Finze, Wolfgang: Schießen mit preußischen Zündnadelgewehren : Tipps zur Handhabung, Pflege und zur Munition. - 1. Auflage. – Norderstedt : Books on Demand GmbH, 2018. - 56 S.

© 2018

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt.

ISBN: 9783752881233

Inhalt

Vorwort

Auch wenn die großen Schützenverbände wie DSB oder BDS keine Disziplinen für Zündnadelgewehre anbieten, kann man doch mit diesen Gewehren sportlich schießen. Es gibt viele Pokalschießen und natürlich auch Deutsche Meisterschaften. Die werden seit 2003 vom Schützenverein „Nicolaus v. Dreyse“ in Sömmerda ausgerichtet, und zwar in der Regel am letzten Wochenende im April. Dabei wird (in unterschiedlichen Wertungen) auf Entfernungen von 50m und 100m geschossen.

Wer sich für das Zündnadelgewehr-Schießen interessiert, sollte zu diesem Termin nach Sömmerda fahren, denn es gibt keine bessere Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, Tipps und Tricks zu sammeln. Und da es, sofern man sich anmeldet, dort auch Leihwaffen und Munition (zum Verbrauch auf dem Stand) gibt, spricht auch für Interessenten, die (noch) kein eigenes Zündnadelgewehr besitzen, nichts gegen einen Besuch in Sömmerda.

Weitere Wettbewerbe mit Zündnadelgewehren gibt es z.B. in Bückeburg, Jügesheim (Schützenverein "SV Diana 1910" e.V. in 63110 Rodgau-Jügesheim), Maulbronn (Süddeutsches Papierpatronenschießen) und beim Warburg Zündnadel-Cup (Schieß-Sportverein Warburg e.V.).

Rostock, im März 2018

Wolfgang Finze

Zündnadelgewehre – die Geschichte

Der Erfinder der Zündnadelgewehre ist Nikolaus (auch Nicolaus) Dreyse. Er wurde am 20.11.1787 in Sömmerda geboren, erhielt wegen seiner Verdienste 1864 den erblichen Adel (danach von Dreyse) und starb am 09.12.1867 in Sömmerda.

Dreyse experimentierte seit 1827 mit der Nadelzündung. Der Durchbruch gelang 1836, als er, lange vor Sharps, einen militärisch brauchbaren Hinterlader mit gezogenem Lauf entwickelte. Durch die in diesem Gewehr verwendete Patrone, die in ihrer Papierhülle nicht nur Geschoss und Ladung, sondern auch das Zündmittel enthielt, war seine Konstruktion anderen zeitgenössischen Hinterladern, bei denen immer noch ein Zündhütchen aufgesetzt werden musste, um mindestens zwei Jahrzehnte voraus.

Nach Verbesserungen und Truppenversuchen führte Preußen 1841 dieses Gewehr ein. Dreyse verkaufte seine Patente an den preußischen Staat, der die Zündnadelgewehre sofort zum Geheimnis erklärte und sich außerdem entschieden hatte, langfristig seine gesamte Armee mit gezogenen Hinterladern zu bewaffnen. Das zu einer Zeit, in der die Armeen anderer Staaten noch fast ausschließlich glattläufige Vorderlader führten.

Erste Bewährungsproben für die Zündnadelgewehre gab es 1849, und zwar bei der Niederschlagung des badischen Aufstands, den Barrikadenkämpfen in Dresden sowie beim Einsatz von fünf Füsilierbataillonen in Schleswig-Holstein.

Preußen nutzte die folgenden Jahre, um die Ausbildung der Armee an die Möglichkeiten der Waffen anzupassen. Dreyse schuf weitere Gewehrmodelle, und auch die Kavallerie erhielt 1857 einen Karabiner mit Nadelzündung. Um 1860 führten alle aktiven Einheiten Zündnadelgewehre.

Ende 1855 wurde eine Patrone mit einem neuen Geschoss entwickelt, dem „preußischen Langblei“. Diese Patrone hatte eine größere Reichweite und eine flachere Flugbahn als ihre Vorgängerin und wurde in den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 verwendet.

Bereits 1866 erhielt die preußische Gewehrprüfungskommission vom König den Auftrag, einen Nachfolger für die Zündnadelgewehre zu suchen. Bis dahin sollte als Übergangslösung die Leistung der Gewehre verbessert werden. Im Juni 1868 legte der Spandauer Fabrikkommissar Beck dazu einen entsprechenden Vorschlag vor und der König ordnete nach vorangegangenen Truppenversuchen am 10.03.1870 die Umänderung aller geeigneten Zündnadelwaffen nach dem System von Beck an (Beck´sche Aptierung).