Inhaltsverzeichnis
Alles im Kasten
Kartenverzeichnis
Unterwegs mit Michael Müller
Jahrgang 1953, geboren in Ebermannstadt. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zog es ihn für einige Jahre nach Neuseeland und Ecuador. Dort begegnete er dem Reise­jour­nalisten Martin Velbinger, mit dem er zusammen in Süd­amerika recherchierte - die Initialzündung für die berufliche Neuorientie­rung, die 1979 in die Gründung des eigenen Verlags einmündete.
Pulizia Strade - Straßenreinigung, das ist eines der Schlüsselworte, wenn ich an meinen ersten Florenz-Auf­enthalt denke. Nach der Ankunft ein billiges Hotel beim Bahnhof ge­funden, dann gleich noch einen La­ternenparkplatz um zwei Ecken, wie­der mal Glück gehabt. Doch am Morgen steht das Auto nicht mehr dort, wo es abends noch stand, nicht vorurteilsfrei sehe ich mich schon mit der Eisenbahn nach Hause fahren. An der Rezeption werde ich dann als Tollpatsch entlarvt: Einmal die Woche wird die Straße gefegt und dies auf einem Schild auch kundgetan. Leute, die das nicht kapieren, dürfen ihr Auto gegen Aus­löse vom nächsten Groß­park­platz abholen ...
Heutzutage streife ich fast rou­tiniert durch die Stadt, um Neues zu entdecken und Empfehlungen in unserem Buch zu prüfen - besonders gern tue ich das im Dezember, wenn die Besucherströme abgeebbt und fast nur noch Einheimische in den Gassen unterwegs sind.
Glücklicherweise sind für so eine Überarbeitung mehrere Trips über den Brenner nötig - für mich eine Auszeit aus dem Alltag, ich mag es, aus dem Koffer zu leben. Am liebs­ten toure ich dann noch durch den Sü­den der Toskana, durch weites Land und kleine Dörfer, in denen manch­mal sogar noch ein Hahn kräht. Wilde Touren um den Monte Amiata und schließlich, nach Ein­bruch der Dunkelheit, noch in einem Gasthof versuchen, vielleicht das letzte Zimmer zu ergattern. Wenn das nicht klappt - im Auto liegt im­mer der Schlafsack.
Orientiert in der Toskana
Die Region im Profil
Das italienische Urlaubsziel für Genießer und Aktive, Familien und Paare: Kunst und Kultur, guter Wein, Strand und Meer, im Hinterland heiße Quellen, Gebirgs­züge und duftende Wälder.
Fläche: 23.000 km²
Einwohner: rund 3,7 Mio.
Bevölkerungsdichte 162 Einw./km² (Italien 200 Einw./km²)
Hauptstadt: Florenz
Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region.
Die Toskana ist ...
... die fünftgrößte Region Italiens
Sie breitet sich auf einer Fläche von knapp 23.000 km² im oberen Drittel des italienischen Stiefels aus. Von Bar­berino di Mugello im äußersten Norden nach Capalbio an der südlichen Regi­ons­grenze zum Latium sind es etwa 250 km, von Pisa im Westen bis Arezzo im Osten an der Grenze zu Umbrien rund 170 km. Die Fläche entspricht damit ungefähr der Hessens, die Tos­kana ist also ein überschau­bares Reise­gebiet mit relativ geringen Dis­tanzen zwischen den einzelnen Zielen.
... im Norden städtisch, an der Küste trubelig, im Süden ruhig
Insgesamt leben rund 3,7 Millionen Men­schen in der Region, was ihr Rang 9 und damit einen soliden Mittelplatz in der italienischen Bevölkerungsskala ein­bringt. Die mit Abstand höchste Ein­wohnerzahl hat Florenz (380.000), Num­mer 2 ist die benachbarte Tex­til­metropole Prato (194.000), Platz 3 geht an die Hafen­stadt Livorno (170.000), dahinter folgt eine Handvoll Städte mit Ein­wohner­zah­len zwischen 80.000 und knapp 100.000: Arez­zo, Pistoia, Pisa, Lucca und Gros­seto. Mit Ausnahme Gros­setos liegen sie alle in der „toska­ni­schen Nordhalb­kugel“, der Süden ist deut­lich dünner besiedelt.
Eine ähnliche Verteilung gilt für den Tou­rismus: Der Norden mit der Kultur­hoch­burg Florenz ist stärker fre­quen­tiert als der Süden. Ausreißer aus dem Nord-Süd-Gefälle ist jedoch die Küs­ten­linie. Ihre Seebäder spielten bereits im 19. Jh. eine zent­rale Rolle in der Re­gi­on. Heute ist die Küste auf ihrer ge­sam­ten Länge sehr belebt und vor allem in den Som­mer­monaten Juli und Au­gust („Ferragosto“) stellen­weise über­laufen, was auch für die tos­ka­ni­sche Insel Elba gilt.
