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Vorwort

Liebe Leser,

das Deutsche Dampflokerbe - gehen wir von trockenen deutschen Gesetzen aus, ist das Thema „Erbe“ eindeutig geregelt: Mit dem Erbfall geht gem. § 1922 BGB das gesamte Vermögen des Erblassers an die Erben über. Die Realität der Dampflokomotiven sah zwar anders aus, war aber verwandt: Auf den verschiedensten Wegen gelangten in den letzten 150 Jahren Dampflokomotiven der Deutschen Staats-, Privat- und Werkbahnen ins Ausland, teils über massive Umwege und unter den unterschiedlichsten Bedingungen: Vom klassischen Kauf über Beschlagnahmungen und Kriegsbeute bis hin zu Entwicklungshilfe war alles dabei. Von diesen tausenden an Dampflokomotiven sind mindestens (!) 367 weltweit außerhalb Deutschlands erhalten. Manche sehr präsent für deutsche Eisenbahnfreunde, manche völlig aus dem Fokus verschwunden.

Ob alle hier in diesem Buch gezeigt werden? Sicherlich nicht. Zu oft habe ich vor allem in Osteuropa in Wäldern, zwischen nie geräumten Minenfeldern oder auch einfach vergessen in Lokschuppen am gefühlten Ende der Welt Dampflokomotiven vorgefunden, die seit Jahrzehnten als verschrottet oder verschollen galten. Die wahrscheinlichsten Kandidaten für ein Überleben bis heute sind in einem separaten Artikel am Ende des Buches aufgezählt. Natürlich werden Lokstatistiker beim Lesen auf die Barrikaden springen und im Abgleich mit ihren Daten sofort intervenieren. Doch eine Statistik nach Hörensagen bringt alles nichts, wenn vor Ort plötzlich ein herrlicher großer Metallhaufen auftaucht und eine weitere tot geglaubte Lok im Dornröschenschlaf vor den eigenen Augen in Vorschein tritt.

Ich lade Sie ein, diese Reise um die Welt mitzugehen. Und vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit, mit diesem Buch in der Hand in Thailand, Russland oder der Türkei (um nur einige zu nennen) im Dialog mit den örtlichen Eisenbahnern die deutsche Geschichte der längst „vererbten“ Exponate gemeinsam zu erörtern.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen,

Ihr Bastian Königsmann

Bastian Königsmann (*1982), gelernter Eisenbahner, machte 2003 Schlagzeilen mit der Umwandlung von Bahnhöfen in Serviceoasen und war danach für viele Jahre in leitender Position in der Aus- und Weiterbildung von Bahnpersonal tätig. Inzwischen erfüllt er sich seine Kindheitsträume und ist sowohl als Triebfahrzeugführer wie auch als Berufspilot rund um die Welt unterwegs. Er engagiert sich im interkulturellen Austausch mit Eisenbahnern aus der Türkei, Polen, Bosnien-Herzegowina und Rumänien. Nach dem Versuch seines ersten Kesselfeuers beschloss er, die Arbeit auf der Dampflok aber doch lieber den Profis zu überlassen. Er wohnt mit zwei bahnverrückten Kindern in Mittelfranken. Nach seinem Erstlingswerk „Dampfloktechnik heute“ über die immer noch täglich im Einsatz befindlichen Dampflokomotiven in Bosnien-Herzegowina veröffentlichte und übersetzte er zahlreiche Museumsführer im In- und Ausland. Mit seinem Standardwerk „pomnik parowóz - die polnischen Denkmaldampflokomotiven“ schaffte er es erstmals in die Top-10 der Bestsellerlisten.

Inhaltsverzeichnis

1. Grundlegendes

1.1. Grunddefinition: Was ist eine „deutsche Dampflokomotive“?

1.2. Auslandsverbleibe durch Kriege

1.3. Auslandsverbleibe – die Shoppingtouren der Museen

1.4. Grundprinzip: Lokbezeichnung

2. Die Verteilung

2.1. Tabelle: Erhaltene deutsche Dampflokomotiven im Ausland

2.2. Karte: Weltweite Verteilung

3. Erhaltene Lokomotiven – Schnellzug-Lokomotiven

3.1. Baureihe 01

3.2. Baureihe 01.5

3.3. Baureihe 01.10

3.4. Baureihe 03

3.5. Baureihe 03.10

3.6. Baureihe 13

4. Erhaltene Lokomotiven – Personenzug-Lokomotiven

4.1. Baureihe 23

4.2. Baureihe 24

4.3. Baureihe 37

4.4. Baureihe 38

5. Erhaltene Lokomotiven – Güterzug-Lokomotiven

5.1. Baureihe 41

5.2. Baureihe 42

5.3. Baureihe 44

5.4. Baureihe 50

5.5. Baureihe 50.35

5.6. Baureihe 52

5.7. Baureihe 52.80

5.8. Baureihe 55

5.9. Baureihe 56

5.10. Baureihe 57

5.11. Baureihe 58

6. Erhaltene Lokomotiven – Personenzug-Tenderlokomotiven

6.1. Baureihe 64

6.2. Baureihe 65

6.3. Baureihe 70

6.4. Baureihe 74

6.5. Baureihe 78

7. Erhaltene Lokomotiven – Güterzug-Tenderlokomotiven

7.1. Baureihe 80

7.2. Baureihe 86

7.3. Baureihe 89

7.4. Baureihe 91

7.5. Baureihe 92

7.6. Baureihe 93

7.7. Baureihe 94

7.8. Baureihe 98

8. Erhaltene Lokomotiven – Lokalbahn / Privatbahn

9. Erhaltene Lokomotiven – Werkbahn

10. Rückholer: Einmal Deutschland – Ausland und retour

11. Andersherum: Ausländische Dampflokomotiven in Deutschland

12. Wie findet man Dampflokomotiven im Ausland – ein Fallbericht

13. Fast erhalten - Schneepflüge & Co

14. Ungeklärte Fälle – verschwundene Lokomotiven

15. Fast deutsche Loks – die Rasterausfälle

16. Danksagung

Anmerkung zu verwendetem Bildmaterial:

Der Urheber hat nach bestem Wissen und Gewissen die Urheberrechte aller verwendeten Bilder recherchiert und beachtet. Für jedes verwendete,
nicht lizenzfreie Bild liegt eine schriftliche Nutzungserlaubnis des Urhebers vor. Trotzdem ist der Autor nicht dazu in der Lage, die tatsächliche
Urheberschaft der Person zu überprüfen, die von sich behauptet, Urheber zu sein. Sollten wider jedes Erwarten und Wissens Urheberrechte einer
dritten Person in diesem Buch verletzt worden sein, so wenden Sie sich bitte zur Klärung der Angelegenheit an autorenteam@erlangen4u.de

„Der Bundespräsident hat mit großer Sympathie von Ihrem Einsatz für die Eisenbahngeschichte und Ihrem diesbezüglichen Rechercheaufwand in osteuropäischen Nachbarstaaten erfahren. […] Im Namen des Bundespräsidenten danke ich Ihnen deshalb auf diesem Weg für Ihr Engagement.“

Mitteilung des Bundespräsidialamtes vom 11. November 2019.

1.1 Definition: Deutsche Dampflokomotiven im Ausland

Deutsche Dampflokomotiven im Ausland – was auf den ersten Blick eine ganz klare Definition nach sich zieht, bereitet beim näheren Hinsehen durchaus Kopfzerbrechen.

Zurückblickend bis ins Jahr 1835 ist die Definition „Was ist Deutschland?“ nun mal nicht ganz einfach, wenn man eine über alle Generationen hinweg einheitliche Antwort finden möchte.

