Alle Rechte vorbehalten.
Außer zum Zwecke kurzer Zitate für Buchrezensionen darf kein Teil dieses Buches ohne schriftliche Genehmigung durch den Verlag nachproduziert, als Daten gespeichert oder in irgendeiner Form oder durch irgendein anderes Medium verwendet bzw. in einer anderen Form der Bindung oder mit einem anderen Titelblatt als dem der Erstveröffentlichung in Umlauf gebracht werden. Auch Wiederverkäufern darf es nicht zu anderen Bedingungen als diesen weitergegeben werden.
Copyright © der Originalausgabe Verlag »Die Silberschnur« GmbH
ISBN 978-3-89845-014-7 (Print)
ISBN 978-3-89845-891-7 (E-Book)
1. Auflage 2019
Lektorat: Ulla Schmid
Covergestaltung: XPresentation, Boppard
Verlag »Die Silberschnur« GmbH · Steinstraße 1 · D - 56593 Güllesheim
www.silberschnur.de
e-mail: info@silberschnur.de
Dieses Buch widme ich
meiner Partnerin
Sinaida Adomat,
die die Entstehung dieses Buches begleitete
und zu manchen Gedanken Anregungen gab.
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort von Johannes von Buttlar
Einleitung
1. TEIL
Indien als Mutterland des Karmagedankens
Vom Reinkarnationsgedanken zum ersten Karmagedanken
Der Karmagedanke bei den Jainas
Die Bedeutung des Karma im Buddhismus
Strukturen der indischen Karmamodelle
Der Heilige Kabir
Der Neuansatz des Karmagedankens bei Sri Aurobindo
Der Karmagedanke bei Sai Baba
Die Liebe als Schlüssel zur Befreiung aus dem Rad der ewigen Wiedergeburt
2. TEIL
Kurze Einführung in die Praxis der Rückführungstherapie
3. TEIL
Die karmischen Ursachen von Symptomen – aufgedeckt durch die Rückführungstherapie
Karma und psychosomatische Symptome
1. Warum sie sich selbst den Verbrennungstod als Hexe ausgesucht hatte
Asthma
2. Warum sie als Frau vergewaltigt werden wollte
Heuschnupfen
3. Wenn der karmische Ausgleich mehrere Leben erfordert
Atemnot
4. Die karmischen Auswirkungen mutwilliger Kopfverletzungen
Migräne
Karma und psychische Symptome
5. Ein Zwang zieht einen Jungen zum karmischen Ausgleichs geschehen hin
Angst vor tiefem Wasser
6. Seine Tochter wegen Sprachbehinderung erstickt
Angst, sich vor anderen zu blamieren
7. Der Karmaausgleich kann wohl aufgeschoben, doch nicht aufgehoben werden
Angst, vor fremden Menschen zu sprechen
8. Wenn karmische Fäden noch über Jahrhunderte in das heutige Leben hineinreichen
Angst vor öffentlichen Auftritten
9. Das Karma eines römischen Kriegers, das im heutigen Leben sein Ende fand
Agoraphobie
10. Wenn mehrere Ängste karmisch miteinander verbunden sind
Höhenangst, Angst vor Schlangen, Angst, vor fremden Menschen zu sprechen
11. Wenn die Geburt zum karmischen Geschehen wird
Angst vor Enge
12. Andere im früheren Leben lebendig begraben
Klaustrophobie
13. Selbst ein Mitwissen oder Ignorieren schützt vor Karma nicht
Angst vor Sexualität
14. Als Kardinal Karma aufgeladen
Waschzwang
15. Der Körper als karmische Landkarte
Messerphobie
Karma und somatische Symptome
16. Wenn das Karma zu Kopfe steigt
Kopfschmerzen
17. Der Karmaausgleich kann auf verschiedenen Kontinenten erfolgen
Ohrenrauschen
18. Jeder Schlag hat karmische Folgen
Trigeminusneuralgie
19. Wenn Karma in demselben Leben an den Kragen geht
Chronische Halsschmerzen
20. Unaufrichtigkeit und Karma
Rückenschmerzen
21. Wenn karmische Kugeln ihr Ziel treffen
Herzkrämpfe
22. Wie das Karma noch immer nicht von seinem Opfer ablässt
Bauchschmerzen
23. Wenn die Haut nach Karmaauflösung schreit
Psoriasis
24. Wenn das Karma an einen Auslöser gebunden ist
Hämorrhoiden
25. Wenn das heutige Leben zum karmischen Ausgleich wird
Muskelschwund
26. Das Weiterwirken karmischer Fesseln
Fuß- und Handgelenke
Heilung karmischer Beziehungen
27. Wenn nach der Hochzeit alte karmische Muster wieder an die Oberfläche steigen
Schwierigkeiten mit dem Ehemann
28. Unser ganzes engeres Miteinander ist karmisch bestimmt
Schwierigkeiten mit der Partnerin
29. Wenn das Karma gegenseitig negativ ausgerichtet ist
Schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter
30. Nach elf Leben den karmischen Ausgleich geschafft
In Disharmonie mit Mutter und Ehefrau
31. Wenn das Karma plötzlich beendet ist
Völlige Ablehnung seitens der Mutter
4. TEIL
Der Karmagedanke aus neuer Sicht
In der All-Einheit wird der freie Entschluss zum Karma gefasst
Festlegung der Regeln für das Karmaspiel
Das Erleben des Gegenteils der göttlichen All-Harmonie vor der ersten Menschwerdung
Der karmische Tanz auf dem Seil der Liebe
Die Bedeutung der Liebe beim Karmagesetz
Leben als Karmaschule
Von der Wirkungsweise des Karmas im täglichen Leben
Die Vorteile des Karmagesetzes
Die 23 Arten des Karma
1. Ur-Karma,
2. Ausgleichskarma,
3. Nachwirkungskarma,
4. Aufopferungskarma,
5. Beziehungskarma,
6. Kollektives Karma,
7. Wiedergutmachungskarma,
8. Selbstbestrafungskarma,
9. Zurückweisungskarma,
10. Selbstboykott-Karma,
11. Falsche-Furcht-Karma,
12. Falsche-Schuld-Karma,
13. Symbolisches Karma,
14. Organismus-Karma,
15. Neues Karma,
16. Sofort-Karma,
17. Vorratskarma,
18. Jenseits-Karma,
19. Erdgebundenes Karma,
20. Besetzungskarma,
21. Korrektur-Karma,
22. Karmaloses Karma,
23. Akarma
Der tiefere Sinn von Karma in Bezug auf Krankheit und Leiden
Schicksal und Bestimmung als Karma
Der Sinn von karmischer Beziehung und Partnerschaft
Sterben und Tod als karmisches Geschehen
Der vorläufige karmische Ausgleich in der Zwischenwelt
Die Revision unserer Erdentaten und die karmische Vorbereitung auf unsere nächste Reinkarnation
Wann und wie kann man Karma beenden?
