn, der nicht mal das Geld hatte, neue Absätze zu bezahlen? Ausgeschlossen.

»Beleidigen Sie den gnädigen Herrn, nicht mich. Er ist in diesen Dingen etwas wunderlich. Trotzdem können Sie beruhigt sein: Das Geschenk wird angemessen honoriert werden. Schon deshalb, weil ich hier für Gotteslohn Dienst tue.«

Lucio verzog das Gesicht zu einer Grimasse. Zu solchen Scherzen war er nicht aufgelegt – noch nicht.

»Das letzte Stück müssen Sie alleine gehen. Der gnädige Herr hat es so befohlen. An der Tür ganz oben dreimal klopfen.« Der Diener hielt Lucio das Windlicht hin und zeigte auf die rechte der beiden ausladenden Treppen. Nachdem der Gast hinter der ersten Kehre verschwunden war, bekreuzigte er sich und machte sich mit einer Bürste daran, dessen Gamaschen und Stiefel zu reinigen.

»Jetzt wird sichs gleich zeigen«, murmelte Lucio, als er vor der Tür stand, von der ein seltsamer Duft nach gebratenem Geflügel und Räucherwerk ausging.

Francesco da Bini selbst öffnete. Der letzte Nachfahr des Kanonenkommandanten Michael da Bini, der 1527 von der Engelsburg an der Seite des Bildhauers Benvenuto Cellini mit genau plazierten Schüssen die deutschen und spanischen Söldner Karls V. in Schach gehalten hatte, war von gedrungenem Körperbau, der zu dem schmalen Gesicht mit seinen tief melancholischen Augen in irritierendem Gegensatz stand. Papst Clemens VII., der sich damals in der Engelsburg verschanzt hatte, verdankten die Binis ihren Aventinpalazzetto: ein Renaissancegebäude, in dem die protestantischen Söldner zuvor die Eigentümer getötet und das Mobiliar im Winter verheizt hatten. Das Geschenk des Papstes überforderte jedoch die Finanzkräfte der da Binis, von denen manch einer zu Zeiten der Gegenreformation in den Kellern der Inquisitionsgerichte diente. Noch unter Papst Clemens gab man die Repräsentationsräume des piano nobile, mit seinem beeindruckenden Dionysos-Mosaik im Fußboden des salotto, zu dem Pinturicchio einen Zyklus von Herkules-Fresken gemalt hatte, auf und zog sich auf das zweite Obergeschoss zurück.

»Auftrag ausgeführt«, sagte Lucio langsam und klopfte auf den flachen Holzkasten, den er unter die Achsel geklemmt hatte.

Francesco da Bini warf ihm einen triumphierenden Blick zu und sagte: »Komm mit. Dann wirst du hören, dass deine Schurkerei sich gelohnt hat.«

Lucio hatte nichts dagegen. Wenn dies das Letzte war, das er tun sollte, nun denn, in Gottes Namen. Da Bini riss eine Tür auf und rief in das Dunkel nach Essen und Wein: Im ersten Moment verzog Lucio unwillig den Mund, doch fast gleichzeitig meldete sich der Hunger. Also erst essen, dabei ein bisschen zuhören, und dann das Geld. Die mit Schnitzereien verzierten Holzvertäfelungen und die Teppiche, mit denen jedes der Zimmer ausgelegt war, dazu die in Vitrinen zur Schau gestellten silbernen Prunkkelche und Tafelgedecke sagten ihm, dass Francesco da Bini wohl doch nicht so mittellos war, wie dessen Diener ihm hatte vormachen wollen.

Im Musikzimmer legte Lucio den Kasten auf das Cembalo, das genau die Mitte des Raumes einnahm, und schaute da Bini herausfordernd an. Der nickte und entnahm seinem mit Notenblättern befrachteten Sekretär einen Lederbeutel, den er Lucio zuwarf.

