Umschlaggestaltung: DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz
Titelbild: Jean-Jacques Raynal
Bildnachweis:
37: Alexis Vincent/INRA
40: Philippe Lebeaux/Animailes
44 (oben): Pascal Goetgheluck/Biosphoto
44 (unten): Heiti Paves/Biosphoto
45: Nicolas Quendez/Naturimages
48: David Scharf/Biosphoto
71: Jean-Paul Ferrero/Biosphoto
89: Omar Mahdi
100: Amélie Kruse
143: Josiane Goepfert
Alle übrigen Bilder stammen von Jean-Jacques Raynal.
Titel der französischen Originalausgabe: Les Clés d’un sol vivant by Blaise Leclerc © by Terre vivante, Mens/Frankreich, 2017
Aus dem Französischen übertragen von Barbara Hinterplattner, BA BA MA
Der Inhalt dieses Buches wurde vom Autor, der Übersetzerin und vom Verlag nach bestem Wissen überprüft; eine Garantie kann jedoch nicht übernommen werden. Die juristische Haftung ist daher ausgeschlossen.
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ISBN 978-3-7020-1793-4
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© Copyright der deutschen Erstausgabe: Leopold Stocker Verlag, Graz 2019
Layout und Repro: DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz
Druck und Bindung: Christian Theiss GmbH, 9431 St. Stefan
GARTENBODEN VERSTEHEN UND VERBESSERN
Ich danke allen Personen vielmals, die zur Entstehung dieses Buchs beigetragen haben:
Ich danke Michel dafür, dass er mir seinen flachen Spaten geliehen hat,
Gérard für seine Expertenmeinung zum Wasserstoffperoxid-Test,
Pascal für seine Ratschläge zur Herstellung des Berlese-Trichters,
Isabelle, Raymonde und Philippe, meinen treuen Lektoren,
Jean-Jacques, dessen Fotoapparat mir diesmal dazu diente, ungeahnte unterirdische Welten zu erkunden,
und schließlich Claude Aubert, der so freundlich war, das Vorwort für mein Werk zu verfassen.
Vorwort
Einleitung
Was sich in der Natur abspielt
Woraus besteht der Boden?
Wie entsteht ein Boden?
Grundlegende Mineralstoffe
Textur
Struktur
Organische Substanz
Die Bewohner des Bodens
Eine unglaubliche Vielfalt
Makrofauna (von 4 bis 80 mm)
Mesofauna (von 0,2 bis 4 mm)
Mikrofauna und Mikroflora (unter 0,2 mm)
Wie wächst eine Pflanze
Blätter zur Photosynthese
Wurzeln für Wasser und Mineralstoffe
Faktoren, die die Ernährung der Pflanzen behindern
Üppiger Verbrauch
Wie helfen die Bodenlebewesen den Pflanzen beim Wachsen?
Regenwürmer und Mikroorganismen belüften den Boden
Mykorrhizen verlängern die Wurzeln
Bakterien ernähren die Pflanzen
Die Pflanzen ernähren auch die Bodenlebewesen
Ein lebendiger Boden in Ihrem Garten
Lernen Sie Ihren Boden kennen
Ist der Boden tief?
Wie ist die Struktur des Bodens?
Wie ist die Textur des Bodens?
Ist Ihr Boden reich an organischer Substanz?
Ist Ihr Boden sauer oder alkalisch?
Welche Lebewesen beheimatet Ihr Boden?
Den Boden bearbeiten
Warum den Boden bearbeiten?
Die wichtigsten Bearbeitungsmethoden
Welche Werkzeuge sind die richtigen?
Weniger Bodenbearbeitung
Den Boden anreichern
Gründünger, Kompost, fragmentiertes Zweigholz, Mist … Wie findet man sich hier zurecht?