Weiter gehen die Fragen bei der Technik: Ist eine deutsche Dampflokomotive eine solche, weil sie in Deutschland gebaut wurde? Dann wäre dieses Buch ungefähr 10-mal so dick. Auch weitere Fragen tauchen auf: Wie geht man mit den so perfide genannten „Anschlüssen“ zwischen 1933 und 1939 um? Sortiert man es nach Baureihen, die „typisch Deutsch“ sind? Was ist mit Kriegseroberungen der beiden Weltkriege, die dann je nach Sichtweise auch kurzzeitig „deutsche Loks“ wurden?

Jede Sichtweise hat dabei Recht, ist allerdings eher für Historiker interessant als für Auslandsreisende und den technikgeschichtlich „normal“ interessierten Eisenbahnfreund. Um diesen Punkt erweitert hat sich eine Definition ergeben, die als am Meisten sinnhaft angesehen wurde:

Eine „Deutsche Dampflokomotive“ und damit Basis für dieses Buch ist unter Abwägung aller Einzelargumente eine Dampflokomotive, die an eine im Gebiet Deutschlands in seiner jeweiligen Ausdehnung gelegene Eisenbahngesellschaft ausgeliefert und von dieser eingesetzt wurde.

Damit sind die für deutsche Eisenbahnfreunde durchaus ungewohnten kleinen 3-achsigen Tenderloks der Reichseisenbahn Elsass-Lothringen „drin“. Die nach 1945 im Ausland zu Ende gebauten 52er jedoch beispielsweise ebenso wenig wie ausländische Nachbauten Deutscher Fahrzeuge, denen aber im hinteren Abschnitt des Buches eigene Übersichtskapitel gewidmet sind. Auch nicht dazu gehören per Definition die Reparationsleistungen aus deutschen Fabriken vor allem aus der Zeit zwischen 1920 und 1925. Doch auch diese werden im hinteren Abschnitt angerissen und geraten nicht in Vergessenheit.

Zwischen „an deutsche Eisenbahngesellschaft ausgeliefert und durch diese eingesetzt“ liegen manchmal nur Momente der Weltgeschichte. Ein gutes Beispiel hierfür ist 52 4567. Die Lok stand 1945 in Posen in der Werkhalle, dann kam die Rote Armee. Die nicht fertige Lok wurde auf Flachwagen geladen, machte eine wilde Fluchtreise durch das besetzte Polen und geriet dann doch in die Finger der sowjetischen „Befreier“. Die brachten sie nach Posen zurück, ließen sie dort fertigbauen und wollten sie eigentlich der polnischen Staatsbahn als Ty42-32 zur Verfügung stellen.

Warum das nie geschah, weiß man nicht. Die Lok ging statt für zivile Zwecke in Polen zu bleiben in die Sowjetunion und steht heute als Denkmal im litauischen Radviliškis. Somit bildet gerade sie die Grenze. Deutsche Bauart, durch die Deutsche Reichsbahn bestellt, aber am Ende nicht dort eingesetzt und somit keine „Deutsche Dampflok im Ausland“ per hiesiger Definition.

Abb.: Der „Übeltäter“ im Bild: Die links zu sehende 52 4567 ist keine deutsche Lok mehr, die baugleiche 52 313 rechts daneben sehr wohl. Foto: Dr. Günther Barths

1.2 Auslandsverbleibe durch Kriege

Der Erste und der Zweite Weltkrieg brachten die Lokbestände deutscher Eisenbahnen mächtig durcheinander. Der sinnlose Eroberungsfeldzug deutscher Soldaten wäre ohne die Leistungsfähigkeit der Eisenbahn so kaum bzw. wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen. Das Ende beider Kriege ist uns allen hinlänglich bekannt. Neben unendlichem Leid blieben trotz umfangreicher Evakuierungsbemühungen der Eisenbahn und Eisenbahner aber in den nun wieder fremden Ländern zahllose Lokomotiven und Wagen zurück. Die einen zerschossen und nur noch als Metallschrott verwertbar, die anderen beim fluchtartigen Verlassen zurückgelassen und sofort für die Gegenseite militärisch nutzbar. Noch wichtiger als für den Krieg wurden die oftmals fast nagelneuen deutschen Lokomotiven für den Wiederaufbau in den zerstörten Ländern. So hatten insbesondere die Dampflokomotiven der Baureihe 52 in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges mit dem Wiederaufbau eine weitaus glorreichere Aufgabe zu bewältigen.

Wie viele deutsche Dampflokomotiven nach dem ersten Weltkrieg im Ausland verblieben sind ist bis heute nicht einmal ansatzweise erfasst. Als Gradmesser gelten die Umzeichnungspläne der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft aus den Jahren 1923 und 1925 sowie Bestandsübersichten über die Bestände der Länderbahnen zumeist aus den Vorkriegszeiten verbunden mit den vorhandenen Lieferlisten über Loklieferungen während des Krieges. Hinter Hunderten von Lokomotiven stehen jedoch Fragezeichen. Man weiß, dass es die jeweilige Lok gegeben hat und sie 1923 nicht mehr da war. Über die Verbleibe ist vielfach nichts bekannt. So ist es auch heute noch möglich und passiert immer wieder, in weit entfernten Gegenden auf stillgelegten Industriebrachen Lokomotivreste zu finden von Fahrzeugen, die seit 1918 als verschollen galten.

Immerhin dokumentiert sind weitestgehend die nach 1918 erfolgten Überstellungen von Lokomotiven an ausländische Eisenbahngesellschaften. Grund hierfür waren die gemäß des Versailler Vertrages zu leistenden Reparationszahlungen, die die junge Reichsbahn mit etwa 660 Millionen Reichsmark jährlich belasteten. Sowohl uralte Lokomotiven mit ihrem Schrottgegenwert wie auch fast neue oder ganz neue Loks mit ihrem Zeitwert konnten dort gegengerechnet werden.

Ähnlich war es nach Ende des zweiten Weltkriegs. Doch wer meint, dass hierüber eine vollständige Dokumentation auf dem Tisch liegen müsste, irrt leider. Gelang der Wehrmacht bzw. der Deutschen Reichsbahn bis Juni 1944 in verlorenen Frontabschnitten noch ein kontrollierter Rückzug ohne nennenswerten Verlust von fahrfähigem Lokomotivmaterial, begann ab 19. Juni 1944 das Chaos: Weißrussische Partisaneneinheiten schnitten den deutschen Einheiten im Osten mit etwa 7.000 explodierten Sprengladungen den Nachschub von, wie auch den Rückzug nach Westen ab. Die aus dem Osten angreifende Rote Armee konnte so erstmals in nennenswertem Ausmaß betriebsfähige deutsche Lokomotiven erobern und sofort für sich selbst zum Einsatz bringen.

Noch ein langes Jahr sollte bis zum Kriegsende vergehen, verbunden mit dem Verlust tausender Dampflokomotiven in Nord, Süd, Ost und West. Der mit Sicherheit geringste Preis würde man es vergleichen mit dem unendlichen Leid der Menschen. Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 08. Mai 1945 war jedoch bahntechnisch nicht die Stunde null. Deutsche Lokomotiven waren zu dem Zeitpunkt über ganz Europa verstreut. Teilweise erobert. In beträchtlichem Ausmaß waren es aber auch an die ehemaligen Verbündeten ausgeliehene Fahrzeuge, denen erst der Fluchtweg versperrt war, und die dann durch die jeweiligen Staatsbahnen dankend in den Bestand aufgenommen wurden. Manchmal unter Anrechnung auf erneute Reparationsforderungen, manchmal sogar in Gold bezahlt als Kauf – oftmals aber auch nach dem Prinzip des „einfach Behaltens“.

Die weitere Geschichte der kriegsversprengten Dampflokomotiven muss man bei der Betrachtung zwischen Ost und West teilen, wenngleich diese Schubladen auch nicht eindeutig sind.

