Schrifttexterklärungen

    Autor: Jakob Lorber


Herausgeber: Gerd Gutemann www.j-lorber.de


Cover: Annabelle Garcia Wisser www.annigrafik.com





Hinweise zu Autor, Herausgeber, eBook-Edition, Inhalt

Autor Jakob Lorber

Jakob Lorber (1800-64) war als Person einfach, bescheiden, hilfsbereit und großzügig. Er lebte schlicht in einfachsten Verhältnissen und schrieb unauffällig und zurückgezogen 25 Bände mit über 10.000 Druckseiten.

Seine verbal-inspirierte Schreibtätigkeit zwischen 1840-64 als 'Schreibknecht Gottes' ist von Inhalt, Bedeutung und Umfang für das Christentum bzw. die ganze Menschheit außerordentlich.

Als Prophet Gottes erfüllt Lorber eine Vielzahl von Vorhersagen Jesu aus dem biblischen Johannes-Evangelium: Jesus versprach, dass Er selbst (Joh.14,21) seine damaligen Lehren, Ereignisse, Heilungen, Zeichen und Wunder und viele weitere Inhalte und Vorhersagen in späterer Zeit noch viel ausführlicher (Joh.14,26; Joh.16,13) erneut durch Propheten offenbaren werde (Joh.14,21). Dies geschehe durch innerlich deutlich hörbare Worte (Joh.16,13), also wie durch ein Diktat. Das wieder oder neu Offenbarte werde unverhüllt-offen statt in schwer verständlichen Gleichnissen und Entsprechungen erfolgen (Joh.16,25).

Jede dieser biblischen Verheißungen Jesu hat sich durch Lorbers Niederschriften als Wahrheit erwiesen. Lorber erfüllt darüber hinaus viele weitere Kriterien eines echten Propheten Gottes. Vom Umfang und der Differenziertheit seiner Offenbarungen her gesehen dürfte Lorber damit der größte und wichtigste Prophet Gottes aller Zeiten sein.

Aus Lorbers Gesamtwerk stammt diese Veröffentlichung.


Herausgeber Gerd Gutemann

Als Herausgeber digitalisierte und veröffentlichte Gerd Gutemann die gesamten verbal-inspirierten prophetischen Werke Jakob Lorbers (1800-64) und Gottfried Mayerhofers (1807-77).

Als Autor publizierte er auf der Basis dieser Primärliteratur zahlreiche spirituell-religiöse Themen aus urchristlicher Lehre incl. prophetischer Vorhersagen für unsere Zeit. Auf seiner Homepage www.j-lorber.de sind sie einsehbar.

Viele seiner sonstigen Themen informieren über möglichst naturgemäße, breit wirksame, nebenwirkungsfreie und preiswerte Heilmittel sowie psychische und geistige Methoden, die sowohl der Stärkung des Immunsystems als auch der Vorbeugung und Behandlung von chronischen, akuten und infektiösen Krankheiten dienen können.

Eine Zusammenstellung dieser Mittel und Verfahren ist auf seiner Homepage www.vitaswing.de/index-gesundheit.htm zu finden.

Seine bisher ausschließlich in html-Format für Internetbrowser verfassten eBooks und sonstigen Beiträge macht er nun nach und nach auch für eReader im ePub-Format lesbar.


eBook-Editionshinweise 

Jakob Lorber schrieb 1843/44 verbal-inspiert nach innerlich gehörtem Wortdiktat 35 Schrifttext-Erklärungen nieder. 


In dieser eBook-Ausgabe wurden Anpasssungen an die heutigen Rechtschreibung ohne jegliche Inhaltsveränderungen vorgenommen. Dadurch sind die Texte leichter lesbar. Die automatische Vorlesemöglichkeit bei eBook-Readern wird dadurch deutlich verbessert. 

  

Inhalt

Diese Offenbarungen Jesu durch Jakob Lorber von 1843/44 enthüllen den tieferen geistigen Sinn von insgesamt 35 Schrifttexten aus dem Neuen Testament. Sie betreffen den darin verborgenen Sinn sowohl der Worte als auch der Taten Jesu. 