Statt eines Nachwortes
Zitate und Aphorismen zu Themen dieses Buches
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Personen- und Sachregister
Über den Autor
VORWORT
Reinkarnation und Karma gelten für ihre über zwei Milliarden Anhänger als Grundwahrheiten, die das irdische Leben bestimmen. Bisher gehörten sie in den Bereich des Glaubens und des Philosophierens. Viele der berühmten Menschen und Genies waren von der Tatsächlichkeit der Reinkarnation überzeugt wie Pythagoras, Sokrates, Platon, Plotin, Bruno, Leibnitz, Lessing, Franklin, Voltaire, Goethe, Schiller, Kleist, Blake, Carlyle, Scott, Dickens, Wordsworth, Coleridge, Shelly, Tennyson, Browning, Hugo, Flaubert, Wagner, Tolstoi, Emerson, Schopenhauer, Nietzsche, Mahler, Wilde, Shaw, Ibsen, Tagore, Doyle, Aurobindo, Maugham, Pasternak, Hesse und viele, viele andere. Und obwohl ein Großteil der Menschheit an diese von ihnen angenommenen Wahrheiten glaubt, gab es bisher noch keine Beweise darüber, dass diese angeblichen Grundwahrheiten wirklich wahr sein sollten. Nun aber ist die Zeit gekommen, wo man Methoden entwickelt hat, diese als Wahrheit glaubhaft beweisen zu können.
1997 hatte der Reinkarnationsforscher Professor Ian Stevenson die Reinkarnation spektakulär als Tatsache beweisen können. In seinem sehr umfangreichen Buch REINCARNATION AND BIOLOGY, von welchem er eine Kurzfassung mit Bildmaterial unter dem Namen WHERE REINCARNATION AND BIOLOGY INTERSECT (auf deutsch 1998 unter dem Titel REINKARNATIONSBEWEISE erschienen) verfasst hat, schildert er viele Fälle von Kindern, die mit Geburtsschäden zur Welt gekommen sind – bei dem einen fehlten die Finger, bei der anderen das ganze Bein vom Knie abwärts und beim nächsten ist das rechte Ohr verkrüppelt – und die sich noch an ihr vorausgegangenes Leben erinnern können. Sie schildern ganz genau, wer sie waren, wo sie und mit wem sie gelebt haben und geben eine genaue Beschreibung, welche Umstände zu ihrem Tod geführt haben. Meistens sind die heutigen Verstümmelungen an die Todesursache im früheren Leben gebunden. So ist der indische Junge mit den fehlenden Fingern seiner Hand, wie er sagte, mit dieser in seinem vorausgegangenen Leben in eine Schneidemaschine geraten und an den Folgen gestorben, das burmesische Mädchen mit dem fehlenden Bein ist von einem Zug tödlich erfasst worden, wo ihr das Bein abgefahren worden war, und der türkische Junge mit dem verkrüppelten Ohr samt den kleinen weißen Punkten darum ist, wie er sagte, als Bauer von seinem Nachbarn mit der Schrotflinte ins Ohr geschossen worden. Alle diese Aussagen von Kindern wurden überprüft und erwiesen sich als korrekt. Was aber erst einen Fall wirklich wissenschaftlich glaubhaft macht, ist die Tatsache, dass Professor Stevenson in einigen dieser Fälle den Autopsiebefund von einem Amtsarzt oder vom Krankenhaus erhalten konnte, der nach dem Tod der von den Kindern als ihre frühere Identität angegebenen Person angefertigt worden war. So konnte zum Beispiel Professor Stevenson den Autopsiebericht von jenem ins Ohr geschossenen Bauern mit dem Ohr des türkischen Jungen vergleichen. Auf dieser Skizze zum Autopsiebericht sind genau die Einschüsse der Schrotkugeln markiert, von denen einige direkt ins Ohr und einige um das Ohr in den Kopf eingedrungen waren. Und genau dort, wo der Junge die weißen runden Markierungen heute deutlich sichtbar um das verkrüppelte Ohr trägt, sind die damaligen Schrotkugeln eingedrungen. Es wird nun den Gegnern des Reinkarnationsgedankens schwer sein, noch triftige Gründe zu finden, die jene Reinkarnationsbeweise Stevensons widerlegen wollen.
Und nun wird in dem vorliegenden Buch der kühne Versuch unternommen, auch das Karmagesetz, jene zweite angebliche Grundwahrheit, als tatsächliches Faktum nachzuweisen, und zwar durch die empirischen Erfahrungen, welche sich aus den in Trance Zurückgeführten ergeben. Denn Klienten, welche psychische, psychosomatische, somatische Beschwerden oder auch Konflikte mit Personen haben, werden mittels der Rückführungstherapie in Trance zu den eigentlichen Ursachen ihrer jetzigen Probleme geführt. Es stellt sich dann heraus, dass diese meistens in früheren Leben verankert sind. Die zurückgeführten Klienten erleben sich hauptsächlich zuerst in einem so genannten Opferleben, wo die Prägungen für ihre heutigen Symptome stattgefunden haben. Wird der in Trance befindliche Klient dann aber zu der eigentlichen Ursache für sein Opferleben zurückgeführt, erlebt er sich meistens in einem so genannten Täterleben. Er erkennt, nachdem er sich sein Täterleben angesehen hat, die karmischen Zusammenhänge, die zum Opferleben geführt haben. Denn es scheint sich immer wieder zu beweisen, wie die in diesem Buch angeführten Beispiele belegen, dass wir alles, was wir anderen antun, an uns selbst einmal in gleicher oder ähnlicher Weise vollzogen sehen müssen. Über viele Leben hinweg lernen somit die Menschen, nichts mehr auszuüben, was anderen zum Schaden gereicht, damit man nicht späterhin selbst zu Schaden kommt. Durch alle diese Erfahrungen in ihren vielen Erdenleben gelangen die Menschen dorthin, wo sie den anderen lieben können wie sich selbst. Denn jede Lieblosigkeit fällt auf einen selbst zurück.
Trutz Hardo legt uns in diesem Buch eine ganze Anzahl von Fallbeispielen aus der Rückführungstherapie vor, in welchen sich das Karma als Verursacher für unsere Opferleben und auch noch als Träger für unsere heutigen Leiden und Probleme zu erweisen scheint. Und sehr häufig, sobald die karmischen Zusammenhänge aufgedeckt und erkannt worden sind, stellt sich eine Aufhebung der Symptome dar. Diese verblüffenden Heilerfolge deuten darauf hin, dass das Karmagesetz neben der Reinkarnation als eine weitere Grundwahrheit anzuerkennen wäre. Die Bedeutung dieses Buches besteht darin, die offenbare Gewichtigkeit des Karmagesetzes für alle Menschen hervorzuheben und dessen Gültigkeit durch viele Beispiele aus der Rückführungspraxis zu belegen.
