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Reiseatlas
Detailkarte León
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Autor
Ganz einfach orientieren und jederzeit wissen, wo genau Sie gerade sind: Die praktische App zu den Erlebnistouren sorgt dank Offline-Karte und Navigation dafür, dass Sie immer auf dem richtigen Weg sind. Außerdem zeigen Nummern alle empfohlenen Aktivitäten, Genuss-, Kultur- und Shoppingtipps entlang der Tour an.
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PASS VON SOMPORT» |
Hier kratzt der Jakobsweg an den Wolken, das Bergpanorama der Pyrenäen verschlägt den Atem zur Karte |
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IGLESIA DE SANTA MARÍA DE EUNATE » |
Romanik in ausgewogener Perfektion: zeremonielles Zentrum der Tempelritter oder Totenkapelle für verstorbene Pilger – der Ursprung der Kirche bei Puente la Reina gibt Rätsel auf zur Karte |
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MONASTERIO RONCESVALLES » |
Museumsschätze, Madonnabildnis in der Kirche und ein Beinhaus im einstigen Augustinerkloster zur Karte |
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KREUZGANG DER KATHEDRALE VON PAMPLONA » |
Formvollendete Gotik mit herrlichem Maßwerk im Kreuzgang der Kathedrale Pamplonas zur Karte |
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BRÜCKE VON PUENTE LA REINA » |
Einer der schönsten Flussübergänge in ganz Spanien zur Karte |
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CALLE DEL LAUREL » |
Legendäre Kneipengasse in Logroño, ein Synonym für Ausgehfreuden zur Karte |
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CATEDRAL DE SANTO DOMINGO DE LA CALZADA » |
Kathedrale mit Hühnerstall; der Inhalt ist krählebendig zur Karte |
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SAN MILLÁN DE LA COGOLLA » |
Kloster am Berg, Kloster im Tal – Suso und Yuso faszinieren zweifach zur Karte |
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CATEDRAL DE SANTA MARÍA IN BURGOS » |
Die Kathedrale von Burgos steht als Glaubensburg par excellence, Weltkulturerbe der Unesco zur Karte |
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CATEDRAL DE SANTA MARÍA IN LEÓN » |
Eine weitere Kathedrale – diesmal in León: im Banne der Buntglasfenster zur Karte |
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PANTEÓN DE LOS REYES » |
Die „Sixtinische Kapelle der romanischen Malerei“ in León zur Karte |
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CRUZ DE FERRO » |
Magischer Berghalt der Jakobspilger: hier, am „Eisenkreuz“, legen sie Sünden- und Sorgensteine ab (Foto) zur Karte |
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O CEBREIRO » |
Das grüne Tor zu Galicien und ein Dorf der ganz besonderen Art zur Karte (siehe auch ») |
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CATEDRAL DE SANTIAGO DE COMPOSTELA » |
Ergriffene Pilger finden sich am Ende ihres Wegs in der sehnsüchtig erwarteten Kathedrale ein (Foto) zur Karte |
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CABO FISTERRA » |
Ein magisches Kap, ein magischer Name: willkommen an Galiciens „Ende der Welt“ zur Karte |
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Zünftig tafeln » |
Mittendrin in Santiago de Compostela und doch irgendwie im sympathischen Abseits der Touristenströme liegt die Casa Paredes, ein einfacher Gasthof mit gutem Tagesmenü |
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Innenleben kostenlos » |
Der Arco de Santa María fügt sich trefflich in die Pracht von Burgos, doch auch das Innere des Torbogens ist interessant – und überdies gratis zugänglich |
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Versteckter Abgang » |
Ein i-Tüpfelchen beim Besuch der Klosterkirche von Roncesvalles in den Pyrenäen ist der Abgang in die Krypta – folgen Sie einfach der Treppe in die Tiefe |
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Einfach tierisch » |