Wendet man diese Anleitungen und Interpretationshinweise auf die übrigen Bibeltexte an, gewinnt man mehr Klarheit, Einsicht und Verständnis auch für den inneren und geistigen Sinn der gesamten Heiligen Schrift.  


In allen hier erläuterten Schrifttexten weist Jesus immer wieder darauf hin, dass nicht das bloße Lesen der Bibel und Seiner Worte, sondern erst das Handeln danach zur geistigen Höherentwicklung und geistigen Wiedergeburt führt. Das tatkräftige Umsetzen von Jesu Lehre und neuen Offenbarungen  beweist, dass es Worte Gottes sind, die schon im Diesseits und erst recht im Jenseits ihre guten Früchte tragen werden.


1. Kapitel: Eine gute Regel zum nutzbringenden Lesen des alten und neuen Wortes

01] Meine lieben Kinder! Mit diesen folgenden 'Nacherinnerungen' (zu den 2 Bänden 'Geistige Sonne') will Ich euch eine gar wichtige und nützliche Regel geben, ohne die ihr euch durch die Lesung was immer für geistiger guter Bücher keinen Nutzen verschaffen könnt. Ihr mögt die Heilige Schrift, wie auch dieses neue Wort tausendmal nacheinander durchlesen, so werdet ihr aber dennoch ohne diese Regel stets auf dem alten Fleck stehenbleiben!

02] Ihr habt euch durch das öftere Lesen wohl euer Gedächtnis so recht gepfropft voll angestopft; fragt aber euren Geist, was er davon gewonnen hat, und seine stumpfe Antwort wird so lauten:

03] »Ich bin wohl chaotisch von allerlei Baumaterialien umlagert, und da liegen Balken und Steine bergartig übereinander; aber aus all diesen Baumaterialien ist noch nicht einmal irgendeine schlechte Keusche (Hütte, österr. Ausdruck) - erbaut, in der ich frei zu wohnen vermöchte! Ihr häuft zwar das Baumaterial fortwährend auf - lauter Edelsteine und das schönste Zedernholz liegt in plumpen Haufen vor mir -, und (aber) ich vermag es nicht zu ordnen! Und habe ich hie und da auch irgend angefangen, eine kleine Ordnung herzustellen, da führt ihr schon wieder eine kolossale Menge neuen Materials dazu, so dass ich notwendig in meiner Tätigkeit ermüden muss und am Ende beim Anblick der Größe des zu ordnenden Materials erschaudere und mit Wehmut denke, wann doch einmal all dieses Material zu einer Wohnung wird geordnet werden können!«

04] Seht, das ist eine ganz gründliche Antwort des Geistes, die ein jeder Mensch, der irgend viel gelesen hat, in sich selbst auf das allerklarste finden muss!

05] Wenn so jemand sein Leben hindurch ein paar tausend Bücher durchgelesen hat, welch ein Chaos hat er am Ende in seinem Gedächtnis! Und wenn es gut geht, so wird er nach einer solchen reichhaltigen Belesenheit mit genauer Not so viel hervorbringen, dass er jetzt erst einsieht, dass er nichts weiß.

06] Was aber ist dieses Geständnis? Es ist nichts anderes als eine und dieselbe wehmütige Klage des Geistes, der dadurch das sagen will, dass er bei dieser ungeheuren Menge des Baumaterials nicht einmal eine allerschlechteste Keusche zur freien Wohnung erbaut überkam!

07] So gibt es Menschen, die das Alte und Neue Testament von Wort zu Wort auswendig können; fragt sie aber um den inneren Sinn nur eines einzigen Verses, so werden sie da gerade soviel wissen wie diejenigen, die nicht einen einzigen Vers auswendig können, ja oft kaum wissen, dass da eine Heilige Schrift existiert! - Was nützt also denen dieses herrliche Material?

08] Der Geist wohnt nur im Geistigen; kann ihm aus diesem Material nicht einmal eine schlechte Keusche erbaut werden im inneren Geist der Wahrheit, wo soll er dann wohnen, wo seine Rechnung führen, und von welchem Punkt aus soll er das Material zu ordnen anfangen?!

