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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
2. teilweise überarbeitete Auflage
© 2017 Raik Johne
Herstellung und Verlag:
BoD - Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 978-3-7431-5083-6
Man sagt zwar: „Träume sind Schäume“ - aber andererseits wurden aus Träumen schon viele gute Ideen geboren. Und wenn es dein Traum ist, in einem eigenen Tonstudio zu arbeiten, zu experimentieren, zu spielen oder was auch immer, dann mache diesen Traum doch zur Wirklichkeit.
HALT! Nicht gleich das Buch wieder zuschlagen!
Ohne Hellseher zu sein - ich kann mir gut vorstellen, welche Gedanken gerade in deinem Kopf kreiseln. Vor allem sind es wahrscheinlich auch diese beiden Fragen:
Wie soll ich das bloß anstellen?
Wie soll ich das bloß bezahlen?
Bei der zweiten Frage kann ich dir zwar nicht direkt weiterhelfen, aber wir sprechen an dieser Stelle sicher auch nicht von einem High-End-Studio, welches du dir schlagartig einrichten willst. Im nächsten Kapitel wird es auch gleich noch einmal um diese Fragestellung gehen und die Bezeichnung „Projektstudio“ etwas genauer umrissen.
Was die erste Frage angeht - na ja, eigentlich ist genau dafür das Buch geschrieben worden. Vor allem, wer doch sehr neu in der Branche ist, wird sich eventuell nach Ratschlägen umschauen, die eine gewisse Grundrichtung vorgeben. Heutzutage ist da schnell ein Rundumschlag in die Weiten des Internets getan, aber wahrscheinlich wirst du danach nicht viel klüger sein. Zwar geben dir Experten, Tontechniker und Produzenten viele schlaue und gut gemeinte Ratschläge. Allerdings darfst du nicht erwarten, dass diese virtuell befragten Fachleute alle einer Meinung sind. Im Gegenteil - jeder hat da so seine eigenen Vorstellungen von dem, was ein gutes Studio ausmacht. Für dich als Neueinsteiger dürfte einiges davon eher verwirrend als hilfreich sein. Eine gute Alternative stellen zahlreiche Fach-Zeitschriften dar, die wohlsortiert das Wissen an die Leser weiterreichen. Allerdings gehört auch dabei wieder ein bestimmtes Grundverständnis dazu. Außerdem bekommst du die Informationen quasi nur in monatlichen Häppchen. Damit will ich auf keinen Fall vom Lesen von Fachzeitschriften abraten - im Gegenteil. Du musst beim Umgang mit einer technischen und computerlastigen Branche auch immer mit bedenken, dass sich vieles in kürzester Zeit verändert und verbessert. Mit monatlicher Fachliteratur bist du auf jeden Fall auf der Höhe der Zeit und bekommst in verschiedenen Workshops auch Anregungen für deine Arbeit. Allerdings muss man große Teile der erwähnten Zeitschriften eher als Aufbaustufe sehen. Damit fehlt dem Neuling immer noch das Basiswissen. Also ist der heutzutage manchmal altmodisch erscheinende Griff zu einem schnöden Buch vielleicht doch nicht so verkehrt.
Das vorliegende Buch soll für dich als Basis-Informationsquelle dienen. Sobald du dann ein bestimmtes Wissens- und Erfahrungslevel erreicht hast, tut sich dir eine ganze Bandbreite an Büchern zur Studio- und Tontechnik auf, in denen teilweise sehr spezielle Gebiete beschrieben und erklärt werden.
Wie ist dieses Lesewerk nun entstanden? Nun - in den letzten Jahren habe ich mich auf Literatur für den Neueinsteiger spezialisiert, da solche Bücher auf dem Markt doch sehr rar sind. Neben der Vermittlung der Grundlagen wird immer auch an Beispielen gearbeitet und damit sowohl Theorie als auch Praxis an den Neuling herangebracht. Wenn du also weiteren Lesebedarf haben solltest, verweise ich schon jetzt auf das Kapitel 12, wo du Hinweise zu meinen und zu anderen Büchern findest. Außerdem werde ich im Laufe des Buches einige Querverweise geben, die sich so entschlüsseln lassen:
• | Studio II | - „Mein erstes Tonstudio - Band II“ |
• | Synthi | - „Keine Angst vorm Synthesizer“ |
• | Samplitude | - „Im Tonstudio mit Samplitude“ |
• | Chor | - „Nimm den Chor doch selber auf“ |
• | Effekte | - „Effekte-Praxis im Tonstudio“ |
So - nun soll es aber losgehen. Zunächst wird in einigen Kapiteln auf die wichtigsten Bereiche und technischen Erforderlichkeiten im Studiobereich eingegangen sowie die Arbeitsweise der entsprechenden Geräte erklärt. Damit alles nicht nur graue Theorie bleibt, werden im Anschluss die wesentlichen Arbeitsprozesse innerhalb einer Recording-Software erläutert. Außerdem sei bereits an dieser Stelle der Hinweis auf den Band II in Form eines Arbeitsbuches gestattet.