Überraschungseffekt in den Burggräben der aragonesischen Pilgerstadt Jaca – hier wird Rotwild gehalten |
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Verdampftes Erbe » |
Der prächtige Rauchabzug der Pilgerküche gehört zum Diözesanmuseum in Pamplona und erinnert an jene Zeiten, in denen hier die Mahlzeiten zubereitet und an die hungrigen Wallfahrer verteilt wurden |
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Großer Apostel, kleine Schritte » |
Mit Kindern wandern auf dem Jakobsweg, das geht gut z.B. von Roncesvalles nach Pamplona – die Wälder und grünen Hügel Navarras sind ein ideales Terrain und lassen so schnell keine Langeweile aufkommen |
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Das Portal ist das Ziel » |
Ein Kulturschatz allererster Güte ist das vielfarbige steinerne Hauptportal der Kirche Santa María de los Reyes in Laguardia. Für Kunstsinnige lohnt allein dieser Anblick den kleinen Abstecher von Logroño, der Hauptstadt der Rioja, hierher |
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Atemschwer » |
Müselig ist der Aufstieg auf den Kathedralturm von Santo Domingo de la Calzada bis unter die Glocken – ein herrlicher Ausblick ist der Lohn (Foto) |
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Duftende Rosenkränze » |
Süßlich riechende Andenken aus der Cartuja de Miraflores von Burgos: Rosenkränze aus handgedrehten Rosenblättern, echte kleine Kunstwerke der Kartäusermönche |
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Shoppingfreuden » |
IIm Rioja-Städtchen Nájera führt der Weg nicht nur zum Kloster, sondern – zumindest donnerstags – auch auf den bunten Allerleimarkt |
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„Wiener“ Kaffeehaus » |
Viena bedeutet „Wien“ – und das ist im Zentrum von Logroño eine tolle Adresse. In diesem Café gibt es verführerische Köstlichkeiten |
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Käsedüfte über León » |
Bummeln Sie mittwochs oder samstags über den gut bestückten Freiluftmarkt auf der Plaza Mayor, die mit Käse-, Wurst-, Obst- und Gemüseständen umso interessanter wirkt (Foto) |
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Streckenstopp » |
Im galicischen Pilgerort Triacastela können Sie gleich am Weg im netten Restaurante Parrillada Complexo Xacobeo gemütlich einkehren |
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Klosterdrink » |
Mönche besitzen seit altersher so manches Talent – im Kloster Leyre können Sie ihren süffigen Kräuterlikör erstehen |
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Templerfest » |
Einst war der mysteriöse Templerorden in Ponferrada ansässig. An dessen Präsenz erinnert das rauschende Tempelritterfest im Frühsommer |
In Tapas-Bars in León gibt es sie häufig noch: die Tradition, zu einem Glas Wein oder Bier ein kostenloses Appetithäppchen zu reichen. Suchen Sie die Traditionstreffs im „Feuchten Viertel“ auf!
Für die Mühsal der anstrengenden Wanderung entschädigt die Fuente de Vino der preisgekrönten Bodegas Irache bei Ayegui. Aus der begehrten „Weinquelle“ träufelt ein leckerer und zudem kostenloser Wein. Hier können Sie schluckweise auftanken, sofern die Vorauszügler das Depot nicht gerade geleert haben
In Logroño, der Hauptstadt der Rioja, öffnen sich im Zentrum die Tore ins Regionalmuseum (Museo de la Rioja) zum Nulltarif. Thematisch erleben Sie eine übersichtlich aufgezogene Bandbreite
Vom 6. bis 14. Juli herrscht in Pamplona der Ausnahmezustand. Die (be)rauschende Fiesta de San Fermín dauert 204 Stunden und bietet ein vielseitiges Programm. Bei den Stiertreiben durch die Altstadt können Sie kostenlos Zaungast sein, wobei es Ihnen freigestellt bleibt, selbst in Aktion zu treten
Da es in Spanien keine Kirchensteuer gibt, ist der Klerus oft auf Eintrittsgelder angewiesen. Die stimmungsvolle Pilgerkirche von Roncesvalles zählt zu den Ausnahmen. Der Eintritt ist frei. Und abends wird der Pilgersegen gespendet ...
