Wichtiger Hinweis: Dieses Buch und seine Inhalte können nicht für Diagnosen, Behandlungen oder Therapien herangezogen werden. Sie ersetzen nicht den ärztlichen Rat oder die Konsultation eines autorisierten Therapeuten. Die Inhalte dieses Buches wurden von den Autoren mit äußerster Sorgfalt erstellt und nach bestem aktuellem Wissensstand und Gewissen erarbeitet. Sie erheben aber keinen Anspruch auf Alleingültigkeit. Es können neben dem Aufgeführten auch andere Darstellungen des jahrtausendealten Qi Gong existieren.

Eine Haftung der Verfasser bzw. des Verlages und aller Beauftragten für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ist ausgeschlossen. Die in diesem Buch vorgestellten Inhalte sind für Interessierte zur Information und Weiterbildung gedacht.

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Lutz-Michael Weiß / Heike Oelrich-Poracos

Beratung und Logistik: Prof. Dr. Marion Bergk, Berlin / Prof. Dr. Hans Helmut Eger, Hamburg / Kerstin Kreßner - Meilenstein.ORG, Berlin

Lektorat: Hartmut Renner, Berlin / Ute Giese, Heidelberg

Korrektorat: Prof. Dr. Marion Bergk / Berlin, Hartmut Renner, Berlin

Fotografie/Grafik: Lutz-M. Weiß, Berlin / Heike Oelrich-Poracos, Berlin / Kerstin Kreßner, Berlin

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN: 978-3-753-43175-8

Mit diesem Buch richten wir uns im Besonderen an Menschen

mit Krebsdiagnose.

Es wird die fantastische Heilungsgeschichte

nach einer als unheilbar diagnostizierten Krebserkrankung

von dem Autor Lutz-Michael Weiß beschrieben.

Die alternative,

komplementäre Methode der chinesischen Medizin

– das Guolin Qi Gong –

wird durch Lutz-Michael Weiß und Heike Oelrich-Poracos vorgestellt.

Den betroffenen Lesern und Leserinnen möge dieses Buch aufzeigen,

dass es auch unter schwierigsten Umständen sehr wohl möglich sein kann,

wieder gesund zu werden.

Wir müssen wissen und vertrauen:

Krebs gehört glücklicherweise zu den durchaus heilbaren Krankheiten.

Inhalt

MEINE LEBENSGESCHICHTE

Meine Lebensgeschichte

Von immer großer Wissbegierde geleitet, habe ich mich morgens regelmäßig in Berlin durch alle Staus und Hindernisse auf den Weg gemacht, um pünktlich meiner Tätigkeit in einem großen Unternehmen im Nordwesten der Stadt nachzugehen. Vielschichtig war meine Arbeit in den großen Werkshallen mit Tausenden von Mitarbeitern. Ich war zuständig für Qualitätsmanagement, Teambildung und Moderationsaufgaben für Verbesserungsprozesse, Risikomanagement und Problemlösungsworkshops – in den neunziger Jahren durchaus noch unbekannte, aber gerade deshalb interessante, herausfordernde Themen für mich.

Die Kollegen kamen gerne auf mich zu, ich war für alles offen, hörte zu, war optimistisch und hatte sowohl für alltägliche als auch für große Probleme gerne eine Lösung parat. Auch die Chefs mochten mich, spürten, dass sich etwas Neues auftat, und sie gaben mir alle gestalterischen Freiheiten. Meine visionäre Herangehensweise war in dem Unternehmen noch relativ unbekannt und weckte das – anfangs vorsichtige – Interesse vieler Mitarbeiter, die bereits an Veränderungen interessiert waren, aber noch keinen Eingang in das Wesen von Innovationen und Verbesserungen gefunden hatten.

