Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt
Michelangelo – der Einzelkämpfer der Kunst
Höchstgeschwindigkeit
Toskanische Gaumenschmäuse ...
Rubinrotes Fiasco
Kartenverzeichnis
Florenz - Übersicht
Florenz - Uffizien
Florenz - Santa Croce
Florenz - Innenstadt
Florenz - Legende
Mugello
Von Florenz nach Lucca
Prato
Pistoia
Lucca
Garfagnana/Lunigiana
Bagni di Lucca
Apuanische Riviera & Versilia
Carrara
Carrara/Steinbrüche
Pietrasanta
Viareggio
Pisa
Etruskische Riviera
Livorno
Piombino
Chianti
Greve
Siena - Übersicht
Siena - Innenstadt
Colle di Val d'Elsa
San Gimignano
Volterra
Südlich von Siena/Crete Senesi/Val d'Orcia
Monte Oliveto (großer Kreuzgang)
Montalcino
Pienza
Montepulciano
Rund um den Monte Amiata
Wanderung bei Sovana
Maremma
Follonica
Massa Marittima
Grosseto
Monte Argentario
Der Osten
Arezzo
Cortona
Elba
Portoferraio
Die Bahnlinien
Zeichenerklärung
Toskana Übersicht
Unterwegs mit Michael Müller
Jahrgang 1953, geboren in Ebermannstadt. Nach der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker zog es ihn für einige Jahre nach Neuseeland und Ecuador. Dort begegnete er dem Reisejournalisten Martin Velbinger, mit dem er zusammen in Südamerika recherchierte - die Initialzündung für die berufliche Neuorientierung, die 1979 in die Gründung des eigenen Verlags einmündete.
Pulizia Strade - Straßenreinigung, das ist eines der Schlüsselworte, wenn ich an meinen ersten Florenz-Aufenthalt denke. Nach der Ankunft ein billiges Hotel beim Bahnhof gefunden, dann gleich noch einen Laternenparkplatz um zwei Ecken, wieder mal Glück gehabt. Doch am Morgen steht das Auto nicht mehr dort, wo es abends noch stand, nicht vorurteilsfrei sehe ich mich schon mit der Eisenbahn nach Hause fahren. An der Rezeption werde ich dann als Tollpatsch entlarvt: Einmal die Woche wird die Straße gefegt und dies auf einem Schild auch kundgetan. Leute, die das nicht kapieren, dürfen ihr Auto gegen Auslöse vom nächsten Großparkplatz abholen ...
Heutzutage streife ich fast routiniert durch die Stadt, um Neues zu entdecken und Empfehlungen in unserem Buch zu prüfen - besonders gern tue ich das im Dezember, wenn die Besucherströme abgeebbt und fast nur noch Einheimische in den Gassen unterwegs sind.
Glücklicherweise sind für so eine Überarbeitung mehrere Trips über den Brenner nötig - für mich eine Auszeit aus dem Alltag, ich mag es, aus dem Koffer zu leben. Am liebsten toure ich dann noch durch den Süden der Toskana, durch weites Land und kleine Dörfer, in denen manchmal sogar noch ein Hahn kräht. Wilde Touren um den Monte Amiata und schließlich, nach Einbruch der Dunkelheit, noch in einem Gasthof versuchen, vielleicht das letzte Zimmer zu ergattern. Wenn das nicht klappt - im Auto liegt immer der Schlafsack.
Orientiert in der Toskana
Die Region im Profil
Das italienische Urlaubsziel für Genießer und Aktive, Familien und Paare: Kunst und Kultur, guter Wein, Strand und Meer, im Hinterland heiße Quellen, Gebirgszüge und duftende Wälder.
♦ Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region.
Die Toskana ist ...
... die fünftgrößte Region Italiens
Sie breitet sich auf einer Fläche von knapp 23.000 km² im oberen Drittel des italienischen Stiefels aus. Von Barberino di Mugello im äußersten Norden nach Capalbio an der südlichen Regionsgrenze zum Latium sind es etwa 250 km, von Pisa im Westen bis Arezzo im Osten an der Grenze zu Umbrien rund 170 km. Die Fläche entspricht damit ungefähr der Hessens, die Toskana ist also ein überschaubares Reisegebiet mit relativ geringen Distanzen zwischen den einzelnen Zielen.