Ich hoffe, dass dieses Buch von Trutz Hardo von so vielen Lesern wie möglich gelesen wird. Denn wenn man das Gesetz des Karma verstanden hat und weiß, dass das, was man anderen antut, an einem selbst erfahren werden muss, dann werden wir Menschen mit unseren Gedanken, Worten und Taten achtsamer umgehen. Was wir säen, werden wir ernten. Niemand kann sich anscheinend diesem Gesetz entziehen. Deshalb lasst uns Liebe in Gedanken, Worten und Taten säen. Denn somit schaffen wir nicht nur für uns persönlich bessere Voraussetzungen für eine erfreuliche Ernte, sondern durch unser liebevolles Denken, Sprechen und Handeln vermehren wir auch die Schwingungen der Liebe, die der ganzen Welt zugute kommt.
EINLEITUNG
Wer die verschlungenen Pfade des Karma sichtbar macht, macht sich um das Wohl seiner Mitmenschen verdient.
H. P. Blavatsky
Der Begriff Karma oder Karman kommt aus dem Sanskrit und bedeutet ursprünglich Tat, Tun, Handeln, Werk, Wirken. Damit wird all das bezeichnet, was aus dem Tun resultiert. Dieses Karma verbindet sich mit einem Gesetz, demzufolge alles, was ich tue, aber auch alles, was ich denke und sage, seine Konsequenzen hat. Handele ich gut, wird mir Gutes widerfahren, handele ich schlecht, wird mir Schlechtes begegnen. Dieses Gesetz bezieht sich auf das Handeln einer Seele – doch da diese viele aufeinanderfolgende Leben als Mensch lebt, erfüllt sich dieses Gesetz nicht unbedingt im gleichen Leben, sondern vornehmlich in einem Folgeleben, mag dies nun das nächste oder eines der nächsten sein. Dieses Gesetz basiert wie das physikalische Gesetz auf Ursache und Wirkung, also Aktion – Reaktion. Man kann sogar das Fallgesetz mit dem Karmagesetz – so es negativ ausgerichtet ist – gleichsetzen: Von je höher man abstürzt, desto größer ist der Schaden.
Was mich dazu geführt hat, dieses Buch zu schreiben, ist der Wunsch, die Menschen darüber aufzuklären, dass das Karmagesetz ebenso ein Axiom, also eine nicht zu bestreitende Tatsache ist, wie das Fallgesetz. Aus unnötiger Unwissenheit und der dieser entspringenden Nichtbeachtung dieses Gesetzes ergibt sich für den überwiegenden Teil der Menschheit viel unnötiges Leid, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesamtheit der Menschen. Fast neunzig Prozent der Menschheit glaubt an ein zumindest gelegentliches übernatürliches Eingreifen in die privaten und allgemeinen Geschicke, etwa die Hälfte davon glaubt an wiederholte Erdenleben, also an Reinkarnation, und die meisten der Letzteren verknüpfen diese mit dem Wirken des Karmagesetzes.
Ich möchte den Lesern keine weitere Veröffentlichung zum Thema Karma vorsetzen – die oftmals das gleiche Gedankengut wiederholen und von denen es Hunderte zu geben scheint –, sondern ihnen ein völlig neues Buch über die Wahrheiten des Karmagesetzes vorlegen, da sich aus der täglichen Beschäftigung mit der Rückführungstherapie (wie sie bei mir gegeben ist) vielfach ganz neue das Karma betreffende Konzepte ergeben, die ich in diesem Buch darzustellen beabsichtige.
Im ersten Teil führe ich den Leser in das indische Denken über Karma ein, um ihm eine gründliche Einstimmung auf dieses Thema zu ermöglichen. Wer sich über Karma und Reinkarnation im Christentum, im Judentum, in der Theosophie und im neuen Denken unterrichten will, der wird im Literaturverzeichnis viele Hinweise finden. Allein in den letzten fünfzig Jahren dürften Zehntausende gechannelter Bücher verfasst worden sein, und in den meisten von ihnen wird auf das Karma Bezug genommen, sodass der Karmabegriff im neuen Denken einen beträchtlichen Platz einnimmt. Im dritten Teil – dem Hauptteil dieses Buches – wird anhand von einunddreißig Fällen aus der Rückführungstherapie das Wirken des Karmagesetzes von mehreren Seiten beleuchtet. Diesem wird im zweiten Teil eine kurze Einführung in die Rückführungstherapie vorangestellt, um den Hauptteil des Buches besser verständlich zu machen.
Professor Ian Stevenson, Lehrstuhlinhaber an der University of Virginia in Charlottesville, hat mit seinem Monumentalwerk Reincarnation and Biology (erschienen 1997) nichts Geringeres geleistet, als die Reinkarnation eindeutig als Faktum zu beweisen.1 Und nichts Unbescheideneres unternehme ich mit dem vorliegenden Buch als den Versuch, das Karmagesetz definitiv als Realität zu beweisen. Was gibt mir den Mut zu einer solchen Aussage? Seit Jahren bin ich als Rückführungstherapeut im In- und Ausland tätig und bilde Interessenten zum Rückführungsleiter und -therapeuten aus. Nicht nur wir, sondern wohl alle Rückführungsleiter dieser Welt haben in ihrer Praxis bei der Aufdeckung der eigentlichen bzw. Grundursachen der Symptome ihrer Klienten das Wirken des Karmagesetzes immer wieder eindeutig feststellen können. Wenn beispielsweise eine Frau mit chronischem Hustenreiz in die Praxis kommt und es dem Therapeuten gelingt, sie zur Ursache ihres Symptoms zu führen, wird sie sich vielleicht als Hexe im Mittelalter wahrnehmen, die soeben verbrannt wird. Doch forschen wir weiter, um zu erfahren, warum sie diesen Verbrennungstod erleiden musste, dann wird sie unweigerlich in ein vorausgehendes so genanntes Täterleben gelangen, in welchem sie möglicherweise anderen ein Gleiches angetan hat, indem sie bei deren Verbrennung Hand anlegte oder sich auf andere oder indirekte Weise daran beteiligte. Hier liegt dann die eigentliche Ursache für ihr heutiges Problem. Und sicherlich könnte die Rückführungstherapie in Hunderttausenden von Fällen nachweisen, dass dieses Gesetz „Was du anderen antust, sollst du dir selbst getan haben“, immer wieder in Erscheinung getreten ist. Dies kann kein Zufallsergebnis sein. Hatte Carl Gustav Jung bei seiner Beschäftigung mit der Reinkarnation und dem Karmagesetz der indischen Denker daran noch zu bemängeln gewusst, dass ihm diese Aussagen als Wissenschaftler nicht genügten – fehlte ihm doch der empirische Beweis2 –, so können wir Rückführungspraktiker dank der täglichen Konfrontation mit diesem Gesetz sagen, dass dieses aus nachweislicher Empirie nun als unumstößliches Gesetz zu gelten hat. Denn nicht allein die Tatsache, dass sich die Symptome der Klienten diesem Gesetz entsprechend verhalten, gibt uns die Gewissheit, von dem Karmagesetz als einer Realität zu sprechen, sondern die