Für Ute

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Karlheinz Huber

Bildquelle Internetplattform Pixabay

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN: 978-3-753415659

Anmerkung
des Autors:

Personen und Handlung sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Ähnlichkeit mit fiktiven Personen aus Filmen oder Comics ist gewünscht und soll zum Kauf anregen.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

„Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich sind wir alle nur sterblich.“

Jean-Luc Picard alias Patrick Stewart sagte:

Rückzug

Lars öffnete wie immer zuerst sein linkes Auge und sah nichts. Verwirrt öffnete er auch sein rechtes Auge und sah immer noch nichts. Panik und Wissen bekämpften sich, bis das Wissen siegte und er zu grinsen begann. Freundlich, aber leise flüsterte er: „Grm, bitte lass das.“

Dann raschelte etwas und die Blätter, die Lars’ Gesicht bedeckten, zogen sich langsam und sanft zurück. Ein freudiges Stöhnen erklang. Lars blickte in die Richtung des Geräusches. Dieses Etwas lag in seinen Armen und schlug die schönsten Augen auf, die Lars jemals gesehen hatte.

‘Es ist wirklich kein Traum’, dachte er, und schon schmiegten sich Biljka und Grm gleichzeitig um ihn. Grms Blätter kitzelten Lars und er begann zu kichern. Biljka bedeckte seine Lippen mit ihren und sie küssten sich innig, bis sich Grms Blattwerk zwischen sie schob.

„Ist ja gut Grm. Du bekommst Dein Wasser“, sagte Lars lachend.

Fünf Minuten später standen er und Biljka an der Tür und machten sich gemeinsam auf den Weg nach 10 vorne, dem Gemeinschaftsraum, wie ihn Lars, mit der Zustimmung seiner neuen Freunde, getauft hatte. Für Lars würde es immer 10 vorne sein, aber das war nicht wichtig. Wichtiger war das, was er in seinen Armen hielt.

Er hatte Biljka noch nie so strahlend gesehen, so wunderschön. Ok, er kannte sie noch nicht lange, aber es kam ihm trotzdem wie eine Ewigkeit vor.

Als sich die Tür öffnete verstummten die Stimmen, die sie von draußen gehört hatten. Alle waren anwesend und starrten sie mit großen Augen an.

Tripod räusperte sich, auch wenn er es nicht nötig hatte sich zu räuspern, aber bei Tripod war eigentlich nichts normal.

„Na Biljka, wie ist denn der Erdenmensch so als Liebhaber?“

Lars wurde knallrot im Gesicht und blieb stehen. Biljka schritt sichtlich amüsiert weiter zur Gruppe, bückte sich zu Tripod herunter und streichelte ihn an seiner Kopfkugel.

„Also, Du wärst bestimmt noch besser als Lars, aber dann würden Dir wahrscheinlich alle Sicherungen durchbrennen.“

Jetzt begannen alle zu lachen, und auch Lars’ Verkrampfung löste sich in Luft auf.

„Setzt Euch, wir bringen Euch zuerst auf Stand. Ihr habt ja einiges versäumt, ihr zwei Liebesdollen“, sagte Ubofa.

„Zuerst brauchen wir etwas zu essen - und vor allem Wasser“, sagte Lars.

Wieder räusperte sich Tripod und sagte:

„Kein Wunder, Ihr wart ja auch drei Zeitzyklen, also drei Tage, in Eurem Liebesnest.“

„Nur drei, und trotzdem habe ich so einen Durst – komisch!“, sagte Biljka frech grinsend und setzte sich.

In der Zwischenzeit hatten Otet und Jaka etwas zum Trinken und zum Essen gebracht.

Die beiden Verliebten staunten nicht schlecht, denn vor ihnen standen Getränke und Essen von ihren jeweiligen Heimatplaneten.

„Wir haben die Schatzkammer des Schiffes geplündert. Es sind für jeden von uns genug Vorräte vorhanden. Und wenn diese geleert sind, können wir die Algenmaschine plündern, die die Rulers sogar noch verbessert nachgebaut haben“, sagte Ubofa.

„Also, verdursten oder verhungern werden wir nicht, aber vielleicht werden wir abgeschossen“, antwortete Jaka mit gesenktem Kopf.

Mit schmatzender Stimme fragte Lars wie der aktuelle Stand denn jetzt sei, und Ubofa übernahm das Briefing.