»Sonst schmeckt dir die Musik nicht«, sagte er. »Denn auch wenn du von ihr so viel Ahnung hast wie die Jungfrau vom Kind: Sollte das Schicksal dir wider Erwarten das Rad bescheren, weißt du wenigstens, warum.«

»Ja, ja, ja. Mir das Rad und Euch das Schwert. Die Nacht ist noch lang, wisst Ihr? Ein Zurück nicht unmöglich.«

Da Bini, der ans Cembalo getreten war und mit der Hand über den Kasten strich, antwortete nicht. Erst nach einer längeren Pause begann er, ohne sich umzudrehen, wieder zu sprechen. Seine Stimme klang jetzt heiser. Stoßweise brachte er die Sätze heraus, mit denen er sich zu seiner Untat bekannte: den Raub der regina del cuore Arcangelo Corellis. Die Worte waren das Eingeständnis maßloser Leidenschaft und Hoffnung, Lucio aber so gleichgültig, dass er seinen Lederbeutel geräuschvoll auf einen Tisch ausleerte und halblaut die Münzen zu zählen begann.

»Du weißt nicht, was das ist: Musik! Kennst nicht die Dämonen, die Töne heißen und dich hetzen. Tag und Nacht. Töne! Die sich zu Melodien verschwören, zu denen dein Herz bizarre Harmonien setzt, weil du der alten so unendlich überdrüssig bist und sie zu deinen Leidenschaften so wenig passen wie die Haut der Greisin zur Göttin der Liebe. Und dann? Zum tausendsten Mal hast du versucht, alles einzufangen und aufzuschreiben, betest, dass diesmal, einmal nur! die Flüchtigkeit der Töne der Erbärmlichkeit des irdischen Klangs standhalte. Aber nein! Nein! Der erste Ansatz des Instrumentes schon ist Hohn, Fluch! Deine Töne tanzen bloß im Takt der Kakophonie. Ohne Herz und Verstand! Das Papier, das du beschrieben hast, ist wertlos geworden.«

Geschirrklappern ließ da Bini verstummen. Eine nur mit einem langen Hemd bekleidete Magd brachte Käse, kaltes Huhn, Brot, Oliven und Öl. Die Karaffe Wein war bis zum Rand gefüllt, die beiden Gläser schon vollgeschenkt. Lucio ließ sich nicht erst bitten und begann sofort zu essen. Da Bini schaute eine Weile zu, doch er schien nichts wahrzunehmen. Er begann weiterzuerzählen, wobei er sich immer mehr ins Flüstern verlor.

»Aber so wie Hiob alles Leiden vergolten wurde, so geschah es mir, als der Maestro starb und ich die regina auf seiner Brust liegen sah. Die regina, hörst du? Das einzige Instrument auf dieser Welt, das seine irdischen Ingredienzien verleugnet – Holz, Leim, Harz, Leinöl, Weingeist, Schafdarm. Nur mit der regina kann der Flüchtigkeit der Töne Einhalt geboten werden. Den verfluchten Tönen, die schneller sind als meine Feder. Ja! Denn die regina fängt sie ein. Wenn ich ihr lausche, brauche ich nur noch abzuschreiben, was sie aus meinem Herzen gesammelt hat.«

Lucio kommentierte da Binis Geflüster mit lautem Aufstoßen und warf eine Olive in die Luft, die er mit seinem Mund auffing.

»Trinkt was«, sagte er. »Das vertreibt das Grübeln. Eure, mit Verlaub gesprochen, Narrheiten sind mir egal. Ihr habt gezahlt, wir sind quitt. Aber ich sollte doch noch was zu hören kriegen, oder? Wenn, dann bitte jetzt. Denn verzeiht, ich bin müde.«

Da Bini starrte Lucio an, verzog sein Gesicht zu einem Lächeln und zeigte auf den Wein. Lucio reichte ihm das Glas und zog sich einen Stuhl heran, auf den er seine Füße legte. Die Arme vor der Brust verschränkt, schaute er zu, wie da Bini den Deckel des Holzkastens abhob und das dicke Vlies zurückschlug, das die regina vor Stößen schützte. Nur wenige Sekunden betrachtete da Bini das Instrument, trat dann mit entschlossenen Schritten auf Lucio zu und riss ihn mitsamt dem Stuhl zu Boden.

