Die Offenbarung eines schrecklichen Geheimnisses zwingt den
Wikingerjarl Erik Sigurdsson, ein hartes Urteil zu fällen. Tief enttäuscht
und verfolgt von den Racheschwüren seiner Feinde, zieht er auf das
Meer hinaus, und es verschlägt ihn, wie viele andere Nordmänner, auf
die Schlachtfelder Britanniens. Innerlich zerrissen und von seinem
Glauben verlassen, schließt er sich dem Heer des heidnischen
Dänenprinzen Knut an, der auf den angelsächsischen Thron drängt. Und
auch seine Heimat Norwegen, soll von der Landgier des Dänen nicht
verschont bleiben. Doch im Jahr 1016 n. Chr. greift Olaf Haraldsson, der
Sohn eines Kleinkönigs aus dem Oslofjord, nach der norwegischen
Krone. Wie schon sein Patenonkel Olaf Tryggvesson vor ihm strebt er
danach, den Christenglauben zum Gesetz zu erheben und die dänischen
Besatzer aus Norwegen zu vertreiben. So entbrennt einige Jahre später
erneut der Kampf um das Land am Nordweg.
Rainer W. Grimm wurde 1964 in
Gelsenkirchen/NRW geboren. Nach dem Schulabschluss erlernte er
zwei Handwerksberufe. Erst mit fünfunddreißig Jahren entdeckte er
seine Leidenschaft für die Schriftstellerei, und sein großes Interesse für
geschichtliche Themen legte es nahe, historische Romane und
Geschichten zu schreiben.
„Der Krieg der Könige“ ist der dritte Band der Wikinger-Trilogie
„Die Saga von Erik Sigurdsson“.
Außerdem erschienen bisher der Roman „Pakt der Barbaren“ und die
zweibändige Kurzgeschichtensammlung „Wikingerwelten“
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek:
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der
Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten
sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
Alle Rechte liegen beim Autor
© 2017 Rainer W. Grimm (überarbeitete Neuauflage)
Erstausgabe 2008
www.rwgrimm.bodautor.de
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH,
Norderstedt
Titelgestaltung, Layout: RWG & BoD
Bildquelle: www.mittelalter-seelenfaenger.de
(Jochen Kunz, Michaela Kunz)
ISBN- 13: 978-3-7448-3220-5
*
Im Jahr 1013 n. Chr. besiegte Sven Gabelbart, der König von Dänemark, den Herrscher der Angelsachsen1 Ethelred den Zweiten und vertrieb diesen von seinem Thron.
Schon ein Jahr darauf starb König Sven, und dessen Sohn Knut bestieg den Thron von Britannien.
Doch die Angelsachsen verweigerten ihm die Gefolgschaft, und Knut ging daraufhin nach Dänemark zurück, wo sein Bruder Harald regierte.
Im Jahr 1015 n. Chr. jedoch kehrte er, dem Willen des toten Vaters folgend, nach Britannien zurück, um die Insel dem dänischen Reich einzuverleiben. Mit all seiner Macht und unter großen Verlusten bekämpfte Knut den angelsächsischen Adel unter Ethelred, denn es galt, den Traum von einem nordischen Großreich zu verwirklichen.
Viele Kleinkönige Skandinaviens, die Vasallen des Dänenkönigs waren, mussten Knut dem Großen nun ihre Truppen stellen. Und so mancher tat dies aus freien Stücken, um sich die Gunst des Dänenkönigs zu sichern. Meist waren Machthunger und die Festigung der eigenen Stellung dabei die treibende Kraft. So schloss sich der norwegische Kleinkönig Erik Hakonsson, der eigentlich ein Lehnsmann des Schwedenkönigs war, dem weitaus mächtigeren Dänen Knut an. Er hegte die Hoffnung, dass dieser ihm den norwegischen Thron sichern würde.
