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DAS GROSSE BUCH DER

Hühnerhaltung

im eigenen Garten

Ein frisches Frühstücksei – vor allem, wenn es vom eigenen Federvieh stammt – ist ein Genuss. Die eifrig scharrenden Hühner mit ihrem prächtigen Gefieder vermitteln das Gefühl von ländlicher Idylle, sodass sich die Geflügelhaltung im heimischen Garten steigender Beliebtheit erfreut.

Was Sie wissen müssen, um Hühner artgerecht zu halten, erfahren Sie in diesem umfangreichen, reich bebilderten Ratgeber: Sachkundig und gut verständlich erhalten Sie wertvolle Tipps und wichtige Hinweise zu Auswahl und Vermehrung, zur Gestaltung von Stall und Auslauf sowie zur Ernährung und zum Verhalten.

Ob Sie Einsteiger sind oder erfahrener Geflügelhalter – in diesem Buch finden Sie alles Wichtige über den Körperbau und Organismus von Hühnern, die Entwicklung vom wilden Bankiva-Huhn bis hin zu den heutigen Haushuhnrassen sowie die unterschiedlichen Formen, Farben und Zeichnungen. Mehr als 50 ausführliche Porträts mit den beliebtesten Rassen, von Fleisch-, Lege- und Zwie-/Zweinutzungsrassen bis hin zu Kampf-, Zier- und Langschwanzrassen, runden die umfassende Darstellung ab.

eISBN: 978-3-625-16106-6
© Delphin Verlag GmbH
Emil-Hoffmann-Straße 1, D-50996 Köln
Autor: Axel Gutjahr
Redaktion: Martina Rözel
Umschlagmotive:
Vorderseite: © Dusan Kostic – Fotolia.com
(Hauptmotiv); Axel Gutjahr, Stadtroda (o. l.), Werner Scheuber/SAVE/OKAPIA KG (o. M.), © sylvibechle – Fotolia.com (o. r.)
Rückseite (v. o. n. u.): © xalanx – Fotolia.com, © nim_null – Fotolia.com, Gerard Lacz/OKAPIA KG, © coco – Fotolia.com, mauritius images/Alamy
Gesamtherstellung: Delphin Verlag GmbH, Köln
Alle Rechte vorbehalten

www.delphinverlag.de

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Inhalt

Vorwort

Was man vorher bedenken sollte

Geschichte und Untergliederung der Haushühner

Die Nachkommen ostasiatischer Urwaldbewohner

Riesen, Zwerge, Kämpfer und sonstige Schönheiten

Vielfalt der Farben und Zeichnungen

Anatomie und Physiologie der Hühner

Das Gefieder und die Mauser

Kämme, Kehllappen und Ohrscheiben

Anatomie und Physiologie des Verdauungssystems

Anatomie und Physiologie des Urogenitalsystems

Legeleistung und Legebereitschaft

Ernährung und Futtermittelkunde

Das Huhn – ein Allesfresser

Futter, das Hühner mögen

Besonders wichtig: das Tränkwasser

Ebenfalls unentbehrlich – Kalk und Grit

Tipps für die tägliche Fütterungspraxis

Hühnertypisches Verhalten

Am Morgen die ersten – aber auch am Abend

Keine Majestätsbeleidigung!

Gehackt wird nach erkämpfter Ordnung

Vermehrung oder Zukauf

Glucke, Apparat oder Zukauf?

Nicht alle Küken werden Hühnchen

Blutauffrischung

Rassehühner oder Hybriden?

Praxis der Hühnerhaltung

Der zweckmäßige Hühnerstall

Der Auslauf

Die Einfriedung

Gemeinsame Haltung mit anderen Nutztieren?

Abwehr von Raubwild und Schutz vor Greifvögeln

Bestandserneuerung

Beurteilung von Hühnern und Eiern

Augen auf beim Hühnerkauf

Das Ei, ein Meisterwerk der Natur

Krankheiten – Vorbeugung, Erkennung und Behandlung

Vorbeugen ist besser als Heilen

Gesetzeslage zur Minimierung seuchenhafter Erkrankungen

Beliebte Hühnerrassen

Große Legerassen

Große Fleischrassen

Große Zwie- oder Zweinutzungsrassen

Große Kampfhühner

Große Zier- und Langschwanzrassen

Zwerglegerassen

Zwergfleischrassen

Zwergzwie- oder -Zweinutzungsrassen

Zwergkampfhühner

Zwergzier- und Zwerglangschwanzrassen

Register

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Vorwort

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Hühner werden von den Menschen bereits seit Jahrtausenden gehalten.

