© Erste Auflage: 2018 by Horst Hanisch, Bonn
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Die Ratschläge in diesem Buch sind sorgfältig erwogen, dennoch kann eine Garantie nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen.
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf das geschlechtsneutrale Differenzieren, zum Beispiel Mitarbeiter/Mitarbeiterin weitestgehend verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.
Idee und Entwurf: Horst Hanisch, Bonn
Lektorat: Alfred Hanisch, Bonn; Annelie Möskes, Bornheim
Layout und Gestaltung: Guido Lokietek, Aachen; Horst Hanisch, Bonn
Umschlaggestaltung: Christian Spatz, engine-productions, Köln; Horst Hanisch, Bonn
Fotos und Zeichnungen: Horst Hanisch, Bonn
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-7460-0527-0
„Unvermutet, wie zumeist, kommt die Tante zugereist.
Herzlich hat man sie geküsst, weil sie sehr vermöglich ist.“
Heinrich Christian Wilhelm Busch, dt. Schriftsteller
(1832 - 1908)
„Ach du liebe Zeit! Tante Anna-Lena kommt zu Besuch! Kinder, räumt schnell euer Zimmer auf! Ich decke inzwischen den Kaffeetisch.“
Die Erbtante hat sich unerwartet zum Besuch angekündigt. „Ich komme mal eben auf einen Sprung vorbei.“
Jeder weiß, was das bedeutet – nur Tante Anna-Lena nicht.
Hektisch werden alle Vorbereitungen getroffen, Kaffee gekocht, Plätzchen rausgelegt, die Zeitschriften vom Sofa geräumt und die Garderobe im Flur geordnet. Schnell noch einen Blick in den Spiegel werfen. Wir wollen ja nicht gestresst wirken … Tante Anna-Lena kann kommen.
Soviel zu einem unerwarteten Blitzbesuch. Auf der anderen Seite gibt es den sogenannten Logierbesuch, bei dem sich der Besucher gleich für einige Tage einnisten will. Wie ist hier vorzugehen und miteinander umzugehen?
Sich wie zu Hause fühlen? Aufbleiben bis in die Puppen? Badezimmer stundenlang besetzen? Na, hier wird gegenseitige Rücksichtnahme erwartet, um Freiräume, Gewohnheiten und die Freundlichkeit nicht zu strapazieren.
Ein ‚echt‘ gemeinter Besuch und ein herzlich willkommener Besucher stellen einen Gewinn im Leben dar. Beide schaffen die Chance, eine angenehme menschliche Beziehung auf- oder auszubauen.
Das Leben wird abwechslungsreicher und lebenswerter. Aus Bekannten können Freunde werden.
Wollen wir es gedanklich etwas übertreiben und gegebenenfalls sogar als ‚Ehre‘ bezeichnen, wenn sich Besucher und Besuchter die Energie nehmen, eine gewisse Zeit gemeinsam zu verbringen.
Es hilft der Erinnerung und dem Aufbau eines glücklichen Lebens, gemeinsam Erlebtes miteinander auszutauschen.
Damit ein Besuch diese wertvolle Betrachtungsweise erhält und den Beteiligten die Möglichkeit gibt, die Vorteile daraus zu erzielen, gibt es Einiges zu beachten, was das Ziel eintrüben könnte.
In diesem Ratgeber wird in sechs Kapiteln auf Themen rund um den Besuch eingegangen:
Zeiten und Gewohnheiten ändern sich, Erwartungshaltungen auch – höfliche Umgangsformen bleiben und sind gefragter denn je.
Liebe Leserin, lieber Leser, wir laden Sie ein zu betrachten, wie Einladungen erfolgen, Besucher begrüßt und verköstigt werden, welche Geschenke oder Blumen angebracht sind, wie rhetorisch taktvoll kommuniziert wird und wie das Zusammensein stressfrei im Umgang mit Besuchern abläuft, die ein paar Tage bleiben.
Bei Abreise des Gastes dürfen Sie auch Tränen in den Augen haben – nicht unbedingt Freudentränen, da Sie in Ihren eigenen vier Wänden wieder ungestört sind.
