Axarabor Sammelband 5 mit Folge 19-24: Sternen-Vendetta - Sechs Romane Die Raumflotte von Axarabor
Published by BEKKERpublishing, 2019.
Title Page
Impressum
Klappentext
Das Psi-Experiment | Die Raumflotte von Axarabor - Band 19 | von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius | Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
Die Menschenjäger von Zacanda | Die Raumflotte von Axarabor - Band 20 | von Bernd Teuber | 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
Der Weltenzerstörer | Die Raumflotte von Axarabor - Band 21 | von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius | 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
Samen der Unsterblichkeit | Die Raumflotte von Axarabor - Band 22 | von Bernd Teuber | 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Vendetta zwischen den Sternen | Die Raumflotte von Axarabor - Band 23 | von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius | 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Das Geheimnis des Dreizehnten | Die Raumflotte von Axarabor - Band 24 | von Wilfried A. Hary & Marten Munsonius | 1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
Further Reading: 30 Sternenkrieger Romane - Das 3440 Seiten Science Fiction Action Paket: Chronik der Sternenkrieger
Also By W. A. Hary
Also By Marten Munsonius
Also By Bernd Teuber
About the Publisher
![]() | ![]() |
Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker
© by Wilfried A. Hary/Bernd Teuber/Konrad Carisi/Marten Munsonius.
Serien-Idee: Alfred Bekker und Marten Munsonius.
Cover-Gestaltung: Christian Dörge/Apex-Graphixx.
Cover-Illustration: Pixabay.
Schlusskorrektorat: Christian Dörge.
© dieser Ausgabe 2019 by Apex-Verlag (München) / CassiopeiaPress (Lengerich) / Edition Bärenklau (Oberkrämer).
www.apex-verlag.de (Kontakt: webmaster@apex-verlag.de)
www.AlfredBekker.de (Kontakt: postmaster@alfredbekker.de)
www.editionbarenklau.de (Kontakt: edition.baerenklau@gmail.com)
![]() | ![]() |
Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen...
In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts.
Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind...
STERNEN-VENDETTA enthält die in sich abgeschlossenen Romane 19 bis 24 der Science-Fiction-Erfolgsserie DIE RAUMFLOTTE VON AXARABOR.
![]() | ![]() |
Ich habe vergessen, in welchem Film es war, aber dieser Dialog blieb für immer in meinem Gedächtnis haften:
»Fahr zur Hölle!« Er beugte sich provokativ vor. »Oder soll ich dir erst noch den Weg erklären?«
Sein Gegenüber zuckte mit keiner Wimper:
»Das brauchst du nicht. Ich komme direkt von dort!«
Mein Lieblingsdialog allein schon deshalb, weil er haargenau meine eigene Situation erklärt: Ich bin der Hölle gerade erst entronnen, wenn auch noch nicht ganz...
![]() | ![]() |
Wer oder was ich bin, möchte ich nicht verraten. Es wäre mir irgendwie... peinlich. Zumindest ein wenig. Denke dir einfach mal selber was aus.
Ich weiß nicht, wie lange ich in der Hölle gewesen bin. Ich weiß noch nicht einmal, wie alles begonnen hat. Ich weiß nur, dass man endlos Tests an mir durchgeführt hat. Tests, die so grausig waren, dass ich darüber lieber nichts sage, weil dann all diese Erinnerungen wieder aufkochen. Wobei das Vorführen von Filmen, um darauf meine Reaktionen zu testen, noch zu den angenehmen gehörte.
Ich weiß nur eines: Anhand dieser Tests wollte man erfahren, wie man Superkrieger erschaffen kann!
Man stelle sich vor: Setna erschuf den Weltraum. Leer war er zu langweilig. Also setzte Setna Materie hinein. Weil das immer noch nicht genug war, erschuf er das Leben. Und dann bemerkte Setna, dass er von seiner Schöpfung komplett ignoriert wurde. Daher erschuf er den Menschen, damit dieser seine Schöpfung würdigt.
Soweit meine eigene, stark reduzierte Interpretation der Schöpfungsgeschichte, wie die Setna-Jünger sie glauben. Und jetzt stelle man sich vor: Dieselben Menschen, die eigentlich erschaffen wurden, nur um die Schöpfung zu würdigen, benutzen Setnas Werkzeuge, um eigene Kreaturen zu erschaffen! Ist das nicht im höchsten Maße Gotteslästerung?
Nun, damit habe ich zumindest meinen Schöpfern etwas voraus: Sie kennen ihren Schöpfer nicht persönlich, aber ich kenne sie! Und ich hasse sie, weil sie mich nur deshalb schufen, um mich endlos zu quälen auf dem Weg zu ihrem Superkrieger.
Und jetzt konnte ich ihnen entwischen!
Aus dem Labor hinaus in einen seltsamen, großen Raum. Ich kenne die Welt außerhalb nur anhand der Filme. Wenn ich es also vergleiche, ist das wohl so eine Art Halle? Die Wände stehen voll mit irgendwelchen Apparaturen. Der Raum selber ist vollkommen leer, bis auf zwei Stühle und zwei Menschen, die auf jeweils einem der Stühle gefesselt sind.
Ich sehe keinen Ausgang aus diesem Raum, außer dem, den ich benutzt habe, um hierher zu gelangen. Aber ich will nicht zurück, nicht zurück in die Hölle. Lieber verstecke ich mich hier und beobachte erst mal...
![]() | ![]() |
Zeros von Maynfeld erwachte mit einem mächtigen Brummschädel. Hatte er wieder zu viel getrunken? Aber wieso konnte er sich nicht daran erinnern?
Erschrocken sah er an sich hinab. Waren das etwa Fesseln?
Er saß offensichtlich auf einem Stuhl – und war daran festgebunden. Seine Hände waren hinter der Lehne zusammengeschnürt. Wenn er sich bewegte, schnürten sich die Fesseln noch fester um seine Handgelenke und verursachten Schmerzen.
Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle.
»Verdammt, was ist geschehen?«
Sein verschleierter Blick hob sich – und fiel auf seinen Gegenüber. Schätzungsweise zehn Meter entfernt. Ebenfalls an einen Stuhl gefesselt.
Ein letzter Versuch, sich loszureißen, zumindest den Stuhl umzuwerfen, um vielleicht doch noch aus den Fesseln herausschlüpfen zu können.
Es ging nicht. Der Stuhl war fest mit dem Boden verbunden. Ein harter, metallisch glänzender Boden.
Seine Blicke irrten umher. Die seitlichen Wände waren zehn Meter entfernt, genauso weit wie der andere Gefangene ihm gegenüber, der offensichtlich sein Bewusstsein noch nicht wiedererlangt hatte. An den Wänden standen seltsame Apparate und Instrumente, deren Sinn er nicht einmal erraten konnte.
Das Einzige, was er noch wusste, das war sein Name, eben Zeros von Meynfeld. Was bedeutete er? Wie war er hierher gekommen? Wer war der andere Gefangene?
Er betrachtete den Bewusstlosen und spürte in seiner Brust ein mächtiges Gefühl aufkeimen, gegen das er sich nicht wehren konnte:
Hass!
