Wenn politisches Engagement und Einsatz für Menschenrechte nicht zu blindem Aktionismus führen sollen, ist es nötig, gelegentlich innezuhalten und sich auf die Theorie der Menschenrechte zu besinnen. Menschenrechte, so Amartya Sen, sind erst einmal moralische Forderungen, die sich auf wichtige und sozial beeinflussbare Freiheiten beziehen. Nicht nur auf bürgerliche und politische Freiheiten, sondern auch auf ökonomische und soziale.
Doch wie kann sich die Menschheit weltweit und dauerhaft auf dieselben Forderungen einigen – trotz all der kulturellen Unterschiede und extrem unterschiedlicher Rechtssysteme? Was kann eine Theorie der Menschenrechte leisten und was nützt sie für die Praxis?
Sen entwirft in seinem Essay ein inklusives und zukunftsweisendes Verständnis der Menschenrechte, das einen Beitrag leisten soll, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
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1
Vgl. für eine Übersicht Arnd Pollmann / Georg Lohmann (Hrsg.), Menschenrechte. Ein interdisziplinäres Handbuch, Stuttgart 2012.
2
Eine ähnliche Position vertritt prominent Charles Beitz, The Idea of Human Rights, Oxford 2009, vgl. bes. S. 102–117.
3
Den rechtlichen Charakter von Menschenrechten betont Allen Buchanan, The Heart of Human Rights, Oxford 2013, S. 65–77.
4
Vgl. insbes. Amartya Sen, Die Idee der Gerechtigkeit, S. 365–414.
5
Für eine auf Autonomie beruhende Konzeption steht James Griffin, On Human Rights, Oxford 2008, S. 33–37. Für eine auf Würde beruhende Konzeption vgl. Martha Nussbaum, Creating Capabilities. The Human Development Approach, Cambridge 2013, bes. S. 62–68.
6
Vgl. bspw. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft. Für eine Übersicht vgl. Christian Neuhäuser, Amartya Sen zur Einführung, Hamburg 2013, S. 63–80, und Ingrid Robeyns, Wellbeing, Freedom and Social Justice. The Capability Approach Re-Examined, Oxford 2017, S. 23–29.
7
Besonders deutlich legt Sen diese Position dar in seinem Essay »Rights and Agency«, in: Philosophy and Public Affairs 11 (1982) Nr. 1, S. 3–39.
8
Vgl. bspw. Andrea Sangiovanni, Humanity without Dignity. Moral Equality, Respect, and Human Rights, Cambridge 2017, S. 191–205.
9
Vgl. dazu Thomas Pogge, Weltarmut und Menschenrechte. Kosmopolitische Verantwortung und Reformen, Berlin 2011, bes. S. 212–222.
10
Für eine Übersicht über die Diskussion vgl. Samuel Moyn, The Last Utopia. Human Rights in History, Cambridge 2012, S. 176–211.
11
Auf eindrückliche Weise macht diesen Punkt Kimberley Brownlee, Being Sure of Each Other. An Essay on Social Rights and Freedoms, Oxford 2020, S. 49–55.
12
Das diskutiert Samuel Moyn, Not Enough. Human Rights in an Unequal World, Cambridge 2018, bes. S. 184–202.
13
Vgl. dazu Amartya Sen, Die Idee der Gerechtigkeit, S. 151–180, und Amartya Sen, The Argumentative Indian, S. 273–293.
14
Vgl. Amartya Sen, Die Identitätsfalle, S. 190–193.
15
Vgl. bes. Collective Choice and Social Welfare; ein Sammelband mit wichtigen Aufsätzen Sens aus den 1960er und 1970er Jahren auf diesem Gebiet findet sich in Choice, Welfare and Measurement.
16
Zur ökonomischen Ungleichheit vgl. On Economic Inequality (dt.: Ökonomische Ungleichheit), Inequality Reexamined; zur Entwicklungsökonomie vgl. Employment, Technology and Development; zur Armut vgl. Poverty and Famines.
17
Vgl. Sens autobiografischen Essay, den er für den (jährlich von der Schwedischen Reichsbank vergebenen) Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 1998 verfasste und der auf der offiziellen Nobelpreis-Website abrufbar ist (s. Development as Freedom).
18
Vgl. ebd., außerdem The Idea of Justice, S. 338 ff. (dt.: Die Idee der Gerechtigkeit, bes. Kap. 16: »Die demokratische Praxis«, S. 366 ff.).