Denke immer daran: Bewegen kannst du nur etwas, wenn du es selbst anpackst. Und dieses Buch soll dir dabei helfen und Wegbegleiter sein für die sinnvolle Einrichtung eines eigenen Projektstudios. Ich hoffe, dass du nach dem Lesen nicht mit Schrecken und blank liegenden Nerven, sondern voller Freude und Stolz sagen kannst: MEIN ERSTES TONSTUDIO.
Die Einrichtung eines eigenen Studios scheitert bei den meisten zunächst an der finanziellen Seite. Das mag aber zum Teil auch daran liegen, dass die Vorstellung von dem, was ein Einsteigerstudio ausmacht, doch häufig sehr undefiniert ist. Klar - ohne Moneten lässt sich kaum etwas bewegen, und du musst dir auch darüber im Klaren sein, dass die ernsthaftere Beschäftigung mit der Tonstudiomaterie quasi ein Fass ohne Boden ist. Die Anfangsinvestitionen sind nicht ohne und danach hört das Geldausgeben mit Sicherheit nicht auf, wenn man auf der Höhe der Zeit bleiben und sich auch weiterentwickeln möchte.
Mit dem Wort „Tonstudio“ verbindet man auch heute noch die Vorstellung von riesigen Mixerkonsolen, diversen Aufnahmeräumen, Schränke voller Mikrofone und einer Handvoll Leute, die das Ganze dann bewirtschaften. Sicher, so oder ähnlich trifft das ja auch auf die Branchenriesen zu. Allerdings ist es wohl kaum drin, als Neueinsteiger so etwas aus dem Boden zu stampfen. Ein Projektstudio, wie es vielleicht eher dein Ziel ist, sieht demzufolge auch gänzlich anders aus. Und eigentlich müsste man „Hurra“ schreien, denn wir leben in einer Zeit, in der es mit relativ wenig Aufwand möglich ist, eine studiotaugliche Basisausstattung einzurichten, und das sogar, ohne in größere monetäre Konflikte mit der Haushaltskasse zu geraten.
Dreh- und Angelpunkt in dieser Frühphase ist, dass du dir klarmachen musst, in welchem Studiobereich du dich hauptsächlich siehst, wofür du das Ganze eigentlich tust und was deine kurzbis langfristigen Ziele sind. Wenn du Alleinbestreiter des Unternehmens werden möchtest, musst du auch für alle Arbeitsgänge fit sein (materiell wie arbeitstechnisch). Das heißt, du bist dann sozusagen Aufnahmeleiter, Produzent, Mischassistent und Strippenzieher in einer Person.
Was die einzelnen Arbeitsgänge angeht, so gibt es auch hier natürlich diverse Möglichkeiten. Möchtest du nur Material mischen, was schon anderweitig aufgenommen wurde (beispielsweise in Richtung Remix)? Willst du auch im Aufnahmebereich tätig werden und Gesangsaufnahmen machen oder aber ganze Bands simultan verewigen? Oder vielleicht möchtest du eher rein elektronische Musik mit Synthesizertechnik produzieren? Eventuell soll es ja auch von allem ein bisschen sein. Auf jeden Fall bestimmt dein Ziel maßgeblich den Aufwand in Bezug auf Räumlichkeit und technische Einrichtung. Deshalb sollen nachfolgend für beide Seiten einmal die wichtigsten Notwendigkeiten genannt werden - abgestuft nach möglichen Zielen des Projektstudios.
Der Neueinsteiger in die Studiomaterie wird in den seltensten Fällen gleich ein Grundstück kaufen, um darauf seinen Soundtempel zu errichten. Eher spielen sich die ersten Gehversuche nur allzu oft in den eigenen vier Wänden ab. Das heißt, dein spießiges Arbeitszimmer wird plötzlich zum „Production Room“ oder du richtest fernab der Familie in deinem Keller einen Studiobereich ein, insofern es deine bessere Hälfte gestattet und auf die eigentlich geplante Sauna verzichtet.