09] Ist es denn nicht besser, weniger Material zu besitzen, aus demselben aber für den Geist sogleich eine kleine respektable Wohnung zu erbauen, damit der Geist dann einen festen und freien Platz bekommt, von welchem aus er seine nächsten Pläne machen kann und verwenden nach denselben ein neu anlangendes Material?!

10] Was wird ein Acker wohl für ein Gesicht bekommen, wenn er auch das beste Erdreich ist, so ihr tausenderlei Samen, in der größten Unordnung durcheinander gemengt, zu gleicher Zeit auf denselben aussät? Die Samen werden richtig aufgehen; aber zu welchem Nutzen für den Sämann? - Fürwahr, das Erträgnis (Ertrag) dieses Ackers wird kaum für eine schlechte Fütterung des Viehs taugen! Die stärkeren Pflanzen werden die schwächeren ersticken, das Unkraut wird wuchern, und das Weizenkorn wird nur hie und da sparsam und sehr verkümmert und brandig zum Vorschein kommen!

11] Aus diesem aber geht hervor, dass überall, wo für euch ein Nutzen heraussehen soll, eine Ordnung bewerkstelligt werden muss, ohne die ihr Dornen, Disteln, Kraut und Rüben durcheinanderbaut, was euch nimmer irgend nützen kann.

12] Worin aber besteht diese Ordnung?

13] Wenn ihr einen geläuterten Weizen habt, so sät ihn auf einen reinen und guten Acker, und ihr werdet eine reine und gute Ernte bekommen.

14] Wer da eine gute Baustelle hat und hat Material dazu, der warte nicht, bis er eher (erst) einen überflüssigen Haufen Baumaterial zusammen bekommen hat, bis er dann erst sein Haus zu bauen anfangen möchte; denn er wird sich mit dem großen Haufen Baumaterial am Ende den ganzen Bauplatz voll anführen (anfüllen)!

15] Und so dann der Baumeister kommen wird und wird ihn fragen: »Freund, an welcher Stelle willst du denn das Haus aufgeführt haben?«, was wird er ihm dann entgegnen? - Sicher nichts anderes als: »Da, Freund, wo der große Haufen des Baumaterials liegt!«

16] Und der Baumeister wird zu ihm sagen: »Warum ließest du denn dieses Material auf dem Bauplatz zuvor aufhäufen, bevor wir den Plan gemacht und den Grund gegraben haben? - Willst du nun das Haus auf dieser Stelle haben, so musst du all dieses Material eher (zuvor) zur Seite schaffen und musst den Platz ganz frei machen; dann erst werde ich kommen, werde den Platz ausmessen, den Plan entwerfen, darnach den Grund graben lassen und am Ende erst das Material prüfen, ob es durchaus zur Erbauung deines Hauses taugt!«

17] Seht, aus diesem Gleichnis könnt ihr schon ziemlich klar entnehmen, wie wenig jemandem eine große Belesenheit nützt, wenn er mit derselben nicht in der wahren Ordnung fortschreitet!

18] Worin aber besteht diese wahre Ordnung? - Diese wahre Ordnung besteht ganz einfach darin, dass ein jeder eine jede neue Ladung oder Überkommung des Materials sogleich zu einem Wohngebäude zu ordnen anfängt und nicht eher nach einer zweiten Ladung greift, als bis er die erste verarbeitet hat. Auf diese Weise wird er in seinem Bau rasch vorwärtsschreiten und wird um denselben immer genug freien Raum haben, auf welchem er in guter Ordnung ein hinlängliches neues Baumaterial aufschichten kann.

19] Auf deutsch und ganz verständlich gesagt aber besteht diese Ordnung darin, dass jeder nach dem Gelesenen sogleich tätig werde und sein Leben darnach einrichte, - so wird ihm das Gelesene nützen, im Gegenteil aber schaden; denn jeder sei nicht nur ein purer Hörer des Wortes, sondern ein Täter desselben!

20] Nächstens der Erinnerungen mehr!


2. Kapitel: Ein Einwand und seine Widerlegung

01] Es wird zwar jemand hier sagen: »Solches ist ganz richtig, dass man nur durch ein tatsächliches Lesen (Tätigwerden danach) die wahre Frucht des Lesens ernten kann; aber wenn jemandem so viel Material gegeben wird, so kann man es ja doch des Tuns wegen beiseite stellen und davon nur so viel lesen, wovon man überzeugt ist, dass man es in die Tätigkeit aufnehmen kann?!

