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1. Auflage Mai 2019

© 2019 edition riedenburg

Verlagsanschrift Anton-Hochmuth-Straße 8, 5020 Salzburg, Österreich

Internet www.editionriedenburg.at

E-Mail verlag@editionriedenburg.at

Lektorat Dr. Heike Wolter, Regensburg

Bildnachweis Fotolia.com: Zaubernde Kinder am Cover © Andrey Kiselev Zaubersymbole und Grafiken im Buchblock © danielabarreto Papierseiten © Can Yesil, Rahmen © ARTvektor

Portrait Hanna Grubhofer Umschlagrückseite © anwora.com Fotos im Buchblock: © Hanna Grubhofer

Satz und Layout edition riedenburg

Herstellung Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN 978-3-9908-2016-2

Inhalt

IDMUNG

Das „Zauberbuch Familienfrieden konkret" widme ich all den starken Müttern und Vätern, die beschlossen haben, mit ihren Kindern ein achtsames, selbstbestimmtes und geborgenes Leben zu leben.

Meine besondere Wertschätzung gilt dabei den Alleinerzieherinnen und Alleinerziehern. Sie müssen viele Entscheidungen mit sich selbst ausmachen und können sowohl freudige als auch schwierige Familien-Zeiten nicht immer mit einem Erwachsenen teilen. Mutter oder Vater zu sein ist schon eine Herausforderung. Diesen Weg oft ganz auf sich alleine gestellt zu gehen, ist unglaublich schwer.

Besondere Achtung möchte ich außerdem jenen entgegenbringen, die selbst eine schwierige eigene Kindheit erlebten, ihre Geschichte aufgearbeitet haben und nun einen anderen Weg mit ihren Kindern einschlagen. Nicht in die alten Fahrwasser zu kommen, sondern sich immer wieder aufs Neue aufzumachen, um neue Wege zu beschreiten, braucht nicht nur Mut, sondern auch viel Kraft und Durchhaltevermögen.

EINLEITUNG

Mit meinem zweiten Buch, dem „Zauberbuch Familienfrieden konkret", möchte ich alle einladen, noch eine Spur tiefer in die Familienwelt einzutauchen. So lässt sich das Besondere am Kindsein erkennen und weiter leben – mit den Kindern und als Erwachsener.

Seit dem Erscheinen meines ersten Zauberbuches habe ich zahlreiche Rückmeldungen und Fragen erhalten. Etliche davon bezogen sich auf konkrete Situationen:

Viele wollten außerdem von mir wissen, welche Erfahrungen ich selbst gemacht habe, und wie ich zu dem geworden bin, was ich heute bin und wonach ich handle.

Das „Zauberbuch Familienfrieden konkret" möchte Antworten auf all diese Fragen geben. Dafür liefert es direkte Einblicke in unser Leben als Großfamilie und beleuchtet Stationen, die Weichen gestellt haben. Es ist also gleichsam ein Rückblick auf meine eigene Geschichte und eine Anleitung für das Umsetzen der Haltung der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) im Alltag sowie in speziellen Situationen.

Zugleich möchte mein Buch jede Familie darin bestärken, ihren eigenen individuellen Weg zu gehen, um Entscheidungen mit einer klaren Sicht und aus tiefstem Herzen zu treffen.

Und es soll die Freiheit geben, Sichtweisen und Entscheidungen zu ändern, wenn sich die Umstände geändert haben.

Ein wichtiger Aspekt im Zauberbuch Familienfrieden war schon immer die Leichtigkeit: Es ist kein verkopftes Lehrbuch, sondern bietet die Möglichkeit, stets bei seiner Linie der Gewaltfreien Kommunikation zu bleiben und diesem Weg treu zu bleiben. Auch, wenn es anfangs eigenartig wirkt und Mut braucht, diesen neuen Weg zu betreten.

Ich wünsche allen Familien viel Klarheit und ein gutes und authentisches Durchwandern der Höhen und Tiefen, die das Familienleben mit sich bringt.

Gemeinsam die Groβen verbuddeln

DIE GEWALTFREIE
KOMMUNIKATION
ALS FUNDAMENT

In meinem „Zauberbuch Familienfrieden" habe ich die Gewaltfreie Kommunikation, kurz GFK, als ein Werkzeug des achtsamen Miteinanders ausführlich erklärt. Hier soll daher eine kurze Zusammenfassung ausreichen.

Die GFK basiert auf vier Schritten, denen meist ein „Wolfsgeheule" vorangeht. Dieses zeigt auf, dass einen etwas emotional bewegt. Die darauffolgenden „Giraffenschritte" sind folgende:

GIRAFFENSCHRITT 1: BEOBACHTUNG

Die Beobachtung, der erste Schritt dient dazu, eine Situation so zu beschreiben, dass wir sie nicht beurteilen. Wichtig dabei ist...