... im Norden städtisch, an der Küste trubelig, im Süden ruhig
Insgesamt leben rund 3,7 Millionen Menschen in der Region, was ihr Rang 9 und damit einen soliden Mittelplatz in der italienischen Bevölkerungsskala einbringt. Die mit Abstand höchste Einwohnerzahl hat Florenz (380.000), Nummer 2 ist die benachbarte Textilmetropole Prato (194.000), Platz 3 geht an die Hafenstadt Livorno (170.000), dahinter folgt eine Handvoll Städte mit Einwohnerzahlen zwischen 80.000 und knapp 100.000: Arezzo, Pistoia, Pisa, Lucca und Grosseto. Mit Ausnahme Grossetos liegen sie alle in der „toskanischen Nordhalbkugel“, der Süden ist deutlich dünner besiedelt.
Eine ähnliche Verteilung gilt für den Tourismus: Der Norden mit der Kulturhochburg Florenz ist stärker frequentiert als der Süden. Ausreißer aus dem Nord-Süd-Gefälle ist jedoch die Küstenlinie. Ihre Seebäder spielten bereits im 19. Jh. eine zentrale Rolle in der Region. Heute ist die Küste auf ihrer gesamten Länge sehr belebt und vor allem in den Sommermonaten Juli und August („Ferragosto“) stellenweise überlaufen, was auch für die toskanische Insel Elba gilt.
... Heimat der Etrusker
Die Herkunft der Etrusker ist bis heute unklar. Fest steht jedoch, dass sie im ersten Jahrtausend vor Christus im Gebiet zwischen Arno und Tiber siedelten und die erste Hochkultur auf italienischem Boden bildeten. Von den Römern als „Etrusci“ bzw. „Tusci“ bezeichnet, gaben sie der Region ihren Namen und hinterließen ihr zahlreiche Kunstgegenstände, vor allem aus Metall und Keramik. Bauliche Zeugnisse finden sich in erster Linie unterirdisch: Nekropolen mit teilweise erstaunlich gut erhaltenen Wandmalereien sind beispielsweise in der Umgebung von Sovana zu besichtigen. Das Museo Nazionale Etrusco in Chiusi besitzt eine der weltweit größten Sammlungen etruskischer Funde - die Stadt selbst war einst der Sitz des wahrscheinlich mächtigsten Führers der Etrusker. Und in der Nähe von Grosseto befindet sich mit Roselle eine ehemalige etruskische Siedlung, deren eindrucksvolle Stadtmauer fast vollständig erhalten und als Ausgrabungsstätte für Besucher bestens erschlossen und aufbereitet ist.
... die Wiege der Renaissance
Die Rückbesinnung auf Kunst und Kultur der Antike unter dem Einfluss des Humanismus im 15. und 16. Jh. war vor allem im äußerst wohlhabenden und mächtigen Florenz ausgeprägt. Auf die Werke des Renaissance-Dreigestirns Leonardo da Vinci, Michelangelo, und Raffael trifft man dort auf Schritt und Tritt. Auch die anderen großen Wegbereiter der Renaissance stammen aus der Toskana: Luca Signorelli aus Cortona, Piero della Francesca aus Sansepolcro, Masaccio aus San Giovanni Valdarno.
... eine Genussregion
Die toskanische Küche ist bodenständig und gern kräftig gewürzt. Pasta gibt es in allen Formen und mit allen möglichen Saucen. Vor allem in der Gegend um Montepulciano und Chiusi werden Pici angeboten, eine Art kurze, dicke Spaghetti, meist handgemacht. Eine Spezialität der Hauptstadt, aber nicht jedermanns Sache, sind Trippa alla Fiorentina, die Florentiner Kutteln, die mit Zwiebeln, Sellerie, Karotten und Tomaten zubereitet werden.
Den passenden Wein zum guten Essen liefert die Toskana gleich mit. Am bekanntesten ist der rubinrote Chianti, der sich, sofern innerhalb eines streng begrenzten Gebiets produziert, Chianti Classico nennen darf. Mit ihm konkurriert weiter südlich und ebenfalls aus der Sangiovese-Traube gekeltert der Vino Nobile di Montepulciano. Bei Kennern einen noch besseren Ruf genießt der auf einem Sangiovese-Klon basierende Brunello di Montalcino. Fisch wird gern von einem Weißen begleitet, z. B. einem Vernaccia di San Gimignano. Mehr Wein-Wissen siehe hier.
