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Originalausgabe
1. Auflage 2016
© 2016 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,
Nymphenburger Straße 86
D-80636 München
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Fax: 089 652096
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Redaktion: Antje Steinhäuser
Umschlaggestaltung: Melanie Melzer
Umschlagabbildung: Shutterstock
Bildbearbeitung: Pamela Machleidt
Satz: inpunkt[w]o, Haiger
ISBN Print 978-3-86883-844-2
ISBN E-Book (PDF) 978-3-95971-155-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-95971-156-2
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DIE PHILOSOPHIE, EIN UNGEHEUER MIT VIELEN KÖPFEN
EUROPAS GEISTIGE GRUNDLAGEN
Die Geburt der Philosophie im Alten Griechenland
Heraklit
Pythagoras und die Vorsokratiker
Sokrates und die ewige Fragerei
Platon: Verliebt in die Idee
Aristoteles und die Suche nach Glück und Wissen
Rom
DAS CHRISTLICHE MITTELALTER
Um Gottes willen!
Das christliche Abendland oder wo Gott existiert
Was der Mensch weiß
Durch neun Höllen musst du gehen: Dante Alighieri
Was der Mensch doch nicht wissen kann
DIE WIEDERENTDECKUNG DES MENSCHEN
Cusanus und die Unwissenden
Erasmus und der Humanismus
Machiavelli und die Staatsräson
Luther und die Reformation
Morus und die Utopie
DAS ZEITALTER DER VERNUNFT
Descartes, der Zweifel und die Gewissheit
Neue Wissenschaften für die Welt
Wissen und Emanzipation für alle
Der neue Mensch und die Freiheit
Die neue Gesellschaft
ALLES GEIST! DER DEUTSCHE IDEALISMUS
Kant − Der Mount Everest der Philosophie
Im Traumland: Fichte, Schelling und der Deutsche Idealismus
Hegel und der Weltgeist
ALLES SCHEISSE! PESSIMISMUS UND NIHILISMUS
Schopenhauer und die Welt
Nietzsche und der Übermensch
ÖKONOMIE UND KLASSENKAMPF
Adam Smith und die Nationalökonomie
John Stuart Mill und der Utilitarismus
Marxismus und Leninismus
ABGRÜNDE, ZERSTÖRUNG UND WIEDERAUFBAU
Sigmund Freud und das Ich
Martin Heidegger und das Sein
Sartre und das Dasein
Die Frankfurter Schule und die Gemeinschaft
Die Postmoderne
OFFENE FRAGEN
LITERATURVERZEICHNIS
Das Wort »Philosophie« kommt aus dem Griechischen. Es bedeutet übersetzt »Weisheitsliebe«. Wer jetzt nachfragt, was Weisheit eigentlich ist und was das Wort Liebe wirklich bedeutet, gerät sogleich mitten hinein ins Philosophieren. Wer aber fragt, was Philosophie ist, und nicht, was das Wort übersetzt bedeutet, bekommt sehr unterschiedliche Antworten. Dass jeder, der über das Leben nachdenkt, ein Philosoph sei, ist die zugänglichste und einfachste Definition. Dann bräuchte man aber dieses Buch nicht und auch nicht all die anderen Bücher, in denen Philosophen seit Jahrtausenden ihre Gedanken niederlegen. Es ist in der Philosophie nicht nur das eigene Denken, sondern das Nach-Denken dessen wichtig, was andere gedacht haben. Mancher sagt, dass nicht einmal ein Philosophieprofessor zwingend ein Philosoph ist, solange er nur nach-denkt und lehrt, aber keine eigene Philosophie entwickelt. Heraklit beschreibt den Philosophen als einen, der nach der Natur der Dinge forscht. Karl Jaspers schreibt über die Philosophie: »Vor aller Wissenschaft tritt sie auf, wo Menschen wach werden.« Man kann sich also fast aussuchen, wer ein Philosoph ist, da es so unterschiedliche Philosophen wie Philosophien gibt.
Alles kann Thema der Philosophie sein, sagen die einen, während andere definieren, Philosophie sei »gegenstandsloses Denken«. Wahrheitsliebe − das ist eine uralte Definition der Philosophie, aber gerade weil Denker die Wahrheit lieben, stellen sie auch alles in Frage, so auch die Wahrheit selbst. Georg Wilhelm Friedrich Hegel verortete die Wahrheitsliebe daher nicht als Inhalt, sondern als Grundlage des Fachs: »Der Mut der Wahrheit, der Glaube an die Macht des Geistes ist die erste Bedingung der Philosophie.«
Im christlichen Mittelalter sagten die Denker, Philosophie sei die Weltweisheit, Religion dagegen die Gottesweisheit.
Wie man sie auch nennt, die Philosophie hat erstaunlicherweise immer dieselben Themen und Fragen: Was macht den Menschen aus? Was ist sein Lebenssinn? Was leistet der menschliche Verstand, was ist eine Idee? Wie kann der Mensch glücklich leben und gut handeln? Wie sieht eine gute Gemeinschaft aus? Weil es nie eine allgemeingültige Antwort auf solche Fragen gibt, ist die Philosophie ständig in Bewegung.
Zu Philosophieren ist, wie ein Haus aus Ideen zu errichten. Wer Philosophie studiert oder sich damit beschäftigt, nimmt sich ein Gedankengebäude nach dem anderen vor und versucht, die Gesamtstruktur, den Bauplan und die Bauteile zu vermessen und damit den Masterplan des Gebäudes nachzuvollziehen.
Die Geistesgeschichte schreibt sich nicht logisch und ist unplanbar. Sie entsteht Haus für Haus, Stück für Stück. Es entstehen Straßen, denen sich folgen lässt, aber einige führen auch in Sackgassen. Diejenigen, die durch die Straßen der Ideengeschichte gehen und die Häuser besuchen, entscheiden, was Bestand hat und was wackelig ist.
Dieses Buch durchschreitet die Metropole der europäischen Geistesgeschichte nur scheinbar in einer geraden Linie, weil die Kapitel chronologisch sortiert sind und gedanklich, ein wenig, aufeinander aufbauen. Tatsächlich aber stehen diese Philosophien für sich, und dieses Buch ist nur ein Reiseführer zu bedeutenden Sehenswürdigkeiten in der Stadt der philosophischen Häuser. Viel mehr gibt es dort zu entdecken, viel mehr zu hören, viel mehr nach-zu-denken, zumal die Philosophien Asiens hier gar nicht aufgenommen sind. Der kleine Stadtspaziergang ist nur eine Stippvisite.
Philosophie sei ein »Ungeheuer mit vielen Köpfen, deren jeder eine andere Sprache redet«, schrieb Arthur Schopenhauer. Die Vielfalt ist aber nicht das Entsetzliche, sondern das Faszinierende der Philosophie, da sie die Größe und Mannigfaltigkeit des menschlichen Geistes illustriert, und die stetige Vielfalt der Möglichkeiten und Ideen. Es gibt nicht und gab nie die eine Philosophie, es gab zu jeder Zeit viele Philosophien. Wahr sind diese Philosophien für sich alle, so wahr und fest sie als Gedankengebäude stehen. Manche gefallen dem Besucher besser als andere, und auch das ist ein Zeichen der Vielfalt. Johann Gottlieb Fichte schreibt: »Was für eine Philosophie man wählt, hängt davon ab, was für ein Mensch man ist.«