Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

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© 2014 Beate Piehler

Herstellung und Verlag:

BoD - Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN-13: 978-3-7386-6852-0

Umschlaggestaltung: Beate Piehler

Umschlagfotos: Privat

Vorderseite: Auf der Benediktenwand

Widmung

Dieses Buch widme ich Roland und Helmar. Die beiden Brüder haben mich zwar nur einen Tag begleitet, aber dieser Tag wird uns wohl immer im Gedächtnis bleiben. Ich habe ihnen viel zu verdanken und letztendlich war dieser Tag eine wertvolle Erfahrung und Bereicherung!

Mein Weg

Wo ich herkomme, weiß ich, wo ich hingehe, weiß ich nicht immer. Ich glaube zwar, meine Richtung zu bestimmen, bin mir aber sicher, dass da noch jemand mitmischt. Es kommen immer wieder Situationen auf mich zu, die ich einfach annehme, ohne groß darüber nachzudenken, wo mich der Weg hin führt und ob es der Weg ist, den ich eigentlich auch gehen wollte. Und siehe da, oft bin ich erstaunt, dass ich mit dieser Fügung dann auch zufrieden bin. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wo ich jetzt ohne diese Richtungsänderungen wäre.

Schaue ich zurück auf meinen Weg bin ich nicht immer stolz darauf, wie ich ihn geschafft habe. Aber ich bin stolz, was ich aus meiner Lebenswanderung bis hierher gemacht habe. Und ich bin zufrieden, dass ich jetzt hier stehe und zurück schauen kann, mit erhobenem Haupt, aufrecht und stolz, dass ich so weit gekommen bin. Viele Hände, Worte und Hilfeleistungen kann ich nicht mehr benennen, ich nenne sie die Unterstützer auf meinem Weg. Es hat genug davon gegeben und die meisten wissen nicht, dass sie mich mit einer Geste, einem Wort, einem Lächeln, einer Umarmung begleitet, unterstützt und gefördert haben. Ganz besonders diesen Stillen bin ich dankbar, weil sie mich reich beschenkt und unterstützt haben. All jene Menschen, denen ich die Chance gebe, sich in mein Leben zu mischen, mich zu berühren, diese Menschen geben mir sehr viel. Alle anderen, die mir nicht gut tun, mich nicht voranbringen, die lasse ich nicht in mein Herz. Einige Sätze reichen, um den einen vom anderen zu unterscheiden.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich selbst für die Weggefährten zu entscheiden, die ihm gut tun, aber die wenigsten tun es und merken gar nicht, dass sie sich aufreiben und wissen nicht warum. Menschen sollten auf ihren Umgang achten. Freundlich und wertschätzend zu jedermann, aber Emotionen nur bei Menschen, die mir gut tun! Man muss selbst mit sich zufrieden sein, erst dann besitzt man die Ausstrahlung, die andere Menschen anzieht, in den Bann zieht, so dass sie sich wohl fühlen in meiner Gesellschaft. Ich bin erstaunt, wie viele Menschen es doch auf meinem Weg gibt, die sich an mir erfreuen. Ich finde es nur schade, dass ich nicht allen sagen kann, wie gut sie mir tun, denn manche Begegnungen sind nur von kurzer Dauer. Menschen treten in mein Leben, für wenige Stunden oder Tage, um dann wieder abzutauchen in der großen Menge derer, die mich begleiteten. Aber ich bin ihnen dankbar, denn sie geben mir so viel zurück. Oft wird mir erst später bewusst, was mir andere Menschen bedeutet haben und ich ihnen. Sei’s drum, ich habe mich damit abgefunden und begegne den Menschen umso mehr mit der gebührenden Aufmerksamkeit, damit wir uns gegenseitig gut tun können.

Wenn du Menschen dein Herz schenkst, kannst du dir nie sicher sein, ob du ihres auch geschenkt bekommst. Aber manchmal lohnt sich das Risiko, dem anderen eine Chance zu geben!

Und dann betrachte ich von Zeit zu Zeit meinen Weg und rufe mir bewegende und prägende Begegnungen, von denen ich profitiert habe, ins Gedächtnis. Und so mancher hat meinen Weg beeinflusst und unbewusst geändert. Und so stehe ich jetzt hier, wo ich bin und bin zufrieden. Ich schaue zurück und weiß nicht, ob ich den gleichen Weg noch mal gehen möchte. Denn so würde ich ihn nicht nochmal gehen können, weil er nicht eins zu eins wiederholbar ist. Wenn man sich das bewusst macht, gibt es nichts im Leben zu bereuen.

Mein Leben ist da, wo immer ich bin!