Sightseeing und mehr
Erlebnis Kultur
Großartige Bauten aus Mittelalter und Renaissance bestimmen das Stadtbild vieler toskanischer Orte. Dass die grandiose Architektur nicht auf ein, zwei Zentren konzentriert ist, hat mit der einstigen politischen Landschaft der Toskana zu tun. Florenz, Pisa, Siena & Co. - sie alle waren autonome Stadtstaaten, die sich in ihrer Bauleidenschaft gegenseitig zu übertrumpfen versuchten. Zeugnisse dieses Wettstreits sind die prächtigen Dombauten mit den typisch gestreiften Fassaden.
Die großen architektonischen Gesamtkunstwerke
Florenz: Politisch, kulturell und architektonisch die Nummer eins unter den toskanischen Städten. Hier arbeiteten die bedeutendsten Baumeister, Maler und Bildhauer der Renaissance, darunter Filippo Brunelleschi, Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael. Ihre Werke sind nicht nur im Stadtbild, sondern auch in den großen Museen der Stadt zu bewundern, allen voran in den Uffizien.
Siena: der spätmittelalterliche Gegenentwurf zur Renaissancestadt Florenz. In Sienas kultureller Blütezeit zwischen 1250 und 1350 sind unzählige Stadtpaläste im gotischen Stil entstanden. Prunkstück der sienesischen Städtebaukunst ist das Ensemble um den vielleicht schönsten Platz Italiens, die muschelförmige Piazza Il Campo mit dem majestätischen Palazzo Pubblico und dem hoch in den Himmel ragenden Torre del Mangia.
Pisa: Auch die einstmals mächtige Seerepublik ließ sich die Bauten auf dem Platz der Wunder einiges kosten. Das Ensemble aus Dom, Taufkirche und Glockenturm am Rande der Altstadt strahlt in hellstem Marmor, der Dom galt lange als monumentalster Bau der christlichen Welt. Weltberühmt wurde sein Glockenturm, der sich schon bald nach der Grundsteinlegung beträchtlich zur Seite neigte ...
San Gimignano: Das 7000-Einwohner-Städtchen wird auch Manhattan des Mittelalters genannt. Der Grund: Im mittelalterlichen Kern ragen noch 15 Geschlechtertürme in die Höhe, die in anderen toskanischen Städten längst verschwunden bzw. nur noch in Rudimenten erhalten sind. Die Türme waren kombinierte Wohn- und Verteidigungsanlagen der stadtbeherrschenden Familien, die sich untereinander meist nicht sonderlich grün waren: „Mein Haus, mein Turm, mein ...“
Drei aus der zweiten Reihe
Volterra: Die auf einem Bergrücken in 550 m Höhe thronende Stadt geht auf eine etruskische Siedlung zurück. Umgeben ist sie von einer robusten Stadtmauer, die von einer mächtigen Medici-Festung abgeschlossen wird. Innen herrscht Mittelalter pur, an der Piazza dei Priori steht der älteste erhaltene Kommunalpalast der Toskana.
Colle di Val d’Elsa: Hier „schwimmt“ die Altstadt wie ein mächtiges Schiff auf einem Tuffsteinhügel. Sie ist eine Mischung aus Mittelalter und Renaissance und selbst in der Hauptreisezeit eine Oase der Ruhe. Eine Etage tiefer liegt die modernere Unterstadt. Die Verbindung zwischen Geschichte und Moderne schafft ein Aufzug.
Pienza: Zwischen 1459 und 1462 ließ Papst Pius II. ein unbedeutendes Nest im Val d’Orcia zur città ideale umbauen. Das Ergebnis: eine Musterstadt der Renaissance mit klaren Linien, strenger Symmetrie und abgestimmten Proportionen. Wie bei allen großen Utopien ist jedoch nicht alles wie geplant verwirklicht worden. So ist es in gewissem Sinne tröstlich, dass Pienza neben seinen grandiosen Entwürfen auch ganz Profanes zu bieten hat: zum Beispiel den Pecorino di Pienza, einen vorzüglichen Schafskäse, den man in vielen Läden des Musterstädtchens für ganz gewöhnliches Geld kaufen kann ...