02] Man bedenke nur die große Masse des Gegebenen in der Heiligen Schrift des Alten wie des Neuen Testaments, dann daneben die übergroße Masse wahrhaft geistig-exegetischer (erklärender) Bücher! Wenn man alles das nur nach dem Grad der Tätigkeit lesen würde, fürwahr, da möchte man wohl sein ganzes Leben hindurch im höchsten Fall kaum mit ein paar Kapiteln fertig werden!«

03] Ich aber sage: »Die Sache von diesem Standpunkt betrachtet, hat der Einwender freilich wohl recht; denn wenn man nur so viel und nicht mehr lesen möchte, als von wieviel man umständlich überzeugt ist, es tatsächlich auszuüben, dann freilich wären noch ein paar Kapitel zu viel! Aber diese Sache von einem andern Standpunkt aus betrachtet, wird des gegebenen Materials nie zu viel, und der Leser kann alles Gelesene sogleich in die Tatsächlichkeit umwandeln!

04] Denn man könnte ja auch beispielsweise sagen: So irgendein Landmann im Besitz eines großen Stückes guterdigen Ackers ist, der ihm eine hundertfältige Ernte abwirft, warum besät er denn den ganzen Acker?! Ein Zehntel desselben trägt ja so viel, was der Landmann für seinen Bedarf vonnöten hat!

05] Ich frage aber: Wenn dieser Landmann den ganzen Acker besät mit gutem Korn und der Acker bringt ihm hundertfältige Ernte, davon ein Zehntel zu seinem Unterhalt genügt, werden ihm darum die überflüssigen neun Zehnteile zum Schaden sein? - O sicher nicht! Denn die Hälfte von dem Überfluss kann er an Dürftige verteilen, die ihm dafür überaus dankbar sein werden, und die andere Hälfte des Überflusses kann er auf den Markt bringen; und da es ein gutes Getreide ist, so wird er viele Käufer finden, die es ihm um vorteilhafte Preise abnehmen werden, und er kann dann mit dem gewonnenen Geld sein anderes Hauswesen bestellen und wird dadurch ein ansehnlicher und reicher Landmann werden.

06] Nun seht, aus diesem Beispiel geht klar hervor, dass, so jemand in sich einen guten Acker hat und hat dazu des guten Samens in großer Menge, da soll er in der Aussaat nicht sparsam sein! Denn wer reichlich sät, der wird auch reichlich ernten; wer aber sparsam sät, der wird sparsam ernten! Und was braucht es denn dazu? Wenn einmal nur das Erdreich des Ackers gut bearbeitet ist, so mögt ihr auf demselben noch so viel guten Kornes aussäen, und es wird dennoch kein Korn zugrunde gehen in dem guten Erdreich, sondern ein jedes Korn wird seinen reichlichen Halm schießen!

07] So ist es auch in dieser Sache, was eben durch das Lesen die geistige Aussaat des Wortes betrifft!

08] Zur Bearbeitung des geistigen Bodens braucht der Mensch nicht mehr als die zwei Gebote der Liebe; mit diesen bearbeitet er gar leicht seinen geistigen Acker. Ist dieser bearbeitet, dann kann jeder so viel in desselben Erdreich säen, als er nur immer kann und mag; oder er kann so viel des guten Gegebenen lesen, als er nur irgend desselben sich in gerechter Menge verschaffen kann - die ganze Heilige Schrift und alle auf dieselbe Bezug habenden Erklärungen, und er wird nichts aus allem dem in sich aufnehmen, was ihm nicht eine reichliche Ernte abgeben sollte.

09] Denn der Unterschied zwischen dem unfruchtbaren und dem fruchtbaren Lesen besteht in dem:

10] So jemand z.B. sich durch das alleinige Lesen möchte bearbeiten und erwecken, so gleicht dieses Unternehmen gerade dem, als so da jemand möchte auf einem unbearbeiteten Acker, der weder gedüngt, noch gepflügt ist, den Samen ausstreuen. Werden da nicht alsbald die Vögel aus der Luft kommen und denselben in kurzer Zeit zum großen Teil auffressen?! Und wird ein geringer Teil, der unter das Unkraut den Ackers fiel, nicht alsbald von selbem erstickt werden, auf dass da am Ende zur Zeit der Ernte auch nicht ein Korn in einen Halm geschossen irgendwo zu erblicken sein wird?!