Auf zum Traumpfad!

Nach meiner langen Pilgertour auf dem Jakobsweg 2010 und der Wanderung auf dem Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz nach Vacha im Jahr 2011 überlegte ich lange Zeit, wohin ich 2012 wandern will. Es sollte auf jeden Fall eine lange Tour werden. Vom Traumpfad „München – Venedig“ hatte ich schon oft gelesen, aber bisher immer als Projekt auf Eis gelegt, weil man eben gut 30 Tage Zeit dafür haben muss.

Dann kam ein Brief von meinem Pilgerkameraden mit Unterlagen zur Venedig-Tour und schnell stand der Entschluss fest: Ich geh dann mal nach Venedig!

Ich recherchierte im Internet nach der Tour, las Wanderberichte und bestellte mir kurzerhand einen Wanderführer. Folgendes las ich:

Informationen zur Tour

„…Der Traumpfad München-Venedig ist ein Fernwanderweg, den Ludwig Graßler in einem 1977 erstmals veröffentlichten Buch beschrieben hat. Er führt vom Marienplatz in München über die Bayerischen Voralpen und das Karwendel ins Inntal. Von dort wandert man in die Tuxer Alpen, überquert den Alpenhauptkamm und setzt den Weg über das Pfunderertal und die Lüsner Alm in die Dolomiten fort. Nach der Überquerung der Puezgruppe, der Sella und der Südlichen Dolomiten endet der alpine Teil des Weges in Belluno. Ähnlich wie an der Alpennordseite folgen nun zwei Wandertage durch die Belluneser Voralpen und durch das Flachland, bis man schließlich nach etwa 28 Wandertagen den Markusplatz in Venedig erreicht. Insgesamt werden etwa 550 km Strecke und 20000 Höhenmeter zurückgelegt…“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Traumpfad_M%C3%BCnchen-Venedig)

In meinem Wanderführer von DuMont, den ich mir nach umfangreichen Recherchen im Internet nach einem geeigneten Führer bestellte, las ich zur Tour folgendes:

„…Mehr als 20000 Höhenmeter sind dabei vom oberbayerischen Isartal bis in die venezianische Tiefebene zu bewältigen, mit einem Gewicht von 10-15 kg auf dem Buckel. Das ist nur etwas für Konditionswunder, für echte Bergsteiger? Keineswegs!

Ausdauer, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind allerdings erforderlich, für einige Bergetappen auch alpine Wandererfahrung. Die Tour folgt überwiegend guten und markierten Wanderwegen. Gerade eine mehrwöchige Wanderung bietet Gelegenheit, die Kondition Schritt für Schritt zu verbessern. Mit der richtigen Vorbereitung und passender Ausrüstung kann jeder erfahrene Bergwanderer die Strecke schaffen….“

(aus: Wanderführer Von München nach Venedig; Ralf und Mareike Lamsbach; 4.aktualisierte und neu gestaltete Auflage 2012; DuMont Reiseverlag) Also, das traf den Nagel auf den Kopf! Das bin ich! Diese Passage machte mir Mut, diese Tour in Angriff zu nehmen.

Allerdings beängstigten mich doch die vielen Bergtouren und Höhenmeter, die zu überwinden sind. Deshalb begann ich drei Monate vorher, mich im Fitnessstudio darauf vorzubereiten, Kraft und Ausdauer zu trainieren.

Die günstigste Wanderzeit ist wohl der Juli, zumindest was die Etappen über 2000 Höhenmeter angeht. Aber das passte so gar nicht in meinen Zeitplan. Also legte ich den 17.Juni als Starttermin fest und plante für die Rückkehr den 14.Juli ein, mit eventuell ein oder zwei Tagen mehr, wenn ich es nicht in diesen 28 Tagen schaffen sollte.

Meine Wanderung stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Ende Mai/ Anfang Juni regnete es sehr viel und es kam bundesweit zu vielen Überschwemmungen. Dass dieser Regen in den Alpen als Schnee niederfiel, konnte ich in den Nachrichten verfolgen. Allerdings begann in der zweiten Juniwoche eine Hitzewelle, die mich wieder hoffen ließ, dass zumindest ein Teil des Neuschnees getaut sein würde, bis ich die Alpen erreiche.

Am 16.Juni fuhr ich zu unserer Tochter nach Bayern, denn ich hatte mir von Kulmbach ein Busticket für 15,00 € nach München gebucht.

