Der »Schillingshof« hieß es, das herrliche, alte Haus, nahe der
Benediktinerkirche; im Volksmund aber war und blieb es »das
Säulenhaus«, ob auch die Neuzeit ganze Straßenfronten mit Säulen
und Säulchen schmückte und so eigentlich die Auszeichnung aufhob.
Ein Benediktinermönch hatte das Haus gebaut.
In jenen Zeiten, wo die Beherbergung von Reisenden noch kein
städtisches Gewerbe war, nahmen sich die Klöster und Ritterburgen
der durchziehenden Fremden an. Mancher Klosterorden errichtete zu
diesem Zweck ein Hospiz auf seinem Grund und Boden - so war das
Säulenhaus entstanden. - Das Kloster war ein sehr reiches, und
Bruder Ambrosius, der Baumeister und Bildhauer, war
schönheitstrunken von Italien heraufgekommen; zudem galt es, ein
standeswürdiges Unterkommen zu schaffen für gefürstete Häupter und
hochgräfliche Herren, die mit Ehegemahl und Gefolge oft des Weges
daher zogen und gern an das Klostertor klopften - dies alles
machte, daß sich neben dem plumpen Giebelbau des Bruderhauses jene
köstliche Fassade erhob, die auf einem hallenartigen,
weitgeschwungenen Säulengang ein Obergeschoß mit halbrundbogigen
Fenstern trug, und in jeder Bogenfüllung, auf Konsolen und Friesen,
und auf den Pfosten der mächtigen Rundbogentür, innerhalb der
offenen Halle, den bewunderungswürdigen Schmus einer ganzen
steinernen Vegetation zeigte. Während der Oberbau zu beiden Seiten
zurücktrat, lief das Erdgeschoß mit feinem Säulengang um je drei
Fenster flügelartig weiter; so stieß nur dieses untere Stockwerk
hart an die südliche Klosterwand und bildete, durch Steinbrüstungen
gekrönt, zwei luftige Seitenterrassen, auf die verschiedene Türen
des Obergeschosses mündeten.
Was dieser Fremdling auf deutschem Boden in jenen versunkenen
Zeiten erlebt und gesehen, davon wusste das neunzehnte Jahrhundert
nur wenig. Damals hatte das Benediktinerkloster außerhalb der
Stadt, im freien Felde gelegen; nur einige Lehmhütten hatten sich
wie versprengt am gegenüberliegenden Saum der Heerstraße in das
Strauchwerk geduckt und kaum die Holzladen ihrer Fensterlöcher
gelüftet, wenn abends Pferdegetrappel und herrische Stimmen vor der
gewaltigen, die Klostergebäude umschließenden Mauer laut geworden
waren.
Der grell auftauchende Flammenschein der Pechfackeln im Hofraum,
der höllische Lärm, den die tobenden Klosterhunde und die Reisigen
mit ihren wiehernden und stampfenden Rossen verursachten, erlosch
nach kurzem wie ein toller Spuk, und die Hüttenbewohner krochen
neidisch in ihre Höhlen zurück; denn so viel wussten sie, daß das
Kloster einen herrlichen Wein schenkte und seine Schlote Tag und
Nacht dampften ... Drin aber, hinter den teppichverhangenen
Fenstern der weiten Säle flimmerte das Licht dicker Wachskerzen von
den eisernen Reifen der Deckenleuchter, und die hochgeborenen
Herren und Frauen, der beengenden und verhüllenden Reitertracht
ledig, sammelten sich um die langen, mit dem fürstlich reichen
Silbergeschirr des Abtes beladenen Eichentische. Da kreisten die
Becher oft bis weit über Mitternacht, die Würfel klirrten, und die
fahrenden Spielleute, denen drüben im Bruderhause zur nächtlichen
Rast Stroh auf die Steinfliesen geschüttet morden war, durften
kommen und aufspielen, solange die müden Finger und Kehlen
aushielten.
Sie kamen oft von verschiedenen Seiten her, die großen und
mächtigen Herren, um in dem durch Klosterschutz gefeiten
Säulenhause geheime Vereinbarungen zu treffen: manche wichtige
Urkunde aus jenen Zeiten bezeichnet das Benediktinerkloster als den
Ort ihres Ursprunges. Und die Herren Benediktiner hatten sich nicht
schlecht dabei gestanden. Sie waren stets, ohne im Säulenhaus
gegenwärtig zu sein, lediglich vermöge ihres Scharfsinnes, ihrer
feinen Kombinationsgabe, den geheimen Verhandlungen ihrer Gäste
gefolgt, und dieses oft an ein Wunder grenzende Wissen hatte ihnen
einen unberechenbaren Einfluss in die Hände gespielt.
Später, zu Ende der Reformation, wanderten die Klosterbrüder aus.
Das Säulenhaus und den größeren Teil von Wald, Wiesen und Feld
brachte das Geschlecht derer von Schilling an sich; die kleinere
Hälfte aber und das Kloster selbst mit seinen Wirtschaftsgebäuden
kam in die Hände des Tuchwebers Wolfram. Die von Schilling brachen
die hohe Mauer weg, die das Säulenhaus von der Heerstraße trennte,
und verlegten sie, so hoch sie war, zwischen ihr Grundstück und das
des Tuchwebers, denn dazumal war eine freundnachbarliche
Gemeinschaft undenkbar ... Die Lehmhütten verschwanden; der
betriebsame Geist der Stadt sprengte die enggewordenen Stadtmauern;
er schob neue Straßen wie Fangarme in das Feld hinaus, und nach
Verlauf kaum eines Jahrhunderts lag das Säulenhaus inmitten eines
stattlichen, volksbelebten Stadtviertels, wie ein wunderseltenes
Goldkäferlein, verstrickt in die Netzfäden einer fleißigen
Spinne.
Und die Herren von Schilling waren mit diesem neuen Geist gegangen.
