JEDE ÄHNLICHKEIT
MIT ZUFÄLLIG LEBENDEN PERSONEN
UND VORKOMMNISSEN
UNTER DEUTSCHEN DÄCHERN
UND AUF DEUTSCHEN STRASSEN
IST ZWAR NICHT ERWÜNSCHT,
ABER MITUNTER LEIDER
UNVERMEIDBAR.
NICHTS DESTO TROTZ,
HAT SICH AUCH WIEDER 85% GENAUSO
ZUGETRAGEN.
INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG
ANFANG NOVEMBER
MITTE NOVEMBER
ENDE NOVEMBER
ANFANG DEZEMBER
MITTE DEZEMBER
ENDE DEZEMBER
ANFANG JANUAR
MITTE JANUAR
ENDE JANUAR
ANFANG FEBRUAR
MITTE FEBRUAR
ENDE FEBRUAR
ANFANG MÄRZ
MITTE MÄRZ
ENDE MÄRZ
ANFANG APRIL
MITTE APRIL
ENDE APRIL
ANFANG MAI
MITTE MAI
ENDE MAI
ANFANG JUNI
MITTE JUNI
ENDE JUNI
ANFANG JULI
MITTE JULI
ENDE JULI
ANFANG AUGUST
MITTE AUGUST
ENDE AUGUST
ANFANG SEPTEMBER
MITTE SEPTEMBER
MITTE OKTOBER
ENDE OKTOBER
ANFANG NOVEMBER
MITTE NOVEMBER
ENDE NOVEMBER
ANFANG DEZEMBER
MITTE DEZEMBER
ENDE DEZEMBER
ANFANG JANUAR
MITTE JANUAR
ENDE JANUAR
ANFANG FEBRUAR
MITTE FEBRUAR
EPILOG
Für all jene, die mein 1. Buch noch immer nicht gelesen haben, hier eine kurze Einführung in die Materie…
Ich bin Tilly von Schrubbstein, inzwischen 29 Jahre, attraktiv und leider immer noch auf der Suche nach meinem persönlichen Traumprinzen… Glück im Beruf und Pech in der Liebe, das ist mein Leben… Seit einem Jahr habe ich ein eigenes, kleines Reinigungs- und Dienstleistungsunternehmen, das ganz gut läuft und mich immer wieder in neue Situationen bringt, die gemeistert werden wollen…
Weiter geht’s… meistens… SCHNIEF!! Aber WIE nur?
Ich bin ganz schön verzweifelt, meine Lage hat sich nicht im mindesten gebessert…
SEUFZ!!
Nicht nur, dass mein Lover Peter mit meiner Mitarbeiterin Angelique verheiratet ist und auch noch 2 Kinder mit ihr hat, das Finanzamt eine Steuerprüfung in meinem kleinen Unternehmen durchführen will, mein Vermieter mir wegen Eigenbedarf die erst seit knapp einem Jahr gemietete Wohnung gekündigt hat… Nein, es scheint sich das ganze Unglück dieser Welt gegen mich verschworen zu haben…
Und ich Doofi dachte, es könnte nicht schlimmer kommen… Und doch, es kam schlimmer…
Morgens um 7.25 Uhr ist die Welt noch in vollster Ordnung… Ich bin ausgeschlafen und bereit zu neuen Taten, die Tränen der Schmach sind fast versiegt und auch der Herzschmerz ist nicht mehr ganz so unerträglich wie eine Woche zuvor, als Angelique uns sozusagen „inflagranti“ erwischt hatte… Und das auch noch mitten in meinem chinesischen Lieblingslokal in unserem kleinen Dorf! Bei der Jubiläumsfeier zum Einjährigen meiner kleinen Firma hatte ich Vollidiot meinen Peter einfach geküsst – als Angelique, seine Frau, zur Tür hereinkam… Wenn das mal nicht für Gesprächsstoff sorgte!!
Wie konnte ich nur sooo blind sein… Dabei war ich diesmal auf Nummer Sicher gegangen und hatte ihn nicht sofort in mein Herz, mein Leben und mein Bett gelassen… Sollte ich vielleicht beim nächsten Kerl doch alles anders machen? Ihn gleich in die Kiste zerren und mitsamt seiner Zahnbürste bei mir einziehen lassen und danach erst einmal abwarten? Mein Herzchen muss schließlich geschützt werden vor den bösen Buben dieser Welt!!
Während ich noch so vor mich hindenke, fahre ich schon zur ersten Kundschaft an diesem düsteren, nebligen Morgen… Mein kleiner, französischer Mini-Van schnurrt durch die hügelige, kurvige Strecke…
„ROCK’N ROLL TRAIN“ trällert ACDC aus meinem
Radio…
???
HÄ!?!
Plötzlich schießt aus heiterem Himmel ein kleiner, grüner Kugelblitz auf meiner Fahrspur frontal auf mich
zu!!
WAS TUN???
Bevor mein Hirn reagieren kann, haben meine Hände schon nach links gelenkt… Doch der Seitenstreifen ist abfällig und zieht zuerst den linken Vorderreifen und dann auch noch das
ganze Auto die Böschung hinab… Weiter geht’s fast parallel zur Straße mit ca. 80 Sachen schliddernd durch die taufeuchte Wiese…
HILFE! HIIILFEEEE!!!
Vor mir sehe ich durch den Nebel den kleinen Schlittschuhweiher auf mich zukommen… Oh Gott!!
Doch wieder retten mich meine flinken Hände und mein Wagen schießt nach rechts durch die Alleebäume über die Straße auf die andere Seite…
KAWUMM!!
Es kracht und scheppert dass ich glaube, mein Unterboden mitsamt den Achsen geht gerade flöten…
Ich schliddere mitten auf eine große, alte Eiche zu…
HIIIILFEEEE!!!
„Das war’s dann wohl mit mir und der Welt, und das bei DIESEM Song!!“ denke ich noch, spreize mich mit beiden Armen am Lenkrad ein und schließe gottergeben die Augen…
???
Als ich sie wieder öffne, ist der Baum verschwunden und mein Autochen steht allein und verlassen am Waldrand, der Motor läuft noch und mein Herz schlägt wie wild… Mit zittrigen Händen öffne ich die Tür…
PUH!!
Meine Knie wackeln so sehr, dass ich mich erst einmal gegen das kühle Blech lehnen muss… Was war denn das, bitteschön?
Langsam realisiere ich, dass mir ein grüner Kleinwagen entgegen kam und ich höllisches Glück habe noch am Leben zu sein… Doch von dem Unfallverursacher ist weit und breit nichts zu sehen!! Und wo ist überhaupt der Baum hin?