Montag, den 17.06.2013

Um 5.45 Uhr schaut Susanne ins Zimmer und ich gucke wie ein Eichhörnchen. Ich habe geschlafen wie ein Bär, war nicht wach und bin ausnahmsweise noch müde. Liegt sicher an dem zweiten kleinen Fläschchen Rotwein gestern Abend, von dem ich die Hälfte weggeschüttet habe, weil es nicht mehr reinpasste. Naja, es war ja auch Mitternacht, als ich ins Bett bin.

Also raus aus dem Bett, ins Bad und zum Frühstück. Julian und Susanne sind schon aufgestanden und guter Dinge. Julian möchte Oma mit an den Bus bringen. Es ist schon angenehm warm und der strahlend blaue Himmel verspricht, was der Wetterbericht vorhergesagt hat: ein heißer Sommertag, wie auch die letzten Tage schon. Nicht das ideale Wanderwetter, wenn man in der Ebene unterwegs ist, besonders in der Großstadt München.

Um 6.35 Uhr fahren wir los und finden den Busbahnhof in Kulmbach dank Navi und dem grünen Bus, den wir nach einer Ehrenrunde um einen Häuserblock am Bahnsteig stehen sehen. So sind wir um 7.10 Uhr dort. Wir spekulieren, ob das mein Bus ist, oder nicht. Um 7.25 Uhr kommt der Busfahrer und ich weiß: Es ist mein Bus!

Der Fahrer freundet sich sofort mit Julian an, während ich mir den Platz im Doppeldecker oben ganz vorne suche und mit meinem Rucksack reserviere. Julian bekommt einen Krapfen und eine Flasche Apfelschorle vom Busfahrer geschenkt. Er zeigt ihm auf seinem Handy noch seinen Sohn, der genauso alt wie Julian ist. Julian ist stolz und der Mann hat seinen Spaß mit ihm. Natürlich darf er auch in den Bus einsteigen und schauen, wo Oma nachher sitzen wird.

Ich brauche mein Ticket nicht vorzeigen, sondern nur meinen Namen sagen. Alle Daten sind in seinem Handy gespeichert und meinen Namen hakt er ab, nachdem ich eingestiegen bin. Was für eine Technik! Der Bus fährt nach München und weiter nach Zürich, abends wieder zurück, das Ganze vier Mal am Tag, aber nicht dieser Fahrer. Pünktliche Abfahrt und viel Winken, dann bin ich weg, mit weiteren sieben Fahrgästen. Mein Start in ein neues Abenteuer, vollkommen unspektakulär.

Wir verlassen Kulmbach und das Seltsamste ist: Nach nur 10 Minuten machen wir an einer Tankstelle Rast und der Fahrer sagt, dass wir aussteigen und uns Kaffee holen können oder etwas zum Essen. Die Frau hinter mir ist ebenso erstaunt wie ich. Nun, ich bleibe sitzen. Warum aussteigen? Wir sind doch grad erst losgefahren!

Um 8.00 Uhr geht es weiter auf der Landstraße bis Bayreuth. Hier steigen noch zehn weitere Passagiere ein und ab geht es auf die Autobahn nach Nürnberg/München. Ich hole ein wenig Schlaf nach. Aber nicht lange, denn die Aufregung tut ihr Übriges. Was wird mich erwarten? Werde ich meinen Weg durch München gut finden? Und wie wird es sein, in der Hitze durch die Stadt zu laufen, vollkommen ungewohnt mit einem zwölf Kilogramm schweren Rucksack auf dem Rücken?

Die Fahrt verläuft problemlos und es ist ein Genuss, so durch die Gegend gefahren zu werden. Prima Aussicht hier oben. Man kann als Fahrgast sogar Internet nutzen. Was für ein Service! Aber ich habe meinen kleinen Laptop gut im Rucksack verstaut und möchte meine Ordnung im Gepäck nicht unnötig durcheinanderbringen. Deswegen belasse ich es beim Schauen und Staunen und Sammeln von Eindrücken. Da wir unterwegs mal an einer Baustelle kurzzeitig Stau haben, kommen wir mit zehn Minuten Verspätung am ZOB in München an. Es ist 11.30 Uhr und um 12.00 Uhr fährt er weiter nach Zürich. Aber nicht mit mir!

