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Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufhahme

Hanusch; Karl-Heinz:

Immuntherapie: Vorbeugung und Heilung von Krankheiten durch Naturheilkunde/

Karl-Heinz Hanusch – 1. Aufl. – Zürich: Jopp bei Oesch, 2001

ISBN 3-89698-144-7

Alle Rechte vorbehalten

Nachdruck in jeder Form sowie die Wiedergabe durch Fernsehen, Rundfunk, Film, Bild- und Tonträger, die Speicherung und Verbreitung in elektronischen Medien oder Benutzung für Vorträge, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags.

2. Auflage Juni 2015

Herstellung und Verlag:

BoD - Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN 978-3-7460-6959-3

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Stärkung des Immunsystems ist von zentraler Bedeutung bei der Verhinderung und Überwindung von Krankheiten. Dies ist heute eine verbreitete Erkenntnis, die in therapeutische Maßnahmen sowie in eine Veränderung der Lebensführung des Patienten umzusetzen nicht unbedingt einfach und selbstverständlich ist.

Die hier vorgestellten Naturheilverfahren haben sowohl in der Forschung als auch in meiner eigenen Praxis sehr gute Heilerfolge vorzuweisen. Wichtig erscheint mir die Feststellung, daß es sich bei diesen Behandlungsverfahren um solche handelt, die sowohl durch meine (späten) tieferen Einblicke im Rahmen meiner berufsbegleitenden Studiengänge an verschiedenen Universitäten (Humanmedizin in Frankfurt am Main, Psychologie und [Religions-]Philosophie und Jura in Mainz) sowie durch die Gesundheitsökonomie (ebs-Gesundheitsakademie GmbH in Oestrich-Winkel/Rheingau) als auch durch den unmittelbaren Erfahrungsaustausch als Dozent und Gründungsmitglied der Wormser Akademie für Medizin und reformierte Heilweisen e.V – unter Leitung von Prof. Dr. Fritz-Albert Popp – medizin-physikalisch und psycho-immunologisch gesichert sind. Meine dreijährige Ausbildung zum Heilpraktiker von 1972 bis 1975 habe ich an einer Verbandsschule des Verbandes Deutscher Heilpraktiker berufsbegleitend – während meiner Tätigkeit im hessischen Justizdienst -absolviert. Schlüsselerlebnis für diese berufliche Umorientierung war der schulmedizinisch nicht behandelbare frühe Tod meiner Mutter im 52. Lebensjahr wegen Gebärmutterhalskrebses. Mein Vater war bereits im 48. Lebensjahr an Leberzirrhose verstorben; ich war damals erst 9 Jahre alt, und auch dieser für ein Kind entsetzliche Verlust mag meine spätere Berufswahl beeinflußt haben.

Ich bin jetzt seit 25 Jahren in eigener Praxis als Heilpraktiker tätig und habe im Laufe dieser Zeit genügend Erfahrungen gesammelt, daß solche furchtbaren Erkrankungen nicht von heute auf morgen entstehen, sondern daß ihnen zahlreiche Entgleisungen im Stoffwechsel und im Immunsystem vorausgehen, deren Behandlung den Ausbruch tödlich endender Erkrankungen verhindern kann oder zumindest stark verzögern.

Dieser Immuntherapie-Ratgeber soll als Anregung für Patienten (und solche, die dies gar nicht erst werden wollen) dienen, um lange bekannte und auch neu entwickelte Naturheilverfahren im Sinne der Prophylaxe, aber auch unterstützend zur Heilung bereits bestehender Erkrankungen anzuwenden. Häufig geraten in der Hektik des Alltags und im Lichte der sich aufblähenden Apparatemedizin relativ einfach zu handhabende, aber gleichwohl sehr wirkungsvolle naturheilkundliche Verfahren und Lebensweisen in Vergessenheit. Das breite Spektrum der naturheilkundlichen Methoden kann hier selbstverständlich nur in einer Auswahl dargestellt werden, so daß dieser Ratgeber nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Es erscheint mir notwendig, daß sich der Patient heutzutage selbst kundig macht über die Verfahren, die er eigenständig anwendet und/oder denen er sich mit der Hilfe eines Arztes oder eines anderen Mitglieds der Heilberufe unterzieht. Denn es gibt mittlerweile einen blühenden und kaum zu kontrollierenden Markt von selbsternannten »Heilern« und »Lebensberatern«, die sich zu einer ernsten Gefahr für die Volksgesundheit entwickeln, da sie mangels einer qualifizierten Ausbildung nicht verantwortungsvoll mit den Menschen umgehen können, die sich ihnen in ihrer Not anvertrauen. Hier hilft nur der »aufgeklärte Patient«, der sich selbst schützen kann vor dem Einfluß solcher »Heiler«.

