© 2021 Florian Fink 2. Auflage
Herstellung und Verlag:
BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
Illustration: Florian Fink
ISBN 978-3-7534-1113-2
Mit dem Buch vor dem Kopf saß Timo Schwarz in der Pausenhalle seiner Schule und las. Es handelte sich bei diesem Buch aber nicht um einen normalen Jugendroman sondern um ein Geschichtsbuch. Tatsächlich. Timo las im Geschichtsbuch und das regelmäßig. Er war mittelgroß gewachsen und hatte braune Haare, die er sich immer zur Seite kämmte. Bekleidet war er mit modernen Klamotten, einem dunkelroten Pullover und einer königsblauen Jeans. Er ging in die siebte Klasse und war 13 Jahre alt. Freunde hatte er dort nur einen und zwar Florian. Die beiden hingen sehr häufig zusammen. Ansonsten wurde er von den anderen häufig gehänselt.
„Geschichtsfreak“- so nannte ihn fast die ganze Klasse. Es gab sogar welche, die sich einen Spaß daraus machten, seine Sachen entweder zu verstecken oder mit Kaugummi und anderen Essensresten zu beschmutzen. Das waren meistens die Schläger der Klasse. Diese waren aber schon sehr oft beim Direktor, aufgrund mehrerer Verstoße gegen die Schulordnung. Irgendwann würde ihnen der Schulverweis drohen. „Oh Mann, wenn man sich nur mal das alte Rom real anschauen könnte. Das wäre bestimmt voll cool. Aber das werde ich nie erleben, da Zeitreisen leider unmöglich sind“, redete Timo mit sich selbst.
„Na, hält klein Timo wieder Selbstgespräche?“, ertönte eine tiefe Stimme. Timo schaute hoch und sah dann einen seiner Rivalen. Dieser war einen Kopf größer als er, trug schlampige und zerrissene Hosen und seine Haare waren relativ zerzaust und dunkel. „Kannst du mich nicht einfach mal in Ruhe lassen!“, brummte Timo. „Warum sollte ich? Du bist doch unser kleiner Geschichtsfreak“, lästerte der Rivale. „Na und! Das kann dir doch egal sein, ob ich mich für Geschichte interessiere! Jeder hat seine eigenen Interessen!“, knurrte Timo. Sofort bekam er das Geschichtsbuch aus der Hand gerissen. „Hey! Gib das wieder zurück!“, zischte Timo und sprang auf. „Oh, habe ich dir dein geliebtes Geschichtsbuch abgenommen. Oh, das tut mir aber leid. Willst du’s wiederhaben – dann hole es dir doch!“, sagte sein Rivale und rannte davon. Timo stürmte sofort hinter ihm her, quer über den Schulhof. „Gib mir mein Geschichtsbuch zurück!“, knurrte Timo. Sein Rivale rannte dann zu einem Mülleimer und schmiss das Geschichtsbuch dort rein. Danach entfernte er sich lachend und strich über seine Finger. Timo ging dann zum Mülleimer und holte sein Geschichtsbuch wieder raus. Dieses war jetzt total befleckt. Danach kehrte er wieder in die Pausenhalle zurück und sah, dass sein gesamtes Zeug über dem Boden zerstreut war. „Idioten!“, zischte er und begann sein Zeug wieder in den Ranzen zu räumen. Anschließend hörte er ein Klopfen auf dem Tisch. Sein einziger Freund Florian war nun aufgetaucht. Dieser hatte blonde Haare und war ein kleines bisschen größer als Timo. Bekleidet war er mit normalen Klamotten. Auch wenn er nicht so aussah, war er ein genialer Erfinder. Er liebte es, Sachen zu erfinden und hatte ein großes Interesse an Technik und Naturwissenschaften, sowie an der Natur.
„Hi Timo, was ist denn passiert?“, fragte er dann. „Wieder das Übliche“, antwortete Timo. „Die Schläger der Klasse? Oh nein! Nicht schon wieder. Diese Typen sind einfach nicht ganz dicht. Die halten sich für die coolsten der Klasse und dabei sind es einfach nur dumme Raufbolde“, sagte Florian. „Ich kann machen was ich will. Jedes Mal erwischen sie mich. Und dann ziehen sie mich mit dieser Geschichtsfreak Nummer auf. Das hier war ein brandneues Geschichtsbuch und schaue dir an, wie das jetzt aussieht“, erzählte Timo und zeigte seinem Freund das Geschichtsbuch.
