Matthias Bosse hat eine Ausbildung zum Technischen Zeichner im Bereich Heizungs-, Klima- und Sanitärtechnik absolviert, sowie ein Bachelor- und Masterstudium an der Technischen Hochschule Köln (ehemalig Fachhochschule) im Studiengang Verfahrens- und Versorgungstechnik abgeschlossen. Während der Ausbildung und im darauffolgenden beruflichen Werdegang hat er Erfahrungen mit verschiedener CAD-Software gesammelt (u.a. SolidWorks®, AutoCAD®, MagiCAD®, MicroStation®) und die jeweiligen Arbeitsweisen und Programmaufmachungen kennengelernt. Als Maschinenbauingenieur im Bereich Schiffbau in Hamburg kam er mit der Software TurboCAD® in Kontakt. Durch Schulungen, die Betreuung der CAD-Anwender im Unternehmen als Key-User und die tägliche, intensive Nutzung wurde schnell Expertenwissen aufgebaut. Aktuell arbeitet er als selbstständiger Konstruktionsingenieur unter dem Namen CryoCAD Consulting & Engineering (www.cryocad.com). Neben Konstruktionsdienstleistungen bietet er ebenfalls TurboCAD®-Schulungen im Bereich 2D und 3D an.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
© 2019 Matthias Bosse
ISBN: 9783746040455
2. überarbeitete Auflage 04/2019
Alle Rechte, auch der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm, oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
Ein Wort vom Autor:
Bei der Auswahl der aufgeführten TurboCAD®-Werkzeuge habe ich mich an der eigenen Arbeitsweise orientiert. Oft gibt es verschiedene Wege, um die gleichen Ergebnisse zu erzielen. Dies zeigt sich besonders in den Aufgaben des „Erste-Schritte“-Kapitels. Habe ich mich zum Beispiel dazu entschieden, einige Features aufgrund von schlechten Erfahrungen damit nicht zu nutzen, arbeiten andere Nutzer verstärkt damit.
Fragen, Anregungen, Hinweise sowie Verbesserungsvorschläge werden gerne angenommen und können per E-Mail an info@cryocad.com gerichtet werden. Wie bei allen CAD-Programmen lernt man nie aus und entdeckt immer wieder neue Möglichkeiten, um an das erwünschte Ergebnis zu gelangen. Das vorliegende Buch versteht sich nicht als Ersatz zur offiziellen Software-Hilfe, welche sich im Programm unter „Hilfe“ online und offline einsehen lässt.
Danksagung:
Mein Dank gilt Bob Mayer, Präsident und CEO von IMSI/Design, Hans Jörg Bayer vom TurboCAD® Trainingscenter, Gerd Körnig und Rita Buschmann von der GK Planungssoftware GmbH, Sivoney Rodríguez Núñez, Josh Horsman, Darryl Impey, Anton Boehnke und Wolfgang Sagroll.
Dieses Buch richtet sich an Unternehmen, Selbstständige und Privatleute auf der Suche nach einer kostengünstigen CAD-Software, welche die grundlegenden und notwendigen Werkzeuge zum rechnergestützten Konstruieren in 2D und 3D mitbringt, ohne in den 5-stelligen Eurobetrag für eine Einzelplatzlizenz zu gehen. Ebenfalls sollen Nutzer, welche bereits mit TurboCAD® arbeiten, wichtige Tipps im Umgang mit der Software erhalten, um bisherige Arbeitsweisen zu verbessern und noch unbekannte Features kennenzulernen.
Das Buch enthält eine ausführliche Programmbeschreibung und zeigt die ersten Schritte im Umgang mit TurboCAD®. Zudem enthält es Tipps und Tricks für das zwei- sowie dreidimensionale Zeichnen, welche speziell das Arbeiten in technischen Berufen effizienter gestalten sollen, um so Nerven, Zeit und unter dem Strich bares Geld zu sparen.
Es werden Möglichkeiten und Grenzen von TuboCAD® aufgezeigt, sodass sich der Leser entscheiden kann, ob die mitgelieferten Werkzeuge den eigenen Anforderungen gerecht werden.