In den westlichen Besatzungszonen begann kurz nach Kriegsende ein reger Tauschhandel. Die westdeutsche(n) Eisenbahn(en) unter ihren Besatzungsmächten bzw. ab September 1949 mit Ausnahme des Saarlandes die Deutsche Bundesbahn pflegten schon bald einen engen Kontakt zu ihren Nachbarbahnen und arbeiteten wie auf einem türkischen Basar: Zahllose im Ausland stehen gebliebene Loks wurden eingetauscht gegen solche aus dem Ausland, die auf westdeutschem Gebiet stehen geblieben waren. So ergaben sich in den ersten Nachkriegsjahren teils massive Lokomotivbewegungen quer durch Europa zur Vereinheitlichung der jeweiligen Landesfahrzeugflotten. Noch 1952 gab es letzte Austauchprogramme, 1957 erst fanden diese mit der Eingliederung der Eisenbahn des Saarlandes ihr Ende. So ist zu erklären, dass in den westeuropäischen Ländern vergleichsweise wenig deutsche Lokomotiven mit Kriegsverbleib heute museal erhalten werden.

Im neu entstehenden „Ostblock“ incl. Österreich sah die Lage in der Nachkriegszeit ganz anders aus: Statt Tauschhandel war die Fahrzeugverteilung auch der Beutelokomotiven zum Großteil der Willkür ausgesetzt. Zahllose Geschichten sind überliefert, in denen sowjetische Militärs spontan in Bahnbetriebswerken oder Lokfabriken auftauchten und gerade im Einsatz oder in der Endfertigung befindliche Lokomotiven kurzerhand beschlagnahmten. Oftmals sah man diese Fahrzeuge danach nie wieder. Auch in den Satellitenstaaten sah es nicht besser aus: Man nahm, was man dachte zu gebrauchen. Der „große Bruder“ bestimmte, welche Lokomotiven wo zum Einsatz kamen. Den Höhepunkt erreichte der Hohn in den Jahren 1962 – 1966: Insgesamt 725 vorher erbeutete bzw. beschlagnahmte Lokomotiven der Baureihe 52 wurden an diverse Staats- oder Werkbahnen in den Bruderstaaten verkauft. Teilweise genau dorthin, wo man sie 15 Jahre zuvor beschlagnahmt hatte.

Natürlich suchte man nicht die besten Loks aus. Vielfach kamen zum horrenden, zwangsweise zu entrichtenden Kaufpreis noch „angebotene“ nicht ganz billige Hauptuntersuchungen der Lokomotiven hinzu, die von der Ausführungsqualität teilweise grotesk schlecht gewesen sein sollen. Viele dieser Zwangskäufe sind in ihren neuen Heimatländern gar nicht oder nur für wenige Jahre noch in den Einsatz gekommen. Trotzdem: Viele Dampflokomotiven würden ohne diesen Verkauf wahrscheinlich heute nicht mehr existieren. Aus Eisenbahnfreundesicht darf man sich also freuen!

Leider nicht erhalten und somit nicht Bestandteil dieses Buches wurden die 1945 in die USA verschifften Kriegstrophäen 19 1001, 42 1597 und 52 2006. Der Sinn dieser Überführung ist durchaus strittig und liegt irgendwo zwischen technischer Begutachtung und der Vorführung von Beuteobjekten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Lokomotiven Anfang der 1950er Jahre der breiten Masse in einer Art Dampflok-Disney-World präsentiert wurden mit doch eigenwilliger Lackierung und Darstellung. Um wenigstens ein bisschen Platz für Spekulationen zu lassen: Eine offizielle Bestätigung über die vermeintliche Verschrottung dieser Lokomotiven gibt es bis heute nicht…

Foto links: Vielfach bestimmten im 2. Weltkrieg auch Partisanen über den Verbleib von Lokomotiven – sehr einbzw. nachdrücklich. Foto: SlgBK

1.3 Auslandsverbleibe: Museen

Eisenbahnfreunde. Eine Spezies, die es fast weltweit gibt, wobei die Konzentration durchaus sehr unterschiedlich ist. In manchen Ländern kennen sich alle Eisenbahnfreunde persönlich, so wenig sind es. In Deutschland ging eine Erhebung aus dem Jahr 2000 von bis zu 2 Millionen Eisenbahninteressierten aus, wobei die Zahl doch sehr durch eine rosarote Brille betrachtet scheint.

Auch in manch anderen Ländern ist das Hobby sehr populär, unter Anderem in den USA, der Schweiz, dem Eisenbahn-Mutterland Großbritannien und in den Niederlanden. Die USA sind weit weg, die Schweiz hat schon früh mit einer eigenen Sammlung zu ihrer Historie begonnen. Großbritannien hat technische Hindernisse beim Einsatz deutscher Dampflokomotiven. Es bleiben die Niederlande als großes Land der Fans deutscher Dampflokomotiven.

Doch bereits 1958 hatte die niederländische Staatsbahn NS als erste europäische Eisenbahngesellschaft den Traktionswandel abgeschlossen und den Dampfbetrieb vollständig eingestellt. Eine Zeit, wo noch (fast) niemand an die museale Erhaltung von Dampflokomotiven dachte, somit konnte fast keine eigene Dampflok gerettet werden. Das Eisenbahnhobby wurde in den Niederlanden erst in den 1970er Jahren so richtig populär. Was machte man also? Es blieb für die vielen Eisenbahnfreunde mit dem Wunsch nach eigenen „Museums“eisenbahnen gar keine andere Möglichkeit, als im Ausland einzukaufen. In den 1970er und 1980er Jahren fanden so dutzende deutsche Dampflokomotiven ihren Weg ins Nachbarland. Ein Weg, ohne den sie in Deutschland mit Sicherheit im Alteisen gelandet wären. Es war nicht alles Gold was glänzt. Auch in den Niederlanden waren mancherorts die Eisenbahnfreunde mit ihren Projekten völlig überfordert. Doch zusammenfassend hat sich unser Nachbarland große Verdienste im Erhalt deutscher Dampfloktechnik erworben. Besonders bemerkenswert ist, dass eine Vielzahl dieser Lokomotiven bis heute betriebsfähig ist oder sogar erst in den letzten Jahren überhaupt betriebsfähig wurde.

Etwas später zu den kauffreudigen Ländern stieß Österreich. Lange Zeit wurde die Eisenbahnhistorie im Land durch einflussreiche Gruppen geprägt, die in einer Art Altherrenrunde über die Art und Weise entschieden, wie und was im Land museal erhalten wird. Noch heute finden sich in zahlreichen Publikationen aus externer Sicht sicherlich unpassende kritische Seitenhiebe auf manche dort getroffene Entscheidung. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs überschwemmte plötzlich eine nicht mehr für möglich gehaltene Zahl an Dampflokomotiven den Markt. Teilweise für 5.000 DM waren zahlreiche 5 Jahre vorher noch zu utopischen Summen angebotene Lokomotiven plötzlich zu haben. Österreichische Eisenbahnfreunde nutzten das, konnten sie doch endlich recht frei ihren Träumen nachgehen. So gelangten viele Lokomotiven aus fremden Ländern in den kleinen Alpenstaat, wo sie bis heute immerhin bewahrt werden. Noch viel Arbeit wartet, bis mancher Rosthaufen wieder eine echte Lokomotive ist.

Bei alle dem darf man nicht vergessen, dass auch in Deutschland etwa 1.000 Dampflokomotiven museal erhalten sind. Manch ein Eisenbahnfreund äußert den Gedanken, dass die Nachbarländer „uns“ die eine oder andere Lokomotive „geklaut“ hätten. Das Wort „gerettet“ passt dabei aber sicherlich besser, da vielerorts in Deutschland der Erhalt der vorhandenen Materie schon an viele Grenzen stößt und somit weitere Fahrzeuge kaum verkraften könnte.