Neben methodischen Projektmanagementtools und -methoden hatte ich gegen viele anfängliche Schwierigkeiten nichts Geringeres als die Teamarbeit eingeführt und das so erfolgreich, dass zu meiner eigenen Überraschung Projekte erheblich schneller und mit wesentlich geringeren Kosten abgewickelt werden konnten. Bei milliardenschweren Umsatzzahlen war das ein erheblicher Gewinn. Man fragte mich diesbezüglich gern um Rat, den ich jederzeit gerne gab, ich war offen und nett, wohl angezogen, etwas weitblickend schon. Alles war im Fluss, alles lief von alleine. Der Erfolg meiner Tätigkeit gab mir Recht. Ich gönnte es mir, einige wohl dotierte Angebote abzulehnen, da ich den klassischen Karriereweg nicht gehen mochte.

Zu diesem Zeitpunkt, so mit ungefähr 43 Jahren, war ich dann wohl auf dem Höhepunkt meines Lebens angekommen und lernte meine zukünftige Frau kennen. Früh morgens, beide frisch „aufgebrezelt“, ich im Jackett, sie im netten Kleidchen, begegneten wir uns im tiefen Kreuzberg SO36 vor meiner Haustür auf der Straße. Wohl beide auf dem Weg zur Arbeit – da trafen sich unsere Blicke – zoom! Vier Jahre später waren wir verheiratet.

Das war gleichzeitig die Zeit, in welcher wir beide auch ein Maximum an Arbeitsleistung erbrachten. Ich in meinem Job: Betreuung der Projektteams, umfangreiche Qualitätsmanagementaufgaben, verantwortlich für das projektbezogene Risikomanagement mit einem Umfang von mehreren Milliarden DM, Schulungsleiter für die Implementierung des Total Quality Managementprozesses (TQM) in das Unternehmen, gleichzeitig Lehrbeauftragter an der FH Berlin und bei der Deutschen Telekom, Moderator für Verbesserungs- und Qualitätszirkelgruppen an verschiedenen deutschen Standorten – Vollstrom. Zusätzlich gründete meine damalige Frau ein Call-Center, in welches ich umfangreich involviert war. Zugleich stand die Geburt unseres Sohnes Daniel bevor, ein Tagesablauf ohne Pause, ein Ereignis folgte unablässig auf das andere.

Meine Lebensenergie mochte ich in vollem Maße verausgaben ...

Alles floss, es gab keine Hindernisse, ich stand mit 48 Jahren in meiner vollen Kraft und das Universum war offensichtlich mit mir. Die wilden Kreuzberger Nächte durften übergangslos bis hin zum morgendlichen Flieger vom Flughafen Tempelhof aus ungebremst ausgiebig und lang sein. Alle Aufgaben konnten unter einen Hut gebracht werden. Intern stellte ich mir allerdings ab und an die Frage, wie lange das wunderbar heftige Leben in dieser extremen Form eigentlich noch gut gehen könne? Wirklich bekümmert hat mich die Frage aber nicht, Konsequenzen habe ich keine gezogen. Warum sollte ich, der ja Veränderungsprozessen zugeneigt war, an meinem Leben etwas ändern, es war mein Leben, mein Lebensstil. Sicherlich war mir bewusst, dass Stress, Rauchen, wenig Schlaf und die zahlreichen weiteren reichlich bekannten gesundheitsgefährdenden Dinge schädlich sind – aber doch nicht bei mir!

Genau richtig gespürt, aber nicht gehandelt. Irgendwann war es zu viel des Guten, die vielen Aufgaben übermannten mich. Ich war für alles zuständig: Die Absprachen mit dem Betriebsrat über die Weiterbildungsseminare der Mitarbeiter am Wochenende, die Entwicklung und Gestaltung der Schulungsinhalte, die Durchführung organisatorischer Maßnahmen wie die Buchungen für Reise und Hotel, die Moderation bis hin zur Dokumentation. Dazu gesellten sich wenig Schlaf, schweres Essen, und auch die klassischen Bierchen sollten nicht fehlen. Ach ja, nebenbei, also in meiner Freizeit, war ich dann mit dem Aufbau eines Kundenkontaktcenters beschäftigt. Dafür mussten Finanzen beschafft, die Räume gebucht, Schreibtische, Rechner und Schränke organisiert, die Mitarbeiter geschult werden, ebenso musste die Telefonanlage verkabelt, die Software erstellt und das Abrechnungswesen und die Einsatzplanungen der über dreihundert Mitarbeiter organisiert werden.