„Tripod hat jede Kommunikationsmöglichkeit zu den Rulers gekappt, die er gefunden hat. Jedes Schiff hat eine Kennung, die es ständig sendet, damit die Rulers wissen, wo ihre Schiffe sich befinden. In unserem Zustand können sie uns nur visuell finden, und das ist eigentlich nicht möglich. Natürlich wissen wir nicht, welche Möglichkeiten noch vorhanden sind. Deshalb müssen wir vorsichtig bleiben. Um jedes Restrisiko zu minimieren, befinden wir uns daher auf einem Zickzack- Kurs Richtung Tax. Da unsere Eingangssensoren noch funktionieren, können wir vor der Ankunft auf Tax checken, ob Schiffe der Rulers dort sind.

Wir werden noch mindestens fünf Zeitzyklen warten, bis wir den direkten Kurs auf Tax einschlagen.

Das war Otets Idee, und wir fanden sie gut und angemessen. Deshalb haben wir Euch auch in Ruhe gelassen“, beendete Ubofa grinsend ihren Monolog.

Lars fiel auf, dass alle mehr oder weniger gut gelaunt waren. Nur Kakhulu saß schweigend bei ihnen. Otet flüsterte ihm ins Ohr, dass Kakhulu trauere, da er seine Zugesprochene niemals sehen würde. Lars nickte verständnisvoll und sprach Kakhulu direkt an:

„Na, mein Sonnenbrillenfreund! Was habt Ihr denn in der ganzen Zeit gemacht?“

Trotz seiner offensichtlichen Abwesenheit antwortete er sofort:

„Jaka und Otet kümmerten sich um den Kurs und die Verpflegung. Wir anderen drei haben gebastelt.“

„Gebastelt?“, fragte Biljka.

„Wir haben uns alle Informationen geholt, die vorhanden waren, bevor wir die Verbindung trennten. Danach haben wir bestimmte Dinge modifiziert“, antwortete Ubofa strahlend vor Freude und Tatendrang.

„Und welche Dinge habt Ihr verbessert?“, fragte Lars und war gespannt, was seine erfindungsreichen Freunde zu bieten hatten.

„Augen zu und stillhalten“, sagte Ubofa, die mittlerweile vor seiner Nasenspitze schwebte. Lars schloss seine Augen wie befohlen, gleichzeitig vergrößerten sich Biljkas Augen, als sie sah, wie Ubofa eine Spritze in der Hand hielt und auf Lars’ Hals zielte.

Ein spitzer Schrei erklang. Lars riss die Augen auf und sah noch, wie Ubofa die Spritze aus seinem Hals zog. Mit der anderen Hand tupfte Ubofa Lars’ Einstichwunde mit Desinfektionsmittel ab, und Lars schrie ein weiteres Mal.

„Memme“, sagte Tripod. „Und jetzt Du, Biljka. Oder bist Du auch so ein Weichling wie der ach so mutige Wasserbehälter von Mensch?“

„Erst will ich wissen, was das war - und zwar sofort!“, sagte Lars fluchend zu Ubofa und stutzte. ‘Was war das?’, dachte er, blickte zu Biljka und sagte: „Höre ich da richtig oder spinne ich jetzt total?“

Jetzt stutzte auch Biljka, und Otet löste das Rätsel auf:

„Die drei haben den Kommunikator erweitert. Mit dem Nano-Teil in der Nähe Eures Kehlkopfes könnt Ihr die Sprache sprechen, die Ihr wollt. Oder besser gesagt, die Ihr denkt. Wenn Ihr jemanden anschaut, reicht das auch schon. So etwas ähnliches habe ich auch in mir“, endete Otet mit der Erklärung. Ohne weitere Worte streckte Biljka ihren Hals in Richtung Ubofa und in drei Sekunden war die Sache erledigt. Jetzt konnten alle in einer Sprache sprechen und brauchten keinen Übersetzer mehr.

Als Lars und Biljka ihren neuen Kommunikator mit jedem ausgiebig testeten, räusperte sich Otet und sagte:

„Leute, Schluss mit lustig! Wir werden bald schon mehrere direkte Rulers-Verbindungslinien kreuzen. Daher müssen wir ausgeschlafen und hellwach sein. Bitte, geht regenerieren. Auch Du, Tripod, solltest Deine Schaltkreise schonen, wir werden jeden davon benötigen.

Lars und Biljka, Ihr habt jetzt etwas Zeit, um wieder zu Verstand zu kommen. Auch Eure Hilfe werden wir benötigen.“

Alle nickten und machten sich auf den Weg zu ihren Kabinen. Nur Tripod, Lars und Biljka blieben sitzen.

