Für meine Eltern, die den Weg für alles bereitet haben
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© 2013 Jörg M. Karaschewski
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-8482-8264-7
Wer heute als Besucher in Berlin nach dem Institut und Museum für Meereskunde fragt wird in den allermeisten Fällen nur Achselzucken oder ein entschiedenes „Das jibt‘s hier nich‘“ erhalten.
Dieser einstige Besuchermagnet der Hauptstadt existiert seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr. Das historische Gebäude in der Georgenstraße 34 – 36 wurde weitgehend zerstört und ist verschwunden. Auch die Erinnerung daran ist in der Bevölkerung weitgehend verblasst.
Eröffnet am 05. März 1906 im Beisein Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II, hat der eigentliche Gründungsvater dieser Institution Ferdinand Freiherr von Richthofen diesen Tag nicht mehr erleben können. Freiherr von Richthofen verstarb nur wenige Monate vor der Eröffnung am 06. Oktober 1905 im Alter von 72 Jahren. Erster Direktor wurde Prof. Dr. Albrecht Penck.
Lassen wir am besten die einstigen Initiatoren für sich sprechen. Hier die Beschreibung des Museums aus dem ersten Museumsführer des Jahres 1907:
Das Museum für Meereskunde hat die Aufgabe, durch seine Sammlungen Sinn und Verständnis für das Meer und seine Erscheinungen, die Hilfsmittel seiner Erforschung, den Reichtum seines Lebens und dessen wirtschaftlichen Wert sowie für die volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung von Schiffahrt, Seeverkehr und Seemacht in weitesten Kreisen unseres Volkes anzuregen und zu verbreiten.
Es veranschaulicht daher durch eine ozeanologische Sammlung die Größe, die chemischen und physikalischen Zustände wie auch die Bewegung des Weltmeeres; es birgt in einem Instrumentarium die für die Meeresforschung und die Schiffahrt dienenden Instrumente; es führt in einer biologischen Sammlung das Leben des Meeres vor Augen und zeigt in einer Gruppe Fischerei, welcher Nutzen besonders aus den Meerestieren gezogen wird. Eine historisch-volkswirtschaftliche Sammlung ist dem Schiffbau, der Schiffahrt, dem Seeverkehr, dem Hafen- und Rettungswesen gewidmet. Zu diesen drei Abteilungen gesellt sich als Glied des Museums die Reichs-Marine-Sammlung, welche der Geschichte und Entwicklung der Deutschen Kriegsmarine gewidmet ist.
Das Museum befindet sich einstweilen in dem Gebäude Georgenstraße 34/36, das früher als Chemisches Institut der Universität diente, in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße. Im Erdgeschoß sind die Reichs-Marine-Sammlung und einige Gruppen der historisch-volkswirtschaftlichen Sammlung, im Obergeschoß die anderen das Seewesen darstellenden Gruppen dieser Sammlung, die gesamte ozeanologische Sammlung nebst dem Instrumentarium, die biologische und Fischerei-Sammlung untergebracht.
Das Museum soll nicht nur als eine Sammlung der Königlichen Universität Berlin dem Unterricht, sondern vor allem der allgemeinen Volksbildung dienen.
Der Eingang in das Museum erfolgte zunächst in die Reichs-Marine-Sammlung (Raum I) vom Flur des Erdgeschosses. Der Bereich zur Linken der Eingangshalle war geschmückt mit Handwaffen, welche auf Schiffen der preußischen und deutschen Kriegsmarine von 1848 – 1900 Verwendung fanden. Bis 1871 waren dies Enterbeile, Enterpieken, Faschinenmesser und Pistolen, ab 1871 waren es Gewehre, Seitengewehre und Revolver.
Über den Handwaffen befanden sich zur Dekoration u.a. zwei deutsche Reichskriegsflaggen (Toppflaggen), Die ersten Flaggen, die die Besucher im Museum zu Gesicht bekamen. Von diesen Flaggen ist jedoch kein Bildmaterial erhalten, so dass nicht bekannt ist, um welche Version der Reichskriegsflagge es sich handelte.
Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich nur mit einem Teilbereich der Reichs-Marine-Sammlung des Museums für Meereskunde, den dort befindlichen Fahnen, Flaggen und Kommandozeichen.
Die Flaggen und Kommandozeichen des Kaiserreiches hatten in der Reichs-Marine-Sammlung eine herausgehobene Stellung. Die Sammlung sollte bei der Eröffnung des Museums dem interessierten Publikum die Vielzahl und die Entwicklung der deutschen Marineflaggen näherbringen.
Auch Reedereiflaggen großer und bekannter deutscher Reedereien wurden gezeigt. Insgesamt sollte dem interessierten Betrachter ein flaggenkundlicher Abriss deutscher Seefahrtsgeschichte nähergebracht werden.
In einer späteren Umgestaltung des Museums wurden dann zudem besondere Flaggen aus dem Ersten Weltkrieg geehrt. Insbesondere handelte es sich hierbei um Flaggen von Schiffen, die sich auffallend in Kämpfen hervorgetan hatten oder auch um Flaggen, die unter extremen Bedingungen vor dem Untergang des zugehörigen Schiffes gerettet wurden.
Die größte Anzahl von Flaggen wurde im Lichthof des Erdgeschosses rund um die Decke hängend gezeigt. Hierbei handelte es sich überwiegend um Flaggenmuster der Rangflaggen der Marine.
An den Pfeilern der Freitreppe zum Lichthof (Raum II) hingen Tafeln mit Erläuterungen zu den einzelnen Flaggen. Hierzu war jede an einem eigenen Stab befestigte und frei herabhängende Flagge mit einem kleinen Nummernzettel versehen.
Der Lichthof hatte eine Größe von ca. 1o m Breite und fast 40 m Länge. Die großen und farbenfrohen Flaggen müssen ein beeindruckendes Bild für die Besucher abgegeben haben.