Wir gehen im Moment mal von einem einzigen Raum aus, in welchem sich das gesamte Geschehen abspielen soll. Egal, ob nun nur gemixt werden soll oder auch eine aufwändige Mikrofonierung ihren Platz finden muss - du brauchst auf jeden Fall einen Raum, der einige grundlegende Eigenschaften aufweisen muss:
Kümmern wir uns zunächst um die Raumakustik. Für ein relativ neutrales Klangbild beim Abhören ist ein Raum ohne zu viele Verfälschungen notwendig. So einen Raum wirst du allerdings im normalen Wohnbereich kaum finden. Zumeist sind die Räume rechteckig angelegt, das heißt, die Wände stehen parallel zueinander. Die Folge daraus kennt jeder, der sich schon mal beim Umzug oder beim Renovieren in einem leeren Raum Applaus gespendet hat: Der Schall wird zwischen den Wänden hin- und hergeworfen, was man auch als Flatterecho bezeichnet und im Studio auf keinen Fall brauchen kann. Abhilfe schafft hier meist schon eine geschickte Anordnung der Einrichtungsgegenstände, die dem Schall den direkten Weg von Wand zu Wand verbauen. Da reicht oft bereits einfaches Probieren verschiedener Anordnungen. Materialien aus Stoff fangen ebenfalls einen Teil des Schalls ein. Mit einem Perserteppich kannst du zwar deine Studiogäste beeindrucken, aber ein normaler Flausch bringt es auch und Gardinen am Fenster tun ihr Übriges. Es muss auch nicht unbedingt die legendäre Eierpappe herhalten, obwohl die Ergebnisse in Bezug auf die Echos damit durchaus brauchbar sind. Allerdings büßt du meist im mittleren bis hohen Bereich auch Klangpräsenz ein. Die professionelle Bekämpfung der Raumreflexionen geschieht meist mit Diffusoren, die den Schall in unterschiedliche Richtungen streuen. Wenn du Geld im Überfluss hast, kannst du natürlich auch dazu greifen, aber erschrecke nicht vor den aufgerufenen Preisen.
Ein zweites akustisches Problem sind sogenannte stehende Wellen, die es im Grunde in jedem Raum gibt. Diese Raumresonanzen, die durch Länge, Breite und Höhe des Raumes vorgegeben sind, liefern uns eine Überbetonung bestimmter Einzelfrequenzen, was sowohl beim Abhören als auch beim Aufnehmen einfach nur nervig ist und ein professionelles Arbeiten eigentlich unmöglich macht. Die Lösung hierfür sind Absorber, die die Schallenergie zum Teil in sich aufnehmen. Einerseits können dies die schon oben beschriebenen Teppiche oder auch größere Vorhänge leisten. Gepolsterte Sitzmöbel (vor allem in Sofa-Dimension) funktionieren ebenso gut. Man kann natürlich auch spezielle Absorber einsetzen, die auf die Raumdimensionen abgestimmt sind. Solche Absorber gibt es sowohl als regalartige Module als auch für die Studioecken, wo sie besonders den Bassbereich bereinigen. Billiger geht es, wenn du ein wenig handwerklich begabt bist. Im Internet kursieren diverse Bauanleitungen für wirklich professionelle Absorber, die man aus ein bisschen Holz, Mineralwolle und Stoffbespannung selbst herstellen kann. Auch für die Bass-Fallen in den Ecken gibt es einen beliebten Trick unter den Studioleuten, die in eher kleineren Studios produzieren: Hole dir einfach aus dem Baumarkt einige große Kunststoffeimer (so im Bereich um 50 Liter), fülle diese mit Mineralwolle und spanne einen nicht zu dichten Stoff darüber - fertig sind deine Eckabsorber, die du nur noch in den Studioecken aufstellen musst.
Bei all diesen Maßnahmen solltest du aber im Auge behalten, dass auch hier zu viel des Guten eher Schlechtes bewirkt. So kannst du einen Raum ganz fix schalltot machen und nimmst ihm dabei jeden eigenen Charakter. Das macht sich besonders bei Mikrofon-Aufnahmen bemerkbar, denen so quasi jegliche Rauminformation fehlt, welche du dann wiederum komplett künstlich hinzufügen musst. Überhaupt gilt, dass ein Raum nicht klinisch rein, sondern einfach nur gut klingen muss. Alles andere muss man im Nachhinein nur wieder mühselig ausbügeln.