„Lars, ich habe noch ein Geschenk für Dich gebastelt“, sagte Tripod. An Tripods Kopfkugel öffnete sich ein kleines Fach, ein Stab fuhr heraus und überreichte Lars einen kleinen Gegenstand: Erstaunt betrachte Lars das zylinderförmige Teil, das aussah wie ein zu kurz geratener Kugelschreiber aus dem 20. Jahrhundert.

„Siehst Du den kleinen Knopf dort?“, fragte Tripod. Ehe Lars draufdrücken konnte fuhr er fort: „Vor dem Drücken musst Du die Richtung kontrollieren. Wie Du siehst, ist die Form nicht gleichmäßig. Auf einer Seite ist eine kleine Öffnung, und die muss immer von Deinem Körper weggehalten werden.“

„Warum?“, fragte Lars und drückte auf den Knopf.

Ein blau funkelnder, zwanzig Zentimeter langer Strahl schoss aus der Öffnung. Vor Schreck ließ Lars das Teil fallen.

Als er den Auslöser losließ verschwand der Strahl sofort wieder. Biljka begann zu lachen: „Na, Du mutiger Weltraumfahrer – Angst?“

„Respekt vor dem Unbekannten - und vorsichtig, das bin ich“, antwortete Lars beleidigt und hob das Teil wieder auf.

„Ich habe noch eine zusätzliche Sicherung eingebaut. Nur mit Deinem Daumen der rechten Hand kannst Du es in Betrieb nehmen“, sagte Tripod voller Stolz.

„Woher hast Du meinen Fingerabdruck?“, fragte Lars. Doch dann schüttelte er den Kopf. Er wollte gar nicht mehr alles wissen. Er wollte viel lieber mit seinem neuen Spielzeug spielen.

Er schaltete es ein und schaute fasziniert auf sein Minilaserschwert. An Tripod gewandt, fragte er: „Wie kommst Du auf die Idee, mir ein Laserschwert zu bauen, mein Freund?“

„Während wir am Kommunikator bastelten, benötigten mich die beiden Profis nicht. Ich beschäftigte mich mit der Erde und den Serien, die Du erwähnt hattest. Da sah ich diese Laserschwerter und dachte mir, dass es Dich erfreuen würde, wenn Du so eines besitzen würdest. Leider konnte ich aus Energiegründen kein Größeres bauen, und es hält auch nicht lange. Es hat die gleiche Funktion wie ein großes, und vielleicht brauchst Du es ja einmal.“

Lars nickte anerkennend, deaktivierte das Schwert und sagte:

„Vielen Dank, mein Freund. Ich bin echt beeindruckt. Aber jetzt ab ins Körbchen mit Dir.“

Tripod starrte ihn mit zweien seiner drei Augen an, und auch Biljka hatte einen fragenden Blick aufgelegt.

„Das sagt man so auf der Erde. Es bedeutet so viel wie: ‘Du sollst regenerieren’, antwortete Lars lachend.

Jetzt verstand Tripod, drehte sich um, fuhr in eine Ecke und schaltete sich ab.

Lars und Biljka waren alleine. Sie machten es sich bequem und begannen sich leise zu unterhalten.

„Was glaubst Du, Lars? Werden die Rulers jemals aufgeben, uns zu jagen?“

„Das glaube ich kaum. Im Gegenteil, wir sollten uns eher fragen, welche Vergeltungsmaßnahmen sie schon ergriffen haben.“

„Meinst Du wirklich, dass sie unsere Planeten angreifen werden, um unsere Völker wegen unserem Ungehorsam zu bestrafen?“

„Davon kannst Du ausgehen, Biljka. Ich werde niemals diese Bösartigkeit in ihren Stimmen vergessen. Diesen Hass, der mir entgegenschlug beim Tribunal.

Sie sind so grausam, und das Wort Gnade kennen sie nicht. Denke an Otets Geschichte – sie wird immer für die Grausamkeit der Rulers stehen.“

„Aber was wird aus uns? Vor allem: Was wird aus uns beiden?“

„Das, Biljka, wird die Zukunft zeigen. Wir sollten den Augenblick so lange es geht genießen. Das Jetzt soll uns stärken, und wir sollten immer daran denken, dass wir gute Freunde haben, die uns begleiten.“

„Versprich mir, wenn die Möglichkeit besteht, mir die Erde zu zeigen, Lars. Du hast zwar nicht unbedingt freundlich über Euer Volk gesprochen, aber ich glaube, Du liebst die Erde über alles, und deshalb möchte ich sie sehen. Bitte, versprich es mir!“

„Dir verspreche ich alles. Und jetzt lass uns auch noch ein wenig regenerieren gehen, mein Schatz“, sagte Lars grinsend und erhob sich, zog Biljka an sich und küsste sie leidenschaftlich.