Er hasste diesen anderen, ohne überhaupt zu wissen, wer er war. Aber wieso konnte er ihn dann... hassen?
Das Gefühl wurde schier übermächtig. Zeros von Meynfeld legte den Kopf in den Nacken und schrie aus Leibeskräften, als könnte er damit alles hinausschreien, was ihn quälte.
Es nutzte nichts. Er schrie, bis er heiser war, und doch war der Hass immer noch da, pochte mächtig in seiner Brust, ließ seine Muskeln schwellen, dass er fast meinte, die Fesseln sprengen zu können, die ihn am Stuhl fixierten.
Sie schienen allerdings aus einem unzerreißbaren Material zu bestehen. Er konnte sie nicht sprengen, auch nicht, wenn er es mit aller Kraft versuchte. Sie schnürten ihn dadurch nur noch enger und schmerzhafter ein.
Also entspannte er sich wieder. Allerdings nur äußerlich. Innerlich kochte er. Am liebsten hätte er den anderen vernichtet. Aber wie? Er kam nicht an diesen heran.
Und da erwachte auch der andere. Er hob den Kopf, und ihre Blicke kreuzten sich.
Im nächsten Augenblick schrie auch der andere aus Leibeskräften, und als er sich heiser geschrien hatte, glühten seine Augen vor... Hass!
»Ich bin Turna de Clarc, und ich werde dich zerquetschen wie einen Wurm!«, drohte er.
Zeros von Meynfeld schüttelte den Kopf, wie um einen Alpdruck los zu werden, doch es half alles nichts. Er musste seinen Gegner vernichten, ehe dieser ihn vernichtete. Zwar hatte er keine Ahnung, wieso er ihn hasste, aber er wusste, dass sein Hass erwidert wurde. Es gab keine Alternative. Einer von ihnen musste sterben, koste es, was es wolle.
Und wie, wenn beide an einen Stuhl gefesselt waren, der sich nicht bewegen ließ?
Zeros von Maynfeld schloss fest die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren. Da war nicht nur Hass in ihm, sondern noch etwas. Er hatte keine Ahnung, was es war, genauso wie er nicht wusste, wer sein Gegner war.
Turna de Clac?
Das sagte ihm nichts.
Er riss die Augen wieder auf.
»Turna de Clarc? Ich bin Zeros von Meynfeld, und es ist das Letzte, was du je hören wirst. Denn ich habe die Macht, dich zu vernichten!«
Sein Gegner lachte nur hämisch. Und dann züngelten aus seinen Augen... Flammen des Hasses. Als könnte er seinen Hass in Energie verwandeln, die im nächsten Augenblick sich los löste von ihm und auf Zeros von Meynfeld zu raste. Dabei wurde daraus ein regelrechtes Flammeninferno, das fauchte und schrie.
Bis es sein Ziel erreichte und Zeros von Meynfeld einhüllte.
Doch der Getroffene lachte nur ein ähnlich hämisch klingendes Lachen. Denn das Feuer konnte ihm nichts anhaben. Er konnte den Angriff mit Leichtigkeit abwehren. Das Feuer erreichte noch nicht einmal die Fesseln, etwa um sie zu verbrennen, was zu seiner Befreiung geführt hätte.
Aber dann konnte er plötzlich doch die Hände bewegen.
Trotz der Fesseln?
Wie war das möglich?
Weil die Fesseln sich einfach aufgelöst hatten.
Er sah umher.
Kein Wunder, denn nicht nur die Fesseln hatten sich aufgelöst, sondern alles um ihn herum, einschließlich der Halle, in der er erwacht war.
Er saß immer noch auf diesem Stuhl und betrachtete verwundert seine befreiten Hände.
Konnte es sein, dass sie aus sich heraus glühten? Nur eine Illusion oder war das jetzt wirklich die Realität?
Er befand sich auf einer weiten Lichtung. Der Dschungelrand war mindestens hundert Meter entfernt, in jeder Richtung.
Langsam stand er vom Stuhl auf.
»Zeros von Meynfeld!«, murmelte er vor sich hin. Es klang fast wie eine Beschwörung.
War er nicht der selbsternannte König von Meynfeld, einer ehemaligen Kolonie, die er als Söldner des Adakoni-Kartells überfallen und vereinnahmt hatte.
Ja, hier war er uneingeschränkter Herrscher über Leben und Tod.
Aber wieso war er in dieser Halle erwacht, gefesselt an einen Stuhl? Und wer war dieser Turna de Clarc?
»Ich bin hier, um dir das Handwerk zu legen, elender Schurke!«, brüllte in diesem Moment jemand.
Zeros von Meynfeld fuhr erschrocken herum – und stand Turna de Clarc gegenüber.
Auch dieser war von seinen Fesseln befreit. Er steckte in einer seltsamen Uniform, die innerhalb des Adakoni-Kartells nicht bekannt war. Also gehörte er offensichtlich nicht dazu.
»Du bist hierher nach Meynfeld gekommen, um mir meinen Rang streitig zu machen?«, erkundigte sich Zeros von Meynfeld mit vor Hass bebender Stimme. »Dann werde ich dich lehren, was mit denjenigen geschieht, die das wagen!«
Sein Gegner lachte nur. Auch als Zeros von Meynfeld die glühenden Hände hob und daraus rotglühende Lanzen entstehen ließ.
Er holte aus und warf erst mit der rechten Hand die Lanze. Über die kurze Distanz von höchstens zehn Metern war sein Gegner nicht zu verfehlen.
Die Lanze begann auf dem Flug dorthin zu brennen. Sie würde sich tief in die Brust des verhassten Feindes bohren, der es wagte, ihm auf seiner eigenen Welt den Rang streitig zu machen. Er würde diesen Frevel mit dem Leben bezahlen. Wie jeder bisher, der es gewagt hatte, Zeros von Meynfeld irgendetwas streitig zu machen.
Es gab nur eine einzige Person, von der er sich jemals etwas sagen lassen würde, und das war Großmogul Tscholu Fandamino, der Anführer des mächtigsten Kartells des Universums. Zumindest des bekannten Universums...
Aber auch das nur aus reinen Vernunftgründen. Denn Tscholu Fandamino war der Garant für die Macht des Kartells, weil nur ihm gelungen war, woran alle seine Vorgänger hatten scheitern müssen: Das Bündeln der Kräfte, die von den einzelnen Führern innerhalb des Kartells repräsentiert wurden.
Und dann wollte so ein Möchtegern namens Turna de Clarc ausgerechnet ihm, Zeros von Meynfeld, das streitig machen?
Der flammende Speer erreichte jedoch nicht sein Ziel. Turna de Clarc machte im letzten Augenblick blitzschnell einen Schritt beiseite und ließ die tödliche Lanze ins Leere zischen. Wenige Meter weiter löste sie sich in Nichts auf.
Knurrend schickte Zeros von Meynfeld die linke Lanze auf den Weg.
Abermals lachte Turna de Clarc nur hämisch und tat einen weiteren Seitenschritt.
