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Books on Demand GmbH

ISBN: 9783746046129

Gehst daher mit einem wehenden Segel
dass darauf zeigt dir den Weg zu weisen
den du dir nie bewusst werden ließest
in der steten Furcht unbewusster Kräfte
die dich vielleicht in eine Wildnis drängen
läufst dir davon und die Zeit rennt
begabt mit drei Sprachen
und beflügelt durch drei Federn
nur von deiner Familie verkannt
vielleicht als dumm betrachtet
was dich nicht zumindest bekümmert absonderlich
dein beziehungsloses Dasein von Heute ab zu kappen
müsstest dich wieder auf Heimwege begeben
und dir eine Arbeit zu zumuten
nach der großen Anzahl deiner Abenteuer
in denen der Held zwar den Dummen spielt
dass Leute oftmals missverstehen
sich mit dem zu identifizieren was du früher gewesen bist
in dem du deiner Lage gegenüber überlegen bliebst

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was ich auch immer tu

wird dir entgegen gehen

willst du mich wirklich sehen

warte bis der Winter vergeht

wird sicher lange dauern

dein sanfter Ritt da über Wolken

mich nicht zu kennen

der für dich zwischen die Finger glitt

spricht mich nur an als könnte ich

mich einfach davon machen

weil sie hier nicht zu ertragen

was aber nicht geht

das wird kaum gehen

was mich hier umgibt

ist der Spei eines Drachen

der mir Träne für Träne

immer in der Weise von Kälte bietet

weil ihnen hier die Worte fehlen

und bekämen sie nicht von allem genug

greifen sie stets zu Waffen

ihnen die Blöße ihrer Unfähigkeit zu nehmen

was ich davon bräuchte

wären die Schwingen des Adlers

die Beine einer Frau die zu fliehen versteht

den Leib einer Schlange, die sie würgen würde

und das Gefühl gegen ihre Verrückten anzugehen

ich riss ihnen ihre Wunden in ihr Fleisch

und würde mich nicht mehr nach ihnen umdrehen

selbst ein Blick wäre dies mir nicht mehr wert

Eine Geschichte, die eigentlich überall hätte vorkommen können.

Sie findet aber hier statt, in der Kleinstadt Schleswig, am nördlichen Rande von Norddeutschland gelegen.

Die Figuren sind frei erfunden.

Eine Stadt eng eingebunden in die Geschichte von Königshäusern, Wikingern, Kriegen gegen die Dänen, und ein Ort inmitten einer Provinz, die sich gerade noch Stadt nennen kann. Wenn auch viele der Ansässigen in Dialekten wie Friesisch, Plattdüttsch und Dänisch, Deutsch, Englisch oder in manch anderem europäischen Getue hier den Mund auftun, so kommen doch die wahren Schätze von fern her, wie zum Beispiel die Äpfel aus dem alten Land, die Gewürze aus dem Orient, die Schokolade aus der Schweiz und der beste Käse immer noch aus Frankreich. Die Menschen hier haben sich immer schon gern gegenseitig die Köpfe eingeschlagen, weil sie entweder das beste Land besitzen wollten, die größten Milchkühe, die größten Gewächshäuser, die ältesten Schränke im Foyer ihres Resthofs oder die stärksten Mütter ihrer Kinder.

Wenn aber in Schleswig heute noch von Stadt die Rede ist, dann eigentlich nur, weil alle Dörfer zusammen genommen die Zahl der Bewohner dieser Stadt berechneten. Hier ist und bleibt die letzte Provinz des Nordens. Hinter dem nahen Grenzbalken liegt schon Dänemark und ein Skandinavien, das der deutschen Mentalität so gar nicht entspricht.

Wenn Besucher hier vorbei kommen, suchen sie nach den Spuren aus mittelalterlichen Zeiten rund um den Dom. Erste Siedlungen zeugen sogar von noch älteren Anfängen. Kultur und Schleswig's Entstehungsgeschichte werden in Museen sorgfältig bewahrt.

Politik und Kontraste jedoch zeigen ein ganz anderes Bild dieser Gegend. Inzwischen sind es Firmenpleiten, die Rede machen, ein Aussterben der Innerstädtischen Geschäftsgebaren, wie in vielen anderen Orten auch Industriebrachen zu finden gehen, stattdessen gibt es besetzte Häuser und gewisse Spannungen in gleich drei Stadtteilen, in welchen eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich deutlich macht, dass damit entstehende Konflikte unvermeidlich sind. In diesen Stadtteilen finden tragische, bisweilen groteske Gewohnheiten ihren Gang. Menschen ohne Arbeit, in alkoholisiertem Zustand gehen ihrer eigenen Lieblingsbeschäftigung nach, fern der Gesellschaft, die sich die Arbeiterklasse nennt. Zu alter Zeit waren diese Stadtteile noch in der Hand von mittelständischen, Handwerk betreibenden und wohlhabenden Leuten.