Auch um die Patienten in diesem Sinne »aufzuklären« ist dieses Buch entstanden.

Überflüssig erschien mir bei der Beschreibung der einzelnen Verfahren, daß selbstverständlich bei jeder Neuaufnahme eines Patienten eine gründliche Untersuchung einschließlich der jeweils erforderlichen Laboruntersuchungen vorgenommen wird. Leider deckt sich meine Vorstellung von dem, was eine gründliche Untersuchung ist, nicht immer mit den Vorstellungen bzw. Vorgaben der privaten Krankenversicherungen (schon gar nicht mit denen der Ersatzkassen). Deren Interpretation von »medizinisch notwendigen Maßnahmen« richtet sich häufig eben nicht nach dem, was für den Patienten medizinisch tatsächlich notwendig ist, sondern nach den Budgetvorgaben der Sachbearbeiter der Krankenkassen. Und es deckt sich schon gar nicht mit dem, was meine Vorstellungen für eine Diagnose und Behandlung im Sinne der Ganzheitsmedizin sind. Das führt leider dazu, daß ein Teil der von mir erbrachten Leistungen auf der sogenannten »Selbstzahlerschiene« (IGeL-Liste) – d. h. vom Patienten selbst – zu zahlen sind.

Es werden uns wohl in Zukunft noch weitere Einschränkungen zugemutet werden, wenn es um den Umfang von medizinisch notwendigen Maßnahmen geht. Der Gesichtspunkt der »Wirtschaftlichkeit« wird möglicherweise dominieren über das, was tatsächlich vom medizinischen Standpunkt aus angezeigt ist. Die sich daraus ergebende Zwei-Klassen-Medizin zeichnet sich schon jetzt deutlich ab, so daß es zu einer Unterscheidung zwischen einer stark begrenzten Grundversorgung durch die Kassen einerseits und Wahlleistungen, die der Patient selbst finanzieren muß, andererseits kommen wird. Es zeichnet sich ein politischer Wille ab, durch Fallpauschalen, Sonderentgelte und Budgetierung von Arzthonoraren den Eigenanteil der Patienten an den Kosten für medizinische Behandlungen vor allem bei den naturheilkundlichen Verfahren massiv zu erhöhen. Ob sich diese »Sparmaßnahmen« am Ende tatsächlich auszahlen werden, oder ob es durch sie nicht zu einem Anstieg schwerwiegender Erkrankungen – und damit zu erheblich höheren Kosten für die Krankenkassen –kommt, bleibt abzuwarten.

An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, mich bei all meinen Patienten ganz herzlich zu bedanken, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben und weiterhin schenken, die mich in meiner ganzheitsmedizinischen Sicht unterstützen, mir Anregungen gaben und durch ihre Rückmeldungen Impulse zum Weitermachen setzen.

Wiesbaden, im Februar 2001

Karl-Heinz Hanusch

Anschrift des Autors:

Naturheilpraxis

Karl-Heinz Hanusch

Heilpraktiker und Gesundheitsökonom (ebs)

Ingwerweg 8a

D-65191 Wiesbaden-Sonnenberg

Tel. 0611-56 13 23, Fax 0611-957 08 08

www.kh-hanusch.de

E-Mail: praxis@kh-hanusch.de

Was versteht man unter Immunsystem?

Das Immunsystem und seine Funktion im Organismus

Komplexeste biologische System des Körpers

Tod bei Versagen

Das Immunsystem mit seinen zahlreichen Organen, Zelltypen und Eiweißstoffen ist das komplexeste biologische System unseres Körpers. Zugleich ist es eines der wichtigsten Organe, ohne das der Mensch nicht überleben kann. Versagt das Immunsystem – aus welchen Gründen auch immer –, so ist der betroffene Mensch innerhalb kurzer Zeit dem Tod geweiht.

