Mathe lernen mit Merle
Ja, ich liebe meinen Beruf. Ich bin Lehrerin und habe mir nie etwas Anderes erträumt, als Kindern Lesen und Schreiben beizubringen und mitzuerleben, inwieweit sie Fortschritte machen.
Leicht ist mein Job nicht, das wurde mir schnell klar, als ich die erste Klasse der Grundschule übernahm. Ach, was für süße Kinder, dachte ich erst, sah dann jedoch schnell ein, dass sich dazwischen ganz schöne Rowdys tummelten, die ihren Klassenkameraden das Leben schwer machten.
Trotzdem bekam ich sie in den Griff. Ich bin kein Freund von ewigem Nachgeben, bei mir herrschen Regeln, die ich einfordere.
Manchmal hatte ich die Eltern gegen mich. «So streng dürfen sie nicht mit meiner Lisa sein», empörte man sich. Oder: «Manfred ist ein Raubein. Das ist gut so und macht ihn stark, sich in dieser Gesellschaft zu behaupten. Ihm wird keiner die Butter vom Brot nehmen, da können Sie sicher sein.»
Und seine soziale Kompetenz? Sein soziales Gewissen?, fragte ich die verdutzten Eltern. Ihre Antwort war ein Achselzucken, mehr nicht.
Besonders ärgerlich fand ich das Desinteresse mancher Eltern gegenüber den Kindern, die Lernschwierigkeiten hatten. «Sollen die doch auf die Förderschule gehen!», bekam ich regelmäßig zu hören, «wer zu dumm ist für die Grundschule, gehört da nicht hin!»