Heute doch nutzen sich raffinierte Erben dieser Häuser die Vorteile eines pflichtbewussten Mietzahlers, des Sozialamts. So werden solche Wohnstätten teils ausschließlich von Arbeitslosen bewohnt, ab dem Tag, an welchem 'Normalmieter' aus diesen Häusern vertrieben wurden. Und ganze Stadtteile gettoisieren. Damit werden die Vermieter auf schnellem Wege reich, und ganze Stadtteile verarmen. Die sogenannten 'vornehmen Viertel' zählen nur noch zur Ausnahme. Dort stehen noch die Villen, die niemand mehr aus der Hand geben würde, die Eigentümer noch weniger vermieten wollen, aus besagten Gründen.

Man fragt sich also, was ist hier noch verborgen, an welchen Geheimnissen geht hier noch zu graben?

Es sind wohl solche, an welchen sich zu anfangs unbescholtene Bürger gern die Finger schmutzig machen. Es sind diese Figuren einer Geschichte, wie sie überall in diesem Land vorkommen und Tatsachen öfter auftreten und doch in einer realistischen Welt verankert sind, und das mehr, als es einer Kreisverwaltung oder den Bürgerbeauftragten vielleicht lieb ist.

Ein schöner Schein nicht wahr

manche finden ihn nicht einmal

als gab es nur die Idee

bedeute aber Vielen

dass nicht darüber geredet würde

leer ihr Traum vom Paradies

ein schöner Schein

nicht immer blankgeputzt

und ein bisschen verzerrt der Spiegel

hinter dem eine Schachtel

in dem Diebe, Dealer, Quäler

ihre Schätze verewigen müssen

von weitem gesehen

ein Geschenk dass sie über die legen

ein Segel über die Blüten

und sie wie oft

eine lange Zeit damit verbringen

ein Auge zu haben

und jemand für ihre Triebe zu finden wär'

und keiner erlebt es

dass dem einen oder anderen würde vergeben

statt im Hier und Jetzt

Vergangene Illusionen

entfachter Zorn ein bisschen Geist

Warten, dass alles gewesen

unter Tieren gejagt

und gefressen von ihnen selbst

Der Rat ruft sich zusammen!

Blicken wir also vom Rathaus desjenigen Ortes, mitten hinein in den Stadtrat und von da aus ins Büro des parteilosen Bürgermeisters, und darin nimmt die Geschichte ihren Lauf. Das geschichtsträchtige Gebäude allein weißt schon daraufhin. Es ist ein Eingang in eine Kultur. Und vielleicht auch wieder ein Ausgang hin zu einem anderen Leben, von dem der Außenstehende erst erfährt, wenn sich über diesen Ort eine Erzählung zusammen fädelt. Der Tod weiß, dass er sowieso siegt. Deshalb gibt er dem Leben einen Vorsprung. Des Todes Personifizierung aber hat wohl schon immer die Rede davon -

Die Helden und die Bösen müssen leiden!

Bürgermeister Sönke Espersen tobt in seinem Büro.

Sönke Espersen

Geht denn hier gar nichts seinen Gang? Wie oft habe ich schon gesagt, dass unser Stadtrat nur aus Opportunisten besteht! Keiner will zugeben, dass unsere Region ein besseres Bild benötigt, dass von mehr Sauberkeit spricht. Aber die Herren, mit sich selber befasst, sind nur daran interessiert, für ihre kleinen Geschäftchen günstige Grundstücke zu ergattern und sich selbst an Immobilien und am Kuchen zu bereichern! Würden die Herrschaften sich vielleicht endlich an die Arbeit machen, die dem Dienst unseres Schleswiger Bürgertums gerecht wird und dem Fortkommen unserer Stadt?

Man sieht einfach mit an, die Leute haben es satt, wenn wir, die Bonzen, nur dasitzen, um sich fein raushalten. Es fällt mit der Zeit auf, keiner hat mehr den Mumm, sich für eine Gemeinde zu engagieren? Ich bin diesen Filz langsam Leid.