Die Lizenzkosten einer aktuellen Vollversion von TurboCAD® Pro Platinum, dem High End Produkt aus der TurboCAD®-Reihe, liegen bei knapp unter 1.000 Euro. Die 2D-Version ist schon unter hundert Euro zu haben. Der hohe Preissprung zu etablierten CAD-Größen wie SolidWorks® oder AutoCAD® rechtfertigt sich nicht immer für ein Unternehmen mit eigener Konstruktion, da auch TurboCAD® viele nützliche Werkzeuge zur Erstellung von technischen Zeichnungen mitbringt und für grundlegende Anforderungen der Zeichnungserstellung meist Lösungen bietet.
Ist TurboCAD® im Unternehmen implementiert, bietet es die Nutzung von zentral gespeicherten Standardvorlagen und Symbolbibliotheken, sodass Konstruktionsstandards einfach entwickelt und eingehalten werden können. Es unterstützt den Import von allen gängigen CAD-Austauschformaten und erweist sich so als Allroundschnittstelle zum Konvertieren von Zeichnungen.
Es bietet eine vielseitige Layerstruktur und ermöglicht verlaufsbasiertes Modellieren. Schnitt- und Detailansichten können aus 3D-Modellen abgeleitet und Stücklisten generiert werden. Durch externe Blockreferenzen können große Bauteilzeichnungen aufgeteilt und von mehreren Nutzern bearbeitet werden.
Eine klare Zielgruppe spricht die US-amerikanische Firma IMSI Design mit ihrer Software TurboCAD® nicht an, wenn auch eine Tendenz zur Architektur und dem Möbelbau erkennbar ist. Wo sich große Namen wie SolidWorks®, Catia®, NX® oder AutoCAD® in bestimmten Branchen etabliert haben, bleibt TurboCAD®, wohl auch wegen der im Vergleich geringeren Verbreitung, aber ohne klare Nutzerzielgruppe und versucht sich flexibel und breit aufzustellen. Zwar enthält das Programm viele eigene Architekturfeatures, bietet zugleich aber auch Normteilbibliotheken, eine Art Bohrungsassistenten, Blechbiegewerkzeuge und Befehle zum Einfügen von Symbolen für Schweißnähte, Oberflächenrauheiten und Form- und Lagetoleranzen.
Durch die jahrelange Weiterentwicklung der Software, das ständige Erweitern der Werkzeugpalette und die jährlich erscheinenden Programmupdates, verfügt TurboCAD® mittlerweile über eine beachtliche Anzahl von Befehlen, Werkzeugen und Möglichkeiten, um auch anspruchsvolle Teile zu modellieren und dank eines Feature-Baumes in die Aufbauhistorie zu sehen, einzugreifen und einzelne Arbeitsschritte gezielt zu verändern.
Viele in den letzten Jahren hinzugefügte Werkzeuge schließen immer mehr die Lücke zwischen TurboCAD® und anderen etablierten High End-CAD-Programmen.
Allerdings führt dieser Dschungel aus Werkzeugen, welche standardmäßig nicht intuitiv angeordnet und benannt sind, dazu, dass der Einstieg in das Programm deutlich erschwert wird. Zum anderen wird ein Selbststudium durch die sehr oberflächlichen und nicht branchenspezifischen Online-Tutorials nicht ausreichend unterstützt. Die fast 2500 Seiten starke Programmhilfe erklärt die Software zwar bis ins kleinste Detail, nimmt den Nutzer aber nicht beim Kennenlernen des Programmes und dem Programmeinstieg an die Hand. Daher ist eine Programmschulung oft unabdingbar, um die Software professionell zu nutzen. Das vorliegende Buch adressiert ebenfalls dieses Problem und führt den Nutzer in einem „Schritt für Schritt“-Tutorial durch die Kerngebiete 2D-Zeichnen, 3D-Konstruktion und Zeichnungsableitung anhand eines praxisorientierten Beispiels. Aufbauend auf diesem Grundverständnis vom Aufbau und der Funktionsweise von TurboCAD®, kann der Nutzer im weiteren Verlauf des Buches sein Wissen vertiefen und ist anschließend in der Lage, die Software professionell anzuwenden.