»Pass auf, du stinkendes Stück, dass ich dich nicht zertrete«, stieß er hasserfüllt aus und drückte seine Stiefelspitze gegen Lucios Hals. »Wir da Binis sind Blut gewohnt. Es war seit Generationen unsere Bestimmung, es zu vergießen. Schmerzensschreie sind Musik für unsre Ohren, hörst du? Wir genießen den Anblick des Todes – und die Angst davor. Meine Nase kann ihn noch riechen, den Angstschweiß, den du hier reingetragen hast.«

Da Bini rieb mit der Stiefelsohle über Lucios Hals, wobei er mit dem Absatz etwas auf dessen Gurgel drückte. Lucio lag mit geschlossenen Augen da und rührte sich nicht. Er hatte keine Angst. Er wusste, da Bini würde ihn freigeben, wenn er seine Galle bis auf den letzten Tropfen über ihn ausgeschüttet hatte. Der Lederbeutel in seiner Hosentasche gab ihm Kraft.

»Wie war sie, die Visage des Todes?«, zischte da Bini. »Wie sah er aus, der virtuosissimo Corelli, hm? Ein ledriges Mumiengesicht mit eingefallenem Mund und Hakennase. Mehr nicht, ja? Aber als du ihm die regina wegnahmst, da gingen die Augen auf, nicht? Pupillenlos, vergilbt, stumpf wie Sand. Da hast du Angst gekriegt. Deine Hände haben vor der Kälte der Leiche gezittert, ja? War es so? Zur Heiligen Jungfrau schriest du, während du meine Geige auf des Maestros Brust legtest, nicht? Ich weiß alles. Weil ich dein Grauen riechen kann, verstehst du?«

Bevor da Bini von Lucio abließ, schüttete er ihm den Rest seines Weins ins Gesicht. Dann stellte er den Stuhl wieder an den Tisch. Lucio lauschte mit geschlossenen Augen und rappelte sich erst hoch, als er hörte, dass da Bini wieder zum Cembalo gegangen war.

»War das die Aufforderung zu gehen oder der Befehl zu bleiben?«, fragte er und wischte sich mit einem Taschentuch das Gesicht.

»Weder noch«, antwortete da Bini. »Nur eine Demonstration der gottgewollten Ordnung, die du vergessen hast, Geselle! Aber du hast recht: Deine Drecksohren würden die regina beleidigen. Und da ich Hausherr bin, muss ich dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Scher dich also zum Teufel!«

Draußen sog Lucio die Luft mit großen Zügen ein. Der Regen war einem dichten Schneegestöber gewichen, das Wege und Plätze mit einer gleichmäßigen Matschschicht überzog. Lucio vergrub seine Hände in den Hosentaschen und fand zu einem gleichmäßigen, energischen Schritt, der seinen Hass stetig milderte. Als er weit genug gegangen war, bekam er plötzlich Lust auf eine Frau. Doch er war standhaft genug, sein Geld zusammenzuhalten, obwohl seine Phantasien immer obszönere Ausmaße annahmen. Als er schließlich zu Hause im Bett lag, schlief er über ihnen ein – die Hand fest um den Lederbeutel geklammert.

