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Inhaltsverzeichnis

1.

Einleitung

2.

Der Feldzug des VII. Korps von 1812

2.1

Ein kurzer Überblick

2.2

Abgänge von der Gefechtsstärke

2.3

Marschdistanzen

2.4

Wetter

2.5

Unterbringung

3.

Die Tagesbefehle

3.1

Geschäftsgang

3.2

Organisation der Truppen

3.3

Uniformierung und Ausrüstung

3.4

Pferde und Wagen

3.5

Verpflegung

3.6

Medizinische Versorgung

3.7

Geldversorgung

3.8

Wachen, Detachements und Posten

3.9

Ausbildung nach der Mobilmachung

3.10

Revuen

3.11

Bestrafungen

3.12

Vermischtes

4.

Tagesbefehle im Wortlaut

5.

Quellen

 

Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1813

 

Heft 19

Wir sind auf unseren letzten Märschen vom Feind nicht beunruhigt worden, desto mehr aber haben die Truppen durch die eingetretene strenge Kälte gelitten und nur der grenzenlosen Sorgfalt des Generals Reynier und unseres Intendanten verdanken wir es, daß unsere Leute täglich etwas Lebensmittel erhielten. Geruhen Euer Majestät, sich davon zu überzeugen, daß vom General Reynier so wie auch von meiner Seite Alles geschieht, was zur Schonung der Gesunden und Pflege der Kranken überhaupt möglich ist. Auch ertragen Alle, die Offiziere wie die Soldaten die Beschwerden dieses Winter-Feldzuges mit der größten Bereitwilligkeit und dem besten Willen. Ich kann das Betragen Aller nicht genug rühmen.

 

General Le Coq an König Friedrich August am 20.12.1812

1. Einleitung

Über die Bewegungen und Gefechte der sächsischen Truppen im Feldzug von 1812 ist hinreichend berichtet worden. Doch ist dies nur eine Seite des Feldzuges. Eine andere und oft ausgeblendete Seite ist die der inneren Organisation, die der Erhaltung der Mannszucht und der Kampffähigkeit und damit in erster Linie die der Versorgung.

Die Truppen mussten bezahlt, verpflegt, ärztlich und geistlich betreut, vor Spionage geschützt und mit Vorräten versehen werden. Es waren Magazine und Lazarette anzulegen. Hierzu kam noch die Bereitstellung einer ausreichenden Kapazität, um all die Verpflegung, Requisiten, Ausrüstung und Kranken entsprechend transportieren zu können.

Daß nun am Ende des Feldzuges die beiden sächsischen Divisionen nicht von den gleichen Auflösungserscheinungen wie die Truppen der Hauptarmee betroffen waren, mag einerseits am sich durchbeißenden Nationalcharakter der Sachsen liegen, andererseits aber wohl in einem erheblichen Maße daran, dass die Versorgung – wenn auch nicht jeden Tag und immer in vollem Umfang – durch die unermüdlichen Bemühungen der hiermit Betrauten gewährleistet war.

Welcher Stellenwert die Versorgung hatte, zeigt die in diesem Buch vorgenommene Auswertung von 157 Tagesbefehlen1.

Danken möchte ich an dieser Stelle den Damen und Herren des Hausptstaatsarchives Dresden für die wie immer problemlose Aktenbereitstellung und Vervielfältigung und Oliver Schmidt für die akribische Korrekturlesung und seine sachdienlichen Hinweise.

Besonderer Dank gilt aber meinen beiden Mädels, die meine Freizeitbeschäftigung so souverän ertragen.

1 Hinsichtlich der Organisation der Stäbe und Intendanzbranchen möchte ich auf das Heft 16 dieser Reihe verweisen.

2.    Der Feldzug des VII. Korps von 1812

2.1 Ein kurzer Überblick

Am 09.02.1812 erfolgte die Mobilmachung des pflichtigen Bundeskontingents von 20.000 Mann2.

