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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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1. Auflage 2021

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Bildnachweis:

S. 27 Edvard Munch Der Schrei: classicpaintings, Lizenznehmer: Redaktionsbüro Michael Brückner

S. 10 Bulle und Bär sowie S. 183 Buy and sell: Panthermedia, izakowski und sergeyP, Lizenznehmer: Redaktionsbüro Michael Brückner, S. 225 Joseph Schumpeter: Volkswirtschaftliches Institut, Universität Freiburg

Factsheets ab S. 139:

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Redaktion: Ulrich Wille

Lektorat: Silvia Kinkel

Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer

Umschlagabbildung: Hintergrund: nattha99/shutterstock.com,
Smileys: turgaygundogdu/shutterstock.com

Satz und E-Book: Daniel Förster, Belgern


ISBN Print 978-3-95972-362-6

ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-667-2

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-668-9


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Inhalt

Vorwort I

Vorwort II

Gastbeitrag Über Krisen

Teil 1
Die Basics

1.0 Die bizarre Angstlust und der Crash

2.0 Kleine Crash-Historie

3.0 Die Geschäftsmodelle der Crash-Propheten

4.0 Das Marktumfeld nach der Coronapandemie

5.0 Sind Sie Sparer oder Anleger?

6.0 Gier frisst Hirn – aber warum?

7.0 Vom Umgang mit Informationen

Teil 2
Depotlösungen

1.0 Pro und kontra Crash-Propheten-Fonds

2.0 So bewerten Sie die unterschiedlichen Anlageklassen

3.0 Sachwerte als sichere Häfen

4.0 Antizyklisches Investieren – nicht immer der Herde nach

5.0 Was zahle ich für meine Geldanlage – und wofür?

6.0 Die API-Formel

7.0 Short-Strategien – wenn Verluste Spaß machen

Teil 3
Was sagt die ­Branche zu den Crash­prophezeiungen?

1.0 Einführung zu Teil 3

2.0 Was wirklich wichtig ist: Auf Kurs bleiben

3.0 Horrorszenarien und Untergangsorakel

4.0 Konjunkturzyklus – ewige Wiederkehr

5.0 Die Wirtschaft in Bewegung

6.0 Market-Timing lohnt sich nicht

7.0 BVI – Bundesverband Investment und Asset Management e.V.

8.0 Konjunktur und Börse: Herrchen und Hund

9.0 Der Einbruch und die Erholung


Schlusswort

Danksagung von Antonio Sommese

Auf den Punkt gebracht

Quellen zum Text von Bettina Böhm

Vorwort I

Seit vielen Jahren habe ich beruflich immer wieder mit sogenannten Börsengurus zu tun, welche den finanziellen Untergang prophezeien. Auch ich habe mich schon dabei erwischt, an den großen Knall zu glauben und diesen vorhersagen zu wollen. So hatte mich das Handelsblatt im Jahre 2012 um ein Statement zur aktuellen Börse gebeten, und nach stark steigenden Kursen dachte ich: »Die Rallye wird in sich zusammenfallen«, denn es gibt eine festzementierte Weisheit, wonach die Kurse nie linear, sondern immer in schwankenden Kurven nach oben steigen. Deshalb dachte ich bei meiner Aussage nicht an den ultimativen Crash, sondern an eine starke Kursdelle mit anschließendem Aufstieg.

Viele Privatanleger hoffen auf solche Kursdellen und wollen diese dann zum Einstieg nutzen, hierzu mehr auf den folgenden Seiten. Aber die Motivation, dieses Buch zu schreiben, geht tiefer. Viele Menschen (und auch ich) sind durchaus empfänglich für schlechte Nachrichten und glauben somit auch an schwierige Zeiten. Einige Medien überschütten uns mit unzähligen negativen Meldungen, nach dem Motto: »Bad news are good news«. Somit gewinnt man den Eindruck: O Gott, wie schlimm ist das alles – und zum Glück ist mir nichts passiert.