1.4 Grundprinzip: Lokbezeichnung und Abkürzungen

Dieses Buch ist sortiert auf Basis des 1920 von Gustav Hammer entwickelten Lokomotivbaureihennummernschemas der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft, das in seinen Grundzügen bis heute so im Einsatz geblieben ist. Lokomotiven, die vor ihrer Nummerierung bereits Deutschland verlassen hatten, sind in die Abschnitte eingefügt worden, wie man sie nummeriert HÄTTE.

Das Nummernschema besteht aus zwei einzeln zu betrachteten Nummern: Zunächst die STAMMNUMMER, die Auskunft über die Verwendungsart der Lokomotive gibt:

01–19: Schnellzug-Lokomotiven 20–39: Personenzug-Lokomotiven
40–59: Güterzug-Lokomotiven 60–79: Personenzug-Tenderlokomotiven
80–96: Güterzug-Tenderlokomotiven 97: Zahnradbahn-Lokomotiven
98: Lokalbahn-Lokomotiven 99: Schmalspur-Lokomotiven

Den zweiten Teil der Loknummer bildet die Ordnungsnummer. Diese beinhaltet Informationen zur Baureihenbezeichnung (auch „Unterart“ genannt) und der fortlaufenden Nummer. Was fortlaufend und was „Unterartbezeichnung“ ist lässt sich dabei nicht immer auf den ersten Blick erkennen.

Als Beispiel: Die Lokomotive 74 1234 gehört zur Baureihe 74, also eine Personenzug-Tenderlokomotive. Soweit ist es klar. Die „1234“ als Ordnungsnummer sagt uns, dass die Lok zur Unterart der Reihe 74.4-13 gehört, eine preußische T12. Die Zählung begann bei 401, somit ist diese Lok die theoretisch 834te Lok ihrer Bauart. Leider wurden aber auch Loknummern immer wieder frei gelassen, so dass die Logik nicht ganz mit den Aufzeichnungen übereinstimmt. Da jedoch alle Lokomotiven der Baureihe 74 die gleiche Achszahl haben (in diesem Falle 1`C – also ein Vorlaufradsatz und 3 Kuppelradsätze, also angetriebene), hat man egal welche Ordnungsnummer die Lok besitzt eine ungefähre Vorstellung über die Abmessung bzw. das Aussehen der Lokomotive.

Die Werk- und Privatbahnlokomotiven sind hier hingegen nach ihrer Achszahl sortiert. Dabei steht der Großbuchstabe für die Zahl der Achsen. Ein „A-Kuppler“ hat also eine angetriebene Achse, ein „B-Kuppler“ davon zwei, ein C-Kuppler drei usw..

Ein weiter wichtiger Punkt bei der deutschen Eisenbahn: Der Aküfi. Abkürzungsfimmel. Im Bahnwesen wird alles abgekürzt, was sich irgendwie abkürzen lässt. In diesem Buch sollen von diesen Abkürzungen möglichst wenige verwendet werden, um ein paar kommt man aber nicht herum:

BW: Bahnbetriebswerk. Vor allem bestehend aus einem Lokschuppen, oft einer Drehscheibe sowie Anlagen zur Wartung und Versorgung mit Betriebsstoffen.

Btf.: Betriebsfähig. Die Dampflok ist also einsatzbereit und darf auch fahren.

HU: Hauptuntersuchung. Wie der TÜV beim Auto gibt es das auch für Lokomotiven.

i.A.: In Aufarbeitung. Die Lok wird also gerade restauriert.

RAW: Reichsbahnausbesserungswerk. Also die alte „Werkstatt für große Reparaturen“.

ETS: Ersatzteilspender. Meist nur noch ein Lokwrack, dem man Teile zur Reparatur anderer Loks entnimmt.

