Cover

Über dieses Buch

Der wohl faszinierendste, tiefgründigste und erfolgreichste Roman der chinesischen Literatur – zum ersten Mal vollständig auf Deutsch.

Hinweise zur E-Book-Ausgabe

Die E-Books des Reclam Verlags verwenden entsprechend der jeweiligen Buchausgabe Sperrungen zur Hervorhebung von Textpassagen. Diese Textauszeichnung wird nicht von allen Readern unterstützt.

Enthält das E-Book in eckigen Klammern beigefügte Seitenzählungen, so verweisen diese auf die Printausgabe des Werkes.

Fußnoten

1

beseelte Wurzel (靈根 línggēn): die primäre Lebenskraft allen Seins, die eine Ur-Energie, die sich bei der Entstehung des Universums bzw. eines Lebewesens regt. – innere Vervollkommnung (心性修持 xīnxìng xiūchí): wörtlich: »das stetige Vervollkommnen des innersten Wesens (und) des Herzens«, d. h. die achtsame Arbeit an der Lebenshaltung, mit dem Ziel, die innere Transzendenz zur vollkommenen Entfaltung zu bringen. – der Große Weg (大道 dà dào): daoistischer Ausdruck für die mit praktischen Methoden unterstützte geistige und körperliche Entwicklung zur inneren Einheit mit der ursprünglichen kosmischen Energie. Der daoistische Kommentator Liu Yiming (17341821) erklärt dazu: »Der Weg der Reise in den Westen ist der Weg des Goldenen Elixiers, der Weg aller Schöpfung und damit auch der Weg des zyklischen Laufs aller Dinge.«

2

»Erlösung vom Leid auf der Reise gen Westen« (西遊釋厄傳 xīyóu shì è zhùan): Gemeint ist das vorliegende Werk. Unter diesem Titel erschien eine Kurzfassung, herausgegeben von Zhu Ding-chen; das Erscheinungsdatum wird teils vor, teils nach der frühesten Fassung des Romans angesetzt.

3

129 600 Jahre: Die folgenden Ausführungen basieren auf der universalistischen Zahlenphilosophie des Song-zeitlichen Neokonfuzianers Shao Yong (邵雍, auch Shao Kangjie 邵康節, 10111077), der die Zeit in Weltenzyklen ( yuán) zu zwölf Epochen ( huì) einteilte. Seine Theorie gehörte in der Ming-Dynastie (13681644) zur Allgemeinbildung.

4

Zwölf Erdzweige (十二地支 shí’èr dìzhī): Im chinesischen Kalender wurden Stunden, Tage, Monate und Jahre anhand eines Zwölferzyklus (Zwölf Erdzweige) und eines Zehnerzyklus (Zehn Himmelsstämme) gezählt.

5

Die Stelle stammt aus Shao Yongs Werk Yichuan Jirang Ji (伊川擊壤集), Buch 18. Der Tag der Wintersonnenwende entspricht dem Hexagramm Fu (die Wiederkehr), das mit der von unten aufstrebenden Yang-Linie versinnbildlicht, wie sich »die Yang-Kraft erstmals regt«.

6

»Buch der Wandlungen« (易經 Yijing oder I Ging): chinesisches Orakel- und Weisheitsbuch aus dem 11. Jh. v. Chr. Das Buch basiert auf der Idee des Zusammenspiels der polaren Kräfte Yin und Yang, die in 8 Trigrammen bzw. 64 Hexagrammen kombiniert werden. Hier zitiert nach der Übersetzung von Richard Wilhelm.

7

Kalenderbuch (曆書 lìshū): eine Art Almanach mit Ausführungen zu Klima und Landwirtschaft. Zur Entstehungszeit des Romans waren die verschiedensten Kalenderbücher in Umlauf. Das Zitat gehörte zum damaligen Allgemeinwissen.

8

vier große Kontinente (四大部洲 sì dà bùzhōu): Die Namen der Kontinente entstammen dem Weltbild des indischen Buddhismus. Vier Kontinente und vier Weltenmeere gruppieren sich um den Weltenberg Sumeru.

9

Neun Paläste (九宫 jiǔ gōng): das neunteilige »magische Quadrat«, anhand dessen im alten China die Ordnung des irdischen Raumes dargestellt wurde. – Acht Trigramme (八卦 bā guà): Grundzeichen aus dem Yijing, welche den Neun Palästen zugeordnet werden. Vgl. S. 99, Anm. 2. Die genannten Zahlen und Bezüge stehen für die Gesamtheit des Kosmos und spiegeln die Vorstellung, dass sich der Kosmos im Menschen abbildet.

10

Jadekaiser: s. Glossar zum chinesischen Pantheon im Anhang (S. 1265 ff.).

11

Ein Mensch, der sein Wort nicht hält … (人而無信, 不知可否 rén ér wú xìn, bù zhī kě fǒu): ein sprichwörtliches Zitat aus den Gesprächen des Konfuzius (Kongzi, Lunyu, Buch II, 22).

12

Mit drei Yang der Lenz beginnt (三陽交泰 sān yáng jiāo tài): wörtlich: »mit drei Yang-Linien entsteht das Hexagramm Tai, der Friede«: Der Ausdruck bezieht sich auf das Hexagramm Tai , das mit drei Yang-Linien unten (Himmel, steigend) und drei Yin-Linien oben (Erde, sinkend) symbolisch die fruchtbare Vereinigung von Himmel und Erde darstellt und damit das Keimen und Sprießen des Frühlings versinnbildlicht.

13

»König«, »Heilig« ( wáng, shèng): die konfuzianische Idealvorstellung eines vollkommenen Menschen, der sich innerlich wie ein Heiliger vollendet und gleichzeitig als vorbildlicher Herrscher die Welt regiert.

14

Buddhas, Unsterbliche und Heilige ( , xiān, shèng): der Zustand menschlicher Vervollkommnung aus der Sicht des Buddhismus (Buddhaschaft), des Daoismus (Unsterblichkeit) und des Konfuzianismus (Heiligkeit, d. h. Weisheit im Einklang mit dem Weltprinzip).

15

Die Reise des Affenkönigs von Osten über den Süden nach Westen entspricht der Vorstellung vom zyklischen Lauf der Natur.

16

Beim Schach zusehn, bis der Axtstiel fault (觀棋柯爛 guān qí ké làn): Anspielung auf eine Geschichte aus dem 5. Jh. n. Chr., nach dem Shu Yi Ji (述異記 »Aufzeichnungen von Außergewöhnlichem«): Ein Mann namens Wang Zhi ging in die Berge, um Holz zu sammeln. Dort begegnete er zwei jungen Schachspielern, die ihm eine Frucht anboten, nach deren Verzehr er keinen Hunger mehr empfand. Als das Schachspiel zu Ende war, wies einer der Spieler auf Wang Zhis Axt und sagte: »Der Stiel Eurer Axt ist verfault.« Zu Hause angekommen, gewahrte Wang, dass ein ganzes Jahrhundert verstrichen war.

17

»Buch vom Gelben Palast« (黃庭經 huáng tíng jīng): daoistisches Standardwerk aus dem 3. Jh. n. Chr. Es beschreibt die Körpergottheiten und deren Funktionen, enthält Anweisungen zu meditativen Atemübungen und anderen Praktiken zur Erlangung geistiger Vervollkommnung und der Unsterblichkeit.

18

Die Geschichte des Holzfällers lehnt sich an die Biographie von Huineng, dem 6. Patriarchen des Zen-Buddhismus, der vor seiner Hinwendung zur buddhistischen Lehre mit seiner verwitweten Mutter in Armut lebte und Brennholz verkaufte. Vgl. Huineng, Das Sutra des Sechsten Patriarchen, Darmstadt 2008, S. 20.