Um mich persönlich vor dieser negativen Nachrichtenspirale zu schützen, habe ich meinen TV-Nachrichtenkonsum eingeschränkt, denn in diesen Sendungen werden gewöhnlich in 10 bis 20 Sekunden schreckliche Ereignisse aufgezeigt. Fast News für die Fast-Food-Community, sozusagen. Ich gestehe, in mancher Hinsicht noch ein bisschen old-fashioned zu sein. So halte ich zum Beispiel gute Tageszeitungen wie Die Welt, die FAZ, die Neue Zürcher oder die Süddeutsche für wesentlich wertvoller, insbesondere hinsichtlich der Bewertung von Finanzereignissen beziehungsweise Wirtschaftsnachrichten. Der Leser kann hier selbst entscheiden, was ihm wichtig ist, und erlangt durch ausführliche Beiträge die vertieften Hintergrundinformationen, welche durchaus ein anderes Bild ergeben können als ein kurzer Nachrichtenspot.

Kommen wir zurück zu den Crash-Propheten und lassen Sie sich eine Geschichte von mir aus dem Jahr 2008 erzählen. Die Finanzkrise hatte die Aktienkurse damals massiv abstürzen lassen. In dieser Zeit kam ein Mandant von mir zur Beratung und fragte, ob er nicht in Ackerland investieren solle, er überlege, in der Nähe von Mainz ein Stück Land zu kaufen – da wir bald ein großes Chaos erleben würden. Nach kurzem Nachdenken stellte ich folgende Frage: »Was, glauben Sie, passiert, wenn 200 000 Mainzer hungern – weil die Geschäfte nicht öffnen? Die werden die Ernteerträge Ihres Grundstücks in Minuten ›verspeisen‹. Und niemand kann dagegen etwas unternehmen.«

An dieser Stelle möchte ich Ihnen auch sagen: Ich verdiene mit diesem Buch Geld – und ja, ich berate Mandanten bei ihren Anlageentscheidungen. Viele der Crash-Propheten stellen sich als Gutmenschen dar, obwohl sie Bücher, T-Shirts, Tassen und einige sogar Finanzprodukte wie Fonds oder Börsenbriefe verkaufen.

Im zweiten Teil des Buches werde ich die Renditen von einigen Crash-Propheten mit meinen eigenen und auch passiven Anlageformen wie ETFs aufzeigen. Lassen Sie sich also nicht irritieren und legen Sie sich Ihren persönlichen Plan für vermeintlich schwierige Zeiten zurecht. Vor allem: Bleiben Sie cool! Bewahren Sie einen kühlen Kopf, wenn andere kalte Füße bekommen.

Ihr Antonio Sommese

Vorwort II

Der US-amerikanische Jurist und Politiker Earl Warren (1891–1974) brachte es goldrichtig auf den Punkt: »Ich lese den Sportteil der Zeitung immer zuerst, denn er verzeichnet menschliche Leistungen. Auf den ersten Seiten stehen nur die Fehlleistungen.« Inzwischen hat sich die Medienlandschaft revolutioniert, immer weniger Menschen lesen Zeitung (was der Autor dieser Zeilen sehr bedauert), immer mehr saugen sich Infohäppchen aus den digitalen Medien. Aber an den Präferenzen der Mediennutzer hat sich kaum etwas geändert: Die meisten Menschen interessieren sich zunächst einmal dafür, was in ihrem regionalen Umfeld passiert, sie rufen aktuelle Sportereignisse ab, und viele lesen alle Themen rund um die Gesundheit. Vor allem aber – und das kann ich nach über 40-jähriger journalistischer Tätigkeit bestätigen: Nichts interessiert Menschen so sehr wie andere Menschen.

Auf den hinteren Plätzen finden wir dann Politik, Wirtschaft und Finanzen. Schade eigentlich, denn Wirtschaft ist meist ausgesprochen spannend. Aber natürlich kann man das oft nur schwach ausgeprägte Interesse der Menschen an Wirtschaft und Finanzen forcieren, indem man diese Themen mit Angst und Schrecken auflädt. Sobald es den Menschen ans Portemonnaie gehen könnte, werden sie hellhörig. Das ist absolut verständlich, denn wer möchte schon gern Geld verlieren? Wenn Autoren plötzlich vom unmittelbar bevorstehenden »Systemcrash« oder vom »größten Crash aller Zeiten« schreiben, dann gewinnen Wirtschafts- und Finanzthemen unversehens an Relevanz.