Haushühner werden von den Menschen seit Jahrtausenden gehalten und züchterisch bearbeitet. Dabei waren die Beweggründe, welche die Menschen in früheren Zeiten zur Haltung dieses Geflügels bewogen, fast ausschließlich pragmatischer Art. Es ging darum, möglichst viele Eier und Fleisch mit diesen Tieren zu erzeugen, um so die Palette der vorhandenen Nahrungsmittel zu erweitern.

Gegenwärtig sind die Geflügelbesitzer zwar immer noch an den frischen Eiern und dem Fleisch der Hühner interessiert, aber oftmals vermischen sich bei der Haltung pragmatisch-ökonomische Beweggründe mit Freizeitaspekten. So wollen zahlreiche Geflügelhalter nicht nur Eier und Fleisch produzieren, sondern auch viel Spaß beim Umgang mit ihren Tieren haben. Dabei möchten sie ihre Tierliebe im vollen Umfang ausleben, die Verhaltensweisen der Hühner studieren und sich vielleicht bei der Vermehrung ihrer Tiere versuchen. Darüber hinaus gibt es sogar Geflügelfreunde, für die ökonomische Belange bei der Hühnerhaltung völlig in den Hintergrund gerückt sind. Sie halten zumeist Zierrassen, welche mit einem außergewöhnlichen Aussehen aufwarten, nur noch zum Vergnügen.

Aber unabhängig davon, welche Gründe bei der Hühnerhaltung überwiegen, eröffnen sie auch die Chance, zahlreiche Küchenabfälle, wie etwa hart gewordenes Brot und gekochte Kartoffelreste, sinnvoll zu nutzen und nicht in der Mülltonne zu entsorgen. Gleiches trifft auf verschiedene Gartenerzeugnisse zu, wie beispielsweise heruntergefallene, wurmstichige Äpfel, die sich durchaus als gute Ergänzungsnahrung in der Hühnerfütterung verwenden lassen.

Ein weiterer Aspekt, der in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist das Bestreben, sich gesund und vor allem weitgehend schadstofffrei zu ernähren. Immer mehr Verbraucher möchten nicht nur wissen, woher ihre Nahrungsmittel stammen, sondern auch, was darin enthalten ist. Man möchte sicher gehen, dass die Tiere, deren Fleisch gegessen wird, während der Mast nicht wachstumsstimulierende Mittel oder genmanipulierte Futterpflanzen erhielten. Bei Eiern und Fleisch, das vom eigenen Geflügel stammt, hat der Geflügelhalter die Gewissheit, dass diese Produkte hundertprozentig in Ordnung sind. Darüber hinaus weiß er, dass seine Tiere weitgehend artgerecht gehalten wurden und deshalb tatsächlich die Prädikate „Bio“ und „Öko“ verdienen.

Bekanntlich ist aller Anfang schwer – das ist auch bei der Hühnerhaltung nicht anders. Anfänger verfügen über keinen reichhaltigen Fundus an Erfahrungen, ihnen gehen bestimmte Arbeiten noch nicht so leicht von der Hand und viele fürchten sich davor, Fehler zu begehen.

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Neben den klassischen Eier produzierenden Rassen werden auch sehr gern Zierrassen, wie Seidenhühner…

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… und Paduaner, hier eine Henne, gehalten.

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Bei Eiern von eigenen Hühnern weiß man genau, dass sie die Prädikate „Bio“ und „Öko“ auch verdienen.

Letztere müssen auch nicht sein: Dieses Buch möchte dabei helfen, Fehler zu vermeiden, Stolpersteine zu umgehen und bestmögliche Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung und Pflege der Hühner zu schaffen. Darüber hinaus gibt dieses Buch Tipps und Empfehlungen, wie sich die Bewirtschaftung eines Hühnerbestandes rationell organisieren lässt.

Aber nicht nur diejenigen, die neu in die Haltung einsteigen möchten, sondern auch Geflügelfreunde, die sich schon länger mit der Pflege dieser Tiere befassen, finden in diesem Buch Anregungen für die tägliche Praxis mit den Hühnern.

Ich möchte allen herzlich danken, die tatkräftig zur Entstehung dieses Buches beigetragen haben.

Axel Gutjahr

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Die Öffnung in der Stallwand und die Hühnerleiter ermöglichen die freie Nutzung von Stall und Auslauf.