19

Seelen-Herz-Berg (靈台方寸山 língtái fāngcūn shān): wörtlich: »Seelenpodest-Quadratzoll-Berg«, d. h. der Ort, wo das göttlich Beseelte seinen Sitz hat, nämlich im Herzen, dieser kleinen Kammer, die nicht mehr als einen Quadratzoll misst. Der Begriff »Quadratzoll« wird oft synonym für »Herz« benutzt. – Schrägmond-Dreistern-Grotte (斜月三星洞 xié yuè sān xīng dòng): Der »schräge Mond« und die »drei Sterne« umschreiben das Schriftzeichen xīn für »Herz«, das aus einem Haken und drei Punkten besteht.

20

Ahnherr Subhuti (須菩提祖師 xūpútí zǔshī): In buddhistischen Sutren ist Subhuti einer der zehn Hauptjünger Buddhas und zeichnet sich durch tiefe Einsicht in die Lehre des »Shunyata« (Leere; Leerheit aller Dinge) aus. Durch den Titel »Ahnherr« (auch mit »Patriarch« übersetzt, eine Bezeichnung für hohe daoistische Meister) wird die buddhistische Gestalt hier zu einer Figur, welche die daoistische und die buddhistische Lehre in sich vereint.

21

Ahnherr Bodhi (祖菩提 zǔ pútí): Subhuti wird auf Chinesisch 須菩提 xū pútí genannt, was als »notwendig ist Erleuchtung (Sanskr. »Bodhi«)« verstanden werden kann. Er wird daher auch als »Ahnherr der Erleuchtung (»Bodhi«)« bezeichnet und erscheint hier als Sinnbild des Erwachens zur höchsten Weisheit.

22

das Werk von dreimal Drei (三三行 sān sān xíng): Aus buddhistischer Sicht handelt es sich um die Erfahrung der drei Stufen von »Samadhi« (三昧 sānmèi), der Sammlung des Geistes in einem nichtdualen Bewusstseinszustand, in dem das Denken aufhört. Aus daoistischer Sicht geht es um die Zahl Neun, welche die reine Yang-Energie symbolisiert, die es auf dem Weg der Vervollkommnung zu verwirklichen gilt. Der Begriff taucht in Kapitel 99 wieder auf, in dem das Ziel der Vervollkommnung erreicht ist: »Dreimal Drei ist nun vollbracht, es kehrt der Weg zur Wurzel«.

23

Xing (/ xìng): ein Wortspiel mit zwei gleichlautenden Schriftzeichen. Das Xing , nach dem Subhuti fragt, bedeutet ›Familienname‹; das Xing , das der Affenkönig versteht, bedeutet ›Charakter‹, ›Eigenschaft‹, ›Wesen‹. Gleichzeitig spielt der Begriff auf philosophischer Ebene eine wichtige Rolle, zum einen als angeborene Wesenheit des Menschen (Grundbedürfnisse), zum anderen als innere Wesenheit im Sinne der Buddha-Natur.

24

Ich war zeitlebens ohne Xing (一生無性 yī shēng wú xìng): Diese Aussage wird als eine tiefgründige Erkenntnis interpretiert, da nach buddhistischer Auffassung alle Erscheinungen ohne beständige Substanz sind. Der Affenkönig, dem im Folgenden der Name Wukong, »die Leerheit erkennen«, gegeben wird, erklärt hiermit, dass die Leerheit in der Inexistenz jeglicher Wesenheit liegt.

25

Hu-Sun (猢猻): Das Zeichen besteht aus »Tier« , »antik/alt« und »Mond« ; sūn ist zusammengesetzt aus »Tier« , »Sohn« und »Nachkomme« .

26

zwölf Zeichen: Zusammengesetzt ergeben die Zeichen (廣大智慧 guǎng dà zhì huì, 真如性海 zhēn rú xìng hǎi, 颖悟圓覺 yǐng wù yuán jué) die Aussage: »Durch endlos große Weisheit im Ozean des wahren So-Seins zu vollkommener Erleuchtung erwachen.«

27

starre Leerheit: (頑空 wán kōng): bezeichnet ein falsches Verständnis der buddhistischen Lehre als eines die Welt negierenden Nihilismus, in dem der Bezug zur Wirklichkeit und damit auch die innige Zuwendung (Mitgefühl) zur Welt verlorengeht. Dem gegenüber steht die »wahre Leerheit« (真空 zhēn kōng) als Einheit von Sein und Nicht-Sein, von allumfassender Leerheit und aller Ausformung der Welt.

28

Urgeist (元神 yuán shén): der transzendente Geist im vorgeburtlichen Zustand. Liu Yiming erklärt das »Dämonische«, das in diesem Kapitel in Gestalt des Weltverheerenden Dämonenkönigs auftritt, als nachgeburtliche Essenz der körperlichen Fortpflanzungskräfte, die hier überwunden und zu transzendentem Geist sublimiert werden. Das stufenweise Sublimieren körperlicher Essenzen zu körperloser Energie und weiter zu transzendentem Geist gehört zu den Grundlagen der daoistischen Inneren Alchemie. Vgl. S. 38, Anm. 10.

29

drei Lehren (三乘教 sān chéng jiào): Normalerweise werden damit die Hauptrichtungen des Buddhismus Hinayana, Mahayana und Vajrayana benannt. Auch der Daoismus kennt eine stufenweise Einteilung der Vervollkommnungslehre in »Drei Fahrzeuge« der Lehre, entsprechend der höheren oder niedrigeren Anlagen des Adepten.

30

Drei Schulen (三家 sān jiā) wörtlich: »drei Familien«: Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus. Derselbe Ausdruck wird im Daoismus für den Begriffskomplex »Essenz, Energie, Geist« verwendet.

31

das Eine ( ): wichtiges philosophisches Konzept sowohl im daoistischen als auch im konfuzianischen Denken. Die ursprüngliche Einheit allen Seins, vor ihrer Teilung in die Dualität. Die daoistische Vervollkommnungslehre erstrebt die Rückkehr in diesen Zustand der Einheit, das Dao. – Wahrhaftigkeit (誠理 chéng lǐ): wörtlich: »Prinzip der Wahrhaftigkeit«, d. h. der aufrichtige innere Einklang mit dem umfassenden Weltprinzip.

32

Ewigkeit (無生 wú shēng): wörtlich: »ohne Geburt«, d. h. das, was Geburt und Tod übersteigt und nicht der Zeitlichkeit der Welt mit ihrem Kreislauf der Wiedergeburten unterworfen ist.

33

Bearbeitung mit Feuer und Wasser (水火鍛煉 shuǐ huǒ duàn liàn): Feuer und Wasser stehen im Daoismus für die grundlegenden polaren Kräfte, die es im Körper zu vereinen gilt, um die Unsterblichkeit zu erlangen.

34

Rotblei (红鉛 hóng qiān): Präparat aus dem ersten Menstruationsblut einer Jungfrau, vermischt mit Zinnober, Myrrhe und Knabenurin. – Herbststein (秋石 qiūshí): eine Art Hormonpräparat aus Urin unberührter Knaben. Beiden Mitteln wurde verjüngende und potenzfördernde Wirkung zugesprochen. Während der Ming-Dynastie fanden diese – in der Reise in den Westen wiederholt kritisierten – daoistischen Sexualpraktiken und Potenzmittel am Kaiserhof und in reichen Milieus großen Anklang.

35

nicht unter sechs Ohren (無六耳 wú liù ěr): im Sinne von: »unter vier Augen«. Dass das Geheimnis des Dao nicht in falsche Hände gelangen darf, ist im Chinesischen sprichwörtlich. Derjenige, der alle Geheimnisse unbefugt an sich gerissen hat, taucht in Kapitel 59 in der Figur des »Sechsohrigen Rhesusaffen« wieder auf.

