Die Suche nach dem passenden Beruf ist auch eine Suche nach dir selbst. Es ist wie eine Schatzsuche. Am Ende weißt du im besten Fall nicht nur, welchen Beruf du anstreben willst, sondern vor allem, wer du bist und was dich ausmacht.
Endlich ist die Schule geschafft! Aber was kommt jetzt? Wie und wo möchtest du einmal arbeiten? Was begeistert dich und was macht dir Angst? Wie wichtig ist dir Karriere und wie grenzt du dich von den Erwartungen anderer ab?
In diesem Buch geht die preisgekrönte Journalistin Anja Reumschüssel Fragen wie diesen nach, die dir dabei helfen können, deinen eigenen Weg zu finden. Und oft lohnt es sich dabei, um die Ecke zu denken!
Carlsen Klartext – Aktuelles aus Gesellschaft und Politik, das uns alle angeht.
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Vita
»Was willst du mal werden?«
Im Kindergarten oder in der Grundschule hast du bestimmt ganz locker auf diese Frage geantwortet:
Astronautin!
Kindergärtner!
Lokführerin!
Tierarzt!
Oder auch einfach nur: »Weiß ich noch nicht.«
Und heute? Da geht es dir wahrscheinlich wie so vielen anderen jungen Menschen und du antwortest auf diese Frage eher mit Bauchschmerzen. Oder einem resignierten Schulterzucken.
Denn inzwischen weißt du ja, dass man nicht so leicht Astronautin wird, dass Erzieher viel zu wenig verdienen und Tierärztinnen Tieren nicht nur helfen, sondern sie manchmal auch einschläfern oder vor dem Schlachten begutachten müssen. Und du weißt auch: Die Berufswahl ist eine gigantische Entscheidung, die dein ganzes Leben beeinflusst. Wählen sollst du dabei aus mehr als 300 Ausbildungsberufen1, aus rund 20000 Studiengängen2 und unzähligen weiteren Möglichkeiten.
Dir ist klar: Der Beruf, den du wählst, entscheidet darüber, wie viel du später verdienst, welche (finanziellen) Freiheiten du hast, welchen Platz du in dieser Gesellschaft einnimmst, was deine Mitmenschen später von dir denken. Oder eben nicht. Und dein Beruf entscheidet auch mit darüber, wie glücklich du bist.
Selbst wenn du schon weißt, was du werden willst, spürst du vielleicht trotzdem diese Angst: Werden meine Noten gut genug sein, wird mein Schulabschluss ausreichen? Werde ich später einen Arbeitsplatz bekommen – und behalten? Und was, wenn ich mich heute falsch entscheide und mir der Job später doch keinen Spaß macht?
Diese wichtige Entscheidung über deine Zukunft sollst du dann auch noch in einer Zeit treffen, in der dir ganz andere Dinge im Kopf herumschwirren. Vielleicht bist du zum ersten Mal oder gerade wieder verliebt, vielleicht fühlst du dich müde und traurig, vielleicht hast du Stress mit Eltern und Freunden, vielleicht interessierst du dich gerade viel mehr für Sport, Partys oder Computerspiele. Außerdem – und da bist du nicht allein – wissen junge Menschen meist noch nicht so viel über das Leben und sich selbst, um abschätzen zu können, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben.
Da kann man schon Bauchschmerzen kriegen.
Aber so schlimm ist die Berufswahl gar nicht. Jedenfalls nicht, wenn du dir Zeit nimmst, dich vorbereitest und (ganz) viel (aber nicht zu viel) nachdenkst. Dabei soll dir dieses Buch helfen. Es richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die vor dieser Herausforderung stehen: Was will ich mal werden? Bankkauffrau? Förster? Doktorandin? Mitarbeiter im Familienunternehmen? Oder einfach nur glücklich?
Du hast die Wahl – und diese Wahl ist ein riesiges Geschenk! Über Jahrhunderte stand meist schon bei der Geburt fest, was ein Mensch einmal werden würde. Ein Mädchen wurde später Mutter und Hausfrau oder auch Nonne, Hebamme oder Kinderfrau. Vor nicht allzu langer Zeit konnten Mädchen dann Lehrerin, Krankenschwester oder Näherin werden. Jungen erlernten in der Regel den Beruf ihres Vaters. Wenn sie nach Freiheit suchten, konnten sie in manchen Zeiten zur Armee gehen oder zur See fahren, wer entsprechend begabt war und aus einer reichen Familie stammte, konnte studieren, wurde Jurist, Professor oder auch Künstler. Aber kaum jemand konnte sich frei entscheiden, was sie oder er werden wollte.
Das änderte sich in Europa und den USA erst vor rund 150 Jahren mit Beginn der Industrialisierung. Die sozialen Unterschiede nahmen ab, ab etwa 1900 durften auch Arbeiterkinder zur Schule gehen, Anfang des 20. Jahrhunderts konnten auch in Deutschland Frauen endlich bis zum akademischen Berufsabschluss die Universitäten besuchen. Noch heute hängt die Berufswahl in vielen Ländern stark davon ab, welche Schulbildung die Eltern bezahlen können, welches Geschlecht das Kind hat und wie dringend es selbst schon früh Geld verdienen muss.