„Sieht aus, als wäre es im Mülleimer gewesen“, errät Florian. „Ja, genauso war es auch. Ich habe es aus dem Mülleimer gefischt, nachdem es mir einer von diesen Idioten abgenommen hat“, erzählte Timo. „Du solltest echt mal zu unserer Klassenlehrerin gehen und ihr sagen, dass die dich ständig hänseln. So kann das doch nicht weitergehen“, erklärte Florian. „Aber wenn ich das tue, bin ich eine Petze.“ „Du musst es aber tun, sonst werden sie dir die ganze Schulzeit zur Hölle machen“, erklärte Florian. „Wenn ich petze, dann ist meine restliche Schulzeit die Hölle.“
In diesem Moment klingelte es und die Schüler gingen zu ihren Klassenräumen. Dabei wurde Timo natürlich auch wieder gehänselt und das nicht zu knapp. „Hey, wenn das nicht unser Geschichtsfreak ist. Der hängt doch schon so oft vor dem Geschichtsbuch, dass es ihn bald aufsaugt“, lästerten welche und lachten im Anschluss. „Na? Wie wäre es denn mit einem Besuch im alten Rom? Ach so, in Rom würdest du ja eh im römischen Circus landen und von den Löwen gefressen werden, du Lusche“, lästerten zwei große Jungs, die ebenfalls zu den Schlägern der Klasse gehörten. Florian verlor jetzt die Fassung und brüllte: „Jetzt reicht es! Lasst meinen Freund doch einfach mal in Ruhe!“ „Oh, wenn das nicht der verrückte Professor ist. Wenn du nicht auch noch auf unserer Liste der Opfer landen willst, dann halte dich gefälligst da raus!“, drohte ein Junge mit einer zerzausten Frisur und durchlöcherten Hosen. „Lasst einfach meinen Freund in Ruhe!“
Anschließend tauchte eine schlanke Lehrerin mit braunen Haaren auf. „Wenn einer von euch petzt, dann gibt es Schläge!“, drohte der Junge und schlug mit seiner Faust in die Hand.
„Guten Morgen“, grüßte die Lehrerin als sie ankam und schloss den Klassenraum auf. Alle nahmen dann Platz. „So, wir werden heute mit dem byzantinischen Reich weiter machen“, sprach die Lehrerin an. Anschließend war die Klasse mit einem Stöhnen erfüllt, da sie das Thema nicht interessierte. „Oh nein, das ist doch voll langweilig. Wen interessiert das schon, was in diesem Reich war“, stöhnte ein Mädchen. „Ich glaube aber unser Geschichtsfreak interessiert sich brennend für dieses Thema“, flüsterte die Nachbarin und zeigte auf den aufmerksamen Timo, der neben seinem Freund Florian saß. „Der ist ja auch nicht ganz normal.“ „Ruhe dahinten oder ihr geht gleich zu Beginn des Unterrichts wieder raus! Wir wollen mit dem Geschichtsunterricht anfangen“, sagte die Lehrerin und klingelte mit einem Glöckchen. Danach herrschte Stille. Immer wenn in der Klasse eine gewisse Unruhe herrschte, nutzte sie das Glöckchen, um wieder Ruhe in die Klasse zu bringen.
„So, wie wir in den letzten Stunden schon besprochen haben, liegt der Grundstein für Byzanz im Römischen Reich, das ja dann im Jahr 395 in Westrom und Ostrom zerfallen ist. Byzanz war ein sehr mächtiges Kaiserreich, wo schon sehr viele Kaiser regiert haben. Diese Kaiser herrschten universell, also uneingeschränkt. Einer von den ersten Kaisern war Konstantin der Große. Er herrschte nicht nur über Ostrom sondern auch noch über Westrom. Schlagt bitte eure Geschichtsbücher auf und dann lesen wir einen Text über Konstantin I., den Großen. Danach werde ich euch dazu ein paar Aufgaben stellen“, sagte die Lehrerin an.
Die Schüler schlugen dann widerwillig ihre Geschichtsbücher auf. Timo dagegen freute sich darauf. Danach begannen sie den Text laut zu lesen. Die Lehrerin schrieb in der Zwischenzeit die Aufgaben an die grüne Tafel.
Als sie mit dem Lesen fertig waren, begannen sie die Aufgaben zu bearbeiten. Dabei durften sie sogar leise miteinander reden. „Mann, Konstantin der Große hatte eine eigene Residenz in Konstantinopel“,