René Schreiber
Die Maori
Die Kultur der klassischen Maori
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© 2019 Rene Schreiber
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Entstehungsmythos
Zuerst war Te Kore, das Nichts, dann kam Te Po, die Nacht; Te Po-Nui, die Gosse Nacht und Te Po-roa, die Lange Nacht und es wurde immer dunkler. So ging es weiter durchs unermessliche Zeitalter der Dunkelheit. Als schließlich Te Ata, die Dämmerung, kam, entstanden aus den Äonen des Nichts und dem Mutterleib der Dunkelheit die Ureltern: Rangi, der Himmelsvater und Papa, die Erdenmutter. Diese waren, solange sie sich umfingen, glücklich und zeugten viele männliche Kinder. Bei einigen Überlieferungen waren dies sechs, bei anderen siebzig. Die Kinder waren jedoch nicht so zufrieden wie ihre Eltern. Da der Himmel auf der Erde lag, konnten sie das Licht nie sehen und fanden ihr Dasein beengend. Deshalb suchten sie nach einer Lösung. Doch sie wurden sich nicht einig. Der weiseste der Söhne, Tane-mahuta, Vater der Wälder, Bäume und Vögel und Gott der Handwerker wollte die Eltern gewaltsam trennen. Whiro, der die Finsternis, das Böse und den Tod verkörperte, wollte im Leib seiner Mutter bleiben, im Reich der Unterwelt. Da Tawhiri-matea, der Gott der Winde und Stürme sein Königreich der Lüfte verteidigen wollte, fiel er mit aller Macht über seine Brüder her und war seitdem ihr Feind. Tu-matauenga, der Gott des Krieges, wollte die Eltern töten, doch Tane konnte ihn daran hindern. Sie einigten sich darauf, die Mutter (Erde) bei sich zu behalten und den Vater (Himmel) weg zu schicken. Sie versuchten auf verschiedene Weisen, ihre Eltern zu trennen, bis es Tane gelang. Er stützte sich auf die Erde und hob mit der Kraft eines Baumes den Himmel empor. Darauf stellte er vier Pfosten auf, die vier Winde, welche den Himmel stützen sollten. Er holte die Kinder des Lichts von Te Ikaroa, der Milchstraße und setzte sie an den Himmel. Die getrennten Eltern weinten sehr wegen ihrer Trennung, deshalb können wir Rangis Tränen seit damals als Regenschauer sehen. Trotzdem liebten
sie ihre Kinder noch, und die Mutter will sie auch wieder in sich aufnehmen, wenn sie Whiro, der Tod, ereilt hat. So war die auch noch heute geltende Weltordnung geschaffen, doch fehlte noch etwas ganz Bestimmtes. Bis jetzt waren nur männliche Wesen vorhanden. Um die Welt bevölkern zu können, musste aber noch ein weibliches gefunden werden. Tane paarte sich darauf mit einigen
übernatürlichen weiblichen Wesen, von denen aber keine eine Erdenmutter sein konnte, da sie unsterblich waren und nicht Ira tangata, vergänglich wie das Leben der Menschen. Tane formte hierauf eine Frau aus roter Erde und hauchte ihr Leben ein. Mit ihr, Hine-ahuone, zeugte er eine Tochter, Hine-titama, die Maid der Dämmerung, welche er auch zur Frau nahm, damit das Menschengeschlecht nicht ausstarb. Dies ist die bekannteste Art des Schöpfungsmythos, aber es sind auch noch zahlreich andere vorhanden.
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