Tatsache, dass dieses Gesetz – von den Klienten als solches erkannt – diesen die Möglichkeit bietet, sich von den Nachwirkungen ebendieses Gesetzes zu verabschieden und demzufolge oft eine sofortige Symptombehebung an sich zu erfahren. Diese Heilerfolge bilden meines Erachtens den stichhaltigsten Beweis für das tatsächliche Wirken des Karmagesetzes. Und bei der Lektüre des dritten Teils des vorliegenden Buches wird der Leser erstaunt sein, wie überwältigend diese Ergebnisse sind – Ergebnisse, welche die bisherige Medizin und Psychotherapie mit größtem Respekt zur Kenntnis nehmen müssten. Aus dem gleichen Grunde können sich Letztere auch auf Dauer dieser Therapieform nicht entziehen. Eine Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Rückführungstherapeuten wird notwendigerweise entstehen müssen, denn die Heilerfolge auf somatischem, psychosomatischem und psychischem Gebiet wie auch in der Beziehungsproblematik werden sich bei den betreffenden Heilungs- und Hilfesuchenden herumsprechen, sodass ein Heer von in der Rückführungstherapie ausgebildeten Ärzten und Therapeuten notwendig sein wird, um dem Ansturm zu entsprechen. Andere Rückführungstherapeuten können eventuell ebenso wie ich – wie schon mehrfach geschehen – das Wunder der Rückführungstherapie auch auf Kongressen oder im Fernsehen demonstrieren, sodass sich bald jedermann von der raschen Wirkungsweise dieser Therapieform überzeugt haben dürfte. Aber vor allem werden die Krankenkassen auf ihre Kosten Rückführungstherapeuten ausbilden lassen, da sie schnell merken werden, wie viele Millionen Euros an Therapiekosten sie einsparen können – scheint doch die Rückführungstherapie für die meisten therapeutischen Fälle die schnellste und wirkungsvollste Heilmethode zu sein. Darüber hinaus hat sie meist noch den spirituellen Effekt, dass der betreffende Klient auch an seiner Seele geheilt werden kann, insofern er – das Karmagesetz erkennend – fortan nicht mehr vom Pfad der Rechtschaffenheit und der Liebe (Dharma) abweicht. Doch die Rückführungstherapie sollte nicht nur ein Privileg der Kranken und Leidenden sein – alle Menschen könnten durch die Aufdeckung ihrer Vergangenheiten bestens davon profitieren.
Dieses Buch mag nicht nur für Laien von offenbarender Besonderheit sein, sondern es werden wohl auch all jene, die sich mit Heilung beschäftigen, diesen neuen Heilmöglichkeiten höchst offen und interessiert gegenüberstehen, weshalb es der Leser vielleicht unternehmen sollte, solche Menschen auf dieses Buch aufmerksam zu machen oder es ihnen gar zu schenken.
Der vierte Teil steht hinter dem dritten an Bedeutung nicht zurück. Denn hier wird auf der Basis der aus der Rückführungstherapie gewonnenen neuen Erkenntnisse das Karma in vielem vollkommen neu gesehen und zugeordnet. Was in der gesamten Karmaforschung und Karmaphilosophie bislang kaum Beachtung fand, ist der wichtige Umstand, dass wir selbst, bevor wir ein neues Leben beginnen, im Jenseits anhand des aufzulösenden Karmamaterials unser Karmagepäck bestimmen, wobei wir natürlich jenseitige Berater zu Hilfe ziehen, die uns bei der Planung zur Seite stehen. Das heißt, dass wir alles, was wir im Leben erleben, uns selbst ausgesucht haben und dass selbst die schlimmsten karmischen Ereignisse in eines jeden Leben selbst gewählt oder zumindest abgesegnet worden sind. Dies werden alle Rückführungspraktiker bezeugen können, die ihre Klienten in den Zustand vor dem Eintritt in ein erneutes Erdenleben zurückführen. Wir haben seit einigen Jahren in Amerika einen exzellenten Forscher auf diesem Gebiet, der uns teilweise völlig neue Offenbarungen über das Jenseits – auch in Bezug auf die Karmavorbereitung – beschert, die er mit Hilfe der von ihm in Trance dorthin geführten Klienten aufdecken durfte. Dieser Mann heißt Dr. Michael Newton, und sein Name dürfte in der Jenseits-, Reinkarnations- und Karmaforschung bald ebenso bekannt sein wie der von Professor Ian Stevenson auf dem Gebiet der Reinkarnation. Denn was sich nun durch die moderne Rückführungsforschung an Wahrheiten offenbart, entstammt dem Unterbewusstsein von Tausenden von Klienten. Und wenn Tausende und bald Hunderttausende immer wieder die gleichen und oft sehr logischen Grundwahrheiten wiederholen, lassen sich gemeinsame Nenner erstellen, die wissenschaftlicher Überprüfung standhalten. Man könnte jetzt pauschal in etwa sagen: Das Wissen um die Grundwahrheiten des Daseins und das wahrheitsvolle Wissen über sich selbst liegen im Unterbewusstsein eines jeden Einzelnen verborgen. Diese ermittelten Grundwahrheiten mögen im Einzelnen unterschiedlich gesehen oder erklärt werden, doch lassen sich daraus viele Grundübereinstimmungen ableiten, die der Normalmensch ohne Trance unmöglich zu erhalten vermag. Die meisten der von Dr. Newton protokollierten Jenseitserfahrungen kann ich anhand meiner eigenen Erfahrungen in der Rückführungspraxis bestätigen. Und was ich noch durch Rückführungen bestätigt fand, ist die Tatsache, dass wir aus eigener höherer Entscheidung unser Ur-Karma festgesetzt haben, dass wir nämlich aus ganz bestimmten Gründen die verschiedenen Erfahrungen des Leidens machen wollen.
Ich habe die verschiedenen „bekannten“ Karmaformen samt den durch die Erfahrungen der Rückführungstherapie neu hinzugekommenen in dreiundzwanzig Arten rubriziert. Zweifellos wird hinfort kaum ein Karmaforscher an diesen neuen Erkenntnissen, die sich aus der Rückführungstherapie ergeben, vorbeigehen können. Wir brauchen als Menschen nicht mehr im Dunkeln zu tappen, was die Wahrheiten von Reinkarnation und Karma angeht. Nun sind Menschen in Trance mit dem Licht des Unterbewusstseins in die bisher wenig erforschten Höhlen der Geheimnisse der Menschheit eingedrungen, um die dort ausgebreiteten Schätze ans Tageslicht zu heben. Indem wir diese Schätze vorlegen, fallen alle bisherigen Theorien und Glaubenssysteme, die über die dort möglicherweise im Verborgenen ruhenden Schätze rätselten, weg, da sie nahezu überflüssig geworden sind. Doch werden noch viele Schätze aus den geheimnisvollen Wahrheitshöhlen zu heben sein, und sicherlich wird es noch manche große Überraschung geben. Dieses Buch offenbart einige der von dort zutage geförderten Überraschungen. Und nun viel Vergnügen beim Lesen!
