Inhalt

Vorwort

Dieser Essayband soll der Auftakt zur Veröffentlichung weiterer Essays sein. Beide Essays behandeln, teils mehr, teils weniger, Fragen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik und nehmen entschieden Stellung.

Diskutiert wird erstens, wie politisch bzw. wie politisch ausgerichtet der Deutsche Historikerverband nach außen hin auftreten sollte, zweitens wird erörtert, wie politisch die historische Methode der Globalgeschichte in gewisser Hinsicht ist.

In der Kürze liegt die Würze.

B.W.

Die Verbandspolitik des Deutschen
Historikerverbandes

Der 52. Deutsche Historikertag, der vom 25. bis 28. September 2018 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster stattfand, hat eine Erklärung „zu gegenwärtigen Gefährdungen der Demokratie“ beschlossen, die vor „maßlosen Angriffen“ insbesondere auf die hiesige Demokratie warnt. Die nachstehende Erörterung stellt eine Kritik an dieser Resolution und somit auch an der Verbandspolitik des Deutschen Historikerverbandes dar.

Bezeichnete Resolution skizziert fünf „Grundhaltungen demokratischen Miteinanders“ und fordert ihre, wenn man so möchte, Einhaltung ein, da sie für „unverzichtbar“ gehalten werden. In dem Papier ist wiederholt von Demokratie (demokratisch) die Rede, ja es wird beim Leser wohl ganz bewusst der Eindruck zu erwecken versucht, die Unterzeichner der Resolution, mithin der Historikerverband, würden die Deutungshoheit über die Semantik des Demokratie-Begriffs besitzen. Auch nach zwei Jahren ist es für mich wenig verständlich, dass eine ganze Reihe von namhaften und hochqualifizierten Wissenschaftlern – noch dazu Historikern – diese Resolution formulierten und unterzeichneten.

Das ‚demokratische Miteinander‘ hierzulande ist durch die Freiheitliche Demokratische Grundordnung (FDGO) geregelt. Die einzelnen Artikel des Grundgesetzes sowie die diese Normen betreffende gerichtliche Spruchpraxis und schließlich die verfassungsrechtliche Forschung bieten hinreichend Material, um sich seiner staatsbürgerlichen ‚Grundhaltung‘ gegenüber sich selbst und gegenüber seinen Mitbürgern zu vergewissern.

Daraus folgt: Eine Resolution diesen Inhalts erscheint nicht notwendig. FDGO und ‚demokratisches Miteinander‘ sind in obiger Literatur ausführlich dargelegt.Dort kann sich jeder Staatsbürger – und jedes VHD-Miglied – ergiebig informieren, was Demokratie meint.

Demokratie