Ein Nürnberger Meister hatte ihnen an Stelle der niedergerissenen
Mauer, die Straße entlang ein kunstreiches Eisengitter, klar und
durchsichtig wie ein Brabanter Spitzenmuster aufgestellt; den
ehemaligen grünen Anger dahinter durchkreuzten schmale, mit
farbigem Sand bestreute Gänge und teilten ihn in einzelne
Rasenstücke und Blumenbeete voll Rosen, Salbei und bunter Nelken;
vor der Säulenhalle sprangen Brunnen aus einem hochgetürmten,
schönen, schneeweißen Steinabbild, und seitwärts schatteten seltene
Zierbäume. Die Tuchweber nebenan aber waren viel konservativer, als
die Ritterlichen im Schillingshof. Sie rissen nicht nieder und
bauten nicht; sie stützten nur, und wo ein Stein wankte, da wurde
er mit ängstlicher Sorgfalt wieder eingekittet; deshalb hatte das
»Klostergut«, wie sie ihr Besitztum fort und fort benannten, nach
fast drei Jahrhunderten noch vollkommen das Aussehen, das ihm die
Mönche gegeben. Altersdunkel zwar, in der gewaltigen Balkenlage ein
wenig verschoben, und scheinbar tiefer in die Erde eingesunken, hob
sich der Giebelbau ungeschlacht und finster wie immer hinter der
Straßenmauer. Und diese Mauer war eitel Flickwerk, wie das eichene
Bohlengefüge in ihrem hochgewölbten Torbogen, wie das Pförtchen zur
Seite der großen Einfahrt, an welchem einst die müden Fußgänger um
Einlass geläutet, und das heute noch wie damals in denselben Lauten
rasselte und schnarrte, wenn um sechs Uhr abends die Leute aus
allen Gassen und Straßen herbeikamen, um, ebenfalls wie seit alten,
alten Zeiten, die Milch bei den ehemaligen Tuchwebern zu holen;
denn die Wolframs hatten sehr bald den Webstuhl mit der
Ackerwirtschaft vertauscht, und emsig, wo sie irgend konnten, Grund
und Boden und Triftgerechtigkeiten der Stadtflur käuflich an sich
gezogen. Sie kargten und sparten, und zäh, hartköpfig und beständig
von Charakter waren sie alle, wie sie nacheinander kamen. Die
Männer scheuten sich nicht, hinter dem Pflug herzugehen, und die
Hausfrauen, eine nach der anderen, standen zur Abendzeit pünktlich
auf ihrem Posten am Milchschanktisch, auf daß kein Pfennig durch
ungetreue Mägde in fremde Hand komme. Und sie taten recht, die
Wolframs, wie es sich im Lauf der Zeiten auswies. Ihr Reichtum
wuchs, und mit ihm das Ansehen; sie wurden fast ohne Ausnahme in
den Rat der Stadt gewählt, und endlich nach abermals hundert Jahren
kam auch die Stunde, wo die Herren von Schilling es für angezeigt
hielten, zu bemerken, daß sie einen Nachbar hatten. Von da an
entspann sich ein freundlicher Verkehr. Die hohe Mauer blieb zwar
stehen - sie hatte sich inzwischen vom Schillingshofe her mit dem
undurchdringlichen Geflecht einer köstlichen Weinrebensorte
bedeckt, und drüben umklammerte sie dunkler Efeu mit zähen Armen -
aber der Geist einer humaneren Zeit schlüpfte über sie weg; die von
Schilling fanden es nicht mehr unter ihrer Würde, einen kleinen
Wolfram über das Taufbecken zu halten, und wenn sie den
nachbarlichen Senator zu Tische luden, so fiel es ihm nicht ein,
besondere Ehre darin zu sehen. Ja, es trat die Macht des Wechsels
allmählich, im Laufe des letzten Jahrhunderts, so hart an beide
Geschlechter heran, daß, während die einst missachteten Tuchweber
mit Patriziernimbus vor ihren Truhen voll verbrieften, reichen
Besitztums standen, die Kästen derer von Schilling sich in
erschreckender Weise leerten. Sie hatten zu vornehm, in stolzer
Üppigkeit gehaust, und der letzte Senior der Familie, der Freiherr
Krafft von Schilling, stand bereits voll zitternder Angst mit einem
Fuße über dem Abgrund des selbstverschuldeten Unterganges, als der
Vetter starb, dem sie Hab und Gut verpfändet hatten. Und das war
die Rettung des sinkenden Geschlechtes - der einzige Sohn des
Freiherrn heiratete die einzige Tochter des Verstorbenen und mit
ihr kamen alle Güter an das Schillingsche Haus zurück. Das geschah
im Jahre 1860.
In dieses rettende Jahr fiel aber auch ein Ereignis, das im
Nachbarhaus« mit einem wahren Jubel begrüßt wurde. Durch mehrere
Generationen hindurch hatte die Familie Wolfram immer nur auf zwei
Augen gestanden; seit fünfzig Jahren aber war kein männlicher Erbe
auf dem Klostergut geboren worden. Der Letzte des Stammes, der Rat
und Oberbürgermeister der Stadt, Franz Wolfram, hatte sich
infolgedessen zum finsteren wortkargen Eheherrn umgewandelt, dem
der Groll sichtlich am Herzen nagte. Fünf Töchterlein hatten
nacheinander das Licht der Welt erblickt, alle so »unausstehlich«
flachshaarig wie die Mutter, alle mit der Neigung im kleinen,
bangen Kerzen, sich vor dem gestrengen Vater in dunkle Winkel zu
verkriechen, bis sie nach kurzem Dasein die hellockigen Köpfchen
erlöst und friedfertig auf das weiße Kissen des Totenschreins
betten durften... Die Frau Rätin waltete befangen und schweigend,
wie eine Schuldbewusste, neben dem verbitterten Eheherrn; nur sein
näherkommender Schritt jagte ihr stets die Flamme heftigen
Erschreckens über das blasse Gesicht, sonst glich sie einem
wandelnden Steinbild mit ihrem stillen, freud- und klaglosen
Wesen.
Und nun, sieben Jahre nach dem Tode ihres letzten Töchterleins, lag
sie wieder droben in der Hinterstube, unter dem schneeweißen
Betthimmel; draußen zogen schwere, dunkle Wolken vorüber, aber ein
einzelner Sonnenblitz durchzuckte sie und spielte über der Stirne
der blassen Dulderin.
»Ein Sohn!« sagte feierlich die alte Wartfrau.
»Ein Wolfram!« brach es wie ein Jubelschrei von den Lippen des
Rates. Er warf zwei Goldstücke in das Bad, das die braunen Glieder
des Kindes benetzte, dann trat er an das Bett und küsste zum ersten
Mal nach zwanzigjähriger Ehe die Hand der Frau, die seinem Sohne
das Leben gegeben.
Dann kam ein Tag, wie ihn das Klostergut wohl noch nicht gesehen
hatte.
Es war nicht die Art der Wolframs, mit Hab und Gut zu prunken; sie
entzogen im Gegenteil ihre Silber- und Leinenschätze, das
Familiengeschmeide, die alten, kostbaren Weine in ihren Kellern
sorgfältig der Öffentlichkeit - ihnen genügte es, sich im Besitze
zu wissen; in den Nachmittags- und Abendstunden jenes Tages
indessen breitete sich in der sogenannten großen Stube, dem
ehemaligen Refektorium der Mönche, der öffentlich verleugnete Glanz
des Hauses in seinem ganzen Umfang aus. Auf der mächtigen,
damastgedeckten Speisetafel funkelte das Jahrhunderte hindurch
aufgespeicherte Silbergerät, die Schalen und Schüsseln, Kannen und
schlanken Becher, die riesigen Salzfässer und rings an den braunen,
holzgeschnitzten Wänden vielarmige Leuchter, alles gediegen, in
herrlich getriebener Arbeit. Und in der kleineren Stube nebenan
stand der Tauftisch. Die Wolframs waren keine Blumenfreunde; nie
hatte sich ein Blumentopf auf den Fenstersimsen breitmachen dürfen,
und im Obst- und Gemüsegarten hinter den Wirtschaftsgebäuden
blühten kaum einige wilde Rosensträucher, die sich freiwillig
angesiedelt, in den Ecken, - heute aber umstand eine duftende, den
Treibhäusern der Stadt entliehene Orangerie den weißbehangenen
Tisch mit dem Taufgerät; den Täufling umrauschte das alte
Familienerbstück, eine Taufschleppe von dickem, apfelgrünem Atlas,
und auf dem dunkelhaarigen Köpfchen saß die dazu gehörige
altfränkische Mütze mit einer kaffeegelben Mechelner
Spitzengarnitur und Stickereien von indischen Staubperlen.