Er steht noch an der selben Stelle!!
Hmmm???
Mir ist als hätte eine unsichtbare Hand die fette Eiche kurz vor mir herausgerupft und hinter mir wieder eingesetzt…
Vielen Dank, liebes Universum!!
Erst mal jemanden anrufen… Bloß WEN?
OMI!!
… … …
Funkloch, auch das noch!!!
Und wie soll ich nun in dieser gottverlassenen Wildnis nach Hilfe rufen??
F…!!
Mal meinen Wagen inspizieren… Habe ich schon erwähnt dass ich ein fast intimes Verhältnis zu meinem bora-bora-grünen Gefährt/en habe? Wenn es ihm nicht gut geht, dann leide ich auch… SCHNIEF!!
Reifen und Felgen sind noch dran… Zwar ganz, aber mit viel Grünzeug dazwischen… Links, rechts, hinten und oben schaut eigentlich alles ziemlich normal aus… Auch die Außenspiegel sind noch da… Von vorne betrachtet grinst mich allerdings die ganze Bandbreite der ländlichen Botanik aus dem Kühlergrill an…
Immer noch keine Menschenseele weit und breit…
An mir scheint auch noch alles heil zu sein, jedenfalls ist noch alles dran…;-)
Ob meine kleine, motorisierte Bergziege wohl die 3km bis zur nächsten Ortschaft durchhalten wird?
Ganz langsam lenke ich mein Gefährt wieder auf die Straße zurück… Mit vibrierenden 40km/h schleiche ich über die Landstraße in Richtung nächster Ort…
Hupt da etwa wer hinter mir?
Dann überhol mich doch, wirst schon sehen was dabei passieren kann!! DEPP!!
JUCHHU!!
Gleich am Ortseingang ist eine Autowerkstatt!! Ich bin gerettet!!
Der ältere Kfz-Meister schaut mich belustigt an als ich ihm meine Story erzähle…
„Na, Frolleinchen, dann wollen wir uns den Schaden von Ihrem Ausritt mal anschauen…“
Mit gerunzelter Stirn, vielen mir unbekannten Werkzeugen und Maschinen, manchen „Ooh’s“ und „Ah’s“ verschwindet er unter dem aufgebockten Wagen…
15 Minuten später steht fest: Mein Autochen ist bis auf zwei kleine Kratzer am Spoiler so gut wie neu!!
Mir geht’s auch soweit gut, nur eine klitzekleine Schramme am rechten Knie, wie ich grade festgestellt habe… Und natürlich der Schock, aber nun muss ich gleich weiter, mein Kunde wartet ja schon!!
Mit immer noch wackeligen Knien steige ich 15 Minuten später vor dem Haus meiner Kundschaft aus…
Da sitze ich nun vor meinem Laptop in meinem kleinen Kellerbüro, eingepackt in Flausch-Socken und dicken, orange-gestreiften Nemo-Hausschuhen, türkisem Fleece-Jogginganzug mit zusätzlichen Armstulpen und einer dicken Daunenjacke drüber, weil mein stromfressender Radiator gerade jetzt seinen Geist aufgegeben hat…
Es ist wirklich zum Heulen, habe aber Angst, dass meine Tränen gleich auf meinen Wangen gefrieren, deswegen verkneife ich’s mir…
Ich will eigentlich nur kurz im Internet checken, ob die Wohnungskündigung rechtens ist, so wie mein Vermieter sie mir mitgeteilt hat…
Eigenbedarf! PAH!
Nur weil seine Cousine dritten Grades gerade mal wieder keine Bleibe hat - wie ich bei Hilde im Nagelstudio herausgefunden habe, der Dorffunk funktioniert hervorragend…;-)
HÄ?
Was ist denn das für eine dubiose Werbung? Komisch…
Von mir ist die bestimmt nicht! Da steht zwar mein Name, und auch die Adresse ist richtig, aber meine Firmenbezeichnung ist definitiv nicht…
„Ernährungsberatung“!?!
Ob ich einen Telefonbucheintrag im Internet will? Wie bitte!?!? 1250 Euro wollen die dafür, für nur 2 Jahre? Spinnen die denn?
Gleich mal die Angaben berichtigen… Schnell tippen meine Finger über die Tastatur… Und NEIN, ich möchte keinen Eintrag, wieso denn auch, mein Geschäft läuft auch ohne so teure Werbung…
Außerdem, wie soll denn meine – meist ältere – Kundschaft bitteschön im Internet nach mir suchen, so ganz ohne PC!?!
Ah ja!
Was wollte ich denn noch gleich?
Mieterschutzbund… Da bin ich richtig!
Grübel… Grübel… Hmmm…
Na, da werde ich meinem lieben Vermieter doch mitteilen müssen, dass seine Kündigung nicht wirksam ist!! ÄTSCH!!
So leicht lasse ich mich nicht vertreiben…
Bin eigentlich inzwischen taff genug, um alle in die Flucht zu schlagen!!;-)
Neulich habe ich mich bei einem Freundeskreis im Internet angemeldet – nach dem Fiasko mit Peter…
Muss schließlich meinen Marktwert testen, frau will doch wissen ob sie noch Chancen hat, auch im „gehobenen“ Alter ihr Liebesglück zu finden!?;)
Wenn sich schon meine geliebte Omi im biblischen Alter verlobt hat wird wohl für mich auch ein geeignetes Segenstück verfügbar sein, oder etwa nicht!?!;-)
Außerdem muss ich mir Gedanken machen wie es nun in der Klinik weitergehen soll, denn Angelique hat gekündigt – fristlos… War ja klar… SEUFZ!!
Alex schafft die Reinigung dort alleine nicht und ich habe alle Hände voll zu tun um meine anderen Kunden zu bedienen… Manu reinigt die Treppenhäuser und ein Autohaus und weigert sich, noch weitere Kunden zu übernehmen – völlig ausgelastet sei sie…
PAH!
DAS bin ich auch!! GRRRR!!!
Moni aus dem Café hat sich bereit erklärt einen Job-Zettel für mich auszuhängen, sie ist echt süß!
Außerdem hat sie mich gebeten nun auch ihren Privathaushalt zu beputzen und zu bebügeln, da sie abends dazu keinerlei Lust mehr hat und lieber die Füße hochlegen will als schrubben…
Ihr Mausi – meint sie nun ihr Haustier oder ihren Freund? – regt nämlich nicht mal den kleinen Finger!