Ich führe das nicht auf, um meine Leistungen hervorzuheben oder mich zu produzieren. Ich schreibe über meinen Lebensstil, um darauf aufmerksam zu machen, dass man entgegen gutem Glauben, besserem Wissen oder auch mangelnder Einsicht ungewollt gesundheitsschädigende Prozesse verursachen kann, welche dann möglicherweise irgendwann in einer Krankheit enden. Das ist den Menschen oft gar nicht zutiefst klar, obwohl sie wissen, dass Rauchen, alkoholische Getränke, das Verzehren von rotem Fleisch, Sonneneinstrahlung, Stress und viele weitere Förderfaktoren (Seite →) Krebs auslösen können. Und der Grund dafür ist oft, dass wir wegschauen, solange wir gesund sind, solange es geht. Damit muss Schluss sein. Wir müssen angesichts der umfangreichen katastrophalen Umstände, die unser Leben vergiften, wieder die Kontrolle über unsere Gesundheit erlangen. Schon ein Normalgewicht, gute Ernährung und regelmäßige Bewegung können erheblich zur Gesundheit beitragen. Es ist so einfach, wenn man es nur möchte.

Meine Erkrankung

Wenn sich der Akku leert ...

Wie ich heute weiß, war meine Lebensenergie, im Chinesischen auch „Qi“ genannt, durch meine damaligen exzessiven Lebensumstände fast aufgebraucht. Es stellten sich auch äußerliche Anzeichen ein. Einige mir nahe stehende Kollegen fingen an, sich um mich zu sorgen: „Sie sehen aber heute blass aus, Herr Weiß“. Und sie hatten Recht. Innerlich spürte ich, dass etwas nicht stimmte, aber was? Aber weiter so, durchhalten, war nun die Devise. Es nutzte aber nichts, ich war drin im Hamsterrad. Langsam, aber kontinuierlich leerte sich mein Akku. Deutlich spürbar: Meine Energie ließ stetig nach. Von Jahr zu Jahr. Zuerst stellten sich kalte Füße, kalte Hände ein, eine mir unbekannte Energielosigkeit machte sich breit. Konzentrationsschwierigkeiten, Tinnitus, Lustlosigkeit, die Übersicht ging verloren, die Gedanken plapperten unerträglich und immerwährend, auch nachts. Es war nur noch kalt in meinem Bett, in meinem Körper. Alle Decken, Wärmflaschen, Sonnenspender, Heizöfen, Fußbäder und heißen Tees brachten keine wirkliche dauerhafte Abhilfe. Ein einbestellter Wünschelrutengänger konnte keine störenden Signale oder Wasseradern in den Wohnungsräumen finden.

Mögliche Gründe für diese Symptome konnte ich mir damals schon selbst vorstellen: Mein Immunsystem war nicht mehr leistungsfähig, meine Körperenergie lag nahe am Nullpunkt. Vielleicht eine gute Voraussetzung für meinen Krebs, welcher sich ungebremst in meinem Körper ausbreiten konnte. Ich befand mich nicht mehr im Gleichgewicht.

Abb. 1: Wenn die Kälte einzieht ...