»Mehr hast du nicht zu bieten?«, erkundigte er sich zynisch. »Und so einer wie du schwingt sich zum Herrscher über eine ganze Welt auf? Eine Milliarde Menschen beugen sich dir und deiner gnadenlosen Knechtschaft. Damit ist jetzt Schluss!«
»Weil du gekommen bist, um mir das Handwerk zu legen?«, lachte Zeros von Meynfeld. »Ich muss zugegen, ich habe dich unterschätzt. Einen so starken Gegner hatte ich schon lange nicht mehr.
Aber verlasse dich nicht darauf, dass ich etwa eingerostet bin. Was glaubst du, wie ich es schaffen konnte, zum Alleinherrscher zu werden? Nicht nur die Nachkommen der ehemaligen Siedler beugen sich bedingungslos meinem Willen, sondern auch die Mitglieder meines Syndikats. Sie fürchten mich ob meiner besonderen Macht.«
»Meinst du eine Macht vergleichbar mit dieser?«, erkundigte sich jetzt Turna und schickte einen Eishauch auf die Reise.
Es sah aus wie eine kalte Wolke. Sie bewegt sich nicht schnell und brauchte für die kurze Distanz fast eine ganze Sekunde lang.
Zeit genug für Zeros von Meynfeld, um sich gegen den Angriff rechtzeitig zu wappnen. Er brauchte dabei nur die Arme vor der Brust zu kreuzen und sich erneut zu konzentrieren, um die Wolke mit einem Feuerstoß aufzulösen, noch bevor sie ihn erreicht hatte.
»Ja, genau!«, antwortete er auf die Frage mit einem geringschätzigen Lächeln. »Wie ich sehe, hast auch du die Macht in dir.«
»Es ist nicht die Macht, wie du es nennst, sondern es ist PSI. Ich bin ein Esper, genauso wie du, Blödmann. Deshalb bin ich hier, weil nur ich dich besiegen kann.«
»Aha? Ich weiß nicht, wie man das nennt. Ich nenne es jedenfalls die Macht in mir. Und ich habe gelernt, davon Gebrauch zu machen, ohne jegliche Rücksichtnahme. So habe ich rasant Karriere gemacht innerhalb des Kartells. Ich bin einer der Mächtigen. Und nur einer steht noch über mir. Ihm will ich den Rang nicht streitig machen, weil es nicht mein Ehrgeiz ist, meine Macht dafür einzusetzen, das Kartell zu erhalten.«
»Nein, du bleibst lieber Bandenchef auf Meynfeld, ich verstehe. Umso besser, verfluchter Zeros. Ich werde diese Welt von dir befreien. Und dann werde ich mich näher mit diesem verabscheuungswürdigen Kartell beschäftigen.«
»Als Toter etwa?«, fragte Zersos hinterhältig und stürmte jetzt vor. Gleichzeitig baute er ein Schutzschild vor sich auf. Keinen gewöhnlichen, sondern einen mit langen Dornen, mit denen er seinen Gegner aufspießen wollte.
Die Macht in ihm verlieh ihm genügend Geschwindigkeit, dass er mit großer Wucht auf den Gegner treffen würde.
Doch dort, wo dieser Gegner noch Sekundenbruchteile zuvor noch gestanden hatte, war der Platz leer.
Wie hatte es Turna de Clarc bloß schaffen können, schon wieder auszuweichen?
Zeros von Meynfeld raste noch einige Meter weiter, bis es ihm gelang, diesen rasenden Lauf zu stoppen und sich herumzuwerfen.
Keinen Sekundenbruchteil zu früh, denn im gleichen Moment wurde er ebenfalls von zwei rotglühenden Lanzen heimgesucht, die Turna de Clarc mit beiden Händen gleichzeitig auf die Reise geschickt hatte.
Sie zerschellten an dem Schutzschild, der immer noch bestand. Doch die Wucht des Aufpralls war so groß, dass Zeros von Meynfeld mehrere Schritte rückwärts taumelte.
Er schrie vor Zorn und schickte jetzt diesen Schutzschirm selbständig auf die Reise. Er konzentrierte sich mit aller Macht darauf, damit der Schutzschild mitsamt den tödlichen Dornenbesätzen selbständig sein Ziel fand, um es zu durchbohren.
Diesmal konnte Turna de Clarc nicht rechtzeitig ausweichen und benötigte ebenfalls alle Kraft, um mit einem eigenen Schutzschild die Attacke abzublocken.
Beide Schutzschilde zerplatzen wie Seifenblasen, die jemand mit einer Nadel gepiekt hatte.
Im nächsten Augenblick befanden sie sich beide wieder in jener Halle, gefesselt an ihre Stühle, auf denen sie nicht mehr saßen, sondern eher erschöpft hingen.
Es bereitete Zeros von Meynfeld sogar alle Mühe, auch nur den Kopf zu heben.
Er fühlte sich wie ausgelaugt.
Wie war das möglich? Der Einsatz seiner Macht hatte ihn noch nie zuvor dermaßen erschöpft.
Aber auch sein Gegner war total erschöpft. Sein hasserfüllter Blick erschien halbwegs gebrochen.
Aber nur halbwegs!
![]() | ![]() |
Was ist eigentlich passiert?, fragte sich Turna de Clarc. Wieso war ich plötzlich auf Meynfeld?
Er runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach.
Ja, er erinnerte sich daran, von Clarc zu stammen, einer Randwelt im Sternenreich von Axarabor. Mehrfach war Clarc überfallen worden von diesen Kartell-Gangstern.
War er nicht der oberste Beschützer seiner Welt?
Dabei war er nur einem verpflichtet, nämlich dem gewählten Präsidenten von Clarc. Dieser hatte mehrfach die Raumflotte von Axarabor um Hilfe gebeten. Die war ihm auch gewährt worden. Clarc war von der Raumflotte beschützt worden. Zumindest eine Weile. Doch dann wurden die Raumschiffe nach und nach zurück beordert, weil sie anderswo benötigt wurden.
Die Raumflotte hatte auch vergeblich versucht, die Planeten ausfindig zu machen, auf denen das Kartell sich ausgebreitet hatte. Doch das Universum war so unendlich wie die Anzahl möglicher Welten und damit an Möglichkeiten, sich zu verstecken.
Zwar wurde gemunkelt, dass inzwischen dennoch viele Welten des Kartells durch die Raumflotte von der blutrünstigen Herrschaft des Kartells befreit werden konnten. Aber am Ende hatte es nur dazu geführt, dass Clarc wieder schutzlos gewesen war. Denn die Raumschiffe von Axarabor waren für den Krieg gegen das Kartell gebraucht worden.
Angeblich war das Kartell inzwischen zumindest zur Hälfte geschlagen. Die andere Hälfte der besetzten Welten war einfach noch nicht gefunden worden. Trotzdem wurde Clarc nicht mehr länger beschützt, zumindest nicht über den normalen Schutz hinausgehend, der sich auf ein einzelnes Raumschiff beschränkte. Weil es einen neuen Feind gab. Sie wurden NoSinn genannt und stammten aus der sich über hunderte von Lichtjahren ausdehnenden Raumzone X-Dor-23Y.
Axarabor hatte nach dem erfolgreichen Schlag gegen das Adakoni-Kartell den Großteil seiner Raumflotte zu diesem Bereich entsendet, um die NoSinn zu überfallen. Dabei waren sie allerdings in eine Falle geraten und hatten einige Schiffe verloren, ehe sie sich schleunigst wieder zurückgezogen hatten.
