Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

© 2019 Sven Jungclaus

Covergestaltung: www.hochthron.com

Fotos: Wolf Silveri

Herstellung und Verlag:

BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN 9783750445277

Alle Rechte vorbehalten. Ohne vorherige, schriftliche Genehmigung

des Rechteinhabers ist es nicht gestattet, dieses Buch oder Teile

daraus in irgendeiner Form, sowohl für den privaten Gebrauch,

als auch für Unterrichtszwecke zu speichern,

zu kopieren oder anderweitig zu vervielfältigen.

Inhaltsverzeichnis

Übung macht den Meister ...

Die Fertigung eines Sakkos ist die Königsdisziplin in der Schneiderei. Dieses Kleidungsstück erfolgreich zu vollenden, bedarf einiger Übung. In der Herrenschneiderei gibt es kaum etwas, das so komplex und aufwendig in der Herstellung ist wie ein Sakko. Die Herausforderung liegt nicht nur in der Vielzahl der Arbeitsschritte, sondern vor allem in den unzähligen Möglichkeiten, sich durch ungenaues Arbeiten das Leben unnötig schwer zu machen. Viel wichtiger als schnell zu sein ist es daher, besonders ordentlich zu arbeiten – denn je später ein Fehler entdeckt wird, umso mühsamer ist seine Beseitigung. Aufmerksame Gelassenheit bringt hier mehr als kopflose Hektik.

Nur Mut!

Wesentlich ist, sich nicht von kleinen Rückschlägen entmutigen zu lassen und jeden einzelnen Arbeitsschritt gewissenhaft zu üben, bis er reibungslos funktioniert. Ein Schneiderlehrling macht in der Ausbildung hunderte Knopflöcher, Paspeltaschen und ähnliches, bis alles gleichmäßig, ordentlich und perfekt aussieht. Erst am Ende der Ausbildung, wenn alles erlernt und über Jahre verinnerlicht wurde, darf sich der Schneiderlehrling allein an ein komplettes Sakko wagen.

Die Gesamtheit zählt

Bei einem Sakko geht es nicht nur um die Verarbeitung und deren Perfektion, sondern auch um die Proportionen. Dafür braucht man ein gutes Auge und viele Jahre Erfahrung. Es macht einen Unterschied, wie breit ein Revers ist, wie die Taschenlage definiert wurde, wie lange ein Sakko ist oder wie hoch eine Crochetnaht liegt.

Dreidimensional denken

Ein gutes Vorstellungsvermögen und räumliches Denken helfen bei der Fertigung. Damit gelingen die Schulterverarbeitung, das Ansetzen des Kragens oder das Einsetzen der Ärmel leichter. Außerdem geht es in großen Teilen des Arbeitsprozesses darum, von links zu nähen und auf rechts umzudrehen.

Erst lesen - dann loslegen ...

Jedes Kapitel in diesem Buch enthält einzelne Arbeitsschritte, deren Reihenfolge wichtig für den Erfolg ist. Deshalb ist es hilfreich, sich zuerst mit dem jeweiligen Thema auseinanderzusetzen, das komplette Kapitel zu lesen und es theoretisch zu verinnerlichen. Erst dann ist es sinnvoll, sich an die Praxis zu wagen. Wer einen Arbeitsschritt überliest oder schlicht vergisst, könnte am Ende beinahe verzweifeln, weil alles wieder aufgetrennt werden muss. Lassen Sie sich Schritt für Schritt bei der Entstehung Ihres Kleidungsstücks begleiten ...
In diesem Sinne: Viel Freude, Geduld und Erfolg beim Schneidern!

Das Werkzeug

1 Knopflochzange

2 Kreuzschlitz-Schraubendreher

3 Kleiderbürste

4 Handmaß

5 Stecknadeln

6 Nähnadeln

7 Falzbein (a. d. Buchbinderbedarf)

8 Pfriem

9 Heftfaden

10 Schneiderkreide

11 Sublimierkreide

12 2-Meter-Maßband

13 Taillenmaßband

14 Nähring

15 Zwickschere

16 Zuschneideschere

17 Kreideschärfer

18 Zackenschere

Nützliche Hilfsmittel

1 kleiner Schneiderwinkel

2 großer Schneiderwinkel

3 Armloch-Schablone

4 Armloch-Kurvenlineal

5 Unterkragen-Schablone

6 Oberkragen-Schablone

7 Schulternaht-Schablone

8 diverse Pappschablonen

nach eigenem Bedarf

Das Bügel-Werkzeug

1 Ärmelbrett

2 großes Bügelkissen

3 Schulter-Bügelkissen

4 Kantenholz

5 Dampfbügeleisen

6 Sprühflasche

7 schweres Bügeleisen

8 Bügeltuch

9 Bienenwachs

Stiche einschlagen Teil 1

Damit überträgt man die Kreidestriche auf die rechte Stoffseite und das andere Stoffteil. Zuerst mit doppeltem Faden locker heften und aufschneiden.