Eine Stimme im Hintergrund sagte plötzlich: „Nur regenerieren!“ Lars und Biljka zogen lachend davon.

Tripod weckte sie mit einem schrillen Alarm Ton, und nach wenigen Minuten hatten sich alle auf der Brücke versammelt. Lars staunte nicht schlecht, als er den bestuhlten Raum betrat. Als er zum ersten Mal hier war gab es keine Sitzgelegenheiten.

„Jakas Idee“, sagte Tripod im Vorbeirollen.

Otet ergriff das Wort:

„Wir werden jetzt mehrere Einflugschneisen der Rulers passieren. Mit Tripods Hilfe werden wir uns zuerst an den Korridor anschleichen, um dann mit einem schnellen Sprung durchzustoßen. Da wir nicht wissen, was uns erwartet, sollten wir auf alles vorbereitet sein.

Jeder von Euch bekommt jetzt von Tripod die Informationen, die Ihr für Euren Platz benötigt. Solltet Ihr irgendwelche Zweifel haben, stoppen wir sofort und beratschlagen, was zu tun ist. Also - volle Konzentration!“

Tripod ging zu jedem und erklärte, welchen Abschnitt des Weges er auf dem Monitor zu beobachten hatte. Die Symbolik war einfach, einleuchtend und somit schnell erklärt. Otet ergriff noch einmal das Wort, und jeder lauschte voll konzentriert seinen Worten:

„Wir haben uns auf eine Zeiteinheit festgelegt. Die Zeiteinheit Tag und Stunden ist für alle am leichtesten verständlich. Daher werden wir jetzt und zukünftig die Zeiteinheit nach dem Vorbild von Terra festlegen. Die 24-Stundenregel passen wir dann später dem jeweiligen Planeten an. Wenn das jedem klar ist, werden wir in fünfzehn Minuten am Rande des ersten Flugkorridors ankommen.“

Alle konzentrierten sich auf ihren Monitor und nach fünfzehn Minuten gab Otet den Befehl zum Sprung. Genau in diesem Moment rief Kakhulu: „Stopp!“ Aber es war zu spät! Das Schiff schoss nach vorne und kam sofort ins Trudeln. Gut, dass alle angeschnallt waren, denn die Schwerkraft wurde kurzzeitig ausgesetzt. Das Schiff taumelte mehr, als dass es flog, durch den Korridor, und nur ganz langsam bekam Tripod die Steuerung wieder unter seine Kontrolle.

„Sorry, aber ich habe zu spät den roten Punkt gesehen“, flüsterte Kakhulu.

Otet schnallte sich ab und ging zu ihm, während die anderen abwartend in Stille verharrten.

„Also, schau nochmal: Hier an den Rändern musst Du schauen, und sobald ein Symbol kommt einfach ‘Stopp’ rufen. Entspanne Dich, mein Freund. Wir hatten Glück und sind hinter einem Schiff durchgekommen. Durch die Turbulenzen haben sie uns nicht entdecken können.“

Er lief wieder auf seinen Platz zurück, schnallte sich an und gab Tripod den Befehl zum nächsten Korridor zu steuern.

Wieder war jeder voll konzentriert, und nach dem Vorfall noch intensiver. Aber diesmal passierte nichts!

Auch beim dritten und vierten Korridor gab es keine Probleme. Als der fünfte und letzte in Sicht kam, stutzte Lars und rief sofort: „Stopp“.

Otet schnallte sich ab und lief zu Lars, der auf einen gelben Punkt zeigte, genau auf dem Rand, aber etwas außerhalb des Korridors, auf der anderen Seite.

„Otet, ich glaube, das ist ein Notsignal“, sagte Ubofa, die für die Audiokommunikation zuständig war.

„Ein Rulers-Schiff mit drei Lebenszeichen. Zwei Alphas, eines davon schwach, und ein nicht identifizierbares Lebewesen befinden sich an Bord“, ergänzte Tripod.

Terra

Mark erwachte und schaute sich panisch um. Wo war er, was war geschehen? Langsam kam die Erinnerung zurück, und er seufzte erleichtert, als er Monic am Rechner sitzen sah. Noch erleichterter war er durch die Tatsache, dass er Monic durch die geöffnete Tür des Panikraumes sah, in dem er auf dem Boden saß. Langsam rappelte er sich auf und streckte alle versteiften Glieder. Er schüttelte sich einmal durch und lief auf noch unsicheren Beinen zu Monic.