Mulche
Gründünger
Selbstgemachter Kompost
Kompost aus Grünabfällen
Fragmentiertes Zweigholz
Mist
Organische Dünger
Holzasche
Brennnessel und Beinwell
Kalzium-/Magnesium-Bodenverbesserungsmittel
Die richtigen Methoden wählen
Boden und Klima an erster Stelle
Zusätze & Methoden abwechslungsreich gestalten
Lokale Rohstoffe zu schätzen wissen
Laisser-faire
Beobachten und experimentieren
Anhang
Merkheft
Eine kleine Auffrischung aus Chemie
Bodenanalyse
Klassifizierung der Wirbellosen
Werkzeuge zur Bodenbearbeitung
Die wichtigsten Pflanzenfamilien im Gemüsegarten
Einteilung der Gemüsepflanzen nach Düngerbedarf
Die wichtigsten Gründüngungspflanzen
Die Umwandlung von Einheiten: Elemente und Oxide
Zusammensetzung von Mist
Zusammenfassung der Kompost- und Bodenverbesserergaben
Literaturhinweise
Glossar
Stichwortverzeichnis
Der Boden ist die dünne Haut, die den größten Teil der Landmassen auf der Erde bedeckt. Von dieser Haut sind alle nicht im Wasser lebenden Pflanzen- und Tierarten – inklusive uns Menschen – abhängig. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts konnte der Mensch im Großen und Ganzen die Fruchtbarkeit des Bodens oder besser gesagt der Böden – da unzählige verschiedene Typen existieren – erhalten. Und damit die Fähigkeit, Pflanzen, und damit alle Lebewesen auf der Erde, zu nähren.
Seit etwas mehr als 100 Jahren jedoch nimmt diese Fruchtbarkeit beinahe überall stetig ab. Das ist auf den flächendeckenden Einsatz von chemischen Düngemitteln, das systematisch durchgeführte, tiefe Pflügen des Bodens, das durch Verbreitung von immer stärkeren Traktoren möglich gemacht wurde, auf die fehlende Rückgabe von organischem Material, auf Monokulturen sowie auf Überweidung zurückzuführen. Während der gesamten Zeit hat man vergessen, dass die Bodenfruchtbarkeit Voraussetzung für unser Überleben ist, und man dachte, man könne sie durch Chemikalien ersetzen.
Die ersten, die auf diesen dramatischen Mangel an Bewusstsein reagierten, waren die Pioniere der biologischen Landwirtschaft. Dass der Boden in den für diese Form der Landwirtschaft wegweisenden Werken das wichtigste, wenn nicht sogar das einzige Thema war, ist kein Zufall. Ebenso wenig ist es Zufall, dass die erste große Organisation für biologische Landwirtschaft, die nach wie vor die bedeutendste im Vereinigten Königreich ist, den Namen Soil Association trägt. Und dennoch wurde das Problem des Bodens selbst von den Verfechtern der biologischen Landwirtschaft nicht ausreichend betont, die sich eher mit der Bekämpfung von Pflanzenschädlingen und den gesundheitlichen Auswirkungen von Bio-Produkten im Vergleich zu konventionellen Produkten beschäftigten.
Das 21. Jahrhundert steht unbestreitbar im Zeichen des Comebacks des Bodens als Conditio sine qua non für nachhaltige Landwirtschaft und auch nachhaltiges Gärtnern, obwohl es erst im Jahr 2015 dazu kam, dass die Vereinten Nationen dies zum Thema ihres internationalen Jahres erklärten.
Das neue Buch von Blaise Leclerc kommt also genau richtig: Nicht unbedingt, um die Gärtner von der Bedeutung des Bodens zu überzeugen – da die meisten von ihnen bereits überzeugt sind –, sondern vielmehr, um ihnen das nötige Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben, damit sie die Bodenfruchtbarkeit in ihrem Garten erhalten können. Die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Agronomie werden dabei berücksichtigt.
Der erste Schritt ist natürlich zu erkennen, was sich im Boden abspielt, was seine zahlreichen Bewohner leisten und wie sie zum Wachstum und zur Gesundheit der Pflanzen beitragen. Der zweite Schritt besteht darin, zu verstehen, wie man den Boden bearbeitet und ihm Nährstoffe zuführt, damit die Pflanzen dort eine ausreichende, aber nicht zu große Menge von allem, was sie brauchen, vorfinden. Im Anhang befindet sich ein Merkheft, in welchem die wichtigsten agronomischen Aspekte der Funktionsweise des Bodens und seiner Düngung vertiefend dargestellt werden. Das vorliegende Buch ist umfassend, gut geschrieben und schön illustriert und stellt zweifelsohne das Mittel der Wahl des informierten Gärtners dar, wobei es gleichermaßen für Anfänger als auch für erfahrene Gärtner geeignet ist. Es bietet – unter anderem – einen Überblick über die verschiedenen Arten von Düngern, deren Zahl ständig wächst und die man entweder selbst im eigenen Garten herstellen, im Gartenfachhandel kaufen oder beim Bauern in der Nachbarschaft ausleihen kann.