36

Lebenskraft und Wesen (性命 xìng mìng): Im Daoismus steht das Wesen (xìng) für das spirituelle Prinzip, die Lebenskraft (mìng) für das körperliche Prinzip des Menschen.

37

die Essenz, die Energie, der Geist (精氣神 jīng qì shén): Nach daoistischer Auffassung die drei Grundsubstanzen der menschlichen Existenz, deren Zusammenspiel und fortschreitende Sublimierung für die Erhaltung und Verlängerung des Lebens wesentlich ist.

38

Elixierpodest (丹臺 dāntái): Das Elixier, wörtlich »Zinnober« ( dān), steht in der Inneren Alchemie für die Erlangung geistiger Unsterblichkeit. Der Vollmond (明月 míngyuè) symbolisiert die vollendete Einheit und Klarheit des Geistes.

39

Jadehase (玉兔 yùtù) … Rabe ( ): Nach der chinesischen Mythologie befindet sich in der Sonne ein dreibeiniger Rabe und im Mond ein jadener Hase. Im daoistischen Kontext symbolisiert das Begriffspaar die polaren Kräfte, die es durch meditative Praktiken zu vereinen gilt, um geistige Unsterblichkeit zu erlangen. Der Hase im Mond steht für das Yang im Yin (Wasser-Trigramm Kan ), der Rabe in der Sonne für das Yin im Yang (Feuer-Trigramm Li ).

40

Schildkröte und Schlange (龜蛇 guī shé): Die Umschlingung von Schildkröte und Schlange symbolisiert in der Inneren Alchemie die Vereinigung der polaren Kräfte.

41

Goldener Lotos (金蓮 jīn lián): Die Stelle bezieht sich auf das 13. Gedicht im daoistischen Werk Wuzhen Pian (悟真篇, 1075). Der Lotos gilt im Buddhismus als Sinnbild für die im Schlamm der Welt unbefleckt bleibende Buddha-Natur des Menschen. Mit »goldener Lotos im Feuer« bezeichnet man im Buddhismus die Vervollkommnung eines Menschen, der sich der Gesellschaft nicht entzieht, sondern seinen Weg inmitten des weltlichen Alltags kultiviert. Im daoistischen Kontext der Inneren Alchemie steht der Goldene Lotos für die vorgeburtliche Ur-Essenz (auch als »Gold im Wasser« bezeichnet), die Grundlage des Goldenen Elixiers der Unsterblichkeit.

42

das wahre Wesen erschaut … (明心見性 míng xīn jiàn xìng): buddhistischer Ausdruck für die innere Befreiung und Erleuchtung. Es geht darum, das Herz klar zu sehen (明心 míng xīn), seine Strukturen, Konstrukte und inneren Unfreiheiten zu erkennen. Durch Ablegen innerer Verhaftungen lässt sich die universelle innerste Wesenheit erschauen (見性 jiàn xìng).

43

Punkt der Sprudelnden Quelle (涌泉 yǒngquán): der erste Punkt des Nieren-Meridians (in der Mitte der Fußsohlen). – Niyuan (泥垣 níyuán): abgeleitet vom buddhistischen »Nirvana«; damit wird im Daoismus der Bereich des Gehirns oder Scheitels bezeichnet.

44

Zinnoberfeld (丹田 dāntián): Bereich des Unterbauchs, drei chinesische Zoll unter dem Bauchnabel, Sitz der Körperenergie.

45

Zitat aus einem Gedicht des daoistischen Meisters Lü Dongbin (796–?), s. Lüzu Quanshu (吕祖全書 »Gesammelte Werke des Patriarchen Lü Dongbin«).

46

Der Norden steht für das Wasser-Trigramm Kan , das im Körper den Nieren entspricht. Liu Yiming zufolge steht dieser Dämon für die Nieren und das den Nieren zugeordnete sexuelle Begehren. Die Shidetang-Ausgabe nennt an dieser Stelle zusätzlich einen »Berg der Kan-Quelle« (坎源山 kǎn yuan shān), auf dem der Dämon lokalisiert ist.

47

Das rote Gewand mit dem gelben Band suggeriert das Feuer-Trigramm Li (mit Yin-Erde in der Mitte), das dem Herzen entspricht.

48

Xun ( xùn): Das Trigramm Xun ist dem Südosten zugeordnet und steht für Wind.

49

das Göttliche Edelerz zur Erdung der Milchstraße (天河定底神珍鐵 tiānhé dìng dǐ shén zhēn tiě): Hier ist abermals das Wasser-Trigramm Kan gezeichnet. Nach daoistischer Vorstellung entstand die Welt durch die fruchtbare Vereinigung von Himmel (Qian ) und Erde (Kun ). Das Eindringen der Kraft des Himmels in die Erde wird mit dem Trigramm Kan dargestellt. Bildlich gesprochen ist damit der Himmelsfluss, wie die Milchstraße im Chinesischen heißt, geerdet. Die Eisenstange wird so gesehen zum Sinnbild der Yang-Linie in der Mitte des Trigramms Kan. Zur Erlangung der Unsterblichkeit ist es nach daoistischer Ansicht notwendig, diese Yang-Linie (Ur-Essenz) ins Herz zu integrieren, um die ursprüngliche Kraft des Himmels im Körper wiederherzustellen. Eine ähnliche Bedeutung hat das Hexagramm Fu, mit dem sich »das Firmament verwurzelt«, vgl. S. 16, Anm. 5.

50

Yu der Große (大禹 Dà Yú): einer der mythischen Urkaiser Chinas, der nach der Legende das Land von einer Sintflut rettete, indem er das Wasser durch den Bau von Kanälen ableitete.

51

im Ohr unterbringen: Der Stab als Versinnbildlichung der Yang-Linie im Trigramm Kan (Wasser, Nieren) passt ins Ohr, da die Ohren nach der traditionellen chinesischen Medizin mit den Nieren verbunden sind. In diesem Sinne kann Wukong fortan seine Lebensessenz (Yang) beliebig hervorholen oder wieder zurückstecken.

52

Taishan (泰山): einer der fünf heiligen Berge Chinas, eine wichtige Stätte des Daoismus, in vielen Dynastien Symbol der kaiserlichen Herrschaft.

53

ließ sein Herz schweifen (放心 fàng xīn): wörtlich: »das Herz ablegen« oder »gehen lassen«. Dieser Ausdruck wird von Kommentatoren betont und kontrovers diskutiert. Im Vorwort des Xiyou Zhengdao Shu (西遊證道書, 1672) wird der Begriff »das Auffangen des abgeschweiften Herzens« (收放心 shōu fàng xīn) als Quintessenz der Reise in den Westen bezeichnet: »[Das Buch] ließe sich mit einem Wort umschreiben: Es geht durchweg darum, ›das abgeschweifte Herz zurückzuholen‹.« Liu Yiming hingegen interpretiert die Stelle im Sinne des Ablegens jeglicher Anhaftungen. Weil Wukong das unfreie menschliche Herz abgelegt habe, seien die Todesschergen gegen ihn machtlos.

54

Bimawen (弼馬溫 bì mǎ wēn): Diese Bezeichnung für den Oberaufseher der himmelskaiserlichen Marställe ist an sich bedeutungslos, doch versteckt sich im Wortlaut ein Spiel mit gleichlautenden Zeichen: (vermeiden), (Pferd) und wēn (Infektionskrankheit). Nach einer alten Vorstellung konnten Affen Krankheiten von Pferden fernhalten.

55

dunkelgelbe Robe (褐黄袍 hèhuáng páo): offensichtlich eine Kaiserrobe. Im alten China war die Farbe Gelb (Farbe der Mitte) dem Kaiser vorbehalten.