Ich schicke die erste SMS an Susanne, die sie, wie vereinbart, an alle interessierten Leute als Verteiler weiterleiten wird. Weil es sich anbietet, besuche ich mal gleich die Toilette hier im riesigen Busbahnhof. Meine Knieschoner wollte ich im Bus noch nicht anhaben und nutze nun den Toilettenbesuch, sie anzuziehen. Da ich gar nicht weiß, wo ich bin, steige ich erst mal aus der Tiefgarage nach oben und stehe in einer Seitenstraße. Eine unangenehme Schwüle empfängt mich. Das kann ja heiter werden. Man schwitzt, ohne einen Schritt gegangen zu sein. Ich habe null Ahnung wo ich bin und keine Orientierung. Zwei Frauen, die ich nach dem Weg zum Marienplatz frage, starren mich entgeistert an und wollen mir unbedingt die S-Bahn aufschwatzen. Wie kann man bei dem Wetter laufen wollen? Kurzzeitig überlege ich wirklich, ob ich nicht die S-Bahn nutze, denn die verdutzten Gesichter der Frauen geben mir schon zu denken. Ich habe geschätzt, dass es ungefähr zwei Kilometer sein müssten. Aber weil ich beharrlich weiterfrage, sagen sie mir dann doch, wo ich langgehen muss, um zum Marienplatz zu kommen, nämlich nur aus der Seitenstraße raus, nach rechts wenden, und dann immer geradeaus. Es ist 11.45 Uhr.

Und schon bin ich in der Arnulfstraße, die ich nur schnurgerade am Hauptbahnhof vorbei zum Stachus und geradeaus weiter zum Marienplatz entlang schlendern muss. Naja, schlendern geht bei den Menschenmassen schlecht! Ich gehe ohne Stöcke, weil ich mir damit echt blöd vorkäme. Ich will sie erst beim Start vom Marienplatz vom Rucksack schnallen. Am riesigen Karlsplatz komme ich schon ins Grübeln, aber gehe instinktiv richtig durch das Karlstor. Ich kehre kurzentschlossen in die Kirche Sankt Michael ein und denke mir, kann ja nicht schaden. Ich bin beeindruckt! Der Erzengel Michael begrüßt mich als lebensgroße Statue. Die Kirche ist ein wirkliches Schmuckstück und ich verweile einige Minuten in der Kühle. Entlang der Neuhauser Straße und Kaufingerstraße erreiche ich um 12.15 Uhr mein erstes Ziel und den eigentlichen Startpunkt meiner Wanderung.

Ich stehe auf dem Marienplatz, schieße Fotos, und da es keine Bänke gibt, setze ich mich in den Biergarten vom „Café am Marienplatz“, scheinbar die erste Adresse hier am Platz. Ich trinke ein 0,3-l-Wasser für 3,00 €. Wahnsinn! Ein wunderschöner Anblick, dieses imposante Rathaus, der schön gestaltete Platz, die vielen Menschen… Nur keine Sitzgelegenheiten, oder ich habe sie übersehen. Die nächste Rundmail geht an Susanne und ich ruhe mich bis kurz vor 13.00 Uhr aus. Nur keine Eile. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich sicherlich nicht so zügig vorankomme, wie der Wanderführer es aussagt und nicht 5,5 sondern mehr als 6 Stunden brauchen werde. Deshalb habe ich mein Zimmer im Kloster Schäftlarn vorgebucht und dazu gesagt, dass ich sicher erst sehr spät eintreffen werde. Schließlich will ich mich nicht unter Druck setzen. Und Angelika, die mich heute Abend dort besuchen möchte, wird erst in Unterschleißheim los fahren, wenn ich ihr schreibe, wann ich ungefähr im Quartier eintreffe.

Ich löse in der gegenüberliegenden Apotheke noch Susanne ihr Antibiotikarezept ein und ab geht es, durch das Isartor und dann mit der Beschreibung im Buch, die Straßennamen aufzählt, in Richtung Isartor und dann entlang der Isar. Mein Navi bleibt im Rucksack, was ich später bereue. Ich bin hocherfreut, dass viele Bäume den Weg säumen und ich nicht in der prallen Sonne laufen muss. Aber wo Bäume Schatten spenden, halten sie auch das eventuell kühl wehende Lüftchen ab. Man kann eben nicht alles haben! Bis zum Tierpark sollen es laut Buch gut viereinhalb Kilometer sein, auf dem sogenannten Planetenlehrpfad. Ein Schritt auf dem Pfad soll einer Million Kilometer entsprechen, auf der Reise zu den Planeten. Die erste Stele fordert mich nett auf: „Wandern Sie durch unser Sonnensystem. Der Planetenweg führt Sie vom Deutschen Museum zum Tierpark. Auf diesem 4,6 km langen Weg entspricht ein großer Schritt eines Erwachsenen etwa einer Million Kilometer im Weltall. Von der Sonne im Museumshof bis zum Pluto am Tierpark brauchen Erwachsene 5900 Schritte. Wollten wir die Entfernung bis zur nächsten hellen Sonne im Weltall, Alpha Centauri, wiedergeben, dann müssten Sie noch mehr als 40 000 000 Schritte weitergehen!“ Naja, also auf zur Sonne Alpha Centauri, denn viele Schritte werden wohl nicht mehr fehlen, wenn ich in Venedig ankomme. Ich bin unterwegs zu den Sternen, am helllichten Tag bei über 30 Grad Celsius im Schatten. Bedauerlicherweise sind einige Stelen mit den Planeten mit Farbe besprüht und bei manchen ist der Text nicht mehr gut zu Lesen, so dass ich meinen Wissensdurst, der ohnehin durch die Hitze minimiert ist, nur mit ein paar Fotos von gut erhaltenen Schriften stille.