Claude Aubert
Agraringenieur
Mitbegründer des Verlags Terre vivante
Im Vergleich zu den anderen natürlichen Lebensräumen weist der Boden ein einzigartiges Merkmal auf: Er verbindet Lebendiges und Lebloses. Das Lebendige im Boden sind die organischen Bestandteile, das Leblose die anorganischen Substanzen. Die Verbindung zwischen Organischem und Anorganischem, welche schon beim Entstehen eines Bodens existiert, ist der Schlüssel zur Fruchtbarkeit unserer Gärten. Die Bodenlebewesen – angefangen von den kleinsten, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind (Bakterien, Pilze), bis zu den größten (Insekten, Regenwürmer etc.) – sind es, die diese Verbindung möglich machen. Milliarden von Lebewesen sind ohne Unterlass im Boden unter unseren Füßen am Werk. Deshalb können wir vom Boden als lebendiger Einheit und damit von einem lebendigen Boden sprechen.
Entdecken …
Die Bodenlebewesen besser kennenzulernen, stellt einen wesentlichen Vorteil für den Gärtner dar. Er muss nämlich im Einklang mit diesen wertvollen Nützlingen arbeiten und sie gleichzeitig schützen und ihre Entwicklung fördern. Der erste Teil des Buchs ist dazu gedacht, Ihnen den Boden näherzubringen: wie er aufgebaut ist, wer ihn bewohnt, wie die Pflanzen darin wachsen und welche die engen Verbindungen sind, die zwischen letzteren und den Bodenlebewesen bestehen.
… und zur Tat schreiten
Der zweite Teil des Buchs soll zeigen, wie das Leben im Boden des Gartens erhalten und verbessert werden kann. Hierbei kommen zuallererst einfach durchführbare Tests zum Einsatz, mit denen man selbst die Haupteigenschaften des Bodens bestimmen kann. Mit diesem Wissen und dank dem breiten Angebot an Bodenbearbeitungs- und Düngemethoden werden Sie in der Lage sein, die für Ihre Situation am besten passenden Mittel zu wählen – quasi Schlüssel zum Erfolg im Garten. Schließlich steht Ihnen noch das Merkheft im Anhang zur Verfügung, in welchem die verschiedenen Methoden, die im Buch aufgelistet sind, vertiefend behandelt werden.
Dieser erste Abschnitt des Buchs lädt Sie dazu ein, den Boden und seine Bewohner kennenzulernen. Indem Sie zuerst eine naturwissenschaftliche Perspektive einnehmen, bevor Sie aus Sicht des Gärtners auf den Boden schauen, vermeiden Sie viele Fehler. Die biologischen Prozesse, die im Garten ablaufen, sind nämlich die gleichen wie in der unberührten Natur. Diese biologischen Prozesse, die man als „natürlich“ bezeichnen kann, sind das Ergebnis von mehreren Millionen Jahren von Evolution. Dies gilt allen voran für bestimmte Beziehungen zwischen den Mikroorganismen im Boden, den Pflanzen und den Tieren. Wie später noch detailliert gezeigt wird, sind diese engen und komplexen Beziehungen die Grundlage des Gartenbaus.
Bevor wir uns in diese komplexen biologischen Beziehungen vertiefen, sehen wir uns zuerst einmal an, woraus der Boden besteht, wie er sich bildet und welche seine Haupteigenschaften sind. Lassen Sie uns die Zeit zurückdrehen zu dem Augenblick, als sich die Böden bildeten, und die Hauptetappen dieses Prozesses, der als Pedogenese*1 bezeichnet wird, entdecken.