Im folgenden Text werden Sie das Beschriebene mal aus Sicht eines Gastes und mal aus der Perspektive eines Gastgebers betrachten. Auf dass Ihnen viel Vergnügen mit Ihren Besuchern gegönnt sei. Horst Hanisch
„Froh schlägt das Herz im Reisekittel, vorausgesetzt man hat die Mittel.“
Heinrich Christian Wilhelm Busch, dt. Schriftsteller
(1832 - 1908)
Unter Hospitality wird Gastlichkeit verstanden, und das gesamte Umfeld, das diese gestaltet. Nicht umsonst finden wir heutzutage in der Hotellerie den Hospitality-Manager. Wir sehen diesen Begriff im Zusammenhang mit Gastfreundschaft.
In Kulturen, die noch ‚wie früher‘ leben ist und war es üblich, dass sich die komplette Dorfgemeinschaft einmal im Jahr zum Besuch ins Nachbardorf aufmachte. Gehen wir gedanklich von Kulturen aus, die bis vor wenigen Jahren so gut wie keine Kontakte mit der industrialisierten Außenwelt hatten, zum Beispiel die Kopfjäger Borneos. Der Weg zum nächsten Dorf war mühsam und konnte auch schon einmal mehr als einen Tag in Anspruch nehmen.
Umso wertvoller fiel dann der Besuch aus, garantierte er doch gegenseitige Freundschaft und – im Bedarfsfalle – auch Beistand gegen einen möglichen Eindringling. Somit kann der Besuch als notwendiger Auf- und Ausbau der Sicherheit gegenüber Eindringlingen gesehen werden. Das Überleben der Gastgeber wie der Gäste wird sicherer.
So ganz nebenbei ergibt sich die dem Besuch des Nachbarstamms die Möglichkeit, Partner bzw. Partnerinnen aus der anderen Gruppe zu finden. Die Inzucht kann damit vermieden werden, der Fortbestand der Bevölkerung ist auch auf diesem Wege gewährleistet.
Deshalb wundert es auch nicht, dass die Besucher überschwänglich begrüßt werden. Das herausgeputzte und feierlich geschmückte Empfangskomitee steht bereit, die Gastgeber und Gäste umarmen und begrüßen sich herzlich.
Dann folgt die Einladung zum Essen und Trinken, gegebenenfalls auch zur Teilnahme an religiösen Zeremonien, um das Zusammenkommen zu huldigen und die Gemeinsamkeit zu festigen. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht, es wird gelacht, getanzt und das Zusammensein genossen.
Am nächsten Tag, oder vielleicht nach längerem Aufenthalt, wird die Gruppe der Besucher herzlich verabschiedet. Dabei wird sich gegenseitig versichert, dass der Gegenbesuch bald erfolgen wird. Die Gäste werden bis zum Dorfrand begleitet. Die sozialen Bande sind wieder für eine Zeitlang gesichert.
Das Vorgehen dieser ‚Urvölker‘ zeigt deutlich, wie wichtig die gegenseitigen Besuche sind. Sie dienen dem Wissenszuwachs durch Austausch, gegebenenfalls dem Austausch von Waren, dem Versichern des gesellschaftlichen Zusammengehörens und dem damit verbundenen Schutz. Und, wie oben beschrieben, dem Bestand und dem Weiterwachsen der Gruppe außerhalb der Inzucht.
Noch lange wird über den vergangenen Besuch gesprochen und sich irgendwann auf den nächsten gefreut. Das Leben erhält neben der Arbeit und dem Zusammenleben innerhalb der eigenen Gruppe eine Erweiterung des sozialen Umfelds und damit den Grund und den Wunsch des Weiterlebens.
Der Besuch ist, lassen wir es etwas theatralisch ausdrücken, überlebensnotwendig.
Wie wichtig ein Besuch ist, lässt sich bei Robinson Crusoe und Tom Hanks in der Rolle von Chuck Noland in dem Spielfilm Cast Away aus dem Jahr 2000 (Robert Zemeckis, *1952) erkennen.