Du dagegen hast die historisch einmalige Gelegenheit, dir deinen Beruf selbst auszusuchen.
Vielleicht denkst du jetzt: Aber meine Noten sind nicht gut genug! Meine Familie hat nicht genug Geld, um mich bei einem Studium zu unterstützen! Oder einfach: Die Entscheidung ist trotzdem schwer, ich wünschte, jemand anders würde sie für mich treffen.
All das schauen wir uns in diesem Buch an. Welche Wege du nach dem Schulabschluss einschlagen kannst. Woher du die Informationen für eine selbstbewusste Entscheidung bekommst. Was du tun kannst, wenn dein Abschluss oder deine Noten für deinen Wunschberuf nicht ausreichen oder deine Eltern ein Studium nicht unterstützen (können). Immer wieder kommen auch Menschen zu Wort, die ihren Weg schon gegangen sind und sich für einen Beruf entschieden haben.
Dieses Buch soll dich motivieren, dir Gedanken über dein Leben zu machen – und darüber, womit du es verbringen willst.
Immer geht es um die große Frage: Was willst du werden? Der Weg zu einer Antwort führt über dich. Denn die Frage »Was will ich werden?« geht einher mit der Frage »Wer bin ich?«. Die Suche nach dem passenden Beruf ist also auch eine Suche nach dir selbst. Es ist wie eine Schatzsuche. Am Ende weißt du im besten Fall nicht nur, welchen Ausbildungsweg du einschlagen und welchen Beruf du anstreben willst, sondern vor allem, wer du bist, wer du sein willst und was dich ausmacht.
Um das herauszufinden, schauen wir uns an, wer oder was bei deiner Berufsfindung eine Rolle spielt. Das sind viele Einflüsse von außen, zum Beispiel deine Eltern, Freunde oder die Filme, die du schaust. Das sind aber auch viele Einflüsse, die aus dir selbst kommen, deine Interessen, deine Fähigkeiten oder dein Blick auf dich selbst und das Leben.
Außerdem gibt dir dieses Buch einen Überblick über die vielen Möglichkeiten, mehr über die Berufe zu erfahren, die dich interessieren. Und du wirst lernen, was du sonst noch tun kannst, wenn du deine Zeit nach dem Schulabschluss erst einmal anders verbringen willst oder du deinen Wunschberuf kennst, aber nicht weißt, wie du ihn erreichen kannst.
Du musst dieses Buch nicht von vorn nach hinten lesen. Vielleicht weißt du über manche Themen schon gut Bescheid oder sie interessieren dich einfach nicht. Vielleicht magst du erst einmal wissen, was du tun kannst, wenn dir deine Entscheidung doch nicht mehr gefällt (S. 173), wie du am besten eine Bewerbung verfasst (S. 206) oder was die Berufswahl mit der Frage nach deinem Geschlecht zu tun hat (S. 106)? Dann stöbere einfach in diesem Buch, wie es dir gefällt.
Wenn du gleich loslegen magst mit deiner Suche nach dem passenden Beruf, kommt hier noch ein Tipp, auch wenn der jetzt sehr nach Hausaufgaben klingt: Lege dir einen Ordner zu (so einen richtigen, aus Pappe) und hefte dort alle Notizen und Infoblätter ab, die dir wichtig sind. Ein Ordner auf dem Computer (oder Smartphone) kann auch nicht schaden, denn viele Infos gibt es online. Vielleicht hilft dir auch ein Programm (zum Beispiel »Evernote« oder »Nimbus Note«), in dem du Links, PDFs und Notizen sowohl auf dem Computer als auch in der App auf dem Smartphone speichern kannst.
Am Ende der nächsten Kapitel findest du eine Liste von Fragen, die dir helfen sollen, eine möglichst freie und bewusste Entscheidung über die nächsten Schritte in deinem Leben zu treffen. Nimm dir Zeit für diese Fragen, notiere dir ein paar Antworten, lass diese Überlegungen durch deinen Kopf rotieren, geh damit spazieren oder schlafen. Oft kommen einem die besten Ideen, wenn man entspannt ist und nicht zu angestrengt nachdenkt.
Bereit? Dann lass uns loslegen! Es wird eine spannende Reise. Um nicht völlig orientierungslos draufloszugehen, schauen wir uns auf den nächsten Seiten zunächst ein paar Grundlagen an. Es geht darum, mit wem du da eigentlich unterwegs bist (denn du bist nicht allein auf dieser Reise), es geht um den Fahrplan deiner Reise und darum, warum die Entscheidung für einen Ausbildungsweg gerade jetzt in dieser Lebensphase so schwer ist oder wie du am besten vorgehst, wenn du an einer Kreuzung stehst und dich für viele verschiedene Wege entscheiden kannst. Aber lass uns zuerst schauen, wo du eigentlich unterwegs bist, wie die Landkarte der Ausbildungswege aussieht. Du bewegst dich ja nicht auf unerforschtem Terrain, den passenden Beruf haben vor dir schon unzählige junge Menschen gesucht. Und viele Wege führen zum Ziel.