Verteidigung gegen Bakterien, Viren, Pilze

In jeder Zelle unseres Körpers befinden sich »Ausläufer« des Immunsystems, und dennoch bemerken wir seine lebenswichtige Funktion nicht, solange es einwandfrei funktioniert. Jede Sekunde unseres Daseins verteidigt es uns mit einem komplexen Arsenal wirkungsvoller Waffen gegen die unablässigen Angriffe von Bakterien, Viren, Pilzen, Parasiten und kör-perfremden Substanzen, die sich der organischen Funktionen unseres Körpers bemächtigen wollen, um selbst eine optimale Lebensgrundlage zu haben und sich zu vermehren.

Sehr früh entstanden

Entwicklungsgeschichtlich gesehen ist das Immunsystem, genauer: einige Teile des Immunsystems, bereits sehr früh entstanden. Auch dies ist ein Beleg für die Wichtigkeit seines Funktionierens für das Überleben von Mensch und Tier.

Geschichte der Erkenntnisse über das Immunsystem

Beobachtungen im Mittelalter

Bereits im Mittelalter machte man die Beobachtung, daß Menschen, die eine der zahlreichen Pest- und Pockenepidemien überlebt hatten, bei einer erneut auftretenden Krankheitswelle nicht mehr erkrankten, also offensichtlich immun gegen die Krankheit geworden waren. Man machte Versuche, diese erworbene Immunität künstlich herzustellen, indem man Menschen mit dem eitrigen Sekret von nur leicht an den Pocken Erkrankten infizierte, mußte aber die Erfahrung machen, daß diese Art der Infektion genauso gefährlich war wie die innerhalb einer normalen Epidemie.

Edward Jenner

Kuhpocken

Erst die Beobachtungen des englischen Landarztes Edward Jenner (1749–1823), daß diejenigen Menschen, die zuvor bereits eine Infektion mit den (nicht gefährlichen) Kuhpocken durchgemacht hatten, während einer Pockenepidemie gesund blieben, führte die Wissenschaft einen Schritt weiter. Edward Jenner isolierte Material von an Kuhpocken erkrankten Kühen und impfte damit seine Patienten – mit dem Erfolg, daß sie in Zukunft gegen die Pocken immun waren.

Louis Pasteur

Hühnercholera

Prinzip der Aktivimpfung

Dies geschah etwa im Jahr 1798 – und es sollten nochmals hundert Jahre vergehen, bis das Prinzip dieser Vakzination (abgeleitet aus dem lateinischen Wort für Kuh: vacca) verstanden und weiterentwickelt wurde. Der französische Chemiker und Mikrobiologe Louis Pasteur (1822-1895) wies mit seinen Forschungen nach, daß es Bakterien sind, die für verschiedene Krankheiten, u. a. die verheerenden Epidemien des Mittelalters, verantwortlich waren. Er untersuchte 1879 die Hühnercholera – und stellte durch Zufall fest, daß lange gelagertes Bakterienmaterial die Hühner, die er damit impfte, zwar nicht mehr infizierte, sie jedoch gegenüber einer weiteren Ansteckung mit der Hühnercholera immunisierte. Sie wurden nicht mehr krank, während ungeimpfte Hühner erkrankten. Daraus leitete er ab, daß die – wegen einer Unterbrechung aufgrund seiner Sommerferien – lange gelagerten Bakterien nicht mehr virulent (also anstekkungsfahig) waren, aber dennoch eine schützende Immunität bei den Hühnern erzeugen konnten. Er sah die Analogie mit der Immunisierung gegenüber den Pocken mit Hilfe des Kuhpockenerregers und erkannte das Prinzip der Aktivimpfung: Ungiftig (avirulent) gemachte Bakterienstämme können Mensch und Tier gegenüber virulenten Bakterienstämmen unempfindlich machen.

Schnell fand man danach heraus, daß sich dieses Prinzip auf zahlreiche Erkrankungen anwenden ließ, die durch Bakterien hervorgerufen werden. Man mußte sie nur in ihrer Giftigkeit abschwächen und den Menschen einimpfen, dann waren sie geschützt gegen eine schwere Verlaufsform der entsprechenden Erkrankung.