Anscheinend hat sie auch so ein „Prachtexemplar“ von Mann daheim…
Meinem Vermieter habe ich inzwischen schriftlich, per Einschreiben, mitgeteilt, dass ich nicht willens bin einfach so auszuziehen und wie ich im „Dorffunk“ gehört habe – wieder mal bei Hilde im Nagelstudio, der Quelle jeden Tratsches – war er gar nicht erbaut darüber! Kratzt mich überhaupt nicht! ÄTSCH!!
Schnell noch den Briefkasten leeren…
HÄ!?!
Eine Rechnung über 1250 Euro!? Spinnen die denn? Der vermaledeite Internetanbieter erdreistet sich doch glatt, obwohl ich überhaupt keinen Eintrag in dieses dubiose Telefonbuch will!!
Und dann noch die Ankündigung vom Finanzamt, sie wollen nächste Woche zur Steuerprüfung kommen… Ist vielleicht auch der finale Todesstoß dabei?
Nein, nur Werbung… Gott sei Dank!!
Während ich schnell ein Butterbrot verschlinge, checke ich meine Emails…
HUI!!
Mein Briefkasten bei der Freundschafts-Suchmaschine blinkt mich an!! Kann nur bedeuten dass sich ein lediges und hoffentlich gutaussehendes Mannsbild für mich interessiert…
Und… VOILÀ! Meine Fotos scheinen Erfolg zu haben…
Was schreiben denn meine potentiellen Heiratskandidaten? Bin voll neugierig!!
… Ähm… Das ist wohl nicht ernst gemeint, oder? So ein Schweinekram!! BÄH!!
Das ist weder Jugend- noch Erwachsenenfrei!! So ein Ferkel werde ich gleich sperren lassen…
BASTA!!;-)
Und sonst noch was? Aha… Blablabla… Alles Schrott…
Gut dass man die Fotos seiner „Widersacher“ auch gleich ansehen kann! Wer sich da alles mit feschem Äußeren deklariert… Tztztztz…
Ich muss schleunigst meine Buchhaltung auf Vorderfrau bringen, denn wie ich mir von Moni habe erklären lassen – mit den geldgierigen Raubrittern ist nicht zu spaßen…
Da wird jeder Beleg dreimal umgedreht, ob nicht doch ein Centchen mehr auf der Steuerseite mehr herausgepresst werden kann…
Die Ordner sind meiner Meinung nach in bester Ordnung, die Kundenkartei ist ordentlich sortiert, das Büro sauber, nur die Kälte hier unten im Keller könnte ein Problem werden… Aber ich habe weder die Zeit, mich darum zu kümmern, noch die Geduld, durch die ganzen Baustellen auf der Bundesstraße zu schleichen, um dann im Baumarkt gesagt zu bekommen dass gerade jetzt alle Radiatoren, Heizöfen und Lüfter ausverkauft sind… Seit Tagen schneit es nämlich unaufhörlich und ich kann aus meinem kleinen Kellerfenster nur noch weiß erkennen…
Dass ich mir einmal die „alten“ Zeiten zurückwünschen würde, hätte ich nie gedacht… Damals hatte ich viel Spaß im Leben, aber kein Geld… Heute ist es andersherum…
SEUFZ!!
Ja spinne ich denn?
DAS muss sich ändern! Und zwar flott!! Bin doch schließlich keine alte Jungfer die am Feierabend im Keller ihr sauer verdientes Geld zählt!! Ich war zeitlebens eine Party-Queen, und was ist daraus geworden?
Unglaublich, oder?
Sofort wähle ich Marys Nummer…
TUUT… TUUT…
„Hi, Süße! Das war Telepathie!“ grinst sie mich aus dem Hörer an.
„Dachtest du denn grade an mich? Oder hattest du so sehr Sehnsucht nach mir?“ scherze ich.
„Nein, ganz falsch, ich sitze grade bei Hilde im Nagelstudio und wollte dich fragen ob du auch auf ein Gläschen Prosecco zu uns stoßen willst!“
HURRA!! Telepathie ist klasse!!
„Bin in 2 Sekunden da…“ sag’s und knalle das Telefon auf den Schreibtisch…
„Hallöli!! Da bin ich schon!! Wo ist mein Glas?“ stürme ich in den kleinen Laden. Lachende Gesichter, Partylaune, viel Geplapper über den neuesten Klatsch, gepaart mit dem unverwechselbaren Duft von frischem Nagellack empfängt mich wohlig… Erinnerungen werden wach…
Mit dem ersten Schluck leere ich gleich das ganze Glas und lasse mir sofort nachschenken…
Neuigkeiten werden ausgetauscht und natürlich ist auch meine Pleite mit Peter Gesprächsthema… Da muss ich wohl oder übel durch… Aber da die anderen gackernden Hühner bereits viel mehr Blubberwasser intus haben als ich, kann ich alles ein wenig entdramatisieren und lenke geschickt das Gespräch darauf, wo die nächste Party stattfinden soll…
So erfahre ich auch von einer gigantischen Nikolausfete in dem neuen mexikanischen Event-Lokal in der nächsten Kreisstadt!
Da müssen wir hin, denn jedes Girl, das mit einer Nikolausmütze auf dem Kopf ankommt, erhält nicht nur freien Eintritt, sondern auch noch diverse Freigetränke!!
Ja, Mädels, auf was warten wir denn?
Gesagt – getan!
Um 21 Uhr sitzt die ganze Meute aufgemotzt und rot bemützt am besten Tisch mitten im Lokal… Wir genießen die gesponserten Caipi’s – die auch schon Wirkung zeigen… HICKS!
Mexikanische Musik klingt scheppernd aus alten Lautsprechern, der Barkeeper entfacht mit Hochprozentigem ein kleines Feuer auf der Theke und der Besitzer des Ladens schielt schon die ganze Zeit auf mich – liegt’s etwa an dem kurzen Kleidchen?;-)
Männer sind ja sooo berechenbar! KICHER!!
Von Mary weiß ich dass er verheiratet ist und seine Frau schwanger, was ihn aber nicht abzuhalten scheint… SCHWEIN!
Aber eigentlich schaut er ja ganz schnuckelig aus…;-)
Die nächste Runde bringt er höchstpersönlich zu uns an den Tisch… Als er mir mein Glas reicht, schaut er mir tief in die Augen… Seine sind übrigens meerwasserblau…
Pfui, Tilly schäm dich!! Wahrscheinlich liegt’s am Caipi, das Zeug hat doch viel mehr Umdrehungen wie mein heißgeliebter Prosecco… HICKS!!
„Könntest du später mal zu mir an die Theke kommen?“ flüstert er mir ins Ohr und verschwindet wieder bevor ich reagieren kann…
Was war das denn? Grade habe ich das Drama „Peter“ beendet und soll gleich ins nächste schliddern? Der kann mich mal! Nicht mit mir! BASTA!!