Einige der beschriebenen Maßnahmen kannst du auch deshalb in Grenzen halten, weil im kleineren Studio wahrscheinlich mit Nahfeldmonitoren gearbeitet werden soll. Bei richtiger Aufstellung reduziert sich beim Abhörprozess automatisch der eventuell negative Raumeinfluss [siehe Kapitel 6]. Auch für Mikro-Aufnahmen musst du nicht gleich das komplette oben beschriebene Programm abarbeiten. Probiere doch erst einmal, wie dein Raum eigentlich auf einer Aufnahme klingt. Hierzu solltest du allerdings ausnahmsweise mal mit Kopfhörern kontrollieren, da sich ansonsten der Raumcharakter der Aufnahme mit dem der Wiedergabe überlagert. Falls Handlungsbedarf besteht, dann teste doch mal (falls vorhanden) verschiedene Mikrofone mit unterschiedlichem Charakter [siehe Kapitel 4]. Das wirkt manchmal schon Wunder. Weiterhin kannst du versuchen, den Raumeinfluss auf deine Mikrofonposition zu reduzieren. Zwar gibt es im Handel dafür halbkreisförmige Absorber (Mic-Screens), die man hinter das Mikro stellt, aber ich bin davon nur teilweise begeistert, da meiner Meinung nach der Frequenzgang der Aufnahme leidet und die Aufnahmen verwaschener klingen im Vergleich zu den Aufnahmen ohne Absorber. Bei manchen Modellen kombiniert mit ungünstiger Aufstellung (Mikro zu weit innerhalb des Schirms) kann der Sound regelrecht verfälscht werden! Einfacher geht es, wenn du nur mal mit der Position des Mikros experimentierst und dich nicht gerade in eine basslastige Ecke stellst.
Ohne jetzt meine eigenen Ausführungen zur Notwendigkeit einer guten Raumakustik in Frage stellen zu wollen, muss ich noch folgendes bemerken: Es gibt durchaus professionelle und auch auf Tonträger erschienene Aufnahmen, die in keinerlei Studio gemacht wurden. So werden manchmal bewusst Wohnräume, Garagen, Badezimmer oder Treppenhäuser genutzt, um der Aufnahme einen eigenen Charakter zu geben. Weiterhin sind mir Beispiele bekannt, wo Bands auf ihrer Tour quasi nebenbei ein neues Album produzieren wollten und die Aufnahmen dazu im Hotelzimmer durchgezogen haben.
Kommen wir zum Bereich der Schalldämmung. Gemeint ist dabei eine akustische Isolierung in beide Richtungen. Einerseits möchtest du auf deinen Aufnahmen sicher nicht jedes vorbeifahrende Auto verewigt haben oder - falls dein Studio auf dem Lande steht - die Schafherde von nebenan. Auch das Bobbycar, mit dem deine Kinder über den Flur rattern, macht sich schlecht in einer verträumten Ballade. Andererseits sollte der Krach - sorry, ich meine der Sound, den du produzierst, nicht den halben Straßenzug beschallen, wenn du nicht gerade großen Redebedarf mit deinen Nachbarn hast. Um all dies wirklich professionell zu erreichen, musst du zwangsläufig tiefer in den Geldbeutel greifen. Eine richtige Schallisolierung ist eine Baumaßnahme! Richtig bedeutet in diesem Fall, dass dein Studioraum wie in einer Thermosflasche steckt, bei der sich äußere und innere Wand quasi nicht berühren. So etwas kann man eigentlich auch nur noch mit entsprechenden Fachleuten vernünftig lösen.
Für den Einsteiger gibt es trotzdem ein paar Möglichkeiten, zumindest einige Optimierungen am gewöhnlichen Wohnraumstudio vorzunehmen - handwerkliches Geschick wiederum vorausgesetzt. Um im Wandbereich eine Schallisolierung zu erreichen, brauchst du eine Wand vor der Wand. Am einfachsten arbeitet es sich mit Rigips-Platten, die du im Abstand von circa 10 cm vor die Zimmerwand stellst. Um möglichst wenige feste Verbindungsstellen zwischen den beiden Wandflächen zu bekommen, kannst du die Rigips-Platten in Trockenbau-Rahmen verankern, die je nach Konstruktion nur an Boden und Decke verschraubt werden müssen. Den Hohlraum zwischen den Wänden füllst du locker mit Mineralwolle auf. Auch die Decke kannst du abhängen und den Hohlraum wiederum auffüllen. Es sollte aber hierbei an eine vernünftige Durchgangshöhe für größere Leute gedacht werden, um die besonders emotionalen Musiker vor klaustrophobischen Anfällen zu bewahren. Und hier noch ein Tipp der Marke „Kleine Ursache - große Wirkung“: Kontrolliere und ersetze bei Bedarf die Dichtungsgummis an Türen und Fenstern. Das spart nicht nur Heizenergie, sondern isoliert schalltechnisch manchmal ungemein.