Drei aus Tuffstein
Keine ausgeklügelten architektonischen Entwürfe, sondern Beispiele urtümlichen Bauens am Fels bieten die Städtchen Pitigliano, Sorano und Sovana. Sie liegen im südlichsten Zipfel der Maremma, sind allesamt etruskischen Ursprungs und aus Tuff gemeißelt: Jedes Haus, jeder Torbogen und jede Treppe in den unfassbar engen, verwinkelten Gassen ist einen Blick wert.
Drei Klöster
Abtei San Galgano: Die Ruine des Zisterzienserklosters liegt ca. 35 km südwestlich von Siena auf der grünen Wiese. Aufgegeben wurde die Abbazia bereits 1783, danach diente sie den Bauern als Steinbruch. Die Reste strahlen heute buchstäblich „ruinösen Zauber“ aus.
Abtei Monte Oliveto Maggiore: Der wuchtige Backsteinbau inmitten einer grünen Zypressen-Oase ist für seinen Kreuzgang mit wunderbaren Renaissance-Fresken berühmt.
La Verna: Das Kloster trohnt majestätisch auf dem Monte Penna, dem Heiligen Berg der Toskana, mitten in der Berglandschaft des Casentino. In der Kirche kann man die Grotte bewundern, in der im 13. Jh. der heilige Franziskus wohnte und die Wundmale Christi empfangen haben soll.
Zypressen, Berge, Strände ...
Erlebnis Natur
Im Norden an der Grenze zur Emilia-Romagna ist die Toskana ein ziemlich gebirgiger, manchmal mitteleuropäisch wirkender Landstrich und ein anspruchsvolles Wandergebiet. Erst in Richtung Süden ist die Toskana so, wie wir sie kennen: mediterran, mit sanften Hügeln, akzentuiert mit Zypressen. Ganz unten, in der Maremma, einem ehemaligen Sumpfgebiet, wird es dann richtig flach.
Kulturlandschaft und Wildnis
„Natur“ ist in der Toskana ein relativer Begriff, schließlich wurde die fruchtbare Region spätestens von den Etruskern durchgängig besiedelt und urbar gemacht. Wildnis hat sich deshalb nur in den Sümpfen und unfruchtbaren Küstenstreifen wie der Maremma gehalten oder in unzugänglichen Bergregionen - in der Toskana sind das Teile des Apennin (von Nordwest nach Südost: Apuanische Alpen und Garfagnana; Mugello, Casentino) oder der Monte Amiata an der Grenze zu Umbrien.
Das, was im mitteleuropäischen Kopfkino als attraktive Toskana-Landschaft aufpoppt und im Aquarellkurs aufs Papier kommt, ist jedoch Nutzlandschaft, so die mit Wein bestandenen grünen Hügel des Chianti oder die bizarren hellen Erdhügel der Crete südlich von Siena - ein Erzeugnis extremer, menschengemachter Erosion. Selbst die Zypressen wachsen hier nicht natürlich, sondern stehen in Alleen in Reih und Glied und funktionieren oft auf der Zufahrt zu stattlichen Villen wie grüne Säulen als architektonische Elemente. Die Kunst der Renaissance - auch sie ein echtes Kind der Toskana - hat hier Pate gestanden mit ihrer Vorliebe für lange Fluchten, Zentralperspektive und Ordnung in der Natur. Anderswo meint „Kulturlandschaft“ nur die kultivierte Landschaft, in der Toskana steht dahinter wirklich eine Philosophie.
Nationalparks und Naturschutzgebiete
Gleich drei Nationalparks, drei Regionalparks und zahllose kleinere Naturschutzgebiete sind in der Toskana zu Hause (→ www.parks.it) - insgesamt sind etwa 10 % der Landfläche geschützt. Sie stehen für weitgehend intakte Natur, Wanderurlaub und sanften Tourismus. Hier eine Auswahl der schönsten Schutzgebiete:
Parco Nazionale Appennino Tosco-Emiliana: Das nordwestlichste Eck der Toskana ragt im Apennin bis auf etwa 2000 m auf (der größere Teil dieses Parks liegt in der Emilia-Romagna), es ist ein fast unbereistes Gebiet mit alpinem Charakter: Berge, Wälder und Wasserfälle. → www.parcoappennino.it sowie Lunigiana, und Garfagnana
Parco Nazionale delle Foreste Casentinesi: Ihn findet man im Osten der Toskana, nördlich von Arezzo. Seine Buchenwälder gehören zum Weltnaturerbe der UNESCO. → www.parcoforestecasentinesi.it
Parco Nazionale Arcipelago Toscano: Im Tyrrhenischen Meer steht ein Großteil des Toskanischen Archipels unter Schutz. 78 % dieses Parks sind Seefläche, 22 % erstrecken sich auf den sieben Inseln - von der größten Insel Elba gehört etwa die Hälfte zum Nationalpark. → www.islepark.it
Parco Regionale di Migliarino: Er erstreckt sich zwischen Viareggio und Livorno und bietet u. a. eine wirklich unverbaute Küste und Marschlandschaft. Dabei ist der Park gut erschlossen und mit Kindern beispielsweise per Minizug leicht zu erobern. → www.parcosanrossore.org
Parco Minerario Naturalistico Gavorrano: Bei Follonica wird man daran erinnert, dass Natur auch unter der Erde stattfindet. Die ehemalige Eisen- und Schwefelkiesmine ist UNESCO-Welterbe und absolut sehenswert.