Weiterentwicklung

Die Grundlagen der aktiven Schutzimpfung waren entdeckt. Nach wenigen Jahren der Weiterentwicklung konnte man bereits gegen Tollwut, Milzbrand und Wundrose impfen. Was aber war der Grund dafür, daß eine solche Immunisierung wirkte?

Man entdeckte etwa zur gleichen Zeit bei Forschungen über Wundstarrkrampf (Tetanus) und Diphtherie, daß man aus dem Blutserum von Versuchstieren, die Kontakt mit den entsprechenden Erregern gehabt hatten, einen Stoff gewinnen konnte, der andere, bislang nicht infizierte Tiere ebenfalls immunisierte. Offenbar hatten sich also im Blut der infizierten Tiere Stoffe gebildet, die Träger dieser Immunität waren. Man fand auch heraus, daß diese Stoffe hochspezifisch waren, d. h., daß sie nur gegen diese eine Krankheit schützten, nicht jedoch gegen eine andere Infektion. Das Serum von mit Diphtherie infizierten Tieren schützte also beispielsweise nur gegen Diphtherie, nicht aber gegen die Tollwut usw.

Die humorale Immunität

Antikörper

Mit diesen Versuchen hatte man die humorale Abwehr entdeckt. Erst mit unseren modernen mikroskopischen und labortechnischen Verfahren konnte man herausfinden, daß es sich hierbei um Antikörper handelt. Es sind y-förmige Eiweiße, die im Blut kreisen. Sie sind zum Beispiel in der Lage, Bakterien zu verklumpen, von Viren infizierte Zellen zu markieren und damit zu ihrer Zerstörung durch Freßzellen (Makrophagen und Granulozyten) beizutragen oder toxische Substanzen zu neutralisieren.

100 Millionen verschiedene Antikörpertypen

Das menschliche Immunsystem ist hinsichtlich der Entwicklung neuer Antikörper nahezu unbegrenzt lernfahig. Man geht davon aus, daß es etwa 100 Millionen verschiedene Antikörpertypen produzieren kann.

B-Zellen

Die Antikörper ihrerseits werden von den B-Zellen produziert, die sich aus den Stammzellen im Knochenmark entwickeln (B für engl. bone marrow = Knochenmark). Sie reifen in den lymphatischen Organen (s. u.) und schwärmen von dort als Patrouille ins Blut und in die Lymphflüssigkeit. Auf ihrer Oberfläche präsentieren diese B-Zellen genau die Antikörper, die sie produzieren können.

T-Zellen

B-Plasmazellen

Werden sie nun durch von den T-Zellen ausgeschüttete Botenstoffe alarmiert, daß ein »Feind« – also ein Antigen – in Sicht ist, das genau mit jenen Antikörpern bekämpft werden kann, dann vermehren sie sich, verwandeln sich in B-Plasmazellen (enddifferenzierte Form der B-Zellen als Produzent von Antikörpern) und stellen in großen Mengen (etwa 2000 pro Sekunde!) genau jene Antikörper her, die spezifisch dieses Antigen bekämpfen können.

Immunglobuline

Heute ist man sogar in der Lage, verschiedene Fraktionen dieser Antikörper zu unterscheiden, und zwar solche (oder auch Immunglobuline) vom Typ G, M, A und E (IgG, IgM, IgD und IgE). Sie entstehen zu verschiedenen Zeitpunkten der komplexen Abwehrabläufe und haben unterschiedliche Funktionen.

Immunglobuline weisen auf Krankheit hin

Je nach Stadium einer Infektion enthält das Blut eines Erkrankten mehr oder weniger dieser Immunglobulinfraktionen. An der Anzahl und dem jeweiligen Typus (IgG, IgM, IgD oder IgE) kann man heute erkennen, ob ein Mensch eine akute Erkrankung hat oder ob er vor längerer Zeit einmal mit einem Erreger in Kontakt gekommen ist und »nur« noch sogenannte Gedächtnis-Antikörper besitzt.