Für die Verwendung in technischen Berufen lässt sich das Programm mit ein paar Handgriffen so umgestalten, dass ein schneller Zugriff auf die notwendigen Befehle zur Erstellung von CAD-Teilen, Zeichnungsableitungen oder Stücklisten möglich ist. Welche Werkzeuge sich dafür speziell anbieten und wie das Programm auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden kann, wird in diesem Buch gezeigt.
IMSI Design hat die neue 2018er Version von TurboCAD® herausgebracht. Nach wie vor ist diese in vier verschiedenen Programmvarianten erhältlich (2D, 2D/3D, Pro Platinum und LTE). Dieses Kapitel gibt eine Übersicht über die Neuerungen gegenüber der Version 2017.
Die größte Veränderung ist der erneute Wechsel der Render-Engine. Wurde vor einigen Versionen der standardmäßig vorhandene LightWorks-Renderer durch RedSDK ersetzt, wird der Spieß in der 2018er Version wieder umgedreht. Nun ist LightWorks in TurboCAD® enthalten und RedSDK als optionales Plug-In erhältlich.
Ein neuer Benutzeroberflächenstil wurde hinzugefügt. Der sogenannte „Menüband“-Stil gibt TurboCAD® einen frischen und modernen Look und ordnet alle Befehle, Menüs und Paletten übersichtlich an. Beim Starten von TurboCAD® erscheint nun zunächst ein Fenster, in dem ein Oberflächenstil ausgewählt werden kann.
Tastatur-Shortcuts können nun aus einer Tastenreihenfolge bestehen. Einzelne oder mehrere Objekte können unabhängig von der Layer-Sichtbarkeit temporär ein- und ausgeblendet werden. Ein neuer Fangmodus erlaubt das Fangen der Mitte zwischen zwei Punkten. PDF-Dateien welche Vektor-Grafiken erhalten können nun importiert und einfacher konvertiert werden, sodass eine Bearbeitung in TurboCAD® möglich ist. 3D-Koordinaten können nun von dem „Messen“-Tool herausgegeben werden.
In der neuen TurboCAD® Version wurden außerdem einige bestehende Features angepasst. Die Layer für Hilfslinien und Zwangsbedingungen können nun gelöscht werden. Dies war in den vorherigen Versionen nicht möglich. Schraffur-Tools können nun über kleine Lücken im somit nicht geschlossenen Profil hinwegsehen und die Schraffur nach Angabe einer Toleranz dennoch hinzufügen. Die Dateikompatibilität wurde wie immer angepasst, sodass z.B. DWG oder DXF Dateien aus der aktuellen AutoCAD Version eingelesen werden können. Ab 2018 werden auch Rhino 5 Formate unterstützt.
Eine ausführliche Liste aller Neuerungen wird auf der Website gezeigt. Viele der neuen Features, werden in kurzen Video-Sequenzen innerhalb der online Hilfe gezeigt.
TurboCAD® wird in verschiedenen Versionen sowohl für PC als auch für MAC® angeboten. Nachfolgend werden diese Versionen für PC mit der Ausnahme von TurboCAD®-LTE gegenübergestellt. Alle in diesem Buch vorgestellten Befehle, Werkzeuge und Arbeitsweisen beziehen sich auf die „Pro Platinum“-Version. Viele der gezeigten Befehle sind jedoch auch schon in günstigeren Softwarepaketen wie der „2D“- oder „2D/3D“-Version enthalten.
TurboCAD® 2D
Das günstigste 2D-Paket ermöglicht einfaches Zeichnen, Ändern und Bemaßen von Grundrissen, technischer Darstellungen, Karten und Flussdiagrammen in 2D unter Verwendung von zahlreichen Zeichen-Werkzeugen. Kompatibel mit über 20 branchenüblichen Dateiformaten, wie DWG, DXF oder PDF ist der Datenaustausch mit den gängigsten CAD-Programmen möglich.