Meine Erkrankung kam krebstypisch schleichend einher. Nach anfänglich mehreren unerklärlichen Entzündungen im Rachenbereich und geschwollenen Lymphknoten wurde dann im Herbst 1997 in einem Berliner Krankenhaus, in dem ich zwei Wochen weilte, meine unheilbare Krebserkrankung, Morbus Waldenström, diagnostiziert. Dabei handelt es sich um eine maligne Lymphomerkrankung, welche mit relativ wenigen Symptomen langsam fortschreitet, solange nichts unternommen wird. Meine Lebenszeit sollte noch ein Jahr betragen, so die knappe Mitteilung der Ärzte, und sie zeigten mir – „Herr Weiß, schauen Sie mal aus dem Fenster“ – unten im Hof die Sozialstation, auf der ich mich schlau machen sollte, wie ich die letzten Monate Lebenszeit mit meiner neuen Situation umzugehen habe. Ich konnte in diesem Moment diese fürchterliche Diagnose kaum überschauen, wusste nicht, was nun auf mich zukommen würde. Ich nahm die Diagnose zur Kenntnis, erstaunlicherweise relativ entspannt und nicht besonders überrascht. Ich konnte mir im Gegensatz zu den Ärzten zu keinem Zeitpunkt vorstellen, dass es mich in kürzester Zeit, schon nach einem Jahr, erwischen sollte. Das mag sich jetzt vermessen anhören, aber mir war innerlich bewusst: „Das bekommst du hin.“ Eine neue Herausforderung stand an. Eine andere eben, eine neue, mal wieder. Wie ich dieser Herausforderung begegnen sollte, wusste ich noch nicht. Das machte auch nichts, ich vertraute mir erst einmal zutiefst – und das sollte richtig sein.

Mir war klar, mit dem Job, mit den Aufgaben – das war erstmal vorbei. Du bist krankgeschrieben, vieles wird sich ändern. Der Gedanke ging mir durch den Kopf, neue Chancen, Vorhaben können sich auftun. Ich fühlte mich trotz der schwierigen Lage physisch und psychisch überraschenderweise gut. Auch fand ich es attraktiv, meine beruflichen Tätigkeiten nach dem jahrelangen übermäßigen Einsatz auch mal ruhen zu lassen, wenn auch nicht freiwillig. Solche Gedanken, nicht mehr in die Firma zu gehen, hatte ich zuvor gar nicht im Fokus. Ich hatte schon wieder tausend Ideen und Pläne im Kopf, welche ich nun realisieren könnte an meinen freien Tagen, denn die Krankheit war ja noch nicht so weit fortgeschritten. Aber nun hatte mir die Krankheit einen Riegel vorgeschoben und ich respektierte das, verarbeitete mein Thema auf verschiedene Art und Weise. Meine Gedanken kreisten zwischen Angst darüber, was zukünftig kommen mochte, gepaart mit der Freude, Raum und Freiheit für meine tiefsten Träume zu haben. Ich verließ das Krankenhaus, ging beim Pförtner vorbei, winkte diesem zu und ging mit meiner schrecklichen Diagnose in eine ungewisse Zukunft.

Im Laufe des folgenden Jahres stellten sich dann zunehmend deutliche Verschlechterungen ein, die Krankheit griff, wie von den Ärzten prognostiziert, zunehmend um sich. Mir ging es fortlaufend schlechter. Die Lymphknoten schwollen am Hals, unter den Achseln und im Unterbauch heftig und sichtbar an. Sie drückten mir in Folge auf die Nervenbahnen, unterbrachen wohl die Nervensignale zu den Muskeln, was dazu führte, dass das Laufen nur wenige Meter weit und nur unter heftigen Schmerzen möglich war. Der Gang vom Taxi in die nur 30 Meter entfernte Krankenhausaufnahme war endlos lang und wurde zur Tortur. Die Krankheit offenbarte nun immer mehr ihre schreckliche Seite, was mich aber zu keinem Zeitpunkt veranlasste, an meiner anstehenden Genesung zu zweifeln. Ich blieb zuversichtlich.

... alles ist nicht so schlimm – ich werde die Krankheit überstehen ...

Genau in dieser Phase konnte ich durch einen Tipp von meinem Freund Peter erstmalig in meinem Leben einen chinesischen Meister treffen, Meister Wu, welcher viel Erfahrung im Heilwesen besitzen soll. Meister Wu und seine Frau untersuchten mich mit ihren Methoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, der TCM, und ließen mich eine 10-minütige Übung durchführen, welche meinen Körper so kräftig durchschüttelte, dass ich schweißgebadet war, mich aber erstaunlicherweise sehr wohl fühlte nach dieser „Dusche“. Ich vernahm von ihm die Worte, dass alles nicht so schlimm sei, und dass ich die Krankheit überstehen werde! Helfend trüge dazu bei, bestimmte Übungen aus der TCM regelmäßig durchzuführen, welche er mir zeigte. Was für eine Botschaft! Endlich war ich von der schulmedizinischen Last, nur noch kurze Zeit leben zu können, durch diese Zweitmeinung befreit. Meine eigenen Vorstellungen wurden bestätigt, ich war entzückt, Freude und Zuversicht stellten sich ein! Ich sollte Meister Wu Jahre später wieder treffen, dazu an anderer Stelle mehr.

Im November 1998 musste ich trotz meiner TCM-Übungen, welche ich mit Leidenschaft, aber leider nur rudimentär durchführen konnte oder wollte, wieder ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nun sollte es wohl mit einer ersten möglichen schulmedizinischen Therapie ernst werden. Ich hatte mich lange gegen einen Krankenhausaufenthalt gewehrt, nur der gemeinsame Druck meiner Hausärztin und eines Professors aus der Charité beendeten das – welch ein Glück. Meine Nierenwerte, so sollte sich zeigen, waren fürchterlich, die Gedanken waren verschwommen, ich befand mich wohl zeitweise im Delirium. Möglicherweise habe ich alles Weitere, wie die regelmäßig anfallenden Untersuchungen, auch nicht mehr wirklich wahrgenommen. Ich ließ mit mir geschehen, ich hatte Vertrauen in meine Ärzte. Es folgte dann eine erste klassische Chemotherapie, welche mir schon nach wenigen Tagen wunderbar half. Die geschwollenen Lymphknoten bildeten sich zurück, das Laufen wurde wieder möglich, ich konnte die Treppe wieder alleine gehen. Welch ein Glück, alles schien gut.

Schien aber nur „gut“ zu sein. Das Erfolgserlebnis war nur von kurzer Dauer, es war trügerisch. Nach einem Jahr stellten sich die gleichen Probleme wieder ein. Therapeutisch folgten dann über einen Zeitraum von fünf Jahren, jeweils im jährlichen Abstand, zwei weitere klassische Chemotherapien (CHOP) und zwei autologe Knochenmarktransplantationen (KMT) mit eigenen Stammzellen. Eine allogene KMT mit den Stammzellen eines Fremdspenders hatte ich abgelehnt.

So saß ich, ohne mir wirklich darüber im Klaren zu sein, in der Falle einer Behandlung, welche mir weit entfernt von einer Heilung erschien. Nach diesen fünf Rezidiven (Rückfällen) in fünf Jahren konnte ich nicht mehr wirklich glauben, dass mir diese ärztlichen Chemo-Prozeduren noch irgendwie helfen sollten. So zeigte auch die letzte Knochenmarktransplantation Anfang 2003 keine Verbesserungen mehr auf. In der Leber wurden nun zusätzlich zwei walnussgroße Einschlüsse festgestellt. Die Lage war nach Ansicht von Marburger Ärzten, bei denen ich mir eine Zweitmeinung einholte, „schwierig bis aussichtslos“, mit unter 5 % Heilungsaussicht. Der Grund: Die Art der Erkrankung, mein Alter und die nun schon fünf Jahre währende Chemo-Vorgeschichte.

Auch aus diesem Grund habe ich die bereits geplante allogene Fremdspender-Knochenmarktransplantation mit dem Blut eines vorhandenen Spenders kurzfristig einen Abend vor der Bluttransfusion wegen einer möglichen folgenden Abstoßungsproblematik abgelehnt. Ich entschied mich für die autologe Eigenbluttherapie – zum Entsetzen der Ärzte, welche nun auf mich gar nicht mehr so gut zu sprechen waren, da ihnen ein Brief aus Marburg vorlag und es offenkundig wurde, dass ich mir eine Zweitmeinung eingeholt hatte.