56

seine schlechten Neigungen eindämmen (收邪心 shōu xiéxīn): wörtlich: »sein abtrünniges Herz einfangen«. Auch hier geht es auf der Ebene der inneren Vervollkommnung um das »Auffangen des abgeschweiften Herzens«, vgl. S. 56, Anm. 6.

57

Samsara (輪迴 lún huí): Sanskr. »Samsara«, im Chinesischen wörtlich »Rad der Wiederkehr«, bezeichnet den nicht befreiten Zustand im Kreislauf der Wiedergeburten, im Gegensatz zu Nirvana, dem befreiten Zustand der Erleuchtung.

58

Arhat (羅漢 luóhàn): ein Praktizierender der buddhistischen Lehre, der die Widerstände von Gier, Hass und Verblendung abgelegt hat und zum vollständigen Erwachen gelangt ist.

59

Guanyin (觀音 guān yīn): der chinesische Name von Bodhisattva Avalokiteshvara, der im indischen Buddhismus in männlicher, im chinesischen Buddhismus in weiblicher Gestalt erscheint. Guanyin, die wohl wichtigste Gottheit im chinesischen Volksglauben, auch als »Göttin der Barmherzigkeit« bezeichnet, wird sowohl im Buddhismus als auch im Daoismus verehrt. Da sie in der Erzählung in typisch chinesischer Gestalt auftritt, wird in dieser Übersetzung ihr chinesischer Name verwendet.

60

Potalaka (普陀落伽山 Pǔtuóluòjiā shān): Der Berg Potalaka findet erstmals im Avatamsaka Sutra Erwähnung als Aufenthaltsort des Bodhisattva Avalokiteshvara (Guanyin). In China wird Guanyin auf der Insel Putuo im Ostchinesischen Meer vor der Provinz Zhejiang lokalisiert.

61

Erlang (二郎): wörtlich »Herr Zwei«: Der Name dieses im Volksglauben verehrten Schutzgottes spielt hier auch auf symbolischer Ebene eine Rolle: Die Zwei steht für die Yin-Kraft, mit der das Kleine assoziiert wird, daher in der Kapitelüberschrift die Bezeichnung »Kleiner Heiliger«. Damit wird Sun Wukongs Fülle an Yang-Energie zersetzt und ins Gegenteil gewendet.

62

jenseits des Hanguan-Passes: Einer Legende nach soll Laozi in hohem Alter China über den Hanguan-Pass (wo er auf Bitten des Zollbeamten das Daodejing verfasste) verlassen haben und in Indien als Buddha erschienen sein.

63

Herzensaffe (心猿 xīn yuán): Der Affe gilt im buddhistisch-daoistischen Denken als Symbol für die unstete und sprunghafte Aktivität des Geistes.

64

Acht Trigramme (乾坎艮震巽離坤兌 qián kǎn gèn zhèn xùn lí kūn duì): die acht Grundzeichen des Yijing: Qian (Himmel), Kan (Wasser), Gen (Berg), Zhen (Donner), Xun (Wind), Li (Feuer), Kun (Erde) und Dui (See).

65

Vor-Kosmos (先天 xiāntiān): der vorweltliche oder vorgeburtliche Zustand im Absoluten (Ewigkeit), im Gegensatz zur stofflichen Realität der raum-zeitlichen Welt.

66

Quecksilber und Blei: (鉛汞 qiān gǒng): alchemistische Grundsubstanzen, in der Inneren Alchemie symbolisch für die körperlich-geistigen Gegensätze, die es zu vereinen gilt. Vgl. S. 243, Anm. 7.

67

Drei Gelübde (三皈 sān guī): »dreifache Zuwendung« zu Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (Mönchstum). – Fünf Gebote (五戒 wǔ jiè): nicht töten, nicht stehlen, keine unheilsamen sexuellen Tätigkeiten, nicht lügen, keinen Alkohol trinken.

68

Pferd und Affe (馬猿 mǎ yuán): Das galoppierende »Pferd des Denkens« und der sprunghafte »Affe des Herzens« sind im Chinesischen sprichwörtlich. Dadurch, dass der unstete Geist stets äußerlichen Wahrnehmungen folgt, wird der klare Einblick in die innere Buddha-Natur verhindert.

69

Tathagata (如來 rúlái): wörtlich: »der So-Seiende«. Ursprünglich ein Ausdruck für das unbewegte In-sich-Weilen, später stellvertretend für Buddha verwendet.

70

Seelenberg (靈山 língshān): Aufenthaltsort des Buddha, abgeleitet von »Geierberg« (靈鷲山 língjiù shān, »Berg des beseelten Geiers«). Vgl. S. 112, Anm. 10.

71

Namo Amithaba Buddha (南無阿彌陀佛 nāmó āmítuó fó): wörtlich: »Ich bekenne mich zu Buddha Amithaba« – damit übernimmt Buddha eine feststehende Gebetsformel chinesischer Gläubiger.

72

Aus Ziegeln Spiegel schleifen (磨磚作鏡 mó zhuàn zuò jìng): Die Metapher greift eine Zen-buddhistische Legende auf: Einst übte sich Zen-Patriarch Mazu im Sitzen in tiefer Versenkung, da fragte Huairang: »Wozu tust du das?« »Um zu Buddha zu werden«, antwortete Mazu. Da nahm Huairang wortlos einen Ziegelstein und begann ihn zu schleifen. Als Mazu ihn nach dem Zweck fragte, antwortete er: »Ich schleife den Ziegelstein, um ihn zu einem Spiegel zu machen.« »Wie soll denn ein Ziegelstein zu einem Spiegel werden?« wandte Mazu ein, und Huairang erwiderte: »Wenn man einen Ziegel nicht zum Spiegel schleifen kann, wie soll man denn durch Meditation zu Buddha werden?«

73

Ein Senfkorn birgt den Sumeru (芥納須彌 jiè nà Xūmí): Im buddhistischen Kanon wird das Senfkorn als das kleinste Korn erwähnt, während der unvorstellbar hohe Berg Sumeru (auch Meru genannt) den gesamten Kosmos repräsentiert. Sumeru gilt in der buddhistischen Kosmologie als Sitz der Götter und Zentrum des Universums.

74

der Goldne Dhuta (金色頭陀 jīnsè tóutuó): Dhuta bedeutet ›asketischer Mönch‹, hier für Buddha-Jünger Kasyapa, der für seine asketische Selbstdisziplin bekannt war. Die Stelle bezieht sich auf die Geschichte, dass Buddha Shakyamuni in einer Predigt schweigend eine Blume emporhielt. Allein Kasyapa verstand und lächelte in tiefer Einsicht, denn in der Geste hatte er urplötzlich die Essenz der Lehre Buddhas erfasst. Die Geschichte wurde berühmt als erste Übertragung der »wortlosen Lehre« des Zen von Herz zu Herz.

75

Zehn Stufen (十地 shí dì): die zehn Stufen der Bodhisattva-Werdung. – Drei Vehikel (三乘 sān chéng): Sanskr. »Triyana«. Die drei Hauptrichtungen des Buddhismus (Hinayana, Mahayana, Vajrayana), im Sinne von drei Fahrzeugen, die zum Erlangen des Nirvana führen.

76

Vier Arten der Geburt (四生 sì shēng): im Buddhismus unterschiedene Formen der Entstehung: »aus dem Feuchten«, »aus dem Ei«, »aus dem Leib« und »durch Verwandlung«.

77

Sechs Pfade der Reinkarnation (六道 liù dào): die im Buddhismus beschriebenen sechs Daseinsformen, innerhalb derer die Wiedergeburten stattfinden (Menschen, Götter, Asuras, Tiere, Hungergeister, Höllenbewohner). Mit der Erleuchtung wird der Kreislauf der Wiedergeburten überwunden, was dem Eingehen ins Nirvana (Buddhaschaft) entspricht.