11] Da (wenn) aber der Sämann oder der Leser keine Ernte seiner Mühe erblickt, wird er da nicht missmutig und verwünscht endlich den Acker und all das gesäte Korn, das ihm zu keiner Ernte ward?!

12] Auf Deutsch gesagt: Solche Menschen werden dann ungläubig, fallen von der ganzen guten Sache ab und halten sie an Ende für einen puren Betrug.

13] Aber ganz anders ist es, so da jemand früher (vorher) durch die wahre Liebe Mir und dem Nächsten seinen Geist lebendig oder vielmehr aus Mir heraus frei gemacht hat und hat eben dadurch seinen Acker gehörig gedüngt und gepflügt; der liest dann die Schriften Meiner Gnade und Erbarmung nicht, damit diese ihn zu einem guten Acker erst bearbeiten sollen, sondern er liest sie aus dem Grunde, um Mich, der Ich in ihm den Geist durch seine Liebe zu Mir erweckt habe, fortwährend von Angesicht zu Angesicht mehr und mehr zu beschauen und dadurch auch möglicherweise stets mehr und mehr zu wachsen in der Liebe zu Mir und daraus zum Nächsten.

14] Wird er in diesem Fall nicht jedes Wort von Mir lebendig finden und ewig wahr, so er in sich selbst vorher schon lebendig ist?! Ist er aber nicht vorher in sich selbst lebendig, wird da nicht selbst das lebendigste Wort in ihm ertötet werden?!

15] Werft Goldstücke in eine stinkende Pfütze, und das grobe schweflige Salz der Pfütze wird die Goldstücke auflösen und sie ebenfalls in den schmutzigen Schlamm verwandeln; werft aber im Gegenteil unedlere Metalle in eine echte Goldtinktur, so werden sie alle am Ende dem edlen Gold gleich werden!

16] Seht, so ist es auch gerade hier der Fall! Durch das Lesen Meines Wortes, wie durch das Anhören desselben, kann ein jeder Mensch für sich und seine Brüder einen unermesslichen Gewinn überkommen, wenn er sich selbst zuvor durch die Beachtung der zwei Gesetze zu einer Goldtinktur umgewandelt hat; wenn er aber noch eine Pfütze ist, da werden noch so viele in dieselbe geworfene Goldstücke sie (die Pfütze nämlich) sicher nicht zu einer Goldtinktur machen.

17] So heißt es ja auch: »Der da hat, dem wird's gegeben werden, dass er in der Fülle habe; wer aber nicht hat, der wird aber auch (noch) verlieren, was er hat!« (Matthäus.13,12) Unter 'haben' wird hier verstanden: im Besitz eines guten, gedüngten und gepflügten Ackers sein oder in sich selbst sein ein vollkommenes Gefäß, voll der echten wahren Goldtinktur, welche da ist ein freier lebendiger Geist. Unter 'nicht haben' aber wird verstanden: einen Samen auf ein unbearbeitetes Feld streuen, wodurch der Sämann nicht nur keine Ernte zu erwarten hat, sondern er verliert auch den Samen, den er ausgestreut hat; oder es heißt auch: in sich eine grob schwefelsalzhaltige Pfütze sein, welche nicht nur nimmer zu einer Goldtinktur durch das hineingeworfene Gold umgewandelt werden kann, sondern es geht das Gold, das hineingeworfen wurde, noch obendrein rein verloren.

18] Ich meine, das dürfte doch so ziemlich klar sein, - oder wer beim Licht dieser Fackel die Wahrheit noch nicht ersieht, der dürfte wohl schwerlich je von seinem Augenstar befreit werden! Da aber, wie schon gesagt, der blinde Mensch des Lichtes nie zu viel hat, so will Ich auch bei der Gabe dieser Sonne noch gegen das Ende das Licht aller Zentralsonnen auf einen Punkt zusammenziehen, damit sich in solchem allerheftigsten Licht um so klarer wird entnehmen lassen, wer da im Ernst ganz vollkommen blind ist! - Nächstens darum solcher Nacherinnerungen mehr!