... Heimat der Etrusker
Die Herkunft der Etrusker ist bis heute un­klar. Fest steht je­doch, dass sie im ers­ten Jahr­tau­send vor Christus im Ge­biet zwi­schen Arno und Tiber sie­del­ten und die erste Hochkultur auf italie­ni­schem Boden bil­de­ten. Von den Rö­mern als „Etrus­ci“ bzw. „Tusci“ be­zeich­net, ga­ben sie der Region ihren Na­men und hinterließen ihr zahlreiche Kunst­gegenstände, vor allem aus Me­tall und Keramik. Bauliche Zeug­nisse finden sich in erster Linie unter­irdisch: Nekro­polen mit teilweise er­staun­lich gut er­hal­tenen Wandma­le­reien sind bei­spiels­weise in der Umge­bung von So­va­na zu be­sich­ti­gen. Das Museo Nazio­nale Etrusco in Chiusi be­sitzt eine der welt­weit größ­ten Samm­lungen etruskischer Fun­de - die Stadt selbst war einst der Sitz des wahr­scheinlich mäch­tigs­ten Füh­rers der Etrusker. Und in der Nähe von Gros­seto be­findet sich mit Roselle ei­ne ehe­malige etrus­kische Sied­lung, de­ren ein­drucks­volle Stadt­mauer fast voll­stän­dig er­halten und als Aus­gra­bungs­stätte für Besucher bes­tens er­schlossen und aufbereitet ist.
... die Wiege der Renaissance
Die Rückbesinnung auf Kunst und Kultur der Antike unter dem Einfluss des Hu­ma­nismus im 15. und 16. Jh. war vor al­lem im äußerst wohl­ha­ben­den und mäch­tigen Florenz ausgeprägt. Auf die Werke des Re­nais­sance-Dreigestirns Leo­nar­do da Vinci, Mi­chel­angelo, und Raffael trifft man dort auf Schritt und Tritt. Auch die an­de­ren gro­ßen Wegbereiter der Re­nais­sance stam­men aus der Toskana: Luca Si­gno­relli aus Cortona, Piero della Fran­cesca aus Sansepolcro, Masaccio aus San Gio­vanni Valdarno.
... eine Genussregion
Die toskanische Küche ist bodenstän­dig und gern kräftig gewürzt. Pasta gibt es in allen Formen und mit allen mögli­chen Saucen. Vor allem in der Gegend um Montepulciano und Chiusi werden Pici angeboten, eine Art kurze, dicke Spa­ghetti, meist handgemacht. Eine Spe­zialität der Hauptstadt, aber nicht je­dermanns Sache, sind Trippa alla Fioren­tina, die Floren­tiner Kutteln, die mit Zwiebeln, Sellerie, Karot­ten und To­maten zubereitet werden.
Den passenden Wein zum guten Es­sen liefert die Toskana gleich mit. Am bekanntesten ist der ru­binrote Chian­ti, der sich, sofern inner­halb eines streng begrenzten Ge­biets pro­du­ziert, Chianti Classico nen­nen darf. Mit ihm kon­kur­riert weiter südlich und eben­falls aus der Sangio­vese-Traube ge­keltert der Vino Nobile di Mon­te­pul­ciano. Bei Ken­nern einen noch besseren Ruf genießt der auf ei­nem Sangiovese-Klon ba­sie­ren­de Bru­nello di Mon­tal­cino. Fisch wird gern von einem Wei­ßen begleitet, z. B. ei­nem Vernaccia di San Gi­mig­na­no. Mehr Wein-Wissen siehe hier.
Sightseeing und mehr
Erlebnis Kultur
Großartige Bauten aus Mittel­alter und Renaissance bestim­men das Stadtbild vieler tos­ka­nischer Orte. Dass die grandiose Architektur nicht auf ein, zwei Zentren konzentriert ist, hat mit der einstigen politischen Land­schaft der Toskana zu tun. Florenz, Pisa, Siena & Co. - sie alle waren autonome Stadt­staaten, die sich in ihrer Bau­leidenschaft gegenseitig zu über­trumpfen ver­suchten. Zeug­nisse dieses Wettstreits sind die prächtigen Dombauten mit den typisch gestreiften Fassaden.
Die großen architektonischen Gesamtkunstwerke
Florenz: Politisch, kulturell und archi­tek­tonisch die Nummer eins unter den tos­kanischen Städten. Hier ar­beiteten die bedeutendsten Bau­meister, Maler und Bildhauer der Renaissance, darun­ter Filippo Brunel­leschi, Leo­nardo da Vin­ci, Mi­chel­an­ge­lo und Raf­fael. Ihre Wer­ke sind nicht nur im Stadtbild, son­dern auch in den großen Museen der Stadt zu be­wun­dern, allen voran in den Uffizien.