Nebenbei entdecke ich die „Drei indischen Affen“ als kleine grüne Männchen ohne Beine auf einem Ast eines abgestorbenen Baumes. Lustig! Dann komme ich an Schaugärten und dem Rosengarten vorbei, aber der Blick über den Zaun schreckt mich ab, sie mir anzusehen. Pralle Sonne! Nein, das muss ich nun wirklich nicht haben. Ein Foto reicht auch. An einer Eisenbahnbrücke baumeln riesige Plüschtiere, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Interessanter finde ich da schon die riesigen Graffitis unter einer Brücke. Keine sinnlose Sprüherei von Buchstaben, die man eh nicht deuten kann, sondern durchaus ansehnliche Kunstwerke, die mir sogar gefallen.

In der Isar und am Strand findet sich viel Treibgut und auf dem Weg ist mancherorts zu erkennen, wie hoch das Wasser Anfang des Monats gestanden hat. Gräser und Pflanzen haben sich noch nicht wieder vollständig aufgerichtet. Anscheinend war auch dieser Wad- und Wanderweg vom Wasser überspült. Baufahrzeuge sind am Werk, um das Treibgut zu beseitigen und den zu Bergen aufgetürmten Kies zu verteilen. Menschen tummeln sich an und in der Isar, sonnen sich und genießen den Sommer. Na das wäre nichts für mich, weil alles sehr steinig und kein Sand dort ist. An manchen Stellen ist die Strömung ganz schön schnell. Aber das scheint die Münchner nicht zu beeindrucken und erst recht nicht davon abzuhalten, sich im Wasser abzukühlen.

Mir begegnen nicht nur Hinweisschilder, sondern auch die blaue Muschel als Zeichen für den Jakobsweg. Na da bin ich doch als Pilger richtig, obwohl ich nicht nach Spanien will… Mehrere kleine Imbisse laden zum Verweilen ein, die ich aber achtlos passiere. Am Tierpark Hellabrunn entlang stinkt es fürchterlich nach Tieren, sicherlich ist dies der Hitze geschuldet. Mich lockt nichts, näher an den Zaun zu gehen, um mir die Tiere anzuschauen.

Am Ende des Tierparks führt eine Fußgängerbrücke, den Marienklausensteg über einen Arm der Isar. Hier setze ich mich zur Rast in den Schatten auf eine Mauer. Eine junge Frau kommt und setzt sich dazu. Nach einer Weile sagt sie, dass ihr schwindlig ist. Sie sieht auch ganz blass aus. Ich frage, ob sie Wasser dabei hat und biete ihr meins an, weil sie verneint. Sie trinkt und legt sich dann auf die Mauer, bis es ihr etwas besser geht. Sie war am Wasser und sicherlich zu lange in der Sonne, räumt sie selber ein. Sie wohnt ganz in der Nähe, muss nur noch den Berg hinauf, die Isar im Rücken. Als es ihr besser geht, verabschiedet sie sich und zieht von dannen. Nachdenklich schaue ich hinterher, wie sie langsam den Anstieg beginnt. Ja wirklich leichtsinnig, sich in der Mittagshitze ungeschützt in der Sonne aufzuhalten. Doch was ist mit mir? Wenn ich schlapp mache, wird auch so mancher den Zeigefinger heben und mit dem Kopf schütteln: Bei dieser Hitze, wo man Sonne und Anstrengungen im Freien vermeiden soll, laufe ich hier durch die Gegend, mit nicht gerade wenig Gepäck auf dem Rücken. Ich streife diese Gedanken ab und finde, dass es mir sehr gut geht.