78

Fels erloschenen Denkens (絕想崖 jué xiǎng yá): sinnbildlich für den klaren Geisteszustand ohne Gedanken, der in der Meditation geübt wird.

79

Kuckucksruf am Frühlingsmorgen: symbolisch für die erste Lebenskraft, die sich nach der winterlichen oder nächtlichen Auslöschung manifestiert. In der daoistischen Vervollkommnungspraxis sinnbildlich für das Aufkeimen des inneren Elixiers der Unsterblichkeit.

80

Caoxi-Strom (曹溪): Ort in der Provinz Guangdong, an dem Hui-neng (638713), der 6. Patriarch des chinesischen Zen-Buddhismus, predigte. Der Caoxi-Strom steht daher stellvertretend für den Zen-Buddhismus, hier für das Ziel der Zen-buddhistischen Lehre.

81

Geierberg (鷲崚 jiù líng): ein Ort nahe der heutigen indischen Stadt Rajgir, an dem Buddha Shakyamuni lange Jahre meditiert und gelehrt haben soll. Hier stellvertretend für das Ziel der buddhistischen Lehre.

82

hängt der Vorhang nieder (垂簾 chuí lián): eine gängige Metapher für die halbgeschlossenen Augen in der Meditation. Die »alte Halle« deutet auf das »Herz«, das in seiner Innerlichkeit seit ältester Zeit besteht. Das »Niederhängen« des Vorhangs und »Hochkringeln« des Weihrauchs versinnbildlicht die Vereinigung der inneren polaren Kräfte.

83

Drei Juwelen (三寶 sān bǎo): hier im daoistischen Sinne für die Yang-Kraft in der Meerestiefe, der in ruhender Tiefe aufkeimenden Urenergie.

84

Su Wu Man (蘇武慢 sū wǔ màn): die Bezeichnung einer bekannten Melodie, nach der das Gedicht komponiert ist. Es stammt aus der daoistischen Text-Sammlung Minghe Yuyin (鳴鶴馀音, 1347), Buch 9.

85

Die ersten sechs Verse sind in abgekürzter Form dem Nirvana-Sutra entnommen.

86

Sariras (舍利 shělì): buddhistische Reliquien; hier im Sinne von »Dharmakörper-Sarira«: die Essenz der Lehre Buddhas.

87

Ullambana-Fest (盂蘭盆會 yúlán pén huì; die chinesische Transkription des Sanskrit-Wortes »Ullambana« ergibt im Chinesischen die Bedeutung »Magnolien-Schale«): buddhistisches »Fest der hungrigen Geister«, das am 15. Tag des 7. Mondmonats (im September) gefeiert wird. Zu diesem Fest werden den Verstorbenen Speisen, Blumen, Papiergeld und Kleider geopfert und dazu Sutras rezitiert, um deren Qualen in niederen Existenzweisen zu lindern.

88

Triyana: Vgl. S. 111, Anm. 4. Fünf Skandhas (五蘊 wǔ yùn): wörtlich: »Fünf Ansammlungen«, die fünf Bereiche, welche die menschliche Persönlichkeit konstituieren: Körperlichkeit, Empfindungen, Wahrnehmungen, geistige Formkräfte, Bewusstsein.

89

die östlichen Gefilde (東土 dōngtǔ): Die östlichen Gefilde stehen für China, das sich auf dem südlichen Kontinent Jambudvipa befindet.

90

Yogachara (瑜迦 yújiā): hier für die buddhistische Lehre allgemein. Yogachara ist gleichbedeutend mit Vijnanavada (»Bewusstseinslehre«) oder Cittamatra (»Nur-Geist-Lehre«), einer im 4. Jh. gegründeten philosophischen Schule des Mahayana-Buddhismus, die später von Xuanzang in China verbreitet wurde. Nach dieser Lehre werden alle Wahrnehmungen als Projektionen des Geistes betrachtet.

91

Priester Goldzikade (金蟬長老 jīnchán zhǎnglǎo): In seiner früheren Existenz weilte Tripitaka als »Priester Goldzikade« bei Buddha im Westhimmel. Seine künftige Existenz ist die des »Buddha Candana«.

92

das Weiche Wasser (弱水 ruò shuǐ): ein im Buch der Berge und Meere (ca. 2. Jh. v. Chr.) erwähntes Gewässer: »Nördlich vom Kunlun-Gebirge gibt es ein Gewässer, das kein Senfkorn zu tragen vermag. Daher wird es Weiches Wasser genannt.« – Treibsandfluss (流沙河 liú shā hé): Dieser »Strom des fließenden Sandes« wird bereits in frühen Reiseberichten buddhistischer Pilger erwähnt. Ursprünglich bezieht sich die Bezeichnung auf den Sandstreifen am Westende der Wüste Gobi.

93

Dieses Kapitel erscheint erstmals in der Ausgabe Xiyou Zhengdaoshu (西遊證道書) von 1672, auf der die vorliegende Übersetzung basiert. Alle nachfolgenden Ausgaben, einschließlich der im Jahr 1954 festgelegten heutigen Standardversion, haben diese Änderung beibehalten.

94

Kaiser Taizong der Tang-Dynastie (唐太宗 Táng Tàizōng, 599649): Taizong, mit ursprünglichem Namen Li Shimin, war der zweite Kaiser der Tang-Dynastie (618907) und einer der bedeutendsten Herrscher Chinas. Er regierte von seinem 27. Altersjahr bis zum Tod. Die Ära Zhen’guan gilt als eine vorbildhaft regierte Periode der Prosperität und des Friedens. – kalendarische Bezeichnung Yi-Si (己巳 yǐ-sì): Im alten China wurde die Zeit mit einer Kombination von je einem Zeichen aus dem Zehnerzyklus der »Himmelsstämme« und aus dem Zwölferzyklus der »Erdzweige« gezählt.

95

Wei Zheng (魏征, 580643): Politiker und Kanzler unter Kaiser Taizong. Wei Zheng war in Armut aufgewachsen und hatte eine Zeitlang als daoistischer Mönch gelebt. Ende der Sui-Dynastie kämpfte er in einer aufständischen Bauernarmee, kam dann als Pferdeknecht an den Hof der Tang-Dynastie und stieg unter Kaiser Taizong zum Hofberater und schließlich zum Kanzler auf. In Volkserzählungen werden ihm übernatürliche Fähigkeiten nachgesagt.

96

Haizhou (海州) bedeutet wörtlich ›Meer-Präfektur‹, der Weiler Juxian (聚賢) ›Versammelte Talente‹.

97

Yin Kaishan (殷开山, gest. 622): hoher Minister unter Kaiser Gaozu (618626). Yin Kaishan diente dem späteren Kaiser Taizong bereits vor dessen Regentschaft. In Wirklichkeit erlebte er die Ära Zhen’guan (627649) nicht mehr.

98

Hongjiang (洪江): wörtlich: »Flutender Fluss«. Kommentare weisen auf die Betonung des Wasser-Bezugs in Orts- und Personennamen hin, was den Lebensfluss und das Schicksalhafte impliziert.

99

Liu Hong (刘洪): wörtlich: »Liu der Flutende«.

100

Holztäfelchen mit Goldinschrift: Rotlackierte Holztäfelchen mit goldener Inschrift wurden für offizielle Eilbotschaften benutzt.

101

Yamen (衙門 yámen): Amtsresidenz staatlicher Behörden im kaiserlichen China.

102

Jinshi (進士): dritter Grad der traditionellen chinesischen Beamtenprüfung; entspricht in etwa dem heutigen Doktortitel. Die Figur des weisen Holzfällers oder Fischers taucht in der chinesischen Literatur immer wieder auf und steht für das daoistische Ideal eines Menschen, der dem Streben nach weltlichem Ruhm und Reichtum zu entsagen vermag und in stiller Einheit mit der Natur lebt.