Nun wurde bereits befürchtet, die NoSinn würden zurückschlagen. Es musste jeder der Welten innerhalb des Sternenreiches mit einem Überfall durch die NoSinn rechnen.
Also war zu der Gefahr durch das Adakoni-Kartell und aller anderer Gefahren auch noch die Gefahr durch die NoSinn hinzu gekommen!
Turna de Clarc kannte die Zusammenhänge nicht so genau, die zu alledem geführt hatten. Er wusste nur, dass er sich zur Aufgabe gemacht hatte, auf eigene Faust zu ermitteln, um gegen das Kartell vorzugehen und weitere Überfälle zu unterbinden. Allerdings hatte er keine Ahnung mehr, was nach dieser Absicht erfolgt war. Er wusste noch nicht einmal mehr, wie er überhaupt seinen Heimatplaneten Clarc verlassen hatte.
Erst hier, in dieser Halle, war er zu sich gekommen, gegenüber dem verhassten Mafia-Boss Zeros von Meynfeld. Um sich jetzt erst wieder an das Vorangegangene erinnern zu können.
Woher kannte er eigentlich dessen Namen?
Jemand hatte ihn gefangen genommen. Logisch, sonst wäre er ja nicht an diesen Stuhl gefesselt. Und auch dieser Zeros von Meynfeld, diese verabscheuungswürdige Kreatur von einem Mörder und Banditen, war ein Gefangener.
Er schloss fest die Augen und forschte in seinem Innern.
Die Erschöpfung wich nur allmählich. Er hatte diese Erschöpfung auch an seinem Feind erkannt. Hoffentlich erholte dieser sich nicht schneller als er. Sonst wurde er ihm vielleicht doch noch gefährlich?
Er riss die Augen wieder auf.
Wieso war er vorhin noch auf dieser weiten Lichtung gewesen, im Kampf gegen Zeros von Meynfeld, um jetzt wieder an diesen Stuhl gefesselt zu sein? Und wenn er sich jetzt bemühte, die Fesseln mittels seiner PSI-Kräfte zu sprengen?
Aber allein schon der Gedanke daran bereitete ihm Höllenqualen. Wenn er sich gar darauf konzentrieren wollte, hätte er am liebsten vor Pein aufgeschrien.
Nein, das war nicht möglich. Aus welchem Grund auch immer. Irgendwann hatten diejenigen, in deren Gefangenschaft er geraten war, dafür gesorgt, dass er sich nicht von diesem Stuhl befreien konnte.
Aber wieso war er dann vorhin erst ohne jegliche Fesseln auf Meynfeld gewesen?
Das war vielleicht die Lösung? Wenn er sich nur fest genug konzentrierte, konnte er vielleicht auf diese Weise von hier fliehen?
Immerhin war er so lange dort geblieben, bis die Erschöpfung ihn übermannt hatte, in einer Art und Weise, wie er es noch niemals zuvor erfahren hatte.
Egal, womit dies zusammenhing. Es war eine Chance, und er musste zuerst diese Chance nutzen, denn nur wenn es ihm gelang, der Gefangenschaft zu entfliehen, konnte er weiter gegen das Kartell vorgehen. Auch geben diesen Zeros von Meynfeld. Er musste doch eigentlich nur dafür sorgen, dorthin wieder zu kommen. Eben auf den Planeten Meynfeld. Dann würde der verfluchte Zeros mit Sicherheit zu finden sein, falls es ihm ebenfalls gelingen sollte, zu fliehen. Schließlich war es ihm ja vorhin auch gelungen, nicht wahr?
Seine Miene verzerrte sich zu einer höhnischen Grimasse. Er hielt den Blick fest auf Zeros von Meynfeld gerichtet, während er sich auf diese Welt konzentrierte.
Nicht dieselbe Lichtung, wenn möglich, aber was kannte er sonst noch von Meynfeld?
Leider gar nichts. Also doch wieder diese Lichtung.
Und im nächsten Moment war er dort.
Die Fesseln waren weg, und als er vom Stuhl aufstand, verschwand auch dieser.
Turna de Clarc war tatsächlich wieder frei, doch als er sich zum Gehen abwandte, erschien auch wieder Zeros von Meynfeld.
![]() | ![]() |
Ich habe alles mitbekommen. Nichts ist mir entgangen. Ich habe gesehen, was geschah. Die beiden Gefangenen haben miteinander gekämpft, in einer anderen Umgebung. Sie haben ungeheure Energien entfesselt, von denen ich gar nicht gewusst habe, dass sie überhaupt möglich sind. Dabei haben sie sich völlig verausgabt.
Allerdings gab es da noch etwas anderes, etwas, was anscheinend nur ich bemerkt habe: Je schwächer die beiden wurden, desto stärker... wurde ich! Das heißt, ich spürte in mir eine Macht wachsen, die vorher da mit Sicherheit noch nicht gewesen war. Oder aber sie war so schwach gewesen, dass sie mir nicht auffallen konnte.
Und dann waren die beiden einfach wieder da. Als Gefangene, an Stühlen gefesselt.
Ich bin ihnen nah genug, dass mir nichts entgeht, und dennoch fern genug, um von ihnen nicht entdeckt werden zu können.
Was ist wirklich geschehen?
Mir fällt es wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen: Sie haben sich überhaupt nicht von der Stelle bewegt! Nach wie vor waren und sind sie an ihre Stühle gefesselt, in Sichtweite, damit sie sich jederzeit ansehen können.
Diese andere Welt war um sie herum entstanden, wie durch Zauberkraft.
Apropos Zauberkraft: Ist das, was in mir erwacht ist, nicht auch so etwas? Wie nennt man es? Einer von ihnen hat es die Macht genannt. Der andere sprach von PSI.
Mir ist es egal, wie man es nennt. Ich will einfach nur wissen, was hier geschieht. Wieso sind sie körperlich hier, während sie sich auf einer anderen Welt bekämpfen?
Jene andere Welt... Ist sie überhaupt real? Entsteht sie etwa durch diese Kräfte? Erschaffen die beiden Kontrahenten ein Szenario, in dem sie sich gegenseitig bekämpfen?
Hier sind sie gefesselt. Sie können nicht unmittelbar gegeneinander antreten.
Doch, anfangs haben sie auch hier gekämpft. Mit ihren unbegreiflichen Kräften. Bevor sie jene weite Lichtung haben entstehen lassen.
Ich muss noch einmal über alles nachdenken, um es vielleicht begreifen zu lernen.
Und dann sehe ich, dass sie schon wieder jene Lichtung entstehen lassen. Ich sehe sie mit eigenen Augen immer noch in diesem großen Raum, groß wie eine Halle. Als Gefangene. Gleichzeitig jedoch sehe ich sie auf jener Lichtung stehen. Sie belauern sich gegenseitig.
Jetzt bewegen sie sich, schleichen sie umeinander herum. Jeder lauert darauf, dass jeden Augenblick der andere angreifen wird.
Wer wird diesmal damit anfangen?
![]() | ![]() |
Das erste Mal ging es unentschieden aus!, dachte Zeros von Meynfeld zerknirscht. Dieser Turna ist nicht leicht zu besiegen.
Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er auf einen anderen Esper getroffen war. Er war bislang der Überzeugung gewesen, der einzige dieser Art zu sein. Dabei war er sich beinahe wie ein Gott vorgekommen.
Die Gegner, die er vernichtet hatte, wären wahrscheinlich eher der Meinung gewesen, dass es sich bei ihm um einen Dämon handelte oder sogar um den Teufel persönlich. Aber das hätte ihn nur noch mehr amüsiert.
Jetzt beschäftigte ihn eigentlich nur noch eines: Was konnte er tun, um seinen verhassten Kontrahenten zu besiegen?
»Es kann nur einen geben!«, sagte er laut.
»Da muss ich dir ausnahmsweise zustimmen!«, gab Turna de Clarc grimmig zurück.
Sie schlichen umeinander, im Abstand von rund zehn Metern, und belauerten jede Mimik, jede Geste. Um herauszufinden, ob der Gegner vielleicht doch noch einen Schwachpunkt hatte.
Und dann fiel Zeros endlich ein, wie er seinen Feind austricksen konnte: War das hier nicht so eine Art Heimspiel für ihn? Dies war der Planet Meynfeld, so genannt nach seinem Entdecker. Aus den wenigen Siedlern von einst war eine Bevölkerung herangewachsen, die über eine Milliarde zählte. Dabei hatte sich diese Welt schon vor Jahrtausenden von Axarabor losgesagt. Um dadurch seine Freiheit zu erlangen. Ohne allerdings zu bedenken, dass der Anschluss an das Sternenreich nicht nur Abhängigkeit bedeutete, sondern auch Schutz. Das war ihnen erst klar geworden, als das Kartell auftauchte und den Planeten im Handstreich einnahm.
Zeros hatte dann den Menschen hier gewissermaßen den Rest gegeben. Er hatte sie mit seiner Gewaltherrschaft in Not, Elend und vor allem in die Sklaverei gezwungen. Er und seine gnadenlosen Schergen, die sich einen Spaß daraus machten, raubend, mordend und vergewaltigend durch Städte zu ziehen, um dabei eine Spur der Verwüstung zu hinterlassen.
Und dieser Turna de Clarc war hier, um das aufzuhalten?
Zeros, der sich seit seiner Gewaltherrschaft Zeros von Meynfeld nannte, lachte hässlich.
Was wusste denn schon dieser Turna über den Planeten Meynfeld? Hätte er sich hier ausgekannt, wäre er sicherlich schon früher in Erscheinung getreten, aber es gab auf Meynfeld schon seit sehr langer Zeit keinerlei Gegenwehr mehr. Die Menschen hatten verstanden, dass sie keine Chance hatten gegen das Kartell und vor allem nicht gegen ihren Herrscher, der wahrlich mit dem Teufel im Bunde zu stehen schien.
Blitzschnell wechselte Zeros von Meynfeld über zum Palast. Er materialisierte inmitten der großen Eingangshalle.
»Tötet ihn!«, brüllte er seinen entscheidenden Befehl – und schon stürzte sich die Palastwache auf den einsamen Mann von Clarc.
Die vorderste Front mit gezogenen Schwertern, wie es im Palast von jeher Tradition war. Die zweite Linie jedoch bereits mit Schusswaffen. Die Schwerter ließen sie stecken.
Sie würden nur schießen, falls die erste Welle versagen sollte.
Aber auch Turna de Clarc lachte jetzt, obwohl er unbewaffnet war.
Das hieß, seine eigenen Waffen waren nicht Schwerter und nicht Handfeuerwaffen. Seine Waffen kamen aus ihm selbst. Er brauchte nur einen Schutzwall aufzustellen, mit langen Dornen gespickt – und diesen Schutzwall zu sprengen, um die vorderste Front mit den Dornen niederzumähen, mit all jenen, die ihn kreisförmig in die Zange genommen hatten. Sie waren noch nicht einmal auf dreifache Schwertlänge an ihn heran gekommen.
Doch die zweite Welle zögerte nicht, sondern schoss auf den einsamen Mann, während sich Zeros siegessicher ein wenig weiter zurückzog.
Doch was war das? Turna de Clarc hätte jetzt blutüberströmt zusammenbrechen müssen, aber keine der Kugeln erreichte ihr Ziel. Sie prallten gegen ein unsichtbares Hindernis und fielen platt zu Boden.
Zeros von Meynfeld raste vor Wut und Enttäuschung. Natürlich, er hätte es wissen müssen. Sein Gegner hatte nicht wirklich den psionischen Wall gesprengt, sondern lediglich diese aus reiner Energie bestehenden Dornen abgeschossen. Nein, mit Kugeln kam man an ihn nicht heran.
»Tötet ihn!«, befahl er trotzdem seinen Leuten.
Sie waren ziemlich zahlreich in seinem Palast. Er hatte mehrere Hundertschaften, die ständig in der Hauptstadt schwadronierten und allein schon mit ihrer Erscheinung Angst und Schrecken erzeugten. Dafür stürzten sie sich jetzt wahrhaft todesmutig auf den Gegner.
Zeros beruhigte sich wieder. Er begann zu überlegen. Wenn sein Gegner Möglichkeiten besaß wie er selber, dann konnte er auch tausend Angreifer besiegen. Wer wusste denn besser als er selber, wozu er fähig war? Und in der Tat schien dieser Turna de Clarc ebenbürtig. Allerdings war er jetzt abgelenkt durch die hoffnungslosen Angriffe. Genau dies musste er zu seinem Vorteil nutzen.
Zeros von Meynfeld breitete die Arme aus und konzentrierte sich. Er hatte bis jetzt seine Kräfte nicht aufgewendet, mit Ausnahme des Sprunges hierher in den Palast, bei dem er seinen Gegner mitgenommen hatte. Wenn er das richtig sah, musste Turna de Clarc längst mehr geschwächt sein als er.
Die Erschöpfung war unvermeidbar. Solche Kräfte konnte man nicht beliebig wirken lassen. Jeder Esper benötigte eine Zeit der Ruhe, um sich wie eine leere Batterie wieder neu aufladen zu können.
Aus dem Stand heraus und von seinen PSI-Kräften unterstützt sprang Zeros empor. Der Gegner war inzwischen fast zwanzig Meter von ihm entfernt, und er hatte ihn genau beobachtet. Der Schutzwall war zwar nicht sichtbar, aber man sah seine Wirkung. Demnach schien er nach oben offen zu sein.
Jetzt war Zeros von Meynfeld oberhalb und flog näher herbei, bis er sechs Meter über dem Kopf seines Feindes schwebte.
Seine Hände verwandelten sich in Energiebälle. Der eine heiß wie die Hölle, der andere kalt wie ein Eisplanet.
Erst schleuderte er die Kälte, um seinen Gegner zu lähmen.
Es funktionierte! Turna de Clarc erstarrte zu Eis und war zu keiner Bewegung mehr fähig.
Zeros von Meynfeld hatte richtig kalkuliert: Turna de Clarc war bereits geschwächt und musste von daher die Verteidigung nach oben vernachlässigen.
Der Feuerball folgte.
Das Eis verwandelte sich in eine heiße Dampfwolke. Die Glut erfasste den Körper des Gegners, um ihn zu verbrennen.