Erik Hakonsson, der Gaukönig des Tröndelag2, war ein ehrgeiziger und machthungriger Mann. Er hatte schon einige Kleinkönige in Norwegen unterworfen und strebte nun die alleinige Herrschaft in einem Norwegen an, das den alten nordischen Göttern gewogenem Norwegen war. Im Jahr 1016 n. Chr. griff der junge, christliche Seekönig Olaf Haraldsson, der der Sohn eines Kleinkönigs war, nach der Krone Norwegens. Wie schon sein Patenonkel Olaf Tryggvesson vor ihm, wollte er ein christliches Reich errichten.
Durch zahlreiche Wikingfahrten im Kampf erfahren, besiegte er den Bruder des noch immer auf der Insel der Angelsachsen kämpfenden Erik Hakonsson in einer großen Seeschlacht. Von den anderen Kleinkönigen nun zum Herrscher von Norwegen ausgerufen, machte Olaf das Christentum wieder zur Staatsreligion.
Als im Jahr 1019 n. Chr. der Dänenkönig Harald starb, wurde sein Bruder Knut der Herrscher über das große dänische Reich. Doch erst sieben Jahre später gelang es Knut dem Großen, eine Heeresmacht aus Norwegern und Schweden in einer großen Schlacht zu besiegen. Er ließ sich als König von Dänemark, Norwegen, Britannien und großen Teilen Schwedens ausrufen.
Vier Jahre danach jedoch kehrte Olaf Haraldsson mit einem Heer aus schwedischen und russischen Wikingern nach Norwegen zurück und beanspruchte die Krone seines Landes aufs Neue für sich.
*
1 Insel der Angelsachsen – England
2 Tröndelag – Gau in Westnorwegen
K lirrend schlugen die Klingen der Schwerter gegeneinander. Der ältere der beiden Kämpfer atmete bereits schwer, und aus einer kleinen Wunde in seinem Arm tropfte Blut. Die Narben auf seinem nackten Oberkörper zeugten von vielen Schlachten, die der Krieger in seinem Leben bereits geschlagen haben musste.
Der andere Kämpfer, ein junger Bursche von nicht mehr als sechzehn Sommern, bewegte sich schnell und wich den Schlägen seines Gegners immer wieder geschickt aus.
„Alter Mann, verlässt dich die Kraft?“, rief er übermütig. In diesem Moment der Unachtsamkeit machte der Ältere einen kleinen Ausfallschritt. Ein kurzer, aber heftiger Tritt, und der Jüngere verlor das Gleichgewicht. Er geriet ins Straucheln und fiel auf den Rücken. Grinsend stand nun der Gegner über dem jungen Burschen und legte diesem langsam die Spitze seiner Klinge auf die Brust.
„Du sollst nicht reden. Du sollst kämpfen, mein Sohn“, sagte er vorwurfsvoll. „Ein Feind hätte dir sein Schwert in die Brust gebohrt und es wäre um dich geschehen!“
„Lass es gut sein, Erik“, rief ein Weib mit heller Stimme.
Gundis, die schwarzhaarige Gemahlin des Fjordjarls Erik Sigurdsson, war aus dem Langhaus getreten und hatte dem Treiben einen Moment zugesehen. Nun, da ihr Sohn im Staub lag, griff sie ein. Dreiunddreißig Sommer und Winter zählte die schöne Gundis, die von Geburt eine Friesin aus der Handelsstadt Brimun3 war.
„Du hältst Ari von seiner Arbeit ab“, sagte sie lächelnd. „Er muss lernen, das Schwert zu führen“, entgegnete der Jarl seinem Weib. „Wenn wir auf Wikingfahrt gehen, muss er kämpfen können!“
„Lass es mich auch versuchen“, rief da der junge Sigurd. Er war der zweite Sohn des Jarls und zählte vierzehn Sommer.