Wir sitzen nun zum hundertsten Mal hier beisammen, und noch immer hat sich nichts geändert, bezüglich der Ansiedlung neuer finanzstarker Investoren rund um die Stadt. Wir beharren zwar stets auf unseren Rechten, und es gibt manchmal eine Unterschriftenaktion für Minderheiten, aber unsereins will bloß, dass in der Lokalpolitik alles landschaftlich so bleibt, wie es ist. Wie viel Dummheit braucht es noch, zu bemerken, dass allmählich unsere Wohngegend verarmt, und wer will schon noch mehr Langzeitarbeitslose hier haben, die das Stadtbild verschandeln?

Puterrot steht der Bürgermeister vor der Menge des Stadtrats im großen, festlichen Saal eines mittelalterlichen Gebäudes, abgeschottet gegenüber der Bürgerschaft hinter meterdicken Mauern. Sein Gesicht ist angeschwollen. Das Hemd Schweiß durchnässt. Er greift sich an die Krawatte und zerrt an ihr, weil sie ihm anscheinend die Luft raubt, als in genau diesem Augenblick die Tür aufgeht und die Catering-Truppe des städtischen Behindertenvereins aus ihrer Zentralküche zehn Platten sorgfältig zurecht belegter Schnittchen herein bringt.

Espersen

Was wollen die denn jetzt hier? Dies ist eine geschlossene Gesellschaft! Habt ihr schon mal was von Pünktlichkeit gehört? Als hättet ihr noch einen Stern extra verdient für eure Nachlässigkeit. Los! Los! Wenn ihr schon jetzt hier aufkreuzt, dann beeilt euch mal ein bisschen. Hier wird gearbeitet. Und seht zu, dass ihr bei euch zuhause mal den Wecker stellt, der besagt, wann die Arbeit eigentlich anfängt!

Die drei Servicearbeiter aus der Hotelküche am Bahnhofsplatz fahren erschrocken zusammen, stellen die Platten auf den Tisch, entfernten die Frischhaltefolie blicken sich schuldbewusst in die Augen und hasten wieder aus dem Raum.

Espersen

Wo war ich stehen geblieben? … Ach ja, es herrscht hier nur eine Sucht von Egomanen. Wer wäre schon bereit zuzugeben, dass die Aufträge, die unserer Stadt am Herzen liegen, noch immer auf Eis gelegt sind? Wir haben schon die bankrotten Gebäude der Kaufhausketten aufgekauft, um so schnell wie möglich abzureißen. Aber tut sich da was, seit meiner Amtszeit? Nein. Wie würde sich ein neues Parkhaus machen, wenn kein Geld dafür da ist? Die Innenstadt muss attraktiver werden. Wer soll denn sonst noch Interesse haben hier bei uns einzukaufen? Ich schätze, es wäre heute Punkt Eins auf der Tagesordnung, zu schauen, wie sich die Einkaufsstraße verbessert, sonst sehe ich schwarz.

Finanzberater Theissen

Wo wir schon dabei sind. Wir haben viel in neuen Wohnraum investiert. Damit werden automatisch neue, wohlhabende Wohngebiete erschlossen. Wenn schon Menschen aus dieser Gehaltsklasse herkommen sollen, dann braucht es Grundstücke auch inmitten der Stadt. Warum reißen wir nicht mehr alte Häuser ab, wenn sie schon teils leerstehen und verrotten? Es wäre günstiger, wenn die Mieten im Zentrum höher ansteigen, wenn uns nicht eine Herde Arbeitsloser die Haare vom Kopf fressen soll.

Espersen

Stimmt. Für diese Sparte Leute habe ich absolute Nulltoleranz. Wie wäre es, wenn der Kreis mehr Leute darauf ansetzt, diese Gesellschaft gezielter in die Werkstätten außerhalb auf den Dörfern in die Umerziehung der Langzeitarbeitslosen zu schicken oder ihnen einfach gesagt ganz die Teilhabe am Arbeismarkt zu verweigern? Ohne Moos nix los, sagt man ja. Solche Leute flüchten dann vielleicht wieder auf' s Land zurück, wo die Mieten billiger sind. So könnte man sie kurzerhand an den Rand drängen. Oder hat jemand einen besseren Vorschlag?

Bauberater Thomsen

Wir haben schon auf dem alten Kasernengelände eine Menge Land erschlossen und die Wohnanlage mit 'Platz an der Sonne' erfolgreich bebaut und abgeschlossen. Kann man denn gar nichts dafür tun, Bürgermeister, die Neureichen haben den Wunsch, das restliche Grundstück am Wasser zu kaufen und zu privatisieren, damit nicht jeder Hinz und Kunz Zugang zu dieser Idylle hätte. Außerdem beschweren sie sich darüber, dass die Spaziergänger viel zu leicht durch ihre Fenster in die Wohnungen blicken könnten.

