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4. Auflage 2021
© 2021 Jannik Beckers
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
Coverfoto: © Anatoly Maslennikov/Adobe Stock
Lektorat: Dr. Ruven Karr
Gesamtgestaltung: makena plangrafik, Leipzig
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ISBN: 978-3-7534-6921-8
Gewidmet meinem Bruder Leon.
Tabelle 1: Verteilung der weltweiten Fördermenge von Rohdiamanten im Jahr 2019
Tabelle 2: Mitglieder des Weltverbandes der Diamantbörsen
Tabelle 3: Aus der Diamond Retail Benchmark der IDEX
Tabelle 4: Regelmäßig nachgefragte Steingrößen des Diamantenmarktes
Tabelle 5: Aktuelle Farbenskala nach GIA
Tabelle 6: Historische Farbenskala
Tabelle 7: Graduierungen der Fluoreszenz nach GIA
Tabelle 8: Reinheitsskala nach GIA
Tabelle 9: Mohs’sche Härteskala
Tabelle 10: Mathematisch ideale Proportionen des Brillanten
Tabelle 11: Graduierungen des Schliffes nach GIA
Tabelle 12: Teilnehmer am Zertifikationssystem des Kimberley-Prozesses
Abbildung 1: Entwicklung der weltweiten Fördermenge von Rohdiamanten (2004 bis 2019)
Abbildung 2: Oktaederförmiger Rohdiamant
Abbildung 3: Oberteilansicht des Brillanten
Abbildung 4: Seitenansicht des Brillanten
Abbildung 5: Unterteilansicht des Brillanten
»Die Substanz, die nicht nur unter den Edelsteinen, sondern unter allen menschlichen Besitztümern den größten Wert besitzt, ist Adamas [Diamant – Anmerkung des Verfassers], ein Mineral, das lange Zeit nur Königen, und nur sehr wenigen von ihnen bekannt war.«1
Plinius der Ältere (24–79 nach Christus), römischer Gelehrter
Der Großteil fundierter Publikationen über Diamanten im deutschsprachigen Raum richtet sich in erster Linie an Schmuck liebhaber oder Gemmologen. Das vorliegende Buch hingegen spricht Sie als langfristig orientierten Anleger von Kapital an. Es möchte Ihnen als Ratgeber konkrete Antworten auf die entscheidenden Fragen zu Diamanten als Form der Wertanlage geben sowie ein grundlegendes Verständnis für dieses Thema schaffen.
Mein besonderer Dank gebührt Dr. Ruven Karr, Sophie Wild, Dr. Maria Zaffarana und Katrin Hofmann, die wesentlich zur erfolgreichen Fertigstellung dieses Buches beigetragen haben.
Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, wünsche ich eine anregende und bereichernde Lektüre mit vielen neuen Erkenntnissen.
Viersen im Januar 2021
Jannik Beckers
1 Dieses Zitat von Plinius dem Älteren habe ich aus der englischen Ausgabe seiner Enzyklopädie Naturalis historia (deutsch: Naturgeschichte) frei übersetzt. Etymologisch lässt sich das Wort »Diamant« auf das griechische Wort »Adamas« zurückführen, das in die lateinische Sprache übernommen wurde. »Adamas« bedeutet wörtlich »unbezwingbar«.