„Auch schon auf, Kleiner? Da hinten steht Kaffee für Dich und daneben was Stärkeres, wenn Du so etwas brauchst“, sagte sie zu ihm, ohne den Blick vom Monitor zu nehmen.

„Wie ist denn der aktuelle Stand?“, fragte Mark und schenkte sich einen Kaffee ein. Mit der Tasse in der Hand lief er zu Monic und zog sich einen Stuhl heran. Der Kaffee war stark, schwarz und weckte sofort die Lebensgeister in ihm.

„Alles hat sich beruhigt. Der Angriff scheint vorbei zu sein. So wie ich das sehe, wurde nur Europa angegriffen, und jetzt beschuldigt jeder wieder jeden. Die Idioten kommen gar nicht auf die Idee, dass es Außerirdische sein könnten – unglaublich – oder?“, sagte Monic und klimperte weiterhin auf ihrer Tastatur wie auf einer Orgel herum.

Nachdem Mark seine zweite Tasse Kaffee getrunken hatte, fühlte er sich in der Lage, wieder aufzustehen. Monic hatte sich immer noch nicht von ihrem Monitor wegbewegt und klimperte, was das Zeug hielt.

„Was tust Du da?“, fragte er und sie antwortete: „Mich mit anderen austauschen und Informationen sammeln. Wir haben eine weltweite Gruppe gegründet und versuchen nun alles zusammenzutragen, um endlich ein richtiges Bild von der Lage zu bekommen.

Das, was in den öffentlichen Medien berichtet wird, ist zensiert und entspricht ganz sicher nicht der Wahrheit, wie früher einmal.“

„Ich geh nochmal auf das Dach und schau mich dort um. Vielleicht finde ich ja noch etwas Nützliches“, sagte Mark und rappelte sich auf. Langsam schritt er durch das Treppenhaus. An der letzten Treppenbiegung blieb er fassungslos stehen. Der Dachausstieg war nicht mehr vorhanden. Er schaute durch ein Loch direkt in den Himmel. ‚Wenn die Peitsche uns getroffen hätte, wären wir wohl zu Staub zerfallen’, dachte er und erschauerte. Einige Treppenstufen waren noch vorhanden; vorsichtig kletterte er auf das Dach. Natürlich war das Raumschiff nicht mehr da, aber Spuren waren jede Menge zu sehen. Er war kein Fachmann, aber er konnte erkennen, dass die verbrannten Stellen auf einen Raketenantrieb hinwiesen. Damit kannte er sich aus, auch wenn das niemand so richtig wusste. Er arbeitete nämlich bei einem Weltraumwirtschaftsunternehmen in einer geheimen Abteilung, die sich mit Raketenantrieben, und vor allem mit Außerirdischen, befasste. Er machte noch jede Menge Fotos mit seinem Flexi und ging dann wieder nach unten zu Monic.

Sie saß immer noch vor ihren Monitoren und kaute auf einem Stück Mikrowellen-Pizza herum. Sie bot Mark auch ein Stück an, aber er wollte lieber gehen. Er musste nachdenken und recherchieren.

„Monic, ich geh dann mal. Danke für Deine Hilfe. Wir bleiben in Kontakt. Ich geh in meine Firma und recherchiere auf Firmenebene. Sollte ich etwas finden, schicke ich es Eurer Gruppe.“ „Ok, danke“, sagte Monic, warf ihm ein Lächeln zu, um sich dann sofort wieder ihrer Tastatur zu widmen. Aus dem Augenwinkel las er den letzten Satz, den sie geschrieben hatte auf ihrem Monitor:

„Kumpel ist in einer Spezialabteilung eines Weltraumwirtschafts-unternehmens und wird uns Informationen liefern.“

Er grinste und dachte, ;Soviel zur geheimen Abteilung’, und ging.

Der Aufzug war natürlich außer Betrieb und so musste er die 97 Stockwerke zu Fuß bewältigen. Als er die Tür zur Straße öffnete, sah er ein unglaubliches Chaos. Überall brennende Fahrzeuge, zerstörte Gebäude und panisch umher rennende Menschen. Plötzlich zuckte er zusammen, als ihn ein kleines Mädchen am Ärmel zupfte. Die Arme sah fürchterlich aus. Das schöne Kleid war zerrissen und sie blutete aus vielen kleinen Schürfwunden. Ihr linkes Auge war zugeschwollen und mit einer emotionslosen Stimme sagte sie: „Hast Du meine Mutter gesehen?“ Als Mark nicht sofort antwortete, drehte sich das Mädchen um und lief zur nächsten Person, die ihr über den Weg lief und sprach sie an.