„Nein! Es ist genug“, befahl die Jarlsgattin bestimmt. „Geht an eure Arbeit! Das Tagwerk erledigt sich nicht von allein!“
„Ihr habt Gundis gehört. Also tut, wie euch befohlen!“
Die Stimme des Vaters duldete keine Widerrede. Ari nahm seinen Kirtel4, klopfte den Staub von seiner Wollhose und verschwand hinter dem Langhaus, um sich dem Vieh zu widmen. Sein Bruder Sigurd lief in das große Gebäude mit dem geschnitzten Drachenkopf am Giebel, um dort seinen Teil der täglichen Arbeit zu tun. Obwohl Erik der Jarl des Gaus war, so war er doch kein reicher Mann. Wie die meisten Männer seiner Gefolgschaft bewirtschaftete er einen Hof.
Gundis trat neben ihren Gatten. „Ari hat dich verletzt“, stellte sie fest. „Er ist jung und ungestüm“, sprach der Jarl nachsichtig. „Er kann es kaum erwarten, in See zu stechen.
Und Sigurd geht es ebenso!“
„Sigurd?“ Gundis war entsetzt. Sicher wusste sie, dass es einen Nordmann auf die See hinaus zog, doch mit Sigurd hatte sie andere Pläne. „Sigurd ist noch zu jung, um auf Raubfahrt zu gehen!“ Gemeinsam betraten sie das Gebäude, Gundis versorgte die Wunde ihres Gemahls, und dieser sah in das zerknirscht dreinschauende Gesicht seines Weibes.
„Sigurd wird noch nicht mit uns fahren.“
Erik beugte sich vor und küsste sein Weib beruhigend auf die Stirn. Erik Sigurdsson war gleichen Alters wie sein Weib. Er trug den Titel eines Jarls5, eines Grafen, wie schon vor ihm sein Vater Sigurd Svensson. Seit dem Tode des alten Jarls war Erik nun der Herrscher über den kleinen Fjordgau hoch im Norden des Tröndelag an der Grenze zum Helgeland. Schon im Alter von fünfzehn Sommern hatte er an der Seite seines Vaters für den christlichen König Olaf Tryggvesson gekämpft. Erik war schon als Kleinkind getauft worden, denn seine Mutter war Christin und kam, wie jetzt sein eigenes Weib auch, aus dem Friesenland. Sein Vater Sigurd hatte den neuen Glauben für sein Weib angenommen und folgte auch dem christlichen König in die Schlacht. Nun aber, nachdem König Olaf in einer Schlacht im Polenreich den Tod gefunden hatte, herrschte der heidnische Jarl Erik Hakonsson wie ein König über das Tröndelag.
Der Hakonsson, eigentlich ein Vasall des schwedischen Königs und diesem steuerpflichtig, sah sich aber als Lehnsmann des dänischen Herrschers Sven Gabelbart und dessen Söhnen Harald und Knut. Und diesen war er treu ergeben.
Der Verlust König Olaf Tryggvessons im Jahr 1000 hatte zur Folge, dass der Glaube an den Herrn Christus, den Olaf mit aller Kraft hatte zur Staatsreligion erheben wollen, schnell wieder erstarb. Besonders in den nördlichen Gauen hielt das Bekenntnis zu Odin und seinem Sohn Thor, den rotbärtigen Hammerschwinger, wieder Einzug.
Viele opferten schon bald den alten Göttern, um für ihre Abtrünnigkeit Gnade zu erbitten. Und so mancher Sklave oder auch die jungfräuliche Tochter eines Bauern fand, geschlachtet wie Vieh, ein klägliches Ende auf den Opfertischen der Goden. Doch es gab auch viele Menschen, die heimlich an dem Glauben der Christen festhielten. So Jarl Erik Sigurdsson, in dessen Dorf sogar eine kleine Kirche stand, und in der ein Priester, der den Namen Lukas trug, seine Messen abhielt. Die Gläubigen aus dem Gau, ja aus dem ganzen Norden, kamen in den Sigurdfjord.
Nur einmal hatte der Hakonsson versucht, in den Norden vorzudringen. Doch es gelang ihm lediglich, den Gefolgschaftseid vom Sigurdsson zu erzwingen. Außerdem hatte der Dänenkönig die Verfolgung der Christen untersagt.
