Ralf Nestmeyer ist Historiker und lebt seit 1995 als freier Autor in Nürnberg. Er hat nicht nur zahlreiche Reiseführer für den Michael Müller Verlag (»Südengland«, »Cornwall & Devon« etc.) geschrieben, sondern auch Kriminalromane (»Roter Lavendel«, »Die Toten vom Mont Ventoux«) sowie mehrere Sachbücher, so beispielsweise »Hotelwelten« (Reclam Verlag).
Nähere Infos unter www.nestmeyer.de
Schlechte Schulnoten können durchaus das weitere Leben beeinflussen - dies kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Denn ich gehörte zu jenen Jugendlichen, die von ihren Eltern wegen mangelnder Englischkenntnisse zu einer Sprachreise „verpflichtet wurden“. Vier Wochen Südengland waren der Lohn dafür, dass mir nicht nur die erfüllbaren und nicht erfüllbaren Bedingungen von If-Sätzen ein Mysterium geblieben waren. Auch wenn ich rückblickend befürchte, dass sich mir die Feinheiten der englischen Grammatik in jenem August 1978 noch immer nicht erschlossen hatten, so hat diese Englandreise, zu der auch ein dreitägiger London-Aufenthalt gehörte, meine Begeisterung für die englische Lebensart geweckt. Eine Leidenschaft, die ihren Niederschlag nicht nur in zahlreichen Reisen nach England fand, sondern die schließlich auch in einen London-Reiseführer mündete. Seither habe ich das Vergnügen, auf der Suche nach neuen Trends sowie hippen Restaurants und Shops regelmäßig durch London zu streifen. Und jedes Mal bin ich überrascht, in welch kurzer Zeit sich die Themsemetropole neu erfindet, ohne dabei aber ihre ehrwürdigen Traditionen zu verleugnen. Als ich zuletzt vom Primrose Hill fasziniert auf die Londoner Skyline blickte, habe ich mich gefragt, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich im Englischunterricht besser aufgepasst hätte ...
Viel Spaß an der Themse!
Orientiert in London
Stadt und Stadtviertel
London ist die größte Stadt Europas. Was aber nicht bedeutet, dass die Orientierung vor Ort schwerfallen muss. Die touristischen Highlights konzentrieren sich auf die Innenstadt und sind mit der Tube schnell und unkompliziert zu erreichen. Vom Tower im Osten zur Westminster Abbey im Westen ist man weniger als eine halbe Stunde unterwegs.
Mit der Tube, der Londoner U-Bahn, lässt sich so ziemlich jede Ecke der Stadt in relativ kurzer Zeit erreichen. Einen Linienplan finden Sie hier.
Great, Greater, London ...
Londons Ausmaße sind gigantisch. Greater London mit seinen über 8 Millionen Einwohnern weist einen Durchmesser von rund 50 Kilometern auf und erstreckt sich vom Bezirk Enfield im Norden bis nach Croydon im Süden, in westöstlicher Richtung vom Flughafen Heathrow bis zum Vorort Upminster. Ringförmig umschlossen wird der Großraum London von der stauträchtigen 188 Kilometer langen Autobahn M25 (London Orbital). Es gibt Londoner, die sich rühmen, diesen magischen Zirkel nie verlassen zu haben.
Jede Ecke Londons hat ihren eigenen Charakter - gerade das macht den unverwechselbaren Reiz der englischen Metropole aus. Besucher sollten sich vielleicht vom Londoner Autor Hanif Kureishi inspirieren lassen: „London kam mir vor wie ein Haus mit fünftausend verschiedenen Zimmern; der ganze Reiz lag darin, zu entdecken, wie die Zimmer untereinander verbunden waren, und sie allmählich alle zu durchlaufen.“
Ein Fluss, zwei Welten?
Wie ein breites Band schlängelt sich die Themse durch London und teilt die Stadt in zwei Hälften, in Nordufer (North Bank) und Südufer (South Bank). Bereits die Römer ließen sich am Nordufer der Themse nieder und gründeten Londinium. Auch den Normannen und allen englischen Königen diente das nördliche Ufer als Machtzentrum, hier findet man Tower, Westminster Abbey und Saint Paul’s Cathedral. Und das Herz der Londoner Finanzwelt schlägt hier ebenfalls seit Jahrhunderten.
Das Südufer der Themse hatte lange Zeit einen eher schlechten Ruf. Hier standen die zur Zeit des Puritanismus als lasterhaft geltenden Theater, an die heute noch der Nachbau des Globe-Theaters erinnert. Städtebaulich lange vernachlässigt, erfuhr das Südufer durch die Eröffnung der Tate Gallery of Modern Art oder den Bau des Shard-Wolkenkratzers zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Aufwertung. Auch das London-Eye-Riesenrad mit seinem eindrucksvollen Ausblick auf die Themse ist hier zu finden.
Bis ins Industriezeitalter führte mit der London Bridge nur eine einzige Brücke über den Fluss, erst danach kamen weitere wie etwa Waterloo Bridge oder Tower Bridge und zuletzt die filigrane Millennium Bridge hinzu. Und im Osten der Docklands führt seit 2012 mit der Emirates Air Line sogar eine Seilbahn über den Fluss. Die vielen Brücken und andere am Wasser gelegene Wahrzeichen der Stadt betrachtet man am besten während einer Bootstour, beispielsweise von Westminster bis hinunter nach Greenwich.
City, Boroughs und Stadtteile
Das historische, wirtschaftliche und geografische Zentrum der Stadt ist der Bezirk City of London. Er besitzt aus historischen Gründen noch heute einen politischen und verwaltungstechnischen Sonderstatus. Um ihn herum gruppieren sich die übrigen 32 Stadtbezirke, die sogenannten Boroughs, die man in Inner und Outer London unterteilt. Sie setzen sich jeweils aus mehreren Stadtteilen zusammen. Touristisch relevant sind lediglich einige Stadtteile aus den Inner London Boroughs.
Wer noch nie da war, für den sind die City und der Bezirk Westminster mit Stadtteilen wie Soho und Covent Garden natürlich Pflicht. Aber auch das ehedem berüchtigte East End wird immer attraktiver, und das verhältnismäßig unbekannte Viertel Primrose Hill lohnt ebenfalls einen Besuch. In der City of London sind die St Paul’s Cathedral und der Tower die touristischen Highlights, Kensington lockt mit dem Hyde Park und seiner Museumsvielfalt, und im alternativ-bunten Stadtteil Camden Town muss man sich einmal durch den Camden Market treiben lassen.
Natur pur
Aufgrund von rund 1700 Parks im Großraum London herrscht kein Mangel an Natur in der Hauptstadt. Mehr als 80 Quadratkilometer von Greater London sind als Grünflächen ausgewiesen. Die beeindruckende Ausdehnung mancher Parks wie etwa Hyde Park oder Richmond Park rührt daher, dass sie aus königlichen Jagdgründen hervorgingen. Es finden sich aber auch zahlreiche kleinere lauschige Plätze wie der Berkeley Square oder der Chelsea Physic Garden mit seinen Heilpflanzen. Auch die gestalterische Vielfalt ist verblüffend: Unweit der akkurat gestutzten Mustergültigkeit des Regent’s Park kann man sich in der nordumbrischen Wildnis von Hampstead Heath vergnügen.
Sightseeing-Klassiker
Tower, Tate und Madame Tussauds - das sind die Klassiker an der Themse. Je nach persönlichen Vorlieben kann man London von Highlight zu Highlight erkunden. Selbstverständlich gilt: Man muss sich nicht für jeden touristischen Hotspot interessieren.
UNESCO-Welterbe
Mit dem Tower of London, mit Westminster Abbey und Westminster Palace, dem maritimen Greenwich sowie den botanischen Gärten Kew Gardens besitzt London vier Kulturdenkmäler, die von der UNESCO zum Welterbe erklärt wurden.
Im Museumsrausch
♦ British Museum: Das kulturhistorisch bedeutendste Museum Großbritanniens lockt mit seiner geradezu unüberschaubaren Vielfalt an archäologischen und ethnografischen Schätzen, allen voran den Elgin Marbles und dem Rosetta Stone, mit dessen Hilfe es gelang, die Hieroglyphen zu entziffern. Wer will, kann hier ganze Tage verbringen. → Tour 4
♦ Tate Gallery of Modern Art: ein Muss für alle Freunde moderner Kunst! Die in einem ehemaligen Kraftwerk untergebrachte Tate Modern gilt als „Kathedrale der modernen Kunst“.→ Tour 14
♦ National Gallery: eines der meistbesuchten Museen der Welt! Zum Fundus der National Gallery gehören mehr als 2000 Gemälde aus der Zeit vom Spätmittelalter bis 1900. Egal ob Dürer, Breughel, Renoir oder Picasso - alle sind hier vertreten. → Tour 9
♦ Museum of London: Das größte stadtgeschichtliche Museum der Welt ermuntert zu einem so kurzweiligen wie gelehrsamen Spaziergang durch die Historie Londons, zudem gibt es immer wieder interessante Sonderausstellungen. → Tour 1
Flanieren und Amüsieren
♦ Soho und Chinatown: Soho ist ein ungebrochen beliebter Treffpunkt im Londoner Nachtleben. Doch aufgrund seiner hippen Geschäfte und stylischen Restaurants ist der Stadtteil zu allen Tageszeiten viel besucht. Im Süden Sohos öffnet sich Londons Chinatown mit ihren Restaurants als eine eigene Welt, die man durch drei mit viel Gold und Rot dekorierte Torbögen betritt. Am westlichen Rand von Soho lockt mit der Regent Street eine der prunkvollsten Einkaufsstraßen Londons, in der die großen Ketten alles feilbieten, was das Herz begehrt. → Tour 8
♦ City of London: Bekannt als europäisches Finanzzentrum wird die Londoner City von Wolkenkratzern dominiert, aber auch der Tower und St Paul’s Cathedral sind hier zu entdecken - am Wochenende ruhen Börse & Co., und dann herrscht fast Friedhofsruhe. → Tour 1
Für Royalisten und Schlossliebhaber
♦ Tower of London: Der Tower ist nicht nur die am besten erhaltene mittelalterliche Festung Großbritanniens, sondern bis heute ein mystischer Ort - Kronjuwelen inklusive. → Tour 1
♦ Buckingham Palace: Wenn die königliche Standarte weht, dann ist die Queen zu Hause. Der königliche Palast mit seinen 600 Räumen ist allerdings nur zwei Monate im Jahr für das Publikum geöffnet. → Tour 10
♦ Windsor Castle: Ein Ausflug nach Windsor gehört zum Pflichtprogramm aller Royalisten. Der Round Tower, die State Apartments und die St George’s Chapel besitzen viel historisches Flair.
Grünes London
♦ Hyde Park: Was wäre London ohne seinen Hyde Park? Die grüne Lunge im Herzen der Themsemetropole eignet sich zum Joggen, Spazierengehen oder Picknicken. → Tour 12
♦ Regent’s Park: Die größte und schönste Londoner Gartenanlage wird von prächtigen Wohnpalästen eingerahmt. Im nordöstlichen Teil findet sich der Londoner Zoo.→ Tour 7
♦ Kew Gardens: Mit ihren riesigen viktorianischen Gewächshäusern und der weltweit größten Orchideensammlung sind die königlichen Gärten zu jeder Jahreszeit ein reizvolles Ziel für Gartenliebhaber.
Kirche und Kommerz
♦ Westminster Abbey: Wie kein anderes Bauwerk erinnert das altehrwürdige Gotteshaus an die Königshäuser und den Glanz der englischen Nation. Bis auf wenige Ausnahmen wurden hier alle englischen Könige und Königinnen gekrönt. Mehr als hundert Mitglieder des englischen Königshauses liegen zudem in der Abbey begraben. → Tour 10
♦ St Paul’s Cathedral: Viele Jahrhunderte dominierte die Kuppel der Kathedrale die Londoner Stadtsilhouette, doch inzwischen wird sie von den gläsernen Bürotürmen mehr und mehr eingezwängt. → Tour 1
♦ London Eye: 30 Minuten dauert die Reise mit dem 135 Meter hohen Riesenrad, wobei sich immer wieder herrliche Panoramablicke über die Themsemetropole bieten.→ Tour 15
♦ Madame Tussauds: Die Marketingmaschine läuft, und so zieht das berühmteste Wachsfigurenkabinett der Welt mit seinen Nachbildungen berühmter Persönlichkeiten die Massen weiter in Scharen an. → Tour 7
Sightseeing-Alternativen
Glücklicherweise besitzt London mehr Sights als die üblichen Verdächtigen Tower, Tate oder Madame Tussauds. Die Themsemetropole hat abseits der Haupttouristenpfade viele unbekanntere Ecken und Sehenswürdigkeiten zu bieten, etwa den Highgate Cemetery oder das Museum of London Docklands.
Eintritt frei!
Der Besuch des Museum of London Docklands sowie der des National Maritime Museum in Greenwich ist kostenlos.
Versteckte Museen
♦ Dickens House: In Charles Dickens’ ehemaligem Wohnhaus erinnern neben einer umfangreichen Bibliothek Portraits, Fotos, Manuskripte, Briefe sowie weitere Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz an Englands Lieblingsschriftsteller und beschwören die Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters herauf. → Tour 4
♦ Museum of London Docklands: Das Museum erinnert eindrucksvoll daran, dass die Themse jahrtausendelang die wichtigste Verkehrs- und Lebensader der Stadt war. Vom Alltag der Dockarbeiter bis zur Sklaverei spannt sich der Bogen der faszinierenden Dauerausstellung. → Tour 17
♦ Cabinet War Rooms: In diesen im Originalzustand erhaltenen Bunkerräumen koordinierte Churchill im Zweiten Weltkrieg den Kampf gegen Hitler. Eine Audioguide-Tour führt durch die ehemaligen „Kabinettsräume“, den berühmten Kartenraum und Churchills Schlafzimmer. → Tour 10
Quirlige Märkte
♦ Camden Market: Der Camden Market ist Londons buntester Straßenmarkt. Am Wochenende stöbern fast eine halbe Million Menschen nach den neuesten Modetrends, und der gesamte Stadtteil vibriert. → Tour 5
♦ Portobello Market: Die Marktstände auf der Portobello Road in Notting Hill locken vor allem freitags und samstags massenhaft Besucher an, wenn der Schwerpunkt auf Antiquitäten liegt: viel Ramsch, aber auch das eine oder andere Schnäppchen.→ Tour 13
Out and about
♦ Greenwich: Durch seine Königliche Sternwarte und den Nullmeridian ist Greenwich gewissermaßen zum Nabel der Welt geworden. Besonders lohnend ist eine Bootsfahrt auf der Themse nach Greenwich. Dort spaziert man dann durch den Greenwich Park zum Observatorium hinauf. Das Old Royal Naval College und das National Maritime Museum erinnern an die glorreichen Zeiten der englischen Seefahrt, zudem liegt mit der „Cutty Sark“ der wohl schönste Teeklipper des 19. Jahrhunderts auf einem Trockendock. → Tour 18
♦ Thames Path: Ein Spaziergang am Südufer der Themse ist eine der schönsten Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden. Ungestört vom Autoverkehr, bietet der Weg tolle Blicke auf den Fluss und die Londoner Skyline, zudem kommt man direkt an der Tate Modern vorbei, sodass man ein wenig Kunstluft schnuppern kann. → Touren 14/15
♦ Hampstead Heath: Nur ein paar Tube-Stationen vom Zentrum entfernt findet man in Hampstead eine riesige Grünanlage mit Weihern, Grashügeln und kleinem Wald, selbst drei Badeseen gibt es. Man will gar nicht glauben, wie ländlich London sein kann. Schon John Constable hat hier seine Staffelei aufgestellt. Sehenswert ist dort auch das kostenlos zu besichtigende neoklassizistische Kenwood House aus dem 18. Jahrhundert, das von einem herrlichen Park umgeben ist und mit einer Gemäldesammlung lockt. → Tour 6
♦ Highgate Cemetery: Ein Spaziergang über den berühmtesten Friedhof Londons ist ein stimmungsvolles Erlebnis. Die alten Steingrabmäler sind mit Efeu und Farnen überzogen, schmale Pfade schlängeln sich durch die Anlage. Immer wieder stößt man auf beeindruckende Mausoleen und Katakomben. Die meisten Besucher wollen das monumentale Grabmal von Karl Marx sehen, aber auch George Eliot und Herbert Spencer haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. → Tour 6
Szeneviertel
♦ East End: Jack the Ripper treibt hier schon lange nicht mehr sein Unwesen, stattdessen hat sich das East End zusammen mit den angrenzenden Stadtteilen Shoreditch und Hoxton zu einem der beliebtesten Londoner Szeneviertel gemausert. Es gibt noch immer alte Fabrikhallen, verwilderte Grundstücke, viel Graffiti und den Brick Lane Market, aber die Gentrifizierung ist in vollem Gange. Neue Clubs und coole Bars verdrängen die alten Geschäfte und die zumeist aus Bangladesch stammenden Immigranten. → Tour 16
♦ Clerkenwell: Der lebendige Stadtteil mit vielen Architekturbüros und Werbeagenturen liegt nördlich der City of London. Günstige Mieten und die Nähe zur Innenstadt ließen Künstler sich hier ihre Ateliers einrichten, Galerien und Szenekneipen folgten nach und inzwischen auch Banker, die in schicken Lofts die Nähe zum Exmouth Market genießen. → Tour 3
Essen gehen
In London kann man sich auf eine kulinarische Weltreise begeben: Von Italienisch über Thailändisch und Türkisch bis hin zu den allgegenwärtigen Indern gibt es kaum ein Nation, die nicht in Form von Lokalen an der Themse vertreten ist. Selbstverständlich kredenzen Restaurants auch die klassische englische Küche, die heute meist unter der Bezeichnung „Modern British“ serviert wird.
Mehr zur neuen englischen Küche lesen Sie ab hier.
Ausführliche Restaurantbeschreibungen befinden sich am Ende jeder Tour.
Eine Liste aller Restaurants finden Sie ab hier.
Mehr als Fish & Chips
London hat sich längst vom kulinarischen Entwicklungsland zum gastronomischen Trendsetter gemausert. Nicht nur wegen Jamie Olivers nimmermüden Bemühungen ist das Vorurteil, die englische Küche sei ungenießbar, längst widerlegt. Die traditionelle englische Küche hat erhebliche Fortschritte gemacht. Jenseits von „Steak and Kidney Pie“ bietet innovative Kochkunst unter dem Namen „Modern British“ heute so manchen Gaumenkitzel: In puristischem Ambiente werden traditionelle Gerichte mit mediterraner Leichtigkeit und internationaler Nouvelle Cuisine kombiniert. Das Ergebnis sind dann auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftige Kreationen wie gebratenes Knochenmark auf Vollkornbrot mit Petersiliensalat oder ein lauwarmer Schweinskopfsalat ...
Für diese Veränderungen ist auch die kulturelle Vielfalt der Hauptstadt mit ihren mehr als 6000 Restaurants verantwortlich. Zahlreiche indische, chinesische, karibische, afrikanische und thailändische Lokale haben mit ihren Küchen Spuren im Geschmack der Londoner hinterlassen, deren Lieblingsgericht inzwischen nicht mehr Fish & Chips, sondern Chicken Tikka Masala ist und die nicht einfach nur indische Currygerichte, sondern vor allem scharfe indische Currygerichte lieben. Wenn bei den anderen Tischgenossen der Mund bereits in Flammen steht und der Schweiß in großen Perlen von der Stirn tropft, hört man richtige Hardcore-Fans nur müde lächelnd fragen: „You think that’s spicy?“
Eating out
Prinzipiell kann man in London zu jeder Tageszeit essen gehen. Abends empfiehlt sich bei den angesagtesten Restaurants eine rechtzeitige Tischreservierung. Die Preise auf der Speisekarte sind inklusive Mehrwertsteuer (VAT) verzeichnet. Wo auf der Rechnung nicht automatisch eine Service Charge von 10 bis 15 % erhoben wird, erwartet das Personal ein Trinkgeld (tip) in gleicher Höhe. Alternativ wird auch eine Cover Charge von £ 1 oder £ 2 erhoben, man bezahlt also für Gedeck, Brot, Butter usw. Interessant zu wissen ist, dass es auch ein paar Restaurants gibt, die keine Lizenz für den Ausschank von alkoholischen Getränken besitzen.
Übrigens wird nicht nur in Restaurants, sondern auch in den zahlreichen Londoner Pubs meist eine ansprechende Küche geboten.
Schnelle Küche für zwischendurch
In keiner anderen Stadt Europas sind Schnellrestaurants so stark verbreitet wie in London. Die Rede ist hier allerdings nicht von McDonald’s & Co, sondern von Unternehmen, die sich der japanischen, indischen oder italienischen Küche und einem oft sehr ansprechenden gastronomischen Konzept verschrieben haben. Die derzeit beliebtesten Ketten sind Wagamama, Bill’s, Aubaine, Brasserie Blanc, Giraffe, Nando’s, Itsu, Yo! Sushi, Dishoom, busaba eathai, Thai Square, The Real Greek oder Jamie’s Italien, Spaghetti House, Carluccio’s, Ask und Pizza Express.
Gegen den kleinen Hunger zwischendurch helfen Sandwichbars wie beispielsweise Pret-a-manger, EAT. oder Benjy’s mit frisch zubereiteten Häppchen - das Ganze täglich frisch. Wer sparen will, bestellt „take-away“, denn dann wird auf die kalten Speisen keine Mehrwertsteuer erhoben.
Selbstversorger können sich zudem mit leckeren Häppchen und exotischen Delikatessen bei Marks & SpencerSimply Food oder einem anderen Foodstore eindecken. Wer Lust auf einen Café verspürt, findet an fast jeder Londoner Straßenecke einen der allgegenwärtigen Coffeeshops wie Starbucks, Costa oder Caffè Nero.
5 Tipps für 5 Abende
♦The Churchill Arms: Ein uriger Pub in Notting Hill mit vielen Churchill-Devotionalien und leckerem Thaiessen. → Tour 13
♦St John: Englische Küche auf hohem Niveau in Clerkenwell, getreu dem Motto from nose to tail. → Tour 3
♦Nopi: Kochbuchautor Yotam Ottolenghi bittet in Soho zu Tisch - auf den kommen mediterrane und asiatische Gerichte. → Tour 8
♦Masala Zone: Authentische indische Küche in modernem Ambiente in Soho. → Tour 8
♦ Fifteen: Fernsehkoch Jamie Oliver führt dieses italienische Restaurant als Sozialprojekt für benachteiligte Jugendliche im East End. → Tour 16
Ausgehen
Egal, ob Szeneclub im East End, Theater oder Musical im West End, Konzert oder Kino im Art-déco-Ambiente oder einfach ein Pint in gemütlicher Runde im Pub - die Möglichkeiten zur Abendgestaltung sind in London mehr als vielfältig.
Alle Clubs, Pubs und Bars sowie Theater- und Musicalbühnen finden Sie im Kapitel Kultur- und Nachtleben
Soho und andere Szeneviertel
Soho ist der Klassiker im Londoner Nachtleben. Hier finden sich angesagte Clubs und Pubs, darunter auch Privatclubs wie das Soho House, zu denen nur Mitglieder Zugang haben. In der Old Crompton Street und ihrer Nebenstraße schlägt das Herz der Gay Community, bei Ronnie Scott’s geben die Stars der Jazz-Szene Konzerte, und am frühen Morgen treffen sich die Nachtschwärmer in der rund um die Uhr geöffneten Bar Italia in der Frith Street.
Neben Soho gibt es aber auch noch weitere Viertel, in denen man sich abends einfach durch die Straßen treiben lassen und dabei coole Clubs entdecken kann, zum Beispiel im East End, in Shoreditch, Hoxton, Notting Hill oder Clerkenwell, wo in den letzten Jahren zahlreiche neue Locations eröffnet wurden.
Pubs, Clubs und Megadiscos
Pubs gehören zu London wie die roten Doppeldeckerbusse - die Pub-Kultur ist legendär. Dementsprechend reicht das Spektrum von historischen Pubs wie dem The Princess Louise über Gastro-Pubs bis hin zu coolen Pubs mit DJ. Nach der Arbeit oder am Wochenende trifft man sich hier bei entspannter, geselliger Atmosphäre mit Freunden zum Essen oder einfach nur auf ein Pint. Auch Fußball- oder Rugbyspiele kann man sich in vielen Pubs gemeinsam ansehen.
Wer will, kann sich in einer der Megadiscos wie dem Home, dem Ministry of Sound oder der Fabric die Nacht um die Ohren schlagen. Im Home wird auf mehreren Etagen jeweils eine andere Musikrichtung gespielt, sodass jeder den passenden Sound findet. Zu den beliebtesten Clubs und Bars der Stadt zählen der Notting Hill Arts Club sowie das 93 Feet East oder die Big Chill Bar im East End.
Bühnen im West End
Neben dem New Yorker Broadway gilt das Londoner West End als Zentrum des modernen Musicals, und für viele Reisende ist der Besuch eines der vielen West-End-Theater fester Bestandteil im Abendprogramm eines London-Trips. Die gebotene Palette reicht von Rockmusicals wie „Jesus Christ Superstar“ über Musicals der 1980er-Jahre („Cats“, „Starlight Express“, „Phantom of the Opera“) bis hin zu „Mamma Mia“ und „Lion King“.
Theaterkarten zum halben Preis für nicht ausverkaufte Vorstellungen des jeweiligen Abends gibt es am Half Price Ticket Booth (TKTS) auf dem Leicester Square.
Livemusik
Es gibt wohl keinen einzigen Pop- oder Rockstar von Bedeutung, der nicht schon einmal auf einer Londoner Bühne gestanden hat. Für viele Musiker waren die Auftritte in London der Beginn ihrer Weltkarriere, etwa für die Rolling Stones, die im Juli 1962 ihr erstes Konzert im legendären Marquee Club in Soho gaben. Auch David Bowie, The Clash und George Michael debütierten in London.
Die englische Hauptstadt verfügt über zahllose kleinere und größere Konzertsäle, darunter so bekannte wie die Brixton Academy oder das Roundhouse in Camden. Jeden Abend kann man zudem aus mehr als 50 verschiedenen Konzerten auswählen. Egal, ob man Jazz, Reggae, Hardrock oder Folkmusik bevorzugt, für jeden Geschmack ist etwas Passendes dabei. Und es vergeht kaum eine Woche, in der nicht irgendein Superstar in der „musikalischen Hauptstadt der Welt“ ein Konzert gibt. Über das aktuelle Konzertprogramm informiert das kostenlose Stadtmagazin Time Out (auch online unter www.timeout.com).
5 Tipps für 5 Abende
♦ Heaven: In Europas größter Gay-Disco unter den Bögen des Charing-Cross-Bahnhofs tanzt ausgelassen die Schwulenszene, es mischen sich aber auch viele Heteros unter die Gäste.
♦ Ronnie Scott’s: Der Jazz-Club in Soho gehört zu den ältesten und renommiertesten weltweit und bringt regelmäßig die Topstars der Szene auf die Bühne. Am besten sichert man sich hier einen Platz im Voraus.
♦ Ministry of Sound: In dem Club in Lambeth legen die bekanntesten DJs aus dem In- und Ausland auf, bis die beiden Tanzflächen vibrieren - eine der besten Discos der Stadt!
♦ Club Aquarium: Der Club im East End verfügt tatsächlich über einen Swimmingpool - und ist nicht nur deshalb ziemlich cool.
♦ Culpeper: Sehr angesagter Pub im Industrial-Design in der Commercial Street. Bis 2 Uhr nachts ist hier der Tresen am Wochenende dicht umlagert.
Shopping
„Shop until you drop“ - kein Problem in London! Vom Luxusaccessoire bis zur Vintage-Mode gibt es wirklich alles. Die einen finden ihr Eldorado in den zahlreichen Secondhand-Shops im East End oder auf dem Camden Market, die anderen bummeln lieber durch die exklusiven Boutiquen und Warenhäuser. Und wer unbedingt das Neueste vom Neuesten erhaschen möchte, ist in London auch goldrichtig - in Sachen Trends hat die Stadt die Nase ganz vorn.
Ausführliche Beschreibungen einzelner Einkaufsmöglichkeiten in den Vierteln befinden sich am Ende jeder Tour.
Eine Liste aller Geschäfte und Märkte finden Sie ab hier.
Shoppingstraßen und -viertel
In der Sloane Street und der Bond Street haben sich die großen Namen der Modewelt wie Gucci, Versace und Chanel niedergelassen. In der Oxford Street und in der Regent Street findet man in den Megastores der international vertretenen Ketten alles von der Designerjeans bis zur Socke. Angenehmer ist aber das Einkaufen auf der Kensington High Street, an der sich ebenfalls die einschlägigen Ketten angesiedelt haben. Die legendäre Carnaby Street, die durch diverse Modedesigner der Swinging Sixties berühmt wurde, ist heute Fußgängerzone. Noch heute finden sich dort zahlreiche individuelle Modeläden. Ein Klassiker ist und bleibt die langgestreckte King’s Road in Chelsea, wo einst die Hippie- und Punk-Kultur „erfunden“ wurde.
Ein Paradies speziell für Bücherfreunde ist die Charing Cross Road: Zwischen Leicester Square und Cambridge Circus reiht sich dort eine Buchhandlung an die andere, vor allem Fachbuchhandlungen und Antiquariate sind vertreten.
Viele Boutiquen und kleinere, individuelle Geschäfte finden sich in Soho, mehr noch im East End sowie in Clerkenwell und den angrenzenden Stadtbezirken. Eine Art Shopping Guide für solche Läden ist die Website www.independentlondon.com, auf der man sich über Angebot und Lage informieren kann.
Kaufhäuser: „All Things for All People, Everywhere“
Wer weite Wege scheut, kann sicher sein, dass alle seine Wünsche in den 230 Abteilungen des Nobelkaufhauses Harrods erfüllt werden. Vor allem die Food Halls verursachen mit ihrem kunstvoll drapierten Überangebot einen wahren Sinnesrausch. Gleich nebenan gilt Harvey Nichols als Paradies für Modefans, was bereits die kreativen Schaufensterdekorationen erahnen lassen. Peter Jones am Slone Square begeistert ebenso wie Selfridges in der Oxford Street mit seinem üppigen Angebot. Dort findet sich auch der Flagship-Store von Marks & Spencer, der von vielen Kunden vor allem für seine hervorragende Lebensmittelabteilung geschätzt wird.
Und ein echtes Buchkaufhaus gibt es auch: Mit sechs Etagen ist die Waterstones-Filiale am Piccadilly die größte Buchhandlung Europas - es gibt kaum ein lieferbares englisches Buch, das hier nicht in den Regalen steht.
Erste Adressen
Jenseits der großen Kaufhäuser und Ketten gibt es in London natürlich zahlreiche Spezialgeschäfte sowie kleinere Boutiquen und Läden, die mit einem besonderen Angebot locken. Ein Klassiker ist sicherlich der Hoflieferant Fortnum & Mason in der Piccadilly Street, dessen Delikatessen schon vor zweihundert Jahren auf den Tischen der englischen Adeligen landeten. Von dort ist es nur ein Katzensprung zur Savile Row mit ihren Herren-Maßschneidern oder zu John Lobb, Londons berühmtesten Schuhmacher. In unmittelbarer Nähe gibt es selbstverständlich auch die Nobelboutiquen von Stella McCartney sowie von Vivienne Westwood, der schrillen Queen unter den englischen Modemachern. Dazu passt auch das Kaufhaus Liberty in der Regent Street, das für seine hochwertigen Baumwoll- und Seidenstoffe bekannt ist. Und da es in England bekanntlich häufig regnet, sollte man bei James Smith & Sons in der New Oxford Street vorbeischauen - dort werden seit 1830 noble handgefertigte Regenschirme verkauft. Außerdem gibt es noch viele kleine Spezialgeschäfte für Normalsterbliche wie etwa den auf Reiseliteratur spezialisierten Buchladen Daunt Books oder Rough Trade, ein kultiges Musikgeschäft.
Markttreiben
Jedes Wochenende strömen wahre Menschenmassen zum Camden Market sowie zum Portobello Market nach Notting Hill, die beide Kultstatus genießen und neben Klamotten so allerlei Nippes und Antiquitäten anbieten. Am Sonntag locken aber auch der Brick Lane Market sowie der für seine Blumen bekannte Columbia Road Market im East End. Der ebenfalls im Londoner Osten angesiedelte Petticoat Lane Market ist ein wenig heruntergekommen, während der Spitalfields Market mit viel Glas architektonisch aufgepeppt wurde. Nobel ist das Flair vor allem im gusseisern und glasüberspannten Leadenhall Market, der vorwiegend von Londoner Bankern frequentiert wird.
Leckeres und schön präsentiertes Essen bieten der Borough Market mit seinen unter einem Eisenbahnviadukt aufgebauten Marktständen oder der Maltby Street Market am Südufer der Themse.