Untergruppen der B- und T-Zellen

Um die Verwirrung komplett zu machen: Es gibt jeweils nicht nur eine Sorte B-Zellen und T-Zellen, sondern wiederum zahlreiche Untergruppen. Das hängt damit zusammen, daß das Immunsystem nicht nur alarmiert werden muß, wenn ein Fremdkörper den Menschen bedroht, sondern es muß auch wieder abgestellt werden, wenn der Feind erfolgreich bekämpft wurde und die Gefahr vorbei ist.

Anaphylaxie

Würden sie sich endlos weitervermehren, so würde der Körper schließlich an dieser Immunreaktion zugrunde gehen. Wie schnell das gehen kann, wissen Allergiker und Asthmatiker, die schon einmal eine überschießende allergische Reaktion vom Soforttyp erlitten haben: Der Kreislauf bricht zusammen, die Atmung wird durch anschwellende Schleimhäute behindert, und wenn nicht innerhalb von kurzer Zeit mit Medikamenten (Kortison, Antiallergika usw.) die überschießende Abwehrreaktion des Körper gestoppt wird, dann stirbt der Mensch an einer solchen, Anaphylaxie genannten Reaktion innerhalb von ein oder zwei Stunden.

Suppressorzellen

Es muß also in diesem Konzert der Abwehrzellen und -Substanzen auch Kontrolleure geben. Sie werden gleichzeitig, jedoch mit zeitverzögerter Wirkung produziert. Es handelt sich hier um die Suppressorzellen, die die Immunantwort wieder herunterfahren.

Gedächtniszellen

Damit ist aber nicht wieder alles beim alten, sondern der Körper »merkt« sich jedes Antigen, mit dem er einmal konfrontiert wurde. Das geschieht über die Gedächtniszellen.

B- und T-Gedächtniszellen sind sozusagen die »Sicherungskopien« im Körper, die das Wissen um eine einmal erfolgreich bekämpfte Antigengruppe aufbewahren. Wird der Körper nun erneut mit diesem Antigen konfrontiert, dann kann die Abwehrarmada sofort Antikörper produzieren und den Eindringling unschädlich machen, bevor er sich im menschlichen Körper häuslich eingerichtet und vermehrt hat.

Prinzip der Impfung

Hier kommen wir wieder auf das Prinzip der Impfung zurück, das schon Jenner und Pasteur entdeckt hatten: Es beruht darauf, daß durch die Antigenpräsentation der Mensch schon einmal – in abgeschwächter Form – die entsprechende Abwehrschlacht schlägt und Gedächtniszellen entwickelt. Kommen nun giftige, ansteckungsfahige Erreger in den Körper, so ist er iņ der Lage, die Eindringlinge sofort zu vernichten, bevor sie weiteren Schaden anrichten können.

Die zelluläre Immunität

Unspezifische Immunität

Die humorale Immunität erwies sich aber im Verlauf der weiteren Forschung als nur eine von mehreren Schienen der Abwehr im menschlichen Körper. Eine weitere Schiene ist die zelluläre oder auch unspezifische zellvermittelte Immunität.

Ilja Metschnikow

Phagozyten Makrophagen

Der russische Biologe Ilja Metschnikow (1845–1916) entdeckte 1883, daß es bewegliche Zellen gibt, die sich auf einen Eindringling stürzen und diesen angreifen. Man nennt sie noch heute Phagozyten oder häufiger: Makrophagen. Dies sind große Freßzellen im Gewebe, die sich teilweise frei bewegen können, teilweise aber auch stationär sind – z.B. in Leber, Nervensystem, Milz und Lymphknoten.

Phagozytose

Wirkung der Makrophagen

Sie entwickeln sich aus den Monozyten und wandern – wenn sie durch Botenstoffe entsprechend alarmiert wurden – zu Entzündungsherden, infizierten Zellen, Mikroorganismen, Fremdstoffen und Krebszellen sowie körpereigenen Zellen, die natürlicherweise abgestorben sind, und beseitigen diese mittels der Phagozytose. Dabei fressen sie ihr Ziel, das durch Antikörper oder Eiweißverbindungen des Komplementsystems (s.u.) bereits markiert wurde, regelrecht auf. Sie sind zwar nicht in der Lage, Erreger spezifisch zu erkennen wie das Antikörper können, aber sie erkennen von Antikörpern gekennzeichnete Zellen und Substanzen und räumen diese wie eine Art Müllabfuhr beiseite. Sie sind ihrerseits in der Lage, entzündungsfördernde Stoffe zu produzieren und an ihrer Oberfläche Teile jener von ihnen »gefressenen« Antigene zu präsentieren. Entdeckt eine T-Zelle ein solches präsentiertes Antigenbruchstück, so wird sie dadurch alarmiert, zur Ausschüttung von Botenstoffen (Interleukinen) und zur Vermehrung angeregt. Hier wird schon deutlich, daß die Immunabwehr ein komplexes Netzwerk von Aktion und Reaktion ist.