Rauch und Dampf stoben empor. An der Stelle, an der sich soeben noch der Gegner befunden hatte, war nur noch ein Höllenfeuer zu sehen.
Im nächsten Augenblick detonierte dieses Höllenfeuer wie eine gewaltige Bombe. Es stob nach allen Richtungen, auch nach oben.
Zeros von Meynfeld musste sich gegen sein eigenes Feuer schützen mittels eines Schutzfeldes.
Die gesamte Halle wurde im Übrigen von der Glut erfasst. Keiner der Palastwache überlebte den Höllensturm. Alles Brennbare fing Feuer. Innerhalb der nächsten Sekunden stand die Halle in hellen Flammen.
Aber das Feuer erfasste nicht nur Brennbares, sondern begann sogar, Stein zu schmelzen.
Innerhalb von weniger als einer halben Minute würde der ganze Palast in sich zusammenstürzen und sowohl Zeros von Meynfeld als auch Turna de Clarc unter sich begraben.
Da half nur noch die sofortige Flucht.
Und Zeros von Meynfeld sah sich wieder gefesselt auf seinem Stuhl in der Halle.
Jetzt wusste er: Das alles war lediglich Illusion. Wie eine künstlich erschaffene Arena, in der er sich mit Turna de Clarc messen musste.
Dieser keuchte mühsam:
»So wolltest du mich vernichten? Da musst du dir schon etwas Besseres einfallen lassen, Abschaum!«
Zeros von Meynfeld hätte jetzt wieder gerast vor Zorn und Enttäuschung, aber dafür war er zu sehr verausgabt. Dieser Kampf hatte fast alles von ihm abverlangt. Es blieb eigentlich nur noch so viel, dass er gerade noch überleben konnte.
![]() | ![]() |
Diesmal hielt die Schwächung länger an, und selbst als sie sich beide wieder erholt hatten, blieben sie an Ort und Stelle.
Sie hatten beide begriffen, dass sie im Bemühen, von hier zu fliehen, nur immer wieder mit ihren Kräften Arenen erschufen, um darin gegeneinander zu kämpfen. Eine völlig neue Erfahrung, wie es ja auch für beide völlig neu war, auf einen ebenbürtigen Gegner zu treffen.
Wer hatte sie gefangengenommen, hierher gebracht und aus welchem Grund?
Eigens, damit sie sich duellierten?
Mit welchem Ziel?
Dass nur einer überlebte – oder keiner von ihnen?
Darin war keinerlei Sinn zu sehen, aber wenn sie sich ansahen, wussten sie, dass sie nicht damit aufhören konnten. Niemals. Der Hass aufeinander wurzelte zu tief. Und jeder von ihnen war der festen Überzeugung, alle Gründe der Welt für diesen Hass zu haben und von daher gesehen natürlich im Recht zu sein.
Zeros von Meynfeld wusste genau, dass Turna de Clarc alles vernichten würde, was er an Macht aufgebaut hatte. Doch selbst wenn es ihm gelingen würde, war der Planet trotzdem noch lange nicht befreit. Dafür hatte Zeros von Meynfeld viel zu viele Getreuen um sich geschart, die mit Freuden sein blutiges Erbe antreten würden.
Einmal abgesehen davon, dass sich das Kartell den Verlust einer seiner Welten nicht gefallen lassen würde. Sie würden imstande sein und Clarc entvölkern, ehe Turna de Clarc dies verhindern konnte.
Umgekehrt wusste Turna de Clarc ganz genau, wie grausam Zeros von Meynfeld war. Er verkörperte damit alles, was er sein Leben lang zu bekämpfen geschworen hatte. Nicht nur seinem Volk und seinem Präsidenten, sondern vor allem... sich selbst!
Er hatte als Kind seine Kräfte gehasst, weil sie ihn zu einem Außenseiter hatten werden lassen. Dann hatte er gelernt, sie zu verbergen, bis ihm klar geworden war, welche Chancen sie bargen. Und so wurde er zum obersten Beschützer von Clarc, als Führer aller Truppen und auch im persönlichen Einsatz. Jetzt musste er seine Kräfte nicht mehr verbergen. Ganz im Gegenteil. Jedes Kind auf Clarc kannte ihn als den Superhelden Turna de Clarc.
Wie hätte er etwas anderes sich wünschen können als die totale Vernichtung von Zeros von Meynfeld mit allem, was dieser aufgebaut hatte? Um auch Meynfeld zu einem von seinen Unterdrückern befreiten Planeten werden zu lassen.
Dabei wusste er schon genau, wie er vorgehen würde. Bevor das Kartell überhaupt begriffen hatte, was geschehen war, hätte Turna de Clarc bereits die Raumflotte von Axarabor alarmiert. Die wären für den Tipp, das Adakoni-Kartell betreffend, sehr dankbar und hätten die Raumschiffe des Kartells gebührend empfangen. Um für die Raumflotte einen weiteren Sieg über das Kartell verbuchen zu können.
Jetzt waren seine Kräfte zwar wieder erwacht, aber er zögerte noch mit einem erneuten Angriff. Jeder Kampf war im Grunde genommen unentschieden ausgegangen. Bis jetzt. Und wenn er in sich hinein lauschte, spürte er, dass seine Kräfte sich zwar aufgeladen hatten, aber bei weitem nicht mehr so stark waren, wie sie eigentlich hätten sein müssen.
War es denn wirklich möglich, dass mit jedem Kampf nicht nur Erschöpfung über ihn kam, sondern dass gleichzeitig seine Kräfte grundsätzlich nachließen?
Wenn das so weiter ging, war er nach genügend Kämpfen seiner Kräfte völlig beraubt und nur noch wie ein normaler Mensch!
Wie hätte er als solcher alles dies tun können, was er sich vorgenommen hatte? Selbst wenn ihm der Sieg über Zeros von Meynfeld gelungen wäre...
Dabei musste er auch noch hoffen, dass dieser Zeros von Meynfeld eine ähnliche bleibende Schwächung erfuhr. Denn wenn sich diese nur auf ihn, Turna de Clarc, beschränkte, würde er vielleicht den nächsten Kampf schon nicht mehr überleben.
An diesem Punkt seiner Überlegungen angekommen, beschloss Turna de Clarc, diesmal auf jeden Fall die Initiative zu ergreifen. Und diesmal sollte es kein Heimspiel werden für Zeros von Meynfeld, sondern umgekehrt für Turna de Clarc!
![]() | ![]() |
Ich habe es begriffen: Bei jedem Duell bin ich unsichtbar mit dabei, ohne mein sicheres Versteck verlassen zu müssen. Ich sehe immer beide Szenen: Die Szene in der Halle mit den gefesselten Gefangenen – und die Szene, die sie mit ihren Kräften erschaffen.
Wobei sich jedes Mal für die Erschaffung ihrer Arena ihre Kräfte auf wundersame Weise vereinen. Sie sind sich wahrlich ebenbürtig. Also kann am Ende nur derjenige gewinnen, der es schafft, den anderen auszutricksen, um damit eine Ungleichheit in der Verteilung der Chancen zu erreichen.
Und noch etwas habe ich begriffen: Nach jedem Kampf bin ich selber stärker.