So wollte er verhindern, dass die Handelsbeziehungen litten, die das dänische Reich mit vielen christlichen Ländern im Süden pflegte. Und würde der Papst in Romaburg6 von dem deutschen Kaiser ein Eingreifen verlangen, wäre das Dänenreich sicherlich zuerst betroffen. Die Heeresmacht der Deutschen war groß, und darum war der Dänenkönig darauf bedacht, keinerlei unnötige Gewaltakte gegen die Christen zu gestatten. Also musste sich der Hakonsson verärgert damit zufrieden geben, von Jarl Erik Sigurdsson im Herbst hohe Steuerabgaben zu fordern. Doch einmal hatte der Tröndnerkönig einen Waffengang gewagt. Sieben Sommer waren seither vergangen, da war es ihm gelungen dem Fjordjarl den Gefolgschaftseid abzuringen und ihn mit seinem Gefolge als Söldner auf die Insel der Angelsachsen zu schicken. Hier versuchte der Däne Sven Gabelbart vom Danelag7 aus die Herrschaft über König Ethelreds Reich zu erobern. Doch der Plan des Tröndners scheiterte, auf diese Weise den unliebsamen Jarl aus dem Norden seines Reiches loszuwerden.
Im Süden Norwegens dagegen, in den Gauen Vestfold, Vingulmark und Hardanger wuchs die Zahl derer, die sich dem Glauben an den Herrn Christus zuwandten. Selbst in Dänemark gab es noch viele Christen, obwohl König Sven Gabelbart ein überzeugter Verfechter des Asenglaubens8 war. Sein Vater Harald Blauzahn dagegen hatte den neuen Glauben aus dem Süden angenommen und viele Priester in sein Reich geholt. Doch wurde er von seinem odinstreuen Sohn vom Thron gestürzt. Nun, da der König der Dänen in Britannien die Eroberung vorantrieb, regierte sein ältester Sohn Harald das Land.
Es war Hochsommer des Jahres, das die Kirchenmänner als das Jahr 1013 n. Chr. bezifferten.
Die Zeit, in der die Wikinger auf Raubfahrt gingen oder die Händler in den Süden segelten, um in den großen Handelsstädten ihren Geschäften nachzugehen. So rüstete auch Jarl Erik Sigurdsson seine beiden Schniggen9 Wogenbeißer und Seeschäumer für die Fahrt an die Küste Britanniens. Raub sollte in diesem Sommer sein Geschäft sein. Jedes seiner Schiffe hoffte er mit dreißig Männern zu besetzen, die aus dem ganzen Gau in den Sigurdfjord kommen sollten, um mit ihrem Jarl Ruhm und Ehre zu erkämpfen. Denn die Größe der Beute einer solchen Wikingfahrt war der Maßstab für das Ansehen eines Kriegers in der Gemeinschaft.
Erik hatte seine Boten ausgeschickt und wartete nun darauf, dass die von ihm gerufenen Männer in seinem Dorf eintrafen. Thore Gudbrandsson war der erste, der Sigurdswik erreichte. Er war ein Gesippe Jarl Eriks und als Bruder von Asa, die das verstorbene Weib des Jarls war, konnte er sich sein Schwager nennen.
Durch die Hand eines Meuchelmörders hatte Erik sein erstes Weib, einen Sohn und eine Tochter verloren10. Nur sein Sohn Sigurd war ihm geblieben. Doch er hatte den Tod an seiner jungen Familie gerächt und so seinen Frieden und sein Heil als Jarl und Christenmensch wiedergefunden.
Seinen Sohn Ari hatte er als junger ungestümer Wikinger mit der Gundis auf einer früheren Handelsfahrt in das Land der Friesen gezeugt. Nach dem Tode der Asa kam Gundis, die Mutter des Ari, mit ihrem Sohn in den Sigurdfjord und wurde die Gemahlin des Jarls.
„Sei mir gegrüßt, mein Schwager“, rief Thore, als er sein Pferd auf dem Platz vor dem großen Langhaus zügelte.