Hebt man einen Graben aus, stößt man dabei irgendwann auf eine Schicht, die in der Regel härter ist und die in einer Tiefe von mehreren Dutzend Zentimetern oder einigen Metern beginnt: das Muttergestein*. Vor einigen Jahrtausenden lag diese Schicht noch an der Oberfläche. Die schrittweise Verwitterung dieses Gesteins hat sehr oft zur Bildung jener Bodenschicht geführt, die sich heute darauf befindet. Jedoch könnten die Substanzen, die heute diese oberste Schicht bilden, auch von Flüssen angespült oder vom Wind angeweht worden sein. All diese Faktoren haben möglicherweise eine Rolle gespielt, sodass es heute Tausende von unterschiedlichen Böden gibt, die von Pedologen* nach unterschiedlichen Kriterien klassifiziert werden.
Die Bodenbildung läuft im Großen und Ganzen in den gleichen drei Schritten ab.
1 Kommt ein Ausdruck aus dem Glossar (S. 163) zum ersten Mal vor, ist er mit einem Sternchen markiert.
Erosion durch Wind, Wasser und Temperaturschwankungen zwischen warm und kalt sowie der Wechsel zwischen Frost und Tauwetter rufen Risse und Sprünge im Gestein hervor. Mikroskopisch kleine Algen siedeln sich auf den rauen Oberflächen des mineralischen Gesteins an und beschleunigen dessen Zerfall, indem sie Substanzen absondern, die es auflösen. Dies wird von Mikroorganismen – Bakterien und Pilzen – unterstützt, die sich nach und nach dort ausbreiten. Pflanzen können sich in diesem Stadium noch nicht ansiedeln, da weder die Mineralstoffe, die sie benötigen, noch genügend Terrain zur Verwurzelung vorhanden sind.
Der Boden muss erst eine Dicke von einigen Millimetern erreichen, damit sich Pflanzen darin verwurzeln und die Mineralstoffe aus dem Boden gewinnen können, die von den ersten Lebewesen freigesetzt wurden, die mit der Zersetzung des Muttergesteins begonnen hatten.
Die ersten Pflanzen, die sich ansiedeln, wiederum verändern das Muttergestein weiter durch ihre Wurzelatmung, bei welcher sie CO2 (Kohlendioxid*) in den Boden abgeben. Die Pflanzen tragen außerdem dadurch zur Bodenbildung bei, dass sie ihn versauern. Das beschleunigt die chemische Verwitterung* des Bodens. Es ist nämlich so, dass die Pflanzen jedes Mal, wenn sie ein Kation (Kalium* K+, Kalzium Ca++, Magnesium* Mg++) aus dem Boden aufnehmen, ein bis zwei Protonen* (H+) abgeben, was den Boden langsam saurer werden lässt. Die Wurzeln geben auch organische Säuren ab, die ebenfalls dazu beitragen, den Boden zu säuern2. Diese Versauerung des Bodens ermöglicht die Lösung der im Gestein enthaltenen Mineralstoffe. Im Laufe der Jahreszeiten sterben die Pflanzen ab und hinterlassen im Boden ihre Wurzeln und an der Oberfläche ihre Stängel und Blätter. Daraus entsteht eine erste Schicht aus pflanzlichen Überresten, die Streu*. Dort siedeln sich nach und nach kleine Insekten an und nutzen sie als Nahrung. In diesem Stadium kann man bereits von einem Boden sprechen, welcher zwar noch sehr dünn ist, aber bereits genug Lebewesen beherbergt, um sich noch schneller zu entwickeln.
Schritt 1
Schritt 2
Schritt 3
2 Eine Liste der chemischen Ausdrücke und Symbole finden Sie im Merkheft auf S. 150.
Allmählich wird der Boden von immer zahlreicheren und immer unterschiedlicheren Lebewesen besiedelt. Eine Schicht, die reich an organischem Material ist, bildet sich langsam an der Oberfläche. Diese Ansammlung ist darauf zurückzuführen, dass bestimmte Pflanzenbestandteile, wie Lignin*, schwer abbaubar sind. Dieser unvollständige Abbau von Lignin führt zur Bildung von Humus* im Boden. Später wird dieser Humus selbst mineralisiert (s. S. 29), wobei Nährstoffe für Pflanzen, wie vor allem Stickstoff*, freigesetzt werden.