Fassungslos stolperte er mehr, als dass er lief, zu seinem Roller, der überraschend noch unversehrt an seinem Platz stand. Langsam nahm er Fahrt auf, aber er kam nur sehr schleppend voran. Immer wieder musste er Hindernissen oder apathischen Menschen ausweichen.

‘Wer, oder was, hat das getan? ’, das waren die Gedanken, die ihn auf seinem Weg in seine Firma begleiteten.

Tief in seinem Inneren aber wusste er es!

Rettungsmission

„Das wäre eine perfekte Informationsquelle“, sagte Tripod und Lars antwortete: „oder aber eine Falle.“

„Alphas haben es nicht nötig, eine Falle zu stellen. Das ist gegen ihre Ehre und auch ein Zeichen von Schwäche“, flüsterte Otet.

„Dann sollten wir nachsehen, was passiert ist“, sagte Lars.

„Otet, Du kennst Dich am besten auf solchen Schiffen aus. Tripod, Du kannst die benötigten Daten auslesen. Ubofa, Du bist die beste Pilotin und hast das Rettungsschiff schon einmal geflogen. Na ja, und ich bin die Mutigste – also gehen wir“, sagte Jaka mit einem Lächeln auf den Lippen und ging zur Tür. Keiner widersprach und die angesprochenen Personen setzten sich in Bewegung.

„Hi Leute, habt Ihr nicht etwas vergessen?“, rief Lars ihnen hinterher.

„Mit dem Shuttle können wir problemloser durch den Korridor fliegen. Es ist zu klein und für die Sprungberechnung unrelevant. Natürlich können wir getroffen werden, aber das ist sehr unwahrscheinlich“, rief Otet. Während sich die Tür schloss, hörten sie noch wie Tripod rief: „Chance 1 zu“, dann war die Tür verschlossen.

Biljka, Kakhulu und Lars setzten sich und warteten. Mehr konnten sie in diesem Moment nicht tun.

„Größer einer Billion – also fast unmöglich“, erscholl es aus den Lautsprechern.

„Sind wir jetzt mit Euch über Audio verbunden?“, fragte Biljka und Tripod antwortete: „Ja, aber nur mit mir.“

„Ok, dann halte uns bitte auf dem Laufenden, mein Freund“ sagte Lars und entspannte sich.

Diesmal hatten sie genug Platz im Shuttle und Ubofa fand den Mechanismus, um das Tor zum Raum zu öffnen. ‚Geht auch ohne Götterstäbe’, dachte sie und sagte laut: „Anschnallen, es geht los.“

Das Tor öffnete sich und die Luft entwich zischend ins Vakuum des Alls. Ubofa lenkte das Shuttle vorsichtig nach draußen. Sie steuerte auf den Rand des Korridors zu und wartete auf Otets Anweisung.

„Jederzeit Ubofa, kein Problem und auch keine Eile.“

Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und beschleunigte. Mit halber Kraft flogen sie genau auf das Schiff zu. Je näher sie kamen, desto mehr Details konnten sie erkennen.

„Nach der Beschädigung zu urteilen würde ich sagen, sie sind eindeutig beschossen worden. Doch wo sind die Gegner geblieben?“, sagte Jaka.

„Lars - behaltet die Monitore im Auge. Es könnte noch ein Schiff in der Nähe sein“, übermittelte Tripod.

„Ok Kumpel, dann haben wir wenigstens etwas zu tun“, antwortete Lars.

„Otet, das ist ein anderes Schiff als unseres, wo können wir reinfliegen?“, fragte Ubofa. Otet zeigte stumm mit dem Finger auf das größte Loch im Rumpf. Ubofa verstand und steuerte sanft zu der großen ausgefransten Öffnung.

„Das könnte knapp werden“, flüsterte sie und konzentrierte sich auf das bevorstehende Manöver. Es war wirklich sehr knapp. Sie musste das Shuttle mehrmals neu ausrichten. Ganz langsam, mit viel Gefühl, drangen sie in das Schiff ein. Kleine Schweißperlen tropften ihr von der Stirn, und alle vier Hände hatten zu tun, aber sie schaffte es ohne Kollision. Nun schwebten sie in einen riesigen Lagerraum. Otet schaute sich um, dann zeigte er mit dem Finger auf eine Stelle links von ihnen, und Ubofa steuerte darauf zu.

„Stopp – um 180 Grad drehen und dann langsam mit dem Hinterteil andocken. Jaka, komm bitte mit nach hinten“, sagte Otet und drehte sich um.