1. TEIL
INDIEN ALS MUTTERLAND DES
KARMAGEDANKENS
Vom Reinkarnationsgedanken zum ersten Karmagedanken
Die Welt wird erst heilen, wenn die Lehren von Karma und Wiedergeburt über der ganzen Erde verbreitet sein werden. Ohne dieses Wissen gibt es keine Heilung, keine Wahrheit, keine Rechtschaffenheit, keine Ruhe und kein Goldenes Zeitalter.
Sai Baba
Eine vollständige Geschichte des Karmagedankens in der menschlichen Historie ist noch nicht geschrieben worden und harrt noch des Wissenschaftlers, der sich dieser Thematik in mehreren Bänden annehmen wird. Ich möchte im Folgenden dem Leser anhand des Karmagedankens in Indien eine kleine Einführung in diese Thematik geben.
Indien wird allgemein als das Mutterland des Karmagedankens angesehen, und Inder halten an dieser Aussage mit Stolz fest, wollen sie doch diesen großen religiös-philosophischen Beitrag zur Wahrheitsfindung mit ihrem Land und seiner Kultur verbunden sehen. Somit wehren sie sich gegen Vermutungen ausländischer Wissenschaftler, die an diesem Axiom zu rütteln wagen. Die ältesten Texte, die über indisch-religiöse Vorstellungen sprechen, sind in den Veden niedergelegt, deren Inhalt, auf mündliche oder schriftliche Überlieferungen zurückgehend, vor das sechste vorchristliche Jahrhundert datiert wird. In diesen werden ganz unterschiedliche Vorstellungen präsentiert. Dort wird einmal von einem Totenrichter namens Yama berichtet, der analog dem griechischen Hades über die verstorbenen Seelen regiert – es gibt dort also ewige Höllenstrafen und auch einen immerwährenden, uns mit Freuden überschüttenden himmlischen Aufenthalt. Zum anderen wird auch schon von der reinkarnierenden Verwandlung von Menschen in Tiere oder auch in Menschen (meist handelt es sich dabei um Verwandte) gesprochen, die zu dem Familienstamm in neuer Gestalt zurückkehren. Und an anderer Stelle wird die Reinkarnation wieder vollkommen verneint, indem der Tod als gnadenloser Vernichter hingestellt wird. In anderen Schriften wird eine Befreiung von dem ewigen Sterbenmüssen davon abhängig gemacht, dass man auf Erden vorschriftsmäßig und regelmäßig die entsprechenden Opferhandlungen ausgeführt hat. Hier merken wir deutlich den Einfluss der Priesterkaste, die ihren Vorteil und ihre Interessen in die Schriften einzubringen weiß. Und in einer anderen Schrift wird denen, die Fleisch essen, damit gedroht, dass sie im Jenseits selbst aufgefressen werden. Die Vergeltungskausalität wird vornehmlich in den jenseitigen Bereich verlegt, wie ja auch später das Christentum den gerechten Ausgleich für gutes oder schlechtes Handeln in nachtodliches Geschehen transzendiert.
In der Chandogya-Upanishad wird zum ersten Mal das Karmagesetz eindeutig als Vergeltungskausalität in Verbindung mit der Reinkarnation formuliert, indem jener, der ein Leben lang ein gutes Verhalten zeigt, sich einer Wiedergeburt in der Priester-, Krieger- oder Handwerkerkaste erfreuen darf, während derjenige, der schlechtes Betragen an den Tag legt, als Hund, Schwein oder gar als Kastenloser (!) wiedergeboren wird. Allerdings lassen, wie der Wissenschaftler Halbfass meint3, diese Passagen in dieser Upanishad den Gedanken aufkommen, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt interpoliert worden sind, tauchen sie doch unvermittelt und ohne inneren Zusammenhang im Text auf. Dies ist, wie wir aus der christlichen Bibelforschung wissen, ein beliebtes Mittel nachfolgender Generationen, beim Kopieren alter Texte ihre eigenen Ansichten einfließen zu lassen, um ihren persönlichen Meinungen den Anstrich von Authentizität zu verleihen. Dieser erste nachweisliche Karmagedanke ist also jüngeren Datums und dürfte diesem Text wohl nicht vor dem vierten Jahrhundert vor Christus einverleibt worden sein. Ebensowenig dürfte die Brihad-Aranyaka-Upanishad das von religiösen Indern erwünschte Alter haben. Doch hier wird das Karmagesetz ganz eindeutig wiedergegeben, ohne die Auswirkung der guten Taten mit den gehobenen Kasten zu verbinden. Dort heißt es: „Je nachdem (einer) handelt, je nachdem er wandelt, danach wird er geboren: Wer Gutes tat, wird als Guter geboren, wer Böses tat, wird als Böser geboren, heilig wird er durch heiliges Werk, böse durch Böses.“4
In einem anderen Upanishadtext, dem Brhadaranyaka, wird zum ersten Mal die Befreiung von der Wiedergeburt von der Freiheit von jeglicher Begierde abhängig gemacht. Und in diesem Text wird auch zum ersten Mal der Begriff Karma verwendet, und zwar in dem Sinn, dass gutes Handeln ein gutes wiederholtes Erdenleben bewirke, schlechtes Handeln jedoch ein schlechtes.5 Doch wird an keiner Stelle der Veden oder der Upanishaden, wie Halbfass betont6, „das für die klassische Karmalehre konstitutive Doppelaxiom“ gefunden, „dass keine moralisch relevante Tat ohne karmische Vergeltung bleiben dürfe und dass es andererseits keine positiven oder negativen Erlebniszustände ohne karmische Ursachen geben könne. Dies findet sich innerhalb des Hinduismus erst im großen Epos Mahabharata, dessen Anfänge etwa um 400 v. Chr. liegen.“
In diesem umfangreichsten Epos der Weltliteratur finden sich schon Sätze, die unmissverständlich auf das Karmagesetz hinweisen wie zum Beispiel folgende: „Die Tat verfolgt den Täter wie sein Schatten“, „Alle Lebewesen erfahren die Folgen ihres Tuns“, „Wie die Saat, so die Ernte“, „Gutes und schlechtes Karma geht nie verloren.“ Und im zwölften Buch erklärt der mächtige Gott Kala, dass er selbst als Gott der Zeit keine eigene Macht habe, dass er ebenfalls dem Karmagesetz untertan sei. Das große Glanzstück innerhalb der Mahabharata ist die Bhagavad-Gita, die für den Hinduismus der Vishnu-Anhänger eine ähnliche Bedeutung hat wie für die Christen das Neue Testament. Darin wird sehr oft auf die Reinkarnation hingewiesen, nämlich dass die Seele ewig erneut in wechselnden Körpern lebt7, und auch das Karmagesetz ist dort erklärt:
Ward Güte in dem Menschen groß, dann nach dem Tod erreichet er
Jene fleckenlosen Welten der höchsten Wissens Kundigen.