103

Yuan Tiangang (袁天罡, Lebensdaten unbekannt): berühmter Astronom, Astrologe und Wahrsager zur Zeit des Kaisers Taizong. Um ihn ranken sich viele Volkserzählungen, etwa wie er Kaiser Taizong als Militärberater diente oder der Kaiserin Wu Zetian weissagte.

104

drei Viertel vor Mittag (午時三刻 wǔ shí sān kè): entspricht in heutiger Zeitrechnung etwa 11h45. Todesurteile wurden zu dieser Zeit vollstreckt, in der die lichte Yang-Energie am stärksten ist, um der potentiell unheilbringenden Yin-Energie der verscheidenden Seelen entgegenzuwirken.

105

Traum vom Schmetterling (蝴蝶梦 húdié mèng): eine Anspielung auf die Geschichte des Philosophen Zhuangzi, der träumte, er wäre ein Schmetterling, und sich anschließend fragte, ob er nun ein Mensch sei, der träumte, ein Schmetterling zu sein, oder ob er vielleicht ein Schmetterling wäre, der träumt, ein Mensch zu sein.

106

der Wahre Drache: Der Drache galt in China als Symbol für den Kaiser.

107

nach der fünften Nachtwache: Jede der fünf Nachtwachen um 19h, 21h, 23h, 1h und 3h war in fünf Abschnitte à 24 Minuten eingeteilt; drei Schläge nach der fünften Nachtwache entspricht in etwa der Zeit 4h12. Die höfische Morgenaudienz wurde im alten China tatsächlich in aller Frühe abgehalten.

108

Fang Xuanling … Qin Shubao: Namen historischer Persönlichkeiten. Fang Xuanling (房玄齡, 579648) und Du Ruhui (杜如晦, 585630) waren Kanzler am Hof der Tang-Dynastie und werden in der chinesischen Geschichtsschreibung als ideale Staatsdiener verehrt. Hu Jingde (auch Yuchi Jingde 尉遲敬德, 585658, hoher Feldherr aus der Gründungszeit der Tang-Dynastie) und General Qin Shubao (秦叔寶, ?–638) werden bis heute als »Torgötter« verehrt.

109

Staatsprotektor (護國公 hù guó gōng): ein Titel des Generals Qin Shubao.

110

Li Yuan (566635): als Tang Gaozu (唐高祖) erster Kaiser der Tang-Dynastie. Im Jahr 626 n. Chr. brachte Li Shimin (Kaiser Taizong) bei einem Staatsstreich seine Brüder Jiancheng und Yuanji um und zwang seinen Vater Li Yuan, ihm den Thron abzutreten.

111

das dreiunddreißigste Jahr: Das 13. Jahr (一十三年 yīshí sān nián) und das 33. Jahr (三十三年 sānshí sān nián) unterscheiden sich in der chinesischen Schreibweise nur durch die Eins ( ) und die Drei ( sān).

112

Wintermelonen aus dem Osten …: ein Wortspiel mit Namen verschiedener Sorten von Kürbissen oder Melonen: Wintermelone (冬瓜 dōngguā, gleichlautend wie »Ost-Melone« 東瓜 dōngguā); Wassermelone (西瓜 xīguā, »West-Melone«) und Kürbis (南瓜 nánguā, »Süd-Melone«).

113

Fisch-Anhänger: Vergoldete Anhänger in Fischform waren während der Tang-Dynastie ein Kennzeichen höherer Beamtenränge. Diese Ordensträger stehen für tugendhafte Personen konfuzianischer Gesinnung.

114

fünfzig Mu: entspricht ca. 3,5 Hektar.

115

der »Große Kanzler-Tempel« (大相國寺 dà xiàng guó si): Der Tempel in Kaifeng existiert immer noch. Nachdem eine erstmals im Jahre 555 n. Chr. erbaute Stätte niedergebrannt war, wurde er im Jahr 711 n. Chr. als vom Kaiser gestifteter Klostertempel neu errichtet. Die heutige Architektur stammt aus dem Jahr 1766.

116

Fu Yi (傅奕, 555639): Leiter des Astronomischen Hofamtes unter Kaiser Taizong. Fu Yi ist als überzeugter Konfuzianer und vehementer Buddhismus-Kritiker in die Geschichte eingegangen. Die Inhalte der hier aufgezeichneten Throneingabe und seiner Reden stammen größtenteils aus historischen Dokumenten. Vgl. Qingchu Shijiao Shu (清除釋教疏 »Anmerkungen zur Ausmerzung der Buddhistischen Lehre«). Im Jahre 624 plädierte Fu Yi unter Kaiser Gaozu (Taizongs Vater) für die Abschaffung des Buddhismus. Kaiser Taizong stand dem Buddhismus ursprünglich eher ablehnend gegenüber; erst seine Begegnung mit dem im Jahre 645 aus Indien zurückgekehrten Xuanzang nahm ihn für den Buddhismus ein.

117

Zhang Daoyuan (張道源, ?–624): hoher Minister unter Kaiser Taizong, bekannt für seine menschenfreundliche Haltung. – Zhang Shiheng (張士衡, ?–645): Hofkanzler unter Kaiser Taizong, der dem Buddhismus inhaltlich nicht ablehnend gegenüberstand, jedoch die konfuzianische Lehre höher schätzte. Die Antwort der Minister stammt aus historischen Aufzeichnungen im Jiu Tang Shu (舊唐書 »Alte Geschichte der Tang-Dynastie«).

118

Kaiser Wu der Nördlichen Zhou (周武帝 Zhōu Wǔdì, 543578 n. Chr.): setzte die drei großen Religionen seiner Zeit in eine Rangabstufung und bewertete den Konfuzianismus am höchsten, den Daoismus geringer und den Buddhismus am geringsten.

119

der Fünfte Patriarch: Hongren (弘忍, 601674), der fünfte Meister des Zen-Buddhismus. – Bodhidharma (達摩 Dámó): der 1. Patriarch des Zen-Buddhismus.

120

Opfertribüne der Berge und Flüsse (山川壇 shānchuān tán): So wurde der Opferplatz benannt, an dem die Kaiser zur Ming- und Qing-Zeit (von 1344 bis 1911) die staatlichen Opfer darbrachten.

121

das 13. Jahr der Ära Zhen’guan: Die Reise in den Westen gibt wiederholt diese Jahreszahl an, sowohl für das Jahr, in dem Tripitakas Eltern heiraten, als auch für das Jahr, in dem Tripitaka seine Reise antritt. Diese Unlogik wird von daoistischen Kommentatoren als besondere Absicht des Autors interpretiert, da der Daoismus die Rückkehr in den Ursprung betont. – der dritte Tag des neunten Mondmonats: Kommentator Chen Zhibin, Verfasser des Xiyou Zhenquan (西遊真詮 »Wahre Auslegung der Reise in den Westen«, publiziert 1696) versteht das Datum symbolisch, da der 3. Tag eines Mondmonats dem Trigramm Zhen (Aufbruch, Neubeginn) entspricht und die Zahl Neun die Lebenskraft (Yang) symbolisiert. Vgl. in Kapitel 36 die Ausführungen Sun Wukongs zum Mond: »dass er am letzten und ersten Tag des Mondmonats das Licht der Sonne empfängt und damit schwanger geht. So wächst am dritten Tage die erste Yang-Linie an.«

122

Fünfter Meister (五祖 wǔ zǔ): Hong Ren (601675), der 5. Patriarch in der Traditionslinie des chinesischen Zen-Buddhismus.