Was man vorher bedenken sollte

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Hühner können viel Freude bereiten. Aber es fallen auch vielfältige Arbeiten an, die man im Vorfeld zeitlich gut planen sollte.

Mit der Anschaffung von Tieren übernimmt man eine ganz besondere Verantwortung. Die Tiere können beispielsweise nicht wie eine Briefmarkensammlung für mehrere Wochen ignoriert werden, sondern brauchen eine kontinuierliche Betreuung. Sie benötigen täglich Futter und Wasser sowie eine gewisse Pflege. Das bedeutet nicht, dass die Tiere ständig im Mittelpunkt stehen müssen, um den sich alles dreht. Aber ihre Pflege sollte zumindest so organisiert sein, dass sie weitgehend artgerecht ist.

Deshalb ist es vor der Anschaffung der Hühner ratsam, einen Zeitplan aufzustellen, in dem die täglichen, wöchentlichen und ein- bis zweimal jährlich anfallenden Arbeiten enthalten sind. Dabei sollte man auch etwas Zeit für unvorhersehbare Arbeiten einkalkulieren, wie etwa kleine Reparaturen, die sich nicht oder nur schwer aufschieben lassen. Die Tabelle auf der folgenden Seite gibt einen Grobüberblick über die Arbeiten, die im Laufe eines Jahres anfallen. Dabei wurden die jeweiligen Zeiten für einen Bestand von etwa 15 bis 30 Hühnern kalkuliert.

Des Weiteren gilt es zu planen, wo man Futter und Einstreu für seine Hühner herbekommt beziehungsweise ob man dieses gänzlich oder teilweise selbst erzeugen möchte. In diesem Zusammenhang sollte man auch überlegen, was mit dem Stallmist passiert, der kontinuierlich anfällt. Falls man einen Garten mit Gemüse und/oder Blumenbeeten besitzt, stellt der Stallmist einen wertvollen organischen Dünger dar.

Weil der anfallende Stallmist während der kalten Jahreszeit oftmals nicht sofort eingegraben werden kann, muss eine entsprechend große Lagerstelle vorhanden sein. Diese sollte sich keinesfalls in dem für die Hühner zugänglichen Teil des Auslaufs befinden: Das überlieferte Bild vom Hahn, der auf dem Misthaufen kräht, gehört einfach nicht mehr in eine zeitgemäße Hühnerhaltung mit hohen hygienischen Standards. Falls dafür ausreichende Kapazitäten vorhanden sind, besteht auch die Möglichkeit, Teile oder den gesamten Hühnermist zu kompostieren. Bei einem solchen Kompostiervorgang entsteht eine hochwertige, nährstoffreiche Erde, die eine sehr bodenschonende Wirkung hat.

Nicht wenige Kinder finden Hühner faszinierend. In vielen Fällen wollen sie bei der Pflege mithelfen, was man ihnen nicht verwehren sollte. In Gegenteil, mitunter übt sich dabei schon in jungen Jahren, wer später ein guter Geflügelhalter wird. Beim Neueinstieg in die Hühnerhaltung bedenken manche Geflügelfreunde allerdings nicht, dass sie manchmal auch eine erwachsene Vertretungsperson mit ausreichendem Sachverstand benötigen. Diese ist beispielsweise erforderlich, wenn der Hühnerhalter (mit seiner Familie) in den Urlaub fährt, einige Tage dienstlich oder durch eine Krankheit verhindert ist und sich dann nicht ausreichend um seine Tiere kümmern kann. Deshalb hat es sich als sehr vorteilhaft erwiesen, mit einer fachkundigen Vertretungsperson planbare Ausfallzeiten, wie etwa eine Urlaubsreise, langfristig abzustimmen. Falls diese Person kurzfristig als Vertretung einspringt, muss sie genau wissen, welche Arbeiten in der betreffenden Zeit zu erledigen sind.

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Man sollte vor der Anschaffung von Hühnern überlegen, was mit dem regelmäßig anfallenden Stallmist passiert.

Wie oft fällt die Arbeit an?

Was ist zu tun?