Parco Naturale della Maremma: im Süden bei Albarese. Einst ein malariaverseuchter Riesensumpf, heute Uferwildnis, Büffelherden, vogeldurchschwärmte Marschen und Reisfelder. Im Hinterland steigt das Gebiet in den Monti dell’Uccelina bis auf 417 m auf. Herrlich zum Reiten, Wandern und Radfahren. → www.parco-maremma.it
Die schönsten Strände
Rund 340 Kilometer misst die Küste der Toskana. Die größten Badeorte liegen an der Apuanischen Riviera und in der Versilia, wo die Sonnenschirme der gebührenpflichtigen Bagni (Strandbäder) dicht an dicht stehen. Einsame Badebuchten am Meer findet man im Norden eher nicht - hier wird dem kollektiven Bade- und Flaniererlebnis gehuldigt.
Südlich von Livorno folgt die Etruskische Riviera, die bei der traumhaften Baratti-Bucht endet.
Nach der Landnase von Piombino zieht sich die ursprüngliche Maremma-Küste bis zur Halbinsel des Monte Argentario. Castiglione della Pescaiaist der wohlschönste Badeort am südlichen Küstenabschnitt, ein bei Italienern wie Deutschen beliebtes Fischerstädtchen.
Strände auf Elba: Die Insel wartet mit super Bademöglichkeiten auf, die von flachen Sandstränden bis zu kleinen felsigen Badebuchten reichen.
Tipps für den Familienurlaub
Die Toskana mit Kindern
Wenn Baden im Meer langweilig geworden, Niki de Saint Phalles schrill bunter Skulpturenpark erkundet und der italienische Verköstigungsdreiklang Pizza, Pasta, Gelato ausgereizt ist, müssen Eltern nicht gleich verzweifeln. Hier ein paar weitere Vorschläge, wie man kindliche Launen in Lachen verwandeln kann.
Agriturismo buchen!
Sicher, ein Hotel, eine Pension eine Ferienwohnung tun’s auch. Schöner sind Ferien auf dem Bauernhof. Agriturismi gibt’s in der Toskana in großer Zahl, viele davon mit Pool und Spielmöglichkeiten sowie allerlei Tieren zum Streicheln oder Ausreiten. Besonders zu empfehlen ist der familiäre Agriturismo Il Gelsomino mit Reiterhof, Schwimmbad und leckerem Essen bei Alberese (Grosseto).
Treno Natura: Mit der Dampflok unterwegs
Bis in die 70er schnaubte die Lok noch im regulären Verkehr durch die Crete Sinesi bis ins Val D’Orcia, heute dient sie als Museumsbahn und schlicht dem Vergnügen. Erwachsene genießen die Nostalgie und die vorbeiziehenden Landschaften, Kinder freuen sich am Gesamtpaket: ein dampfender Zug, aufmerksam erklärende Eltern, schrille Trillerpfeifensignale und, und, und. Ausgangspunkt der 140 km langen Strecke ist Siena, dann geht es über Asciano ins Val D’Orcia und schließlich über Monte Antico und Murlo wieder zurück nach Siena.
Auf den Spuren von Pinocchio
Die Kindergeschichten von Carlo Lorenzini wurden in 80 Sprachen übersetzt und erzählen die Abenteuer des hölzernen Bengels, dem beim Lügen immer eine lange Nase wächst. Im herrlich phantasievoll angelegten Parco di Pinocchio in Collodi sind alle Weggefährten Pinocchios versammelt: Man trifft auf Geppetto im Bauch des Wals ebenso wie auf Kater und Fuchs. Überragt wird die schöne grüne Anlage von einer 16 m hohen Figur des Helden selbst.