Stirbt er in Leidenschaft, dann kommt er unter Tät’gen neu zur Welt,
Stirbt er im Dunkel, wird er neu geboren aus betörtem Schoß.
Die Frucht der recht getanen Tat ist guten Wesens, fleckenlos,
Die Frucht der Leidenschaft ist Leid – Nichtwissen ist des Dunkels Frucht.
Aus der Güte entsteht Wissen, aus der Leidenschaft Begier,
Nachlässigkeit, betörter Sinn, Nichtwissen aus dem Dunkel stammt.
Hinauf gehen, die an Güte reich.8
Hier wird nun eindeutig das Karmagesetz erklärt, dass Güte zu höherem Wissen führt, während Leidenschaft erneute Reinkarnation heraufbeschwört.
Doch dass die Veden und die frühen Upanishaden im Gegensatz zu den späteren Upanishaden nichts über das Karma aussagen, die Bhagavad-Gita aber nicht vor dem dritten Jahrhundert verfasst sein dürfte, legt die Vermutung nahe, dass in diese großartige Hindu-Bibel schon durch den Jainismus oder Buddhismus oder aus anderer Quelle Einflüsse das Karmagesetz betreffend eingeflossen sein könnten. Es liegt auch die Vermutung nahe, dass die rasante Ausbreitung des Buddhismus und des Jainismus mit ihren Lehren von Reinkarnation und Karma derartige Formen annahm, dass sich die Brahmanen als die Hüter der Veden und des Hinduismus befleißigten, nun ihrerseits den Reinkarnations- und den Karmagedanken in ihre Schriften mit einzufügen.9 Manche Forscher glauben aufgrund dieses Fehlens des Reinkarnationsglaubens in den Veden, dass dieser eventuell schon vor der Arisierung in Indien als Stammesreligion bestanden haben könnte und von dort erst verspätet zu irgendeinem Zeitpunkt in die alten und neuen Religionsströme eingedrungen sei. Oder kommen diese Einflüsse gar von irgendwo anders her?
Bevor dieses gigantische Werk geschrieben und zusammengetragen wurde, traten in Indien zwei große religiöse Bewegungen hervor, welche nach der Grundsteinlegung in den Upanishaden nun in dem Gebäude des Karmagedankens die Grundmauern errichteten. Diese jeweils von einem weisen Religionsgründer ins Leben gerufenen Bewegungen waren die schon erwähnten Glaubenslehren des Jainismus und des Buddhismus.
Der Karmagedanke bei den Jainas
Der Begründer des Jainismus, Vardhamana Mahavira, war ein älterer Zeitgenosse Buddhas. Beide sollen angeblich zwischen 580 und 480 v. Chr. gelebt haben, doch gibt es auch Forscher, die meinen, dass diese Zeitspanne um mindestens hundert Jahre später anzusiedeln sei. Viel Legendäres und nachträglich Hinzuphantasiertes rankt sich um beider Leben. Auch sind ihrer beider mündlichen Lehren erst lange nach ihren Lebzeiten schriftlich niedergelegt und dabei reichlich ausgeschmückt, erweitert oder manchmal offenbar auch vertieft worden. Der eigentliche Grundtext der Jainas, die sich später in zwei Sekten aufteilten, nämlich in die Digambaras und die Svetambaras, ihre Bibel also, heißt Tattvarthasutra beziehungsweise Tattvarthadhigamasutra und ist erst siebenhundert Jahre nach dem Ableben ihres Glaubensgründers von Umasvati niedergeschrieben worden. Somit fällt es schwer, hervorzuheben, was Mahavira wirklich an neuen Karmagedanken hinzugefügt hat. Glauben wir jedoch der Überlieferung, so hat er erstaunliche neue Ansätze hervorgebracht, die den Hinduismus und den Buddhismus entscheidend mitgeprägt haben könnten, wie sich überhaupt alle drei religiösen Bewegungen untereinander beeinflusst haben. Jede Seele stammt aus einer heilen, nichtmateriellen Welt und ist in Letztere verstrickt worden, weshalb es das Streben jedweder Seele bleibt, aus dieser materiellen Verstrickung wieder herauszukommen. Was eine Seele daran hindert, die Erlösung, die endgültige Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburt zu erreichen, ist das Karma (in der Pali-Sprache auch kamma genannt).
Das Karma oder Karman bindet die Seele, die sich nur aus dem Samsara, dem Weltgetriebe und also dem Rad der ewigen Wiedergeburt, befreien kann, wenn sie gezielt aus Erkenntnis und Wissen um die Möglichkeit der Befreiung darauf hinarbeitet, indem sie allen materiellen Wünschen und Gelüsten entsagt, frei von Leidenschaften wie auch dem Geschlechtstrieb ist, alle Verunreinigungen der Seele wie Zorn, Eitelkeit, Stolz, Gier, Eifersucht, Unaufrichtigkeit usw. abgelegt hat, kein Fleisch isst, nichts tötet – also auch keine Tiere und selbst keine Moskitos oder noch sichtbare Kleinstlebewesen –, bewusst Ahimsa – das ist völlige Gewaltlosigkeit – lebt, kurzum, sich aus allen Verhaftungen löst. Dies alles bedarf einer großen Willensbeherrschung. Ich selbst habe mit den Mönchen der Svetambara-Sekte gelebt, habe mit ihnen viele Kilometer barfuß zurückgelegt und Schriften ihres Oberhaupts, seiner Heiligkeit Ashare Sri Tulsi, vom Englischen ins Deutsche übertragen. Jeder unreine Gedanke, jedes unreine Wort und natürlich jede unreine Tat verfestigen die Anbindung an die Materie und machen es unmöglich, schon in diesem Leben die Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburt zu erreichen. Um die Willensbeherrschung zu trainieren und somit gegen alle eventuellen Versuchungen gewappnet zu sein, gibt es viele Exerzitien, wovon die Praxis des Fastens über Wochen und sogar über ein, zwei Monate hin die beliebteste Form ist.
Nach Auffassung der Jainas besteht das irdische Universum aus kleinsten neutralen Karmapartikeln, also Materieteilchen, die wir durch unsere materiellen Gedanken in unsere Seele gelangen lassen. Vor allem unreine Gedanken öffnen weit die Tore, durch welche diese Karmapartikel in unsere Seele einzuströmen vermögen. Die Kunst besteht also darin, keine Karmapartikel mehr in uns hineingelangen zu lassen und diese, sofern sie schon in uns sind, wieder hinauszubefördern. Denn bei unserem Tod bewirken die unserer Seele anhaftenden Karmateilchen, dass wir sofort in einen neuen Erdenkörper zurückgelangen, ohne erst in einem Zwischenleben eine Art Ruhepause eingelegt zu haben. Man unterscheidet das durch Schwingungen bewirkte Eindringen solcher unsichtbaren Materieteilchen nach solchen, die über durch Gedanken, Worte oder Taten erzeugte Leidenschaften (passions) in den Körper gelangt sind, und nach solchen, die ohne ausgesandte Gedanken der Leidenschaft eingedrungen sind. Nur die ersten verursachen Karma.