Granulozyten oder weiße Blutkörperchen

Diese Makrophagen sind jedoch nur ein Teil der zellvermittelten Abwehr. Die Granulozyten – besser bekannt als weiße Blutkörperchen – sind eine weitere wichtige Zellgruppe im Konzert der Immunabwehr. Sie entstehen ebenfalls im Knochenmark, und zwar in einer Größenordnung von 80 Millionen pro Minute (!).

Neutrophile

Eosinophile

Basophile

Sie lassen sich nochmals unterscheiden in Neutrophile (das sind die am häufigsten vorkommenden Freßzellen im Blut), Eosinophile (sie treten bei allergischen Reaktionen und Parasitenbefall vermehrt auf) und Basophile, die bei Entzündungen und Allergien eine ähnliche Funktion haben wie die Mastzellen.

Mastzellen

Die Mastzellen sitzen vor allem in den Schleimhäuten und in der Haut. Ihre Funktion bekommen vor allem Allergiker zu spüren, wenn sie mit Allergenen oder Antigenen in Kontakt kommen: Docken sich mehrere spezifische Antikörper an die Oberfläche der Mastzellen an, dann platzen diese und setzen zahlreiche Entzündungsmediatoren (Botenstoffe) frei, unter anderem das bekannte Histamin, das zu einer Erweiterung der Gefäße und zum Anschwellen der Schleimhäute führt (siehe anaphylaktischer Schock).

Killerzellen

Erwähnt werden sollen auch noch die natürlichen Killerzellen, die in der Lage sind, Krebszellen und virusinfizierte Zellen zu vernichten. Bei zahlreichen Erkrankungen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen, reagieren diese natürlichen Killerzellen nicht mehr aktiv genug auf vorhandene Krebszellen oder virusbefallene Körperzellen.

Es gibt noch andere spezialisierte Zellen des Immunsystems (z.B. Langerhans-Zellen), deren Funktion hier jedoch aus Gründen der Verständlichkeit nicht weiter erläutert werden soll.

Das Komplementsystem

Besteht aus etwa 20 Eiweißverbindungern

Eine weitere Schiene der nicht spezifischen Immunabwehr ist das Komplementsystem, das aus etwa 20 Eiweißverbindungen besteht, die sowohl eigenständig als auch in »Zusammenarbeit« mit den anderen Elementen des Immunsystems in der Abwehr von Fremdkörpern tätig sind. Sie sind zum Beispiel in der Lage, fremde Zellen zu attackieren und zu zerstören, indem sie deren Zellwände durchlöchern. Die verschiedenen Eiweißverbindungen des Komplementsystems können sich aber auch an Mastzellen binden und Entzündungen auslösen oder sich an Bakterien anheften und diese dadurch als Zielobjekt für Makrophagen markieren.

Die Spezifität der Zellen ist weitgehend entschlüsselt

Diese wenigen Stichworte geben bereits einen Einblick in das vielfältige und hochkomplizierte Konzert der verschiedensten Substanzen und Zelltypen des Immunsystems. Man hat die Spezifität der Zellen und einen Teil ihrer Interaktion mit Hilfe moderner biochemischer Forschungsmethoden weitgehend entschlüsselt. Aber das Zusammenspiel, die Regulationskreise, insbesondere im Zusammenhang mit der Funktion anderer Organe, allem voran dem Gehirn und dem Hormonsystem, sind so komplex, daß man weit davon entfernt ist, diese als Ganzes zu verstehen.

