Vanessa und Ina
EIN BUCH ÜBERS SUCHEN,
FINDEN UND FESTHALTEN
»Hey ihr Lieben, wir sind Vanessa und Ina und wir sind verlobt.« Das sagen wir gerne lachend in die Kamera, wenn wir eines unserer YouTube-Videos aufnehmen. Irgendwann können wir stolz sagen: »Hey ihr Lieben, wir sind Vanessa und Ina und wir sind verheiratet.« Wieso wir das so betonen, fragst du dich? Das ist schnell beantwortet: Ist man homosexuell, droht einem in elf Ländern auf der Welt die Todesstrafe. Und selbst in Deutschland galt Homosexualität bis 1994 unter Umständen als strafbar. Die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare – die »Ehe für alle« – ist erst seit 2017 in unserem deutschen Gesetz verankert. Das ist noch keine lange Zeit, aber dass es diese Möglichkeit endlich gibt, hat bereits im Leben vieler Menschen etwas verändert.
So auch in unserem. Angefangen hatte die Reise zu uns selbst und zueinander mit viel Unsicherheit, Angst und Selbsthass. Inzwischen aber sind wir miteinander gewachsen und stark geworden. Außerdem haben wir eine riesige Community hinter uns. Wenn du uns auf unserem Weg begleiten willst, dann bleibe dran. Wir freuen uns auf dich. Auch wenn du vielleicht selbst nicht lesbisch, schwul, bi*sexuell, transgender oder queer bist, ist dieses Buch sicher spannend für dich. Je mehr Menschen sich mit LGBT* auseinandersetzen, desto bunter und offener kann diese Welt werden. Wir haben in diesem Buch unsere Geschichte in einigen thematischen Kapiteln festgehalten. Du musst es nicht chronologisch lesen, kannst es aber. Oftmals greifen wir bestimmte Situationen noch einmal auf. Hinter jedem Kapitel findest du einen Informationsteil, in dem wir dir die LGBT*-Welt etwas näherbringen. Außerdem findest du dort auch einige Seiten, bei denen du gefragt bist und mitmachen kannst.
Vielleicht hast du noch nichts von uns gehört, dann: danke für dein Vertrauen! Du wirst uns auf den nächsten Seiten auf jeden Fall besser kennenlernen. Und damit du dich nicht wunderst: Vanessa hat den Spitznamen »Nessi« und Katharina wird eigentlich immer nur »Ina« gerufen.
Übrigens: Auf unserer Reise durften wir viele tolle Menschen kennenlernen, die uns unterschiedlich lang begleitet haben. Zu ihrem Schutz haben wir ihre Namen in den Texten abgeändert.
Und jetzt wünschen wir dir ganz viel Spaß beim Lesen unserer Geschichte!
VORWORT
1
DIE PRÄGENDEN JAHRE
2
DIE ZEIT DER SUCHE
3
UNSER KENNENLERNEN
4
WAS IST DAS ZWISCHEN UNS?