Wie lange dauert das etwa?

täglich

imageFutter vorbereiten

imagezweimal füttern und mit Tränkwasser versorgen inklusive Reinigen der Futter- und Wassernäpfe

imagemindestens einmal Eier absammeln

imagekurzer visueller Gesundheitscheck der Hühner

imagekurzer Check, ob in Stall und Auslauf alles in Ordnung ist

imageHühnerklappe morgens öffnen und abends schließen

45 bis 90 min

einmal wöchentlich

imageReinigen des Stalls, frisch einstreuen

45 bis 90 min

einmal monatlich

imageArbeiten im Auslauf, wie stellenweise Mähen, Beschneiden von Gehölzen

imagePutzen der Fensterscheiben des Stalls, Reinigen der Lampe

60 bis 90 min

einmal jährlich

imageTiefenreinigung des Stalls mit einem Bodendesinfektionsmittel

imageKalkanstrich an den Innenwänden (oftmals genügt es, diese Arbeit alle 2 bis 4 Jahre durchzuführen)

imagegegebenenfalls Wartungs- und Reparaturarbeiten am/im Stall

imagegegebenenfalls Wartungs- und Reparaturarbeiten an der Einfriedung

imageEinlagerung des Hauptteils des Futters (kann auch im Fachmarkt in monatlichen/vierteljährlichen Abständen gekauft werden)

imageEinlagerung von Einstreumaterial

imageEinstallen neuer Tiere

je nachdem, welche Arbeiten in dem betreffenden Jahr anfallen 1 Tag (8 Stunden) bis 4 Tage

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Hühner zu pflegen, bedeutet auch, in einem ganz hohen Maß Verantwortung für diese Tiere zu übernehmen.

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Viele Kinder sind begeistert, wenn sie bei der Pflege und Fütterung der Hühner mithelfen können.

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Man sollte vor der Anschaffung von Hühnern auch bedenken, wer sich um die Tiere kümmert, wenn man beispielsweise in den Urlaub fahren möchte.

Geschichte und Untergliederung der Haushühner

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Die Nachkommen ostasiatischer Urwaldbewohner

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Bankiva-Hahn

Gegenwärtig ist das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) die weltweit am häufigsten gehaltene Geflügelart. Seine wilde Stammform, das Bankivahuhn (Gallus gallus) lebt noch heute in den Wäldern der Philippinen, Indiens, Thailands, Birmas, Indonesiens sowie in einigen anderen südostasiatischen Regionen. Im Unterschied zu den auch als Hennen bezeichneten Hühnern, die ein rebhuhnfarbiges Gefieder aufweisen, sind die Hähne des Bankivahuhns bunt gefärbt. Außerdem besitzen sie einen langen Schwanz, der aus sichelartig gebogenen Federn besteht. Ein weiteres Merkmal dieser Hähne, das auch bei den Haushähnen erhalten blieb, ist die stolze, majestätisch wirkende Körperhaltung.

Obwohl der Beginn der Domestikation der Haushühner zumeist mit 2000 v. Chr. angegeben wird, vermuten einige Wissenschaftlicher, dass dieser in einigen südostasiatischen Regionen bereits 3000 bis 4000 Jahre früher erfolgte. Ihre nicht abwegig erscheinende Theorie stützen diese Wissenschaftler vor allem darauf, dass die ersten Hühner bereits vor rund 3500 Jahren nach Europa gelangten. In Europa fand dieses neuartige Geflügel zunächst in der Mittelmeerregion eine schnelle Verbreitung.

Die ersten Haushühner ähnelten in ihrem Aussehen noch stark den Bankivahühnern, doch das sollte sich im Laufe der Zeit ändern. In den folgenden Jahrtausenden begannen die Menschen, Haushühner intensiv züchterisch zu bearbeiten. Eine Vorreiterrolle nahmen dabei die zahlreichen Klöster ein, in denen die Mönche Hühner als wertvolle Eier- und Fleischlieferanten hielten. Im frühen Mittelalter begannen auch Bauernhöfe allmählich, Hühner in ihre Tierbestände zu integrieren. Schließlich setzte mit Beginn des 18. Jahrhunderts – vor allem in England und Frankreich – eine umfangreiche Rassezucht ein, die auch in der Gegenwart noch weiter betrieben wird.

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Bankiva-Henne

Riesen, Zwerge, Kämpfer und sonstige Schönheiten

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Hahn und Hennen der Rasse Cochin

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Federfüßiger Zwerghahn des Farbschlages „gelb mit weißen Tupfen“

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Dieser Federfüßige Zwerghahn repräsentiert den Schlag „gold-porzellanfarbig“.