Kommandierender General

Gltn. Edler von Lecoq

Adjutant

Pltn. v.Einsiedel (1.lIR)

Sltn. v.Lützerode (GdC)

Chef des Generalstabes

Oberst3 v.Langenau

Adjoints im Generalstab

Major Aster

Major Stüntzner

Feldintendant

Major4 v. Ryssel II

Kommandant der Artillerie

OSL5 v.Hoyer

Erster Ingenieur-Offizier

Capt. Damm

Generalstabs-Medicus

Dr. med. Raschig

Erste (ab 29.03. die 21.) Division Gltn. v.Lecoq

Chef des Generalstabes

Oberst v.Ryssel I6

Adjoints

Capt. v.Cerrini

Capt. v.Watzdorf

1.Infanterie-Brigade

Gmj. v.Steindel

Brigadeadjutanten

Pltn.v.Döring (Rgt. Friedrich)

Pltn. v.Senfft (Rgt. Friedrich)

Rgt. Prinz Friedrich August

Oberst v.Brochowski7

Rgt. Prinz Clemens

Oberst v.Mellentin

Gren.Btl. (Friedrich/Clemens)

Major v.Liebenau

2.Infanterie-Brigade

Gmj. v.Nostitz

Brigadeadjutanten

Capt. Götz (Rgt. Anton)

Sltn. Thieme (Rgt. Low)

Rgt. Prinz Anton

Oberst v. Gablenz8

1.leichtes Rgt.

Major v.Egidy9

Kavallerie-Division

Gltn. v.Funck10

Brigadeadjutanten

Pltn.v.Kraushaar(Rgt. Polenz)

Pltn. Liebeskind (Husaren)

Chevauleger-Rgt. Pr. Clemens

Oberst v.Gablenz11

Chevauleger-Rgt. Polenz

Oberst v.Hann

Husaren-Regiment

Oberst v.Engel

Artillerie

Major v.Großmann

1. 6pfd. reitende Batterie

Capt. v.Roth

1. 6pfd. Fußbatterie

Capt. v.Brause

jedes Linien-Rgt. 4 4pfd. Kanonen

Divisionspark

Zweite (ab 29.03. die 22.) Division Gltn. v.Gutschmidt12

Adjutant

Ltn. v.Wolffersdorff (2.lIR)

Chef des Generalstabes

OSL v.Zezschwitz13

Adjoints

Capt. v.Fabrice

Capt. v.Langenau

1.Brigade

Gmj. v.Klengel

Brigade-Adjutanten

Sltn. Aster (Rgt. Maximilian)

Sltn. v.Heintz (Rgt. Rechten)

Rgt. König

Oberst v.Göphardt

Rgt. Niesemeuschel

Oberst Vogel14

Gren.Btl. (König/Niesem.)

Major v.Brause15

2.Brigade

Gmj. Sahrer v.Sahr

Brigade-Adjutanten

Capt. v.Kommerstädt (1.lIR)

Pltn. v.Uichtritz (2.lIR)

2.leichtes Rgt.

Oberst v.Tettenborn

Gren.Btl. (Anton/Low)

Major v.Anger

Gren.Btl. (Max/Rechten)

Major v.Spiegel

Kavallerie-Brigade

Gltn. Thielmann

Brigade-Adjutanten

Rtm. Graf Seidewitz (LKG)

Plta. v.Minckwitz (Zastrow)

Rgt. Garde du Corps

OSL v.Leyßer16

Kürassier-Rgt. Zastrow

Oberst v.Grünenwald17

Chevauleger-Rgt. Pr.Albrecht

Oberst Lessing

Artillerie

Major Auenmüller

2. 6pfd. reitende Batterie

Capt. v.Hiller

3. 6pfd. Fußbatterie

Capt. Bonniot

jedes Linien-Rgt. 4 4pfd. Kanonen

Divisionspark

Reserveartillerie

Major v.Hoyer

2. 6pfd. Fußbatterie

Capt. Sontag

4. 6pfd.Fußbatterie

Capt. Weisser

Hauptartilleriepark

OSL Haußmann

Hierbei: 1 Sappeur- und Pontonier-Detachement

Ponton-Train

Pltn. Brück

Das königlich sächsische Kontingent bestand somit aus:

21.383 Mann und 7.173 Pferden

18 Bataillonen, 28 Schwadronen,56 Geschützen

Unter diese Mobilmachung fielen nicht:

Depots der mobilen Truppen18

Regiment Leib-Grenadier-Garde

Regiment Prinz Maximilian (in Torgau)19

Regiment Rechten (in Danzig)20

Regiment Low (in Glogau)21

Jägerkorps

Regiment Leib-Kürassier-Garde

Regiment Prinz Johann Chevaulegers22

immobilen Teile der Artillerie23 und des Ingenieur-Korps

Mit Tagesbefehl vom 11.03.1812 wurde den Truppen bekannt gemacht, dass der Kaiser das Korpskommando dem Divisions-General Grafen Reynier übertragen hat. Dieser traf am 16.03. beim Korps ein24.