Während Lucio sich im Traum seine Phantasien erfüllte, zogen lang gehaltene Geigentöne den Aventin hinauf. Francesco da Bini stand in einer Mönchskutte vor geöffnetem Fenster und spielte – jedoch keine Musik im eigentlichen Sinne, sondern nur einzelne Töne. Bis zur Heftigkeit schwollen sie an, senkten sich und verklangen, um darauf wieder bis zum lauten Gellen emporzusteigen, das im Abstrich zu einem zitternden, stillen Weinen erlosch, aus dem ein neuer Ton geboren wurde. Endlich kam ein Intervall, die Quart, und hatte sich Bini vorher am Klang des einzelnen Tons geweidet, so rührte ihn das harmonische Verhältnis nun so stark, dass ihm Tränen über die Wangen flossen. Es folgten Quint und Terz, darauf die übrigen Intervalle: jedes auf die gleiche Weise zum Leben erweckt. Denn dies war der Zweck der Zeremonie: Francesco da Binis Bogenstriche wollten der regina die Dämonen des Todes austreiben, ihr Atem und Seele zurückgewinnen. Und je länger er spielte und der Gnade ihres Klangs teilhaftig wurde, umso tiefer glaubte er, dass sich ihm die Geheimnisse der Musik enthüllten. Als es dämmerte, kauerte er sich, die regina auf dem Schoß, in eine Ecke und wartete auf den Schlaf. Sein Diener deckte ihn zu und schloss das Fenster.

ERSTES BUCH

»Du sollst zum Meister kommen.«

Antonio sagte es genauso beiläufig, wie er seine Gänge zum Lokus anzukündigen pflegte. Dort war er gerade gewesen, und von dort hatte er heute, zwei Wochen vor Karfreitag, den Befehl seines Meisters mitgebracht. Als ältester Geigenmachergeselle war er zur rechten Hand des jetzt 59-jährigen Giuseppe Guarneri aufgestiegen. Ein gutmütiger Hüne mit schiefer Nase und väterlichen Instinkten, der allerdings die Lehrlinge unbarmherzig ohrfeigte, wenn sie zu viel bei der Arbeit schwatzten. Tröstend schlug Antonios Pranke auf Niccolo Leonardellis Schulter, bevor die massige Gestalt des Gesellen auf einen dreibeinigen Schemel sackte, der quietschend zusammenbrach.

»Mal wieder«, brummte dieser belustigt und griff sich den Zimmermannshammer, der vorsorglich neben den kleinen Fausthobeln lag, mit denen Niccolo einen Geigenboden auf Wölbung zu bringen versuchte. Zwei Schläge genügten, den Schemel wieder herzurichten – eine Prozedur, die für Antonio und die Lehrlinge in Maestro Guarneris Werkstatt längst zum Spiel geworden war.

»Ich hab’s geträumt«, sagte Niccolo geknickt. »Und jetzt wird’s Wirklichkeit. Mit dem Unterschied, dass ich nachher nicht im Bett aufwach, sondern mit einer Saite stranguliert am Boden liege. Kein Glück hat mir diese Stadt gebracht.« Niccolo deklamierte den letzten Satz mit einem emphatischen Seufzer, während er sich die Hobelspäne von der Leinenschürze schüttelte.

»Wärst doch besser Schauspieler geworden, Niccolo«, erwiderte Antonio.

»Wieso ich?«, witzelte Niccolo. »Die Nase dafür hast doch du, oder?« Eine unglaublich schnelle Drehung Antonios und eine derart kräftige Ohrfeige, dass es Niccolo den Boden unter den Füßen wegriss, war die väterliche Antwort des Gesellen.

»Als ob einer, der in Rom aufgewachsen ist, auch Geigenmacher werden kann. Trotzdem, Kopf hoch! Der Maestro ist zumindest nicht schlecht gelaunt.«

Antonio tat, als wäre nichts vorgefallen. Seine Stimme klang völlig ruhig. Während sich Niccolo ein zweites Mal abklopfte und seinen Unterkiefer betastete, schabte er an dessen Geigenboden, den Niccolo bereits so weit zugerichtet hatte, dass er – Antonio sah es sofort – zu keiner Meistergeige mehr taugen würde. Das auf Form gesägte Stück Ahornholz eines langsam gewachsenen, hundert Jahre alten Baums war an zwei wichtigen Stellen verpfuscht: Unter dem Steg und in der Nähe der Ränder hatte Niccolo den Boden ein paar Späne zu dünn ausgehobelt und abgeschliffen. Dazu standen noch Fingernagelriefen aus, die man ebenfalls hätte herausschmirgeln müssen – doch dafür war das Holz bereits zu dünn.