5
UNSERE ERSTEN GEMEINSAMEN SCHRITTE
6
UNSER COMING-OUT IN DER FAMILIE
7
DAS COMING-OUT BEI FREUND*INNEN
8
DAS ERSTE MAL …
9
UNSERE ZUKUNFT
10
EIN PAAR ABSCHLIEßENDE WORTE
QUELLENANGABEN
IMPRESSUM
VANESSA
MIT
2 JAHREN
VANESSA
MIT
10 JAHREN
INA MIT
6 JAHREN
KATHARINA: 2. APRIL 1996, 18:27 UHR, 49 CM, 3000 G, BERLIN, DEUTSCHLAND Ich glaube, alles begann an einem Abend in meiner Jugend, den ich mit meiner Familie vor dem Fernseher verbrachte. Ich bin mir sicher, dass sich sonst aus meiner Familie niemand mehr daran erinnern kann, aber ich habe es nicht vergessen. Im Fernsehen lief eine Reportage zum Thema Homosexualität und es wurden einige Zahlen und Fakten zu Übergriffen auf Menschen aufgrund derer sexuellen Orientierung genannt. Ich hatte das damals zwar noch nicht so richtig verstanden (ich muss zwölf oder dreizehn gewesen sein), was ich aber noch weiß, ist Folgendes: Meine Eltern unterhielten sich und meine Mama erzählte von einer Freundin aus ihrer Studienzeit. Sie hätten sich super verstanden und viel Zeit zusammen verbracht, aber dann habe sich etwas verändert: Ihre Freundin habe immer weniger Zeit in der Uni und immer mehr Zeit auf bis dahin beiden unbekannten Veranstaltungen verbracht. Als meine Mutter das dann hinterfragte, habe ihre Freundin ihr gestanden, dass sie jetzt eine Lebensgefährtin habe. Mein Papa beendete die Geschichte meiner Mutter schnell, indem er sagte: »Ja, ja, das mit den Lesben und Schwulen.« Man könnte jetzt meinen, dass er das einfach nur so dahergesagt hätte, aber der Ton hat hier wirklich die Musik gemacht. Meinem Papa war das wahrscheinlich selbst nicht bewusst, aber seine Ablehnung Lesben und Schwulen gegenüber war deutlich zu spüren. Ich frage mich natürlich inzwischen: War es nur das Unbekannte? War es vielleicht gar keine Ablehnung?
Jedenfalls kann ich mich gut an diesen Abend erinnern und er wird auch im weiteren Verlauf immer wieder eine Rolle in meinem Leben spielen. Denn ohne zu viel vorwegzunehmen: Ich bin lesbisch.
Als ich noch mit Puppen gespielt habe (ich gebe es zu: Ich war eher so der Barbie-Mensch), sah meine Welt so aus: Meine »Charlotte« hat einen Mann, zwei Kinder, einen Labrador, ein Haus und ein Auto. Während sie sich um die Kinder kümmert und den Haushalt schmeißt, arbeitet »Ken« und verdient das Geld. Sie geht mit dem Labrador Gassi, die jüngste Tochter hat nachmittags Ballettunterricht. Am Abend essen alle gemeinsam am Esstisch und gehen zeitig schlafen. Papa gibt der Kleinen vor dem Schlafen immer einen Gutenachtkuss. Wenn Charlotte Zeit hat, trifft sie sich mit ihren Freundinnen. Sie lachen viel, shoppen liebend gerne und erzählen sich gegenseitig, was sie an ihren Männern ärgert. Dieses aus heutiger Sicht überaus stereotype Familienbild war für mich damals völlig selbstverständlich.
Im Kindergarten haben wir immer »Mutter, Vater, Kind« gespielt – für uns das Spiel schlechthin. Und ganz selbstverständlich haben wir die »klassische« Familie verkörpert – eben Mutter, Vater und Kind. Andere Familienstrukturen? Ich kann mich nicht entsinnen, dass wir jemals »Mama, Mama, Kind« oder so gespielt hätten!
Meine Familie besteht ebenfalls aus Mutter, Vater, Kind eins und Kind zwei. Mein Vater arbeitet mehr als meine Mutter, bringt das meiste Geld nach Hause und meine Mutter kümmert sich nebenher um den Haushalt. Meine Eltern haben einige befreundete Pärchen, auch hier sehen die Familienstrukturen ähnlich aus. Ich erinnere mich, dass meine Mutter oft zu mir sagte, wenn sie sich mit meinem Vater gestritten hatte: »Finde bloß einen, mit dem du mehr Glück hast als ich mit deinem Vater.« Wenn meine Mama früher Besuch von ihren Freundinnen hatte, dann tauschten sie sich über ihre Männer und deren Macken aus und lachten am Ende meist. Wenn ich zurückdenke, fallen mir auch keine Familien von Kita-Freund*innen ein, bei denen es nicht Mama, Papa und Kind gewesen wären.
In dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin – einem Dorf in Brandenburg –, gab es nicht allzu viel. Beinahe alle hatten ein Grundstück mit Haus, manche mit einem größeren Garten, manche mit einem kleineren. Die meisten hatten ein bis zwei Autos in der Garage oder unter dem Carport. Es gab einige fußläufige Supermärkte, aber für uns Kinder gab es nicht sonderlich viel Abwechslung. In meiner Kindheit kamen meine Freund*innen meistens zu mir – wir hatten einen wirklich tollen Garten mit tausend Möglichkeiten zum Spielen. Ich hatte einen besten Freund, Paul, der im Nachbarhaus wohnte und mit dem ich durch dick und dünn gegangen bin. Eines Tages haben wir eine Kinderhochzeit veranstaltet: Paul hat mir einen Kranz aus Gänseblümchen aus dem Garten geschenkt und ich ihm ein Spielzeugauto. Damit war alles besiegelt – in unseren Kinderköpfen waren wir füreinander bestimmt. Und nie wäre ich damals auf die Idee gekommen, ein anderes Mädchen zu heiraten … Irgendwann zogen Paul und seine Familie leider weg und wir hatten kaum Zeit, uns zu verabschieden, was mich traurig machte. Auch unseren Eltern tat es leid, uns Kinder trennen zu müssen. Als meine Freund*innen und ich älter wurden, so mit zwölf oder dreizehn, durften wir dann allein ins Freibad im Nachbarort fahren – was wir in den Sommermonaten immer wieder taten, auch wenn es eigentlich viel zu kalt war. Meine beste Freundin Cheyenne aus der Grundschule und ich waren immer im Doppelpack unterwegs und erzählten uns gegenseitig alles. Sie war mutig und wollte immer neue Sachen ausprobieren. Mit ihr habe ich mir das erste Mal die Beine rasiert. Sie hat das Equipment besorgt und dann haben wir versucht, alle Haare wegzumachen, ohne uns zu schneiden. Ich weiß noch, wie aufregend sich das anfühlte. Von ihr habe ich erst gelernt, mich echt viel zu trauen. Leider blieb es nicht immer so schön und so schrieb ich mit dreizehn:
INA / 05. MAI 2008
Liebes Tagebuch, ich hab versucht es aufzuhalten, aber es hat nicht geklappt. Meine beste Freundin ist nicht mehr meine beste Freundin, es ist aus und vorbei. Sie interessiert sich einfach nicht mehr für mich, sondern hat nur noch Jungs im Kopf. Ständig redet sie über Jungs oder rennt ihnen hinterher. Ich erkenne sie gar nicht mehr wieder.
INA / 19. MAI 2008
Liebes Tagebuch, es ist jetzt zwei Wochen her, dass ich nicht mehr mit meiner besten Freundin spreche, daran hat sich nichts geändert. Nun kommt das Beste: Sie hat jetzt einen Freund. Sie hat mich einfach mit ihrem Freund ersetzt und vollkommen vergessen. Aber das ist nicht alles. So viele Mädchen aus meiner Klasse haben jetzt einen Freund. Nur ich leider nicht … Ich wünsche mir aber auch einen Freund. Wieso habe ich denn keinen? Und wo soll ich denn einen herbekommen? Ich bin traurig.
Meiner Mama ging das damals mit dem Freund-haben-Wollen sowieso viel zu schnell – eine Ansicht, die sich später allerdings ändern sollte. Je älter ich wurde, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass sie sich einen Freund für mich wünschte.
VANESSA: 27. SEPTEMBER 1996, 19:27 UHR, 51 CM, 3950 G, PALMA DE MALLORCA, SPANIEN Ich erblickte auf Mallorca das Licht der Welt. Meine Mama behauptet bis heute, dass meine Geburt leicht gewesen sei. Ich war ein Wunschkind. Meine Eltern haben sich geliebt und nach sechs Jahren Beziehung an Silvester (ja, das wurde mir wirklich so erzählt) beschlossen, die Familie zu vergrößern. Jetzt wirst du dich fragen: Haben deine Eltern auf Mallorca Urlaub gemacht? Das werde ich übrigens wahnsinnig oft gefragt. Aber nein, meine Eltern haben sich dort erst kennen- und lieben gelernt, dann gemeinsam ein Restaurant auf der Insel eröffnet und aufgebaut – direkt am Ballermann 3. Ich habe meine Eltern immer bewundert, sie waren für mich ein großartiges Team. Ich habe immer zu ihnen aufgesehen. Und auch wenn sie viel gearbeitet haben, hatte ich niemals das Gefühl, allein zu sein.