  1. zu beschreiben, was ich erlebt habe mit der Verbindung zur persönlichen Meinung. Statt: „Du bist zu nachlässig." Besser: „Wenn ich sehe, dass du am Abend vor der Prüfung beginnst zu lernen, FINDE ICH, dass du zu nachlässig bist."
  2. Verben mit bewertendem Beigeschmack wegzulassen und stattdessen die konkrete Situation zu beschreiben. Statt: „Susi ärgert die anderen Kinder." Besser: „Susi stellt den anderen Kindern Fragen, während sie ein Spiel spielen."
  3. die fälschliche Annahme zu korrigieren, dass die eigene Meinung über Gedanken und Gefühle einer anderen Person die einzig richtige ist. Statt: „Jakob kommt wieder einmal zu spät." Besser: „Ich glaube, Jakob hat jetzt den Bus verpasst."
  4. nicht Annahmen und Wissen zu vermischen. Statt: „Wenn du hochkletterst, dann fällst du runter." Besser: „Wenn du hochkletterst, befürchte ich, dass du hinunterfallen kannst."
  5. eine genaue Bestimmung der Bezugspersonen zu machen. Statt: „Teenager sind frech." Besser: „Ich habe nicht erlebt, dass die Jugendlichen beim Supermarkt höflich sind."
  6. keine bewertenden Wörter zu verwenden, die die Fähigkeit beschreiben. Statt: „Noah ist ein schlechter Fußballspieler." Besser: „Noah hat in den letzten 20 Spielen kein Tor geschossen."
  7. Adverbien und Adjektive wegzulassen, die eine Bewertung beinhalten. Statt: „Gustav ist dumm." Besser: „Die Fragen, die Gustav stellt, verwundern mich."
  8. daran zu denken, dass Worte wie „immer", „niemals", ,,jemals" oder „jedes Mal" Generalisierungen sind und nicht der Wahrheit entsprechen.

GIRAFFENSCHRITT 2: GEFÜHLE

Bei der GFK dreht es sich mmer wieder darum, sich zu fragen:

Unser Ziel ist es, Gefühle auszudrücken anstatt „Nicht-Gefühle" zuzulassen. Interpretationen sind dann vorhanden, wenn nach dem Wort „fühlen" Worte kommen wie:

Es gilt zu unterscheiden zwischen unserem Denken, wie wir sind oder wie jemand anderer ist, und dem, was wir fühlen: „Ich fühle mich unzulänglich als Gitarristin" vs. „Ich bin (fühle mich) als Gitarristin enttäuscht über mich selber".

Was andere sagen oder tun, mag ein Auslöser für unsere Gefühle sein, ist aber nie ihre Ursache.

Unsere Gefühle kommen aus der Entscheidung, wie wir das, was andere sagen oder tun, aufnehmen wollen. Sie entstehen aus unseren Bedürfnissen und Erwartungen in der jeweiligen Situation und können dadurch von Mensch zu Mensch und auch von Situation zu Situation verschieden sein.

Auf negative Äußerungen gibt es folgende Reaktionsmöglichkeiten:

  1. Uns selbst die Schuld geben: Hier wird das Urteil des anderen akzeptiert; das wiederum geht auf Kosten unseres Selbstvertrauens, erzeugt in uns Schuldgefühle, Scham oder Depressionen.
  2. Dem anderen die Schuld geben: Wir ärgern uns und rufen Schuldgefühle beim anderen hervor. Jemanden durch Schuldgefühle zu motivieren, funktioniert so, dass die Verantwortung für die eigenen Gefühle der anderen Person zugeschrieben wird: „Mama und Papa sind ganz traurig, wenn du schlechte Noten in der Schule bekommst." Wenn Kinder sich nach einer solchen Ansage anders verhalten, tun sie es nicht von Herzen, sondern weil sie (Schuld)Gefühle vermeiden wollen.
  3. Annehmen, was ist, ohne jemandem (weder mir noch dem Gegenüber) die Verantwortung zu geben, sondern zu spüren, wie es mir damit geht.

GIRAFFENSCHRITT 3: BEDÜRFNISSE

Was brauchen wir, damit es uns gut geht? Was fehlt in einer bestimmten Situation?

GIRAFFENSCHRITT 4: BITTEN

Eine Bitte im Sinne der GFK ist ein Angebot an jemand anderen, etwas zu tun, um mir mein Leben schöner zu machen. Ziel der Bitten ist ein Bewusstmachen des eigenen Bedürfnisses. Die anderen sollen auf dieses reagieren, wenn sie es möchten.