TurboCAD® 2D/3D
Die 2D/3D-Variante stellt einen Hybrid aus 2D und 3D-CAD-System dar. Ausgestattet mit allen 2D-Werkzeugen der 2D-Variante wird die Werkzeugpalette jedoch um einige 3D-Features erweitert und ermöglicht so das konzeptionelle Modellieren von einfachen 3D-Geometrien.
TurboCAD® Pro Platinum
Das Flaggschiff „Pro Platinum“ bietet die volle Palette professioneller CAD-Werkzeuge für integriertes Design, Bearbeitung, Präsentation und Dokumentation. Architektur- und Konstruktionswerkzeuge sorgen für Flexibilität und Kontrolle.
In der folgenden Tabelle werden die wichtigsten Features aufgelistet und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Programmversionen dargestellt. Weitere Produktmerkmale und Entscheidungshilfen, welche Version für die eigenen Anforderungen in Frage käme, finden sich auf der Vertriebsseite www.turbocad.de oder der Herstellerseite www.turbocad.com.
Tabelle 1 TurboCAD® Versionen im direkten Vergleich
Pro Platinum | 2D/3D | 2D | |
BENUTZERFREUNDLICHKEIT & BEDIENEROBERFLÄCHE | |||
32-Bit- und 64-Bit-Versionen | ![]() |
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Design Director für die Verwaltung von Objekteigenschaften |
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Durch Layer definierte Zeichenreihenfolge | ![]() |
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Einfaches Bearbeiten mit Ziehpunkten | ![]() |
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Konzeptionelle Auswahl | ![]() |
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Voll anpassbare Bedieneroberfläche und Anwenderpräferenzen |
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ePaket | ![]() |
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Explorer Palette für vollständige Kontrolle über Programm- und Zeichenorganisation und Standards |
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Layerfilter | ![]() |
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Layerverwaltung | ![]() |
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Abfragewerkzeuge | ![]() |
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Objektfangpriorisierung | ![]() |
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RedSDK-Modul für bessere Zeichengeschwindigkeit in den Ansichten Drahtmodell, verdeckte Linien und konzeptionelles Rendern |
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Anzeigen von 3D-Modellen | ![]() |
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ENTWURF UND BEARBEITUNG IN 2D | |||
Geometrische und bemaßungsbezogene 2D-Zwangsbedingungen (Constraints) |
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Zeichnen, Bearbeiten und Ändern in 2D | ![]() |
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Erweiterte Zeichenwerkzeuge (Zahnrad, Oberflächentoleranz, Text entlang Kurve) |
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Pfeilwerkzeuge | ![]() |
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Auto-Werkzeuge (für Bemaßung, Größenanpassung, Positionierung, Drehung und Bewegung) |
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Bézier- & schräge Kurven | ![]() |
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Pro Platinum | 2D/3D | 2D | |
Zeichnungsvergleich | ![]() |
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Entwurfspalette - Erstellen von assoziativen Querschnitten & Schnittansichten |
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Einfaches Bearbeiten mit Ziehpunkten | ![]() |
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Schraffurmusterersteller | ![]() |
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Layereigenschaften-Manager | ![]() |
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PDF-Underlaywerkzeug | ![]() |
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Säuberungswerkzeug | ![]() |
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Werkzeuge für intelligente und schnelle Bemaßungen |
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ZEICHNEN, MODELLIEREN UND BEARBEITEN IN 3D | |||
Baugruppenwerkzeuge | ![]() |
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Boolesche 3D-Operationen Vereinigung, Differenz, Schnittmenge |
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Assoziative Matrizen und Musterwerkzeuge |
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3D-Spirale | ![]() |
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3D-Muster aus zusammengesetzten Profilen |
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3D-Polylinien | ![]() |
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3D-Splinekurve | ![]() |