Beide sind durch widrige Umstände auf einer entlegenen und unbewohnten Insel mutterseelenallein gelandet und verharren dort mehrere Jahre ohne jeglichen menschlichen Kontakt von außen. Ohne ein zweites menschliches Wesen verzweifeln die beiden beinahe, jeder auf seiner Insel.
Nicht umsonst wird Robinson ‚Freitag‘ geschickt, der durch seine pure Anwesenheit hilft, Robinson überleben zu lassen.
Chuck Noland kreiert einen eigenen Freund, nämlich Wilson, ein Volleyball, den er mit einem Gesicht bemalt. Er redet mit Wilson, dem er somit menschliche Eigenschaften unterstellt.
Beide bieten ihren Gästen – Freitag und Wilson – Gastfreundschaft an. Die Gastfreundschaft bietet Schutz für den Gast, allerdings auch, wie in den beiden Extrem-Situationen beleuchtet, für den Gastgeber. Er hilft zu überleben.
Wir halten fest, dass Besuche offensichtlich lebensnotwendig sein können aber auch dazu dienen, um gesellschaftliche Normen einzuhalten.
Beginnen wir die Betrachtungen mit dem Besuch bzw. dem Höflichkeitsbesuch. Bedeutet dieser, den anderen nur aus Höflichkeit zu besuchen, um Aufmerksamkeit zu demonstrieren? Oder ist es doch eher ein Besuch, der sich aus der Notwendigkeit des gesellschaftlichen Zusammenlebens gibt?
Die Vorsilbe ‚be‘ bedeutet so viel wie ‚bei‘, beziehungsweise ist von ‚bei‘ abgeleitet. Das heißt: in der Nähe von oder nahe.
So bedeutet ‚besuchen‘: jemanden in der Nähe suchen. „Ich suche dich, um in deiner Nähe zu sein.“
Im Englischen bedeutet ‚bye-bye‘ beim Abschied, dass ich so schnell nicht mehr oder überhaupt nicht mehr komme.
Im Mittelhochdeutschen heißt es ‚suochen‘ im Althochdeutschen ‚suohhen‘.
Beides steht für ‚witternd nachspüren‘, wie es von Jagdhunden bekannt ist. Das Wort ‚Besuch‘ geht auf das mittelhochdeutsche ‚besuochunge‘ zurück. Als Verb ist das frei übersetzbar mit ‚aufsuchen‘ oder ‚heimsuchen‘. Jemanden daheim besuchen, wie schön. Das Wort ‚heimsuchen‘ hat allerdings eine negative Bedeutung – Jemand wird von Krankheiten oder Unglück heimgesucht. Das soll bei einem Besuch natürlich nicht sein.
Wortbedeutung.info versteht unter einem Besuch ein: „… vorübergehendes Aufsuchen des Aufenthaltsorts einer Person …“. Wikipedia meint: „Ein Besuch ist das vorübergehende Aufsuchen des Aufenthaltsorts einer oder mehrerer Personen …“. Das erweitert die Zahl der Erscheinenden von einer auf mehrere Personen.
Ein längerer Besuch ist ein Urlaub (gleich: Erlaubnis länger zu bleiben). ‚laub‘ steht auch in er’laub‘en. Der Volksmund richtet sich nicht danach. Der sagt auch, wenn die Verwandtschaft bereits die dritte Woche im Hause weilt: … Unser Besuch! Richtig wäre: Meine Schwester macht ein paar Tage Ferien bei uns. Oder Opa ist auf Entspannung bei uns (und will nicht mehr nach Hause!).
Wie hörte sich die Definition ‚Besuch‘ vor über 100 Jahren an? Aus ‚Takt und Ton‘ von Oswald Marschner, 1901: „Ein Besuch, eine Visite, ist eine Aufmerksamkeit, welche man anderen Leuten zu erweisen hat, ohne welche im gesellschaftlichen Leben ein gegenseitiger Verkehr nicht wohl möglich sein dürfte.“
Das bedeutet, dass Besuche helfen und notwendig sind, um sozialen Kontakt überhaupt erst zu ermöglichen. Das klingt verständlich, sonst lebten wir ja als Einsiedler – jeder für sich. Das wäre bestimmt langweilig. Einen interessanten Unterschied zieht Wikipedia zwischen den Wörtern ‚Gast‘ und ‚Besucher‘: „… Während ein Gast meist eine gern gesehene Person ist, kann ein Besucher auch unerwünscht sein („Eindringling“) …“.