Siena: der spätmittelalterliche Gegen­en­t­wurf zur Renaissancestadt Florenz. In Sienas kultureller Blütezeit zwi­schen 1250 und 1350 sind un­zählige Stadt­paläste im gotischen Stil ent­standen. Prunkstück der siene­sischen Städtebaukunst ist das En­semble um den vielleicht schöns­ten Platz Italiens, die muschel­förmige Piazza Il Campo mit dem majes­tä­ti­schen Palazzo Pubb­li­co und dem hoch in den Himmel ra­gen­den Torre del Mangia.
Pisa: Auch die einstmals mächtige See­re­publik ließ sich die Bauten auf dem Platz der Wunder einiges kosten. Das En­semble aus Dom, Taufkirche und Glo­ckenturm am Rande der Altstadt strahlt in hellstem Mar­mor, der Dom galt lange als mo­nu­men­talster Bau der christlichen Welt. Welt­berühmt wurde sein Glocken­turm, der sich schon bald nach der Grund­stein­legung beträcht­lich zur Seite neigte ...
San Gimignano: Das 7000-Einwohner-Städt­chen wird auch Manhattan des Mit­telalters genannt. Der Grund: Im mit­telalterlichen Kern ragen noch 15 Ge­schlechtertürme in die Höhe, die in an­deren toskanischen Städten längst ver­schwunden bzw. nur noch in Rudi­men­ten erhalten sind. Die Türme waren kom­binierte Wohn- und Ver­teidigungs­an­lagen der stadt­beherrschenden Fa­mi­lien, die sich untereinander meist nicht sonderlich grün waren: „Mein Haus, mein Turm, mein ...“
Drei aus der zweiten Reihe
Volterra: Die auf einem Berg­rü­cken in 550 m Höhe thronende Stadt geht auf eine etruskische Sied­lung zurück. Um­geben ist sie von einer robusten Stadt­mauer, die von einer mächtigen Medici-Festung abgeschlossen wird. In­nen herrscht Mittelalter pur, an der Piazza dei Priori steht der älteste er­haltene Kom­mu­nal­palast der Toskana.
Colle di Val d’Elsa: Hier „schwimmt“ die Altstadt wie ein mächtiges Schiff auf einem Tuffsteinhügel. Sie ist eine Mi­schung aus Mittelalter und Renais­sance und selbst in der Hauptreisezeit eine Oase der Ruhe. Eine Etage tiefer liegt die modernere Unterstadt. Die Ver­bindung zwischen Geschichte und Mo­derne schafft ein Aufzug.
Pienza: Zwi­schen 1459 und 1462 ließ Papst Pius II. ein unbedeuten­des Nest im Val d’Orcia zur città ideale um­bau­en. Das Ergebnis: eine Mus­ter­stadt der Re­naissance mit klaren Linien, stren­ger Sym­metrie und ab­ge­stimm­ten Pro­por­tionen. Wie bei al­len großen Uto­pien ist jedoch nicht alles wie geplant ver­wirklicht wor­den. So ist es in ge­wis­sem Sinne tröstlich, dass Pienza ne­ben sei­nen gran­dio­sen Ent­würfen auch ganz Profa­nes zu bie­ten hat: zum Bei­spiel den Pe­corino di Pienza, einen vor­züg­li­chen Schafs­käse, den man in vie­len Läden des Mus­ter­städtchens für ganz ge­wöhn­liches Geld kau­fen kann ...
Drei aus Tuffstein
Keine ausgeklügelten ar­chi­tek­to­ni­schen Entwürfe, son­dern Beispiele ur­tüm­lichen Bau­ens am Fels bieten die Städt­chen Pitiglia­no, Sorano und So­va­na. Sie lie­gen im süd­lichs­ten Zip­fel der Ma­rem­ma, sind al­le­samt etrus­ki­schen Ur­sprungs und aus Tuff ge­meißelt: Je­des Haus, jeder Tor­bogen und jede Trep­pe in den un­fassbar en­gen, ver­win­kelten Gassen ist einen Blick wert.
Drei Klöster
Abtei San Galgano: Die Ruine des Zis­terzienserklosters liegt ca. 35 km süd­west­lich von Siena auf der grünen Wiese. Auf­ge­geben wurde die Abbazia bereits 1783, danach diente sie den Bauern als Stein­bruch. Die Reste strahlen heute buch­stäblich „ruinösen Zau­ber“ aus.