Diese Bitte kann der andere mit „Ja" oder „Nein" beantworten, beide Antworten sind für mich in Ordnung. Ärgere ich mich allerdings über ein „Nein", dann war es eine Forderung und keine Bitte. In diesem Fall sollte ich mir überlegen, wie ich mir selbst das Leben schöner machen kann. Ich kann beispielsweise die Aufgabe selbst übernehmen, jemand anderen darum bitten, eine andere Strategie finden, mein Bedürfnis zu erfüllen, oder merken, dass mir das Bedürfnis nicht so wichtig ist und von meiner Bitte ablassen.

Grundsätzlich ist es gut, Bitten so zu formulieren:

Ich möchte abschließend ein Beispiel für alle Punkte zeigen. Zuerst so, wie es nicht geht:

Ich bitte Jakob, den Esstisch abzuräumen: „Jakob, kannst du bitte die Teller und das Besteck in die Küche tragen? "Jakob: „Nein, ich will das nicht machen." Ich: „Das finde ich echt fies. Ich koche, ich räume auf, und du kannst nicht einmal das machen? Geh in dein Zimmer, ich will dich nicht sehen!" – Das ist eine Strafe, vielleicht räumt er nun missmutig die Teller weg, vielleicht geht er Türe knallend in sein Zimmer.

Besser geht es so:

Ich bitte Jakob, den Esstisch abzuräumen: „Ich hatte einen anstrengenden Tag und würde mich sehr freuen, wenn ich Unterstützung bekomme. Kannst du bitte die Teller und das Besteck in die Küche tragen? "Jakob: „Ich hasse es, schmutzige Teller von anderen anzufassen." Ich: „Ok, verstehe, könntest du dann etwas anderes machen?" Jakob: „Ja, was denn?" Ich: „Du könntest zum Beispiel Tim und Moritz helfen, sich bettfertig zu machen, während ich den Esstisch abräume. "Jakob sagt nun entweder: „Ja, ok." oder: „Nein, ich bin selbst müde und mag einfach nicht mehr." Dann ist das für mich auch in Ordnung und ich mache sowohl das Esszimmer fertig als auch die Vorbereitung fürs Schlafengehen. Oder auch ich entscheide mich dafür, das Esszimmer nicht aufzuräumen, weil ich selbst zu müde bin, und mache dies am nächsten Tag.

DIE AUSWIRKUNGEN DER
GEWALTFREIEN KOMMUNIKATION
AUF MEIN LEBEN

Das Leben mit der GFK hat – neben einer genaueren Sprache – für mich eine große Einstellungsänderung gebracht und ein noch genaueres Bewusstsein geschärft.

Eine der größten Veränderung war, eine Bitte nicht als Forderung zu formulieren. Und auch ganz frei und froh darüber zu sein, wenn jemand meine Bitte abschlägt und so gut für seine Grenzen sorgt. Ganz viel habe ich das bei meinen Kindern üben können, die sehr ehrlich zu mir sind. Ich habe mir bei ihnen sehr oft ein „Nein" abgeholt, was mich anfangs ärgerlich gemacht hat.

Nun weiß ich: Auch ich kann mich zu einem „Nein" entscheiden und die Teller einmal nicht wegräumen, wenn mich das nicht glücklich macht oder ich zu müde bin. Dadurch habe ich viel an Entscheidungsfreiheit gewonnen und kann sie ebenso gut anderen einräumen. Mein Leitsatz „Ich muss im Leben nichts, außer sterben" hat somit einen tieferen Sinn bekommen.

Das genaue Beobachten und Beschreiben einer Situation hat bei mir bewirkt, dass ich fast alle Situationen positiv und als Lernprozess für mich sehen kann. Verletzt in einem Streit ein Kind das andere, dann sehe ich es in seinem Versuch, für sein Bedürfnis zu sorgen. Es ist dann vielleicht hilflos und überfordert und sieht keine andere Lösung, als zuzuschlagen. Das bedeutet nicht, dass ich das gut finde. Doch ich erkenne die Notwendigkeit einer guten Begleitung. Durch Unterstützung können Kinder eigene Grenzen gewaltfrei ausleben und gleichzeitig ihre Bedürfnisse stillen.

Die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu kennen und benennen zu können, hat mir für mein Leben viel Klarheit gebracht. Zugleich hat mir dies unendlich viel Einfühlung in andere Lebewesen ermöglicht. Dies ist vielleicht eine DER Weichenstellungen gewesen.

Seitdem kann ich nicht mehr „unbedarft" durch den Supermarkt gehen und mir kaufen, was mich anlacht. Ich kannn dafür jene Produkte einkaufen, bei denen ich überzeugt bin, dass meine Bedürfnisse und die der Produzenten erfüllt sind. Billigläden sind für mich dadurch zum No-Go geworden. Und auch mein Leben in und mit meiner Umwelt hat sich nochmals weiter verändert – im Sinne von mehr Achtsamkeit vor den Bedürfnissen der Lebewesen rund um mich herum.