Römische Mosaike und viele andere wertvolle Stücke sind im Museo de Navarra in Pamplona zu betrachten. Samstagnachmittags und sonntags lohnt sich der Besuch gleich doppelt, denn dann sparen Sie das Eintrittsgeld
Schier endlose Weite prägt die spanische Hochebene Meseta, die der Camino zwischen Burgos und León durchzieht. Das sind unvergessliche Natureindrücke, die Sie so nur auf dem Jakobsweg erleben
Für viele Ankömmlinge ist es ein ergreifendes Erlebnis, am 1504 m hohen Cruz de Ferro einen Stein abzulegen: ein Symbol für die Lasten von Sünde und Sorge. Lassen auch Sie Ihre Sorgen zurück, und ziehen Sie befreit weiter
Legenden geben dem Jakobsweg seine unnachahmliche Würze. Eine der bekanntesten Überlieferungen ist jene von dem unschuldig gehängten Pilgerburschen in Santo Domingo de la Calzada. Die Geschichte ist als Hühnerwunder bekannt, an das in der Kathedrale ein weißer Hahn und eine weiße Henne erinnern. Lebendiges Federvieh im Gotteshaus – das gibt es sonst nirgendwo
Wen würde da keine Gottesfurcht überkommen? Die Kathedrale von Burgos erschlägt geradezu mit ihrer Pracht: mit der filigranen Vierungskuppel, der vergoldeten Treppe, der Kapelle des Kronfeldherrnpaars und dem Domschatz. Die Kirche gilt als gotisches Meisterwerk und wurde zum Weltkulturerbe erklärt
Eine Seilaufhängung und ein eingespieltes Team an gestandenen Männern braucht es, um in der Kathedrale von Santiago de Compostela den berühmten Weihrauchwerfer (botafumeiro) in Schwung zu bringen. Wenn er Tempo aufnimmt, erreicht er bis zu 70 km/h!
In Rot, Grün und Blau dringt das Licht durch die von pflanzlichen und biblischen Motiven geschmückten Buntglasfenster – und erhellt symbolisch das Dasein. Die gotische Kathedrale von León mit den unterschiedlich hohen Türmen ist auch von außen unverwechselbar
Sollte es draußen regnen, lässt Sie das im Schokoladenmuseum in Astorga einfach kalt; hier gibt’s genug zu sehen und zu naschen
Das Iruña in Pamplona ist eine Mischung aus großem Kaffeehaus, Kneipe und Restaurant. Ernest Hemingway verewigte die Institution in seinem 1926 erschienenen Erfolgsroman „Fiesta“. Ein Allwetterziel
Keinem Spanier würde es einfallen, in einer einzigen Kneipe zu bleiben. Machen Sie es genauso: Ziehen Sie von Bar zu Bar, und probieren Sie die typischen Häppchen. Ideal dafür ist die Calle del Laurel in Logroño. Die Wege zwischen den Kneipen sind auch bei Regen kurz genug
Der Besuch der Klosteranlage von Santo Domingo de Silos ist ein Indoor-Programm, das sich lohnt: der traumhafte Kreuzgang, die historische Apotheke, der Museumsbereich und abends die gregorianischen Gesänge der Benediktiner in der Klosterkirche
Statt eines Kirchenfürsten ist im Palacio Episcopal in Astorga ein Museumsmix untergebracht. Schon allein die herrlich verrückte Architektur, die auf niemand Geringeren als Antoni Gaudí zurückgeht, ist einen Ausflug wert und zieht zahlreiche Besucher an
Der Mercado in Santiago de Compostela bietet auch bei Schmuddelwetter Gelegenheit, sich mit frischen Produkten einzudecken. Schlendern Sie durch die Hallen und atmen Sie die Gerüche der Region ein
Spanier haben ein Faible für ihre Plätze, Treffpunkte par excellence, sozusagen verlängerte Wohnzimmer. Auf einem Bänkchen oder einer Caféterrasse auf der Plaza del Castillo in Pamplona können Sie bequem das Treiben verfolgen und innehalten
Sie ist das sehnsüchtig erwartete Ziel aller Pilger: die Kathedrale von Santiago de Compostela. Holzbänke bieten Platz für Gläubige und weniger glaubensstarke Ankömmlinge. Hier ist der Zeitpunkt gekommen, am Ende der Tour die Seele baumeln zu lassen und auf das Erlebte zurückzuschauen
Cabo Fisterra ist Nordspaniens raues „Ende der Welt“. Hoch über den Klippen das beruhigende Rauschen der Wellen vernehmen und den atemberaubenden Ausblick auf das Meer genießen – das ist Entspannung pur