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3D-Oberflächenobjekte Quader, Gedrehter Quader, Kegel, Zylinder, Polygonales Prisma, Kugel, Halbkugel, Torus, Keil |
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Extrusion (einfach) | ![]() |
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Teile-/Verlaufsstruktur | ![]() |
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Extrusion entlang Führungskurve | ![]() |
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Rotation | ![]() |
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Blech- und Flächenabwicklungswerkzeuge | ![]() |
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Abwickeln von Oberflächen | ![]() |
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Spiegelkopie-Werkzeug für 3D-Objekte | ![]() |
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Entlang Pfad biegen | ![]() |
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Kante prägen | ![]() |
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3D-Schneiden durch Facette | ![]() |
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Nutwerkzeuge | ![]() |
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DATENBANK UND PROGRAMMIERUNG, INHALT | |||
Blöcke, Block-Editor und XREF-Unterstützung | ![]() |
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Pro Platinum | 2D/3D | 2D | |
Interne Datenbank und benutzerdefinierbare Daten, Möglichkeit zur externen Datenbankanbindung |
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Editor für Parametrieteile zur Erstellung und Verwaltung von 2D- und 3D-Teilen |
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Symbole, Teilebibliothek | ![]() |
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INTEROPERABILITÄT | |||
Export von 3D-PDF (inklusive U3D und PRC) | ![]() |
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Unterstützung von 3D-Druckern über STL- Import und -Export |
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Dateiformate Öffnen und Importieren | 41 | 21 | 15 |
Export von Koordinatendaten | ![]() |
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Dateiformate Speichern unter, Exportieren und Veröffentlichen |
34 | 23 | 16 |
Netzwerklizenz-Unterstützung | ![]() |
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Das Kapitel „Erste-Schritte“ beinhaltet Übungsaufgaben, deren Durchführung zum Ziel hat, den Nutzer einen schnellen jedoch fundierten und praxisorientierten Einstieg in die TurboCAD®-Software zu ermöglichen. Dabei werden die CAD-Kernbereiche 2D-Zeichnen, 3D-Konstruktion und Zeichnungsableitung abgedeckt. Der Nutzer wird dabei Schritt für Schritt durch die Aufgaben geführt und lernt sowohl den Aufbau der Standardbenutzeroberfläche als auch den Umgang mit grundlegenden Zeichen- und Änderungsbefehlen kennen. Das Kapitel „Erste-Schritte“ ist als eigenständiges und in sich abgeschlossenes Kapitel zu verstehen. Zusätzlich werden kapitelübergreifende Verweise gegeben, welche bei Bedarf weiterführende Erklärungen bieten. Die Aufgaben richten sich an CAD-Anfänger und erfahrende Programmumsteiger zugleich.
Die Übungsaufgaben können mit den TurboCAD®-Versionen „2D/3D“ sowie „Pro Platinum“ durchgeführt werden. Da lediglich grundlegende Befehle genutzt werden, können auch ältere Programmversionen genutzt werden. Die Übungsaufgaben wurden mit der Version TurboCAD® Pro Platinum 2018 erstellt und gehen von einer unveränderten Benutzeroberfläche und Programmeinstellung nach der Neuinstallation aus.
Auf der Herstellerseite von TurboCAD® kann bei Bedarf eine 30-Tage-Demo der verschiedenen Programmversionen heruntergeladen werden. Diese bieten den vollen Werkzeugumfang und eignen sich daher gut, um die Software kennenzulernen.
Bei der Programminstallation sind die Standardpfade zu empfehlen. Je nach vorhandener Hardware können grafische Darstellungen und Programmhandling variieren. Die Systemanforderungen des Herstellers sollten berücksichtigt werden, um einen einwandfreien Betrieb zu gewährleisten.
Für alle Versionen, in denen der RedSDK-Renderer enthalten oder installiert ist: Sollten erhebliche Grafikprobleme auftreten, kann zunächst unter „Optionen/ Programme einrichten/ Natives Zeichnen“ die Option „GDI“ gewählt werden. Ein Neustart ist meist erforderlich, um die Änderung wirksam zu machen. Bestehen die Grafikprobleme weiterhin, sollte der TurboCAD®-Service kontaktiert werden.
Nach den Programmstart von TurboCAD® 2018 öffnet sich zunächst das Menü „TurboCAD-Arbeitsbereichstil. In diesem Menü, welches neu in der 2018er Version ist, kann ein Arbeitsbereichsstil gewählt werden (mehr in Kapitel 2.1). Für die nachfolgenden Übungen wurde der Stil „Standardstil“ gewählt.
