Kevin Major • Caribou
Kevin Major
Caribou
Nach einem historischen Ereignis
Übersetzt von Bernd Gockel und mit
einem Nachwort von Christian Adam
PENDRAGON
Dieser unselige Moment, in dem die Zeit stehen zu bleiben scheint, dieses finale, unwiderrufliche Herumlegen des Hebels, diese geballte Wucht aus Stahl, die aus dem Torpedorohr schießt, dieses fatale Klicken des Magneten, das im nächsten Moment 200 Kilogramm Hexanit in einen glühenden Feuerball verwandelt.
Jede Faser des Körpers steht unter Strom. Es ist der Augenblick, auf den wir fixiert sind, auf den unsere ganze Ausbildung ausgerichtet war. In den Köpfen der U-Boot-Besatzung sind die Bewegungsabläufe so eingebrannt, dass der Prozess – einmal in Gang gebracht – nicht mehr aufzuhalten ist.
14.10.1942, Cabot-Straße,
0534, W 1-2, See 1, c 1, 1026 mb, sehr gute Sicht, schwaches Nordlicht.
Diese Aufzeichnungen wurden gemacht, als wir das Schiff vor Neufundland gesichtet hatten. 0534 Normalzeit Berlin. Noch sechs Stunden bis Sonnenaufgang. Dies sind meine handschriftlichen Notizen – das Kriegstagebuch von U 69.
1 Schatten in Sicht, dahinter ein zweiter Kleiner, Gegnerkurs 40°, Fahrt 10,5 sm. Stark qualmender Frachtpassagierdampfer von ca. 6500 BRT. Stb. achteraus sichert ein 2-Schornsteinzerstörer. Vorgesetzt.
Nachdem wir nach Lorient zurückgekehrt waren, wurde eine maschinelle Abschrift des KTB – von mir, Ulrich Gräf, allabendlich abgezeichnet – Admiral Dönitz im Pariser Hauptquartier der Kriegsmarine vorgelegt.
Am Ende des Kriegstagebuches, das unsere gesamte, 83-tägige Unternehmung dokumentiert, schrieb Dönitz einen kurzen Kommentar:
Der Kommandant hat sich aber immer wieder zähe und einsatzbereit bemüht, zum Erfolg zu kommen.
Natürlich hatte ich mir mehr versprochen. Sicher, der Kommentar sprach für sich selbst. Unterm Strich war ich durchaus zufrieden. Dönitz ist nun mal alles andere als ein überschwänglicher Mensch. Ich hatte jedenfalls bewiesen, dass ich zu Höherem berufen war.
Und nur darum, Admiral Dönitz, nur darum ging es mir.