„Ich hatte schon die Befürchtung, du willst in diesem Sommer gar nicht auf Wiking ausfahren!“ Thore lebte im bergigen Hinterland auf Gudbrandshöfti, dem Hof, der einmal seinem Vater gehört hatte. Er hatte ein Weib namens Nuri, die ihm vier Kinder geboren hatte. Außerdem gehörte noch seine Mutter Astrid zum Hausstand.
Vor sechs Sommern hatte Thore mit seiner Familie noch in Sigurdswik gelebt. Doch nachdem Jarl Erik die Gundis zu seinem Weib genommen hatte, verließ er Sigurdswik, um auf dem verwaisten Hof seines Vaters zu leben.
Astrid Lodinsdottir war nicht nur die Mutter der Asa gewesen, sondern auch das Weib des alten Jarls Sigurd, der Eriks Vater war. So war sie die alte Jarlsgattin. Doch es konnte nur ein Weib den Hausstand führen und so ging das stolze Weib Astrid mit der Familie ihres Sohnes zurück in das Hinterland.
„Ich bin beglückt, dich zu sehen, Thore“, freute sich Jarl Erik. „Komm in mein Haus und sei mein Gast, Schwager.
Es gibt sicher viel zu berichten.“
Der junge Sigurd kam und ergriff die Zügel des Pferdes seines Oheims, um das Tier zu versorgen. Thore klopfte seinem Neffen freudig auf die Schulter.
„Aus dem Knaben wird ein Mann und er ist dem alten Jarl wie aus dem Gesicht geschnitten“, lachte er. „Bald kann er uns sicher begleiten.“
„Noch nicht in diesem Sommer“, winkte Erik ab. „Aber vielleicht im nächsten!“
Voller Enttäuschung vernahm Sigurd die Worte seines Vaters. Nur zu gerne wäre er mit den Männern auf große Fahrt gegangen, so weit weg wie möglich von der freudlosen Arbeit auf dem Hof. Schließlich war er ebenso geschickt im Umgang mit dem Schwert wie sein Bruder Ari, und an Kraft mangelte es ihm auch nicht. Die schwere Arbeit auf dem Hof hatte ihn zu einem kräftigen Burschen werden lassen. Doch alles Aufbegehren half nichts. Er musste sich dem Willen seines Vaters beugen!
Die Männer hatten die große Halle des Langhauses betreten und setzten sich an einen von zwei langen Tischen, die vor den flachen Podesten an den Längsseiten des Gebäudes standen. Diese dienten als Bänke und Schlafplätze, wenn der Jarl Gäste in seinem Haus empfing. Sie waren mit dicken Schafsfellen gepolstert und sehr bequem.
Gundis stellte Brot und Salz sowie einen Krug frischen Bieres auf den Tisch, um den Gast willkommen zu heißen.
Dann nahm sie selbst neben den Männern Platz. Dies tat sie aber nur, wenn einzelne Gäste kamen oder der Jarl sie dazu aufforderte. Bei großen Gesellschaften hätte sie sich niemals an den Tisch der Männer gesetzt. Doch dieser Gast war ein Mitglied der Familie, den es natürlich zu begrüßen galt.
Thore begann zu erzählen! Von den Problemen der Bauern im Hinterland. Von kleinen Übergriffen heidnischer Krieger und davon, dass der Tröndnerkönig Erik Hakonsson seit dem Frühjahr im Danelag weilte, um dem Dänenkönig Sven Gabelbart im Kampf gegen König Ethelred II. von Britannien beizustehen. Die Befehlsgewalt hatte der Hakonsson seinem Bruder übertragen. Dieser führte nun die Regierungsgeschäfte des Gaus von Nidaras aus, der großen Königsstadt im Trondheimfjord.
Thore wusste all dies, da er kürzlich von einer Reise aus der Handelsstadt heimgekehrt war. Auf Gundis Fragen hin berichtete er aber auch von seinem Weib Nuri und seiner Mutter Astrid und überbrachte deren Grüße. Plötzlich öffnete sich die eisenbeschlagene Tür des Langhauses, und ein groß gewachsener, rothaariger Mann trat ein. Sein langes Haar war zu einem Zopf gebunden, und unter seiner Nase wuchs ein dichter, ebenso roter Schnauzbart.