Diese „Nebenwirkungen" der GFK in Verbindung mit den Erlebnissen, die mein Leben für mich bereithält, haben mich zum Glück in vollem Ausmaß getroffen und ich bin zutiefst dankbar dafür.

MIT KINDERN NEUE
WEGE GEHEN:
INSELN FÜR ANDERE
LEBENSFORMEN

DER ANDERE ALLTAG

Was bedeutet es, im Alltag, authentisch zu leben, den Bedürfnissen der Kinder und uns Erwachsenen gerecht zu werden und achtsam mit unserer Umwelt zu leben? Und zugleich darauf zu achten, dass die Kinder so heranwachsen, dass sie weiterhin kreativ sein können, neugierig und selbstbestimmt und genauso eine Wahlfreiheit und die Selbstwirksamkeit ihrer Handlungen erleben können?

In Anbetracht der kritischen Situation unseres Planeten ist es mir zusätzlich wichtig, ökologisch und nachhaltig zu leben, sodass unsere Kinder eine Zukunft auf dieser Erde haben. In diesem Kapitel möchte ich über meine Gedanken und Wege dazu berichten.

ECHTE ABENTEUER

Einen großen Erfahrungsschatz, den viele Kinder nicht mehr gewinnen, sind echte Abenteuer. In unserer Welt, wo die Kinder immer mehr behütet sind, gibt es kaum noch die Möglichkeit, selber eine Schwierigkeit zu bestehen, um daraus zu lernen und zu wachsen. Dabei machen Abenteuer so wahnsinnig viel Spaß! Ich kann mich noch gut an meine Spiele als Kind erinnern: Wir spielten Indianer – heute würde ich Native Americans sagen – und haben unsere Büffelherden gehütet und ausbrechende Büffel wieder eingefangen. Das waren die Schafe des Nachbarbauern in unserem Urlaub.

Diese wahren Abenteuer sind für uns Erwachsene oft ganz klein, für die Kinder aber riesengroß. Und in ihrer Phantasie werden sie womöglich noch viel größer.

Meine Kinder beispielsweise beginnen, im Garten ein Loch zu graben, um bis zum Erdkern vorzustoßen. Seit es immer wieder Kupferdiebstähle bei der Eisenbahn gibt, sammeln sie ganz viel altes Kupfer, um damit so richtig reich zu werden. Jedes ausgediente Elektrogerät wird als Schatz nach Hause geschleppt, um dann fachmännisch im Keller zerlegt zu werden und das Metall zu gewinnen. Denn immerhin wollen sie damit sich ein Schiff kaufen, um Haie zu retten!

Ein Abenteuer ist es auch, einen gegen die Fensterseheibe geprallten Vogel zu versorgen, bis er wieder fit ist und fliegen kann. Aus chemischer Sicht abenteuerlich ist es, wenn sie beispielsweise Versuche machen, mit Backpulver und Essig einen Korken „explodieren" lassen. Sie haben sich auch schon ein Floß gebaut, um damit die Donau entlang zu fahren. Ebenso war ein Lager im Wald dran, um Tiere zu beobachten.

Dies alles sind Momente, in denen meine Kinder mit leuchtenden Augen vor mir stehen und sich unheimlich stark und mächtig sehen. Sie gehen voller Tatkraft ans Werken und entdecken in ihrer Phantasie die Welt neu. Falls das Ziel mal nicht erreichbar ist: Kein Problem. Das Floß wurde damals zu Wasser gelassen und hielt nicht stand: Sie haben es daraufhin gleich in ein Lagerfeuer umfunktioniert!

Meine älteren Kinder haben auch schon viele Ideen gehabt, um sich selbst und ihre Grenzen kennenzulernen. So ist Lukas mit einem Freund per Kompass durch den Wienerwald marschiert, immer gerade, mit dem Ziel, bei dem Freund zu Hause anzukommen. Die Entfernung nach Luftlinie waren wohl zehn Kilometer. Doch keiner hatte bedacht, dass es permanent in Täler hinab und wieder hinauf ging. Nach sechs Stunden kamen sie ziemlich erschöpft und überglücklich am Zielort an.

Abenteuer erleben Kinder auch dabei, den eigenen Körper sowie den des Freundes oder der Freundin kennen zu lernen. Es ist ein achtsames und vorsichtiges Herantasten, ein In-sich-Hineinspüren, was einem selbst gut tut, und ein Austauschen darüber, wie es dem anderen geht. Beneidenswert. Da gibt es eine Offenheit, Dinge klar zu besprechen und sich genauso klar abzugrenzen, untereinander – und auch uns Erwachsenen gegenüber.