Bevor Jaka fragen konnte, sagte er:

„Das ist eine Notdockingstation. Wenn wir angedockt haben, müssen wir die Hebel betätigen, dann klemmt sich der Mechanismus automatisch an. Aber wir müssen zuerst prüfen, wie es auf der anderen Seite der Tür aussieht.“

Er zeigte auf zwei Hebel. Jaka nickte und nahm den linken Hebel in die Hand, während Otet zum rechten ging.

Ubofa dockte butterweich an, und die beiden Hebel beendeten das Manöver. Ubofa entspannte sich, und Tripod nahm Verbindung zum Schiffscomputer auf:

„Leute, Ihr werdet auf der anderen Seite keine Probleme haben. Die Lebenserhaltungssysteme sind in diesem Teil intakt“, und wie von Zauberhand öffnete sich die Luke.

Mit vollem Elan, wie man es von Jaka kannte, stürmte sie in das Schiff und taumelte unkontrolliert durch den Raum.

„Ach ja, sorry! Schwerkraft gibt es keine, habe ich ganz vergessen,“ sagte Tripod und schaltete seinen Magnetismus ein.

Die Tatsache, dass Jaka unkontrolliert durch den Raum schwebte, rettete ihr das Leben. Der abgeschossene Pfeil streifte ihre rechte Schulter und schlug in der Schiffswand ein. Auch der zweite Pfeil verfehlte sie nur um wenige Millimeter.

Endlich erfasste Otet die Situation, stampfte mit seinen magnetischen Füßen auf Jaka zu und rief:

„Nicht schießen! Wir wollen Euch retten, Ihr Idioten!“

Ein lautes Stöhnen erklang, aber es kamen keine weiteren Pfeile. Otet zog Jaka auf ihre Füße und zeigte auf eine Halterung zu ihrer Linken. Jaka nickte und hielt sich fest. Jetzt hatte sie Zeit, sich auf die Schwerelosigkeit einzustellen.

„Wer seid Ihr? Gebt Euch zu erkennen!“, rief jemand zu ihrer Linken.

„Meine Antwort wird Dir nicht gefallen, Alpha“, sagte Otet und lief langsam, ohne Schutz, auf die Stimme zu. „Wir sind die Flüchtigen, die von Deinen Herrschern Gesuchten, und trotzdem bieten wir Euch Hilfe an. Seht, ich stehe hier ohne Schutz. Sag, ehemaliger Bruder, willst Du gerettet werden?“

„Alpha39, bist Du es?“, flüsterte die Stimme ehrfürchtig. „Der, der den Rulers die Stirn bot?“

„Ja, ich bin es. Doch nennt mich Otet, denn so ist mein neuer Name. Und mit wem habe ich das Vergnügen?“

Hinter einer Kiste erhob sich langsam zuerst der Lauf einer Waffe, dann ein silberner Kopf. Jaka war lautlos in Stellung gegangen, griff aber nicht ein, noch nicht.

Otet und der Alpha sahen einander in die Augen. Lautlos, bis sich plötzlich die Waffe aus der Hand des Alphas löste und davonschwebte. Die Lippen des Alphas bewegten sich in Zeitlupe, und das Flüstern erreichte Otet.

„Du bist es wirklich?“, dann brach er in sich zusammen.

Mit einem Satz war Jaka bei ihm und fixierte ihn, bevor er unkontrolliert durch den Raum schwebte. Ohnmächtig lag er in Jakas Armen, und Otet trat zu ihr.

„Alles ok bei Euch?“, hörten sie Ubofa sagen. „Ich bleibe am besten im Schiff – oder?“, beendete sie ihren Satz. Sie bekam keine Antwort, womit sie auch gerechnet hatte. Sie hatte nichts dagegen, hier zu warten. Immerhin war sie eine Forscherin und keine Kämpferin.

Wortlos trug Otet den Alpha durch die Korridore. Jaka und Tripod folgten ihm.

„Tripod, geh zur Schiffsbrücke da vorne rechts und sammle so viele Daten wie möglich. Lokalisiere die beiden anderen Lebenszeichen, wir kommen gleich zu Dir.“ Eine Tür öffnete sich, dahinter erschien eine Krankenstation. Tripod rollte zur Brücke und die anderen betraten den medizinischen Raum. Otet steuerte eine Liege an und legte den Alpha sanft darauf. Otet betätigte einige Schalter an einer Konsole und die Liege umschloss sich mit einem Kraftfeld. Am Kopfende erschien ein Monitor, der sich langsam mit Leben erfüllte:

„Lebenserhaltung aktuell bei 55 %. Überlebenschance bei 95 %“, sagte eine künstliche Stimme.