123

Moggallana (羅卜 luóbǔ): einer der Jünger des Buddha, berühmt für seine Reise in die Hölle, wo er seine Mutter erlöste.

124

Hinayana (小乘 xiǎochéng), Mahayana (大乘 dàchéng): Der Mahayana-Buddhismus hat die Erlösung aller Wesen zum Ziel, während im Hinayana (Theravada) der Übende sich um persönliche Erlösung bemüht.

125

Wahre Frucht (正果 zhèng guǒ): die Frucht oder das Endergebnis des Weges zur Vervollkommnung, d. h. das Erlangen der Buddhaschaft, die Erleuchtung.

126

Diese Aussage bezieht sich auf das Mahayana-Sraddhotpada-sastra (1. Teil), in dem es heißt: »Alle möglichen Phänomene entstehen, wenn das Herz sich regt; sie vergehen, wenn das Herz sich legt.« Mit »Herz« sind hier Gedanken, Gefühle und Sinneswahrnehmungen gemeint.

127

Holzfisch (木魚 mùyú): Schlaginstrument aus Holz, mit dem beim Rezitieren von Gebeten oder Sutren der Rhythmus angegeben wird.

128

wesentliche Dinge (要物 yào wù): Das Gedicht stammt aus dem Wuzhen Pian (10. Gedicht, Anhang Wai San Zhong). Im Original steht an dieser Stelle »nichtige Dinge« (妄物 wàng wù), womit gemeint ist, dass beide Worte, »Herz« wie »Buddha«, bloße Begriffe sind, und nicht die unmittelbare Wahrheit. Die Ähnlichkeit der Schriftzeichen und legt einen Abschreibfehler nahe.

129

transzendenter Buddha (法身佛 fǎshēn fó): Dharmakaya-Buddha, eine der drei Verkörperungen eines Buddha. Transzendente Buddhas sind eine Verkörperung des Urwesens aller Dinge, vollkommen rein, ewig und unendlich.

130

Kein-Herz-Geheimnis (無心訣 wú xīn jué): die Praxis des Eingehens in einen Zustand vollkommenen Loslassens, ohne Gedanken und ohne jegliche Absicht, frei von allem, was den direkten Zugang zum innersten Wesen verhindert.

131

Reines Handeln (净業 jìng yè): eine mit lauterem Herzen vollbrachte gute Tat; auch im Sinne der guten Taten als Voraussetzung für den Eingang ins buddhistische »Paradies der Reinen Erde«.

132

Wang Mang (王莽, 45 v. Chr. – 23 n. Chr.): usurpierte um 9 n. Chr. den Thron der Westlichen Han-Dynastie und regierte bis 23 n. Chr. als Kaiser der kurzen Xin-Dynastie, der die Östliche Han-Dynastie folgte.

133

Kraut und Teufelszwirn (薜蘿 bì luó): wörtlich: »Kletterfeige« (ficus pumila) und »Teufelszwirn« (cuscuta). Diese zwei im tiefen Gebirge wachsenden Pflanzen stehen im Chinesischen sinnbildlich für ein eremitisches Leben.

134

Der Erste heißt …: Im Buddhismus werden die sechs Sinne oft als »sechs Räuber« bezeichnet, da sie durch die verwirrende Vielfalt der Wahrnehmungen den Zugang zur inneren Buddha-Natur verhindern. Der Begriff bezieht sich auf das Surangama Sutra, 4. Buch, in dem es heißt: »Was du gegenwärtig als Augen, Ohren, Nase, Zunge sowie Leib und Herz gebrauchst, diese sechs sind Räuber, welche deinen inneren Schatz stehlen.«

135

Die Geschichte stammt aus dem Shiji (史記 »Aufzeichnungen zur Geschichte«), Buch 55, und ist ein Paradebeispiel konfuzianischer Duldsamkeit und Ehrerbietung.

136

Meisterin der Sieben Buddhas (七佛之師 qī fó zhī shī): Im buddhistischen Kanon wird Bodhisattva Manjushri »Meister der Sieben Buddhas« genannt, was hier auf Guanyin übertragen wird.

137

Yogachara: hier stellvertretend für die buddhistische Lehre. Vgl. S. 117, Anm.

138

Luoluo (玀玀 luóluó): ein in den klassischen Schriften erwähnter Volksstamm, entspricht vermutlich dem heutigen Stamm der Yi in Südwestchina. – Huihui (回回 huíhuí): alter Name für die muslimischen Uiguren.

139

Bin ich nun mal Mönch …: Das Sprichwort steht für eine nachlässige Einstellung zur Arbeit, die der Betonung auf Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit im Buddhismus und Daoismus widerspricht.

140

meiner Mutter Leidenstag (母難之日 mǔ nàn zhī rì): mein Geburtstag.

141

Schwarzwind (黑風 hēifēng): Schwarz ist die Farbe des Nordens, der Nieren und der körperlichen Essenz. Liu Yiming zufolge steht dieser Dämon für das in den Nieren wohnende Feuer des Begehrens.

142

das dritte Tor (三門 sān mén): Die traditionelle chinesische Architektur ist ein Gefüge von Hofhauskomplexen, die durch Toreingänge auf einer Linie miteinander verbunden sind.

143

ohne festen Ort (無住 wú zhù): wörtlich: »ohne zu verweilen«. Die Stelle bezieht sich auf eine der Kern-Aussagen im Diamant-Sutra, in dem Buddha zu seinem Schüler Subhuti spricht: »ohne in irgendwelchen Formen zu weilen, und ohne in Geräuschen, Gerüchen, Geschmack, Berührungen und Phänomenen zu weilen, […] sollte man seinen Geist erzeugen«.

144

Dreimal Drei (三三 sān sān): die Yang-Zahl Neun, stellvertretend für die Yang-Energie im Kopfbereich, versinnbildlicht durch den Berg Goulou, einen Aufenthaltsort des berühmten Alchemisten Ge Hong. – Sechsmal Sechs (六六 liù liù): Die sechsfache Yin-Zahl Sechs verweist auf das Hexagramm Kun und steht für die Yin-Energie im Bauchbereich, hier versinnbildlicht durch den Jadeofen, in dem die »Pillen der Unsterblichkeit« geläutert werden.

145

Mani-Perle (牟尼 móuní): Mani bedeutet wörtlich »einsame Stille« und kann auch für Buddha Shakyamuni stehen. Hier steht das Licht der Mani-Perle für die vollendete Erleuchtung, als Gegensatz zur profanen Realität eines Ziegelscherbens.

146

Mercurium und Blei (鉛汞 qiān gǒng): Quecksilber (Mercurium) und Blei waren gebräuchliche Ingredienzen der Äußeren Alchemie. Die Innere Alchemie verwendet die Begriffe sinnbildlich für die geistigen ( gǒng, Mercurium) und die körperlichen ( qiān, Blei) Kräfte, die es zur Erlangung geistiger Unsterblichkeit zu vereinen gilt. Bei Erhitzung zeigt Quecksilber (Mercurium) aufsteigende, flüchtige Eigenschaften und steht daher für den Geist; Blei hingegen fließt nach unten und steht daher für die Körperenergie, welche durch sexuelle Aktivität nach unten entweicht. Im alchemistischen Prozess gilt es, das Entweichen dieser Kräfte zu verhindern, indem ihre Richtung umgekehrt wird, so dass sie im Körper miteinander verschmelzen. Der springende Punkt dieser Vereinigung wird nur im Geheimen weitergegeben und soll deshalb niemals unbedacht erörtert werden.

147

einen Wahren Weisen (真人 zhēnrén): wörtlich: »wirklicher Mensch«, im Daoismus die Bezeichnung für einen Menschen, der die Vervollkommnung verwirklicht hat.