Sechs Jahre Lehrzeit waren für einen, der Geigenmacher werden wollte, angemessen. Doch viele brauchten länger, und, so hatte Maestro Guarneri Niccolo nach einem halben Jahr gesagt: »Noch mehr lernen es nie, die fünf Dutzend Holzteile einer Geige so zu schneiden und zu leimen, dass daraus ein Instrument wird, welches Teufeln und Engeln Vergnügen macht.«

Da Niccolo gerade mal vor vier Jahren in die Werkstatt eingetreten war, brauchte er eigentlich keine Angst zu haben. Doch er wusste es besser. Erstens hatte er später als die anderen angefangen, mit siebzehn, und zweitens war er bloß deshalb zur Zunft gestoßen, weil das Schicksal ihm einen mitleidigen Geigenmacher über den Weg geschickt hatte: eben Maestro Giuseppe Guarneri. Viel lieber wäre Niccolo Künstler geworden, ein virtuosissimo di violino wie Arcangelo Corelli, sein großes Vorbild. Nicht Geigenmacher! Aber seine Herkunft als Kind eines verschuldeten Bauern ließ diesen Traum genauso gerinnen wie das Blut eines geschlachteten Schweins. Aus dem piccolo-virtuosissimo, der bei Bauernhochzeiten aufspielte und improvisierte, war nichts Besseres geworden als ein fahrender Musikant, ein vagabundierender Fiedler, der schon im Alter von neun Jahren in römischen Trinkstuben geigte und sich dort manchmal verdreschen lassen musste, weil der Vater seine Familie nicht mehr allein ernähren konnte.

Bevor Niccolo die Stiegen zum ersten Stock des schmalen Hauses nahm, schöpfte er Luft. Die Dächer im Quartier der Geigenmacher waren hell beschienen, die Aprilsonne schaffte es aber noch nicht, die Luft in der schattigen Straße zu erwärmen. Hier werkelten sie alle mehr oder weniger einträchtig nebeneinander, der Ruhm Cremonas, die angesehensten Handwerker der Stadt: Stradivari, Bergonzi, Maestro Guarneri, der reiche Amati, Rugeri und Storioni. Niccolo hatte dies nie interessiert. Am liebsten wäre er jetzt auf die Piazza geflüchtet, um den Mädchen zuzuschauen. Schließlich war er mit seinen 21 kein Kind mehr. Und er war sich sicher: Bei diesem Wetter würde er als Spielmann mehr verdienen als bei seinem Lehrherrn in einer Woche – aber eben leider nur bei solchem Wetter. Niccolo ließ noch einmal seinen Kiefer kreisen, dann gab er sich einen Ruck.

Maestro Guarneri führte die Geschäfte von der Wohnstube aus – in einer Art Séparée, das mit spanischen Wänden abgeteilt war. Hinter einem schlichten rechteckigen Tisch, auf dem genau ausgerichtet die Schriftstücke lagen, saß er auf einem hochlehnigen Kontorstuhl bei einer Tasse Kaffee. Über seinem Kopf das Gesellenstück seines Vaters Andrea: eine Bratsche, deren Schnecke in einen Engelskopf mündete, daneben, in der Ecke, die mannshohe, aufklappbare Bass-Viola, die als Kleiderschrank diente. Das Instrument war ein Geschenk Nicola Amatis, Vater Andreas einstigem Lehrherrn, und ein Kuriosum aus längst vergangenen Zeiten: Versteck und Resonanzkörper für stimmgewandte Pagen, die die Melodie eines Madrigals sangen, während der Spieler dazu die Begleitung strich.

»Du weißt, warum ich dich habe rufen lassen?« Maestro Guarneri fragte es bestimmt, aber doch sanft und nahm einen Schluck Kaffee. »Natürlich«, fuhr er fort. »Du ahnst es. Also?«

»Ihr wisst am besten, was ich Euch verdanke, Meister«, sagte Niccolo zögernd, »aber Gott hat es nicht gelingen lassen wollen.«

»Lass Gott aus dem Spiel, Niccolo. Aber sag: Wer von uns beiden ist der Geduldigere?«

Niccolo schwieg. Es war zum Verzweifeln. Maestro Guarneri würde am Schluss als Engel dasitzen und er als unwerter Taugenichts. Und das Schlimmste war, dass man keinen Hass dabei empfinden konnte.