Ich breche um 15.00 Uhr auch auf, nachdem ich im Buch nachgelesen habe, wie weiter. Immer weiter links an der Isar entlang. Nach einer halben Stunde soll ich irgendwann über die Großhesseloher Eisenbahnbrücke auf das rechte Ufer der Isar wechseln. Die einzige Brücke ist allerdings in gut 50 über mir und weit und breit kein Weg, um irgendwie da hinaufzukommen. Ich fotografiere die Brücke aus einiger Entfernung und werde zu Hause ergründen, wo ich was verpasst oder falsch verstanden habe. Naja, vielleicht gibt es ja noch eine Brücke. Mehrmals ist der Wanderweg wegen Hangrutschgefahr gesperrt. Aber da alle um die Sperrung herum fahren und weiter den Weg passieren, tue ich das auch. Hier reicht das Wasser an manchen Stellen bis an den Weg heran. Ich befinde mich in einem Waldgebiet, kein Sonnenschein aber erdrückende Schwüle und flirrende Luft. Ein Schild erklärt mir kurz drauf, dass ich mich im Münchner Stadtwald befinde. Und keine Brücke weit und breit in Sicht. Ich frage nacheinander zwei Fahrradfahrer, die bereitwillig in ihr Handy mit GPS schauen und mir erklären, wo ich bin. Das hilft mir aber auch nicht weiter, weil sie sich ansonsten nicht auskennen. Theoretisch mache ich ja nichts verkehrt, wenn ich immer weiter an der Isar entlang gehe, zwar auf der falschen Seite, aber irgendwann muss ja die nächste Brücke kommen. Mein Buch ist wirklich nicht hilfreich. Ich hole dann doch entnervt mein Navi raus, das aber Probleme hat, ein Signal zu finden. Da kommt mir eine Frau mit Kind gerade recht und sie hilft mir diesmal wirklich weiter. Immer geradeaus und dann kommt die Grünwalder Brücke, die ich überquere kann.

Als ich diese erreiche, ist es mittlerweile 17.00 Uhr und es sind noch ungefähr 3 km bis Buchenhain. Von hier aus kann ich entweder den Wanderweg weiter gehen, oder zur Bundesstraße gehen, auf der Angelika an mir vorbei kommen wird. Ich schreibe ihr, dass sie sich auf den Weg machen kann und sie dann noch weitere Angaben bekommt, wo ich warten will und so macht sie sich auf den Weg, erst mal bis nach Buchenhain.

Dank meinem Navi ist es nun einfacher. Ich bin wieder auf dem Weg, komme am Klettergarten vorbei und laufe direkt nach Buchenhain, abweichend von meiner Route. Ein Schild sagt: noch fünf Kilometer bis Schäftlarn. Am Ortsausgang beginnt in kurzer Entfernung schon der nächste Ort Baierbrunn. Ich setze meinen Plan in die Tat um. Ich werde die restlichen Kilometer nicht mehr laufen, sondern Anbetracht des ersten Tages die Sache „ruhig“ angehen.

Es ist 18.00 Uhr und ich suche mir eine Bank, von der ich die Bundesstraße im Auge habe und meine Freundin mich auch sehen kann. Sie bekommt noch einmal genaue Angaben per SMS. Kaum zu glauben! Hier zu sitzen, ohne Lüftchen und nur wenig Schatten ist fast anstrengender, als zu Laufen.

Um diese Zeit ist natürlich Berufsverkehr und so trifft sie erst um 18.40 Uhr bei mir ein. Na das ist eine Freude. Gut, ich hätte die restlichen Kilometer auch noch geschafft. Aber wenn es nicht sein muss! Schließlich soll man körperliche Aktivitäten im Freien, wie solche Extremtouren, ja vermeiden. Und die letzten vier Kilometer wären anstrengend geworden, da bin ich mir sicher. Insofern reduzieren sich die angegebenen 22 km auf 18.

Da mein Zimmer reserviert ist und Angelika dazu gebucht hat, ist es nicht weiter schlimm, wann wir ankommen. Kurz vor 19.00 Uhr sind wir da. Schöne 4 km waren das jetzt! Bei der Umbuchung gab es Missverständnisse, aber da sowieso kein Zimmer weiter frei war, hat die Wirtin bei mir aufgebettet, quasi die Couch ausgezogen und bezogen. Das Bad mit Toilette ist auf der anderen Seite, den Gang entlang. Aber im Zimmer ist ein Waschbecken, das erleichtert das Ganze.