Espersen

Nein. Der Weg bleibt. Denn die Alteingesessenen der alten Fischersiedlung gehen nicht davon ab, die Rechte auf dieses Land abzugeben. Sie heißen in der Gegend Besucher und Touristen willkommen, auch dort ihren Urlaub zu genießen und ihre Spaziergänge zu unternehmen. Diese Besitzansprüche werden sie behalten wollen, egal was es kostet.

Anwalt Moorkamp

Sagt an. Wir wissen aber doch, jeder ist käuflich. Geht es denn nicht an, diese kleine Sippschaft davon zu überzeugen, ihr Land an die Stadt herzugeben? Die ganze Politik läuft doch immer darauf hinaus : Es braucht nur die richtige wohlmeinende Kaufsumme, und Leute werden vernünftig. Im großen Bundestag selbst, kann doch ein Politiker lange schon nicht mehr durchsetzen, was eine Partei zum Programm hat. Tausend Lobbyisten kaufen sich nach und nach sämtliche Politiker auf. Gut und sie kassieren noch Belohnungen für jeden Fang. Das sind Summen, davon ist hier in der Provinz niemals die Rede. Ich denke auch, so eine arme Fischersiedlung wird doch vor einer gehörigen Summe nicht Halt machen! Man könnte ihnen doch anbieten, die alte Waldemarsmauer am Dannewerkwall endlich einmal gründlich zu restaurieren. Mit den Wikingern sind die Fischer doch auf gutem Fuß...! Ich denke, es wäre doch gelacht, wenn wir die nicht weichkriegen.

Espersen

Genau daran hakt es. Diese Menschen gehen nicht so leicht zu manipulieren. Alles was sie immer investierten, war in deren eigenes Land, ihre Häuser und eben jenen Besitz, den sie seit Jahrhunderten verwalten...

Ich sehe aber auch, die Widerstände der alten Einwohner und der Arbeiterklasse, der Armen, der Ausländer und Asylanten nehmen stark zu. Ich denke, wir müssen gemeinsam daran arbeiten, eine Ordnung wieder herzustellen. Deren intelligente Tatkraft muss im Keim erstickt werden. Aber wozu haben wir denn die Ämter? Das hier war einmal ein Ort mit Ruhe und Wohlstand. Wo kämen wir hin, wenn wir uns einfach über den Haufen rennen lassen?

Polizeipräsident Kettler

Die Beliebtheit dieser Stadt beruht auf ihrer Sicherheit. Und die muss voran gehen. Gut meine Angestellten machen sich nicht viel daraus, dass mit Ruhestörern kaum zu kommunizieren geht. Ihr krimineller Jargon geht auch kaum nachzuvollziehen. Aber ein besetztes Haus zum Beispiel, ist ein Gefäß für jedermanns Moral und Pessimismus, der sich breit macht und einen Ort nur immer negativer ausgestaltet. Das wünschen sich die Rentner dort bestimmt nicht, die sich kaum noch raus auf die Straße trauen.

Diese Leute sollen besser da bleiben, wo keiner mehr was von ihnen sieht oder hört. Es sind Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, in Augenhöhe mit dem Verbrechen. Davon kann jeder singen, der solche Leute schon in der direkten Nachbarschaft ertragen musste. Ich finde es sind Psychos, die Süchtigen gehören klipp und klar gesagt nicht in unserer Mitte aufgenommen. Sonst werden wir unsere Ängste nicht mehr los, wie unsere Kinder einmal beschützt hier leben können, wenn es uns einmal nicht mehr gibt. Diese Leute sollten keine Stimme haben, kein Mitspracherecht und keine Sonderbehandlungen. Ich denke, wer von denen seine Papiere nicht in Ordnung behält, sollte so schnell es geht, an die Luft gesetzt werden. Es endete sonst alles eines Tages innerstädtisch in einem Chaos!