»Du kamst hier wie ein Bettelgeiger an, Niccolo.«

Maestro Guarneri versuchte, in seinem Kontorstuhl eine entspannte Haltung zu finden, gab jedoch schnell wieder auf. Die Anstrengung vergütete er sich mit einem Schluck Kaffee, dessen Genuss er mit zufriedenem Kopfnicken kommentierte. »Und batest um ein Almosen. Kein Geld, nein, sondern einen halbwegs vernünftigen Bassbalken wolltest du haben. Für die erbärmlichste Fiedel, die dieses Haus je gesehen hat. Ihn einleimen wolltest du selber.«

Maestro Guarneri schaute Niccolo voll ins Gesicht. Ein Lächeln huschte über seine Züge, dann fuhr er fort:

»Dass Größe und Form dieser Leiste, ihre Stellung bezüglich oberer und unterer Breite der Decke größte Bedeutung hat, war dir unbekannt.« Der Maestro machte eine kurze Pause, dann sagte er verbittert: »Und heute, Niccolo, weiß ich, dass es dir auch gleichgültig war. Du warst ein Fiedler und bist einer geblieben. Jetzt ein sehr guter, zugegeben. Trotzdem, du hast mich mehr gekostet, als wenn ich dir vier Jahre lang jede Woche ein fürstliches Almosen in deinen Dreckshut geschmissen hätte.«

Niccolo schwankte, und sein Gesicht brannte vor Scham. Trotzdem hielt er Giuseppe Guarneris Blick stand, denn sein Stolz verbot ihm, wie ein gewöhnlicher Lehrbube mit hängendem Kopf Besserungsbeteuerungen hervorzuschluchzen. Stattdessen brachte er es fertig zu erwidern: »Ich kann es nicht ändern, Maestro. Gottes Wege sind auch mir unverständlich.«

»Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen!« Maestro Guarneri sprang zornig von seinem Stuhl auf und herrschte mit der Geste eines Imperators seinen undankbaren Lehrling an: »Deine Frechheit kostet dich viel, mich wenig, Niccolo. Mittellos, wie du gekommen bist, wirst du dieses Haus verlassen. Nach Ostern. Und ich werde dafür sorgen, dass man den Fiedler Niccolo aus dieser Stadt wirft wie einen räudigen Bettler. Jetzt geh mir aus den Augen!«

Niccolo schluckte eine letzte Bemerkung hinunter. Doch kaum war er die Stiege hinab, knurrte er wüste Beschimpfungen vor sich hin, die Antonio verwundert den Kopf heben ließen. Dass ein Lehrling hier unten Dampf abließ, wenn ihn sein Meister ins Gebet genommen hatte, war nicht ungewöhnlich, und er in seiner väterlichen Art hatte nie etwas dagegen gehabt – aber dass einer sich selbst beschimpfte und ohrfeigte und wie besessen immer wieder gegen seine Stirn hämmerte, das war Antonio noch nicht vorgekommen. Erst allmählich verebbten die Verwünschungen zu Zischlauten, worauf Niccolo vor der Hobelbank zusammensackte und mit leerem Blick vor sich hinstierte. Viele Minuten kauerte er so inmitten der Späne. Als er schließlich Antonio anschaute, waren seine Augen gerötet.