Abb.1 Umgebung von Guben und Kalisch (Polen 1787)

Abb.1 Umgebung von Guben und Kalisch (Polen 1787)

Ab 27.03. (Karfreitag) marschierte das Korps von Guben aus in drei Kolonnen nach Neusalza, überschritt hier die Oder und erreichte am 08./09.04. Kalisch25. Hier kam es zu folgenden Veränderungen. Das Regiment Prinz Albrecht Chevauleger wurde zum III. Kavallerie-Korps und die Brigade Thielmann nebst der 2. reitenden Batterie v.Hiller zum IV. Reserve-Kavalleriekorps versetzt. Letzteres wurde innerhalb der späteren Armeeabteilung des Königs von Westfalen gebildet, zu welcher das VII. Armeekorps gehörte. Dadurch war das sächsische Korps bei der Eröffnung des Feldzuges nicht stärker als 19.313 Mann und 4.996 Pferde (18 Bataillone, 16 Schwadronen mit 30 Batterie- u. 20 Regimentsgeschützen).

Die verbleibende Kavallerie wurde in eine Brigade unter Zuteilung der reitenden Batterie vereinigt26.

Abb.2 Kalisch, Warschau und Radom (Polen 1787)

Abb.2 Kalisch, Warschau und Radom (Polen 1787)

Anfang Mai standen die Sachsen in der Gegend um Radom27. Hier bezogen die Sachsen Kantonierungsquartiere zwischen Nowe Miasto und Ilza28 bis Ende Mai. Sie wurden hier der Armeeabteilung des rechten Flügels zugeteilt, dessen Oberbefehl der König von Westfalen übernahm. Chef des Generalstabes dieser Armeeabteilung wurde der französische Divisions-General Marchand. Die Abteilung selbst bestand aus:

V. Armee-Korps (Polen) unter Poniatowski

VII. Armee-Korps (Sachsen) unter Reynier

VIII. Armee-Korps (Westfalen) unter Vandamme

IV. Reserve-Kavallerie-Korps unter Latour-Maubourg

Am 20.05. ging die Kavallerie mit 2 Kompanien leichter Infganterie bei Puławy über die Weichsel29. Am 01.06. besichtigt König Jerome die auf dem linken Weichselufer verbliebenen Truppen bei Gniewoszów. Das VII. Korps kam auf den rechten Flügel der Abteilung Jerome‘s zu stehen. Am 06.06. soll die Infanterie ein Barackenlager zwischen Praga und Karczew und die Kavallerie Quartiere bei Osieck und Parysów beziehen. Am 07.06. kam ein Gegenbefehl, der dem Korps Quartiere in kleinen Echelons zwischen Gura (bei Warschau) und Lublin30 anwies31. Am 16.06. wurde befohlen, bis zum Eintreffen der Österreicher die Deckung von Praga und der Festung Modlin32 zu übernehmen. In Eilmärschen wurden am 19.06. Praga und Okuniew (Infanterie) sowie Wegrów und Sokołów Podlaski33 (Kavallerie) erreicht. Hier erhielt Reynier Befehl, sich zwecks Vereinigung mit dem V. und VIII. Korps nach Niewiecz34 zu begeben. Die Truppen des VII. Armeekorps traten daher am 20.06. 35 wieder an und vereinigten sich am 28.06. bei Zambrów36 und am 04./05.07. auf russischem Boden37 bei Białystok38. In Białystok wurde ein Hauptwaffenplatz mit Magazinen und Lazaretten angelegt, zu deren Bewachung das Grenadier-Bataillon Brause beständig kommandiert wurde. Die Vereinigung mit den restlichen Truppen der Abteilung Jerome’s erfolgte am 15.07. bei Kletzk39.