Haie füttern im Aquarium Mondo Marino
Schillernd-bunte Fische und anderes Meeresgetier gibt es in der „Meereswelt“ bei Massa Marittima zu bewundern. Anschließend besuchen Groß und Klein die Dinosaurier im Außenbereich - dort stehen respekteinflößende Nachbildungen der ausgestorbenen Land- und Wasserbewohner. Das Highlight ist und bleibt aber die Fütterung der nicht minder respekteinflößenden und quicklebendigen Haifische an jedem Mittwoch- und Freitagnachmittag!
Die Steinzeit erleben in Montevarchi
Auf die Spuren von Säbelzahntiger und Mammut begeben sich Nachwuchs-Paläontologen im Museo Paleontologico. Die riesigen Stoßzähne und Urtier-Knochen lassen Kindermünder offenstehen. Neben steinzeitlichen Funden aus dem Arnotal gibt es regelmäßig Angebote für Familien - von Schatzsuche bis Paleo-Yoga.
Baden in natürlichen Thermalbecken
Wannen mit warmem Wasser mitten in der Natur, dazu Wasserfälle und Sinterablagerungen weiß wie Schnee - braucht’s mehr, um Kinder einen ganzen Tag vom Meer wegzulocken? Es gibt viele dieser natürlichen Thermalbäder in der Toskana, so bei Bagni San Filippo im Val d’Orca.
Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte sein Bad aber eher bei der Cascata del Mulino nehmen, einem Ableger der berühmten Thermalbecken von Saturnia. Aber die Badeschuhe einpacken, die Steinchen in den Becken können kantig sein.
In Sarteano gibt’s außerdem ein herrliches, aus Mineralquellen gespeistes Schwimmbad, das an einen ebenso schönen und kindgerechten Campingplatz angeschlossen ist.
Durch die Unterwelt: Chiusis Schweizer Käse
Chiusi ist eine typische etruskische Siedlung auf einem Tuffsteinhügel mit verwinkelten Gassen und einem Top-Museum, sprich: für Kinder unspektakulär. Allerdings ist ebenjener Tuffsteinhügel durchlöchert wie ein Emmentaler, und das lässt die Sache in einem völlig anderen Licht erscheinen: Denn in den labyrinthartigen, engen unterirdischen Gängen kann man herrlich herumschleichen und sich auch ein bisschen wohlig fürchten. Und dann kommen die (kunstsinnigen) Eltern doch noch zu den fantastischen etruskischen Wandmalereien.
Austoben in Kletter- und Freizeitparks
Il Giardino Sospeso: Im Hochseilgarten bei Cecina turnt, balanciert, schwingt oder klettert man von Baum zu Baum. Mehrere Parcours in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Höhen beschäftigen nicht nur die Kleinen, sondern sind auch für Erwachsene eine Herausforderung.
Extra-Tipp Saltalbero Adventure Park: Der wirklich entspannte Abenteuer- und Kletterpark eine halbe Autostunde östlich von Siena kommt ohne Riesen-Hightech-Geräte und laute Musikbeschallung aus, sondern ist ein herrlich altmodischer Freizeitpark mit Minigolf, Pfeilchenwerfen, Picknickplatz, Volleyball- und Fußballfeld, Klettergarten in Baumwipfeln ... → www.saltalbero.it
Unterwegs in der Toscana
Florenz und der Norden
Die Wiege der Renaissance, weltberühmter Marmor, gut erhaltene mittelalterliche Altstädte, mondäne Badeorte und im Hinterland ganz viel Platz zum Wandern und Mountainbiken.
Sommer in Fiesole
Das Städtchen oberhalb von Florenz verwandelt sich von Juni bis August in eine Freilichtbühne, die von Künstlern aller Genres und aus aller Welt bespielt wird. Estate Fiesolana nennt sich die Veranstaltungsreihe - „Sommer in Fiesole“ - und ist einer von vielen guten Gründen, dem Ort einen Besuch abzustatten.