»Und doch hättest du Schauspieler werden sollen, Nico«, sagte Antonio mit provozierender Gelassenheit. »Glaub mir, der Maestro ist ein Engel. Er vergibt auch den Gestrauchelten. Verschwinde jetzt. Ich steh für dich ein.«

Niccolo Leonardelli sah Maestro Giuseppe Guarneri nicht wieder. Auch Cremona war ihm keinen Besuch mehr wert. Aber mit den Jahren sollte es in seiner Erinnerung einen immer goldeneren Glanz annehmen. Wozu besonders die Großmütigkeit seines Lehrherrn beitrug. Giuseppe Guarneri entließ den unbegabtesten Lehrling, den er je eingestellt hatte, nicht, wie angedroht, in Schimpf und Schande, sondern stattete ihn mit ansprechender Kleidung aus und überließ ihm das Instrument, das Niccolo mit Hilfe Antonios in den verbliebenen zwei Wochen baute. Es wurde die schlechteste Geige aus der Werkstatt Guarneri, aber sie war immer noch weit besser als die armselige Fiedel, mit der Niccolo als siebzehnjähriger Bettelgeiger nach Cremona gekommen war. Überdies konnte er jetzt richtig rechnen, lesen und schreiben, denn sein ehemaliger Lehrherr sah wie die anderen Geigenmacher im Quartier sehr darauf, dass seine Lehrlinge auch für das später so notwendige Geschäftliche gerüstet wurden.

Doch wohin gehen? Niccolo hatte sich keine Gedanken darüber gemacht, und als er frühmorgens ziellos um die Piazza San Domenico, Cremonas Herz, schlenderte, wusste er nur eins: Bis zum Mittag würde er irgendwo aufspielen müssen, sonst wäre gleich am ersten Tag seines neuen Lebens wieder der Hunger sein Begleiter. Da Markttag war, bot es sich an, in der Stadt zu bleiben. Doch Niccolo war nicht dazu aufgelegt, sich irgendwo hinzustellen und zu spielen. Schließlich war er hier kein Unbekannter, und die Angst, mit hinterhältigen Fragen gequält zu werden, wurde so mächtig, dass er sich schließlich vor einem der Stadttore wiederfand. Die Porta Ognissanti öffnete sich nach Norden. Das Schicksal wollte also, dass er sich nach Brescia begab. Das war ein Dreitagesmarsch.

Erst als die Bastionen der Cremoneser Festungsmauer nicht mehr zu sehen waren und das Geläute der Kirchen von den in den Hecken am Wegrand musizierenden Vögeln übertönt wurde, schöpfte Niccolo neuen Mut – bis ihn gegen Mittag der Hunger überfiel.

***

Aus Robeccos Schankstube drang nicht nur das Geprotze betrunkener Burschen, sondern auch der Geruch von Wein und Erbrochenem. Als Niccolo in der Hoffnung eintrat, er könnte die Stimmung zum Aufspielen nutzen, zerrte der Schankwirt, ein stoppelbärtiger Fettwanst, den Dorfidioten gerade durch dessen aus dem Gesicht geflossenen Brei. Ihr stupido hatte den Reiher für sie gespielt, indem er, einen Finger im Schlund, unermüdlich mit dem Kopf hin- und hergepickt hatte, um so die Vögel nachzumachen, die auf Robeccos sumpfigen Wiesen nach Kaulquappen stocherten.

Niccolo hatte gelernt zu überleben und war abgefeimt genug, die Launen eines solchen Moments zu nutzen. Übermütig knallte er seinen Geigenkasten auf den Tisch und packte mit der übertriebenen Gebärde des Ungeduldigen sein Instrument aus. Ohne zu stimmen, kratzte er ein Spottlied mit sofort fasslichem Refrain herunter, wobei er um den Idioten herumtänzelte und dessen blöden Gesichtsausdruck nachahmte. Mehrmals beugte er sich fiedelnd zu ihm hinab, wobei er das Kunststück fertigbrachte, sich mit der Linken die Nase zuzuhalten und dabei auf den leeren Saiten weiterzuspielen. Und das kam an. Einige Burschen gingen vor Lachen unter den Tisch, andere bestellten für den Spielmann ein Glas Wein. Nach ein paar Wiederholungen wurde der Refrain mitgegrölt und von einem hageren Knecht, der alles daransetzte, Niccolos Geige zu übertönen, kunstfertig mitgerülpst. Drei Burschen hakten sich unter und stampften im Kreis, sie waren die Betrunkensten von allen. Der in der Mitte wurde willenlos mitgeschleift.