Abb.3 Brest, Bialystok, Slonim, Nieswiez, Kletzk (Polen 1787)

Abb.3 Brest, Bialystok, Slonim, Nieswiez, Kletzk (Polen 1787)

Der Kaiser hatte am 22.06. den 2. Polnischen Krieg mit der nachstehenden Proklamation40 für eröffnet erklärt:

„Soldaten!

Der zweite polnische Krieg hat begonnen. Der erste wurde zu Friedland und Tilsit beendigt. Rußland schwor zu Tilsit ewiges Bündnis mit Frankreich und Krieg mit England. Es bricht jetzt seinen Eid! Es will nicht früher Aufklärung über sein fremdartiges Benehmen geben, als bis die Adler Frankreichs über den Rhein zurückgegangen und dadurch seine Alliierten der Diskretion Rußlands Preis gegeben sind.

Rußland wird von seinem Verhängnis erfahren; denn solche Bestimmung wird erfüllt werden. Hält es uns denn für entartet. Werden wir nicht mehr die Soldaten von Austerlitz sein. Es lässt uns die Wahl zwischen Unehre und Krieg, sie kann nicht zweifelhaft sein. Lasst uns dem Feind entgegen gehen, den Niemen überschreiten und den Krieg in seinen Provinzen führen. Der zweite polnische Krieg wird wie der Erste glorreich für die französischen Waffen enden.

Aber der Friede, den wir schliessen, soll uns die Bürgschaft geben, dass dem traurigen Einfluss, den Rußland seit 50 Jahren über Europa ausübt, ein Ziel gesetzt werde.“

und den Feldzug mit dem Überschreiten der russischen Grenze am 24.06. bei Kowno begonnen.

Die Vereinigung mit dem V. und VIII. Korps dauerte indessen nur einen Tag. Die Sachsen sollten nunmehr auf der rechten Flanke den Nachschubweg der Großen Armee und das Herzogtum Warschau gegen die russische Reservearmee decken. Sie übernahmen damit Position und Aufgabe der Österreicher41, die dafür an die Hauptarmee herangezogen wurden42. Die Sachsen kehrten daraufhin um und erreichten am 18.07. (3.Esk./Ulanen Pinsk), 24.07. (Brigade Klengel und Ulanen Kobryn) und 25.07. (Korps Janow (BY – Īvanava))43 ihre Bestimmungsorte. Am 25.07. wurde die 75 Offiziere und 2.252 Mann starke Brigade Klengel in Vorpostengefechte verwickelt und am 27. von einem fünfmal stärkeren Gegner angegriffen. Eingeschlossen in der brennenden Stadt und ohne Munition, kapitulierte sie nach 6stündigem Kampf44. Das zur Unterstützung herbeieilende Korps hatte sich Kobryn bis auf unter 20km genähert, musste sich in der Nacht vom 27.07. zurückziehen und erreichte am 01.08. Slonim45. Ein am 30.07. im österreichischen Hauptquartier eingegangener Bericht Reyniers veranlasste Schwarzenberg, sich von Nieswiesz nach Slonim zu begeben, wo die Vorhut am 03.08. eintraf. Ein am 02.08. eingehender Befehl aus dem kaiserlichen Hauptquartier stellte Reynier unter Schwarzenbergs Kommando und forderte zum offensiven Vorgehen auf. Das VII.Korps griff die Russen, unterstützt von der Division Trautenberg, am 10.08. bei Pružany46 an und warf sie hinter diesen Ort zurück. Die Russen zogen sich auf ihre bei Gorodeczna (BY – Haradzecna) stehende Hauptmacht.

Abb.4 Pruzany und Gorodeczna (Polen 1855)

Abb.4 Pruzany und Gorodeczna (Polen 1855)

Am 12.08. griffen die vereinten Korps die Russen bei Podobna und Gorodeczna an. Der 10stündige Kampf endete ohne endgültige Entscheidung, jedoch rückten die Russen noch in der Nacht aus ihren Stellungen ab und zogen sich auf der Straße nach Kobryn zurück. Am 13.08. wurde die Verfolgung aufgenommen, am 24. Ljuboml‘47 und am 29.08. Turijs’k48 erreicht. Am 04.09. wurden Hüttenlager bei Makovycy und Kysylyn sowie Torcyn49 bezogen, in denen das Korps bis zum 23.09. verblieb.