Die alte Wartfrau saß derweil droben in der Wochenstube am Bett und
erzählte der Frau Rätin von der Pracht drunten, von der stolzen
Gevatterschaft in Samt und Seide, von dem Weine, den man wie Gewürz
durchs ganze Haus röche, und daß das »Ratssöhnchen« wie ein Prinz
unter Rosen- und Myrtenbäumen getauft worden sei.
Das vergrämte Gesicht der Wöchnerin lächelte in bitterer Wehmut;
ihren kleinen Mädchen hatte die grüne Taufschleppe nicht gebührt -
sie war von der Urahne nur für die männlichen Nachkommen gestiftet
worden -, es hatten auch keine Rosen und Myrten um das Taufbecken
gestanden, und der Silberschatz des Hauses war unter seinen
schützenden Lederdecken verblieben... Auf den Wangen der blassen
Frau begannen auch Rosen aufzublühen, dunkle Fieberrosen, und
während drunten die Gläser klangen zum Wohl und Gedeihen des
heißersehnten Stammhalters, teilten sich droben die weißen
Bettvorhänge, und fünf Kinder schlüpften herein - sie waren alle da
bei der Mutter, die kleinen Mädchen, und sie herzte sie heiß,
inbrünstig und spielte mit ihnen Tag und Nacht in sel'ger
Mutterlust, und die Ärzte standen ratlos um die unaufhörlich
flüsternde Frau, bis sie mit müdem, seligem Lächeln den Kopf in das
Kissen drückte und einschlief für immer. - - - -
Ihr Heimgang hinterließ keine bemerkenswerte Lücke. Der kleine Veit
hatte eine Amme, und wenige Stunden nach dem letzten Atemzuge der
Hausfrau kam die Schwester des Rates, die schöne, bitterernste
Frau, aus ihrem Wohngelaß im oberen Stockwerk herab, um die
Schlüssel und mit ihnen die Leitung des verwaisten Hauswesens zu
übernehmen.
Sie war eine echte Wolfram in ihrem ganzen Tun und Wesen, wie in
der äußeren Erscheinung, an der sechsundvierzig Lebensjahre fast
spurlos vorübergeglitten waren. Nur einmal in ihrem Leben hatte sie
die Leidenschaft über die anerzogenen strengen Grundsätze siegen
lassen, und das war ihr »folgerichtig« zum Unheil ausgeschlagen.
Sie war neben dem Rat die einzige Miterbin des Wolframschen
Besitztums und dabei ein selten schönes Mädchen gewesen. Im
Schillingshofe hatte man das Nachbarkind wie eine eigene Tochter
gehätschelt, und dort hatte sie auch den Major Lucian aus
Königsberg kennen gelernt, mit dem sie sich auch verheiratete,
allen Ermahnungen des Bruders, ja, der eigenen inneren Warnstimme
zum Trotz... Und sie hatten in der Tat zusammengepasst wie Wasser
und Feuer, die herbe, in ihre Familientraditionen verbissene
Wolframsnatur und der elegante, leichtlebige Offizier. Sie hatte
darauf bestanden, ihn in ihre Lebensgewohnheiten zu zwingen, und er
war »dem Spießbürgertum« mit scharfem Spott entschlüpft, wo er nur
konnte. Das hatte zu bösen Auseinandersetzungen geführt, und eines
Abends war die Majorin, ihr fünfjähriges Söhnchen an der Hand, aus
Königsberg zurückgekehrt - sie war heimlich abgereist, um fortan
auf dem Klostergut zu bleiben...
Der kleine Felix hatte den Kopf in ihren Reisemantel gedrückt, als
sie ihn an jenem Abend durch ihr Vaterhaus geführt. Die Treppe, die
in die verlassene Stille der oberen Stockwerke führte, mit ihrem
fratzenhaft geschnitzten Geländer und ihren kreischenden Stufen
voll ausgetretener Astknorren, die lagernde Dämmerung in den
klaftertiefen Türbogen, und in den Schiebefenstern die
bleigefaßten, glanzlosen Scheiben, an denen aufgescheuchte
Nachtmotten lautlos taumelten, und durch die das Abendsonnenlicht
gelb und träge wie Öl auf das zersprungene Estrich des Vorsaales
floß - das war dem Knaben spukhaft erschienen, wie das
Menschenfresserhaus im Walde ... Und das schlanke, feingliedrige
Kind in seinem blauen Samtröckchen, seinem glänzenden, goldgelben
Gelock war auch wie verirrt gekommen - sie bringe ihm einen
buntscheckigen Kolibri in das alte Falkennest, hatte ihr Bruder,
der Rat, finster und mit scheelem Blick gesagt.
Fremden Blutes war und blieb der kleine Entführte auch. Die kühle
Luft des Klostergutes blies ihm umsonst gegen die Idealgestalten in
Kopf und Herzen - er war eine poetische, warmblütige Natur wie sein
Vater ... Der verlassene Mann in Königsberg hatte übrigens alles
aufgeboten, seinen Knaben wieder in die Hand zu bekommen; allein an
der juristischen Meisterschaft des Herrn Rat Wolfram waren alle
Versuche gescheitert - die geschiedene Frau war im Besitz des
Kindes verblieben. Infolgedessen hatte Major Lucian seinen Abschied
genommen; er war aus Königsberg verschwunden und nie hatte man
erfahren, wohin er sich gewendet.
Seitdem bewohnte die Majorin wieder, wie in ihren Mädchenjahren,
das große, nach der Straße gelegene Giebelzimmer. Sie passte mit
Leib und Seele zwischen diese einfach gestrichenen Wände, vor deren
tief eingelassenen Schränken breite, braungebeizte Flügeltüren
lagen; sie saß wie vordem auf dem steiflehnigen Lederstuhl in der
tiefen Fensterecke und schlief hinter dem dickfaltigen härenen
Türvorhang der anstoßenden Kammer, zu welchem einst ihre Großmutter
die groben Fäden eigenhändig gesponnen... Den Schillingshof aber
hatte sie nie wieder betreten - sie floh jede Erinnerung an ihren
geschiedenen Mann, wie einen mörderischen Feind. Der kleine Felix
dagegen war sehr bald heimisch drüben geworden. Der einzige Sohn
des Freiherrn Klafft von Schilling war sein Altersgenosse. Beide
Knaben hatten sich vom ersten Augenblick an zärtlich geliebt, und
die Majorin war mit diesem Verkehr einverstanden gewesen, jedoch
nur unter der ausdrücklichen Bedingung, daß ihr Kind nie mit einem
Wort an seinen Vater erinnert werde.
Später waren die jungen Leute auch Studiengenossen in Berlin
gewesen. Sie hatten beide Jura studiert. Arnold von Schilling hatte
die Staatslaufbahn in Aussicht genommen, und Felix Lucian sollte,
ganz in die Fußstapfen seines Onkels tretend, anfänglich ein
städtisches Amt bekleiden und später das Klostergut übernehmen;
denn seit auch die letzte der kleinen, flachshaarigen Cousinen
gestorben, hatte ihn der Rat zu seinem Erben und Nachfolger
bestimmt, vorausgesetzt, daß er seinem väterlichen Namen den Namen
Wolfram anfüge. Da änderte, wie bereits erwähnt, das Jahr 1860 alle
Familienverhältnisse im Schillingshof und Klostergut - Arnold von
Schilling kam heim, um auf die Bitten seines kränkelnden Vaters hin
mit der Hand seiner Cousine die Schillingschen Güter wieder zu
übernehmen, und auf dem Klostergute blies der Spätling, der kleine
Veit Wolfram, mit seinem schwachen Lebensatem die Erbansprüche
seines Vetters Felix über den Haufen.
Die Frau Rätin Wolfram war an einem schneestöbernden Aprilmorgen im
Familienbegräbnis beigesetzt worden. An jenem Tage hatte Felix
Lucian nur auf wenige Stunden in die Heimat eilen können, um der
verstorbenen Tante das letzte Geleit zu geben. Heute nun, nach zwei
Monaten, wo der Syringenduft der ersten Junitage die Lüfte erfüllte
und der abgeschüttelte Schnee der Baumblüte weiß auf dem Rasen lag,
kam er wieder auf das Klostergut zu einer mehrtägigen
Erholungszeit, wie er seiner Mutter geschrieben hatte.
In dem weiten Hausflur, den er nachmittags betrat, hatte die tote
Hausfrau die letzte Rast gehalten. Noch war es ihm, als müsse
Weihrauchduft das Deckengebälk bläulich verschleiern, und der
Geruch der Buchsbaumgirlanden, zwischen denen die
schlankhingestreckte Frau mit dem schlichten Flachshaar an den
Schläfen so friedsam gelegen, ihm durchdringend entgegengeschlagen.
Aber es waren heute nur wirbelnde Stäubchen, die in einem
Lichtreflex an der Decke spielten; aus der offenen Küche quoll der
Duft schmorenden Geflügels, und am Milchschanktische stand seine
Mutter und zählte Eier in den Korb der Magd, die nach altem Brauch
wöchentlich zweimal mit Eiern und frischgeschlagener Butter die
Runde bei bevorzugten Stadtkunden machen mußte.
Einen Moment erstrahlten die Augen der Majorin wie unbewacht in
nicht verhehltem Mutterstolz, als der schöne, hochgewachsene
Jüngling auf sie zuschritt; aber sie hielt in jeder Hand fünf Eier
und reichte ihm so behutsam über die Schulter hinweg die Wange zum
Kuss. - »Gehe einstweilen hinauf, Felix!« sagte sie hastig, in der
Besorgnis, sich zu verzählen, oder ein Ei zu zerbrechen.
Er zog schleunig die Arme zurück, die er um ihre Schultern
geschlungen, und stieg die Treppe hinauf. Von der Wohnstube her
klang ihm plötzlich Kindergeschrei nach - der neue Erbherr des
Klostergutes schrie hässlich und boshaft auf wie eine junge Katze.
Dazu krähten die Hähne im Hinterhof, und oben über den Vorsaal
schlich der riesige, fette Hauskater. Er kam vom Kornspeicher, von
der Mäusejagd und rieb und drückte sich behaglich an der eleganten
Fußbekleidung des Heraufsteigenden hin - der junge Mann schleuderte
ihn weit von sich und stampfte voll Abscheu mit den attackierten
Füßen, als schüttele er Schnee ab.
Im Zimmer der Majorin standen die Fenster offen, und die weiche
Frühlingsluft strömte herein; aber nicht sie trug den köstlichen
Veilchenduft im Atem, der die ganze Stube erfüllte - er kam aus den
offenen Flügeltüren eines Wandschrankes. Wie Silberschein flimmerte
es in diesen tiefen Fächern; so glänzend türmte sich das Leinenzeug
aufeinander; und zwischen diesen Paketen dorrten Tausende von
Veilchenleichen. Nie hatte der kleine Knabe der Majorin ein
Veilchensträußchen zu seiner Augenweide in ein Glas Wasser stellen
dürfen - es stand ja nur im Wege und konnte umgeschüttet werden -
wohl aber mußte er die kleinen Kelche zur Verherrlichung der
Leinenschätze von den Stielen zupfen. Die weißen Lagen, mit denen
die Mutter immer einen förmlichen Kultus getrieben, waren ihm
deshalb stets verhasst gewesen - er warf auch jetzt einen finsteren
Blick nach dem Schranke.
Die Majorin war augenscheinlich beim Revidieren gestört worden; auf
dem breitbeinigen Ahorntische im Fensterbogen lag noch das Buch, in
das sie ihre Notizen zu machen pflegte. Felix kannte diese Hefte
voll der verschiedenartigsten Rubriken sehr gut, aber die
aufgeschlagene Blattseite hier war ihm neu in ihrer Bezeichnung.
»Mitgabe an Hauswäsche für meinen Sohn Felix« stand obenan ... Sein
eigener, künftiger Hausstand! - Er wurde rot wie ein Mädchen bei
dieser Vorstellung ... Diese Dutzende von Gedecken, Handtüchern,
Bettbezügen reihten sich breit und wichtig aneinander, als seien
sie die erste Grundbedingung des künftigen Familienglückes ... Und
dieses ernsthafte, langweilige Register sollte in dem
übermütigsten, tollsten Lockenkopfe haften, der je auf weißen
Mädchenschultern gesessen? - »O Lucile, wie würdest du lachen!«
flüsterte er und lachte selbst in sich hinein.
Mechanisch ließ er die Blätter durch die Finger laufen. Hier, in
dieser »Zinseneinnahme« summierten sich Tausende und Tausende.
Welcher Reichtum! Und dabei dieses unbeirrte Sammeln und Sparen,
diese Angst, daß mit einem zerschlagenen Ei ein paar Pfennige
verloren gehen könnten! - Der junge Mann stieß das Heft wie im Ekel
fort, und mit beiden Händen ungeduldig durch das reiche Blondhaar,
fahrend, trat er an das Fenster. Mit seiner vornehmen Erscheinung,
dem leisen Hauch feinsten Odeurs, der sie umschwebte, mit den
ungesucht eleganten Manieren stand er auch heute so fremd zu dem
»alten Falkennest«, wie die seinen Handschuhe, die er lässig
abgestreift und hingeworfen, auf den plumpfüßigen, weißen
Ahorntisch, die glänzenden Lackstiefel auf den groben,
ausgetretenen Dielenboden passten.
Er drückte die Stirn an das Fensterkreuz und sah hinaus. Wie ein
Anachronismus steckte das Klosterhaus zwischen den geschmückten
Neubauten. Jenseits der Straßenmauer lief jetzt die eleganteste,
mit rotblühenden Kastanien besetzte Promenade der Stadt hin. Er
schämte sich, daß die seine Welt täglich an dem geflickten
Mauerwerk vorüber mußte; er fühlte sich gedemütigt angesichts des
gegenüberliegenden, schloßartigen Hauses, von dessen
bronzeumgitterten Balkons man den Hof übersehen konnte, der
zwischen dem Klosterhaus und der Mauer lag. Wohl waren es vier
herrliche, alte Lindenwipfel, die seine Mitte füllten - sie
strotzten auch heuer wieder in maienhaftem Grün, von keinem
dorrenden Ästlein entstellt -, allem die altehrwürdigen Steinsitze
zu ihren Füßen und der Porphyrtrog des Laufbrunnens, den sie
beschatteten, waren garniert mit dem frischgescheuerten Holzgerät
der Milchkammer... Dazu der Lärm vom Hofe... Eben wurde frischer
Klee eingefahren. Der Knecht fluchte über die enge Einfahrt des
Torweges und hieb auf die Pferde ein; die barfüßige Stallmagd
scheuchte zwei störrige Kälber, die sich in den Vorhof verlaufen,
schimpfend aus dem Wege, Taubenschwärme flogen auf, das andere
Federvieh stob schreiend auseinander - »Bauernwirtschaft!« murmelte
Felix zwischen den Zähnen und wandte das beleidigte Auge zur
Seite.
Dort breitete sich das schöne Erdgeschoß des Schillingshofes aus;
und er atmete wie erlöst auf - dort war er ja immer heimischer
gewesen, als auf dem Klostergute. Über die efeubewachsene Mauer
hinweg sah er allerdings nur ein Stück des Rasenspiegels, in dessen
Mitte die Wasser vor dem Säulenhause sprangen; er sah auch nur beim
Hinausbiegen seitwärts einen Schein der Spiegelscheiben zwischen
den Steinornamenten der Rundbogen blinken; aber dieser trennenden
Mauer gegenüber schlossen drei Reihen prächtiger Platanen den
Schillingshof von dem jenseitigen Nachbargrundstück ab. Sie konnte
er vollkommen überblicken - sie liefen als Doppelallee vom
Straßengitter aus neben der Südseite des Säulenhauses hin, tief in
den eigentlichen Garten hinein. Diese herrliche Baumhalle war einst
der Haupttummelplatz für ihn und seinen kleinen Freund Arnold
gewesen; sie behütete treulich die grüne Dämmerung, die frische
Kühle drunten, und für den Freiherrn Krafft war sie an heißen
Sommertagen eine Art Salon; er empfing da Besuche, hielt seine
Siesta und trank den Nachmittagskaffee unter den Bäumen.
Auch jetzt stand die Kaffeemaschine auf dem Tisch, aber nicht die
wohlbekannte messingene - sie hatte einer silbernen Platz gemacht.
Es gruppierte sich überhaupt viel Silbergeschirr dort, auch kleine,
mit Likör gefüllte Kristallkaraffen funkelten dazwischen - so war
der Kaffeetisch früher nie besetzt gewesen. Damals hatte man auch
auf weißgestrichenen Gartenbänken von Holz gesessen,- heute stand
eine Menge eleganter, gusseiserner Möbel zwischen den Bäumen;
Schlummerrollen und farbenglänzende Kissen lagen umher, und
aufgestellte, reichdekorierte Wandschirme bildeten behagliche, vor
dem Zugwind geschützte Plauderwinkel.
Das Fremdartigste aber war die Dame, die in diesem Augenblick neben
dem Säulenhaus hervorkam - sie ging, offenbar wartend, langsam auf
und ab ... Arnolds Mutter war früh gestorben, eine Schwester hatte
er nie gehabt, darum war das weibliche Element, soweit Felix
zurückdenken konnte, immer nur durch die gute, dicke
Wirtschaftsmamsell vertreten gewesen. Nun schimmerte eine
blauglitzernde Seidenschleppe durch den Alleeschatten, und
Frauengeist und Frauenwille durften nach fast zwanzig Jahren wieder
neben dem Regiment des alten Freiherrn ebenbürtig im Schillingshofe
walten.
Als Felix vor zwei Monaten zur Beisetzung der Tante auf dem
Klostergute gewesen war, da hatte zur selben Zeit auch Arnolds
Hochzeit in Koblenz stattgefunden - der Freund hatte vorher nur
kurz und trocken angezeigt, daß er »das lange Mädchen«, die
Koblenzer Cousine, heirate ... Das war sie nun, die junge Frau, die
neue Herrin des Schillingshofes, eine überschlanke Gestalt mit
schmalen Schultern, an Brust und Rücken flach und dürftig, vornüber
geneigt, wie die meisten großen Leute, und doch vornehm, sichtlich
eine Dame von Stande in jeder ihrer lässig schleppenden Bewegungen.
Das Gesicht konnte er nicht voll erfassen, in scharfer
Profilstellung erschienen ihm die Züge langgestreckt, von
englischem Typus, und blass angehaucht; doch besaß die junge Frau
einen herrlichen Schmuck in dem reichen, hellblonden Haar, das zwar
elegant, aber so locker aufgesteckt war, als schmerze und beschwere
diesen jungen Kopf peinlich jede Haarnadel. Sie sah öfter mit
leisen Zeichen der Ungeduld abwechselnd nach den Fenstern und der
Tür unter der Säulenhalle und ordnete und rückte wiederholt an den
Tassen und Kuchenkörben.
Dann kam eine junge Person im weißen Latzschürzchen,
augenscheinlich die Kammerjungfer, aus dem Hause. Sie legte ihrer
Gebieterin einen weichen Schal um die Schultern und zog ihr
Handschuhe an. Und die Dame stand da wie ein Automat; sie hielt die
langen, schlanken Hände unbeweglich hingestreckt, bis jedes
Knöpfchen geschlossen war; sie regte sich nicht, als das Mädchen
vor ihr niederkniete und eine aufgesprungene Spange an dem farbigen
Schuh wieder befestigte. Sie sprach auch nicht und zog nur
schließlich, trotz der durchsonnten, köstlich warmen Juniluft,
fröstelnd den Schal über der Brust zusammen. »Verwöhnt und nervös!«
dachte Felix, während sie sich unmutig in die mit roten Kissen
gepolsterte Ecke einer Bank sinken ließ.
Inzwischen war Adam, der langjährige Diener des alten Freiherrn
Krafft, aus der Tür des Säulenhauses gekommen. Er wohnte im
Schillingshofe, war Witwer und hatte sein einziges Kind, ein
zehnjähriges Mädchen, bei sich. Das führte er jetzt an der
Hand.
Die Kammerjungfer ging mit einem schnippischen Achselzucken an ihm
vorüber, und die Dame auf der Bank sah nicht, daß er grüßte. Felix
hatte den stillen, ernsthaften Diener sehr gern, dessen äußere Ruhe
und Gelassenheit im Schillingschen Hause sprichwörtlich waren.
Deshalb befremdete ihn die aufgeregte Hast, mit welcher der Mann
den Rasenplatz umschritt und den Schillingshof verließ, um nach
wenigen Minuten in den Hof des Klostergutes einzutreten. Sein
kleines Mädchen schrie ängstlich auf und klammerte sich an ihn fest
- ein großer Puter lief zornig kollernd auf es zu, als habe er die
Absicht, ihm das rote Röckchen vom Leibe zu reißen.
Der Mann scheuchte das erboste Tier fort und sprach beruhigend auf
das Kind hinein; aber das geschah in atemloser Aufregung, und die
Wangen glühten ihm, als sei er betrunken.
Felix sah nur noch flüchtig, wie der alte Freiherr, auf den Arm
seines Sohnes gestützt, in die Platanenallee trat und sich mit
einer ritterlichen Handbewegung neben seiner Schwiegertochter
niederließ - ein Gefühl inniger Teilnahme trieb ihn vom Fenster
weg, in den Hausflur hinab. Auf der unteren Treppenwendung blieb er
einen Augenblick stehen. Die Magd hatte mit Eierkorb und
Buttergelte das Haus verlassen, und seine Mutter zog eben das
Geflügel aus der Bratröhre.
»Mein Bruder ist nicht zu Hause, Adam,« sagte sie zu dem Manne, der
an der Küchentüre stand. Sie setzte die dampfende Pfanne auf den
steinernen Spültisch und trat an die Schwelle. »Ich will doch nicht
hoffen, daß Sie ihn noch einmal mit der dummen Geschichte
belästigen!«
»Ja, Frau Majorin,« unterbrach er sie höflich aber fest, »ich komme
deswegen. Nur der Rat kann mir noch helfen; er weiß am besten, daß
ich unschuldig bin - er wird der Wahrheit die Ehre geben.«
»Sie sind nicht bei Sinnen, Mann!« entgegnete die Majorin scharf
und streng. »Soll der Herr Rat vielleicht beschwören, daß er mit
der Dienerschaft des Herrn von Schilling niemals intim verkehrt
hat?«
»Was ist denn das für eine Differenz zwischen hüben und drüben?«
fragte Felix erstaunt hinzutretend.
»Ach, Herr Referendar, die Differenz bringt mich um Brot und Ehre!«
sagte Adam mit brechender Stimme. Sonst hatte er den jungen Mann
bei dessen Heimkunft immer freudestrahlend begrüßt - heute schien
er gar nicht zu wissen, daß er ihn lange nicht gesehen hatte. »Eben
hat mich mein alter, gnädiger Herr einen Duckmäuser, einen
miserablen Spion genannt; er hat mir sein schönes Mundglas
nachgeworfen, daß es in tausend Stücken auf dem Erdboden
'rumgeflogen ist -« »Sind ja recht schöne, adlige Manieren,« warf
die Majorin trocken ein. Sie hatte währenddessen einen Bratenteller
aus dem Küchenschrank genommen und hielt ihn, seine Sauberkeit
prüfend, gegen das Fensterlicht.
Ihren Sohn empörte diese unbeirrte Geschäftigkeit angesichts des
tief erregten Mannes. Er reichte ihm herzlich die Hand. »Ich
begreife nicht, was den alten Herrn dermaßen erbittern mag, daß er
sich zu Tätlichkeiten hinreißen läßt,« sagte er teilnehmend. »Noch
dazu seinem treuen Adam gegenüber - er hat Sie ja immer vor allen
anderen hochgehalten -«
»Nicht wahr, Herr Lucian, das wissen Sie auch? ... Ach, du mein
Gott ja - und das ist nun alles aus!« rief der Mann in Jammer
ausbrechend, und Tränen füllten seine Augen. »Ich ein Spion - ich!
- Ich soll gehorcht haben, der Steinkohlengeschichte wegen, die
mich auf der Gotteswelt nichts angeht!«
Felix sah seine Mutter verständnislos und fragend an.
»Er meint das Kohlenlager im kleinen Tale,« berichtigte die Majorin
in ihrer wortkargen Weise. »Der Alte im Schillingshofe ist von
jeher ein anmaßender Patron gewesen - er denkt, was er ausklügelt,
das kann keinem anderen einfallen.«
»Der gnädige Herr hat's ja nicht selber ausgedacht, Frau Majorin,«
- sagte Adam - »das ist's ja eben! ... Sehen Sie, Herr Referendar,
er sagt immer, die Schillings und die Wolframs hätten seit
Jahrhunderten die Klosteräcker am kleinen Tale gehabt, und es war'
bis auf den heutigen Tag keinem eingefallen, von dem großen
steinigen Grund nebenan, der den Gotters von alten Zeiten her
gehört, eine Handbreit auch nur geschenkt zu nehmen, geschweige
denn zu laufen - es ist zu elender Boden; der alte Gotter hat ihn
oft genug selber verwünscht, er hat's so wenig gedacht, wie seine
Nachbarsleute, die jahraus, jahrein daneben gepflügt und geackert
haben, daß was Gescheiteres darunter stecken könnte. Da ist aber
der fremde Ingenieur hierher versetzt worden, der hat gleich auf
den ersten Blick gewußt, daß gerade unter diesem Grunde ein großes
Kohlenlager ist - die Kohlen lägen ja geradezu am Tage, hat er
gesagt -«
»Ist auch so gewesen,« fiel die Majorin vom Küchentisch herüber
ein. Sie entfaltete ein schneeweißes Tellertuch und rieb und
wischte an der Bratenschüssel.
»Und weil er mit meinem gnädigen Herrn von früher her bekannt war,«
fuhr Adam fort, »so hat er ihm den Vorschlag gemacht, mit ihm
zusammen den Grund zu kaufen und ein Kohlenbergwerk anzulegen. Mein
Herr ist auch mit tausend Freuden drauf eingegangen, und sie haben
alles im geheimen abgemacht. Weil aber gerade zu der Zeit die
Hochzeit in Koblenz sein sollte, so ist der Ankauf des Grundstückes
bis nach der Reise an den Rhein verschoben worden. Es ist ihnen ja
nicht im Traume eingefallen, daß ihnen ein anderer zuvorkommen
könnte - es hat ja keine Seele drum gewußt - so haben sie
wenigstens gemeint - ja prosit! - wie sie nachher zum alten Gotter
gekommen sind, da hat der geflucht und gewettert, er hätte sich
überrumpeln lassen, er hätte dem Herrn Rat Wolfram seinen Grund um
ein Spottgeld verkauft - und nun seien ja Kohlen die schwere Menge
drunter, und der Herr Rat habe schon bei der Behörde auf das
Grundstück Mutung eingelegt - ist das nicht die reine Zauberei,
Herr Lucian?«
»Ein merkwürdiges Zusammentreffen auf alle Fälle!« rief der junge
Mann überrascht.
»Das sage ich auch - es ist eben Glück dabei gewesen, und der Onkel
kann nicht dafür, wenn es andere Schlafmützen vergessen,« setzte
seine Mutter hinzu. »Übrigens lügt der alte Gotter, wenn er von
Überrumpeln und von einem Spottgeld spricht - er hat sich zu Anfang
ins Fäustchen gelacht, weil er seinen sauren Wiesengrund so
vorteilhaft losgeworden ist.« Das klang so kühl und nüchtern, so
fertig und abgeschlossen im Urteil. Dabei war diese Frau doch,
trotz ihres bürgerlichen Gebarens, eine vornehme Erscheinung. Sie
war schlank und hatte über dem schönen Gesicht nussbraunes Haar, so
voll und kräftig, wie das eines jungen Mädchens; und die ehemalige
Offiziersfrau vergaß bei allem Bienenfleiß ihre Stellung nicht -
sie war sorgfältig frisiert und sehr gut gekleidet, wenn auch der
schöne Fuß im festen Lederstiefel steckte, und eine breite
blauleinene Küchenschürze augenblicklich das elegant sitzende Kleid
umhüllte.
»Da iß, Kind,« sagte sie und reichte dem kleinen Mädchen des
Dieners ein Stück Kuchen aus dem Fliegenschranke.
Die Kleine wandte mit finsteren Augen den Kopf weg und wehrte die
Gabe ab.
»Die nimmt nichts, Frau Majorin,« sagte ihr Vater weich. »Sie hat
heute noch keinen Bissen gegessen - sie kann's nicht sehen, wenn
die Leute nicht gut mit mir sind, und heute hat ja das Quälen und
Zanken den ganzen Tag nicht aufgehört ... Herr Lucian, ich habe
viel ertragen in der letzten Zeit. Der gnädige Herr bleibt dabei,
die Sache sei nicht mit rechten Dingen zugegangen, er habe irgend
einen "falschen Christen" in seinem Hause, der gehorcht und
geklatscht hätte, und weil ich, wie die Herren beisammen saßen, ein
paarmal mit Wein ab- und zugegangen bin, da fällt nun auf mich
armen Kerl der Verdacht ... Das ewige Sticheln Hab' ich geduldig
verbissen, ich wollte ja mein Brot nicht verlieren, Hannchens
wegen« - er strich mit der Linken zärtlich über die dicken
Haarflechten des Kindes - »aber seit gestern, wo die Leute von
nichts anderem sprechen als von dem großen Glück, das der Herr Rat
mit seinem Unternehmen hat - es sollen ja Kohlen sein, so gut wie
die besten englischen - da kennt sich der gnädige Herr nicht mehr
vor Wut und Ärger. Ich wollte nun den Herrn Rat noch einmal ganz
gehorsamst bitten, daß er's meinem Herrn begreiflich macht -«
»Das geht nicht, Adam - so viel sollten Sie sich selbst sagen,«
unterbrach ihn die Majorin kurz. »Mein Bruder wird sich schwerlich
herbeilassen, den Leuten auch noch gütlich zuzusprechen, die ihn
heimlich anstünden, weil er ebenso gescheit gewesen ist, wie sie
... Das schlagen Sie sich aus dem Sinn - sehen Sie zu, wie Sie sich
selbst heraushelfen.«
Der Mann biß die Zähne zusammen -er kämpfte schwer mit seiner
Erbitterung. »Hätt' es freilich wissen sollen,« sagte er
achselzuckend mit einem tiefen Seufzer; »zwischen zwei großen
Herren fällt so eine armselige Bedientenehre allemal auf den Boden.
Da bleibt einem armen Teufel, wie mir, ja wirklich nichts anderes
mehr übrig, als - ins Wasser zu gehen!« fuhr es ihm
verzweiflungsvoll heraus.
»Ach nein, das tust du nicht, Vater! Gelt, das tust du nicht?«
schrie das kleine Mädchen auf.
»Reden Sie doch nicht so gotteslästerlich, Mann!« schalt die
Majorin streng und entrüstet.
Felix aber nahm den Kopf des Kindes, das in ein unaufhaltsames
Weinen ausbrach, sanft zwischen seine Hände: »Sei still, Herzchen,«
beruhigte er, »das tut dein Vater nicht, dazu ist er viel zu brav.
Ich will in den Schillingshof gehen und mit dem alten Herrn
sprechen, wenn Sie es wünschen, Adam.«
»Ach nein, ich danke Ihnen, Herr Referendar!« versetzte der Mann -
»ich weiß, Sie meinen es gut mit mir; aber das macht Ihnen nur
Ungelegenheiten, und mir hilft es doch nichts.« Er grüßte, schlang
den Arm um sein kleines Mädchen und führte es nach der Haustüre.
»Komm her, wir gehen zu deiner Großmutter.«
»Ja, Vater,« sagte das Kind, augenblicklich sein Schluchzen
niederkämpfend: »aber du bleibst auch dort, gelt? Du gehst nicht
fort in der Nacht, Vater?«
»Nein, mein gutes Hannchen.«
Sie gingen durch den Hof, und der Puter lief wieder auf das
Rotröckchen zu; aber die Kleine beachtete ihn nicht; ihre Füßchen
suchten Schritt mit dem Vater zu halten, wobei sie weit vorgebogen
ihm beweglich unter das Gesicht sah - sie traute seiner mechanisch
gesprochenen Versicherung nicht. »Ich schlafe die ganze Nacht
nicht, paß auf!« drohte sie mit ihrem angstbebenden Stimmchen.-
»Ich sehe es, wenn du fortgehst!« - Und als die Hoftüre längst
hinter ihnen zugefallen war, da hörte man noch über die Mauer her
die unsäglich angstvolle, kindliche Drohung: »Ich schlafe nicht-ich
laufe dir nach, wenn du fortgehst, Vater!«
Die Majorin kehrte mit einem Achselzucken an den Küchentisch
zurück. »Mit dieser Art von Leuten ist nicht viel anzufangen - sie
sind gleich außer Rand und Band,« sagte sie gelassen wie
immer.
»Nun, den möchte ich doch sehen, der sein inneres Gleichgewicht
behält, wenn er ungerecht beschuldigt wird und darüber auch noch
sein Brot verliert!« rief ihr Sohn tief erregt. »Sei nicht böse,
Mama - aber auf dem Klostergute werden seit Jahrhunderten nur
reiche, kluge Leute geboren - kein warmblütiges
Menschenherz!«
»Wir backen ,seit Jahrhunderten' wöchentlich sechs Armenbrote, mag
das Korn geraten oder nicht,« entgegnete sie, ohne auch nur eine
Miene ihres ernsten Gesichtes zu verziehen. »Wir unterstützen auch
vielfach auf andere Weise, wenn wir das auch nicht an die große
Glocke schlagen. Aber wir sind bedächtiger Natur und rennen nicht
mit jedem Kopf, der obenaus will ... Du bist allerdings nicht auf
dem Klostergute geboren -« die gelassene, gleichmütige Stimme
konnte sehr spitz werden - »du bist auch so ein neumodischer
Brausekopf, der den einen in den Himmel hebt und dabei das gute
Recht eines anderen zertritt ... Meinst du wirklich, der Onkel
solle öffentlich erklären, daß er um "das Geheimnis" des Herrn von
Schilling nicht gewußt hat?«
»Das durchaus nicht, aber -«
»Es würde auch dem wunderlichen Menschen, dem Adam, nichts nützen,
so wenig wie dem alten Mann im Schillingshofe zu helfen ist,« fiel
sie ihm in das Wort. »Die ,brillante' Heirat hat die verpfändeten
Güter nicht so unbedingt an die Familie wieder zurückgebracht. Der
Vormund der jungen Frau, ein schlauer Fuchs, hat einen Ehekontrakt
aufgestellt, der den Schillings sehr viel zu wünschen übrig lassen
soll - daher die grimmige Laune, die der Alte drüben nun an der
Dienerschaft ausläßt.«
»Der arme, alte Papa Schilling!« rief Felix bedauernd. »Da mag er
freilich tief erbittert sein und um den gescheiterten Plan doppelt
grollen - der Kohlenfund hätte ihm jedenfalls wieder zu eigenem
Vermögen verholfen. Er tut mir unsäglich leid - er büßt doch
zumeist für die Sünden seiner Vorfahren.«
Die Majorin räusperte sich vernehmlich - sie wußte es jedenfalls
besser -, aber sie erwiderte kein Wort; sie widersprach nur, wenn
sie im eigenen Interesse mußte, dann aber auch energisch. Während
ihr Sohn einigemal mit raschen Schritten den Hausflur durchmaß,
schälte sie eine frische Gurke zum Salat.
»Wunderbar aber ist und bleibt es, daß zwei Köpfe fast zur selben
Stunde den gleichen Gedanken hegen, einen Schatz zu heben, an dem
alle Vorfahren und sie selbst so lange Zeit ahnungslos
vorübergegangen sind!« sagte der junge Mann nach einem
augenblicklichen Schweigen gespannt und trat wieder auf die
Schwelle der Küchentüre.
»Hm - ich frage den Onkel sehr selten und lege mir alle
Vorkommnisse selbst zurecht,« entgegnete seine Mutter, ohne von
ihrer Beschäftigung wegzusehen. »Der Onkel wird schon längst ebenso
klug gewesen sein, wie der Herr Ingenieur; aber er hat wohl die
Unruhe und das Risiko des Unternehmens gescheut ... Nun ist der
kleine Veit nachgekommen - die Wolframs blühen wieder auf, und da
wird jeder neue Erwerb zur Pflicht.«
»Mein Gott, soll denn dieses fieberhafte Erwerben bis in Ewigkeit
fortgehen, Mama? Ich sollte doch meinen, deine Familie hätte längst
übergenug!«
Die Majorin fuhr wie entsetzt herum, und ein langer, unwillig
überraschter Blick maß strafend den Sohn - es glimmte doch auch
nicht ein Funke des Wolframschen Familiengeistes in ihm! Ȇbergenug
haben!« Den vermessenen Gedanken hatte man auf dem Klostergute noch
nicht gedacht, geschweige denn laut werden lassen - wie den
Schlafwandelnden, so schreckt ja ein unbesonnener Anruf das scheue
Glück vom Wege und macht es stürzen. -
»Über die Vermögensverhältnisse spricht man in unserer Familie
nicht, das merke dir!« wies sie ihn scharf und schneidend zurecht.
Sie drehte an einem Hahn über dem Spültisch und ließ sich das
frische Brunnenwasser über die Hände laufen. »Dein spätes
Mittagsbrot ist fertig - gehe in die Stube, ich komme gleich nach!«
sagte sie kurz über die Schulter.
Das war ein barsches Kommando. Felix biß sich zornig auf die
Unterlippe und schritt an seiner Mutter vorüber in die anstoßende
Stube. Da hatte zu allen Zeiten der Eßtisch gestanden, und der
tiefe Fensterbogen war der unbestrittene Platz der Hausfrau
gewesen. Die Fenster gingen, wie die der Küche, auf den Hinterhof,
den die Wirtschaftsgebäude und nach dem Schillingshofe zu eine
Mauer umschlossen. Vor dem oberen Stockwerk der Gebäude hin lief
ein bedeckter Gang; eine Reihe kleiner Fenster, von schmalen Türen
unterbrochen - einst die Mönchszellen -, mündeten auf ihn; das
waren jetzt die Heu- und Kornböden, die Obstkammern. Spreusiebe und
Rechen hingen an den Außenwänden, und auf dem Holzgeländer
trockneten Getreidesäcke und Pferdedecken.
Der überhängende Gang verfinsterte den Hof und ganz besonders die
Stube, vor deren Fenstern auch noch eine uralte Rüster ihren
mächtig entwickelten Wipfel ausbreitete... In diesem grüngefärbten,
ungewiß hereinfallenden Licht stand das Nähtischchen, und hier
hatte die stille Frau Rätin die Erholungsstunden ihres an Liebe so
karg bemessenen Ehelebens verbracht. Das Krähen und Krakeln des
Hühnervolkes auf der Düngerstätte, die Brummstimmen der Kühe von
den Ställen her, die Hantierung der ab- und zugehenden Knechte und
Mägde - das war das Lebensgeräusch für die Einsame gewesen.
Felix erinnerte sich noch, daß sie eines Sonntagnachmittags die
Korbwanne mit ihrem schlafenden Töchterchen neben sich gestellt
hatte, in der Meinung, ihr gestrenger Eheherr sei ausgegangen. - Da
war der Rat plötzlich eingetreten. Die Frau war jäh emporgefahren,
die Glut des Ertapptseins auf dem blassen Gesicht, Fingerhut,
Schere und Nadelbüchse waren auf die Dielen gepoltert, und der
finstere Mann hatte mit einem halben Blick nach dem Korbbettchen
beißend gesagt, hier sei sein Eßzimmer und nicht die
Kinderschlafstube.
An diesen Vorfall wurde Felix beim Eintreten lebhaft erinnert; denn
fast auf derselben Stelle schlief jetzt auch ein Kind; aber nicht
in der primitiven Korbwanne, zwischen buntgewürfeltem Bettzeug -
ein elegantes Wiegenbettchen stand da - grüne Seide spannte sich
über das Verdeck, und ein langer grüner Schleier fiel über die
kleine, flockenweiche und weiße Bettdecke ... Und am Nähtisch, auf
dem Platze der sanften, schlanken Frau saß eine vierschrötige
Person, mit dem bäurischen Kopftuch über dem dummdreisten,
vollstrotzenden Gesicht und strickte an einem groben Strumpfe. Sie
erhob sich nicht von ihrem Sitze, als der junge Herr eintrat, und
fuhr fort, mit der Fußspitze die Wiege zu schwenken - sie war sich
wohl bewußt, daß die Amme augenblicklich die Herrschende auf dem
Klostergute sei.
Felix hätte gern einen Blick durch den Schleier geworfen, um das
Gesicht des kleinen, schlafenden Vetters zu sehen, allein der
Anblick des Frauenzimmers auf dem Platze der verstorbenen Tante
empörte und verletzte ihn. Er setzte sich schweigend an den Eßtisch
und zog ein Lederetui aus der Tasche, das er öffnete, um ein
zusammengeklapptes Eßbesteck von Silber herauszunehmen ... Das war
das einzige von den Lucians herstammende Stück, das die erzürnte,
unversöhnliche Frau aus dem Königsberger Hausstand mit heimgebracht
hatte, das Patengeschenk des Großvaters, des längstverstorbenen
Obersten Lucian, für seinen Enkel Felix, den er selbst aus der
Taufe gehoben ... Das Etui war seitdem in der dunkelsten Ecke des
Silberschrankes droben im Giebelzimmer verblieben. Bei seinem
letzten längeren Aufenthalt auf dem Klostergute aber hatte der
junge Eigentümer durch Zufall das geflissentlich verborgene
großväterliche Geschenk entdeckt, er hatte es sofort mit heimlich
aufjauchzendem Herzen wiedererkannt und, trotz des mütterlichen
Protestes, als sein eigen reklamiert.
Nun schob er das einfache, holzstielige Besteck des Hauses beiseite
und legte das silberne auf die hingebreitete Serviette.