»Keine Aussage bei den antiken Schriftstellern findet sich häufiger als die Behauptung, daß Steine und Metalle in kurzer Zeit geboren werden und wachsen.«
Moritz Pinder (1807–1871), deutscher Bibliothekar
Die ältesten Diamantenfunde datieren um den Zeitraum 3000 bis 4000 vor Christus in Südasien. Im Alten Indien gab es den Glauben, dass Edelsteine durch die Selbstopferung des Gottes Asura Bala entstanden sind. Es heißt, dass ein Blitz in sein Haupt einschlug, aus welchem dann »Berge von Steinen« entstanden. Dabei soll der Diamant als erster Stein geschaffen worden sein. Heute herrscht in der Wissenschaft Konsens darüber, dass Diamanten unter hohem Druck und hohen Temperaturen entstehen. Natürliche Diamanten wuchsen im Zuge von Jahrmillionen in einer Tiefe ab etwa 150 Kilometer im oberen Erdmantel heran, wenn dort vorhandener Kohlenstoff bei mindestens 1.000 Grad Celsius Gesteinstemperatur zur charakteristischen Anordnung der Atome in einem Diamanten zusammengepresst wurde. Das sogenannte Atomgitter ist eine atomare Struktur, die Atombindungen zusammenhält; beim Diamanten wird jedes Kohlenstoffatom von vier weiteren tetraedrisch umgeben. Diese besonders feste und gleichförmige Bindung verleiht dem Diamanten seine extreme Härte; so gilt er nicht von ungefähr als das härteste bekannte Mineral der Welt. Allerdings darf Härte nicht mit Haltbarkeit verwechselt werden, denn die hohe Härte des Diamanten schließt nicht aus, dass er unter Gewalteinwirkung zerbrechen könnte; auch verbrennt er in reinem Sauerstoff bei circa 720 Grad Celsius und oxidiert zu gasförmigem Kohlenstoffdioxid. Ein Diamant kann unter Einwirkung von Gewalt – beispielsweise, wenn er auf eine harte Oberfläche fällt – auch Sprünge (Risse) bilden. Beschädigungen werden im Wert des Diamanten entsprechend dem Gewichtsverlust beurteilt, der vermutlich beim Wegschleifen der Merkmale entsteht. An die Erdoberfläche respektive in die oberen Gesteinsschichten gelangten Diamanten, vor etwa 70 bis 150 Millionen Jahren, zusammen mit sogenanntem Kimberlit-Gestein über Schlote – einem mehr oder weniger senkrechten Aufstiegskanal von vulkanischen Produkten aus dem Erdinneren zu einem Eruptionszentrum an der Erdoberfläche oder am Meeresboden. Diamantführende Schlote reichen mitunter bis in den oberen Erdmantel hinab und werden auch als Pipes (deutsch: Röhren) respektive Kimberlit-Pipes bezeichnet. In der Regel nimmt im Verhältnis zur Tiefe nicht nur der Querschnitt dieser Schlote ab, sondern es verringern sich zudem der Diamantgehalt und die Größe der Steine. Kimberlite sind Bruchstücke des oberen Erdmantels, die Diamanten beinhalten können; dabei liegt das Verhältnis von Diamanten zu Kimberlit bei eins zu einer Million. Im Grunde genommen handelt es sich bei Kimberlit um erstarrte Lava und damit vulkanisches Muttergestein.2
Im Jahr 1647 berichtet der belgische Geograf Johannes de Laet (1581–1649): »Wenn die Gruben, die in Mannshöhe abgebaut werden, erschöpft sind, gibt man sie auf, öffnet sie aber dreißig oder vierzig Jahre später wieder, da sich inzwischen neue Diamanten gebildet haben.« Der Glaube, dass sich im Felsgestein neue Diamanten bilden, liegt darin begründet, dass mit den primitiven Methoden zur Zerkleinerung von Gestein, in der Zeit von der Antike bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, nicht alle im Gestein vorhandenen Diamanten beim ersten Mal gewonnen werden konnten. Nach der Aufgabe einer Arbeitsstätte wirkte die Verwitterung weiter an der Zerkleinerung des Gesteins, sodass durch späteres erneutes Auswaschen des Gerölls tatsächlich neue Diamanten zutage gefördert wurden. Durch eine mutmaßliche Änderung der Zusammensetzung des Erdmantels respektive durch eine Umstellung in der Erdkruste vor ungefähr einer Milliarde Jahren (Stichwort: Plattentektonik) können seither keine neuen Diamanten entstehen; das bedeutet, dass alle natürlichen Diamanten ein enormes Alter haben. Der bislang älteste Diamant der Welt ist mit etwa 4,25 Milliarden Jahren annähernd so alt wie die Erde selbst (etwa 4,6 Milliarden Jahre). Die geowissenschaftliche Theorie der Plattentektonik besagt, dass die Erdkruste als oberste Schicht der Erde nicht aus einem einzigen Stück besteht, sondern aus mehreren großen Kontinentalplatten und vielen deutlich kleineren Erdplatten. Diese Platten werden auch als Lithosphärenplatten bezeichnet, und sie befinden sich in stetiger, überaus langsamer Bewegung (wenige Zentimeter pro Jahr), weil sie auf dem flüssigen Erdinneren »schwimmen«. Durch ihre Bewegung rufen sie Erdbeben und Vulkanausbrüche hervor.