Nach weiteren sechs Jahren beschlossen meine Eltern, dass ich noch ein Geschwisterchen bekommen sollte. Ich kann mich noch an die Situation erinnern: Wir saßen zu dritt in der Küche und die beiden haben mir freudestrahlend erzählt, dass ich eine Schwester bekommen würde. Wahrscheinlich wären viele große Geschwister vor Freude in die Luft gesprungen, ich aber habe geweint – und sicher nicht aus Freude. In diesem Moment war es für mich das Schlimmste, dass ich meine Eltern bald würde teilen müssen. Ich wollte das einfach nicht! Heute ist das anders: Ich habe meine Schwester richtig lieb und ich bin froh, sie immer an meiner Seite zu haben, das möchte ich an dieser Stelle betonen. Aber damals habe ich einfach geweint und mich in meinem Zimmer verkrochen.
Und nach einigen Monaten war sie dann da. Funfact: Mein Papa und ich wollten meine Schwester Lara nennen, aber meine Mama war für Laura. Obwohl wir sie theoretisch überstimmt hatten, legte sie nach der Geburt einfach den Namen fest. Meine Schwester war wirklich ein schönes Baby und wenn sie gelacht hat, ging die Sonne auf. Nichtsdestotrotz konnte ich mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass jetzt so ein freudestrahlendes Baby bei uns zu Hause wohnen und zu meinen Eltern auch bald »Mama« und »Papa« sagen würde. Mit den Monaten verflog jedoch die Eifersucht, ich hatte mich an meine Schwester gewöhnt und konnte sie lieb haben. Also war alles gut. Doch dann kam der Abend, der alles verändern sollte.
Eines Tages, ich war acht Jahre alt, setzten sich meine Eltern zu mir auf die Couch. Im ersten Moment dachte ich, dass ich etwas verbrochen hatte. Alles war so ruhig und keiner sagte etwas. Lauri schlief schon und ich hatte irgendeinen Kinderfilm im Fernsehen geschaut. Dann sagte mir meine Mama, dass sie und Papa sich nicht mehr liebten und sich trennen würden. Dass Lauri und ich bald mit ihr zu ihren Eltern nach Brandenburg ziehen würden. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr meine Welt bei diesem Gespräch zusammenbrach. Ich habe mein spanisches Zuhause und meine Eltern so geliebt – den Strand, meinen Kater Flori, den kleinen Pool, der immer im Sommer aufgebaut wurde, und meine Freund*innen. Das sollte ich nun alles verlieren? Niemals! Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass sich meine Eltern nicht mehr liebten und dass dies hier nicht mehr mein Zuhause sein sollte. Ich war immer so stolz auf sie gewesen und hatte gedacht, dass sie zusammen alt werden würden. Aber da hatte ich mich wohl geirrt. Ich war mehr als enttäuscht von meinen Eltern und einfach nur unfassbar traurig.
Heute weiß ich, dass die Liebe zwischen den beiden einfach vorbei und die Trennung besser für beide war. Aber damals konnte ich es nicht verstehen. Ich hatte Angst, dass ich Papa nie wiedersehen würde, und wollte außerdem mein Zuhause nicht aufgeben. Heute freue ich mich, dass mein Papa immer noch auf Mallorca wohnt. Er lebt dort mit seiner neuen Frau und ihren beiden gemeinsamen Kindern, meinen Halbgeschwistern, die ich auch sehr lieb habe. Ich besuche sie regelmäßig und habe daher schon in frühen Jahren gelernt, allein mit dem Flugzeug zu fliegen.
Als meine Eltern sich trennten, habe ich mir ausgemalt, wie ich später leben möchte. Ich komme aus einer Trennungsfamilie, also alle meine Familienmitglieder sind geschieden. Deswegen setzte ich mir schon in jungen Jahren ein großes Ziel: Wenn ich mich in jemanden verlieben würde, dann wollte ich für immer mit dieser Person zusammenbleiben, mit ihr alt werden und sterben. Ich wollte die erste Person meiner Familie sein, die sich niemals trennte.