Nachdem wir uns kurz einquartiert haben, ziehen wir hinunter in den Biergarten. Zwischendurch gehe ich mich duschen und dann ratschen wir bis um 22.00 Uhr. Ein schöner lauer Sommerabend beschließt meinen ersten Wandertag und wir haben eigentlich noch keine Lust zum Schlussmachen, aber die Kellner räumen bereits alle Tische ab und tragen die Sitzunterlagen rein. Doch die Wirtin ist noch draußen, bemerkt wohl unsere Unlust zum Aufbruch und lädt uns ein, durchaus noch sitzen zu bleiben. „Alles kein Problem!“, sagt sie und deutet auf die Plätze ihr gegenüber. Und so wird es Mitternacht bei guten Gesprächen mit der Wirtin und einem Angestellten und mit zwei weiteren vierteln Wein. Ein schöner Tagesausklang in netter Gesellschaft, so wünscht man sich doch Urlaub, oder? Ich spüre keine Müdigkeit, nur die Beine beim Treppensteigen fühlen sich schwer an. Sicherlich nicht vom Weingenuss sondern von den 18 km heute!

Dienstag, den 18.06.2013

Um 5.00 Uhr wecken mich die Kirchenglocken. Ist halt so hier in Bayern, warum auch immer. Bei uns läutet es um 6.00 Uhr. Draußen knarren die Dielen und Türen klappen. Die arbeitende Bevölkerung macht sich bereit für einen neuen Arbeitstag. Viele Arbeiter haben hier ihr Quartier. Ich hatte den Wecker auf 6.45 Uhr gestellt, aber um 6.00 Uhr schwingt Angelika schon die Beine aus dem Bett. Sie geht als Erste ins Bad zum Duschen und ich krame meine Sachen zusammen. Dann bin ich dran mit Badbesuch. Da fast ausschließlich Männer zu Gast sind, haben wir unseren Waschraum für uns alleine.

Mit gepackten Sachen sind wir um 7.00 Uhr im Frühstücksraum. Wir suchen uns ein hübsches Plätzchen. Naja, es ist nicht die reichhaltigste Auswahl auf dem Buffet, aber vollkommen ausreichend, vor allem für mich, der ich eh kein Frühstücksmensch bin. Und da ich nichts esse, streiche ich mir dafür ein Brot zum Mitnehmen, für den Hunger, der noch kommt.

Wir lassen uns Zeit und ratschen noch. Da ich auch am heutigen Etappenziel Geretsried für mich reserviert habe, ist es egal, wann ich dort ankomme. Und da ich nun nicht in aller Herrgottsfrühe wie gewohnt aufgebrochen bin, spielt es jetzt eh keine Rolle mehr, wann ich losmarschiere. Ein weiterer heißer Tag steht bevor.

Wir verabschieden uns um 7.50 Uhr voneinander und ich ziehe von dannen …, Angelika fährt zur Arbeit nach München und ich gehe wortwörtlich meiner Arbeit nach. Es läuft sich sehr gut. Der Weg ist leicht zu finden und es macht Spaß, weil es zunächst im Schatten durch Wälder geht. Vogelgezwitscher unterhält mich. Erstaunlich, dass auf den Waldwegen noch nicht alle Pfützen getrocknet sind. Dann, kurz vor Icking hole ich mein Navi aus dem Rucksack und lese nochmal genau im Buch, bis das Gerät ein Signal gefunden hat. Aber der Text im Buch liest sich immer so kompliziert: „... In der nächsten scharfen Linkskurve zweigt ein Weg rechts ab, dem wir bergauf bis zum zweiten Abzweig links folgen.“ Mein Navigationsgerät ist da wesentlich präziser!

War ich doch tatsächlich schon 50 Meter in die falsche Richtung gelaufen! Bekanntlich führen ja viele Wege nach Rom, aber wenn, dann will ich schon richtig ankommen und nicht in Rom! Ich gehe das Wegstück zurück und biege in den Waldweg ein, finde den Rastplatz „Am Dreispitz“, mache aber noch keine Rast. Es geht weiter durch Feld und Wald, auch mal ohne Schutz in der Sonne, die aber noch nicht so viel Kraft hat.

In dem kleinen Ort Icking komme ich zunächst an der katholischen Pfarrkirche „Zum Heiligen Kreuz“ vorbei und nutze dieses kühle Obdach, um mich ein wenig zu akklimatisieren, denn es ist drückend und warm. Es will schon was heißen, wenn ich schwitze! Ein schlichtes, weiß getünchtes Kirchlein mit einem schmucken Altar im Chorraum. Auch wenn ich den Rucksack gar nicht erst absetze, sondern nur mit einer Pohälfte auf einer Bank Platz nehme, spüre ich doch etwas Erholung. Aber beim Schritt ins Freie trifft mich die Hitze wie ein Schlag, als wenn man gegen eine Feuerwand tritt.