Im QH Hotel im Herzen von León können Sie im hauseigenen Spa Ihren Körper und Geist entspannen. Über die Homepage lässt sich ein passendes Wellnesspaket gleich vorbuchen
Entspannen in angenehmem Ambiente: Das Restaurant La Cocina Aragonesa in Jaca wird freundlich geführt und bringt regionaltypische Spezialitäten auf den Tisch. Besonders empfehlenswert ist das Degustationsmenü
Wenn Sie den Pilgermassen und dem städtischen Trubel einmal entfliehen möchten, ist Santiago de Compostelas schönstes Kaffeehaus, das Casino, ein geeigneter Ort. Eine Tasse Kaffee oder eine Stärkung in stimmungsvoller Atmosphäre lassen Sie ganz entspannt im Hier und Jetzt sein
Bild: Pilger auf dem Weg nach Cirauqui, Navarra |
Ein Mann, ein Grab, Millionen Pilger. Selten hat ein einzelner Mensch die Massen derart mobilisiert, Generationen aus aller Herren Länder über mehr als ein Jahrtausend hinweg auf Trab gehalten: Santiago, der heilige Apostel Jakobus. In der Kathedrale von Santiago de Compostela führt ein schmaler Treppengang in die Tiefe, am Ende der Stufen fällt der Blick durch einen Tunnel auf den Silbersarkophag. Das Dauergemurmel der Wallfahrer ist versiegt, man fühlt sich von Stille ummantelt, findet Muße zur Einkehr. Ruhen sie nun hier oder nicht, die sterblichen Überreste des wahren Jakob? Einzig der unerschütterliche Glaube hilft, sich des Apostels Gebeinen ganz nahe zu fühlen – denn der ganze Jakobuskult fußt nur auf einem Geflecht aus überlieferten Geschichten. Harte Fakten, gesicherte geschichtliche Anknüpfungspunkte suchen Skeptiker vergebens.
Wie kam der vermutlich im Jahr 44 n. Chr. in Jerusalem enthauptete Apostel nach Spanien? Wie entstand der Kult um sein Grab? Einzig die Legenden wissen Antwort und führen zunächst ein vom „Engel des Herrn“ gesteuertes Schiff ins Feld, das den Leichnam des Jakobus vom Hafen Jaffa aus über das Mittelmeer und den Atlantik in den äußersten Nordwesten der Iberischen Halbinsel nach Galicien schaffte. Mit an Bord waren zwei Jünger des Apostels, Theodorus und Athanasius. Nach Aushub des Grabes ein Stück weit im Inland geriet die Stätte ins Abseits, bis mysteriöse Lichtphänomene einen Einsiedler eingangs des 9. Jhs. auf die Spur der vergessenen Stätte brachten.
Laut Überlieferungen blieb es dem Bischof Theodemir vorbehalten, die von Pflanzen überwucherte Grabstätte wieder ausfindig zu machen. Umgehend setzten Klerus und Königshaus die Nachricht vom wiederentdeckten Apostelgrab in die Welt und stachelten die Wallfahrten an. Wer nicht an Wunder glaubt, vermeint den faulen Geruch einer machtpolitischen Strategie des Mittelalters zu erahnen. Umso mehr, wenn man das historische Umfeld ausleuchtet. Weite Teile Spaniens waren seit 711 von den eingefallenen Mauren überrollt worden, die von Norden her begonnene christliche Rückeroberung des Landes (Reconquista) war bis zu jenem Zeitpunkt wenig ruhmreich verlaufen. Verhießen Jakobus und der Jakobsweg nicht die einzigartige Chance, den Norden durch Wallfahrerströme und befestigte Neusiedlungen zu sichern? Würden Glaubenshalt und -einheit nicht dauerhaft politische und militärische Erfolge zeitigen? So spannte man den Apostel flugs vor den Karren der Reconquista, verbreitete unter den Massen der einfachen Menschen die Kunde vom „göttlichen Zeichen“ und setzte Mitte des 9. Jhs. eine weitere Mär in die Welt: die von Santiago Matamoros (auf deutsch „Jakobus Maurentöter“), der den christlichen Streitern in der sagenumwobenen Schlacht von Clavijo erstmals zu Hilfe eilte. In ritterlicher Manier hieb er die muselmanischen Feinde mit dem Schwert nieder und ließ die Köpfe rollen. Geprägt von Glauben und Aberglauben stieg Jakobus zum Patron der Reconquista auf und war den spanischen Heerscharen Ansporn zu immer neuen Siegen – bis ins Jahr 1492, als das letzte maurische Reich von Granada fiel.