Der Norden der Toskana ist in erster Linie für Florenz bekannt, eine der meistbesuchten Städte Italiens. Aber auch die Bischofsstadt Lucca und die Küste der Versilia erfreuen sich regen Zulaufs. Wenig bekannt dagegen sind der hügelige Mugello, der „Vorgarten von Florenz“, und das zwischen zwei Gebirgszügen gelegene Tal des Serchio, wo vor allem Wanderer und Mountainbiker unterwegs sind. Gänzlich unbekannt ist die Lunigiana mit ihren abgeschiedenen Dörfern. Viele dieser Bergdörfer leiden unter Landflucht, der Tourismus ist dort nicht bedeutend genug, um für Prosperität zu sorgen. Wirtschaftlich dynamischer zeigt sich die Region entlang der Achse Florenz - Lucca. Das ist altes Industrieland, Textil- und Papierfabriken sowie Waggonhersteller haben hier bis heute ihren Sitz.
Was anschauen?
Florenz: Die Hauptstadt der Region Toskana ist Pflicht. Kunstliebhaber müssen den Uffizien einen Besuch abstatten, die Werke der Renaissancekünstler Da Vinci, Michelangelo und Raffael bewundern, den berühmten Dom besuchen oder die Grabkapellen der mächtigen Medici. Doch auch Besucher, die gerne shoppen oder ausgehen, kommen in Florenz auf ihre Kosten.
Carrara: In der Stadt des weltberühmten Marmors bieten sich spektakuläre Panoramablicke auf die hell leuchtenden Steinbrüche oben in den Apuanischen Alpen.
Viareggio: In diesem Badeort aus den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts begibt man sich auf eine Zeitreise. Die Strandpromenade ist von Jugendstil- und neoklassizistischen Fassaden gesäumt.
Pistoia: Im fruchtbaren Tal des Ombrone kann diese Stadt mit der angeblich größten Dichte an Baumschulen in Europa aufwarten - und einer gut erhaltenen mittelalterlichen Altstadt.
Lucca: Das mittelalterliche Städtchen gilt als der „kleine Vatikan der Toskana“, weil hier sage und schreibe 99 Kirchen und Kirchlein stehen. Viele von ihnen sind zwar längst zu Lokalen und Läden umfunktioniert worden - das tut ihrem Charme aber keinen Abbruch.
Was unternehmen?
Von Lucca ist es nicht weit bis Bagni di Lucca, wo einst Prinzen und Poeten die berühmten Kurbäder aufsuchten. Der alte Kurort ist heute das Eingangstor ins obere Serchio-Tal und in die Gebirgslandschaft Garfagnana. Letztere ist ein Paradies für Wanderer, die von hier aus den Apennin in Angriff nehmen.
Die Lunigiana, die man am einfachsten von der Autobahn Parma - La Spezia aus erreicht, weist ein Netz von wenig befahrenen Straßen auf, die zu den abgelegensten Dörfern der Toskana führen.
Wo baden?
Versilia-Küste: Hier herrscht Badetrubel. Von Marina di Carrara bis Viareggio verheißen Liegestühle und Sonnenschirme für die ganze Familie Spaß am Strand.
Was und wo essen und trinken?
In Florenz müssen jährlich 5 Millionen Besucher verköstigt werden. Entsprechend hoch ist die Dichte von Gaststätten, vom Fastfood bis zum Gourmettempel. Kulinarisches Glanzstück ist das Bistecca alla fiorentina. Ein kräftig gewürztes, gegrilltes Steak, 3-4 cm dick, rund 800 g schwer und von einer Person allein kaum zu schaffen. Den Selbstversuch startet man z. B. in der Trattoria Burrasca in der Nähe des Marktes.
Etwas ganz Besonderes sind die nostalgischen Kaffeehäuser von Florenz - Paszkowski, Gilli, Giubbe Rosse oder Rivoire. Hier schlürft man stilvoll den Caffè, nascht Käsekuchen und Schokoladiges oder stimmt sich bei einem Aperitivo aufs abendliche Essengehen ein.
Was sonst noch?
Open-Air-Oper: Giacomo Puccini ist nach Verdi der bedeutendste Opernkomponist des Landes. Wie wäre es mit einer Vorstellung der Oper „Madama Butterfly“ auf der Seetribüne neben seinem einstigen Wohnhaus am Lago di Massaciuccoli?