Mehr noch: Die Stärkung entsteht schon während des Kampfes. Jegliche psionische Attacke lässt regelrecht Kräfte auf mich überfließen.
Es ist für mich wie ein Rausch. Aber auch eine Art Sucht, bei der ich gar nicht mehr anders kann als dem nächsten Duell entgegenzufiebern, um mich wieder an diesen Kräften zu laben. Weil ich davon einfach nicht genug kriegen kann.
Allerdings merke ich auch, dass ihre Schwächung jedes Mal größer wird. Nicht nur vorübergehend bis zu ihrer Erholung, sondern auch bleibend. Das heißt, mit jedem Duell sind mehr Kräfte von ihnen auf mich übergegangen.
Bleibend!
Werde ich am Ende all ihre Kräfte besitzen und sie... gar nichts mehr?
Und dann? Wie wird es dann weitergehen?
Falls es überhaupt jemals dazu kommt, denn sobald einer der beiden siegt, ist das Spiel beendet.
Wer auch immer der Spielleiter ist – und den muss es geben, denn die beiden haben sich sicherlich nicht selber auf die Stühle gefesselt: Seine Motive sind unergründlich.
Noch!
Dann wird am Ende für mich allerdings nur noch eines bleiben: Die Kräfte zu nutzen, um endgültig von hier zu fliehen.
Ich bin zwar dem Labor entkommen, aber das hier ist noch lange nicht die Freiheit, die ich ersehne. Nicht nur, weil es keinen weiteren Ausgang zu geben scheint als der, durch den ich gekommen bin.
Oder soll ich jetzt doch lieber umherstreunen und nach einem anderen Ausgang suchen?
Nein, das werde ich nicht tun. Weil dadurch die Möglichkeit bestünde, entdeckt zu werden, mit unabsehbaren Folgen für mich.
Und das ist noch nicht einmal der einzige Grund. Es gibt noch einen wesentlich größeren: Wenn es mir gelingt, vor der Zeit von hier zu fliehen, kann ich mich nicht mehr länger an den Kräften der Kontrahenten laben!
Dabei bin ich jetzt schon dermaßen süchtig danach, dass ich nicht mehr anders kann, als bis zum Ende durchzuhalten.
Wie auch immer dieses Ende aussehen mag.
![]() | ![]() |
Die Welt, die nach ihrem Entdecker einfach nur Clarc genannt wurde, war noch eine relativ junge Welt. Es gab hier sogar Urwelttiere, die mittels hoher, unüberwindbarer Mauern von der Zivilisation fern gehalten werden mussten. Man hätte sie auch ausrotten können, doch das wollte hier niemand. Sie wollten ihren Planeten nicht vergewaltigen, sondern mit ihm in Frieden leben. Vom ersten Siedler an bis heute.
Aber hier gab es auch noch mehrere tätige Supervulkane. Und Turna de Clarc kannte seine Welt. Er wusste ganz genau, welches Szenario er auswählen musste, ehe Zeros von Meynfeld ihm wieder zuvor kam und eine eigene Auswahl traf, zu seinem eigenen Vorteil etwa.
Ringsherum entstand eine bestimmte Stelle innerhalb eines der Vulkane. Eine Touristenattraktion sondergleichen. Von dieser Stelle aus konnte man in den feurigen Schlund sehen, ohne selbst Gefahr zu laufen, von dem Feuer erfasst zu werden. Ein weitgehend sicheres Plätzchen inmitten der entfesselten Hölle.
Genau dieses Plätzchen hatte Turna de Clarc arglistig nur für sich selbst reserviert. Für seinen Kontrahenten hatte er den feurigen Schlund vorgesehen.
Hier ging es fast einen Kilometer tief in das Innere dieses Planeten. Von dort unten spuckte in unregelmäßigem Abstand Lava empor, mit explosionsartiger Wucht, um den kaminartigen Schlund zu überwinden und bis hoch hinauf in die Atmosphäre zu gelangen. Dort platzen die riesigen Lavatropfen in der Regel und regneten als heiße Asche auf die weitläufige Insel hinab, in deren Mitte der Supervulkan stand. Ohne den Vulkan hätte es diese Insel gar nicht gegeben, und sie war noch weit entfernt davon, etwa bewohnbar zu werden.
Wie gesagt: Außer diesem einen vergleichsweise winzigen Punkt, den man nur durch die Luft erreichte. Oder wie jetzt durch das Wollen des Espers mit Namen Turna de Clarc.
Obwohl sie natürlich nicht wirklich hierher teleportiert waren, sondern nur innerhalb einer selbst erschaffenen Illusion.
Allerdings war diese Illusion nicht weniger tödlich als das Original!
Zeros von Meynfeld, der sich so unvermittelt mitten in einem feurigen Vulkanschlund sah, schrie entsetzt, während es ihn tief hinab zu ziehen begann.
Da löste sich unten ein glutflüssiger Pfropfen und raste ihm entgegen.
Das schadenfrohe Gelächter seines Kontrahenten bekam er nicht mehr mit. Dieser erwartete jetzt natürlich, dass sich Zeros von Meynfeld damit verausgabte, indem er sich gegen das Höllenfeuer schützte, doch dieser überwand schnell seine Schrecksekunde und tat etwas völlig anderes: Er wünschte sich mit aller Kraft an einen anderen, einen angenehmeren Ort!
Da er sich auf Clarc nicht auskannte, dafür aber umso besser auf Meynfeld, war es wieder die Lichtung vom Beginn ihres Kampfes.
Turna de Clarc brüllte enttäuscht. Zumal er spürte, dass die Erschaffung der neuen Illusion auf beider Konto ging. Das hieß, ihre Kräfte blieben gleich. Also war sein Kalkül misslungen. Er hatte seinen Gegner schwächen wollen, um ihn danach besiegen zu können.
Er war noch mit seiner Enttäuschung beschäftigt, als Zeros von Meynfeld ihn bereits angriff. Diesmal nicht mit seinen PSI-Kräften. Er versuchte eine neue Taktik, indem er blitzschnell herbei sprang und Turna de Clarc an die Kehle ging.
Normalerweise konnte er das Genick auch des stärksten Mannes mit einem einzigen Griff brechen. Nur bei Turna de Clarc wollte das nicht gelingen, denn dieser blockte unwillkürlich ab und benutzte dabei seine eigenen PSI-Kräfte.
Dennoch führte das natürlich zu einer Schwächung. Egal, wie geringfügig sie auch ausfallen mochte: Das verschaffte dem Gegner auf jeden Fall einen Vorteil.
Allerdings nur so lange dieser Gegner nicht selbst PSI einsetzen musste, um die Gegenmaßnahme zu überleben, denn Turna de Clarc war nicht nur ein Esper, sondern ein ausgebildeter Soldat. Er war nicht umsonst in den Stand eines Generals erhoben worden, der mit seinem strategischen Können die gesamten Truppen von Clarc befehligte. Nur als Esper wäre für ihn dieser Rang unerreichbar geblieben.
Er konterte mit einem mächtigen Aufwärtshaken, der jedoch nicht die Kinnspitze des Gegners traf, sondern den Kehlkopf. Das hätte jeden Mann umgebracht, wirklich jeden. Er wäre ganz einfach erstickt.