148

Himmelstor … Erdpalast (天關 tiānguān / 地闕 dìquè): Hier und im Weiteren werden daoistische Praktiken umschrieben. Himmelstor und Erdpalast sind die Namen zweier Punkte am Körper; das Himmelstor, auch Jadetor genannt, liegt im Nacken, der Erdpalast am Steißbein. Beide liegen auf dem Du-Meridian am Rücken, der als Leitbahn der Yang-Energie bei der meditativen Übung eine wichtige Rolle spielt.

149

Blütenteich (華池 huáchǐ): die Stelle unter der Zunge. Hier sammelt sich bei meditativer Übung Speichel an, der als »Nierenwasser« bezeichnet wird.

150

Kind und Jungfrau (嬰兒 yīngér / 姹女 chànüˇ): Synonyme für die inneren Gegensatzkräfte von Körper und Geist. Das Kleinkind, wörtlich »Säugling«, steht für die aufkeimende Lebenskraft im Körper, symbolisiert in der mittleren Linie des Wasser-Trigramms Kan . Die Jungfrau steht für die sich sammelnde Geisteskraft, symbolisiert in der mittleren Linie des Feuer-Trigramms Li .

151

Der Li-Drache, der Kan-Tiger (離龍坎虎 lí lóng kǎn hǔ): Auch hier geht es um die Vereinigung der polaren Gegensatzkräfte. In der vorgeburtlichen Anordnung der Trigramme stehen das Feuer-Trigramm Li und der Grüne Drache im Osten, das Wasser-Trigramm Kan und der Weiße Tiger im Westen.

152

Die Schildkröte (靈龜 líng guī): Die chinesische Mythologie erwähnt eine beseelte Schildkröte, die aus dem Wasser auftaucht. Das Bild verweist auf die Yang-Linie im Wasser-Trigramm Kan. – der Goldene Rabe (金烏血 jīn wū): In der chinesischen Mystik ist die Sonne mit einem Raben in der Mitte dargestellt. Die Innere Alchemie verwendet das Bild des Sonnenrabens für das Feuer-Trigramm Li, welches das Herz und den Ur-Geist versinnbildlicht. Das Blut des Goldrabens versinnbildlicht die Yin-Linie im Trigramm Li, welche durch die Lebenskraft der Ur-Essenz ersetzt werden soll. Der Vers stammt aus dem Xuanguan Yi Qiao Ge (玄關一竅歌 »Das Lied von dem einen Tiefdunklen Tor«) von Zhang Sanfeng (13. Jh.).

153

Drei Blüten überm Haupt (三花聚頂 sān huā jù dǐng): Mit »drei Blüten« sind die drei »inneren Schätze« Essenz, Energie und Geist gemeint. Deren Versammlung über dem Kopf bezeichnet den vollendeten Prozess der fortschreitenden inneren Sublimierung: Die körperliche Essenz wird zu innerer Energie umgewandelt, die Energie zu Geist, und der Geist geht ein in die allumfassende Leerheit.

154

die Fünf Energien flossen … (五氣朝元 wǔ qì cháo yuán): die meditative Hinwendung der Sinne zur harmonischen Einheit auf einer fortgeschrittenen Stufe der inneren Vervollkommnung. Im Vorwort zum Jindan Sibai Zi (金丹四百字 »Vierhundert Worte zum Goldenen Elixier«) von Zhang Boduan aus dem 11. Jh. heißt es: »Indem die Augen nicht schauen, verweilt die Lichtseele in der Leber; indem die Ohren nicht hören, verweilt die Essenz in den Nieren; indem die Zunge keine Geräusche macht, verweilt der Geist im Herzen; indem die Nase nichts riecht, verweilt die Schattenseele in der Lunge; indem die Glieder sich nicht regen, verweilt die innere Vorstellung in der Milz. Daher spricht man von der Einkehr der Fünf Energien in den Ursprung.«

155

Metall ist hart und stark (金性剛強 jīn xìng gāng qiáng): Hier kommt die Lehre der Fünf Wandlungsphasen und deren Kreislauf der wechselseitigen Erzeugung und Überwindung ins Spiel (Metall überwindet Holz, Holz überwindet Erde, Erde überwindet Wasser, Wasser überwindet Feuer, Feuer überwindet Metall). Metall steht für Sun Wukong, Holz für Bajie, der daher auch als »Holzdrache« bezeichnet wird.

156

Die Stelle lehnt sich an eine Beschreibung im Wuzhen Pian (4. von 13 Xijiangyue-Gedichten), in dem anhand der Gegensatzkräfte Metall und Holz ein meditativer Prozess der inneren Vermählung von Yin und Yang umschrieben wird.

157

Gefühl und Wesen (情性 qíng xìng): Die Innere Alchemie betrachtet das Wesen (die Wesenheit) als vorgeburtlich angelegte innere Beseeltheit, während das Gefühl (die Emotionen) den Ausbruch derselben im nachgeburtlichen Leben darstellt. Die Einkehr vom »Gefühl« ins »Wesen« bedeutet die angestrebte Rückkehr in den Ursprung, wo »Ende und Anfang sich wiederfinden«. Auf der Erzählebene werden »Gefühl« und »Wesen« Wukong und Bajie zugeschrieben.

158

das »Herz-Sutra«: im Original »Viel-Herz-Sutra« (多心經). Die Fehlschreibung kommt dadurch zustande, dass bei der Abkürzung des ganzen Titels »Prajnaparamita Herz-Sutra« die letzte Silbe von »Prajnaparamita« (般若波羅蜜多 bōrěbōluómìduō) mitgesprochen wird.

159

Das Große Prajnaparamita Herz-Sutra (摩訶般若波羅蜜多心經 móhē bōrěbōluómìduō xīnjīng): »Prajnaparamita« bedeutet ›mit vollkommener Weisheit ans andere Ufer‹. Die hier wiedergegebene Übersetzung des Herz-Sutra basiert auf dem Rezitationstext von Prabhasa Dharma Roshi (http://www.buddhistische-gesellschaft-berlin.de).

160

Fünf Skandhas: Vgl. S. 116, Anm. 17.

161

Gate, gate … svaha: Sinngemäß bedeutet das Mantra: »Hinüber, hinüber, zum anderen Ufer hinüber, am anderen Ufer angekommen. Höchstes Erwachen. So sei es!«

162

Nicht-Tun-Baum (無為樹 wú wéi shù): Sinnbild für die daoistische Idee des Nicht-Handelns, d. h. des Wirkens im Einklang mit dem großen Lauf der Dinge. Die Stelle bezieht sich auf die Zen-buddhistischen »Zehn Ochsenbilder«, die den Weg zur Erleuchtung illustrieren: Dem noch wilden Ochsen wird ein Seil durch die Nüstern gezogen, er wird angebunden und in das Wirken im Einklang mit dem Lauf der Dinge eingebunden.

163

Räuber ( zéi): Die Aussage »Räuber für sein Kind halten« zitiert das Surangama Sutra, 9. Buch. Vgl. S. 207, Anm.

164

Mensch und Ochs (人牛 rén niú): Diese Stelle bezieht sich auf das achte der Zen-buddhistischen »Zehn Ochsenbilder«. Der Text dazu lautet: »Peitsche, Seil, Mensch und Ochse – alles geht in Leerheit ein. Der Himmel ist so unermesslich, dass keine Botschaft ihn durchdringt. Wie könnte Schnee in Feuerglut bestehen? An dieser Stelle eint er sich im Geist der Patriarchen.«

165

Als Mönch leben (出家 chū jiā): Der chinesische Ausdruck dafür lautet wörtlich »von der Familie weggehen«.

166

Trigramm oder Hexagramm: im Original ein Wortspiel mit den Begriffen für »Speise« ( yáo) und die Linien eines Hexagramms ( yáo).

167

Gelbwind (黄風 huángfēng