So kann diese aus Karmateilchen bestehende, angehäufte Karmamasse unser Wissen um die Wahrheit verhüllen (weshalb so viele Menschen nichts von der höheren Wahrheit kennen oder wissen wollen), unsere Sinne für irdisches Verlangen öffnen, und auch unsere Energie und sogar die Lebensdauer beeinträchtigen. Es gibt behinderndes Karma, destruktives und nicht destruktives Karma, verwirrendes Karma und viele andere Arten von Karma, welche sich durch die Anhäufung von Karmateilchen in der Seele und in dem von ihr eingenommenen Körper ergeben. Die Karmalehre, das Herzstück des Jainismus, ist außerordentlich kompliziert und wird in zahlreiche Rubriken unterteilt. Es gibt Hunderte von karmischen Verursachungen, die alle rubriziert worden sind. 148 verschiedene Arten von Karma hat man ausfindig gemacht, allein 93 Arten von Auswirkungen des Karma sind festgehalten worden, ja sogar die Wirkungsdauer bestimmter aufgenommener Karmapartikel und deren Anzahl wird bis auf die Minute berechnet.10 Der größte Teil dieses Irrgartens der Karmaverschlingungen kann von den Jainmönchen auswendig hergesagt werden. Diese haben vor Eintritt in den Mönchsorden fünf Gelübde abgelegt. Sie lauten: Gewaltlosigkeit (Ahimsa), Aufrichtigkeit (keine Lügen), keine eigenwillige Aneignung fremden Gutes (Stehlen), geschlechtliche Enthaltsamkeit und schließlich kein Verlangen nach materiellem Besitz (weshalb sie auch keinen Tempel, kein Grundstück, kein Haus, kein Hab und Gut ihr eigen nennen außer dem Wenigen, das sie unbedingt zum Leben benötigen und immer mit sich herumtragen – wozu auch ihre umfangreiche Bibliothek zählt, die aus mit mikroskopisch kleinen Buchstaben bedeckten Palmblättern besteht, wobei auf ein Palmblatt etwa fünfzig Buchseiten zu stehen kommen können. Zu den vielen zu übenden Tugenden, die ebenfalls die Karmamaterieteilchen wieder aus dem Körper entfernen beziehungsweise diese neutralisieren oder abweisen, gehören allumfassende Freundlichkeit, freudige und neidlose Einfühlung, Mitleid und Gleichmütigkeit.
Die Bedeutung des Karma im Buddhismus
Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, lebte erst selbst in Askese wie Mahavira, bis er sich für den ‚mittleren Weg‘ zwischen Weltverneinung und Bindung an die Welt entschied. Über vierzig Jahre lang soll er nach seiner Erleuchtung seine Lehren auf seinen vielen Wanderungen mündlich verbreitet haben. Doch erst drei bis vier Jahrhunderte später wurden sie schriftlich niedergelegt, und zwar mit ganz unterschiedlichen Texten und Auslegungen, sodass sich schon bald verschiedene buddhistische Richtungen bildeten. Zum Beispiel zerstritt man sich über die Frage, wie viele Leben Buddha schon gehabt habe und an wie viele davon er sich tatsächlich erinnern konnte. Weiterhin debattierte man darüber, wie viele Male er vorher eine Tiergestalt eingenommen hatte und ob er auch schon einmal in weiblicher Gestalt inkarniert war.
In seiner ersten Nachtwache der Erleuchtung soll er sich gemäß dem Kanon der Theravada-Schule an unzählige frühere Leben erinnert und sogar bei dem Rückblick die verschiedenen Perioden des Weltuntergangs und der Erneuerung der Welt miterlebt haben. In der zweiten Nachtwache erkennt er, was mit den Menschen entsprechend ihren Gedanken und Taten, das heißt ihrem neu aufgeladenen Karma, nach dem Tod passiert. Diejenigen, die sich in Gedanken, Worten und Taten schlecht verhalten haben, gelangen aufgrund dieses negativen Karmas in die Hölle. Und umgekehrt kommen jene, die sich ein gutes Karma geschaffen haben, in die Himmelswelt. Der Karmagedanke ist hier noch nicht mit früheren Leben verknüpft, obwohl die verstorbenen Seelen irgendwann wieder inkarniert werden. Denn die dritte Nachtwache offenbart ihm, dem nun Erleuchteten, die drei Grundübel des Menschseins und wie diese überwunden und vernichtet werden können. Das erste Grundübel ist die Sinnenlust, das zweite die Werdelust und das dritte die Unwissenheit. Mit der Überwindung dieser drei Grundübel ist der Mensch von der Kette wiederholter Erdenleben befreit. Und Buddha konnte nach dieser Erkenntnis von sich sagen: „Ich kehre nie wieder in diese Welt zurück!“ In anderen Schriften, wahrscheinlich erst von Schülern von Schülern seiner Schüler niedergeschrieben und interpoliert, lehrt er das Karma in Verbindung mit der Reinkarnation.11 Für ihn ist das Leiden mit dem Leben verbunden, und erneutes Erdenleben in Leid geschieht durch aufgeladenes Karma. Um sich diesem Leiden samt dem es bedingenden Karma zu entziehen, schlägt er einen achtgliedrigen Pfad vor: „Rechter Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes Sich-Versenken.“12
In einem Gespräch mit dem jungen Brahmanen Subha erklärt Buddha das Karmagesetz nun explizit. Es gibt aufgrund der ausgeübten Taten einmal solches Karma, das noch im selben Leben zur Reife gelangt, und dann gibt es Karma, das sich erst in einem erneuten Erdenleben auswirkt. Das heißt, dass wir aufgrund unseres Verhaltens unser Sein in diesem oder in einem nächsten Leben selbst verursachen. Hier wird das Karma zum ersten Mal mit einem erneuten Leben, das heißt mit der Reinkarnation, in Zusammenhang gebracht. Dem König Mallika gegenüber äußert sich Buddha dahingehend, dass hässliche Menschen deswegen äußere Makel tragen, weil sie in einem früheren Leben ein unfreundliches Verhalten an den Tag gelegt hatten.
Der Theravada-Buddhismus unterscheidet nun auch das gute Karma von dem schlechten und bezeichnet das erste mit kusala und das zweite mit akusala. Es kommt immer auf die Intention an, die man mit seinem gedanklichen, gesprochenen oder ausgeübten Bewirken (vielleicht eine bessere Übersetzung des Begriffes Karma) verknüpft. Somit bemisst sich das Ausmaß von Unschuld und Schuld nach der damit verbundenen Absichtlichkeit, also nach der Intention oder Motivation der Verursachung. Die Vertreter des Buddhismus fügen dem Maß karmischer Verschuldung auch noch das Fehlen von nachträglichem Bedauern und Reue hinzu, sodass man sich auch durch Gleichgültigkeit ein negativ ausgerichtetes Karma zuziehen kann. Im Buddhismus kann eine Seele ihrem Erdenwandel entsprechend wohl in einem erneuten Erdenleben ein Habenichts oder ein äußerlich hässlicher Mensch werden, doch sie kann – anders als im Hinduismus – nie wieder zu einem Tier zurückgestuft werden.