Nicht so Zeros von Meynfeld. Um sich mit seinen PSI-Kräften zu schützen, benötigte er keine Schrecksekunde. Dann wäre es nämlich zu spät gewesen für ihn. Die Abwehr ging ganz automatisch.
Schließlich war er nicht erst seit gestern Esper, sondern hatte das über viele Jahre hinweg gewissermaßen üben können, um innerhalb des Kartells zu einem der Bosse aufzusteigen, der nur noch einen einzigen über sich hatte, nämlich den Koordinator des Kartells, der allein dafür garantierte, dass sich die Bosse nicht gegenseitig bekriegten. Nur so konnte die Macht des gesamten Kartells erhalten bleiben.
Gurgelnd wich er zurück.
Turna de Clarc setzte nach. Er trat seinem Gegner mit voller Wucht zwischen die Beine, was diesen zusammenklappen ließ wie ein Taschenmesser, um ihn mit einem weiteren Aufwärtshaken wieder aufzurichten.
Hinter dem Tritt und hinter dem Schlag stand so viel Kraft, verstärkt noch durch PSI, dass es abermals jeden normalen Menschen getötet hätte.
Aber hier stand nicht nur Körperkraft gegen Körperkraft, sondern vor allem PSI gegen PSI. Dabei ging beider Kalkül natürlich keineswegs auf, weil eben beide PSI benutzen mussten und sich dabei verausgabten.
Es wurde ihnen bewusst. Deshalb ließen sie voneinander ab, keuchend, vor Enttäuschung knurrend. Sie belauerten sich wie zwei Raubtiere, blieben aber diesmal auf Distanz, umschlichen sich erneut im Abstand von höchstens zehn Metern.
Sie waren sich ebenbürtig. Auf jeden Fall. Falls noch der geringste Zweifel daran bestanden hätte: Jetzt wäre dieser endgültig beseitigt gewesen.
»Du wirst mich niemals besiegen!«, schnappte Zeros von Meynfeld.
»Abschaum muss aber ausgemerzt werden!«, beharrte Turna de Clarc hasserfüllt. »Und du bist der schlimmste Abschaum, der mir jemals zuvor begegnet ist.«
Zeros von Meynfeld lachte hässlich.
»Mich ausmerzen? Das wüsste ich aber. Wie willst du das anstellen? Ja, wenn du jetzt echte Unterstützung hättest. Beispielsweise die Armee von Clarc...«
»Die brauche ich gar nicht. Da genüge ich ganz allein.«
»Sieht aber bisher nicht gerade danach aus!«
»Glaubst du denn wirklich, du könntest mir auf Dauer widerstehen?«
»Zweifelst du denn daran?«
»In der Tat! Das Gute wird siegen.«
»Und du verkörperst das Gute? Wie viele Menschen hast du eigentlich schon umgebracht im Zeichen des Guten? War das wirklich ein Beweis dafür, dass du zu den Guten gehörst?«
Abermals lachte Zeros von Meynfeld hässlich. Das schien er besonders gern zu tun.
Ein wenig ließ sich Turna de Clarc davon aus dem Konzept bringen.
»Was weißt du denn schon davon, Abschaum!«
»Ja, klar, was ich tu, das tut nur Abschaum, aber die Gräueltaten von Deinesgleichen... Vielleicht sollte dazu mal nicht der Täter gefragt werden, sondern eines seiner Opfer? Nur schade, dass es niemals Überlebende gab.«
»Die hatten es alle mehr als verdient. Genauso wie du.«
»Auch meine Opfer hatten es mehr als verdient. Sie waren mir ganz einfach im Weg. Also selber schuld, nicht wahr? Und dafür bin ich jetzt Abschaum – im Gegensatz zu dir?«
»Das kann man nicht vergleichen.«
»Du meinst tatsächlich, du seist besser als ich, Turna de Clarc. Aber ich sage dir was: Du bist deshalb hier, weil du absolut überhaupt nicht zu den Guten gehörst. Du selber bist Abschaum, wie du es so gern nennst. Es gibt nichts, was uns voneinander unterscheidet, außer dem Dünkel, der dich beherrscht.«
»Du bist ein Verbrecherboss. Du leitest ein Gangstersyndikat innerhalb eines verbrecherischen Kartells. Ihr habt mit brutaler Gewalt die Macht an euch gerissen und unterdrückt und versklavt Milliarden von Menschen auf vielen Planeten.«
»Ja, etwa hundert Welten, um genauer zu sein. Aber was ist das denn anderes als die Raumflotte von Axarabor tut?«
»Die unterdrückt niemanden. Sie beschützt!«
»Ach, kennen wir das nicht schon aus fernster Vergangenheit? Nannte man das damals nicht Schutzgelderpressung? Mafiamethoden waren es auf jeden Fall. Wer nicht zahlt, muss büßen. Die einen sagen Schutzgelderpressung dazu und die anderen halt eben... Steuererhebung!«
Abermals dieses hässliche Lachen, das Turna de Clarc inzwischen wie beabsichtigt bis aufs Blut reizte.
»Abschaum wie du verdreht gern die Tatsachen, um sich zu rechtfertigen!«, warf er Zeros von Meynfeld vor.
»Glaubst du wirklich, ich hätte es nötig, mich zu rechtfertigen? Etwa dir gegenüber? Einem Nichts, einem Niemand? Ich bin einer der mächtigsten Männer des Universums, und was bist du? Der Lakai des Präsidenten, vermute ich mal. Sein Stiefellecker.
Ich lecke niemandes Stiefel. Meine werden von anderen geleckt. Dazu gehören solche Minderwertigkeiten wie du.«
Jetzt lachte Turna de Clarc.
»Keine Chance, ich lasse mich nicht so billig von dir provozieren und dadurch zu Unüberlegtheiten hinreißen. Wir sind zwar auf PSI-Ebene und anscheinend auch körperlich ebenbürtig, aber ich bin ein General, ein Stratege. Von daher gibt es hier nur einen möglichen Sieger, und das bin natürlich ich.«
»Aha? Und ich habe mich empor gearbeitet als kleiner Mitläufer zum obersten Boss eines mächtigen Syndikats. Es gibt keinen neben mir. Ich allein bestimme über Leben und Tod. Wer nicht für mich stirbt, den töte ich eigenhändig. Glaubst du denn, dies alles wäre mir möglich gewesen ganz ohne angewandte Strategie?«
»Nun, dann sage mir, was du besser kannst als ich. Wie, meinst du, kannst du mich letztlich besiegen?«
Diesmal lachte Zeros von Meynfeld nicht.
»Ich bin für dich das personifizierte Böse, und du weißt, dass ich keinerlei Skrupel habe. Ich bin zu allem fähig«, sagte er gefährlich leise. »Zu wirklich allem. Ohne jegliche Begrenzungen. Die einzigen Regeln, die für mich gelten, das sind meine eigenen, die ich nach Belieben ändere. Ich bin der Souverän, unanfechtbar, unbesiegbar.«
Turna de Clarc lachte amüsiert.
»Vor allem ist deine Einbildung unbegrenzt und deine Überheblichkeit unübertroffen.«