Die Zelltypen unterhalten sich

Oberflächenmarker

Teile dieses Konzerts sind jedoch bekannt. Die verschiedenen Zelltypen des Immunsystems »unterhalten« sich im direkten Kontakt über die jeweils an ihrer Oberfläche präsentierten Informationen (Stichworte MHC-Rezeptor, HLA). Man kann sich die Kennzeichnung von Zellen wie Fähnchen auf der Oberfläche vorstellen, die zum Beispiel signalisieren: »Ich bin von der eigenen Truppe, bitte nicht angreifen.« (Stichwort: Autoimmunität!) oder »Ich wurde von einem Virus geentert.« oder »Ich funktioniere nicht mehr richtig, bitte abtöten und beiseite räumen.«

Autoimmune Reaktionen

Diese Oberflächenmarker sind ein Teil der Verständigungsmethoden der Immunzellen. Funktioniert diese Art der Verständigung nicht, so kann es zu autoimmunen Reaktionen kommen. Dann greift das Immunsystem die körpereigenen Zellen an. Schwere Erkrankungen sind die Folge: rheumatoide Arthritis, multiple Sklerose, Myasthenie (Muskelschwäche), jugendlicher Diabetes, Basedow-Krankheit sollen hier nur als Beispiel erwähnt werden.

Ein verwirrtes Immunsystem kann Antikörper gegen jedes Organ bilden

Ein verwirrtes Immunsystem kann im Prinzip Antikörper gegen jedes Organ bilden und es angreifen, wenn die »falschen« Oberflächenmarker auf seinen Zellen präsentiert werden und die Selbsttoleranz zusammenbricht. Dann kommt es sozusagen zum »Bürgerkrieg« im Gewebe.

Mediatoren oder Botenstoffe

Eine weitere Verständigungsmöglichkeit zwischen den Immunzellen sind die Mediatoren oder Botenstoffe: Interleukine, Interferone, Leukotrine, Prostaglandine, Lymphokine sollen hier nur als Stichwörter erwähnt werden, es würde an dieser Stelle zu weit fuhren, darauf einzugehen.

Die Botenstoffe organisieren die Verständigung mit anderen Organen

Diese Botenstoffe organisieren auch die Verständigung mit anderen Organen, allen voran dem Gehirn. Man setzt sie heute auch schon gezielt therapeutisch ein bei Erkrankungen, die anders nicht zu behandeln sind. Hepatitis C beispielsweise läßt sich nur bekämpfen, indem man mit Hilfe von Interferonen den Körper anregt, seine Abwehrtruppe zu mobilisieren. Auch bei bestimmten Krebsformen macht man Versuche, sich auf diese Weise die natürliche Immunabwehr des Körpers zunutze zu machen.1

Das Immunsystem im Netzwerk des Körpers

Die lymphatischen und andere an der Abwehr beteiligte Organe

An der Entstehung der Immunabwehr direkt beteiligt sind das Knochenmark, die Lymphknoten und Lymphbahnen, die lymphatischen Gewebe im Darm und in den Atemwegen, die Thymusdrüse, die Milz und die Mandeln.

Knochenmark

Im Knochenmark entwickeln sich aus den Stammzellen die roten und weißen Blutkörperchen sowie die B- und T-Zellen. Wird beispielsweise durch eine Chemotherapie bei bestimmten Blutkrebserkrankungen das Knochenmark zerstört, so ist der Mensch vollkommen hilflos dem Angriff von Viren, Bakterien und Pilzen ausgeliefert und muß, bis er über eine Knochenmarktransplantation wieder selbst Stamm- und Abwehrzellen bilden kann, durch extreme äußere Schutzmaßnahmen vor Infektionen bewahrt werden –sonst stirbt er.

Aufgaben der Milz

Die Milz ist nicht nur ein Ort des Informationsaustausches für die verschiedenen Zelltypen des Immunsystems. So präsentieren sich hier gegenseitig Bruchstücke der Antigene. Die Milz filtert auch das Blut, indem sie Antigene und Erythrozyten zerlegt und beseitigt. Dadurch wird die Immunantwort in Gang gebracht: Durch die Präsentation der Bruchstücke des Fremdkörpers werden die B-Zellen zur Vermehrung (Proliferation) und Reifung zu Antikörper produzierenden B-Zellen angeregt.

Lymphknoten und Lymphbahnen

Hauptinformationsaustausch