Und hängen die Menschen erst einmal an den Lippen der Crash-Gurus, dann wird wirklich aufgedreht. Ein besonders bizarres Beispiel möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, liebe Leserin, lieber Leser: Ein Kollege von mir wollte auch mit Crash-Publikationen Geld verdienen und hatte – wie er sich auszudrücken beliebte – eine »geile Idee«. Er wollte ein Gebetbuch gegen den Crash herausbringen. Jeden Tag ein Gebet, auf dass der Herr das Vermögen seines Schäfchens bewahren möge. Diese Blasphemie zeigt, wie weit der Crash-Wahnsinn schon gediehen ist. Das Buch wurde nicht geschrieben, weil der potenzielle Autor noch rechtzeitig erkannte, welche Schnapsidee er da ausgebrütet hatte.

Natürlich kommt es immer wieder zu Crashs. Oder, um es mit den Worten des ehemaligen US-Astronauten Frank Borman auszudrücken: »Eine Börse ohne Krise ist wie ein Christentum ohne Hölle.« Deshalb müssen eine vorausschauende Anlagestrategie und eine entsprechende Portfoliostruktur so ausgerichtet sein, dass der Anleger erstens niemals in existenzielle Nöte gerät (daher nie, wirklich nie Aktien auf Kredit kaufen) und zweitens Verluste, wenn sie denn vorübergehend nicht zu vermeiden sind, so gering wie möglich ausfallen. In diesem Buch stellen wir Ihnen daher ein »Allwetter-Depot« vor. Eine Strategie, die Ihre Resilienz als Anleger stärken soll.

Ich wünsche Ihnen eine glückliche Hand bei Ihrer Geldanlage. Glauben Sie nicht an vermeintliche Gurus, glauben Sie an sich.

Ihr Michael Brückner
Mainz/Ingelheim im Oktober 2020


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Bär & Bulle: Mal gewinnt der eine, mal der andere. Crash-Propheten sehen freilich meist nur Bären.

Gastbeitrag

Über Krisen

Von Dr. Hendrik Leber

Der Untergang der Welt stand schon immer kurz bevor. Und mit der Jugend der Welt geht es schon seit Sokrates und Seneca bergab. Wider Erwarten geht es der Menschheit dennoch ganz gut und sogar zunehmend besser, wie es Hans Rosling in seinem Buch Factfulness klar zeigte. Der Weltuntergang ist nicht eingetreten. Ich habe schon viele Krisen bewusst erlebt. 1972 kam der Club of Rome mit seinem Buch Die Grenzen des Wachstums. Wir Schüler am Gymnasium waren tief verstört. Noch 30 Jahre, so hieß es, und alle Rohstoffe auf der Welt sind erschöpft. Wir kritisierten unsere Lehrer, weil sie so großmotorige Autos fuhren.

Meine nächste große Weltuntergangskrise war die Ölkrise 1973 (und später noch mal 1979). Die OPEC drehte der Welt den Ölhahn zu, und wir konnten wegen der Fahrverbote sonntags auf der Autobahn mit dem Hund spazieren gehen. Für immer würden wir jetzt die Straßenbeleuchtung abstellen müssen, die Schaufenster würden für immer dunkel bleiben. 1979 kam eine Wiederholung. Mit Schlangen an den Tankstellen. Das Ende des Ölzeitalters wurde angesagt, aber es kommt und kommt einfach nicht.