3. Kapitel: Gleichnis vom klugen und unklugen Bauherrn (Matthäus.07,24-27)

01] Im Neuen Testament lest ihr ein Gleichnis folgenden Inhalts von einem klugen und wieder von einem unklugen Bauführer: Der eine baute sein Haus auf einen Felsen und der andere auf lockeren Sand. Und ein Sturmwind kam, und ein Platzregen fiel. Das Haus auf dem Felsen trotzte beiden; aber das Haus auf dem Sand ward zugrunde gerichtet.  (Matthäus.07,24-27)

02] Wer dieses Gleichnis nur von ferne hin betrachtet, der muss ja auf der Stelle zwei Zentralsonnen auf einen Blick erschauen!

03] Wem gleicht denn wohl der kluge Bauführer? - Sicher demjenigen, der sich früher durch die bekannten zwei Gebote vollkommen fest gestellt hat! Und wenn dann die Stürme und die gewaltigen Regen kommen, so können sie dem Bauführer nicht nur nichts anhaben, sondern sie befestigen sogar sein Haus auf dem Felsen; denn die Winde trocknen das Gemäuer des Hauses recht aus und machen es durstig nach einer Befeuchtung. Kommt dann der Regen, so saugt er sich in die trockenen Wände des Hauses ein, löst hier und da an den Fugen die Teilchen auf, diese werden klebrig und verbinden bei öfterer Wiederholung solcher Szene das Mauerwerk immer fester und fester miteinander.

04] Naturmäßige Beispiele von dieser Wahrheit findet ihr an jeder alten Burgruine, welche oft Jahrhunderten trotzt; und wenn sie etwa irgend abgerissen werden sollte, da bricht man leichter ein frisches Gestein als ein solches Gemäuer ab. Die Ursache davon ist der Regen, der durch seine auflösende Kraft gewisse Teile des Steines in eine kalkig-klebrige Masse verwandelt und dadurch das ganze Mauerwerk mit der Zeit zu einem Ganzen verbindet.

05] Und seht, so steht es auch mit einem durch die Gesetze der Liebe geweckten Menschen! Er ist ein Gebäude auf einem Felsen. Die Winde, die da kommen und ans Gebäude stoßen und dasselbe trocken und durstig machen, sind die edlen Begierden, stets mehr und mehr den Urheber aller Dinge zu erkennen, um in solcher Erkenntnis in der Liebe zu ihm wachsen zu können. Der darauf folgende Platzregen sind die Werke, die der Durstige zu lesen bekommt. Gar begierig saugt er diese in sich und wird allezeit darnach gewahr, wie durch deren Einfluss die noch leeren, unverbundenen Klüfte in ihm nach und nach ausgefüllt und zu einer Feste gemacht werden; und je mehr der Platzregen da auf dieses Gebäude niederfällt, desto fester auch wird nach einem jeden Platzregen das Gebäude.

06] Aber von welch ganz anderer Wirkung sind die Winde und Platzregen bei dem Gebäude, das da in der Tiefe auf lockerem Sand auferbaut ward! Wenn da die Winde kommen und stoßen an das locker stehende Gebäude und erschüttern dasselbe und dann das Gewässer kommt, welches der Platzregen verursachte, so ist es mit dem Gebäude auch zu Ende. Denn die Winde zerstoßen das häufig schon geritzte Gemäuer, an dessen Ritzen und Sprüngen der schlechte Grund die Ursache ist; und kommt dann das Gewässer, so reißt es das ganze Gebäude mit leichter Mühe nieder und spült es in irgendeinen nahen Strom des Verderbens.

07] Ich meine, das dürfte doch auch zentralsonnenhaft klar sein! Denn ein Mensch, der von einer geistigen Vorbereitung nicht einmal eine Ahnung hat, muss doch offenbar zugrunde gehen, wenn er aus der Absicht die geistigen Winde und den geistigen Platzregen über sich kommen lässt, damit diese aus ihm ein festes Gebäude oder einen festen, geistig-weisen Menschen machen sollten!

08] Gebt einem entweder ganzen oder doch wenigstens halben Weltmenschen die Bibel in die Hand, und sagt zu ihm: »Freund! Da lies fleißig darin, und du wirst das finden, was dir abgeht: einen verborgenen Schatz, nach dem du immer fragst, bestehend aus Gold, Silber und Edelsteinen, welcher ist ein vollkommenes Leben deiner Seele!«, - und dieser Freund wird auf dieses Anraten sich gleich irgendeiner Bibel bemächtigen und wird sie mit großer Aufmerksamkeit lesen.

09] Aber je begieriger und je aufmerksamer er dieses Werk lesen wird, auf desto mehr äußere Widersprüche wird er auch stoßen und wird bald zu seinem Freund sagen: »Freund, ich habe nun das von dir angeratene Buch wenigstens schon sechs- bis siebenmal durchgelesen; aber je öfter und je aufmerksamer ich es durchlese, auf desto mehr Widersprüche und Unsinn komme ich auch! Was soll es mit all diesem bunten Firlefanz, was mit diesen mysteriösen Prophetien, die gerade so viel Zusammenhang zu haben scheinen als der Chimborasso in Amerika mit dem Himalajagebirge in Asien?

10] Dass diese zwei Berge sicher auf einer und derselben Erde stehen, das ist klar; so stehen auch ähnliche Prophetien in einem und demselben Buch, das ist auch klar. Aber wie solche prophetischen Stellen sinnreich zusammenhängen, oder wie allenfalls der Chimborasso durch den ganzen Mittelpunkt der Erde mit dem Himalajagebirge in Asien zusammenhängt, solches zu ermitteln wird schwerlich einem irdischen Naturforscher gelingen, solange er noch das Feuer fürchtet und für seinen mäßigen Durst am großen Gewässer des Meeres einen zu mächtigen Löschapparat findet.

11] Ich kann dir sagen, mein lieber Freund und Bruder, wie ich dieses Buch das erste Mal durchgelesen habe, da kam es mir im Ernst vor, als hätte es irgendeinen verborgenen weisen Sinn; aber je öfter und je kritischer aufmerksam ich es darauf wieder durchlas, desto mehr überzeugte ich mich auch, dass dieses ganze Buch nichts anderes ist als eine allerreichhaltigste Schatzkammer des allerkrassesten Unsinns! Denn abgerechnet einige praktikable alte Weisheitssprüche, drängt ein Unsinn den anderen, und die alleinigen wenigen Sprüche, welche geradewegs wohl auch nicht das reinste Gold sind, abgerechnet, ist dieses ganze Buch ganz dazu geeignet, der Dummheit der Menschen seiner mystischen Form wegen noch einen Jahrhunderte langen Unterhalt zu verschaffen!«

12] Aus diesem Räsonnement (vernünftigen Erwägung) könnt ihr hinreichend entnehmen, was die Winde und dieser Platzregen aus der Bibel bei unserem weltlichen Sandgebäude für einen Effekt gemacht haben. Ist ein solcher Mensch von einem Sandgebäude aber einmal so zerstört, dann sammle ihn zusammen, wer ihn will; denn Ich und alle Meine Engel finden eine solche Arbeit als eine der allerschwierigsten, und es ist leichter, zehntausend Menschen von allen Gassen und Straßen zum großen Gastmahl des Lebens hereinzubekommen als einen einzigen solchen Menschen, der mit der Lesung der Bibel auf einen Ochsenkauf ausging.

13] Wie es sich aber mit der Lesung der Bibel verhält, geradeso verhält es sich mit der Lesung aller ihrer inneren, geistigen Exegesen (Auslegungen, Erklärungen). Denn da wird ein jeder sagen: »Wenn das ihr Sinn ist, warum ist sie denn nicht so abgefasst?«

14] Und gebt ihr ihm den Grund ihrer bildlichen Form auch noch so klar an, so wird er euch dafür nur ins Gesicht lachen und wird sagen: »Nach der Tat lässt sich leicht prophezeien! Denn jeder Unsinn lässt sich drehen und wenden wie ein Teig, und man kann aus ihm formen, was man will; denn das Chaos ist der Grund aller Dinge, - aus ihm lässt sich mit der Zeit alles formen! Aber warum nicht eine Prophezeiung so geben, wie sie tatsächlich geschieht? Der Grund ist: weil man das im voraus nicht wissen kann; daher gibt man dann einen mystischen Unsinn, aus dem sich dann jede Tat formen lässt, die in der Zukunft erfolgt!«