Abtei Monte Oliveto Maggiore: Der wuchtige Back­steinbau inmitten einer grünen Zypressen-Oase ist für seinen Kreuz­gang mit wunder­baren Renais­sance-Fresken berühmt.
La Verna: Das Kloster trohnt majes­tä­tisch auf dem Monte Penna, dem Hei­li­gen Berg der Toskana, mitten in der Berg­landschaft des Casentino. In der Kir­che kann man die Grotte be­wun­dern, in der im 13. Jh. der heilige Fran­zis­kus wohnte und die Wundmale Chris­ti empfangen haben soll.
Zypressen, Berge, Strände ...
Erlebnis Natur
Im Norden an der Grenze zur Emilia-Romagna ist die Toskana ein ziemlich gebirgiger, manch­mal mitteleuropäisch wirkender Landstrich und ein anspruchs­volles Wandergebiet. Erst in Richtung Süden ist die Toskana so, wie wir sie kennen: medi­terran, mit sanften Hügeln, akzentuiert mit Zypressen. Ganz unten, in der Maremma, einem ehemaligen Sumpfgebiet, wird es dann richtig flach.
Kulturlandschaft und Wildnis
„Natur“ ist in der Toskana ein relativer Be­griff, schließlich wurde die frucht­bare Region spätestens von den Etrus­kern durchgängig besiedelt und urbar gemacht. Wildnis hat sich deshalb nur in den Sümpfen und unfruchtbaren Küs­tenstreifen wie der Maremma ge­hal­ten oder in unzugänglichen Berg­regionen - in der Toskana sind das Tei­le des Apennin (von Nordwest nach Süd­ost: Apuanische Alpen und Gar­fag­na­na; Mugello, Ca­sen­tino) oder der Mon­te Amiata an der Grenze zu Umbrien.
Das, was im mitteleuropäischen Kopf­kino als attraktive Toskana-Land­schaft aufpoppt und im Aquarellkurs aufs Papier kommt, ist jedoch Nutz­land­schaft, so die mit Wein bestan­de­nen grünen Hügel des Chianti oder die bizarren hellen Erdhügel der Crete südlich von Siena - ein Er­zeug­nis extremer, menschen­gemachter Ero­sion. Selbst die Zypressen wach­sen hier nicht natürlich, sondern ste­hen in Alleen in Reih und Glied und funk­tio­nieren oft auf der Zufahrt zu statt­lichen Villen wie grüne Säulen als ar­chi­te­k­to­ni­sche Elemente. Die Kunst der Re­nais­sance - auch sie ein echtes Kind der Toskana - hat hier Pate ge­stan­den mit ihrer Vorliebe für lange Fluch­ten, Zentral­perspektive und Ord­nung in der Natur. Anderswo meint „Kul­tur­land­schaft“ nur die kultivierte Land­schaft, in der Toskana steht da­hin­ter wirklich eine Philosophie.
Nationalparks und Naturschutzgebiete
Gleich drei Nationalparks, drei Regio­nal­parks und zahllose kleinere Natur­schutz­gebiete sind in der Toskana zu Hau­se (→ www.parks.it) - insge­samt sind etwa 10 % der Landfläche ge­schützt. Sie stehen für weit­gehend in­tak­te Natur, Wander­urlaub und sanf­ten Tourismus. Hier eine Aus­wahl der schönsten Schutzgebiete:
Parco Nazionale Appennino Tosco-Emiliana: Das nord­west­li­chste Eck der Toskana ragt im Apennin bis auf etwa 2000 m auf (der größere Teil die­ses Parks liegt in der Emilia-Roma­gna), es ist ein fast unbereistes Ge­biet mit alpinem Charakter: Ber­ge, Wälder und Wasserfälle. → www.parcoappennino.it sowie Lu­nigia­na, und Gar­fag­na­na
Parco Nazionale delle Foreste Casen­ti­nesi: Ihn findet man im Os­ten der Toskana, nördlich von Arez­zo. Seine Buchenwälder ge­hören zum Weltnatur­erbe der UNES­CO. → www.parcoforestecasentinesi.it
Parco Na­zio­na­le Arcipelago Toscano: Im Tyrrhenischen Meer steht ein Groß­teil des Toskanischen Archipels unter Schutz. 78 % dieses Parks sind See­flä­che, 22 % erstrecken sich auf den sie­ben Inseln - von der größten Insel Elba ge­hört etwa die Hälfte zum Na­tional­park. → www.islepark.it
Parco Regionale di Migliarino: Er er­streckt sich zwischen Viareggio und Li­vor­no und bietet u. a. eine wirklich un­ver­baute Küste und Marschlandschaft. Da­bei ist der Park gut erschlossen und mit Kindern beispielsweise per Minizug leicht zu erobern. → www.parco­sanrossore.org
Parco Minerario Naturalistico Gavor­ra­no: Bei Follonica wird man daran er­in­nert, dass Natur auch unter der Erde statt­findet. Die ehemalige Eisen- und Schwe­felkiesmine ist UNESCO-Welt­erbe und absolut sehenswert.