Mein Studium in Syracuse, USA – Reaktorschmelze in Three Mile Island. Und ich wohnte nur 350 Kilometer Luftlinie entfernt. Die Wolke bewegte sich auf meinen Studienort zu. Irgendwie habe ich es überlebt. In dieser Zeit beschäftigte ich mich ein wenig mit Katastrophentheorie – wenn kontinuierliche Entwicklungen plötzlich abreißen. 1985 – Waldsterben in Deutschland. Kahle Berggipfel. Saurer Regen. Die Welt ging wieder unter, denn der Wald ist in Deutschland ja fast ein Nationalheiligtum. Mit guter Regulierung konnte der Schwefel aus der Luft verbannt werden, und der Schwarzwald blieb uns erhalten. Kaum zu glauben, dass ich nach all dem noch Lebensmut hatte.

Ich beschloss, aus Gefahren Chancen zu machen. Und so spekulierte ich seit 1985 auf einem Gemeinschaftsoptionskonto für Freunde auf fallende Aktienkurse. Im Oktober 1987 kam meine Belohnung – mit dem Crash ver-x-fachte sich mein Einsatz. Ich konnte nicht glauben, dass die Optionspreise, die ich in der Zeitung las, zu meinem Konto gehörten. Mit dem satten Erlös gönnte sich unser Freundeskreis eine herrliche Luxussafari in Kenia. Ich lernte: Krisen können profitabel sein, wenn man die Seite richtig wählt. Meine Lust am Risiko erhöhte sich. Auch beim Einmarsch der Iraker in Kuwait 1990/91 war ich erfolgreich mit Put-Optionen dabei. Der 11. September 2001. Ich erinnere mich, an dem Tag im Taxi sitzend ein Interview gegeben zu haben, darüber dass die Amerikaner nach einer solchen Katastrophe enger zusammenhalten würden als je zuvor. Zumindest kurzfristig erholten sich die Kurse wieder. Dann mein großer Coup 2006 bis 2008. Die Subprime Krise war seit Ende 2006 sichtbar im Anrollen. Mit einer von Merrill Lynch im Auftrag designten Varianz-Note, die die Furcht der Börsen abbildete, gewannen wir bis Ende 2008 zusätzliche 12 Prozentpunkte Performance. Wieder eine Krise, aus der wir einen Vorteil ziehen konnten.

Und nun der März 2020. Eine Überschlagsrechnung zeigt, dass der Rückgang des Weltbruttosozialprodukts wohl etwa 5 Prozent beträgt, die Börse aber 30 Prozent fällt. Eine hervorragende Kaufgelegenheit. Meine Lust an der Krise, ihrer Analyse und am kalkulierten Risiko ist offensichtlich.

Es gibt so viele Prediger des Weltuntergangs, von denen ich profitieren kann. Bei Krisen unterscheide ich verschiedene Typen:

  1. Die punktuelle Krise. Eine meiner schönsten Krisen dieser Art war ein Silberhandelsskandal bei der Schweizerischen Volksbank, etwa 1980. Ein Händler hatte mit Silber spekulierend Geld für die Bank verzockt. Meine erste Frage: Ist dies ein isoliertes Ereignis oder zieht sich das Problem durch die ganze Bank? Meine Analyse wies auf ein isoliertes Ereignis hin. Ich kaufte die Aktie und profitierte von der schnellen Kurserholung. Punktuelle Krisen verschwinden schnell wieder.
  2. Die systemische Krise. Es gibt den schönen Satz: »Beauty is only skin deep, but ugliness goes all the way through«. In manchen Firmen gibt es eine Kultur, die Fehlverhalten fördert. Wenn dann ein Problem auftritt, ist es häufig ein allererstes Anzeichen für ein sehr viel größeres Problem, das sich ganz tief durch ein Unternehmen zieht. Beispiele sind aktuell die zahlreichen Nachlässigkeiten in der Fertigung von Boeing oder die kameradschaftliche Betrugskultur im deutschen PKW-Motorenbau. In solchen Fällen kann man nur sagen: Finger weg von diesen Situationen oder Firmen. Es dauert meistens sehr viele Jahre, bis Schwachstellen gefunden wurden, bis sich die Kultur ändert und schließlich der Neuanfang wieder Erfolge zeigt.
  3. Die schleichende Krise. Es gibt Firmen und Situationen, die ohne großes Zutun ein allmähliches Abrutschen fördern, dem niemand entgegenarbeitet. Das allmähliche Abrutschen der deutschen Photoindustrie ist dafür ein Beispiel. Erst kamen die billigen japanischen Wettbewerber, und dann wurden die Wettbewerber immer besser. Ähnlich in der Autoindustrie. Erst kamen die billigen Japaner, dann die billigen Koreaner, und inzwischen spielen alle auf Augenhöhe. Konsequenz: Nicht auf eine Erholung setzen. Die kommt nämlich nicht.
  4. Die Zeitlupenkrise, die jeder sehen kann, aber niemand ernst nimmt, bis sie sich plötzlich exponentiell beschleunigt. Exponentielle Krisen sind schlimm, weil die Reaktionen erst kommen, wenn die Tatsachen bereits geschaffen sind. Das Thema Klimawandel gehört in diese Kategorie. Der Mensch ist nicht dazu geschaffen, präventiv zu handeln, denn er reagiert lieber auf unmittelbare Gefahren.
  5. Die Krise, vor der jedes Jahr gewarnt wird, die aber keiner ernst nimmt. Dazu gehören Erdbebenwarnungen oder Warnungen vor Epidemien. Es bleibt ja immer noch viel Zeit, zu reagieren, darum gibt es keine Dringlichkeit – bis das Ereignis schließlich eintritt. Handlungsanweisung: Auch niedrige Eintrittswahrscheinlichkeiten mit hohen Kosten ernst nehmen. Man sieht lange wie ein Angsthase aus, bis schließlich der Punkt kommt, an dem man recht behält.

Mit den meisten Krisen – an der Börse, in der Wirtschaft, in der Politik, in der öffentlichen Gesundheit – kommen wir Menschen eigentlich gut klar. Es gibt Brüche, Anpassungen, es gibt Verlierer, aber immer auch Gewinner.

Zwei Krisen nur machen mir aktuell wirklich Sorgen: Zum einen der Klimawandel, weil er sich so langsam entwickelt, nur halbherzig und inkonsequent bekämpft wird und weil seine Folgen gravierend und sehr teuer werden. Zum anderen der zu sorglose Umgang mit billigem Geld und Schulden, der in ferner Zukunft in einem harten Konflikt zwischen den Inhabern von Forderungen und deren Schuldnern enden wird. Diese Krise wird wahrscheinlich in Inflation und einem Zusammenbruch von Altersvorsorgesystemen enden. Der Einzelne kann dafür vorsorgen, aber die Gesellschaft als Ganzes wird es erschüttern.

Wer Krisen in diese Schemata einsortieren kann, ist aber gut gesichert und kann sogar profitieren.

Über den Autor des Gastbeitrages

Herr Dr. Hendrik Leber ist Geschäftsführender Gesellschafter der ­ACATIS Investment Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH, Frankfurt a. M. und Walzenhausen, Schweiz.

Dr. Hendrik Leber ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Investmentgeschäft tätig. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete er von 1984–89 für die Unternehmensberatung McKinsey und von 1989–1994 für das Bankhaus Metzler. 1994 gründete er in Frankfurt die ACATIS Investment GmbH.

Die ACATIS Investment GmbH ist ein bankunabhängiger, selbstständiger Vermögensverwalter, dessen Kernkompetenz das »Value Investing« nach Benjamin Graham und Warren Buffett ist. Dr. Hendrik Leber und sein Team der ACATIS Investment GmbH zählen zu den bekanntesten wertorientierten Vermögensverwaltern in Deutschland und betreuen heute Publikums- und Spezialfonds mit einem Volumen von mehr als 4,6 Mrd. Euro.

Für seine Leistungen als Fondsmanager wurde Dr. Leber mehrfach von der Fachpresse ausgezeichnet. Im Sauren Fondsmanager-Rating erhält er aktuell zwei Goldmedaillen für »ausgezeichnetes Fondsmanagement«. Der renommierte Finanzen Verlag verlieh Dr. Hendrik Leber den Goldenen Bullen und kürte ihn zum »Fondsmanager des Jahres 2017«.