Bei den Hühnern gibt es gegenwärtig in Europa rund 180 Rassen, weltweit sind es mehr als 300. Jede dieser Rassen zeichnet sich durch ganz typische Erbmerkmale aus, die im äußeren Erscheinungsbild (Phänotyp) zu Tage treten. Beispielsweise unterscheiden sich die einzelnen Hühnerrassen in ihren durchschnittlichen Körpergewichten, der Färbung der Ohrscheibe sowie in der Form und Größe des Kamms. Darüber hinaus ist es passionierten Geflügelzüchtern gelungen, bei den meisten Hühnerassen mehrere Farbschläge zu kreieren. Ein Beispiel dafür sind die Federfüßigen Zwerghühner, die es nicht nur in den Unifarben Weiß, Schwarz, Perlgrau, Gelb und Rot, sondern auch gold-porzellanfarbig, gelb mit weißen Tupfen und blau-goldhalsig gibt.

Ganz grob lassen sich Hühner in Groß- und Zwergrassen unterteilen. Die „Zwerge“ sind in den meisten Fällen das Resultat intensiver züchterischer Bemühungen, ausgehend von den Großrassen. Beispiele hierfür sind Barnevelder, Sussex und Seidenhuhn, deren Miniaturformen entsprechend als Zwerg-Barnevelder, Zwerg-Sussex und Zwerg-Seidenhuhn bezeichnet werden. Gleichzeitig gibt es aber auch einige Zwergrassen, wie etwa Bantam und Chabo, von denen keine Großrassen existieren.

Innerhalb der Groß- und Zwergrassen erfolgt normalerweise noch eine weitere, detailliertere Untergliederung in Lege-, Fleisch-, Zweinutzungs- oder Zwie-, Zier- und Langschwanzrassen sowie in Kampfhühner.

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Seidenhühner gibt es als Groß- (r.) und als Zwergrasse (u.).

Einiges zum Thema „Rasse“

Im züchterischen Sinn stellen Rassen die biologische Untereinheit einer Tierart dar. Um ihre Erhaltung zu sichern, ist es erforderlich, nur Tiere aus dieser Rasse miteinander zu verpaaren. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass sich Vertreter zweier Rassen nicht miteinander kreuzen lassen. Im Gegenteil, derartige Kreuzungen sind problemlos möglich und daraus gehen stets fruchtbare Nachkommen hervor. Diese sind allerdings nicht rasserein und werden deshalb als Bastarde, Hybriden oder auch Mischlinge bezeichnet. Im Unterschied zu den Tieren bezeichnet man die die biologischen Untereinheiten bei den Pflanzen nicht als Rassen, sondern als Sorten.

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Die Weißen Leghorns gehören zu den Legerassen.

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Von einigen Zwergrassen, wie etwa vom Chabo, existieren keine „XXL-Varianten“.

Bei den Legerassen handelt es sich vorwiegend um sehr feingliederig gebaute Tiere, die fast immer eine sehr hohe Anzahl an Eiern pro Jahr legen. Zumeist sind das über 200 Stück, wobei Spitzentiere sogar etwa 300 Eier pro Jahr produzieren. Fast alle Legerassen haben sich als hervorragende Flieger erwiesen, weshalb man sie in Einfriedungen halten sollte, die mindestens 1,80 m hoch sind. Ein Nachteil der Legerassen besteht darin, dass ihr Bruttrieb weitgehend weggezüchtet wurde. Aus diesem Grund erbrütet man ihre befruchteten Eier entweder künstlich oder schiebt sie Ammenglucken unter, also Rassen, die sich durch gute Muttereigenschaften auszeichnen. Hervorragende Ammenglucken sind beispielsweise die Rassen Sussex und Brahma.

Bei guter Fütterung erweisen sich die Fleischrassen fast immer als sehr wuchsfreudig. Ihr Körperbau ist wuchtig und vollfleischig. Die Hähne wiegen häufig 3,5 bis 5,5 kg, während die Hühner im Durchschnitt 0,5 bis 1,5 kg leichter sind. Des Weiteren zeichnen sich die Vertreter der meisten Fleischrassen durch ein ruhiges, nervenstarkes Wesen aus und erweisen sich bei Weitem nicht so flugfreudig wie Legerassen. Die durchschnittliche Anzahl an Eiern, die pro Huhn und Jahr gelegt wird, schwankt normalerweise zwischen 100 und 170 Stück.

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Ein Beispiel für die Fleischrassen sind die Sussex.

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Die Orpingtons gehören zu den schwersten Fleischrassen.

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Bei den Vorwerkhühnern handelt es sich um eine gegenwärtig häufig gehaltene Zwierasse.

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Vom Typ her sind Brahmas eigentlich kräftige Fleischhühner, sie werden aber traditionell zu den Zierrassen gezählt.

Die manchmal auch als Mehrzweckrassen bezeichneten Zwierassen