Parco Naturale della Maremma: im Sü­den bei Albarese. Einst ein malaria­ver­seuch­ter Riesensumpf, heute Ufer­wild­nis, Büffelherden, vogel­durch­schwärm­te Marschen und Reisfelder. Im Hinter­land steigt das Gebiet in den Monti dell’Uccelina bis auf 417 m auf. Herr­lich zum Reiten, Wandern und Rad­fahren. → www.parco-maremma.it
Die schönsten Strände
Rund 340 Kilometer misst die Küste der Tos­kana. Die größten Badeorte liegen an der Apuanischen Riviera und in der Versilia, wo die Sonnenschirme der ge­büh­renpflichtigen Bagni (Strandbäder) dicht an dicht stehen. Einsame Bade­buchten am Meer findet man im Nor­den eher nicht - hier wird dem kollek­tiven Bade- und Flaniererlebnis ge­hul­digt.
Südlich von Li­vorno folgt die Etrus­ki­sche Riviera, die bei der traum­haften Baratti-Bucht en­det.
Nach der Landnase von Piombino zieht sich die ursprüngliche Maremma-Küste bis zur Halbinsel des Monte Ar­gentario. Castiglione della Pescaia ist der wohl schönste Ba­de­ort am südlichen Küs­ten­abschnitt, ein bei Italienern wie Deutschen be­lieb­tes Fischerstädt­chen.
Strände auf Elba: Die Insel wartet mit super Bademöglichkeiten auf, die von flachen Sandstränden bis zu klei­nen felsigen Badebuchten reichen.
Tipps für den Familienurlaub
Die Toskana mit Kindern
Wenn Baden im Meer langweilig geworden, Niki de Saint Phalles schrill bunter Skulp­turenpark erkundet und der italienische Verkösti­gungs­dreiklang Pizza, Pasta, Gelato ausgereizt ist, müssen Eltern nicht gleich verzweifeln. Hier ein paar weitere Vorschläge, wie man kindliche Launen in Lachen verwandeln kann.
Agriturismo buchen!
Sicher, ein Hotel, eine Pension eine Ferien­wohnung tun’s auch. Schöner sind Ferien auf dem Bauernhof. Agri­turis­mi gibt’s in der Toskana in großer Zahl, viele davon mit Pool und Spiel­möglich­keiten sowie allerlei Tieren zum Streicheln oder Ausreiten. Besonders zu empfehlen ist der familiäre Agriturismo Il Gelsomino mit Reiterhof, Schwimm­bad und leckerem Essen bei Alberese (Grosseto).
Treno Natura: Mit der Dampflok unterwegs
Bis in die 70er schnaubte die Lok noch im regulären Verkehr durch die Crete Si­nesi bis ins Val D’Orcia, heute dient sie als Museumsbahn und schlicht dem Ver­gnügen. Erwachsene genießen die Nos­talgie und die vorbei­zie­henden Land­schaften, Kin­der freuen sich am Ge­samt­paket: ein dampfender Zug, auf­merk­sam er­klä­rende Eltern, schrille Tril­ler­pfeifen­sig­nale und, und, und. Aus­gangs­punkt der 140 km langen Stre­cke ist Siena, dann geht es über Asciano ins Val D’Orcia und schließlich über Monte Antico und Murlo wieder zu­rück nach Siena.
Auf den Spuren von Pinocchio
Die Kindergeschichten von Carlo Lo­ren­zini wurden in 80 Sprachen über­setzt und erzählen die Abenteuer des höl­zernen Bengels, dem beim Lügen im­mer eine lange Nase wächst. Im herr­lich phantasievoll angelegten Par­co di Pinocchio in Collodi sind alle Weg­gefährten Pinocchios ver­sammelt: Man trifft auf Gep­petto im Bauch des Wals ebenso wie auf Kater und Fuchs. Über­ragt wird die schöne grüne Anlage von einer 16 m hohen Figur des Helden selbst.
Haie füttern im Aquarium Mondo Marino
Schillernd-bunte Fische und anderes Mee­resgetier gibt es in der „Meeres­welt“ bei Massa Marittima zu be­wun­dern. Anschließend besuchen Groß und Klein die Dinosaurier im Außen­bereich - dort stehen respekt­ein­flö­ßen­de Nach­bil­dungen der aus­ge­stor­benen Land- und Wasser­bewohner. Das High­light ist und bleibt aber die Füt­te­rung der nicht min­der respekt­einflößenden und quick­lebendigen Haifische an jedem Mitt­woch- und Freitagnachmittag!