Eine andere Sache noch nebenbei: Wenn du mit Mineralwolle arbeitest, solltest du unbedingt an deinen eigenen Schutz denken. Auch wenn es etwas nach Reaktorkatastrophe aussieht - ich arbeite immer mit Handschuhen, Ganzkörper-Wegwerfanzug, Schutzbrille und Mundschutz. Es geht sicher auch ohne, aber du hast dann in den nächsten Tagen noch deine Freude daran, wenn du dich zwischen den Asthma-Anfällen zerscharrst, als hättest du die Krätze.
Nun noch ein Wort zur Bequemlichkeit. Ja, auch dieser Punkt ist bei der Studioeinrichtung nicht zu unterschätzen. Je nachdem, welchen Anteil die Studioarbeit in deinem Leben einnehmen soll, ist das Studio letztlich entweder der Hobbyraum oder eher ein Arbeitsplatz. In beiden Fällen musst du dich aber auch darin wohlfühlen, und wer hindert einen daran, es neben der praktischen und technisch sinnvollen Einrichtung auch gemütlich zu haben? Nebenbei geht es auch nicht nur um dich selbst, sondern ebenso um jegliche Studiogäste, die im Sinne von umsorgten Kunden auch ein Recht auf gewissen Komfort haben. Ein Musiker, der einfach mal gute Laune hat, bringt es letztlich auch zu besseren Ergebnissen. Also - insofern Platz ist - unbequeme Stühle raus - Sofa rein. Damit meine ich nicht den Platz am Mischpult oder PC, sondern die Aufenthaltsecke, in die sich gerade nicht benötigte Bandkollegen zurückziehen können. (Außerdem wurde der durchaus positive Einfluss von Polstermöbeln auf die Raumakustik oben schon beschrieben.)
Auch fürs Auge darf durchaus etwas geboten werden. Zum Beispiel muss die Beleuchtung nicht nur funktional sein, sondern vielleicht auch nett anzuschauen. Details überlasse ich hier deinem hoffentlich guten Geschmack. Wovon ich allerdings abraten muss, sind Dinge, die entweder die Aufnahmen stören oder für die Technik einfach Gift sind. In manchen Fällen trifft auch beides zu. Ich denke da an qualmende Zigaretten und Co. oder auch die fettdampfende Fritteuse. So was gehört nicht ins Tonstudio! Deine Regler und Kabelverbindungen werden es dir mit längerem treuen Dienst danken. Auch für Haustiere gibt es sicher ein besseres zu Hause; das ist für deine Räumlichkeit und für das Tier besser. Das sollen jetzt keine Vorschriften, sondern nur ein paar Denkanstöße sein. Weitere Ausführungen zu diesem Thema kann ich mir sicher schenken.
Bisher sind wir von einem einzigen Studioraum ausgegangen. Manche Vorhaben lassen sich allerdings mit mehr Räumlichkeiten wesentlich besser realisieren. Das geht schon damit los, dass du jederzeit über deine Monitore abhören kannst, was du gerade aufnimmst. Bei einer Einraumlösung musst du während der Aufnahme immer den Kompromiss mit dem Kopfhörer-Monitoring eingehen. Andererseits solltest du aber auch bedenken, dass die Arbeit mit mehreren Räumen durchaus ihre Tücken hat. So ist eine direkte Kommunikation zwischen Künstler und Produzent nicht möglich. Mancher Musiker fühlt sich dabei einfach nicht wohl. Nebenbei musst du natürlich auch bedenken, dass eben für diese Kommunikation dann technische Lösungen geschaffen werden müssen [siehe Kapitel 6.3.].