Für dieses Jahr sind meine persönlichen Atombomben alle schon geplatzt…
Gegen 3 Uhr verlassen wir gemeinsam die Lokalität und wie immer sind wir die Letzten… HICKS!!
Gerade als ich in meinen Mantel schlüpfe, kommt mir der Barbesitzer zu Hilfe…
DER schon wieder! Lass mich bloß in Ruhe, du alter Fremdgänger!!
Unsanft klopfe ich ihm auf die Finger! Das hat er nun davon… HICKS!!
„Magst du mir deine Handynummer geben?“ flüstert er dicht neben mir.
Ja sag mal, kapiert der denn gar nichts? Unglaublich, oder?
„Die hab ich vergessen…“ nuschele ich und öffne die Tür zum Hinausgehen.
Er kommt mir zuvor, stellt sich aber gleich in die geöffnete Tür: „Na, vielleicht hast du dann eine Visitenkarte dabei?“
Nun ist aber genug!! Hartnäckig wie ein sturer Esel!!
Bevor meine Hirnwindungen noch eine abweisende Antwort parat haben, hat sich schon meine rechte Hand selbständig gemacht…
POFF!!
… genau auf seine Backe! Na, die hat gesessen!! DAS Thema dürfte nun beendet sein…
Erstaunt seine Backe reibend, sieht er mich an: „Sag mal, behandelst du alle deine Neukunden so?“
HÄ!?!
Könnte mich bitte irgendwer wegbeamen? Mein Gesicht ist zwischenzeitlich genauso rot wie meine Mütze und auch der hohe Alkoholpegel versagt seinen Dienst… In einer Zehntelsekunde bin ich stocknüchtern…
„Ich wollte dich doch nur fragen ob du das Lokal sauber machen willst und was das kosten würde! Du bist doch die Tilly mit dem Reinigungsdienst, oder?“
Schadensbegrenzung – SOFORT!
Entschuldigungen stammelnd reiche ich ihm meine Karte und verschwinde an ihm vorbei in die
Dunkelheit…
TAXI!! TAAAAXI!!
Ich muss wech…
Heute ist der Tag der Steuerprüfung… Ich bin mächtig aufgeregt, habe sowohl Kaffee als auch Tee gekocht – weiß ja schließlich nicht welchen Geschmack die staatliche Gewalt hat. Meine Ordner stehen im Büro parat, ich bin gewappnet… Denke ich…
BRRRRING… BRRRRING…
Ah, das scheint sie zu sein… Mir wurde schriftlich eine Frau Schwarz angekündigt… Hoffentlich ist der Name nicht Programm!!
Freundlich lasse ich sie eintreten, bitte sie, ihren Mantel anzulassen, da die knappen Plusgrade in meinem Büro nicht gerade einladend sind, lege ihr meine Buchhaltung „zu Füßen“, schenke den gewünschten Tee ein und harre der Dinge die da noch kommen werden…
HÄ?
Mein Kopf ruckt hoch… Ich muss wohl ein bisschen eingepennt sein… GÄHN!! So eine Prüfung ist aber auch langweilig… Ich höre immer noch das monotone Geklapper ihrer Fingernägel auf dem Taschenrechner…
Ab und an blättert sie in den Ordnern… Schlürft geräuschvoll an der Tasse und ignoriert mich… Alles wie gehabt… Ihre Stirn runzelt sich verdächtig, sie scheint doch wohl nicht ein paar Ungereimtheiten gefunden zu haben? GRRRR!!!
Als sie sich zu mir umdreht, dreht sich bei mir der Magen um… Dieser Blick sagt nichts Gutes…
„Sagen Sie mal, Frau Schrubbstein, wie kommen Sie eigentlich darauf, dieses Kellerabteil als Büro anzugeben? Haben Sie dafür überhaupt einen eigenen Mietvertrag? Da hinter dem Vorhang ist doch nur Gerümpel gelagert! Also so geht das nicht! Das zählt ja nicht einmal unter Arbeitszimmer! Es gibt keine Toilette und der Korbstuhl dort in der Ecke weist ja sicherlich darauf hin dass Sie hier auch entspannen!“
Hat die noch alle Tasten auf ihrem Rechner? Ich glaube, ich spinne!! Bin ich eine Eisprinzessin ohne festen Wohnsitz?
Ich bin echt empört!! Dir gebe ich gleich Kellerabteil!!
Nur weil sie in ihrem warmen Großraumbüro mit Blick auf den See residiert, muss sie mein kleines, kaltes Reich nicht gleich so runterputzen!!
Improvisieren ist angesagt…
„Klar habe ich einen Mietvertrag für dieses Büro! Was denken Sie denn? Das Gerümpel dort hinten brauche ich zum Arbeiten, Leitern, Kübel, Seile, Kartons – alles Arbeitsmaterial! Und wenn ich mir hier in diese Ecke einen Paravent mit Nachttopf hinstelle, habe ich auch ein Klo! Außerdem hat die Handwerkskammer verordnet, dass ich eine Sitzgelegenheit für meine Kunden parat haben muss, sollte jemanden übel werden!“ verteidige ich mich…
Mit hochgezogenen Augenbrauen sieht sie mich an…
Da scheit dir nichts weiter drauf einzufallen, gieriger
Geldgeier, was!?!? HA!!
„Wir sehen uns wieder wenn Ihre Unterlagen neu berechnet sind, etwa in 4 Wochen. Sollte ich noch weitere Fragen haben, wende ich mich telefonisch an Sie“ sagt’s und entschwindet…
Unbehaglich blicke ich ihr hinterher…
Der Barbesitzer hat mich inzwischen angerufen, wir haben heute einen Begehungstermin in seinem Lokal.
Ich weiß zwar gar nicht wie ich das auch noch schaffen soll, vor allem, weil er eine tägliche Reinigung haben will… Die Kneipe hat ja immerhin von 11 Uhr bis 3 Uhr morgens geöffnet! Nachtschichten werde ich definitiv nicht einlegen können, irgendwann breche ich noch zusammen… Mary hat mir letztens schon gesagt dass ich nur noch ein Schatten meiner Selbst bin und meine Gesichtsfarbe an Gefängnismauern erinnert…
Stimmt! Ein Blick in den Spiegel… Da muss was dagegen gemacht werden, und zwar sofort!
BIGGI!!
Telefon zur Hand, Notfallnummer gewählt…
TUUT… TUUT…
„Mobiler Friseur- und Kosmetikservice, was kann ich für Sie tun?“ schallt es mir entgegen.
Was ist denn mit DER los?