Die Steinzeit erleben in Montevarchi
Auf die Spuren von Sä­bel­zahn­ti­ger und Mammut begeben sich Nachwuchs-Paläontologen im Museo Pa­le­on­to­lo­gico. Die rie­sigen Stoß­zäh­ne und Urtier-Kno­chen lassen Kin­der­mün­der of­fen­stehen. Neben stein­zeit­lichen Fun­den aus dem Arnotal gibt es regel­mäßig An­ge­bote für Fami­lien - von Schatz­suche bis Paleo-Yoga.
Baden in natürlichen Thermalbecken
Wannen mit warmem Wasser mit­ten in der Natur, dazu Wasserfälle und Sin­ter­ab­lagerungen weiß wie Schnee - braucht’s mehr, um Kinder einen gan­zen Tag vom Meer wegzulocken? Es gibt viele dieser natürlichen Thermal­bä­der in der Tos­kana, so bei Bagni San Filippo im Val d’Orca.
Wer mit klei­nen Kindern unterwegs ist, sollte sein Bad aber eher bei der Cas­cata del Mulino nehmen, ei­nem Ab­leger der berüh­m­ten Ther­mal­becken von Satur­nia. Aber die Ba­de­schuhe einpacken, die Stein­chen in den Be­cken können kantig sein.
In Sar­teano gibt’s außerdem ein herr­liches, aus Mineralquellen ge­speis­tes Schwimm­bad, das an ei­nen ebenso schö­nen und kind­ge­rechten Cam­ping­platz angeschlossen ist.
Durch die Unterwelt: Chiusis Schweizer Käse
Chiusi ist eine typische etrus­kische Sied­lung auf einem Tuff­steinhügel mit ver­winkelten Gassen und einem Top-Mu­seum, sprich: für Kin­der unspek­ta­ku­lär. Al­le­r­dings ist eben­jener Tuff­stein­hügel durch­löchert wie ein Em­men­taler, und das lässt die Sache in einem völlig anderen Licht erscheinen: Denn in den laby­rinth­artigen, engen un­ter­irdi­schen Gängen kann man herr­lich herumschleichen und sich auch ein bisschen wohlig fürch­ten. Und dann kommen die (kunst­sinnigen) El­tern doch noch zu den fantastischen et­rus­kischen Wand­malereien.
Austoben in Kletter- und Freizeitparks
Il Giardino Sos­peso: Im Hochseilgarten bei Cecina turnt, balan­ciert, schwingt oder klettert man von Baum zu Baum. Meh­rere Parcours in unter­schied­lichen Schwie­rig­keitsgraden und Höhen be­schäf­ti­gen nicht nur die Klei­nen, son­dern sind auch für Er­wach­sene eine He­raus­for­de­rung.
Extra-Tipp Saltalbero Adventure Park: Der wirk­lich entspannte Abenteuer- und Klet­ter­park eine halbe Autostunde östlich von Siena kommt ohne Riesen-High­tech-Ge­rät­e und laute Musik­be­schal­lung aus, sondern ist ein herr­lich alt­modischer Frei­zeit­park mit Mi­ni­golf, Pfeil­chen­wer­fen, Picknick­platz, Vol­ley­ball- und Fuß­ballfeld, Klet­ter­garten in Baum­wipfeln ... www.saltalbero.it
Unterwegs in der Toscana
Florenz und der Norden
Die Wiege der Renaissance, weltberühmter Marmor, gut erhaltene mittelalterliche Altstädte, mondäne Badeorte und im Hinterland ganz viel Platz zum Wandern und Mountainbiken.
Sommer in Fiesole
Das Städtchen oberhalb von Florenz verwandelt sich von Juni bis August in eine Freilichtbühne, die von Künst­lern aller Genres und aus aller Welt bespielt wird. Es­tate Fiesolana nennt sich die Veranstaltungsreihe - „Sommer in Fiesole“ - und ist einer von vielen guten Gründen, dem Ort einen Besuch abzustatten.
Der Nor­den der Toskana ist in erster Li­nie für Florenz bekannt, eine der meist­be­suchten Städ­te Ita­liens. Aber auch die Bi­schofs­stadt Lucca und die Küste der Versilia er­freuen sich regen Zu­laufs. We­nig be­kannt dagegen sind der hü­ge­lige Mu­gello, der „Vorgarten von Flo­renz“, und das zwi­schen zwei Ge­birgs­zügen gele­gene Tal des Ser­chio, wo vor allem Wanderer und Moun­tain­biker unter­wegs sind. Gänzlich un­be­kannt ist die Lu­nigiana mit ih­ren abge­schie­denen Dör­fern. Viele dieser Berg­dör­fer leiden unter Landflucht, der Tou­rismus ist dort nicht bedeutend genug, um für Prosperität zu sorgen. Wirt­schaftlich dynamischer zeigt sich die Region ent­lang der Achse Florenz - Lucca. Das ist altes Industrieland, Tex­til- und Papier­fabriken sowie Waggon­her­steller haben hier bis heute ihren Sitz.