In den Übungsaufgaben wird ein metrisches Einheitensystem genutzt, welches in den deutschsprachigen TurboCAD®-Versionen standardmäßig voreingestellt ist. Sollte eine englischsprachige Version vorliegen, kann das Einheitensystem unter „Optionen/ Zeichnung einrichten/ Bereichseinheiten“ bzw. unter „Options/ Drawing Setup/ Space Units“ geändert werden.
Fragen und Anregungen können direkt an den Autor per Mail an info@cryocad.com gerichtet werden.
Im ersten Teil dieser Aufgabe lernen Sie die Benutzeroberfläche von TurboCAD® kennen.
Sollte Ihre Grafikkarte nicht unterstützt werden, erscheint eine entsprechende Meldung. Diese ist mit „OK“ zu bestätigen. Die Übung kann trotzdem durchgeführt werden. Soll TurboCAD® im 3D-Bereich genutzt werden, sollte eine passende Grafikkarte nachgerüstet werden, um das volle Potenzial der CAD-Software nutzen zu können.
Es wird nun eine neue Zeichnung geöffnet. Machen Sie sich zunächst kurz mit der Benutzeroberfläche vertraut. Am oberen Bildschirmrand befinden sich die TurboCAD®-Standardmenüs (Datei, Bearbeiten, Ansicht etc.). Innerhalb dieser Menüs befinden sich alle TurboCAD®-Befehle und Funktionen.
Sollte ein im Verlauf dieser Übung behandelter Befehl nicht auf der Standardbenutzeroberfläche vorhanden sein, kann dieser unter „Extras/ Anpassen/ Befehle“ der Benutzeroberfläche hinzugefügt werden (mehr dazu in Kapitel 2.1).
Unterhalb der Standardmenüs befindet sich eine Symbolleiste mit den Windows®-Standardbefehlen wie „Neu“, „Öffnen“ oder „Speichern“.
Danach folgt eine Symbolleiste, welche Objekteigenschaften wie Layer, Farbe oder Linienstärke steuert (nachfolgend Eigenschaftensymbolleiste genannt).
In der Mitte des Bildschirms befindet sich der noch leere Modellbereich, in dem später gezeichnet wird. Dieser wird rechts und links von weiteren Symbolleisten und Aufklapppaletten umgegeben. An der unteren linken Ecke des Modellbereiches befinden sich die Reiter „Modell“ und „Papier1“. Der Modellbereich dient zum Erstellen von 2D- und 3D-Objekten und der Papierbereich stellt das spätere Zeichenblatt für den Ausdruck dar.
Die am unteren Bildschirmrand angebrachten Kontroll- und Statusleisten dienen zur Eingabe von Werten beim Ausführen von verschiedensten Zeichen- und Änderungswerkzeugen. Die Statusleiste ganz unten am Bildschirm fordert Sie zu bestimmten Aktionen auf und gibt, weiter rechts im Bildschirm, Auskunft über die aktuellen Koordinaten des Mauszeigers. Weitere Informationen über die Aufmachung der Benutzeroberfläche bietet die Abbildung 2-2 auf Seite →.
Nun werden Sie ein Zeichenwerkzeug anwenden. Wird eine neue Zeichnung geöffnet, ist der Befehl „Linie“ aktiviert. Dieser befindet sich in der linken Symbolleiste. Dass ein Befehl aktiviert ist, zeigt sich durch die orangene Umrahmung des Befehlssymbols. Jedes Symbol in den Symbolleisten entspricht einem Befehl. Führen Sie die den Mauszeiger über ein Symbol und lassen Sie ihn dort kurzzeitig verharren, wird automatisch der Name des Befehls angezeigt. Dies hilft beim Erkennen und Wiederfinden von Befehlen, da die Grafiken nicht immer klar zu deuten sind. Da der Zeichenbefehl „Linie“ bereits aktiviert ist, fordert die Statusleiste Sie am unteren Bildschirmrand bereits auf, den ersten Punkt (Startpunkt) der Linie zu setzen.
Damit wurde die Linie gezeichnet. Der Linienbefehl bleibt anschließend aktiviert. Es könnten weitere Linien gezeichnet werden.