Abb.5 Turysk, Kieselin und Torzyn (Polen 1799)

Abb.5 Turysk, Kieselin und Torzyn (Polen 1799)

Am 24.09. traten die verbündeten Korps, vom Feind bedrängt und wiederholt angegriffen, den Rückmarsch an, überschritten am 01.10. den Bug bei Košary50 und vereinigten sich am 03.10. in einer Stellung bei Brest und am Muchavec51. Bis zum 10.10. verblieben die Korps in dieser Stellung. An diesem Tag erfolgten Angriffe der Russen, die die Verbündeten nötigten, hinter die Lesna (Ljasnaja) zurückzugehen. Die Sachsen hatten den Übergang bei Kliniki (BY – Klejniki) zu verteidigen, um den sich am 11.10. ein ernsthaftes Gefecht entwickelte. Nach dem Abschlagen dieser Angriffe wurde der Rückzug in Richtung Drohiczyn weiter fortgesetzt. Hier verblieb das Korps einige Tage, um dann erneut die Offensive zu ergreifen. Am 18.10. stieß die auf Brest vorgehende Avantgarde bei der Biala auf den Feind, woraus sich ein bis zum Einbruch der Nacht währendes Gefecht zum Nachteil der Russen entwickelte. Die Alliierten verfolgten den Feind nicht, sondern nahmen am 20.10.52 wieder eine Stellung in der Nähe von Drohiczyn am Bug zur Deckung von Warschau und Wilna ein, in welcher sie bis zum 28.10. unbehelligt verblieben. Hier traf der erste Ersatz aus der Heimat53 sowie eine Brigade der Division Durutte ein.

Das sächsische Korps zählte nach den Bestandsrapporten vom 25.10. in Reih und Glied 12.283 Mann, 2.565 Mann waren gefallen oder gefangen und 2.621 Mann befanden sich in den Lazaretten.

Abb.6 Wolkowysk (Polen 1787)

Abb.6 Wolkowysk (Polen 1787)

Am 28.10. erfolgte der getrennte Abmarsch in Richtung Slonim. Das VII. Korps erreichte, nachdem man am 01.11. bei Wisocky wieder auf den Feind gestoßen und am 13.11. die zweite Brigade der Division Durutte eingetroffen war, am 14.11.54 Wolkowysk (BY – Vaukavysk). Um diesen Ort entwickelte sich nach einem Überfall der Russen in der Nacht vom 14./15.11. ein sehr ernstes zweitägiges Gefecht, welches am 16.11. durch das Eintreffen der Österreicher zu einer vollkommenen Niederlage der Russen führte. Am 17.11. begannen die Allierten mit der Verfolgung und erreichten am 26.11. den Murawiec. Von hier aus marschierten die Korps wieder getrennt. Am 06.12. erreichten die Österreicher Slonim, die Sachsen Rozanna55.

Nach einem erneuten Vorgehen wurde am 18.12., nachdem der König von Neapel, Murat, als der Oberkommandierende der großen Armee den beiden Korps die Deckung des Herzogtums Warschau nach eigenem Gutdünken übertragen hatte, der Rückmarsch in Richtung Warschau angetreten. Den 16./17.12. trafen der zweite Ersatz aus Sachsen sowie das bisher in Bialystok stehende Gren.Btl. von Eychelberg beim Korps ein.

Das VII. Korps zählte zu dieser Zeit kaum 16.000 Mann, wovon auf die sächsischen Divisionen rund 8.200 Mann entfielen.

Am 28.12.56 traf das Korps hinter der Liwiec ein und verblieb hier bis zum 03.01.1813, wo es nach Warschau marschierte und bei Okuniew und Dobre mit wenigen Stellungswechseln bis zum 26.01.1813 verblieb. Am 11., 25. und 26.01. kam es zu den letzten Gefechten auf dem rechten Ufer der Weichsel. Am 28.01. erfolgt die Verlegung auf das linke Weichselufer, wo sich die Sachsen bei Warschau mit den Österreichern vereinigten57.

Abb.7 Warschau (Polen 1787)

Abb.7 Warschau (Polen 1787)

Mitte Januar hatten die Sachsen noch rund 5.700 Mann unter Waffen. Viele Regimenter waren in ein Bataillon formiert. Von diesem schwachen Bestand waren 600 Mann58 zur Besetzung der „Festung“ Modlin abzugeben. Die nach den Umformierungen überzähligen Dienstgrade wurden auf Befehl Le Coqs nach Sachsen zurückgeschickt. Am 03.02. erfolgte die Formierung der sächsischen Truppen in eine Division unter Le Coq.

Das VII. Korps trat, vom Abmarsch der Österreicher nach Warschau in Kenntnis gesetzt, seinen Rückzug in Richtung Kalisch59 an. Am 11.02. wurde eine der Kolonnen bei Turek angegriffen, der Feind jedoch zurückgeschlagen. Am 13.02. befand sich das Korps in einer ausgedehten Stellung bei Kalisch, wo es von den Russen in einer Reihe von Einzelgefechten teils gefangen genommen, teils zum Rückzug in zwei unterschiedliche Richtungen gezwungen wurde60.

Abb.8 Glogau (Polen 1787)

Abb.8 Glogau (Polen 1787)

Das Gros erreichte am 18.02. Glogau und am 27.02.. mit Steinbach sächsischen Boden. Am 07.03.61 traf das Korps in Dresden ein.

Die Kolonne des Generals Gablenz erreichte am 20.02. Krakau und nach längerem Aufenthalt und infolge des Marsches durch österreichisches Gebiet am 06.06. mit Gieshübel wieder sächsischen Boden.

2.2 Abgänge von der Gefechtsstärke

In der Literatur werden als Abgänge von der Gefechtsstärke meist nur die amtlichen Gefechtsverluste62 (tot, verwundet, vermisst, gefangen) angegeben. Hier finden sich als Angaben:

In den Monatslisten der Einheiten werden aber die Positionen „Fehlen am kompletten Stand“ (worunter auch alle Gefallenen des jeweiligen Monats zählen), „Kommandiert“, „Vermisst“ und „Krank“ angegeben.

Eine genaue Angabe der Abgänge von den Gefechtsstärken und letztendlich der Gesamtverluste während des Feldzuges ist auf Basis der verfügbaren Unterlagen63 nicht möglich, lediglich für einzelne Einheiten lassen sich diese ermitteln.

Wie dramatisch diese aber waren, zeigen z.B. die Husaren: (jeweils Bestand an Offizieren/Mannschaften/Pferden)

für Februar

1812

1813

Stab

6/9/5

2/6/3

1.Esc.

4/104/104

3/32/28

2.Esc.

3/104/104

2/18/16

3.Esc.

4/103/103

2/20/18

4.Esc.

4/104/104

1/25/22

5.Esc.

4/103/103

2/19/17

6.Esc.

4/102/102

2/25/25

7.Esc.

4/103/103

2/21/18

8.Esc.

4/103/103

2/19/17

Schon Ende August waren von den beiden leichten Regimentern im Lazarett:

1.leichtes Regiment

9 Offz., 23 Uffz., 396 Mann

2.leichtes Regiment

5 Offz., 37 Uffz., 453 Mann

Abzüglich der Fehlenden am kompletten Stand, Vermissten und Kranken verblieben den beiden Regimentern zum Dienst:

1.leichtes Regiment

1.036 Mann (von 1.600)

2.leichtes Regiment

   878 Mann (von 1.600)

2.3 Marschdistanzen

Die auf Basis der heutigen Straßenkarten zurückgelegte Entfernung vom Ausmarsch in Guben bis zum Eintreffen in Dresden beträgt rund 3.820km. Dabei ist zu beachten, dass das damalige Straßennetz dünner war und somit fehlende Direktverbindungen längere Strecken zu Folge hatten64.

Winkler gibt die zurückgelegte Marschstrecke mit 648 Meilen oder 4.893km65, davon 82 Meilen oder 619km als Umweg durch die österreichischen Staaten, an.

In beiden Angaben sind nicht eingerechnet die Märsche zu/bei Biwaks oder sonstigen Unterkünften, Rekognoszierungen, Requisitionen, Holz-/Stroh-/Wasserholen66, Paraden und Revuen, Avant- und Arrièregarden sowie Seitendeckungen, Alarmierungen, Bedeckungen und Ordonnanzen.

2.4 Wetter

Aus der Literatur lassen sich folgende Wetterdaten entnehmen:

27.03.1812

heiterer Morgen mit Rauhreif

Ende März/ Anfang April nasse Frühlingswitterung

04.04.

Schneegestöber

05.04.

wahres Aprilwetter

15.04.

Wetter wurde besser, heiterer Himmel

Ende April

naßkaltes Wetter

12.05.

sehr warmer Tag, sehr kalte Nächte

01.06.

strömender Regen

16.06.

heftiges Gewitter, Regen in Strömen

22.06.

Hitze

26.-28.06.

heftiger Regen

05.-19.07.

starke Hitze

09.07.

heftiges Gewitter67

27.07.

starke Hitze

30./31.07.

wolkenbruchartiger Regen in der Nacht

01.08.

abends wolkenbruchartiger Regen

Anfang August

starke Hitze

07./08.08.

Nachts Gewitter mit Platzregen

09.08.

anhaltender Regen

16.08.

nach mehreren Regentagen schöner, sehr warmer Tag

19./20.09.

Nachts Regen bis zum Morgen

Mitte September ab jetzt kalte Nächte

25./26.09.

anhaltender Regen

29.09.

Nieselregen

08.10.

sehr kalte Nächte

19.10.

Kälte, Regen und Wind

27.10.

rauhes, naßkaltes Herbstwetter

07.11.

Wetter wurde rauher, Schnee häufiger

12.11.

starker Frost, hoher Schnee, scharfer Wind

14.11.

Frost von -14 °C, es lag ca. 30cm Schnee

15.11.

strenger Frost

16.11.

Morgens Nebel

21.11.

weiter steigende Kälte

23.11.

Schnee

24./25.11.

strenger Frost, hoher Schnee

30.11.

noch strengerer Frost

06.12.

Frost von -35 °C

07.12.

Frost von -30 °C

09.12.

Frost von -25 °C

12.-20.12.

anhaltende Kälte

26.01.1813

strenge Kälte

02/03.02.

wieder eingetretene strenge Kälte

06.02.

Tauwetter

13.02.

gefrorener Boden, es lag Schnee

2.5 Unterbringung

Bis zum 23.06 wurden die Truppen einquartiert, auf russischem Gebiet gab es dann Biwaks mit seltenen Einquartierungen. Je nach Dauer des Aufenthaltes sowie der Nähe von Siedlungen und somit Baumaterial wurde auf der blanken Erde übernachtet, Laubhütten oder Baracken gebaut. Im September (04.-25.09.) wurde ein richtiges Barackenlager68 bezogen. Ab Ende September wurde wieder biwakiert, ab 26.11 ein Teil in Brest und ab Anfang Dezember das Ganze in Dörfern einquartiert, danach teilweise biwakiert und einquartiert.

2 Diese Truppen wurden schon 1811 zu Übungzwecken zusammengezogenen und lagen jetzt in der Niederlausitz.

3 28.07. Generalmajor

4 28.07. Oberstleutnant

5 28.07. Oberst

6 25.08. Major von Koppenfels

7 Am 06.06. verabschiedet und durch Oberst v.Boblick ersetzt

8 Am 06.06. verabschiedet und am 30.06 durch OSL v.Bose III und am 25.08. durch Oberst v.Ryssel I ersetzt

9 Am 16.10. infolge erhaltener Wunden gestorben, ab 11.10. Major v.Schönfeld und am 29.10. durch OSL v.Brause ersetzt

10 Erhielt am 14.06. das Kommando der 2.Division

11 Erhielt am 14.06. als Generalmajor des Kommando der Brigade und wurde am 04.07. durch Oberst v.Zezschwitz ersetzt

12 Verstarb am 07.06. und wurde durch Gltn. v.Funck ersetzt

13 06.07. Oberst, erhielt das Kommando des Chev.-Rgt.s Clemens

14 beurlaubt (es kommandierte der Major v.Schlieben) und am 21.08. verabschiedet, am 25.08. durch OSL v.Bose III ersetzt

15 Seit 06.06. unter OSL (28.07. Oberst) v.Ryssel I, seit 25.08. vakant und vom 2.Stabsoffizier, Major v.Eychelberg, geführt.