Dieser letzte Schritt bei der Bildung von Böden ist eng mit Klima und Oberflächenvegetation verbunden. Er endet mit der Herausbildung von Schichten, die als Horizonte* bezeichnet werden und die, wenn man in einem tiefgründigen Boden einen Graben gräbt, klar mit freiem Auge unterscheidbar sind. Diese Schichten haben nämlich verschiedene Farben und Texturen, was daran liegt, dass die Mineralstoffe (zum Beispiel eine rote Schicht, die viel Eisen enthält) oder Feststoffteilchen, wie Tonminerale*, unterschiedlich tief in den Boden gelangen. In unserer gemäßigten Klimazone sind die Winter regenreich, weshalb die Feinpartikel hauptsächlich zu dieser Jahreszeit in tiefere Schichten geschwemmt werden. Dieser Vorgang führt zur Verarmung der oberflächlichen Horizonte. Der Pflanzenbestand, insbesondere die Bäume, tragen dazu bei, diesen Vorgang auszugleichen, indem sie die Nährstoffe mit ihren Wurzeln aufnehmen und in die Höhe transportieren und indem sie den Horizont an der Oberfläche mit ihrem jährlichen Abwurf von pflanzlichen Abfällen bereichern. Auch die Regenwürmer tragen durch ihre Ausscheidungen an der Oberfläche dazu bei, Nährstoffe in die oberen Bodenschichten zu bringen. Umgekehrt kann der Mensch durch bestimmte intensive landwirtschaftliche Methoden die Bodenverschlechterung beschleunigen (kahle Böden im Winter, Einsatz von zu schweren Maschinen oder Maschineneinsatz bei feuchtem Boden etc.).
Bei diesem Bodenquerschnitt entlang einer Straße sind verschiedene Bodenhorizonte deutlich sichtbar: ein dunkler – da humusreicher – Horizont nahe der Oberfläche, direkt darunter ein hellerer – verarmter – Horizont, danach ein oranger, dessen Farbe auf eine Ansammlung von Eisenhydroxiden zurückzuführen ist, und schließlich das Muttergestein.
Die Zeit, die ein Boden braucht, um zu entstehen, variiert sehr stark. Sie hängt vor allem von der Härte des Muttergesteins und vom Klima ab. Festzuhalten ist, dass Bodenbildung sehr langsam abläuft; in einem Jahrhundert bildet sich ungefähr 1 mm Boden. Damit sich ein Boden von 10 cm Dicke bildet, müssen also mindestens 10.000 Jahre vergehen! Die Zerstörung der Böden hingegen, vor allem die Erosion durch menschliche Aktivitäten, geht viel schneller voran. Durch die Intensivlandwirtschaft kann es dazu kommen, dass im Laufe einiger Jahrzehnte mehrere Zentimeter Boden in die Flüsse und dann ins Meer gespült werden …
In der Regel handelt es sich bei Gartenboden um einen Boden, der in den vergangenen Jahrzehnten oder Jahrhunderten bewirtschaftet wurde und aufgrund dessen bis in eine Tiefe von 10 bis 30 cm relativ homogen ist, je nachdem bis in welche Tiefe im Durchschnitt eine Bearbeitung stattfand. Ist der Gemüsegarten alt (50 Jahre oder älter), ist seine Erde reich an stabilem organischen Material, welches wiederum eng mit den anorganischen Teilchen im Boden verbunden ist. Dieser Boden hat eine krümelige Struktur*, da ihm über Jahre regelmäßig organische Bodenverbesserungsmittel zugeführt wurden. Obwohl der Boden reichhaltig scheint, muss er dennoch weiter mit organischem Material versorgt werden. Es wird noch deutlich werden, dass diese krümelige Struktur das Ergebnis der Arbeit von Bodenlebewesen ist (s. S. 56). Diese müssen regelmäßig mit Nährstoffen versorgt werden, möchte man diese ideale Struktur erhalten.
Das Erdreich besteht zunächst aus anorganischer Substanz, im Allgemeinen zu über 95 %. Woraus aber besteht diese anorganische Substanz?
Primäre Minerale sind solche, die direkt von der Erdkruste kommen: zum Beispiel Feldspat, Glimmer oder Quarz, die in Lava oder Granit enthalten sind. Diese kennen wir gut als Felsen oder Kieselsteine. Man kann sie aber auch im Erdreich finden, wo sie meist viel kleinere, unterhalb des Millimeterbereichs liegende, Dimensionen erreichen.