Kunst in Pietrasanta: In Carrara wird der Marmor gebrochen, in Pietrasanta wird daraus Kunst. Es gibt in dem Städtchen 30 km südlich von Carrara aber nicht nur Bildhauer, sondern auch tolle Bildergalerien und traditionelle Bronzegießereien mit internationalem Ruf. Im Museo dei Bozzetti können zahlreiche Entwürfe für Skulpturen bewundert werden, die in der ganzen Welt ausgestellt sind.
Florenzca. 380.000 Einwohner
Der Reichtum an Kunst und an Kultur überwältigt. Besonders die Zeugnisse der Renaissance-Architektur begegnen dem Betrachter auf Schritt und Tritt. Von außen eher schlicht gestaltet, zeigen sich die Gebäude innen umso prunkvoller.
Schlange stehen oder besser einen Cappuccino trinken?
Florenz liegt in einer weiten Flussniederung, die Altstadt drängt sich beiderseits dicht an das Ufer des trüben Arno. Weiter außerhalb im grünen Hügelland stehen jahrhundertealte Sommervillen. Wer die Stadt während der brütend heißen Sommertage besucht, wird Florenz weniger genießen - Kesselklima, Lärm, Abgase und, besonders seit die Kreuzfahrtschiffe aus Livorno Tagesausflügler ankarren, überall Heerscharen von Touristen. Von seiner angenehmsten Seite zeigt sich die Stadt im Frühling und Herbst, wenn von den Hügeln rundum kühle Luft durch die Straßen zieht und die Altstadt etwas weniger bevölkert ist.
Dem Besucher wird einiges geboten: Jazzkonzerte auf historischen Plätzen, Kammermusik in ehrwürdigen Palästen, am Fluss unter den Gewölben des Uffizien-Palasts warten Kunststudenten auf Kundschaft, um Porträts zu zeichnen. Ein Eldorado für Schmuckkäufer ist der Ponte Vecchio. Dicht an dicht reihen sich auf der ältesten Brücke der Stadt kleine Juweliergeschäfte zu einer einzigen Ladenzeile.
Die Zentren der Geschichte und der Kunst Italiens sind Rom, Venedig und eben Florenz. Florenz ist architektonisch allerdings nüchtern, seine Paläste wirken streng und ähneln oft eher Festungen als Prunkbauten. Und doch ist hier unendlich viel Interessantes zu entdecken - nicht nur in der Altstadt rund um die Piazza della Signoria und um die Piazza del Duomo. Fast ein Jahrhundert lang war die Stadt das geistig-kulturelle Zentrum des Abendlandes: Philosophie, Literatur, Wissenschaft und die Kunst der Renaissance blühten, das Bank- und Finanzwesen florierte, der Florin war die härteste Währung Europas. Die Bankiersfamilie der Medici überspannte den Kontinent mit einem Netz von Bankfilialen und Handelsniederlassungen.
Über 1 Million Menschen leben heute in der Region Florenz, die Bevölkerung in der Innenstadt nimmt aber ständig ab. Zählte man 1975 noch etwa 400.000 Einwohner in Florenz-Stadt, sind es heute nur noch etwa 380.000 - und damit weniger als 1952, als die Landflucht gerade begonnen hatte. Hohe Mieten und Lärm treiben die Menschen wieder aufs Land, Wohnungen werden lieber teuer an Touristen vermietet. Industrie gibt es nur in den nordwestlichen Randgebieten, die sich bis Prato hinziehen.
Touristen: Bei jährlich rund 15 Millionen Übernachtungen versiegt der Strom der Besucher nie, auch nicht in der „toten“ Jahreszeit, womit man hier vor allem die Wintermonate meint. Hauptaktionsgebiet ist das Dreieck zwischen Dom, Piazza della Signoria und Ponte Vecchio - in den Seitenstraßen daneben reißt die Besucherschlange schnell ab.
Am schwierigsten, eine Übernachtungsmöglichkeit zu ergattern, ist es um Ostern sowie ab Mai bis September. Daneben gesellen sich zu den Touristenmassen noch die Besucher wichtiger Messen, darunter „Pitti Immagine Uomo”, eine italienische Modemesse für Herrenbekleidung Mitte bis Ende Juni.
Kriminalität: Autoaufbrüche sind in den letzten Jahren seltener geworden, aber Taschendiebe oder Handtaschenräuber gibt es noch genug. Deshalb: Rund um den Bahnhof und Dom sowie bei großem Gewühle aufmerksam sein!