Bei den Kratern der Kimberlit-Pipes handelt es sich um die primären Lagerstätten von Diamanten, von denen nahezu alle auf der Welt bekannt sind. Der Großteil der Diamanten wird aus wirtschaftlichen Gründen jedoch von sekundären Lagerstätten abgebaut; das sind Lagerstätten, bei denen sich Diamanten unter dem Einfluss von Wind, Wasser und besonderen geografischen Begebenheiten in ergiebiger Menge angesammelt haben – beispielsweise in den Sedimenten ehemaliger Flussböden, in Schwemmlandebenen und Meeresböden. Generell wird die Förderung von Diamanten zunehmend technisch aufwendiger und damit auch kostenintensiver. Es müssen mehrere hundert Tonnen Gestein, Geröll, Kies und Sand gefördert und aufbereitet werden, um letztlich ein Karat geschliffenen Diamanten zu gewinnen. Es ist der hohen Widerstandskraft des Diamanten zu verdanken, dass er nahezu unbeschadet zahlreiche geologische Ereignisse übersteht. Diese Eigenschaft trug auch dazu bei, dass die US-amerikanische Versuchssonde Pioneer, die im August 1978 zur Untersuchung der Atmosphäre des Planeten Venus gestartet war, mit einem kleinen Fenster aus einem eigens für diesen Zweck geschliffenen makellosen Diamanten von 13,5 Karat ausgestattet wurde. Hinter diesem Fenster konnten die Messapparate sicher arbeiten.
Die meisten historischen Diamanten stammen aus Indien. Nach dem britischen Privatgelehrten Charles William King (1818–1888) – einem der größten Kenner antiker Edelsteine in der Viktorianischen Zeit – waren es erst die direkten Handelsbeziehungen zwischen den südindischen Völkern und den Kulturträgern des Mittelmeerraumes, welche den Diamanten außerhalb Indiens allgemein bekannt machten. Vom Altertum bis ins 18. Jahrhundert hinein war Indien der einzige Lieferant von Diamanten, die insbesondere über den Golf von Cambay, einer Bucht an der Küste des Landes, exportiert wurden.3 Es lässt sich mutmaßen, dass der indische Kulturkreis nicht zuletzt aufgrund seiner Bodenschätze, bis zur Souveränität Indiens im Jahr 1947, stark von fremden Herrschern oder Völkern abhängig war – zuletzt vom Vereinigten Königreich von 1858 bis 1947. Der hühnereigroße Koh-i-Noor (deutsch: Berg des Lichtes) gilt als einer der berühmtesten indischen Diamanten. Im Zuge der Annektierung der einstigen Provinz Punjab im Jahr 1849 durch das britische Kolonialreich ziert er seit 1937 in den britischen Kronjuwelen die Krone der Königin Elisabeth (1900–2002) – die Mutter der amtierenden Königin Elisabeth II. Bevor der wertvolle Edelstein nach Großbritannien kam, bewahrte ihn in Indien der britische Staatsmann John Lawrence (1811–1879), der von 1864 bis 1869 Generalgouverneur und Vizekönig von Indien war, in einer belanglosen Zigarettenblechschachtel auf. Es ist Lawrences indischem Kammerdiener zu verdanken, dass der Koh-i-Noor nicht verloren ging, denn der Diener hielt ihn zwar für ein wertloses Stück Glas, warf jedoch grundsätzlich niemals irgendetwas weg, das seinem Herrn gehörte. Um seinen Glanz zu steigern, wurde dieser geschichtsträchtige Diamant von seinen ursprünglich 186 Karat auf 108,93 Karat umgeschliffen. Diversen Forderungen nach der Rückgabe des Kohi-Noor begegnete David William Donald Cameron, der ehemalige Premierminister des Vereinigten Königreiches, im Jahr 2010 in den indischen lokalen Medien wie folgt: »Wenn Sie zu einem Ja sagen, stellen Sie plötzlich fest, dass das britische Museum leer ist.« Damit wollte Cameron wohl zum Ausdruck bringen, dass die britischen Kronjuwelen aus zahlreichen wertvollen Edelsteinen bestehen, die ausländischer Herkunft sind und theoretisch von ihrem jeweiligen Ursprungsland zurückgefordert werden könnten. Es kann mit guten Gründen behauptet werden, dass die Übertragung einiger Edelsteine auf die britische Krone als koloniale Hegemonialmacht durch den Aufbau imperialer Belastungen begünstigt wurde.4
Heute kommt der Großteil aller geförderten Diamanten aus Afrika. Im südafrikanischen Botswana trägt die Ausfuhr von Diamanten mit rund 60 Prozent maßgeblich zur gesamten Exportmenge des Landes bei. Neben Afrika fördert Russland eine erhebliche Menge an Diamanten. Nahezu das gesamte russische Diamantengeschäft wird in der russischen Unternehmensgruppe ALROSA gebündelt. ALROSA ist ein Akronym und steht für »Almasy Rossii-Sacha« (deutsch: Diamanten Russlands und der Teilrepublik Sacha