Mit dem Mausrad kann der Zoomfaktor eingestellt werden.
Mit dem „Auswählen“-Werkzeug können einzelne oder mehrere Objekte ausgewählt werden, um sie beispielsweise zu verschieben oder Informationen abzufragen. Durch das Aktivieren des „Auswählen“-Werkzeuges werden etwaig aktivierte Zeichen- oder Änderungsbefehle automatisch beendet.
Die Linie (nachfolgend beispielhaft gezeigt) wechselt nun auf die Farbe Magenta und wird mit einem Auswahlrahmen (Grenzrahmen genannt) umgeben, welcher die äußeren Grenzen der Linie erfasst.
TurboCAD® verfügt über einen 2D- und 3D-Modus. Für den weiteren Verlauf dieser Übungsaufgabe wird zunächst der 2D-Modus genutzt. Mehr Informationen zu dem Thema bietet das Kapitel 5.3.
Nutzen Sie nun das Mausrad, um sich mit der Zoom-Funktion vertraut zu machen. Durch Drehen des Mausrads können Sie den Zoomfaktor ändern und so beispielsweise in ein Bauteil hineinzoomen. Beachten Sie dabei, dass die Position des Mauszeigers beim Zoomen steuert, wohin gezoomt wird. Mit den Pfeiltasten der Tastatur oder über die Schiebeleisten am Rand des Modellbereiches, können Sie außerdem die Ansicht verschieben.
Sollten Sie beim Zoomen das Gezeichnete aus dem Blickfeld verlieren, benutzen Sie den Befehl „Grenzen anzeigen“ . Dieser befindet sich in der oberen Symbolleiste. Der Befehl vergrößert oder verkleinert den Zoomfaktor soweit, dass alle in der Zeichnung enthaltenen Objekte innerhalb des Bildschirms gezeigt werden.
Nun werden Sie die soeben erstellte Linie verschieben und drehen.
Der Mauszeiger wechselt zu einem Vierpfeilesymbol.
Die Linie hängt jetzt an Ihrem Mauszeiger und lässt sich an einer beliebigen Position, mit einem weiteren Klick, absetzen.
Das Mauszeigersymbol zeigt zwei kreisförmige Pfeile.
Die gezeichnete Linie lässt sich so um den Bezugspunkt drehen. Der Drehwinkel wird dabei in der Kontrollleiste angezeigt.
Dadurch wird die Linie gelöscht.
Sie haben somit einen ersten Eindruck über den Aufbau der Benutzeroberfläche und die Verwendung von Zeichenbefehlen in TurboCAD® erhalten.
Es folgt die erste Aufgabe „Kranhaken 2D“.
In dieser Aufgabe erstellen Sie eine 2D-Zeichnung eines Kranhakens, wie nachfolgend dargestellt.
Dabei werden die folgenden Themen behandelt:
1. Bevor Sie mit dem Zeichnen beginnen, werden zunächst Layer angelegt, welche Linieneigenschaften wie Farbe oder Dicke steuern. Mit einer Layerstruktur können Zeichnungen in mehreren Ebenen aufgebaut werden. Diese Ebenen enthalten beispielsweise die Kontur von Objekten, Schraffuren oder Bemaßungen. Jeder Layer kann dann einzeln ein- oder ausgeblendet werden, ohne die darauf befindlichen Zeichnungsobjekte zu löschen. Mehr Informationen zum Thema „Layer“ erhalten Sie in Kapitel 2.8.
Übernehmen Sie die Einstellungen für Linienstil und Stiftbreite, wie in der nachfolgenden Abbildung gezeigt.
2. Sie beginnen nun zunächst mit dem Zeichnen der Grundplatte des Kranhakens, welche aus vier Einzellinien erstellt wird.
Die genannten Objekteigenschaften werden nun über den eingestellten Layer gesteuert. Wechselt man den Layer eines Objektes, übernimmt dieses automatisch die Eigenschaften, die im Layer-Menü hinterlegt wurden. Weitere Informationen zu den Objekteigenschaften und der Layerstruktur bieten die Kapitel 2.8 und 2.9.