Der Begriff „Mineral“ wird für Teilchen mit sehr unterschiedlichen Größen benutzt und kann zu Verwirrung führen. Im für den Menschen sichtbaren Bereich sind Minerale jene Stoffe, aus denen sich Felsen (primäre und sekundäre Minerale) zusammensetzen, im Gegensatz zum organischen Material, welches aus der lebendigen Welt kommt. Im molekularen Bereich hingegen entsteht alles Mineralische entweder durch Verwitterung (Eisenhydroxide, Kalzium, Kalium …) oder durch die vollständige Zersetzung von organischem Material, welche auch als Mineralisation* bezeichnet wird (s. S. 62). Dies führt zur Freisetzung von Nitraten, Phosphaten, Sulfaten … Gleichgültig, ob diese Minerale durch Verwitterung oder Mineralisation entstehen: Wenn sie in der flüssigen Phase des Bodens vorhanden sind, dienen sie den Pflanzen als Nahrung.
Durch den Einfluss von Regen, Sauerstoff, Kohlendioxid und Säuren, die von Pflanzen und Mikroorganismen freigesetzt werden, verwandeln sich diese primären Minerale langsam in sekundäre Minerale, von denen die bedeutendsten die Tonminerale sind. Sie entstehen aus Aluminium und Silizium, die in den primären Mineralen enthalten sind, sowie aus in Wasser enthaltenem Sauerstoff und Wasserstoff. Diese Tonminerale entstehen also nicht in den Tiefen des Erdmantels, sondern praktisch an der Oberfläche.
Sie besitzen eine Molekülstruktur aus Schichten, welche ihnen besondere Eigenschaften verleiht, auf die später noch eingegangen werden wird. Durch den Kontakt mit Sauerstoff entstehen noch andere sekundäre Minerale, wie Eisenhydroxide, die zahlreichen Böden ihre braune oder rote Farbe verleihen. Beim dritten Schritt der Bodenentstehung (S. 13) sind es diese sekundären Minerale, die in der Tiefe vom Regen ausgelaugt werden.
Die Beschaffenheit der Minerale im Boden beeinflusst seinen Säuregrad. In der Praxis wird der Säuregrad des Wassers im Boden gemessen, indem man seinen pH-Wert*, die Wasserstoffionenkonzentration, das heißt die Konzentration an H+-Protonen im Wasser, bestimmt. Der pH-Wert von reinem Wasser liegt bei 7. Von einem neutralen Boden spricht man bei einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7,5. Saure Böden haben einen pH-Wert unter 6,5, alkalische (oder basische) Böden besitzen einen pH-Wert über 7,5.
Pflanzen reagieren empfindlich auf pH-Wert-Schwankungen. Bestimmte Pflanzen, wie Azaleen, Kamelien oder Rhododendren, vertragen keine basischen Böden, die viel Kalkstein enthalten und deren pH-Wert über 7,5 liegt. Umgekehrt bevorzugen andere Pflanzen basische Böden. Diese werden auch als Kalziphile* (Kalkliebende) bezeichnet. Darunter fallen Weißdorne, Zistrosen, Hartriegel …
Auf S. 80 wird gezeigt, wie man herausfinden kann, ob der eigene Boden sauer oder basisch ist, auf S. 142 wird erklärt, wie man den pH-Wert beeinflussen kann.
Die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Mineralen gehört zum Fachgebiet der Geologen oder der Pedologen. Eine einfachere Art, sich mit den Mineralstoffen des Bodens auseinanderzusetzen, besteht ganz einfach in der Einteilung nach Größe: Das ist die Granulometrie oder Textur*. Diese ist besonders interessant für Agronomen und Gärtner.
SAND, SCHLUFF, TON
Sand: sehr luftige Struktur.
Schluff: Zwischenstruktur.
Ton: verdichtete Struktur.