Im vorliegenden Ratgeber soll überwiegend der Begriff Besucher gewählt werden. Das Thema konzentriert sich auf den gesellschaftlichen und privaten Besucher, derjenige, der zu einem anderen nach Hause kommt. Gelegentlich wird es eine Überschneidung ins Berufliche geben.
Widmen wir uns dem Begriff ‚Besuch‘ und versuchen diesen zu ordnen. Tatsächlich lassen sich Unterscheidungen finden. Es ergeben sich fünf Gruppierungen.
Hierzu zählen Festbesuch, Hotelbesuch, Kinobesuch, Kirchenbesuch, Landesbesuch, Messebesuch, Opernbesuch, Schulbesuch, Theaterbesuch, Zoobesuch, Besuch einer Sportveranstaltung, Besuch eines Gottesdienstes.
Hospitieren ist das Verb zu Hospitation. Im Lateinischen heißt ‚hospitari‘ ‚zu Gast sein‘.
Der Gast ist dabei der Hospitant.
In heutiger Zeit findet das Hospitieren beispielsweise dadurch statt, dass ein Professor eine Vorlesung eines Kollegen besucht, um dessen Vortragstechnik zu beobachten. Er ist dann gewissermaßen ein Gasthörer. Das gilt auch für einen Studierenden, der Lehrstunden beiwohnt, ohne Prüfungen ablegen zu müssen.
Es ist nicht mehr weit bis zum Begriff Hospiz, eine Einrichtung der Sterbebegleitung. Einige Hospize bezeichnen ihre Patienten als Gäste.
Der ‚host‘ in der englischen Sprache ist der Gastgeber. Hostel ist eine Art Jugendherberge.
Dazu gehören Arztbesuch, Kondolenzbesuch, Krankenbesuch, Staatsbesuch, Vertreterbesuch, Kundenbesuch. Zu den ersten beiden aufgelisteten Besuchern geht der Besucher meist nicht gerne.
Bei den beiden letzten freut sich der Besuchte nicht immer, wenn ein Vertreter ihn besucht. Gegebenenfalls betrachtet er den Besucher hier tatsächlich als Eindringling.
Wird von einem Papstbesuch gesprochen heißt das nicht, dass jemand den Papst besucht; das wäre eine Audienz. Nein, der Papst besucht eine Veranstaltung beispielsweise in einem anderen Land. Er kommt zu Besuch.
Nebenbei: Üblicherweise lässt sich der Papst zu seinen Besuchen einladen – auf Kosten der Gastgeber. Bei einem Papstbesuch übernimmt die katholische Kirche die Kosten, die unmittelbar im Zusammenhang mit dem offiziellen Besuchsprogramm stehen. Für alle weiteren Kosten – und diese gehen in die Millionen – sind Bund und Länder zuständig, also die Steuerzahler. Die Begründung hierfür ist, dass ein Papstbesuch als Staatsbesuch gilt. So, als käme der Präsident eines Landes zu Besuch.
In der Regel trägt die italienische Fluggesellschaft Alitalia die Kosten für den Hinflug zum Gastland. Der Rückflug erfolgt durch die Fluggesellschaft des Gastgeberlandes.
Wer einmal Lateinunterricht genießen durfte, kann sich bestimmt erinnern, dass ‚audire‘ ‚hören‘ bedeutet. Unter Audienz können wir uns demnach ein Zuhören vorstellen. Dagegen ist nichts einzuwenden, zumal nicht bei einem Besuch, wenn wir einander zuhören.
Unter Audienz ist ein Empfang bei einer hochgestellten Person zu sehen. Sollten Sie liebe Leserin, lieber Leser, beispielsweise einen Austausch mit dem Papst wünschen, wird dieser Ihnen – wenn alles gut geht – eine Audienz gewähren. In diesem Fall gibt es drei Varianten:
Sprechen Sie den Papst an mit ‚Heiliger Vater‘ oder ‚Heiligkeit‘.