Nach dem Ort Icking führt der Weg ein ganzes Stück an Bahnschienen entlang, um sie dann mal kurzzeitig zu verlassen und nach einem Anstieg wieder neben ihnen entlang zu führen. Im Wald sind von Forstfahrzeugen tiefe Gleise in den Boden gefahren, die auch hier noch bis zum Rand mit modrigem Wasser gefüllt sind. Nach einem Abhang stoße ich auf eine Straße, der ich nach rechts folge, unter einer Bahnbrücke durch. Allerdings fehlen mir dann Zeichen. Also Rucksack absetzen und nachlesen. Und da es diesmal im Buch sehr gut beschrieben ist, steht fest, dass ich verkehrt laufe, nämlich unter der Bahnlinie hindurch, was ich gar nicht soll. Also wieder zurück auf den richtigen Weg, weiterhin die Bahnlinie rechts neben mir. Ein Rastplatz oberhalb des Schienenstrangs mit Ausblick auf die Loisach ist dem Münchner Theodor Lechner gewidmet, „Dem Erschliesser des Isartales zum Gedenken“. Bänke laden zum Verweilen und Schauen ein. Ich lasse mich nieder, trinke und schicke die erste Mail nach Hause. Es ist kurz vor zehn und ich liege gut in der Zeit. Aber eine wirkliche Abkühlung bringt mir die Pause hier unter den Bäumen nicht, es ist viel zu schwül.

Dann geht es weiter in Richtung Wolfratshausen. Der Waldweg führt noch kurze Zeit an der Bahnstrecke entlang, um dann über Stufen hinab auf eine breitere Straße zu münden, erneut zur Bahnlinie zurückzukehren, um dann letztendlich noch unter dieser hindurch auf Wolfratshausen zu zuführen. Bis dahin finde ich mich auch ausgezeichnet, dank Navi und Buch. Ein kleines Kapellchen muss ich rechter Hand auf einer kleinen Verkehrsinsel erst noch besuchen, ehe ich über eine Brücke auf die andere Seite der Loisach wechsele. Auf der Brücke ist eine Nische im Geländer, mit zwei gegenüberliegenden Bänken, so dass man sich niederlassen und verweilen kann. Hübsches Plätzchen, aber nicht in der Mittagszeit!

Links der Loisach folge ich einem Radweg und befinde mich laut einer Tafel auf dem Flößerpfad. Eine wunderschöne überdachte Holzbrücke animiert mich zu vielen Fotos. Sie führt im Zickzack über die Loisach und ich bleibe lange Zeit auf ihr, wandere hin und her und betrachte an vielen Stellen, wie das Wasser sich unter ihr hindurch über verschieden angelegte Stufen ergießt. Das Kastenmühlwehr wurde erst 1994 umgebaut und stellt für mich ein wunderbares Objekt zum Fotografieren dar. Außerdem wirbelt durch das sprudelnde Wasser ein kühles Lüftchen bis hier herauf zu mir und das ist sehr angenehm. Doch irgendwann muss ich ja weiterziehen.

Im Stadtkern von Wolfratshausen laufe ich auf der Schattenseite der Straße und finde meinen Weg problemlos. Dann lasse ich mich vor dem Rathaus, im Schatten eines großen Baumes, auf einer Bank nieder und mache Mittagsrast um 11.00 Uhr. Es ist unwahrscheinlich warm, aber durch den Wind jetzt ist es zu ertragen. Ich beobachte nicht nur die Menschen, die hier unterwegs sind, manche über die Holzbrücke zur Linken verschwindend oder aufs Rathaus zustrebend, sondern auch einen kleinen Spatz, der förmlich um ein paar Brotkrumen von mir zu betteln scheint. Naja, die soll er haben und ich dafür die Fotos!

Um 11.45 Uhr mache ich mich wieder auf den Weg, weiter durch Wolfratshausen. Das zieht sich ganz schön! Mein Navi hilft mir wieder hervorragend und ich lasse das Buch im Rucksackdeckel verstaut. Hier habe ich nun nicht immer Schatten, als ich an den Gärten und Häusern vorbei ziehe. Ich überquere wieder die Loisach zum dritten Mal. Dank Navi alles kein Problem. Zum Glück geht es dann auch wieder durch Wald, zwar nicht sehr dicht bewachsen und nicht ständig, doch besser als in der Sonne zu laufen. Und es gibt viele Bänke. Entlang dem Loisach-Isar-Kanal finden sich Bildtafeln zum Flößerhandwerk. Vorher hatte ich schon beim Flößerdenkmal herrliche Fotos geschossen, ein tolles Panorama und ich mache für mich das gleiche Foto wie das im Wanderführer Abgebildete. Mittlerweile habe ich auch schon ein paar Aufkleber vom Treffen der Venediggeher an Masten