Die wahre Bildung ist die Herzensbildung, die wahre Höflichkeit entspringt aus der Herzensgüte und ihr Hauptgrundsatz ist: „Was Du nicht willst, daß man Dir thue, das füge Du auch Andern nicht zu.”
Die Menschen haben einander nöthig und die Zwecke des menschlichen Lebens können nur in der Geselligkeit erreicht werden. Am glücklichsten und frohesten wird das gesellige Leben da sein, wo man die Regeln des Anstandes, der Höflichkeit und der guten Sitte am besten beobachtet, denn sie erzeugen Achtung und Zuneigung, erhalten Friede und Ordnung, und können daher nicht früh genug gelehrt und ausgeübt werden. Die wahre Höflichkeit verträgt sich ganz gut mit republikanischer Einfachheit und Würde.
1. Glaube nicht, Anstand und gute Sitte blos in Gesellschaft beobachten zu müssen; es ist sehr nöthig, sich auch zu Hause, selbst beim Alleinsein, daran zu gewöhnen; denn unwillkürlich und ohne daran zu denken, übt man vor Andern, was man sich gewöhnt hat zu thun, wenn man allein ist und wie in Allem, wird auch hier die Gewohnheit zur zweiten Natur.
2. Gewöhne Dich früh aufzustehen! „Früh zu Bette und früh wieder auf, das ist der beste Lebenslauf” — für Deinen Körper, für Deinen Geist und für Dein Geschäft. Sieben Stunden Schlaf genügen dem gesunden Menschen vollkommen. Wasche Dich — zu jeder Zeit — mit frischem Wasser bis an den Gürtel, kleide Dich rasch an, und vergiß dann nie, Deine Eltern oder deren Stellvertreter zu begrüßen. Dasselbe thue beim Schlafengehen.
3. In Deinem Zimmer, in allen Deinen Sachen, Büchern, Kleidern halte die größte Reinlichkeit und die pünktlichste Ordnung. Unreinlichkeit und Unordnung im Aeußern verrathen auch einen unordentlichen Geist und erregen in der Gesellschaft Ekel und Widerwillen gegen Dich. Beschmutzte und zerrissene Bücher und Hefte sind eines braven Schülers aus einer guten Familie unwürdig.