Was anschauen?
Florenz: Die Hauptstadt der Region Tos­kana ist Pflicht. Kunstliebhaber müs­sen den Uffi­zien einen Besuch ab­stat­ten, die Werke der Renaissance­künst­ler Da Vinci, Mi­chel­angelo und Raf­fael bewundern, den be­rühm­ten Dom besu­chen oder die Grab­kapel­len der mächtigen Medici. Doch auch Be­su­cher, die gerne shoppen oder aus­ge­hen, kom­men in Florenz auf ihre Kos­ten.
Carrara: In der Stadt des welt­berühm­ten Marmors bieten sich spektakuläre Pa­noramablicke auf die hell leuch­ten­den Stein­brüche oben in den Apu­a­nischen Alpen.
Viareggio: In diesem Badeort aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begibt man sich auf eine Zeitreise. Die Strand­pro­me­nade ist von Jugendstil- und neoklassi­zis­ti­schen Fas­saden ge­säumt.
Pistoia: Im fruchtbaren Tal des Om­brone kann diese Stadt mit der an­geb­lich größten Dichte an Baum­schulen in Europa auf­war­ten - und einer gut er­haltenen mit­tel­alter­lichen Alt­stadt.
Lucca: Das mittelalterliche Städt­chen gilt als der „kleine Vatikan der Tos­kana“, weil hier sage und schrei­be 99 Kir­chen und Kirchlein ste­hen. Viele von ihnen sind zwar längst zu Lo­kalen und Läden umfunktioniert wor­den - das tut ihrem Charme aber kei­nen Abbruch.
Was unternehmen?
Von Lucca ist es nicht weit bis Bagni di Lucca, wo einst Prin­zen und Poe­ten die be­rühmten Kurbäder auf­such­ten. Der alte Kurort ist heute das Eingangs­tor ins obere Ser­chio-Tal und in die Ge­birgs­landschaft Gar­fa­gnana. Letzte­re ist ein Pa­ra­dies für Wande­rer, die von hier aus den Apen­nin in An­griff neh­men.
Die Lunigi­ana, die man am ein­fachs­ten von der Auto­bahn Par­ma - La Spe­zia aus er­reicht, weist ein Netz von we­nig be­fah­re­nen Straßen auf, die zu den abgele­gensten Dörfern der Tos­kana füh­ren.
Wo baden?
Versilia-Küste: Hier herrscht Bade­tru­bel. Von Ma­rina di Car­rara bis Via­reg­gio verhei­ßen Lie­ge­stühle und Sonnen­schirme für die gan­ze Familie Spaß am Strand.
Was und wo essen und trinken?
In Florenz müssen jähr­lich 5 Millionen Be­su­cher ver­kös­tigt werden. Entspre­chend hoch ist die Dichte von Gast­stät­ten, vom Fastfood bis zum Gour­met­tempel. Kulinari­sches Glanzstück ist das Bistecca alla fioren­tina. Ein kräf­tig ge­würz­tes, ge­grilltes Steak, 3-4 cm dick, rund 800 g schwer und von einer Person allein kaum zu schaf­fen. Den Selbstversuch startet man z. B. in der Trattoria Burrasca in der Nähe des Marktes.
Etwas ganz Besonderes sind die nos­tal­gi­schen Kaffeehäuser von Florenz - Pasz­kowski, Gilli, Giubbe Rosse oder Rivoire. Hier schlürft man stilvoll den Caf­fè, nascht Käsekuchen und Scho­ko­la­diges oder stimmt sich bei einem Ape­ritivo aufs abendliche Essengehen ein.
Was sonst noch?
Open-Air-Oper: Giacomo Puccini ist nach Verdi der bedeutendste Opern­kom­ponist des Landes. Wie wäre es mit einer Vor­stellung der Oper „Madama But­terfly“ auf der Seetribüne neben sei­nem eins­tigen Wohnhaus am Lago di Massa­ciuccoli?
Kunst in Pietrasanta: In Carrara wird der Mar­mor gebrochen, in Pietra­santa wird daraus Kunst. Es gibt in dem Städt­chen 30 km südlich von Carrara aber nicht nur Bild­hauer, sondern auch tolle Bilder­gale­rien und tradi­tio­nelle Bron­ze­gieße­reien mit internationalem Ruf. Im Museo dei Bozzetti können zahl­reiche Entwürfe für Skulpturen be­wundert werden, die in der ganzen Welt ausgestellt sind.