Auch wenn wir uns hier mit der Einsteigermaterie beschäftigen, möchte ich für diejenigen unter euch, denen mehr Platz und mehr Mittel zur Verfügung stehen, nachfolgend wenigstens einige Überlegungsansätze anbieten. Zusätzliche Räume benötigt man eigentlich immer aus zwei möglichen Gründen: Entweder ist es akustisch notwendig, bestimmte Aufnahmen in einem separaten Raum durchzuführen, oder aber die Platzgründe zwingen einen dazu, mit einem extra Aufnahmeraum zu arbeiten.
Für die Erweiterung des Studios kommen im Prinzip zwei Varianten in Betracht - eventuell auch beide. Gerade für die Aufnahme von Gesang oder akustischen Instrumenten ist eine Aufnahmekabine von Vorteil. Von raumakustischer Seite sollte diese den oben gemachten Anforderungen entsprechen. Gleichzeitig können durch Isolierwände jegliche Störeinflüsse ausgesperrt werden, so dass du im Regiebereich mit Monitorboxen arbeiten kannst, auch wenn sich die Kabine im gleichen Raum befindet. (Minimale Einstreuungen kann man vernachlässigen - die gibt es selbst bei Profiaufnahmen.) Wenn du den Aufwand einer Sprechanlage fürchtest, kannst du für die Kommunikation kurzerhand die Kabinentür aufmachen und der Künstler steht damit quasi wieder im Regieraum.
Entsprechende Schallkabinen gibt es (allerdings nicht gerade preiswert) von diversen Anbietern in Modulbauweise. Wer schon mal ein Selbstbaumöbel bis zum Endzustand hochgezogen hat, bekommt auch so eine Kabine zusammen. Übrigens sind die meisten dieser Kabinen auch wieder demontierbar, falls sie mal in einem anderen Raum oder sogar in einer anderen Wohnung stehen sollen.
Wenn du mit mehreren Musikern an einem Aufnahmeprojekt arbeitest, so ist es von Vorteil, wenn du nicht für jeden Take die Instrumente samt Zusatztechnik auf- und abbauen musst. Dies ist platztechnisch eigentlich nur noch mit einem separaten Aufnahmeraum zu bewerkstelligen. Erst recht gilt dies, wenn alle Bandinstrumente gleichzeitig aufgenommen werden müssen, was bei bestimmten Stilrichtungen fast unerlässlich ist. Auch sind es manche Bands von ihrer Arbeitsweise her einfach gewöhnt, immer gemeinsam zu spielen, weil sich erst so eine gewisse Eigendynamik entwickelt und die Musik lebendig wirkt. Da ist wirklich etwas dran - so mancher Song wirkt nur deshalb steril, weil er Spur für Spur aufgenommen wurde und jeder sich einem sturen Metronom-Klick unterworfen hat.
Auch ein separater Aufnahmeraum muss den oben beschriebenen Akustik-Bedingungen entsprechen. Du hast dann quasi den doppelten Aufwand zu betreiben.
Inwieweit nun die Notwendigkeit einer Aufnahmekabine und/oder eines Aufnahmeraumes für dich persönlich besteht, musst du wieder an Hand deiner gesteckten Ziele abklären. Als Entscheidungshilfe siehst du hier noch einmal die Quintessenz aus den gerade gemachten Ausführungen:
X = brauchst du
o = könntest du brauchen (je nach Platzbedarf und bevorzugter Arbeitsweise)
So - gehen wir davon aus, dass entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Bevor diese schließlich mit Leben gefüllt werden können, muss aber erst einmal ein ganzer Berg Technik Einzug halten. Heutzutage steht man dabei in vielen Bereichen vor der Frage: Hardware oder Software? Vor 20 Jahren hätte sich diese Frage kaum gestellt und noch vor reichlich 10 Jahren hätte es für die Hälfte der Studiobereiche kaum eine zumindest gut funktionierende Software-Alternative gegeben. Aber heute? Tja, mal abgesehen von Mikrofonen, Lautsprechern, Kopfhörern, Verstärkern und Kabeln kann man eigentlich alles per Software lösen. Und für dich als Einsteiger ist vor allem interessant, dass du im Vergleich zur kompletten Hardware-Ausrüstung eine Menge Geld sparen kannst, und das bei gleicher oder manchmal auch vielfältigerer Leistung. In diesem Buch soll deshalb davon ausgegangen werden, dass du eher auf eine PC-basierte Produktion aus bist. Die beschriebenen Details lassen sich aber problemlos auf entsprechende Hardware übertragen.
Neben der Software, die im Profibereich schon einiges kostet, brauchst du logischerweise erst einmal einen PCSoundkarte[siehe Kapitel 3 und 9 - 11]