2. erhaltene deutsche Dampflokomotiven im Ausland

Loknummer D Hersteller Land Standort Seite
01 202 Henschel 23254/1937 Schweiz Lyss
01 533 Krupp 1413/1934 Österreich Ampflwang
01 1075 BMAG 11331/1939 Niederlande Rotterdam
03 273 BMAG 10629/1936 Polen Warszawa
03 1015 BLW 14926/1940 Polen Warszawa
13 1247 LHW 934/1912 Polen Skierniewice
23 023 Jung 11478/1952 Niederlande Rotterdam
23 071 Jung 12506/1956 Niederlande Beekbergen
23 076 Jung 12511/1956 Niederlande Beekbergen
24 092 Schichau 3419/1940 Polen Kościerzyna
37 171 BMAG 3450/1905 Polen Warszawa
38 P8 Altona 2445 Henschel 13855/1916 Belgien Brügge
38 P8 Königsberg 2407 Vulcan 2352/1907 Rumänien Sinaia
38 1698 Borsig 9076/1915 Polen Kościerzyna
38 1818 BMAG 5839/1916 Rumänien Dej
38 2155 BMAG 6388/1917 Polen Wolsztyn
38 2402 BMAG 6947/1919 Polen Żagań
38 2506 LHW 1850/1919 Rumänien Arad
38 2556 BMAG 6975/1919 Rumänien Iaşi
38 3192 LHW 2269/1921 Polen Wolsztyn
38 3267 Henschel 18371/1921 Polen Jaworzyna Śląska
38 3272 Henschel 18376/1921 Polen Warszawa
38 3524 Hagans 1063/1922 Rumänien Dej (in Teilen)
38 3587 Schichau 2925/1921 Polen Skierniewice
41 105 Krupp 1927/1939 Niederlande Rotterdam
41 241 Borsig 14820/1939 Niederlande Beekbergen
42 1427 Schichau 4448/1944 Polen Leszno
44 193 Krupp 2015/1940 Niederlande Beekbergen
44 661 Borsig 15117/1941 Österreich Ampflwang
44 1085 WLF 9441/1942 Niederlande Beekbergen
44 1593 SACM 7849/1943 Niederlande Beekbergen
44 1595 SACM 7865/1943 Österreich Ampflwang
44 1614 Krenau 1102/1942 Österreich Ampflwang
50 084 Henschel 24704/1939 Bulgarien Kaloyanovez
50 451 Schichau 3413/1940 Polen Wolsztyn
50 463 WLF 3328/1940 Bulgarien Plovdiv
50 517 BLW 14993/1941 Rumänien Braşov
50 530 Henschel 25749/1940 Bulgarien Kaloyanovez
50 649 WLF 3369/1940 Bulgarien Kaloyanovez
50 798 Henschel 25882/1941 Bulgarien Kaloyanovez
50 1002 Schichau 3427/1940 Österreich Ampflwang
50 1029 BMAG 11518/1940 Polen Jaworzyna Śląska
50 1171 Skoda 1250/1942 Österreich Wien
50 1175 Skoda 1254/1941 Bulgarien Kaloyanovez
50 1255 Jung 9283/1941 Niederlande Rotterdam
50 1541 Henschel 26351/1941 Bulgarien Kaloyanovez
50 3506 Krupp 2364/1940 Österreich Ampflwang
50 3519 Henschel 24976/1940 Österreich Ampflwang
50 3520 BMAG 11633/1942 Niederlande Beekbergen
50 3564 WLF 3317/1940 Niederlande Beekbergen
50 3618 Skoda 1349/1942 Niederlande Beekbergen
50 3645 DWM 418/1942 Niederlande Stadskanaal
50 3654 MBA 13780/1942 Niederlande Beekbergen
50 3661 WLF 9158/1941 Frankreich Martel
50 3666 AFB 2567/1943 Niederlande Beekbergen
50 3673 Borsig 15062/1941 Italien Luino
50 3681 Henschel 24730/1940 Niederlande Beekbergen
50 3689 Henschel 25766/1940 Österreich Ampflwang
50 3696 Krupp 2059/1939 Belgien Treignes
52 005 Henschel 26844/1942 Polen Stalowa Wola
52 010 Henschel 26928/1942 Kroatien Zagreb
52 013 Henschel 26931/1942 Polen Jaworzyna Śląska
52 021 Henschel 26939/1942 Lettland Jelgava
52 025 Henschel 26943/1942 Polen Lubin
52 036 Henschel 26954/1942 Lettland Riga
52 053 Henschel 26971/1942 Polen Nowy Sącz
52 056 Henschel 26974/1942 Polen Kartuzy
52 074 Henschel 26992/1942 Weißrussland Brest
52 077 Jung 11092/1943 Rumänien Petroșani
52 100 Krauss-Maffei 16411/1943 Österreich Straßhof
52 162 BMAG 12167/1942 Polen Jaworzyna Śląska
52 196 BMAG 12201/1943 Rumänien Sibiu
52 200 BMAG 12205/1943 Polen Chabówka
52 221 BMAG 12226/1943 Schweiz St. Sulpice
52 279 WLF 9651/1942 Polen Dzierżoniów
52 313 WLF 9685/1943 Litauen Radviliškis
52 322 WLF 9694/1943 Russland Rostov-on Don
52 364 Borsig 15461/1943 Türkei İstanbul
52 365 Borsig 15462/1943 Türkei Sultanhisar
52 366 Borsig 15463/1943 Türkei Çankırı
52 367 Borsig 15464/1943 Türkei Yeşilkavak
52 435 Borsig 15532/1943 Moldawien Ungheni
52 460 Borsig 15557/1943 Österreich St. Pölten - Harland
52 461 Borsig 15558/1943 Polen Nysa
52 464 BLW 15561/1943 Ungarn Hatvan
52 622 Schichau 4090/1943 Russland Nischni Nowgorod
52 633 Schichau 4111/1944 Polen Jabłonowo Pomorski
52 663 Schichau 4216/1944 Bulgarien Kaloyanovez
52 777 Henschel 28062/1944 Russland Kaliningrad
52 793 Henschel 28118/1944 Bosnien Tuzla
52 817 Henschel 28142/1944 Bosnien Tuzla
52 855 Krenau 1476/1944 Österreich Sigmundsherberg
52 858 Krenau 1479/1944 Russland Kaliningrad
52 1114 DWM 528/1943 Russland Archangelskoje
52 1127 DWM 541/1943 Rumänien Dej
52 1134 DWM 548/1943 Bosnien Tuzla
52 1162 DWM 576/1943 Polen Koscierzyna
52 1198 DWM 612/1943 Österreich Ampflwang
52 1218 DWM 641/1943 Bosnien Tuzla
52 1227 DWM 654/1944 Österreich Wien
52 1334 DWM 794/1944 Polen Pyskowice
52 1345 DWM 811/1944 Bosnien Tuzla
52 1346 DWM 812/1944 Polen Chabówka
52 1385 Esslingen 4571/1943 Rumänien Simeria
52 1481 Esslingen 4705/1943 Polen Koscierzyna
52 1608 SACM 7875/1943 Polen Tłuszcz
52 1956 Krauss-Maffei 27284/1944 Polen Lubaczów
52 2099 Henschel 26855/1943 Weißrussland Luninez
52 2112 Henschel 26868/1943 Polen Jaworzyna Śląska
52 2118 Henschel 26874/1943 Polen Kędzierzyn Kozle
52 2127 Henschel 26883/1943 Polen Jaworzyna Śląska
52 2277 Henschel 27445/1943 Polen Chojnice
52 2301 Henschel 27469/1942 Polen Szymbark
52 2340 Henschel 27508/1943 Weißrussland Waukawysk
52 2353 Henschel 27521/1943 Polen Łubiana
52 2373 Henschel 27541/1943 Bulgarien Kaloyanovez
52 2377 Henschel 27545/1943 Slowenien Ljubljana
52 2394 Henschel 27562/1943 Moldawien Ungheni
52 2482 Henschel 27650/1943 Polen Pyskowice
52 2505 Henschel 27673/1943 Russland Sankt Petersburg
52 2520 Henschel 27688/1943 Polen Jaworzyna Śląska
52 2596 Henschel 27764/1943 Weißrussland Brest
52 2710 Henschel 27933/1944 Polen Pyskowice
52 2728 Henschel 27960/1944 Bulgarien Asenovo
52 2730 Henschel 27962/1944 Polen Jaworzyna Śląska
52 2733 Henschel 27965/1944 Polen Chabówka
52 2770 Henschel 28322/1944 Norwegen Hamar
52 2794 Henschel 28358/1944 Polen Jaworzyna Śląska
52 2802 Henschel 28366/1944 Serbien Lapovo
52 2817 Henschel 28163/1944 Polen Chabówka
52 2821 Henschel 28167/1944 Polen Oleśnica
52 3162 Jung 11173/1943 Russland Moskau
52 3181 Jung 11192/1943 Bulgarien Kaloyanovez
52 3234 Jung 11245/1944 Mazedonien Skopje
52 3240 Jung 11251/1944 Bulgarien Asenovo
52 3286 Jung 11297/1944 Polen Wolsztyn
52 3314 Jung 11325/1944 Belgien Treignes
52 3316 Jung 11327/1944 Österreich Ampflwang
52 3320 Jung 11331/1944 Frankreich Paris
52 3368 Krauss-Maffei 16494/1943 Estland Haapsalu
52 3397 Krauss-Maffei 16523/1943 Finnland Haapamäki
52 3417 Krauss-Maffei 16543/1943 Slowenien Ljubljana
52 3436 Krauss-Maffei 16562/1943 Kroatien Zagreb
52 3458 Krauss-Maffei 16584/1943 Polen Pyskowice
52 3504 Krauss-Maffei 16630/1943 Luxembourg Luxembourg
52 3517 Krauss-Maffei 16643/1943 Österreich Ampflwang
52 3535 Krauss-Maffei 16661/1943 Ungarn Fertöboz
52 3554 Krauss-Maffei 16691/1943 Belgien Saint Ghislain
52 3567 Krauss-Maffei 16704/1943 Polen Gliwice
52 3643 WLF 17226/1943 Russland Tschernjachowsk
52 3644 WLF 17227/1943 Tschechien Lužná
52 3816 WLF 17305/1944 Österreich Lienz
52 3879 WLF 17322/1944 Niederlande Beekbergen
52 3914 MBA 14168/1944 Polen Wroclaw
52 4048 WLF 17335/1944 Bulgarien Ruse Depot
52 4541 DWM 857/1944 Polen Pyszczyn
52 4552 DWM 868/1944 Österreich Ampflwang
52 4564 DWM 880/1945 Russland Kaliningrad
52 4751 MBA 13802/1943 Weißrussland Brest
52 4752 MBA 13803/1943 Italien Triest
52 4770 MBA 13821/1943 Polen Wolsztyn
52 4779 Henschel 28370/1944 Bosnien Tuzla
52 4844 O&K 13902/1943 Russland Togliatti
52 4855 O&K 13918/1943 Türkei Uşak
52 4856 O&K 13919/1943 Türkei Uşak
52 4859 O&K 13923/1943 Türkei Gebze
52 4860 O&K 13924/1943 Türkei Yeşilkavak
52 4862 O&K 13926/1943 Türkei Çamlık
52 4863 O&K 13927/1943 Türkei Uşak
52 4936 MBA 14006/1943 Slowenien Pivka
52 4984 MBA 14045/1944 Österreich Trumau
52 4995 MBA 14065/1944 Polen Małaszewicze
52 5123 MBA 14327/1944 Polen Leszno
52 5134 Krenau 1143/1943 Polen Koscierzyna
52 5156 Krenau 1165/1943 Ungarn Budapest
52 5200 Krenau 1209/1943 Usbekistan Taschkent
52 5248 Schichau 3826/1943 Weißrussland Baranowitschi
52 5314 Krenau 1335/1944 Weißrussland Brest
52 5336 Krenau 1363/1944 Polen Koscierzyna
52 5415 Schichau 3693/1943 Russland Moskau
52 5422 Schichau 3700/1943 Österreich Mürzzuschlag
52 5605 Schichau 3883/1943 Polen Legnica
52 5653 Schichau 3931/1943 Ukraine Kostopil
52 5657 Schichau 3935/1943 Polen Kraków
52 5658 Schichau 3936/1942 Bulgarien Górna Oriyahovica
52 5680 Schichau 3957/1943 Polen Zabrze
52 5694 Schichau 3985/1943 Russland St Petersburg
52 5702 Schichau 3993/1943 Polen Warszawa
52 5795 Schichau 4092/1944 Österreich Straßhof
52 5806 Schichau 4113/1944 Weißrussland Brest
52 5865 Schichau 4216/1944 Großbritannien Bressingham
52 5909 BMAG 12335/1943 Russland Moskau
52 5915 BMAG 12341/1943 Bulgarien Ruse Museum
52 5933 BMAG 12359/1943 Niederlande Stadskanaal
52 5944 BMAG 12370/1943 Kroatien Zagreb
52 6058 BMAG 12498/1943 Polen Ełk
52 6066 BMAG 12507/1943 Türkei Kayseri
52 6068 BMAG 12510/1943 Türkei Balıkesir
52 6072 BMAG 12513/1943 Türkei Yeşilkavak
52 6073 BMAG 12514/1943 Türkei Çivril
52 6083 BMAG 12524/1943 Polen Tłuszcz
52 6115 BMAG 12556/1943 Ukraine Donetsk
52 6196 BMAG 12637/1943 Serbien Zrenjanin
52 6205 BMAG 12646/1943 Polen Redecz Krukowy
52 6340 BMAG 12793/1944 Polen Łódź-Radogoszcz
52 6365 BMAG 12918/1944 Weißrussland Osipovichi
52 6644 Skoda 1470/1943 Russland Lebyazhe
52 6690 WLF 16121/1943 Frankreich Arques
52 6769 WLF 16222/1943 Russland Sankt Petersburg
52 6832 WLF 16285/1943 Weißrussland Stankowo
52 7046 WLF 16499/1943 Österreich Selzthal
52 7047 WLF 16500/1943 Tschechien Lužná
52 7102 WLF 16555/1943 Österreich Ampflwang
52 7123 WLF 16576/1943 Weißrussland Brest
52 7173 WLF 16626/1943 Belgien Malle
52 7175 WLF 16628/1943 Polen Koscierzyna
52 7328 WLF 16781/1943 Polen Jaworzyna Śląska
52 7346 WLF 16799/1943 Russland Sowetsk
52 7349 WLF 16802/1943 Polen Koscierzyna
52 7426 WLF 16879/1943 Türkei Uşak
52 7428 WLF 16881/1943 Türkei Uşak
52 7429 WLF 16882/1943 Türkei Alsancak
52 7430 WLF 16883/1943 Türkei Alaşehir
52 7431 WLF 16884/1943 Türkei Soma
52 7434 WLF 16887/1943 Türkei Denizli
52 7447 Skoda 1523/1943 Slowakei Bratislava
52 7468 Skoda 1566/1944 Rumänien Caransebeș
52 7508 Skoda 1606/1944 Polen Tczew
52 7517 Skoda 1615/1944 Litauen Vilnius
52 7565 WLF 16913/1944 Slowakei Bratislava
52 7593 WLF 16941/1944 Österreich Straßhof
52 7594 WLF 16942/1944 Österreich Straßhof
52 7612 WLF 16960/1944 Österreich Wien
52 7620 WLF 16968/1944 Tschechien Lužná
52 7684 WLF 17032/1944 Kroatien Zagreb
52 7785 O&K 14369/1944 Polen Jaworzyna Śląska
52 8003 BMAG 12810/1944 Österreich Ampflwang
52 8010 WLF 16625/1943 Niederlande Beekbergen
52 8053 Henschel 27719/1943 Niederlande Beekbergen
52 8055 SACM 7916/1943 Schweiz Winterthur
52 8060 Jung 11204/1943 Niederlande Stadskanaal
52 8082 Krenau 1199/1943 Niederlande Stadskanaal
52 8091 WLF 16676/1943 Niederlande Beekbergen
52 8096 Henschel 27480/1943 Österreich Ampflwang
52 8124 Henschel 27669/1943 Österreich Ampflwang
52 8134 WLF 16591/1943 Österreich Ampflwang
52 8139 Jung 11220/1943 Niederlande Beekbergen
52 8150 WLF 16695/1943 Niederlande Beekbergen
52 8160 BMAG 13099/1943 Niederlande Simpelveld
52 8163 BMAG 12437/1943 Frankreich Les Hopitaux Neufs
52 8186 Jung 11858/1944 Österreich Ampflwang
52 8196 Krenau 1401/1944 Österreich Ampflwang
52 8200 Borsig 15564/1943 Belgien Mariembourg
55 274 LHB 260/1904 Polen Tarnowskie Góry
55 860 Henschel 7409/1906 Polen Jaworzyna Śląska