15] Das ist dann auch das Endurteil, welches durch keine Zentralsonnenmacht mehr wohl erleuchtet aufgehoben werden kann. - Ich meine, das wird auch klar sein; aber dessen ungeachtet wollen wir noch mehrere Zentralsonnen zusammenbringen. Nächstens darum wieder eine Zentralsonne mehr!


4. Kapitel: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, außer durch Mich.« (Johannes.14,06)

01] Wird es wohl schwer sein, noch eine Zentralsonne hierher zu zitieren? O nein, nicht im geringsten! Denn wir dürfen nur einen jeden nächsten besten Text aus dem Buch des Neuen Testaments hierher setzen, und eine neue Zentralsonne ist vor euch mit demselben Urlicht und mit derselben Kraft und Wirkung desselben! Zum Beispiel: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater - außer durch Mich.« (Johannes.14,06)

02] Seht, da haben wir gleich eine Zentralsonne! Wer deren Licht in sich erschauen kann, der wird in solcher Beleuchtung sicher einsehen, dass durch das absolute Lesen soviel wie nichts ausgerichtet ist zum Gewinn des ewigen Lebens.

03] Der Vater ist doch sicher die ewige Liebe in Mir, wie Ich in allem Meinem göttlichen Wesen von Ewigkeit her vollkommen in ihr bin; denn Ich und der Vater sind eins, oder Ich und Meine ewige Liebe sind eins, oder wie die Liebe in ihrer Weisheit lebendig wohnt ewiglich, so wohnt auch die Weisheit in der Liebe, aus der sie hervorgeht, ewiglich.

04] Der Vater oder die Liebe ist das Grundleben alles Lebens; wer nicht zu diesem lebendigen Urborn alles Lebens zurückkommt, der bleibt tot und kann nirgends woanders ein Leben überkommen.

05] Wo aber ist die Tür zum Vater? Und wer ist diese Tür? Sind es die vielen Bücher und Schriften, die jemand liest, oder bin Ich es?

06] Ja, man wird hier bessererseits wohl gleich einstimmen und wird sagen: »Ja fürwahr, wenn man die Lehre Christi genau durchprüft, so kann man nicht leichtlich mehr einer anderen Meinung sein als allein der nur, dass man nur allein durch die Befolgung dieser Lehre ein ewiges Leben für Geist und Seele erreichen kann; und in dieser Hinsicht ist ganz richtig, was Christus von Sich ausgesagt hat, dass nämlich Er allein der Weg, die Wahrheit und zugleich das Leben selbst ist!«

07] Und Ich aber sage euch fürwahr: »Es gibt Tausende und abermals Tausende, die ein solches Bekenntnis ablegen, und das aus dem Grund ihrer guten Einsicht; und dennoch sage Ich: Sie sind tot und haben weder den Weg, die Wahrheit, noch die Tür und das Leben gefunden!«

08] Man wird hier sagen: »Diese Sache klingt grob und schonungslos! Wie lässt sich so etwas von der allerhöchsten Liebe Gottes hören?! Was kann der Mensch mehr tun, als durch den Fleiß seines Studiums zur vollkommenen Einsicht von der großen Wahrheit und Göttlichkeit des großen Lehrmeisters zu gelangen?! Was Höheres kann der Mensch wohl tun, als so er die wahre, höchste, heilige Würde des göttlichen Wortes evident zu erkennen strebt und durch seinen Fleiß auch wirklich erkennt?!«

09] Ich aber sage: Das ist einerseits wohl wahr, - es ist sicher besser, so etwas zu tun, als alles zu verwerfen und dann dem Hochmut der Welt zu frönen; aber in der Schrift heißt es auch: »Es werden zu der Zeit Viele zu Mir sagen: »Herr, Herr!«, und dagegen heißt es dann, dass Ich zu ihnen sagen werde: »Weicht von Mir; denn Ich habe euch noch nie erkannt!«