Damals war ich aber einfach am Boden zerstört und habe sehr viel Tagebuch geschrieben – was ich übrigens auch heute immer noch mache. Ich nehme mir alle drei bis vier Monate Zeit und schreibe alles auf, was ich auf dem Herzen habe. Das tut wahnsinnig gut.
Über das Thema Homosexualität wurde bei uns in der Familie übrigens nie gesprochen. Und wir hatten in der Schule ganz normalen Aufklärungsunterricht im Fach Biologie, das muss so in der fünften oder sechsten Klasse gewesen sein. Da erklärte man uns dann, wie der Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau abläuft und wie man richtig verhütet – so mit allem Drum und Dran, mit Kondom über eine Banane stülpen und so. Aber es wurde weder in der Grundschule noch auf dem Gymnasium im Biologieunterricht darüber aufgeklärt, dass auch zwei Personen des gleichen Geschlechts miteinander schlafen und sich lieben können. In der zehnten Klasse behandelten wir im Englischunterricht dann das Buch Love, Simon, in dem es um einen homosexuellen Jungen geht. Aber das war’s auch schon. Ansonsten wurde vor allem Sexualität zwischen zwei gleichgeschlechtlichen Menschen in der Schule nicht thematisiert. Meiner Mutter war es zwar sehr wichtig, mir einzutrichtern, dass ich verhüten soll, und sie klärte mich auch darüber auf, dass man sich Krankheiten beim Sex holen kann und dass das Kondom dagegen schützt. Aber wie wohl allen Jugendlichen in der Pubertät war es mir total unangenehm, mit ihr über das Thema Sexualität zu sprechen. Das konnte bzw. wollte ich mit keinem aus der Familie. Und daran hat sich wenig geändert: Ich mag bis heute nur mit den wenigsten Menschen darüber sprechen.
Während unsere Erinnerungen nun so aus uns heraussprudeln, wird uns beiden bewusst, wie schnell doch diese Zeit verging. Dass einem als Kind nicht bewusst ist, wie besonders und unbeschwert diese Zeit oft ist – einfach spielen und sich mit Freund*innen verabreden zu können. Früher haben wir daher nie verstanden, was es mit diesen typischen Sprüchen von Eltern oder Verwandten auf sich hatte:
»Wenn du groß bist, dann wirst du diese Zeit schon vermissen.«
»Später einmal wirst du dich über den Mittagsschlaf nicht mehr beschweren.«
»Die Schulzeit ist die beste Zeit deines Lebens, das wirst du schon noch sehen.«
Du kennst sie sicher auch, diese Sätze, die einem als Kind völlig unverständlich sind. Aber jetzt sind wir selbst »groß« und wissen inzwischen, wie das Leben sein kann. Wie es ist, wenn einen der Alltag einholt und einem den Wind aus den Segeln nimmt. Es gibt sie, diese Tage, an denen uns die Arbeit, die Uni und obendrauf der Haushalt über den Kopf wachsen. Und wie es dann oft so ist, kommen schnell noch weitere Probleme hinzu, die einem so gar nicht passen - eine verstopfe Toilette zum Beispiel. Und dann weiß man gar nicht mehr, was man zuerst angehen sollte. Dabei ist uns aber auch klar geworden, dass wir die unbeschwerten und glücklichen Kinder in uns niemals komplett verlieren wollen. Egal, was für Zeiten auf uns zukommen: Wir wollen niemals den Kopf vollkommen in den Sand stecken! Auch wenn dann manchmal alles raus muss, seien es die purzelnden Tränen oder die kräftigen Schreie, solche Momente gehören dazu – und von ihnen hatten wir doch einige …
INSIDER-INFO
DIE SACHE MIT UNSEREN NAMEN …
VANESSA: Mein vollständiger Name ist Vanessa Madeleine (nach meiner Mama) Monika (nach meiner Oma). Genannt werde ich aber meist »Nessi«.