Wie immer man den Rahmen aus Geschichte und Geschichten in der Rückschau bewerten mag und ob der Apostel Jakobus in Santiago de Compostela der „wahre Jakob“ ist oder nicht – geblieben ist das einzigartige spirituelle und kulturelle Phänomen des Jakobswegs, des Camino de Santiago. Wie stünde Spaniens Norden ohne den Einfluss jenes einfachen Fischers vom See Genezareth da? Ließen sich Burgos, León und Santiago de Compostela ohne ihre himmelstürmenden Kathedralen denken? Was wären die Gebirgszüge ohne die prachtvollen Klöster, Orte wie Frómista und Villalcázar de Sirga ohne ihre pompösen Kirchen, Felderlandschaften ohne ihre einsamen Kapellen? Unablässig entstanden am Jakobsweg Meisterwerke romanischer und gotischer Baukunst. Herrscher ließen sich am Camino begraben, Ordensgemeinschaften wie Benediktiner, Augustiner und Antoniter kümmerten sich in Hospitälern um ermattete und erkrankte Pilger. In ganz Europa versetzte der Glaube Berge und brachte den Stein ins Rollen. Seit den Neunzigerjahren des 20. Jhs. steht die Pilgerbewegung in einem erneuten kontinuierlichen Höhenflug. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und beschränken sich nicht einzig auf Medienberichte, Filme oder Bücher im Stil von „Ich bin dann mal weg“, den Bestseller des Komikers Hape Kerkeling. Auch die massiven Werbefeldzüge der Regionen am Jakobsweg haben ihren Anteil, die Jakobusgesellschaften im In- und Ausland, die Vielzahl organisierter Pilgerreisen, die Vorbild gebenden Besuche vormaliger Päpste. Und in Zeiten von Arbeits- und Konkurrenzdruck, allgegenwärtiger Hektik und des Immer-erreichbar-sein-müssens steigt bei vielen Menschen der Wunsch nach einer Auszeit, nach Selbstbesinnung, einer Neuorientierung im Leben. Dabei fällt die Wahl vieler auf den Jakobsweg.
Der Camino de Santiago, unter dem man gemeinhin den Hauptstrang der Route durch Nordspanien von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela versteht, folgt einer leicht überschaubaren Linie: geografisch von Ost nach West (so sind auch die Kapitel und Orte in dem vorliegenden Reiseführer angeordnet). Der mitunter auch von Mountainbikern genutzte Wanderpfad ist gelb markiert, die Straßenvariante für Motorisierte und Radler deutlich mit Schildern ausgewiesen. So kann jeder alle wichtigen Ziele problemlos ansteuern. Fuß- und Radpilgern mit Pilgerausweis stehen unterwegs viele öffentliche Herbergen zur Verfügung – vorausgesetzt, man schreckt nicht vor Schlafsälen, nächtlichen Schnarchattacken und diversen Gerüchen zurück. Schließlich dampfen irgendwo die Wanderschuhe der Mitankömmlinge aus, am Bettgestänge hängt in rücksichtsloseren Fällen die schweißnasse Kleidung, und das ein oder andere Sockenpaar steht vor Dreck von ganz allein. Nicht besonders hygienisch, aber authentisch. Vielleicht tröstet einen der Gedanke, dass es im Mittelalter schlimmer war. Kein Wunder, dass man in der Kathedrale von Santiago de Compostela den berühmten Weihrauchwerfer einsetzte, um richtig gegenzustinken. Privatherbergen, Hotels, Pensionen und Campingplätze bieten Alternativen für die Nacht.
Im 13. Jh. wurde mit dem Bau der prachtvollen Kathedrale Santa María in Burgos begonnen |
Am Camino de Santiago verzahnen sich Kultur und Natur, die Landschaften treiben spannungsreiche Wechselspiele. Hinter den grandiosen Gebirgskulissen der Pyrenäen warten westwärts die dichten Wälder Navarras, die Rebgärten der Rioja, die Weiten Kastilien-Leóns, die grünen Hügel Galiciens mit Weiden und Eukalyptushainen. Auf dem Land geht es für Reisende immer wieder in urige Dörfer. Hier plätschern Brunnen, hier wird der Fremde mitunter noch freundlich gegrüßt. Burgen und Paläste warten ebenso auf ihre Entdecker wie Kirchen und Klöster, außerdem Altstädte mit fröhlicher Stimmung, Tapas und Wein – so wie in Logroño, Burgos und León. Und die Granitkulissen Santiagos wecken mit verwinkelten Gassen und Plätzen die Neugier.
Faszinierend sind natürlich auch die Menschen, die Tag um Tag auf dem Weg voranpilgern. Doch man muss nicht Hunderte Kilometer entbehrungsreich zu Fuß unterwegs sein, um sich sein Bild vom Jakobsweg machen zu können. Alternativen sind Kunst- und Kulturreisen, motorisierte Touren in Eigenregie, der Camino per Fahrrad. Auf eines müssen sich aber alle Aufbrüchler einstellen: auf das beständig unbeständige Wetter. Der gute Draht zu Jakobus hilft wenig, wenn Kollege Petrus seine Himmelsschleusen öffnet. Besonders berüchtigt ist das Klima in der kastilischen Hochebene zwischen Burgos und León. Nueve meses de invierno, tres meses de infierno, lautet ein Sprichwort in Anspielung auf dortige Winterkühle und Sommerglut: „Neun Monate Winter, drei Monate Hölle.“ Egal – die Eindrücke am Jakobsweg entschädigen für alles. Einen Weg wie diesen gibt es einfach kein zweites Mal.
Wegmarke in Galicien: Statue des Pestpatrons Rochus auf dem Alto de San Roque |
3. Jh.v.–5. Jh. n.Chr.
Römerherrschaft; Gründung von Pamplona und León
44 n.Chr.
Hinrichtung des Apostels Jakobus in Judäa; laut Legende bringt ein „Engelsschiff“ seine sterblichen Überreste nach Galicien, wo sie beigesetzt werden
711
Einfall und Ausbreitung der Mauren in Spanien; bald darauf Beginn der Reconquista
Anfang 9. Jh.
Wiederentdeckung des Apostelgrabs, Beginn der Pilgerzüge nach Santiago
11.–15. Jh.
Höhepunkt der mittelalterlichen Jakobuswallfahrten
1492
Abschluss der Reconquista mit dem Fall von Granada
Anfang 19. Jh.
Napoleonische Truppen fallen in Spanien ein und plündern Kirchen und Klöster
1936–39
Spanischer Bürgerkrieg mit nachfolgender Diktatur von Francisco Franco
1975
Ende des Franco-Regimes, Proklamation von Juan Carlos zum König und Redemokratisierung des Landes
1978
Neue Verfassung
ab den 1990er-Jahren
Moderner Boom des Jakobswegs
2010
Letztes „Heiliges Jakobusjahr“ mit dem bisherigen Rekord der Ausgabe von 272 412 Pilgerurkunden
2015
Im Pilgerbüro von Santiago de Compostela werden 262 459 Pilgerurkunden ausgestellt, die zweithöchste je registrierte Zahl
2016/17
Die Folgen der Wirtschaftskrise wirken nach, Spanien erholt sich nur langsam; die Arbeitslosenquote hat sich um 20 Prozent eingependelt, es herrscht eine hohe Politikverdrossenheit
2021
Nächstes „Heiliges Jakobusjahr“
Häppchen-Upgrade Sicher, Tapas stehen für traditionelle Lebenskultur in Spanien – doch neuerdings bekommen die Häppchen eine Frischzellenkur. Immer mehr Kneipen gehen dazu über, ausgefeiltere Häppchen-Kunstwerke anzubieten, um höhere Ansprüche zu bedienen. Dann werden Bars in „Gastrobars“ umbenannt, was in Pamplona nicht anders ist als in Burgos oder León. Damit ändert sich nicht nur das Etikett, sondern auch der Preis. Schließlich soll der Gast etwas Besonderes geboten bekommen. Dafür soll er bereit sein, etwas mehr zu zahlen. Der Zulauf gibt den Machern Recht.
Echte SouvenirsLa Forja de Ayeguiwww.laforjadeayegui.com