Aber die Kraft reichte nicht lange, man hockte sich wieder hin und rief lautstark nach einem neuen Krug Wein.

In einem Zug stürzte Niccolo seinen Becher hinunter und gab dann eine Vorstellung als Hanswurst. Er legte den Bogen beiseite, klemmte seinen Hut zwischen die Zähne und watschelte wie eine Wachtel auf den am Boden kauernden stupido zu. Dabei phantasierte er im pizzicato und ahmte den Wachtelschlag nach. Dicht vor dem stinkenden Elend machte er halt und zupfte eine bettelnde Musik zusammen, so lange, bis der Idiot zögernd in den zwischen Niccolos Zähnen wippenden Hut langte. Doch der zuckte im letzten Moment zurück, griff dabei eine Dissonanz und begann das Spiel von vorne. Verzweifelt suchte das Opfer dieses grausamen Scherzes bei sich nach Geld und lallte schließlich mit bekümmerter Miene etwas, das sich wie eine Entschuldigung anhörte. Damit war es genug. Niccolo sprang mit drei grell gestrichenen Akkorden auf und trat mit einer schmachtenden Weise an die Tische. Für jede in seinen Hut geworfene Münze bedankte er sich mit einem jubelnden Amen, das er mit einer kurzen Variation verzierte.

»Du kannst es richtig, Spielmann«, wurde er vom Wirt begrüßt. »Woher?«

»Cremona. Dort war man nicht so freundlich. Deshalb bin ich hierhergekommen.«

»Der redet so gut, wie er spielt!«, rief einer von den Burschen, die vorhin versucht hatten zu tanzen.

»Deshalb haben wir ihm ja auch seinen feinen Hut gestopft«, kam es halb gelallt aus dem Mund seines Freundes, eines grobschlächtigen, einohrigen Kerls mit pockennarbigem Gesicht. »Sonst machen wir es anders, wie?« Dabei griff er nach seinem Dolch und fuchtelte vor Niccolos Gesicht. »Ganz anders, Spielmann«, wiederholte er nachdrücklich und klopfte Niccolo kumpelhaft auf den Rücken, nicht ohne beängstigend zu schwanken.

»Stupido, geh zur Mama!«, hörte Niccolo den Wirt sagen, der den Geschundenen jetzt mit einem Reisigbesen aus der Stube schob. »Geh zur Mama. Die macht dich schön, Stupido. Aber wenn du wiederkommst, dann kotz nicht mehr. Denn das schickt sich nicht, verstehst du, Stupido?«

Der Idiot strahlte den Wirt an und verabschiedete sich, indem er begeistert auf jeden Tisch klopfte.

»Christlich waren wir nicht«, sagte Niccolo. »Vielleicht kann ich’s bei einem Kleinhäusler abbüßen, wenn ich bei ihm um Nachtlager bitte. Aber erst will ich etwas Brot und Speck.«

»Ich zahl’s«, sagte der Einohrige. »Sollst uns in guter Erinnerung behalten, Spielmann.«

»Er bestimmt«, murmelte der Wirt und ging das Gewünschte holen – ein zweifingerbreites Stück geräucherten Speck und einen dicken Kanten Brot, in den Kümmel und Salz eingebacken waren. Niccolo musste sich beherrschen, um nicht zu essen wie ein Bettler im Winter. Aber er wollte so schnell wie möglich hier verschwinden. Immer widerlicher stank es nach dem Erbrochenen, und im Raum lastete eine verschworene Gewalttätigkeit, die immer bedrohlicher wurde, je mehr die Stimmen in ihrer Trunkenheit entarteten.

Niccolo verabschiedete sich mit einem Rondeau. Als Zugabe ließ er noch ein zierliches Menuett folgen, dann verbeugte er sich wie ein Virtuose vor großer Gesellschaft. Feindseligkeit schlug ihm entgegen. Er hatte sich im Ton vergriffen.