INA: Mein tatsächlicher Vorname ist Katharina! Bei meiner Familie und meinen Freund*innen habe ich die Spitznamen »Kathi« oder »Kate«. Im Sommer 2016 hat mich Nessi dann irgendwann einfach Ina genannt. Bei dem Namen sind wir geblieben und haben mich auch bei ihrer Familie und unserer Community so vorgestellt.
Wir nennen uns am allerliebsten BUBU. Das kam daher, dass wir uns, noch bevor wir zusammengekommen sind, immer Bebi und Baby genannt haben. Am 15.09.2016 hat Ina dann das erste Mal Bubu als Kosenamen geschrieben.
GENDERN
Wie dir vielleicht schon aufgefallen ist, war es in unserer Sprache lange Zeit üblich, nur die männliche Form zu benutzen, auch wenn Menschen verschiedener Geschlechter gemeint sein sollten. In vielen Bereichen ist das bis heute so. Doch soziale Geschlechter sind vielfältig! In unserer Sprache werden sie allzu oft ausgegrenzt und verschwiegen – nicht einmal die weibliche Form wird jedes Mal mitgenutzt. Doch unsere Sprache bestimmt unsere Welt und es ändert sich langsam etwas. Um Diskriminierung zu verhindern und alle Geschlechter gleichberechtigt anzusprechen, gehen wir zunehmend dazu über, Sprache und Schrift zu »gendern«. Dafür entwickeln sich verschiedene Schreibweisen mit Sonderzeichen wie etwa dem Asterisk, dem »Gendersternchen«. Wenn wir solche Sonderzeichen verwenden, meinen wir alle Menschen – auch diejenigen, die sich keinem Geschlecht zuordnen möchten. Manchmal wird statt dem Sternchen auch ein Doppelpunkt, ein Schrägstrich, ein Unterstrich oder ein Binnen-I verwendet.
Über das »Gendern« ist man sich in der Gesellschaft bis heute noch sehr uneinig, deshalb gibt es noch keine einheitliche Lösung.
BEISPIELE:
Schüler – Schüler*innen
Lehrer – Lehrer:innen
Kollegen – Kolleg_innen
Freunde – FreundInnen
JETZT MAL KLARTEXT:
REGENBOGENFAMILIEN
Familien sind vielfältig! Es gibt nicht nur Mama-Papa-Kind, sondern auch Mama-Mama-Kind oder Papa-Papa-Kind. Wenn in einer Familie mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich ist, dann sagt man dazu auch »Regenbogenfamilie«. Kinder, die in einer Regenbogenfamilie aufwachsen, kommen dann zum Beispiel aus einer früheren heterosexuellen Beziehung eines Elternteils oder werden mithilfe künstlicher Befruchtung empfangen und direkt in die Familien hineingeboren. Auch ein Vater kann seinen Sohn oder seine Tochter auf die Welt bringen – wenn er zum Beispiel eine Trans*-Geschlechtsidentität hat.
Manche Kinder kommen auch als Pflege- oder Adoptivkinder in die Familien. Und darüber hinaus gibt es noch viele weitere Familienformen: Ein-Eltern-Familien, Patchworkfamilien, Mehr-Eltern-Familien … Familien können also richtig bunt sein!
Die meisten Menschen denken bei dem Wort »Familie« wohl an ihre Herkunftsfamilie, doch manche Menschen suchen sich ihre Familie lieber selbst aus und finden bei ihr Liebe, Geborgenheit und Zusammenhalt.
INTERGESCHLECHTLICH/INTER*
Das Geschlecht eines Menschen wird üblicherweise vor oder bei der Geburt anhand der Genitalien zugeordnet. Doch nicht nur ein Penis oder eine Vulva entscheidet über weiblich oder männlich, denn das Geschlecht hängt von mehreren Faktoren ab: Neben den äußeren Geschlechtsmerkmalen schaut man sich auch die Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke) an. Außerdem gelten in der Genetik XX-Chromosomen als weiblich und XY-Chromosomen als männlich. Auch bei den Hormonen gibt es Unterschiede: Überwiegen die Hormone Östrogen und Progesteron, so gilt das als weiblich, überwiegendes Testosteron gilt als männlich. Doch manchmal passiert es, dass sich diese Dinge vermischen können: