Impressum
Vom Geist in den Wassern
Eine mystische Reise zum Inneren der Natur
von Doris Richter
Lektorat: Madeleine Brandenberg, lic. phil. Psychologin
Photos: iStockFoto
Herstellung und Verlag:
Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 9783735703675
2. Auflage - Februar 2015
Layout & Satz: NEURONprocessing & www.eBook-Freun.de
© Doris Richter &
Joy-Edition Verlag für Wort und Bild, 6430 Schwyz CH
Kontakt@PraxisRichter.com
Je intensiver der Mensch sich mit der Natur befasst, desto mehr erfährt er auch von ihr. Das ist eine Tatsache, die wohl so alt ist wie die Menschheit selbst.
Doch Natur ist nicht nur die Erde, die Pflanzen und Steine, nicht nur die Tiere und die Menschen. Natur ist auch der Geist. Er umkleidet sich und bringt sich in unzählbaren Formen dar und wandert mit ihnen durch alle Zeiten.
Dabei nimmt die Form des Wassers eine grossartige Stellung in unserem Universum ein. Nicht nur, dass das Wasser alles für unser aller irdisches Überleben ist, Wasser ist auch das Symbol des Bewusstseins.
Mit dem symbolischen Gehalt des Wassers sind wir in Zwiesprache mit dem Geist. Durch die Bilder, welche zu Symbolen werden, spricht uns der Geist in leisen Worten und stillen Stunden. Der Geist des Wassers führt uns in diesen symbolträchtigen Geschichten durch Raum und Zeit .
Er leitet uns weiter zu anderen Ufern des Denkens, an denen der Geist der Ewigkeit sich wie ein leiser Wind in unserem entfaltenden Bewusstsein verlauten lässt.
Unsere Gedanken, in Bildern und Symbolen verwebt und leicht gemacht, verändern unser Denken. Sie lassen unserer Seele Flügel wachsen, damit sie sich ausdehnen kann, über alle irdischen Grenzen hinaus.
Doris Richter
Schwyz
„Wer in der Zeit sein Herz auf die Ewigkeit gestellt hat, und in wem alle zeitlichen Dinge tot sind, da ist Vollendung der Zeit.“
Meister Eckhart, Mystische Schriften
Die Jahre des Wachstums haben keinen Anfang und kein Ende. Sie sind wie ein Kreis, der in sich geschlossen ist. Aber da sich im Wachstum die Form bewegt, die ein Spiegel der Zeit sein darf, erkennt das Auge des Betrachters einen Wandel darin und wenn ein Zyklus beginnt, hat dieser auch ein Ende. Der Zyklus hat sich zu wiederholen und obwohl er sehr ähnlich ist, ist er doch nicht mehr derselbe. Auch die Form hat daraufhin ihr Bild zu ändern.
Die Zyklen zeigen den Wandel in der Zeit. Sie haben einen Beginn und ein Ende, doch das Wachstum an sich ist im Geiste des Herrn ohne Anfang und ohne Ende. Wie schwer ist es zu begreifen, wünscht der Mensch doch in seiner Betrachtung eine Struktur zu finden, die ihm eine Illusion in die Hände spielt, damit er glaubt, alles hat einen Beginn und alles findet ein Ende darin.
Unendlich ist der Geist in seiner Schöpfung, deshalb kann es für ihn keine Grenze geben. Unendlich ist auch der Geist der Zeit. Nur die Form gibt sich dem Wandel hin. An ihr schenkt sich die Zeit ein Kleid. An ihr schenkt sie sich eine Freude, denn durch die Hülle vermag sie es sich zu verbergen. Es ist, als wäre es ein Spiel, welches sie treibt um ihre Wahrheit zu verhüllen durch einen Schleier. Wann ist der Mensch bereit, ihr Geheimnis zu ergründen? Wann macht er sich auf den Weg um sie ganz zu umkreisen? Wann hat der Mensch die Fähigkeit erlangt, die Zeit zu fangen, um sie zu halten in seiner durch Weisheit geformten Hand.?
Erst wenn seine Taten zu Handlungen werden, die den Geist der Ruhe ihren Sinn finden lassen, beginnt der Mensch zu ahnen, was es heisst, das Geheimnis der Zeit zu hüten, wie einen verborgenen Schatz. Niemand wird ihm die Arbeit ersparen, einst den Geist der Zeit umfangen zu halten, wie ein Bräutigam die Braut in der hohen Zeit. Wenn er sich überwunden hat und kein Hindernis scheut, den Weg zu gehen, den nur der wahre Sucher kennt, dann verliert er auf seinem Pfad das Gefühl, geprägt zu sein durch die Zeit. Denn wenn er auf den Spuren ist um die Zeit zu finden, hat sich für ihn das Blatt gewendet und nichts kann mehr wie früher sein. Doch es wird kein Anzeichen geben dafür, dass es geschehen ist im Wandel der Zeit. Es kann kein Merkmal geboren werden, um den Betrachter ein Zeichen zu geben. Denn nur im Wandel der Form gibt es Geburt und Tod, gibt es einen Anfang und einen Beginn, stehen die Zeichen der Zeit, um als solche verstanden zu werden. Und obwohl es eben keine Zeichen gibt, die den Moment beschreiben oder festzuhalten vermögen, hat der Wanderer auf der Suche nach der Zeit, den Geist dieses unsteten Wesens, irgendwann doch in Liebe in die Arme geschlossen, um es ganz zu verstehen.
Eine Hochzeit wird gefeiert und der Geist der Erkenntnis soll das Kind erzeugen. Befreiung hat der Sinn dieser Vereinigung zu sein. Kein falsches Denken und auch kein unerleuchtetes Sein hat nun mehr einen Platz. Es wird keine Form mehr finden können, in der es lebt, vielleicht eine geraume Zeit. Denn das Blatt hat sich gewendet. Der Zwang unerleuchtet in der Form zu sein, gehört der Vergangenheit an. Der Geist der Zeit hat das Lied vergessen, welches erklang und ein Echo erzeugte, durch die Grenzen einer erstarrten Welt, in der Mangel an Beweglichkeit einen Samen setzen konnte. Doch nun war auch dieser durch den Tod befreit. Denn wenn die Grenzen fielen, war sein Leben dahin. Dies bestimmte der Zyklus der Zeit.
Der Geist kannte keinen Zweifel, als er den Sinn der Zeit verstand. Er schloss Frieden in sich und blickte in eine Richtung zurück, die ihm als Vergangenheit erschien. Er sah noch einmal den Gejagten im Wandel der Zeit. Er sah noch einmal das Brechen der Grenzen. Er sah den Aufstieg und den Verfall. Er erkannte den Anfang und das Ende darin. Er segnete die Form in jeder Erscheinung. Er spendete dem Schatten sein Lob. Er glaubte an die Form, auch wenn diese vielleicht einige Mängel hatte und lies die Zyklen der Zeit eine grosse Welle sein im Ozean der Ewigkeit.
Er lauschte dem Rauschen, aus dem Ton der entstand. Und er tauchte ein in die Weite, in den Raum ohne Grenze. Er fand sich wieder im Ausmaß eines Ozeans, der wie das Universum des grossen Vaters zu sein schien. Sein Aufenthalt war ohne die Zeit, ohne den Raum, ganz ohne Grenzen. Hier war es ihm, als erfuhr die Seele nach einem wundersamen Balsam, der sie heilte von allen Verletzungen durch das Gejagt-sein durch Raum und durch Zeit. Der Geist seines Wesens fragte sich: „Wer war der Verursacher gewesen? Hatte er sich die Wunden selbst beigebracht, oder war er auf der Jagd nach dem Ziel ein Opfer geworden? Und wenn ja, wer hatte in seinen Augen der Täter zu sein? Wer spielte das Spiel mit ihm?“
Wie jede Frage hatte diese auch eine Antwort zu sein. Doch hier an diesem Ort, der keiner war, war die Seele nicht auf der Suche und hatte auch keine Eile die Wahrheit zu ergründen, denn sie war ohnehin schon in ihr.
Die Zeit hatte ihre Kraft verloren die Seele durch Verlockung zu binden. So blieb der Geist im Ozean der Wahrheit vollkommen und rund, ohne Begrenzung und ohne Bewegung darin. Und der, der es erfuhr, erlebte die Heimat wieder und das Wissen um den Verlust, die Erkenntnis um die Erfahrung reicher zu sein. Das hatte das Bad im heiligen Wasser ausgelöst. Als die Seele sich im Leben wieder fand, hatte sie an Standfestigkeit gewonnen und da war der Zeit ein Verlust. Denn sie konnte das Wesen nun nicht mehr jagen, - zu offenbaren hatte sie sich.