55 G8 Halle 4813 Hanomag 6382/1911 Italien Turin
55 G8 Münster 4971 Hanomag 6509/1912 Italien Turin
55 2199 Hanomag 6712/1913 Polen Poznań
55 G8 Essen 4898 Henschel 11429/1912 Türkei Ankara
55 G8 xxx ??? ????/19?? Türkei Çankırı
55 G8 Essen 4903 Henschel 11434/1912 Türkei Kayseri
55 G8 xxx ??? ????/19?? Türkei Çamlık
55 G8 xxx ??? ????/19?? Türkei Uşak
55 G8 Halle 4838 Hanomag 6699/1913 Türkei Çankırı
55 G8 xxx Henschel ?????/191? Türkei Izmir
55 G8 xxx Henschel ?????/191? Türkei Uşak
55 G8 Stettin 4812 Vulcan 2548/1909 Libanon Rayak
55 G8 Münster 4937 Vulcan 2522/1909 Libanon Rayak
55 G8 Halle 4834 Henschel 11233/1912 Libanon Rayak
55 G8 Cassel 2310 Vulcan 2182/1906 Libanon Rayak
55 G8 Elberfeld 4890 Vulcan 2469/1909 Libanon Rayak
55 G8 Münster 4848 Schichau 1524/1907 Libanon Rayak
55 G8 Mainz 4818 Henschel 11449/1912 Libanon Tripolis
55 G8 Stettin 4814 Vulcan 2626/1910 Libanon Tripolis
55 G8 Breslau 4810 Schichau 1555/1907 Libanon Tripolis
55 G8 Halle 4826 Henschel 10924/1912 Libanon Tripolis
55 G8 Stettin 4805 Vulcan 2494/1909 Syrien Aleppo
55 G8 xxx ??? ????/19?? Syrien Aleppo
55 2756 Henschel 12056/1913 Rumänien Bukarest
55 3052 LHB 1539/1917 Polen Czeremcha
55 3347 LHW 2196/1921 Polen Chabówka
55 4765 Borsig 10125/1918 Polen Świeradowa-Zdroju
56 511 O&K 8961/1921 Polen Wolsztyn
56 2795 LHB 2616/1923 Polen Warszawa
56 4103 O&K 13332/1941 Polen Jaworzyna Śląska
57 1658 Borsig 10438/1919 Polen Koscierzyna
57 G10 Kattowitz 5432 Borsig 8628/1913 Türkei Edirne
57 G10 Breslau 5413 Borsig 8442/1912 Türkei Istanbul
58 1226 Henschel 16584/1919 Slowenien Ljubljana
58 1297 LHW 1866/1919 Polen Wolsztyn
58 1376 Borsig 10641/1920 Bulgarien Dupnitsa
58 2820 Krupp 1957/1940 Türkei Malatya
58 2824 Esslingen 4399/1940 Türkei Konya
64 061 Union 2820/1928 Polen Jaworzyna Śląska
64 250 Henschel 22178/1933 Belgien Mariembourg
64 305 Krupp 1308/1934 Großbritannien Peterborough
64 415 Jung 7006/1937 Niederlande Beekbergen
65 018 Krauss-Maffei 17897/1956 Niederlande Beekbergen
70 086 Krauss 6736/1913 Österreich Ampflwang
70 T4.1 Breslau 1462 Henschel 3838/1893 Polen Warszawa
74 104 Borsig 5424/1904 Polen Warszawa
74 1234 Borsig 9527/1916 Polen Jaworzyna Śląska
78 189 Vulcan 3610/1920 Polen Warszawa
80 036 Hohenzollern 4647/1929 Niederlande Beekbergen
86 056 Borsig 14428/1932 Österreich Ampflwang
86 240 Schichau 3286/1935 Polen Chabówka
86 476 DWM 461/1943 Österreich Ampflwang
86 501 Henschel 26720/1942 Österreich Ampflwang
89 T3 Berlin 1753 Henschel 1949/1885 Polen Chrzanów
89 T3 Hannover 1702 Union 844/1896 Niederlande Haaksbergen
89 7274 Hagans 430/1900 Polen Rybnik
89 7491 O&K 1444/1905 Polen Torun
89 7555 O&K 3673/1909 Polen Czerwiensk
89 T3 682 Elsass-L. SACM G5015/1899 Frankreich Volgelsheim
89 T3 696 Elsass-L. SACM G5026/1899 Frankreich Volgelsheim
89 T3 564 Elsass-L. SACM G4324/1891 Luxembourg Fond-de-Gras
89 T7 Breslau 1836 Union 537/1890 Polen Jaworzyna Śląska
91 397 Jung 576/1902 Russland St. Petersburg
91 449 Hohenzollern 1593/1903 Polen Jaworzyna Śląska
91 719 Union 1751/1909 Polen Skierniewice
91 1041 Union 1652/1908 Polen Jarocin
91 1696 Union 2049/1913 Polen Warszawa
91 1770 Jung 1935/1913 Russland St. Petersburg
91 1790 Union 2110/1914 Polen Ostrów Wlkp.
91 T9.3 Kattowitz 7311 Henschel 7680/1906 Rumänien Dej
92 973 Union 2226/1915 Polen Bydgoszcz
93 108 Hohenzollern3496/1916 Polen Chabówka
94 503 BMAG 5122/1913 Österreich Ampflwang
94 649 BMAG 5546/1914 Rumänien Sibiu
94 729 BMAG 5789/1916 Polen Chabówka
94 895 BMAG 6917/1919 Polen Kraków
94 1640 BMAG 8206/1923 Niederlande Gennep
94 T16 Elberfeld 8109 BMAG 4927/1912 Bulgarien Cervan Brjag
98 Berlin 1479 BMAG 915/1877 Polen Chabówka
Privatbahn - ÄNNE 1B Humboldt 735/1910 Niederlande Kruiningen-Yerseke
Privatbahn C - Lok 3 Borsig 5964/1906 Frankreich Chaillevette
Privatbahn C - DHE 4 Hanomag 10431/1925 Niederlande Boekelo
Privatbahn C - TKh100-51 O&K 11688/1928 Polen Chabówka
Privatbahn C - TKh1-13 O&K 9336/1920 Polen Warszawa
Privatbahn 1`C - Lok 156 Henschel 24917/1940 Belgien Mariembourg
Privatbahn 1`C - Lok 5 Henschel 20818/1927 Niederlande Boekelo
Privatbahn 1`C`1 - TKi100-16 Borsig 14528/1934 Polen Warszawa
Privatbahn D - TKp100-04 Wolf 1149/1924 Polen Koscierzyna
Privatbahn D - DUVEL Henschel 29884/1947 Belgien Baasrode-Nord
Privatbahn D – Lok 21 Humboldt 1052/1915 Niederlande Marrum
Werkbahn B - TKb2845 LHB 2845/1924 Polen Koscierzyna
Werkbahn B - 6513 Hohenzollern 413/1888 Niederlande Hoorn
Werkbahn B - Barbara Hohenzollern 1395/1900 Frankreich Vigy
Werkbahn B - Lok 16 Jung 9846/1943 Niederlande Hoorn
Werkbahn B - DORA Jung 3237/1922 Österreich Linz
Werkbahn B - AMTF 8 Hanomag 3431/1899 Luxembourg Fond-de-Gras
Werkbahn B - Kali-Chemie 2 Hanomag 6039/1912 Thailand Nakhon Chaisi
Werkbahn B - H.J.H. Modderm. O&K 8319/1918 Niederlande Zwaag
Werkbahn B - WITTHOUCK SGB I O&K 9511/1921 Niederlande Haaksbergen
Werkbahn C - TKh100-45 Krupp 1770/1938 Polen Koscierzyna
Werkbahn C - ANNA No. 9 Hohenzollern 2227/1908 Luxembourg Fond-de-Gras
Werkbahn C - Lok 10 Krupp 3113/1953 Belgien Schaerbeek
Werkbahn C - 22 Tom Krupp 2410/1949 Niederlande Ijmuiden
Werkbahn C - BASF 60 Hohenzollern 4268/1922 Schweiz Ramsen
Werkbahn D - TKp102 Krenau 982/1942 Polen Skierniewice
Werkbahn D - TKp15347 Borsig 15347/1943 Polen Pyskowice
Werkbahn D - TKp26188 Henschel 26188/1944 Polen Białowieża
Werkbahn D - Graf Bismarck XVI Henschel 25724/1949 Frankreich Jarny
Werkbahn D - Emil Mayrisch 3 Krupp 2154/1940 Dänemark Nyborg
Werkbahn D - 57 BONNE Esslingen 4478/1943 Niederlande Ijmuiden
Werkbahn D - TKp4147 La Meuse 4147/1942 Polen Warszawa
Werkbahn D - 040 T 1751 Krupp 1751/1937 Frankreich Jarny