Das Gespräch im Stadtrat setzt sich noch eine Weile fort. Und sie kommen wie immer auf keinen richtigen Nenner. Es ist ein Gesellschaftsspiel, das sich stetig wiederholt. Als Zuschauer hätte man nur eine Antwort auf dieses aufgeblähte Sammelsurium von Schwätzern und Sprechblasen gegeben. Er scheint ein Bürgermeister zu sein, der hetzen will. Eine Bürgerschaft aber ist eine, die nicht stillsitzen will. Sie lassen solange nichts durchgehen, und halten auf Ratsbestimmungen mit Argusaugen wache, sobald die Rechte anderer missbraucht werden. So kämpfen viele dennoch für sozialen Wohnungsbau und für deren Rechte, die ausgegrenzt werden sollen, denn auch die Armen wünschen sich die Wahl, politisch mitzubestimmen, was nur über deren Köpfe bestimmt wird. Nichts absurdes. Jung träumt so mancher, wie er viele Male mit Indianern in den Bergen flog. Später aber sieht er, wie die Juden in den Straßen begraben worden sind. Man sieht auch heute noch, dass Leute auf eine andere Zeit warteten, die kommen wird, wenn sie begreifen, dass die Politik von ihnen selbst abhängt. Sie atmen die Luft aus einem anderen Leben und Zeit und Ort. Sie erinnern sich.

Auf ihren Bannern steht die Schrift, die alles anprangern wird.

Sieh die blass, blaue, himmlische Luft, und trug dich der weiße Flügel gegen den Wind...

Ist es keine Kunst mehr, wird auch kein Krieg mehr nötig sein.

Ein Vorsatz zu leben

Am Ende der Königlichen Straße, die mit Blick auf das Gewässer der Schlei vom Schloss, direkt zur Altstadt verläuft, steht ein altes Haus. Die Fenster zugehängt und mit schwarzen Fahnen versehen. Das Haus wurde ab dem Zeitpunkt stadtbekannt, als die Nachbarn erfuhren, dass sich nur Arbeitslose dort aufhielten, die derart mit ihrer Alkohol- oder Drogensucht befasst waren, dass ihnen kaum ein gewohnheitsmäßiger Alltag zuzurechnen war.

Die Leute meiden das Haus und alle, die darin wohnen.

Die Stadt empfindet es als ein Ärgernis und einen Schandfleck und verurteilen die Vermieter deshalb als verantwortungslos, nichts gegen diesen Zustand zu unternehmen, sondern dem Haus beim Verfall nur zuzusehen, wo schon die Ratten sich durch poröse Mauern durchfressen und durch alle Wände wandern. Wenn sich auch eine lange, bekannte Geschichte darum erzählt, über die Besitzer, die es jahrhundertelang schon gab. In einem solchen Gebäude nun hausen sie, die schon allein so tief gefallen sind, dass sie fast umsonst dort wohnen, überhaupt keine Miete mehr zahlen, den Hof mit Müll zustopfen, wie mit Fahrrädern, platten Autoreifen, Anhängern, Kühlschränken, kaputten Möbeln oder einfach altem Mist, den keiner mehr braucht.

Die Stadt sieht wohl seit Jahren dabei zu, und ahnt nicht wie wenig man in dieser Nachbarschaft noch zum Leben aufschaut!

Die Rede besagt, die Blicke gehen immer rund!

Aber der Volksmund hat doch die Rede davon, wenn ein Staat den Leuten auf die Beine zu helfen versucht, gilt es im Gegensatz dazu, nur den Versuch anzustellen, Struktur und Ordnung zu schaffen, Analogien in sich selbst zu suchen, eine Logik zu suchen, um der Welt zu beweisen, dass es auch anders geht!

Also schenken die meisten Nachbarn diesem Haus auch keine Beachtung mehr. Ein Vermieter selbst hatte sich ins eigene Fleisch geschnitten. Sie zahlen keine Miete mehr, und er wird diese Gesellschaft nicht mehr los. Die Zeit scheint darin stillzustehen.

Zugegeben, es hat in den letzten Monaten wohl ein Pärchen gegeben, dass sich klug und aufrecht dazu äußert, dieses Haus nicht räumen zu wollen, aus Angst das geschichtsträchtige Haus würde widerrechtlich abgerissen. Sie bauen außerhalb, vor dem Eingang Tische und Stühle auf, stellen ein Schild dahinter und besetzen den Ort für einige Wochen nun schon, um dagegen lauthals zu demonstrieren. Die Stoffe an den Hauswänden und Schilder haben die Aufschrift -

Keinen Machtmissbrauch gegenüber den Schwächsten!

Gegen Rassismus – Intoleranz – und Korruption!

Manipulation beweist,
der Mensch ist des Menschen Wolf!

Das Mädchen hebt dabei das Megaphon und posaunt in die gesamte Straße durch die Altstadt -