Die Verteilung der Minerale im Boden nach Größe sieht folgendermaßen aus:
Steine |
2 bis 20 cm |
Grobe Bestandteile |
Kies |
2 mm bis 2 cm |
|
Grober Sand |
0,2 bis 2 mm |
|
Feiner Sand |
0,05 bis 0,2 mm |
|
Grober Schluff |
0,02 bis 0,05 mm |
Feine Erde |
Feiner Schluff |
0,002 bis 0,02 mm |
|
Tonminerale |
< 0,002 mm |
|
Die feine Erde* besteht aus all jenen Mineralteilchen, die durch das 2-mm-Sieb fallen. Die groben Bestandteile, Steine und Kiesel, können zwar störend sein, aber haben weniger Einfluss auf die Bodeneigenschaften als die feine Erde.
Die Textur des Bodens verändert sich im Laufe seiner Entwicklung, die mehrere tausend Jahre dauert, nicht jedoch in der Spanne eines Menschenlebens. Deshalb ist es nutzlos zu versuchen, die Textur Ihres Gartenbodens zu verändern: Man muss sich gewissermaßen „mit ihr abfinden“ und ihre Vorteile nutzen und gleichzeitig ihre Nachteile minimieren.
Böden lassen sich anhand ihrer Textur klassifizieren. Zu den Bezeichnungen, die den Anteilen der drei Hauptklassen Sand*, Schluff* und Ton* entsprechen, kommt man durch die Verwendung eines Texturdreiecks. Ist keine der drei Hauptklassen vorherrschend, wird auch von Lehm gesprochen. Die Attribute tonig*, sandig*, schluffig*, lehmig* beschreiben die Textur noch präziser.
Sie können sich einen Eindruck von der Textur Ihres Bodens durch direkte Beobachtung (s. S. 76) verschaffen oder aber Sie lassen eine granulometrische Analyse durchführen, die Ihnen detailliert Aufschluss über das Verhältnis der verschiedenen Bodenbestandteile gibt.
TEXTURDREIECK
S |
Sand |
uS |
schluffiger Sand |
lS |
lehmiger Sand |
tS |
toniger Sand |
sU |
sandiger Schluff |
U |
Schluff |
lU |
lehmiger Schluff |
sL |
sandiger Lehm |
L |
Lehm |
uL |
schluffiger Lehm |
sT |
sandiger Ton |
lT |
lehmiger Ton |
T |
Ton |
Quelle: Blum, Spiegel, Wenzel, Bodenzustandsinventur. Konzeption, Durchführung und Bewertung, Universität für Bodenkultur Wien, 1996.
Anm. des Verlages: Das Texturdreieck ist international nicht genormt und kann von Land zu Land geringfügig unterschiedlich aussehen, hier wird beispielhaft eines angeführt. Ein praktisches Beispiel finden Sie auf S. 78.
STRUKTUR DER TONMINERALE
Mit Silizium besetzter Tetraeder
Mit Aluminium besetzter Oktaeder
nm = Nanometer, Millionstel Millimeter; Maßeinheit,
die in der Größenordnung der Atome verwendet wird
Tonminerale sind mit einer Größe von unter 0,002 mm die kleinsten Teilchen der feinen Erde. Es handelt sich um sekundäre Minerale, deren physiochemische Eigenschaften überraschend sind. Aufgrund ihrer mikroskopischen Größe und ihrer Eigenschaften spielen sie im Boden eine entscheidende Rolle. Sie sind jene Minerale, die die engste Verbindung zu den organischen Substanzen aufweisen, und sie erlauben dem Boden auch, viel Wasser und viele Minerale zu speichern. Sehen wir uns nun an, wie das funktioniert:
Tonminerale sind sekundäre Minerale, das bedeutet, sie entstehen neu aus primären Mineralen, die Silizium und Aluminium enthalten, wie beispielsweise Feldspat, Glimmer etc. Deshalb stellen sie die kleinsten Minerale dar, die im Boden auffindbar sind. Ihre besonderen physiochemischen Eigenschaften sind auf ihre Struktur zurückzuführen, die aus mikroskopischen Blättchen aus zwei bis drei Schichten besteht, die mit Aluminium, Sauerstoff und Silizium besetzt sind. Die Siliziumatome sind dabei von vier Sauerstoffatomen umgeben und bilden tetraedrische Schichten. Die Aluminiumatome sind von sechs Wasserstoffatomen umgeben und formen oktaedrische Schichten (siehe Schema).