Baureihe 01 – der Schnellzugstar

F: Markus Eigenheer

CC-BY-SA 2.0

Deutsche Nr. Hersteller Fabrik-Nr. Baujahr heutiges Land Dort seit Standort Status
01 202 Henschel 23254 1937 Schweiz 1975 Lyss btf.

Eigentlich verwundert es, dass es nur eine einzige Lok der Baureihe 01 ins Ausland verschlagen hat. Ob es daran liegt, dass deutsche Eisenbahnfreunde schon früh ihre Liebe für den Schnellzugstar entdeckt haben? Von den bayrischen Schnellzugstars zunächst abgeguckt als Baureihe 02 mit vier Zylindern entwickelt waren es am Ende die Betriebseisenbahner, die unter dem Argument „Wartungsfreundlichkeit“ der parallel entworfenen Baureihe 01 zum Serienerfolg verhalfen. Gebaut wurden ab 1926 insgesamt 231 Loks der Baureihe, später kamen 10 zurückgebaute 02er noch dazu. Das Einsatzgebiet: Schnellzüge im ganzen Reich. Und wie – mit 01 (2)204 ging das Feuer der letzten „normalen“ 01 erst 1982 in der DDR aus.

01 202 erblickte 1937 das Licht der Welt. Das seither fast durchgehend als 01er-Heimat betriebene heutige Museums-Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt war ihre erste Heimat. 1944 ging sie über Ludwigshafen und Würzburg nach Frankfurt/Main, dann über Darmstadt nach Nürnberg. Franken sollte ihre Heimat bleiben – bis 1959 in Mittel- und Unterfranken, danach in Hof (Oberfranken) an der legendären schiefen Ebene. 1973 begann der Stern zu sinken, die Fahrwerksfrist lief im Februar ab – und alle (unwahrscheinlichen) Überlegungen zur neuen Untersuchung wurden jäh durch einen Führerhausbrand verhindert. Da stand sie nun – eine stolze 01 mit gutem Kessel, aber Problemen mit Fahrwerk und Führerhaus. Zum Schrott zu schade nutzte man sie bis Januar 1975 als Heizlok in Hof. Dort wurde sie vom Schweizer Eisenbahnfreund Werner Bühlmann entdeckt, kurzerhand gemeinsam mit der damals sehr aktiven „EUROVAPOR“ gekauft und in die Schweiz überführt. Erste Befundungen fanden statt, das Ergebnis war alles andere als erfreulich. So zieht sich das Museumsbahnteam aus dem insgeheim erträumten Projekt „betriebsfähige Aufarbeitung“ bald zurück. Werner Bühlmann macht allein weiter. Jede Menge Steine werden ihm in den Weg gelegt. Mal muss er über Nacht den Standort wechseln. Mal ist es schlichtweg das Wetter, dass die Aufarbeitung unter freiem Himmel (!) unmöglich erscheinen lässt. Im März 1990 scheint das große Ziel erreicht: 01 202 wird angeheizt und kann ihre ersten Meter aus eigener Kraft auf Schweizer Hoheitsgebiet zurücklegen. Doch Schweiz? Eine deutsche Lok? Das ist zu viel, und die Bürokratie beginnt, ihren Lauf zu nehmen.

Bis Juni 1993 dauert es, bis die fertiggestellte Lok die Zulassung vom Schweizer Verkehrsbundesamt erhält. Doch damit darf sie noch immer nicht auf Gleisen der Staatsbahn fahren. Nochmal drei quälende Jahre muss die betriebsfähige Lok warten, bis sie zunächst auf der Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn, 1997 dann endlich auch auf den „normalen“ Schweizer Staatsbahngleisen eingesetzt werden darf. Bereits im Oktober 1989 hatte Bühlmann den Verein „Pacific 01 202“ gegründet, der seither als Betreiber fungiert. Bis 2011 war 01 202 in der ganzen Schweiz zu Sonderfahrten unterwegs und spielte Geld ein, um die dann fällige neue Hauptuntersuchung im deutschen Meiningen durchführen zu lassen. Im Zuge dessen erhielt sie auch deutsche Sicherungstechnik eingebaut und kann seit der Fertigstellung im November 2013 auch auf deutschen Schienen wieder regelmäßig beobachtet werden. Wenn man sich die Ausmaße dieser Lokomotive anschaut und sich dazu vorstellt, wie ein einzelner Mann unter freiem Himmel diesen Koloss Stück für Stück wieder zum Leben erweckt kann man nur begeistert den Hut ziehen. Die 01 202 dankt es mit zahlreichen Sonderfahrten.

Nochmal eine große Ausbesserung erhielt 01 202 am 12. März 1971 im AW Lingen. F: Johannes Glöckner (Eisenbahnstiftung)

Baureihe 01.5 – die ostdeutsche Version

F: Hufi

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Deutsche Nr. Hersteller Fabrik-Nr. Baujahr heutiges Land Dort seit Standort Status
01 533 Krupp 1413 1934 Österreich 1992 Ampflwang btf.

Die 01.10 auf der übernächsten Seite als Vollendung zu präsentieren ist sicherlich nicht ganz fair der Reihe 01.5 gegenüber. Diese Baureihe basiert auf den auf dem Gebiet der DDR verbliebenen „Original-01ern“, die nach Jahren des Verschleißes dringend eine große Instandsetzung benötigten. Hierfür entwickelte man wie bei anderen Reihen auch ein „Rekonstruktionsprogramm“, das vor allem den Einbau neuer, besserer Kessel bedeutete. 35 Loks der Baureihe 01.5 entstanden so, darunter 01 533 im Jahr 1964 aus der 01 116. Auch erhielt 01 533 direkt beim Umbau eine Ölhauptfeuerung, wurde also fortan mit Schweröl statt Kohle betrieben, was insbesondere den Dienst des Heizers deutlich vereinfachte.

Zur Geschichte der Lok: Zunächst vom stolzen Bahnbetriebswerk Berlin Anhalter Bahnhof aus eingesetzt verblieb sie nach 1945 in der sowjetischen Zone, blieb aber weiterhin in Berlin als Kolonnenlok der Sowjetarmee vom Bahnbetriebswerk Rummelsburg aus. Bis 1952 dauerte es, dann durfte 01 116 wieder zivil eingesetzt werden. Das tat man dann vom Berliner Lehrter Bahnhof aus mit zeitweisen Versetzungen nach Magdeburg. 1965 als frisch rekonstruierte Öllok gelangte sie nach Thüringen und wurde dort abwechselnd den Bahnbetriebswerken Erfurt und Saalfeld zugeordnet. Gleichzeitig ihr Pech wie auch Glück war die Ölkrise: Auf Grund dieser wurde die als Öllok mit Nummer 01 0533 bezeichnete Maschine im Jahr 1982 zusammen mit fast allen anderen Ölloks abgestellt. Durch die umgekehrt erfolgte Reaktivierung zahlreicher Kohleloks für den Betrieb war es für die Industriebetriebe der DDR auf Grund des nun (wieder) herrschenden Dampflokmangels kaum mehr möglich, die sonst verteilten Maschinen der Baureihen 44, 50 und 52 als Heizlokomotiven zu erhalten. Eine 01.5? Nicht ideal, aber besser als nichts – so dachte in Pößneck die Schokoladenfabrik „Berggold“. Der auch heute noch existierenden Schokoladenmanufaktur war die Ölversorgung aus Einspargründen abgestellt worden. Warum auch immer wurde Schokolade nicht als „systemrelevant“ eingestuft. Eine junge Ingenieurin vor Ort war kreativ, fand bei der Reichsbahn einen Verbündeten und erhielt so die Lok 01 0533, die am 22. Januar 1983 per LKW am Firmengelände ankam und nun wieder mit Kohle befeuert für die Sicherstellung der Schokoladenproduktion genutzt wurde. Das muss furchtbar gestunken haben, stand doch nur Rohbraunkohle als Hauptbrennstoff zur Verfügung. Auch den Hausmüll konnten die Arbeiter nun praktisch über ein direkt zur Feuerung reichendes Förderband entsorgen. Im Januar 1984 war endlich die neue Kohleheizung als Ersatz für die Ölanlage fertig („Fortschritt durch Rückschritt“?) und 01 0533 wurde innerhalb der Stadt weitergereicht zum „VEB Großhandel Textil Pößneck“. Damit erübrigt sich ein jahrelang verbreitetes Gerücht: Ihr alter Arbeitsplatz bei der Schokoladenfabrik Berggold brannte nämlich im Juli 1986 nieder. Bis heute erzählt man sich im Ort, dass die für Heizzwecke eingesetzte 01 daran schuld sei – die jedoch zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr auf dem Firmengelände stand.

Im Stadtgebiet bzw. Industriegebiet von Pößneck heizte die „Kohle-01 0533“ bis zur „Wende“ weiter, wo sie durch die österreichischen Eisenbahnfreunde der ÖGEG bei ihrer Einkaufstour durch die neuen Bundesländer entdeckt und sogleich gekauft wurde. Im Sommer 1991 ließ man die Maschine nach Meiningen transportieren und dort betriebsfähig aufarbeiten. Nach einigen Präsentationsfahrten in Deutschland machte 01 533 sich dann im Dezember 1992 auf nach Österreich. Dort ist sie seit März 1993 als betriebsfähige Starlok vor diversen Sonderzügen – auch in Deutschland – im Einsatz.

SO GEHT WERBUNG! 01 0533 als Werbeträger ihrer ehemaligen Heimatschokoladenfabrik. Guten Appetit! (Foto: Berggold)

Baureihe 01.10 – die Vollendung

F: „Tenderlok“

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