Die zweite autologe KMT wurde durchgeführt. In Folge hatte sich zusätzlich, trotz umfangreicher Sterilisationsmaßnahmen, eine nicht in den Griff zu bekommende Lungenentzündung eingestellt, die sich zunehmend verschlimmerte, wie die fast täglich neu erstellten Röntgenbilder zeigten. Diese Kombination aus Krebs und Lungenentzündung ist wohl ein Klassiker, ich hatte nun zwei erhebliche Krankheiten am Hals. Ich sollte wohl nicht mehr nur meiner Krebserkrankung erliegen[46], sondern auch einer Lungenentzündung? Das war wohl naheliegend. Die Krankenschwestern schauten mich sehr freundlich, aber auch schon mitleidig an.

In dieser heftigen Belastungssituation geriet ich in die erste wirklich schwierige Lage, ahnte die Aussichtlosigkeit meiner Situation. Heute weiß ich, dass ich zu diesem Zeitpunkt das erste Mal „erwachte“. Glaubte ich noch jahrelang an die Heilwirkung der Chemotherapie, tauchten nun leider viel zu spät bei mir Bedenken auf und ich fragte mich, um was es hier eigentlich ging. Nach fünf Jahren spürte ich erstmals, dass keine schulmedizinische Hilfe mehr in Sicht war, dass Gefahr drohte! Mir wurde jetzt erst bewusst, dass ich schon lange nicht mehr auf Heilung, sondern nur noch auf eine Lebenszeitverlängerung hin behandelt wurde.

Fünf Jahre mit viel Hoffnung und ewiger Zuversicht. Vor allem mein Sohn hatte mich in dieser langen Zeit mit seiner Natürlichkeit am Leben erhalten. Nun war ich erschlagen ob der Verläufe, die schulmedizinisch keine Heilung mehr aufzeigen sollten. Die fünf Chemos hatten wohl mein Leben verlängert – aber mehr nicht. Ich wollte das alles nicht mehr ertragen – nicht das Liegen, nicht das dauernde Zähneputzen, nicht den verkeimten Atemtrainer, nicht die endlos langen Zuführungsschläuche mit den verschiedenen Infusions- und Chemomischungen, in die ich mich nachts verwickelt hatte, nicht die Blutabnahmen, nicht das Röntgen/CT/MRT/PET, nicht die Dauerkatheder, nicht die fürchterlich brennende Mundspülung mit Wasserstoffperoxid, um die abgestorbenen Zellen aus dem Mund zu befördern, nicht das sich wiederholende inhaltslose Käse- und Salamibrot, nicht den schlappen Tee, nicht die Nacht, nicht den Morgen. Schluss, aus[46]! Meine damalige Frau Anne brachte mich – und dafür ewigen Dank – in dieser sehr entscheidend kritischen Phase zu der Einsicht und Vernunft, den Lebensfaden nicht loszulassen.

Mein Heilungsweg

Genau in diesem Moment der Verzweiflung tauchte im Krankenhaus wie aus dem Nichts mein alter Freund Peter auf, der mir von einem sogenannten „Guolin Qi Gong“ berichtete, das Menschen mit Krebserkrankung helfen könnte. Ich habe mir den Zettel, auf dem ich die unsichere, kritzelige Notiz machte, bis heute aufbewahrt.

Abb. 2: Diese kurze Notiz „Guolin Qi Gong“ brachte mich 2003 auf den richtigen Weg

Abb. 3: Siebzehn Jahre später sieht mein Qi Gong-Schriftzug entspannter, fließender und harmonischer aus

Den Vorschlag mit diesem „Guolin Qi Gong“ nahm ich aufmerksam auf. Mit Yoga, Feldenkrais, ja auch mit Qi Gong hatte ich schon Kontakt, schon davon gehört und es auch ein wenig praktiziert. Mir war bekannt, dass solche alternativen Methoden die Gesundheit fördern können.

Ich hatte mir einen Plan zurechtgelegt ...