Florenz ca. 380.000 Einwohner
Der Reichtum an Kunst und an Kultur überwältigt. Besonders die Zeugnisse der Renaissance-Architektur begegnen dem Betrachter auf Schritt und Tritt. Von außen eher schlicht gestaltet, zeigen sich die Gebäude innen umso prunk­vol­ler.

Schlange stehen oder besser einen Cappuccino trinken?

Florenz liegt in einer weiten Fluss­niede­rung, die Altstadt drängt sich bei­derseits dicht an das Ufer des trüben Arno. Weiter außerhalb im grünen Hü­gel­land­ stehen jahr­hun­dertealte Som­mer­villen. Wer die Stadt während der brütend heißen Som­mer­tage be­sucht, wird Florenz weniger ge­nießen - Kes­sel­klima, Lärm, Abgase und, besonders seit die Kreuzfahrtschiffe aus Livorno Ta­gesausflügler ankarren, überall Heer­scharen von Tou­ris­ten. Von seiner an­genehmsten Seite zeigt sich die Stadt im Frühling und Herbst, wenn von den Hügeln rundum kühle Luft durch die Straßen zieht und die Altstadt etwas weniger bevölkert ist.
Dem Besucher wird einiges geboten: Jazz­konzerte auf historischen Plät­zen, Kam­mer­mu­sik in ehrwürdigen Pa­läs­ten, am Fluss unter den Gewöl­ben des Uffizien-Palasts war­ten Kunst­stu­den­ten auf Kundschaft, um Porträt­s zu zeich­nen. Ein El­dorado für Schmuck­kä­ufer ist der Ponte Vec­chio. Dicht an dicht reihen sich auf der ältesten Brü­cke der Stadt kleine Juwelier­ge­schäfte zu einer einzigen Ladenzeile.
Die Zentren der Geschichte und der Kunst Italiens sind Rom, Venedig und eben Flo­renz. Florenz ist ar­chi­tek­to­nisch allerdings nüchtern, seine Paläste wirken streng und ähn­eln oft eher Fes­tungen als Prunkbauten. Und doch ist hier unend­lich viel Interessantes zu entdecken - nicht nur in der Altstadt rund um die Piazza della Signoria und um die Piazza del Duomo. Fast ein Jahrhundert lang war die Stadt das geistig-kulturelle Zent­rum des Abend­lan­des: Philosophie, Literatur, Wis­sen­schaft und die Kunst der Re­nais­sance blüh­ten, das Bank- und Finanzwe­sen flo­rierte, der Florin war die härteste Wäh­rung Euro­pas. Die Ban­kiers­fa­milie der Medici über­spann­te den Kon­ti­nent mit einem Netz von Bankfilialen und Han­dels­nie­der­las­sungen.
Über 1 Million Menschen leben heu­te in der Region Florenz, die Be­völ­kerung in der In­nenstadt nimmt aber ständig ab. Zählte man 1975 noch et­wa 400.000 Einwohner in Flo­renz-Stadt, sind es heute nur noch etwa 380.000 - und da­mit weniger als 1952, als die Land­flucht gerade begon­nen hatte. Ho­he Mie­ten und Lärm treiben die Men­schen wie­der aufs Land, Wohnungen werden lieber teuer an Touristen ver­mie­tet. In­dus­trie gibt es nur in den nord­westli­chen Rand­gebie­ten, die sich bis Prato hin­ziehen.
Touristen: Bei jährlich rund 15 Mil­lio­nen Übernachtungen versiegt der Strom der Besucher nie, auch nicht in der „toten“ Jahres­zeit, wo­mit man hier vor al­lem die Winter­mo­nate meint. Haupt­ak­tionsgebiet ist das Dreieck zwischen Dom, Piazza della Signoria und Ponte Vecchio - in den Seitenstraßen da­ne­ben reißt die Besucherschlange schnell ab.
Am schwierigsten, eine Über­nach­tungs­möglichkeit zu ergattern, ist es um Os­tern sowie ab Mai bis September. Daneben gesellen sich zu den Tou­ris­tenmassen noch die Besucher wich­tiger Messen, da­run­ter „Pitti Im­magine Uo­mo”, eine ita­lie­nische Mo­de­mes­se für Her­renbekleidung Mit­te bis En­de Juni.
Kriminalität: Autoaufbrüche sind in den letzten Jahren seltener ge­wor­den, aber Taschendiebe oder Hand­ta­schen­räu­ber gibt es noch genug. Deshalb: Rund um den Bahnhof und Dom sowie bei großem Gewühle aufmerk­sam sein!