Stiche einschlagen Teil 2

Danach zwischen den Stoffteilen vorsichtig aufschneiden. Am Ende die überstehenden Fäden abschneiden. Siehe auch "Stiche einschlagen" bei der Weste.

Heften

Zum schnellen Verbinden oder Fixieren von 2 oder mehr Stofflagen.

Pikieren

Zum dauerhaften Verbinden von 2 oder mehr Stofflagen. Wird besonders bei der Einlage (Rosshaar), beim Unterkragen und beim Revers genutzt.

Staffieren

Zum Vernähen von Futter. Kann aber auch an anderen Stellen sehr nützlich sein.

Handnaht/Rückstich

Für elastische Nähte wie z. B. die Gesäßnaht. Kann aber auch für alle anderen Nähte verwendet werden, wenn man auf die Nähmaschine verzichten möchte.

Punktstich

Wird gerne als Ziernaht zum Einnähen von Futter verwendet. Anders als beim Durchnähen soll ein Knötchen sichtbar sein.

Schnelles Durchnähen

Für Stellen, die nicht direkt ins Auge fallen, wie z. B. der Saum oder der Rückenschlitz, kann diese schnellere Variante des Durchnähens verwendet werden.

Sorgfältiges Durchnähen Teil 1

Für Kanten, Revers, Patten und ähnliches, damit diese schön flach bleiben und nicht durch Feuchtigkeit wieder aufquellen.

Sorgfältiges Durchnähen Teil 2

Diese Variante ist zwar etwas aufwendiger, ergibt aber auf beiden Seiten ein schönes Stichbild.

Ankreuzen

Dieser Stich wird nicht sehr häufig verwendet, ist aber an manchen Stellen dennoch sehr wichtig.

Hohlsaum

Ist, wie der Name schon sagt, zum Fixieren von Säumen geeignet. Anders als beim Ankreuzstich drückt sich hier beim Bügeln die Nahtzugabe nicht auf der rechten Seite durch.

Das fertige Sakko

1

Zuschnitt des Sakkos

Bei jedem Stoff ist es wichtig, auf den Fadenlauf und den Faserstrich zu achten. Hauchen Sie auf Ihre Handfläche und streichen Sie damit über den Stoff. Mit ein bisschen Übung fühlt man den Strich und erkennt die Faserrichtung. Deshalb wird auch kein Schnittteil gestürzt (gegen den Fadenlauf zugeschnitten), um Stoff zu sparen. Sonst kann dieser nämlich leicht heller oder dunkler schimmern.

2

Maße für Zutaten

Oberkragen: Länge 30 cm, Breite 60 cm

Brusttasche: Länge 10 cm, Breite 16 cm

Pattentaschen: Länge 10 cm, Breite 22 cm

obere Paspeln: Länge 20 cm, Breite 3 cm

untere Paspeln: Länge 20 cm, Breite 8 cm

Revers: Länge der vorderen Kante + 10 cm

Bei einem großen Muster wird mehr Stoff

benötigt.

Maße für Taschenbeutel

1 x Brusttasche: Länge 17 cm, Breite 15 cm

2 x Pattentasche: Länge 40 cm, Breite 20 cm

2 x Futtertaschen: Länge 20 cm, Breite 18 cm

Alle Maße sind Richtwerte und können sich je

nach Modell und Größe ändern.

Taschenbeutel

Stiche einschlagen

An folgenden Punkten werden Stiche eingeschlagen:

3

4

5

6

7

8

9

10

Stiche einschlagen

Bild 3

Nachdem das Muster beider Stoffteile exakt aufeinander gesteckt wurde, kann damit begonnen werden, an allen wichtigen Stellen Stiche einzuschlagen.

Tascheneingriff einschneiden

Bild 4

Noch bevor man am Vorderteil die Stiche aufschneidet, wird der Tascheneingriff eingeschnitten. Dies ist nötig, um die Abnäher zu nähen. Hierbei ist auf die Schräglage zu achten!

Bild 5

Erst jetzt werden die Heftstiche vorsichtig aufgeschnitten.

Abnäher nähen

Bild 6

Nun werden die Abnäher jeweils im Bruch zusammengelegt und mit Beachtung des Musters geheftet.

An der Abnäherspitze wird ein schräges Stück desselben Stoffes untergelegt. So kann die Abnäherspitze besser ausgebügelt werden. Nach dem Heften kann das Muster noch mit Stecknadeln aufeinander fixiert werden.

Bild 7

Anschließend wird der Bruch vorsichtig aufgeschnitten und der Abnäher ausgebügelt. Das unterlegte Stück an der Abnäherspitze wird stufig geschnitten.

Der Abnäher muss bei beiden Vorderteilen mittig im Muster liegen und exakt auf derselben Höhe enden. Bei asymmetrischen oder fortlaufenden Mustern kann es aber auch sein, dass die Naht verlegt werden muss und deshalb nicht in der Mitte liegen kann.

Bild 8

Jetzt wird der Tascheneingriff zusammengenäht. Dabei sollte oben und unten keine Mehrweite entstehen.

Das Vorderteil dressieren

Bilder 9/10