Otet atmete erleichtert auf, drehte sich zu Jaka um und sagte:

„Jetzt wird er so lange im künstlichen Koma sein, bis wir ihn wecken. Lass uns die anderen beiden suchen.“

Jaka nickte, und sie machten sich auf den Weg zur Brücke.

Als sich die Tür zur Brücke öffnete, lag ein Alpha vor ihnen am Boden. Er blutete noch aus mehreren Wunden, war aber eindeutig tot.

Sie starrten Tripod an, der an der Konsole stand und Daten vom Computer auslas. Seine Kopfkugel drehte sich in ihre Richtung und er sagte:

„Was schaut Ihr denn so? Ich habe ihn nicht getötet. Als ich reinkam war er schon tot.“

„Schon gut Kleiner, wo ist die andere Person?“, sagte Jaka.

Wortlos fuhr Tripod einen weiteren Arm aus und betätigte einen Mechanismus. Zischend öffnete sich im hinteren Teil der Brücke eine Tür und ein lautes gequältes Stöhnen erklang: „Lasst mich in Ruhe. Ich will endlich sterben,“ hörten sie eine schwache Stimme als sie näherkamen.

Jaka schwebte zuerst langsam in den spärlich beleuchteten Raum. Fassungslos schaute sie auf eine kleine kräftige, eindeutig weibliche Person, und schüttelte ungläubig den Kopf. Mit großen Augen schaute die Person zu Jaka auf und flüsterte mit letzter Kraft: „Wer bist Du?“ Dann wurde auch sie ohnmächtig. Als Otet die Person sah, bekam auch er große Augen und flüsterte: „Wie ist das möglich?“ Dann trug er sie ebenfalls in die Krankenstation und legte sie dort in das zweite Krankenbett.

„Lebenserhaltung aktuell bei 40 %. Überlebenschance der unbekannten Art ungewiss. Ich korrigiere: eher unwahrscheinlich“, sagte wieder die künstliche Stimme.

Otet schaute Jaka an und sagte:

„Wir sollten die anderen informieren.“

„Ob sie uns das glauben?“, fragte Jaka und Otet zuckte nur mit den Schultern.

Auf dem Weg zur Brücke sagte Jaka: „Kann ich auch solche magnetischen Füße haben, wie Du? Langsam wird mir das schwebende Laufen zu anstrengend“. Dann fiel sie plötzlich auf alle viere. Erleichtert stand sie auf. Tripod hatte die Schwerkraft wieder eingestellt.

Auf der Brücke angelangt, sagte Otet:

„Tripod, wir müssen die anderen informieren“. Tripod antwortete: „Sie werden das aber nicht glauben, oder? Die Möglichkeit für diesen Fall lag statistisch bei 1 zu 3 Billionen!“

Nachdem Tripod Bericht erstattet hatte, waren erst alle sprachlos. Kakhulu war der Erste, der seine Starre überwand und sagte:

„Wird sie überleben, Otet?“

„Ich weiß es nicht. Auf unserem Schiff wäre sie besser aufgehoben, dort ist die medizinische Abteilung besser als hier auf dem Standardschiff. Ubofa könnte sie rüberbringen, während ich das andere Shuttle klarmache und dann mit dem anderen nachkomme.“

„Das Shuttle hier ist kleiner und voll intakt. Der Platz auf unserem Schiff ist für ein zweites Shuttle ausreichend, und ich werde noch Zeit haben, um weitere Daten zu sammeln. Jaka kann dann gleich mit Ubofa zurückkommen“, sagte Tripod.

„Ok, machen wir es so,“ sagte Lars und schaute in Biljkas Augen, die wortlos seine Hand nahm und flüsterte:

„Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet auf die versprochene Frau von Kakhulu treffen, die von den Rulers entführt wurde. Das ist doch eigentlich gar nicht möglich.“

„Nichts ist unmöglich, Freunde. Aber jetzt muss sie zuerst überleben“, sagte Kakhulu mit traurigem Blick, aber mit gefasster kämpferischer Stimme.

Wenig später nahmen sie Jaka, Ubofa und Kakhulus Braut in Empfang. Kakhulu trug sie zur Krankenstation und legte sie auf die Liege. Das medizinische Programm startete, und alle atmeten erleichtert auf, bis plötzlich eine Stimme sagte: „Überlebenschance nicht berechenbar. Nicht ersetzbare Organe beschädigt. Alle Szenarien getestet, Überlebenschance nicht berechenbar.“