Der Mensch ist also voll für sein Schicksal verantwortlich, da sich dieses aus seinen vorausgegangenen Handlungen, seien sie aus ebendemselben oder aus einem früheren Leben, ergibt. Die persönliche freie Entscheidung bestimmt eines jeden Schicksal und überlässt es ihm, sich durch Erkenntnis und entsprechendes Verhalten nach eigenem Dafürhalten aus der Verstrickung in das Karma und somit aus dem Rad der ewigen Wiedergeburt zu befreien. Und die Wege dahin werden, ähnlich wie im Jainismus, in den Schriften gewiesen. Diese besagen in Kürze: Durch Erkennen der inneren Zusammenhänge weiß man, dass die Leidenschaften das Rad der Wiedergeburt in Schwung halten. Stellt man diese ein, reduzieren sich automatisch auch alle Willensregungen. Dadurch lädt man sich kein erneutes Karma auf und bereitet sich somit auf die ewige Befreiung im Nirwana vor, jenem nicht zu beschreibenden Ort wunschlosen, selbstlosen und gänzlich freien Glücksgefühls. Nun wäre eigentlich das auf Ursache und Wirkung beruhende Karmakonzept für den Buddhismus eindeutig vorgegeben, wenn es nicht Schriften gäbe, die sich ebenfalls auf Buddha berufen, in welchen die Existenz einer sich von Leben zu Leben in verschiedenen Körpern fortbewegenden Seele abgestritten wird. Denn da es eine solche an sich nicht gebe, könne sie auch nicht wiedergeboren werden, hebe eine Pseudoseele sich mit dem Tode doch von selbst auf, da sie nur ein Konstrukt von Lebensgier und Ego sei. Das hat zu vielen religionsphilosophischen Debatten und Abspaltungen geführt, waren solche Gedankengänge für den „kleinen Mann“ doch bei weitem zu kompliziert, sodass man sich jenem gegenüber mit den Begriffen von Seelenwanderung und karmischer Vergütung mit Aussicht auf eine endgültige Befreiung im Nirwana begnügte.
Was alles Karma verursacht oder verursachen kann, wurde in den verschiedensten Kommentaren späterer Jahrhunderte zusammengestellt. Nicht nur für Mönche, sondern für alle Buddhisten gelten fünf moralische Grundregeln, deren Einhaltung Karma vermeidet und deshalb auch von allen weitgehendst beachtet wird. Sie heißen: Vermeidung von Gewalt, Stehlen, Lügen, sexueller Ausschweifung und alkoholischen Getränken. Für viele Buddhisten ist die fleischlose Kost ebenfalls ein Gebot, das die Aufladung zusätzlichen Karmas vermeidet, während andere wie der Dalai Lama gelegentlich fleischliche Nahrung zu sich nehmen, ohne sich karmisch zu verschulden. Wie bei den Jainas sind die Leidenschaften das Hauptübel, das zu karmischer Verstrickung führt, als da sind unter anderem: Gier, Hass, Verblendung (also auch Abstreiten der „wahren“ Lehre), Töten, Ehebrechen, Böswilligkeit. Es gibt eine Liste der zehn Befleckungen, zu denen Dünkel, Zweifel und Schamlosigkeit gehören, und es gibt ebenfalls eine Liste von Störfaktoren, die Karma bewirken können. Auf dem Wege zur Wahrheit und damit zur Befreiung von karmischer Verstrickung und somit von wiederholten Erdenleben müssen drei Triebe überwunden werden, nämlich der Geschlechtstrieb, der Daseinstrieb und der Unwissenheitstrieb. Hat man diese Leidenschaften und Triebe erst einmal überwunden, dann gibt es Anleitungen (wie zum Beispiel die sieben Stufen zur Einigung), wie man am sichersten den Weg findet, der schließlich aus dem Rad der ewigen Wiedergeburt führt und das Eingehen in das ersehnte Nirwana ermöglicht.
Verschiedene Strömungen innerhalb des Buddhismus gehen von einer Zwischenexistenz in einem Jenseits aus, bevor eine erneute Inkarnation auf Erden angetreten wird. Der klassische Vertreter der Sarvastivada-Bewegung, Vasubandhu, gibt eine genauere Beschreibung dessen, was nach dem Tod passiert. Dort bildet die Seele einen Geistkörper, gandharva genannt, der nach Ablauf seines jenseitigen Aufenthaltes seinem Karma aus dem oder den vergangenen Erdenleben gemäß dem Ort seiner Wiedergeburt bewusst zusteuert. Er kann sogar dem Geschlechtsakt der Eltern bei der Erzeugung seines Erdenkörpers beiwohnen und – sollte er als männliches Wesen inkarnieren – Hass auf den Vater und Zuneigung zur Mutter empfinden, wie auch im umgekehrten Falle – so er als weibliches Wesen inkarnieren sollte – Hass auf die Mutter und Zuneigung zum Vater. Sigmund Freud hätte an dieser Vorwegnahme seiner ödipalen Darlegungen gewiss seine Freude gehabt.
Der Mahayana-Buddhismus, dem auch der tibetische Buddhismus zuzuzählen ist, glaubt, dass Buddha aus Liebe zu den Menschen, d. h., um ihnen in ihrem Leid und ihrer Unwissenheit beizustehen, darauf verzichtet hat, ins Nirwana einzugehen, und sich deshalb ganz oder teilweise in hohen Lamas wie dem Dalai Lama niederlässt, um mit seinem angesammelten guten Karma, seiner Güte, Liebe und seinem Wissen den Menschen zu helfen, ihrer Erlösung allmählich näher zu kommen.
Strukturen der indischen Karmamodelle
Ebenso wie der Jainismus und der Buddhismus haben die Auslegungen der vorhandenen hinduistischen Urschriften, also der Veden, der Upanishaden und der beiden großen Epen Ramajana und Mahabharata sowie der vielen Sutras, Puranas und anderer Schriften samt deren erweiterten Abschriften und Kommentaren zu ganz unterschiedlichen religiösen Hauptströmungen und Untergruppierungen geführt, sodass man heute sechs hinduistische Systemtraditionen unterscheidet, nämlich den Vaisesika, den Nyaya, den Samkhya, den Yoga, den Mimamsa und den Vedanta. Sie alle haben sich eingehend mit Wiedergeburt und Karma befasst und Lehrgebäude aufgestellt, bilden diese beiden Themen doch die Drehscheibe ihrer religiös-philosophischen Überlegungen samt den Konzepten, wie man sich aus dem Samsara (dem Weltgetriebe) durch Dharma (der sittliche, reine Weg) befreien kann.
Um ein Beispiel für diese vielen Überlegungen zu geben, führe ich an dieser Stelle einige Gedanken des Vyasa aus, da diese für uns von Interesse sein könnten.