„Hallo? Biggi? Notfall!! Ich bin’s, Tilly! Kennst du mich denn nicht mehr?“
„Tut mir leid, Sie sprechen nicht mit Biggi, sondern mit Gerlinde, ich bin die Neue im Team, Sie wollen einen Termin?“
???
Ist bei Biggi jetzt der Reichtum ausgebrochen? Das ist ein NOTFALL und ich brauche Biggi!!! Heute noch!!
Dalli!!
Na, der werde ich jetzt mal Dampf machen!
„Liebe Gerlinde, ich brauche keinen Termin, ich habe einen Notfall und der sollte eigentlich schon behoben sein, also geben Sie mir nun BITTE die Chefin, aber flott!!“ presse ich so freundlich wie möglich zwischen meinen Zähnen hindurch.
„Die Chefin ist leider unterwegs, kann ich ihr etwas ausrichten?“ kommt es lapidar durch den Hörer.
Entnervt lege ich auf… Das kann doch alles nicht wahr sein, oder? Wenn ich so mit meinen Kunden umgehen würde… Dann wäre mein Laden bestimmt schon längst geschlossen… Himmel!! Ich muss Biggi warnen!!
Die „liebe“ Gerlinde wirtschaftet noch den besten Salon der großen Kleinstadt-Welt in Grund und Boden wenn sie so weitermacht…
TUUT… TUUT… TUUT…
„Hi Süße! So eine Überraschung! Lange nichts von dir gehört! Du musst ja aussehen wie einer deiner Besen!“ schallt Biggi’s Stimme aus meinem Handy.
HÄ!?!
Hat die jetzt auch schon telepathische Fähigkeiten?
„Ich brauche dich und zwar schnellstens!! Für meine Schönheit und den Erhalt deines Ladens! Ich habe grade Bekanntschaft mit deiner Gerlinde gemacht…“
Nachdem ich Biggi ein großes Glas Prosi – so nennt sie Prosecco seit neuestem – eingeschenkt und ich mit frisch gewaschenen und gespülten Haaren am Küchentisch Platz genommen habe, komme ich gleich zur Sache…
„Wenn deine neue Chefsekretärin all deine Stammkunden so behandelt, dann hast du bald keine mehr, meine Liebe… Mir wäre beinahe der Hörer aus der Hand gerutscht, bei all den Eiswürfeln die da rauskamen…“
„Ich weiß ja, dass sie nicht die ultimative Besetzung für den Job ist, aber sie passt nebenbei auf die Kinder auf und ich kann so mehr arbeiten!“ verteidigt sich Biggi.
„Dann bring der lieben Gerlinde doch mal Manieren bei, sonst seid ihr beide bald arbeitslos!“ resümiere ich zwischen zwei Schlückchen.
AUTSCH!
Unsanft zieht es auf meinem Kopf… Geht’s noch? Die Wahrheit wird man ja wohl noch sagen dürfen, oder?
Um 21 Uhr ist sie endlich fertig mit ihrem Kunstwerk – Biggi hat sich wieder mal selbst übertroffen, auch wenn sie reichlich grob mit mir war – das Ergebnis zählt schließlich…
SEUFZ!
Eigentlich schade dass es unter der Woche ist und ich nicht gleich meine neue Haarpracht unter die Leute bringen kann, aber ich muss morgen in aller Frühe raus…
Noch ein wenig in die Glotze geguckt und dann ab in die Heia, nur der frühe Vogel fängt schließlich den Wurm!
… HUCH! Was war denn das? Ich muss wohl einen kurzen Moment eingedöst sein…
Telefon? Nein… Fernseher? Auch nicht… Hmmm…
Vielleicht ein Feuerwerk? Nichts zu sehen… DA! Schon wieder! Ich glaub es nicht! Über mir rumpelt es als würden 20 Leute Stepptanz üben…
Ein Blick auf die Uhr… 23.47
Das kann doch nicht wahr sein! Ich gehöre der arbeitenden Bevölkerung an! Also gut, Ohrstöpsel rein und ab ins Bett, Decke über den Kopf und Augen zu…
PLOCK… PLOCK… TAPP… TAPP… TAPP…
Zwar gedämpft aber immer noch gut hörbar stampft es über mir weiter…
GRRR!!!
Nun ist aber genug! Rein in die rosa Plüschpuschen, den passenden Morgenmantel dazu und schon bin ich die Treppe oben…
Ring… Ring… Ring… Ring… Ring… Ring…
Na endlich! Die Tür öffnet sich!
„allo rau rubbtein, aren wir eta u aut?“
???
„Haben Sie mal auf die Uhr geschaut? Mit Ihrem Getrampel wecken Sie ja Tote wieder auf! Was machen Sie da eigentlich?“ empöre ich mich.
„abe eut burtsdach, ut mi lei as ir so aut in.“
Komisch, neulich im Treppenhaus konnte sie mich noch ganz normal grüßen!? Wahrscheinlich ist die Schnapsdrossel komplett besoffen!
„Wenn’s ein großes Bisschen leiser gehen könnte, wäre mir schon sehr geholfen!“ sag’s und entschwinde kopfschüttelnd ins untere Stockwerk.
Dabei rutscht mir einer der Ohrstöpsel aus der Muschel…
Typisch!! Tilly, die taube Nuss… Ganz klasse! Na, nochmal blamieren werde ich mich jedenfalls nicht… Da muss ich wohl heute Nacht durch…
Ja, schau mal einer an! Wer steht denn da vor meiner Tür!? Ein klitzekleines Grinsen kann ich mir nicht verkneifen…
„Angelique! Was machst du denn hier?“ frage ich erstaunt – wobei ich sehr genau weiß warum sie gekommen ist, denn schließlich funktioniert der Dorffunk bei Hilde wie immer vorzüglichst!
„Hallo Tilly, meinst du ich könnte wieder bei dir zu arbeiten anfangen? Ich bräuchte das Geld wirklich dringend.“
Tja, mal überlegen…;-)
„Nur wenn du nicht wieder von heute auf morgen kündigst!“ zwinkere ich sie an.
„Dann darfst du aber nicht wieder mit meinem Mann ein Verhältnis anfangen!“
Lachend fallen wir uns in die Arme… Gebongt!!
„Könnte ich dann vielleicht gleich 1.000 Euro Vorschuss haben? Ich arbeite es auch zuverlässig ab.“
Na, die scheint ja Geldsorgen zu haben… So kurz vor Weihnachten – verständlich…
„Alex wird sich freuen! Der weint dir schon die ganze Zeit hinterher und ich muss es ertragen! Morgen kannst du wieder anfangen.“
So hat sich zumindest ein Problem für mich in Luft aufgelöst… PUH!
WAS!?! Schon wieder so eine vermaledeite Mahnung von dem komischen Internetanbieter in der Post! Was soll ich nur machen? Ich werde denen doch nicht mein sauer verdientes Geld in den Rachen werfen für nix und wieder nix!! Nicht mit mir!!
Ein kurzer Anruf bei einer bekannten und befreundeten Rechtsanwaltskanzlei der Familie in der großen Kreisstadt lässt mich Hoffnung schöpfen… Ich soll mich mucksmäuschenstill verhalten und erst wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid kommt, was er aber nicht glaubt, da diese dubiosen Firmen eine gerichtliche Auseinandersetzung scheuen, soll ich mich wieder bei ihm melden… So, nun ist mir wohler!
Dann werde ich mich jetzt mal aufmachen und Weihnachtsgeschenke kaufen, bin eh schon ziemlich spät damit dran… Hatte eigentlich gedacht dass ich dieses Jahr auch einen Mann an meiner Seite beschenken kann, aber leider… SEUFZ!!
Seit meine geliebte Omi mit ihrem Karl-Gustav zusammen ist, erreiche ich sie überhaupt nicht mehr!
Die beiden reisen was das Zeug hält… Andauernd flattern mir Postkarten aus allen Teilen der Welt in die Bude und immer ist ein Pfotenabdruck von dem bissigen Dackel Heini mit drauf… Ohne ihn scheint es nicht mehr zu gehen… Fühle mich echt zurückgesetzt!
SCHNIEF!!
Na, dann werde ich den beiden Zweibeinern mit ihrem Vierbeiner eben auch nur eine Weihnachtskarte senden… Wie der gesamten anderen Verwandtschaft, denn ein Treffen wird es dieses Jahr ja nicht geben – außer Omi lädt uns alle nach Honolulu ein…
Hat eigentlich auch was!
Für Moni, Mary, Manu, Biggi, Hilde, Angelique und Alex besorge ich lauter liebevoll verpackte Kleinigkeiten, denn ich mache wieder eine Weihnachtsparty. Dazu bringt jeder 8 kleine Geschenke mit, die dann untereinander getauscht werden… Hat letztes Jahr funktioniert und Spaß gemacht, da kann dieses Jahr auch nichts schief gehen…
HUCH!?
Was ist denn da in der Post? Ein quietschrotes Brief kuvert!? Von wem das wohl ist?
UUPS!!
Das kann doch nicht wahr sein… Erst am 24.12. öffnen…
Ich glaub’s nicht, und das mir, die ich doch sooo neugierig bin!! GRRR!!
Na gut, dann warte ich halt die paar Tage noch…
Oder nicht?;-) Sieht ja keiner ob ich es nicht doch vorher geöffnet habe…
RATSCH…
HÄ!?!
Eine Einladung von meinem Verflossenen Erich und seiner hochschwangeren Angie… Zu ihrer Verlobung am 1. Weihnachtsfeiertag… Na, der hat Nerven!!
Mich mit meiner Ex-Freundin betrügen und nun einen auf heile Welt machen, das kann er haben! Wird sicherlich lustig – was ziehe ich bloß an?
Da muss ich wohl gleich noch mal los, der richtige Fummel ist schließlich elementar wichtig!
Also nochmal rein ins Auto und ab durch die Mitte…
Nicht zu teuer soll es sein, ein wenig sexy natürlich, er soll doch sehen was er verloren hat durch seine eigene Dummheit…;-)
Die kleine, aber sehr chice Boutique scheint mir richtig…
„Guten Tag die Dame, womit kann ich dienen?“ wieselt die dickliche Verkäuferin auch sofort um mich herum…
„Ich brauche ein Outfit für eine Verlobungsfeier, nicht zu bieder, wenn Sie verstehen was ich meine.“ formuliere ich meinen Wunsch.
Aber alles was sie anschleppt ist entweder sackartig, in ökologisch angebauten Naturtönen oder viel zu hausbacken…
Da fällt mein Blick auf ein goldenes Minikleidchen mit Spaghetti-Trägern und kleinen silbernen Sternen vorne drauf… Das wäre doch das Richtige, oder?
Goldene Mörder-Riemchen-Pumps habe ich bereits…
HUCH!!
Der Preis ist aber gesalzen! Macht nix, gleich mal reingeschlüpft!
Nicht von schlechten Eltern… Aber meine geschrumpfte Oberweite lässt das Ganze dann doch ein wenig dürftig aussehen…
„Da haben Sie aber eine ausgezeichnete Wahl getroffen! Wir haben auch die passenden, selbstklebenden Silikoneinlagen dafür, sollten Sie dies wünschen.“
Wünschen? Die brauche ich definitiv, Monstereinlagen wenn’s geht!
So ausgestattet verlasse ich zufrieden den Laden und renne förmlich genau in Anna…
WOW!!
Ihr Bauch hat gigantische Ausmaße angenommen seit wir uns das letzte Mal gesehen haben!
Die On-und-Off-Beziehung mit Marcello scheint ihr nicht zu bekommen… Jedenfalls schaut sie nicht glücklich aus…
„Hi Süße, was machst du denn hier?“ frage ich sie während ich ihr links und rechts ein Bussi auf die Backen drücke.
„Babyshopping, denn wer den Wal hat, hat die Qual!“ seufzt sie.
„Dürfte ja bald so weit sein, denn sonst platzt du! Bist du sicher, dass da nur Eines drin ist?“
„Das hoffe ich doch stark, es wird ein Mädchen, weißt du das eigentlich schon? Und was machst du hier?“
„Erich wird sich mit Angie verloben und ich bin auch eingeladen, unglaublich, oder? Und da brauche ich doch ein passendes Kleidchen für so einen festlichen Anlass!“ sag’s und ziehe die goldene Kleinigkeit triumphierend aus der Tüte…
Anna fallen beinahe die Augen raus: „Sooo willst du dort erscheinen? Tilly, das geht schief!“
PAH!
In der Vorweihnachtzeit ist immer ziemlich viel Stress, all meine Kunden wollen ihr Heim schön haben für eventuellen Verwandtenbesuch und somit habe ich alle Hände voll zu tun um meine „Schmutzgeber“ zu befriedigen…
PUH!
Eine ältere Dame, was sag ich, die Lady ist immerhin schon 95 Jahre, darf ich seit einiger Zeit 2 × die Woche beputzen… Morgens um 8.00 Uhr stehe ich vor ihrer Tür…
„Ja bitte? Wer sind Sie denn?“ öffnet sie den Eingang.
???
„Frau Rückl, ich bin’s doch, die Tilly, wollen Sie mich nicht reinlassen?“
„Wer hat Sie denn geschickt? Ich kenne Sie doch gar nicht!“ entrüstet sie sich voller Unmut.
Das wird ja immer lustiger!
Während ich noch versuche, ihr zu verklickern dass ich seit geraumer Zeit ihr Heim pflege, stößt ihr auch schon in die Jahre gekommener Sohn zu uns…
Freundlich grüßt er mich und gemeinsam überzeugen wir die kleine Omi, dass alles rechtens ist…
Schließlich lässt sie mich seufzend eintreten: „Ach, im Alter werde ich immer trotteliger, muss man denn so alt werden? Ich sehe nur noch, leider nicht mehr allzu gut – man hört nur noch und das auch nicht mehr gut, und man riecht nur noch – und das auch nicht mehr gut!!“
Sie ist wirklich zum Schreien!!
Als ich einen Niesanfall bekomme wegen der Staubwolken unter ihrem Bett, meint sie schelmisch:
„Junges Fräulein, Sie werden doch wohl nicht krank werden? Das Beste gegen Husten ist ein hartgekochtes Ei, ganz und mit Schale runtergeschluckt, dann husten Sie nie wieder! Aus Angst dass es vollständig wieder hinten rauskommt!“
Na, die hat ja einen schrägen Humor!!
Moni’s Mausi hat sich inzwischen auch schon daran gewöhnt dass ich jeden Dienstag zur selben Uhrzeit den Staubsauger anschmeiße, er scheint eine Staubsauger-Allergie zu haben, denn er flüchtet regelmäßig innerhalb von 5 Minuten…
Angelique und Alex arbeiten wieder wie gewohnt in der Klinik zusammen und es scheint erneut mächtig zu knistern zwischen den beiden… Schade nur, dass sie sich nicht scheiden lässt, dann wäre der Weg für mich und ihren Mann Peter endlich frei… Alex hat mir vertrauensvoll erzählt, dass schon mehr war als nur ein kleines Küsschen… Ob ich ihrem Ehegatten das vielleicht stecken sollte?;-)
Nee, nee, Tilly, verbrenn dir da mal nicht die Fingerchen!!
Die Weihnachtsparty war der volle Erfolg, grade sind die letzten Gäste gegangen und ich räume leicht beschickert die Gläser in die Spüle… Es war sehr rotweinlastig, den Rest werde ich jetzt noch gemütlich auf dem Sofa zu mir nehmen und den Abend ausklingen lassen… Abend? Na, eher schon früh morgens…
BRIIIING… BRIIIING…
Da hat wohl wieder jemand etwas vergessen!
Rasch auf den Türöffner geditscht, noch schnell die hohen Hacken ausgezogen und auf die Tür!
HÄ!?!
„Lässt Du mich noch rein? Ich hab draußen gewartet bis alle gegangen sind…“
Zwei strahlend blaue Augen blitzen mich an und ehe ich mich noch gefasst habe, tragen mich zwei starke Arme geradewegs ins Schlafzimmer…
Na, das ist doch der perfekte Ausklang für einen solchen Abend, oder?;-)
Schade, dass Peter nach „getaner Arbeit“ verschwinden muss, aber wenigstens hatte ich im alten Jahr nochmal richtig guten Sex, wenn auch mit dem falschen Mann…
Wieder mal… SEUFZ!!
So, nun aber schlafen, morgen steigt Erich’s Verlobungsfeier und da kann ich keine dunkelbraunen Augenringe gebrauchen…
F…!!
Wie zur Hölle soll ich denn nur diese doofen Silikoneinlagen anlegen!?!? DAS hätte mir die Verkäuferin mal vorführen sollen!! Selbstklebend!!
PAH!! Entweder sieht es aus als hätte ich mega Hängetitten oder sie kleben mir kurz unter dem Kinn…
Die Investition hätte ich mir echt sparen können… Aber ohne die Dinger schaut der Fummel nicht gerade sexy aus…
Was tun? Lass dir was einfallen, Tilly!!
Ich könnte mir doch… Ob das wohl funktioniert? Gleich mal ausprobieren…
STOPF… STOPF…
Na also, klappt doch!! Zu was die alten Tennissocken nicht alles gut sind!! Einfach in den BH gestopft und schon hat man 2 Körbchengrößen mehr! VOILÀ!!
Nun kann ich meinen großen Auftritt hinlegen! Erich wird der Speichel aus dem Mund sabbern und seine dickbauchige Angie wird Gift und Galle spucken… Nicht dass ich Schadenfreude empfinden würde – Neiiin! Das haben sie einfach verdient!! BASTA!! Mich monatelang zu hintergehen tut man doch nicht ungestraft!
Hoch erhobenen Kopfes, mit durchgedrücktem Rücken und einem riesigen, festlich eingepackten Paket, drücke ich auf die Klingel…
„Hallo Erich, danke für die Einladung, wo ist denn deine Braut? Gratulation euch beiden!“
Küsschen links und rechts, einen tiefen Blick in seine Augen und schon bin ich an ihm vorbei…
Na, recht feudal schaut das traute Heim ja nicht aus…
Die hätten mal eine Putzfrau nötig!
LACH!
Während ich noch überlege ob ich überhaupt ein Glas in die Hand nehmen soll, geschweige denn es zu meinen Lippen führen, stehe ich Angie gegenüber…
„Grüß dich, Tilly, schön das du kommen konntest,“ empfängt sie mich mit dem falschen Lächeln einer Schlange…
Kontern!! „Gut schaust du aus, muss ja bald soweit sein, so dick wie deine Kugel schon ist!“ gebe ich zurück, obwohl ich weiß dass sie erst Ende Januar entbinden wird…
„Das hier wirst du wohl bald sehr gut gebrauchen können!“ Das Paket wandert von mir zu ihr…
Geräuschvoll reißt sie es auch gleich auf, ein enttäuschtes: „Ach, Babywindeln?“ signalisiert mir, dass ich einen Volltreffer gelandet habe! HA!!
Erst einmal alles inspizieren… Das „Kinderzimmer“ entpuppt sich als Rumpelkammer, nicht größer als das kleine Bad… Im Wohnzimmer tummeln sich schon einige Gäste, darunter auch bekannte Gesichter, Marcello ist alleine da, Anna – seine Freundin – zickt mal wieder, behauptet jedenfalls er… Auch Loddi erblicke ich auf dem Balkon beim Rauchen… Er ist sichtlich erfreut mich zu sehen…
„Saulangweilig hier! Bist du gerade gekommen?“ will er sogleich wissen.
Ich nicke zustimmend – zu beidem!