16 04.07. Oberst

17 Verstarb am 25.06., ersetzt durch Oberst v.Trützschler (verstarb im November zu Orscha)

18 Jedes Inf.-Rgt. bildete ein Depot von 3 Offizieren und 60 (bei der leichten Infanterie 52) Mann, jedes Kav.-Rgt. ein solches von 2 Offizieren und 100 Mann.

19 Wurde am 14.08. unter Oberst v.Ehrenstein mobil gemacht und kam mit der gleichfalls mobil gemachten Batterie Essenius zur neu aufgestellten 34.Divsion nach Schwedisch-Pommern. (Holz VII)

20 Am 01.04. wurde das I.Btl. und am 01.06. das II.Btl. dem I.Korps zugeteilt und am 14.06. zur Besatzung von Königsberg bestimmt. Es kam Ende Juli zur Brigade de Villiers (IX.Korps, 28.Division)

21 Wurde am 01.07. mobilisiert und kam gleichfalls Ende Juli in Königsberg zur Brigade de Villiers (IX.Korps, 28.Division)

22 Wurde am 16.07. mobilisiert und kam Ende Juli in Königsberg zur Brigade Fournier (IX.Korps) (Holz VII) (Nach Exner rückte es bereits am 31.05. zur Armee ab)

23 Am 14.08. wurde eine 8pfd. Batterie (keine 6pfd. wie oft behauptet siehe Artillerie-Akten HStA DD) unter Hauptmann Essenius mobil gemacht.

24 Mit Reynier kamen zum VII.Korps Brigade-General de Gressot (Stabschef), Oberst de Verneville und Btl.schef Charlet (1. und 2. Adjutant) und Oberst Brulay (Ingénieur en Chef).

25 Der Marsch Guben - Kalisch erfolgte über Crossen (PL – Krosno Odrzanskie), Züllichau (PL – Sulechow), Grünberg (PL – Zielona Gora) nach Neusalza (PL – Nowa Sol). Hier wurde die Oder überschritten und über Fraustadt (PL – Wschowa), Lissa (PL – Leszno), Gostyn (PL) nach Kalisch (PL – Kalisz) marschiert. (Guben – Kalisch 298km in 14 Tagen)

26 Brigade-Kommandeur wird der Generalmajor v. Gablenz. Als Adjoint von Generalstab wird der Capitän v.Watzdorf zugeteilt.

27 Am 14.04. ging die 1.Division von Kalisch über Opatowek (PL), Blaszky (PL), Sieradz (PL), Widawa (PL) und Rozniatowice (PL) den 18.04. nach Petrikau (PL – Piotrkow Trybunalski) (Kalisch – Petrikau 103km in 5 Tagen) und die 2.Division von Kalisch über Warta (PL), Szaclek (PL), Pabianice (PL) und Brzezyn (PL – Brzeziny) am 20.04. nach Rawa (PL – Rawa Mazowiecka) (Kalisch – Rawa 158km in 7 Tagen). Es traf die 1.Division über Sulejow (PL), Bialaczew (PL - Bialaczow) und Skrzino (PL – Skrzynno) (Petrikau – Radom 115km in 4 Tagen) und die 2.Division über Nowe Miasto (Rawa – Radom 87km in 4 Tagen) am 24.04. in Radom ein.

28 Nowe Miasto nad Pilica und Iłźa

29 Die Brigade bezog Quartiere in Kurow (Clemens / reit. Batterie), Lublin und Luszczów (Husaren) sowie Lubartów, Kamionka und Firlej (Polenz).

30 Entfernung Lublin – Warschau 163km

31 Aufgrund der starken Märsche, der hohen Tages- und kalten Nachttemperaturen befanden sich Ende Mai 16 Offiziere und 1.900 Mann – meist an Nervenfieber erkrankt – in den Lazaretten.

32 1807 begann der Bau der eigentlichen Festung auf einer alten Schwedenschanze und war 1813 noch nicht beendet. Modlin ist heute Teil von Nowy Dwór Mazowiecki

33 Lublin – Okuniew 163km, Lublin – Sokolow 172km in 4 Tagen

34 Njasvīž (BY)

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