„Bist du mit Silvie eigentlich noch oder wieder mal zusammen? Und was macht dein Vorhaben mit der kleinen Kneipe im Nachbardorf?“ frage ich neugierig.
Er erzählt dass Silvie sich mit einem ihrer Freier eingelassen hat und er nun endgültig als Zahler ausgedient hat. Das Pub wird grade umgebaut, er will auch einen Pizzaservice anbieten…
Nächsten Monat soll es losgehen und ich darf ihn natürlich dann auch in dem Lokal „beputzen“! Zu Freudenstürmen reißt mich das nicht gerade hin, weiß ich doch wie es in seiner Wohnung jede Woche aussieht!
„Sag mal, was machst du eigentlich Silvester? Schon was vor?“ erkundige ich mich, mir meine Gedanken machend, was ICH zum Jahreswechsel genau genommen vorhabe…
„Da ist es doch noch sooo lange hin, du fragst Sachen!“ antwortet er mit einem Augenrollen…
Männer!!
Wir machen aus, dass wir uns gegenseitig informieren wenn irgendwo eine Sause stattfindet…
Und nun? Hier draußen wird’s mir allmählich ziemlich kalt… BRRR!!
Drinnen hocken alle nur auf dem alten, durchgesessenen Sofa herum… Erich’s bestes Stück, das ich ihm gelassen hatte, als ich ihn verlassen habe…
Soll ich mich nun an ihn ranschmeißen wie Angie damals, als er mit mir noch zusammengewohnt hat? Einen Spaß wäre es wert, denn ich bemerke aus den Augenwinkeln, dass er mich die ganze Zeit von oben bis unten mustert…;-)
Betont hüftschwingend verlasse ich das Wohnzimmer und gehe langsam – gaaanz langsam – durch den Flur in die Küche… Wie auf Kommando folgt er mir…
Na, das klappt ja wie am Schnürchen!!
Als ich mir einen Prosecco Aperol einschenke und das Glas vorsichtshalber mit einem Strohhalm versehe, steht er auf einmal hinter mir… Immer noch der gleiche Duft, unverkennbar, habe ich ihm den nicht geschenkt?
Langsam drehe ich mich zu ihm um… Schlinge meine Arme um seinen Nacken und wir sehen uns nochmals tief in die Augen…
„Na, zufrieden mit deinem jetzigen Leben?“ grinse ich…
Als Antwort küsst er mich heftig auf den Mund…
MIT Zunge!!
HOLLA!!
Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet… Der scheint’s ja mächtig nötig zu haben…
Mit der Gesamtsituation unzufrieden, würde ich mal sagen…
„Was machst du denn später noch? Bist du daheim?“ höre ich ihn sagen.
???
Das ist echt der fadeste Anmachspruch den ich jemals gehört habe!! Ich sollte ihn so angespitzt wie er ist, einfach stehen lassen… Unverschämtheit, so was!!
Hat immer noch keine Manieren, der Kerl…
SEUFZ!!
Eigentlich wollte ich ihn ja ins Bad ziehen… Aber dort graust es mir dann doch zu sehr… Ähnelt eher einer Waschzelle in einem überfüllten Campingplatz…
WÜRG!!
„Schau das du dich schnell abseilen kannst, ich bin zu Hause…“ flüstere ich ihm ins Ohr während ich mich abwende…
Warum sollte ich denn auch nicht!?! ICH bin schließlich diesmal frei und ungebunden… Damals war es Angie…
Gleiches mit Gleichem vergelten… Bin zwar nicht ganz bibelfest, aber so heißt’s doch immer, oder??
Lange habe ich überlegt ob ich mich gleich aus der Schale pellen oder ob ich es ihm überlassen soll… Und währenddessen noch mal meinen Alkoholpegel erhöht… Angie’s fader Billig-Prosi war dann doch nicht so ganz mein Geschmack…
BRRR!! Mich schüttelt’s jetzt noch!!
Oh Gott!! Während mir einfällt, dass ich die letzte Nacht mit Peter in meiner Kuschelkiste verbracht habe und keine neue Bettwäsche aufgezogen habe – läutet es schon…
MIST!!
Kurz mit der Hand durch die Mähne, Lippenstift nachgezogen – will schließlich verräterische Spuren an seinem Hemdkragen hinterlassen…;-)
Wenn schon Rache, dann richtig…
„Hallo Schatzi,“ grinst er mich verschmitzt an „ich habe mich echt beeilt…“
SCHATZI!?!
Naja, Namen waren nie seine Stärke… Verziehen…
Schon ist er aus seinem Hemd geschlüpft…
Hey, Momentchen mal!! Ich muss doch noch meinen Lippenstift drauf verteilen!!
RATSCH!!
Na, das war’s dann wohl mit meinem neuen Kleidchen…
Der Reißverschluss ist definitiv hinüber… Superklasse, gut gemacht, alter Trampel!!
Plötzlich fängt er lauthals zu lachen an…
???
Nee… Oder?? Mensch, Tilly, du dumme Liesl!! Meine Augen folgen seinem Blick… Zu meinem Dekolleté…
Links und rechts zipfeln aus meinem BH die alten Tennissocken heraus…
HILFE!! Nix wie weg hier!!
Moment mal, das ist ja meine Wohnung!! Also: Raus hier, aber Pronto!!
Während er vor meiner Wohnungstür in sein Hemd schlüpft, sinke ich innen an der Tür nach unten…
Bin mir nicht ganz im klaren wie gerade mir das passieren konnte… Ich muss nächstes Mal viel geplanter vorgehen, soviel ist sicher…
Nur noch 2 Tage bis zur Silvesternacht und ich weiß immer noch nicht was ich da machen werde…
Loddi hat auch keinen Plan… Hilde ist zum Skifahren gefahren, Moni macht mit ihrem Mausi einen auf Familie, Angelique und Peter fallen sowieso aus, Alex will in die Hauptstadt zu einer Techno-Sause – so gar nicht mein Ding, Biggi plant mit ihrer Familie eine Fackelwanderung durch den Schnee – da kann ich alte Frostbeule mir zum Jahreswechsel aber auch was besseres vorstellen… Mary!!
Sie muss mich retten!!
TUUT… TUUT… TUUT…
“Hi Süße, sag nur, du weißt auch nicht was du Silvester machen willst…” schallt es fröhlich an mein Ohr.
Wie schön, dass mich meine beste Freundin so gut kennt!!
Zur Diskussion stehen ein Spieleabend mit Fondue – wie langweilig!! GÄHN!! Essen im mongolischen Lokal und danach an den See zum Feuerwerk gucken – bin ich denn schon eine Rentnerin? PAH!! Da hat ja meine Omi noch mehr Pep!!