„Ah, Orm!“, rief Erik beim Anblick des Freundes. „Setz dich und trink einen Becher Bier mit uns.“
Der breitschultrige Krieger ließ sich nicht lange bitten. Mit einem festen Handschlag begrüßte er Thore und setzte sich an dem Tisch nieder. Orm Thorkillson war der Schmied des Dorfes, so wie es vor ihm sein Vater war. Außerdem fuhr er als Stevenhauptmann auf dem Wogenbeißer, einem der schnellen, schlank gebauten Kriegsschiffe, die der Jarl sein eigen nannte. „Die Schiffe sind in bestem Zustand und warten ungeduldig darauf, mit dem Kiel die Wellen zu pflügen“, meldete Orm mit bester Laune. Er war etwa gleichen Alters wie Jarl Erik und kannte diesen bereits von Kindesbeinen an, da Eriks Mutter die Amme des Orm war.
Seit dem Tode Jarl Sigurds hatte der Vater des Orm die Stelle des fürsorglichen Beraters bei dem damals noch jungen Jarl ausgefüllt. So waren die beiden Männer wie Brüder aufgewachsen. Bis weit nach Sonnenuntergang saßen die Männer und noch manchen Krug mit Bier brachte Gundis an diesem Abend an den Tisch, während die Gefährten ausgiebig Pläne für die bevorstehende Fahrt schmiedeten.
Nach und nach trafen die Männer des Gaus in Sigurdswik ein, und Jarl Erik gab zu ihrer Begrüßung ein Fest in der Halle seines Langhauses, und er bewirtete sie gut.
Zu fortgeschrittener Stunde, die Gäste und auch der Jarl selbst hatten schon viel Bier und auch Met11 genossen, der stark gewürzte Trunk zeigte längst seine Wirkung, da erhob sich plötzlich der Jarl von seinem Hochstuhl. „Die Tage des Sommers werden schon kürzer und die See ist ruhig. An vielen Küsten warten Schätze darauf geraubt zu werden“, rief er in die Halle, sodass die Gäste aufmerksam wurden. „Und wir sitzen auf unseren Höfen und warten auf die Erntezeit, während sich andere Seeschäumer die Taschen füllen“, lachte er bitter und verächtlich. Viele Männer nickten mit den Köpfen, andere dagegen sahen sich besorgt an. „Was willst du uns vorschlagen, Jarl Erik?“, rief einer ungeduldig.
„Ich denke an einen Raubzug nach Britannien“, antwortete der Wikingerfürst, und so mancher der Krieger zeigte sich erfreut. Besonders die jungen Männer, denen der Sinn danach stand, Ruhm und Ehre zu erkämpfen, waren sofort dafür. Außerdem hatte das viele Bier ihnen schon arg zugesetzt, ihre Sinne waren benebelt und ihr Mut wurde größer. Doch andere Männer, die erfahrene Seekrieger waren, hielten sich sichtlich zurück.
Ein Mann mit flachsblondem, langem Haar erhob sich.
„Wie du weißt, bin ich stets bereit, dir zu folgen, Jarl Erik. Doch gebe ich zu bedenken, dass Sven Gabelbart immer noch auf der Insel der Angelsachsen heert, um dem britannischen König die Krone zu entreißen!“ Der Mann ließ seinen Blick über die Gesichter der Anwesenden schweifen. Dann fuhr er fort: „Wie leicht könnten wir zwischen die Fronten geraten oder von König Sven in sein Heer gezogen werden!“ Die Worte des Kriegers fanden bei vielen Gästen Zustimmung. und das Gesicht des Jarls verfinsterte sich zunehmend. Besonders, weil dieser Mann Ullrik war, der zu Jarl Eriks Hausstand gehörte. Ullrik war von Geburt ein Sachse, der als junger Sklave in den Norden gekommen war. Doch vor vielen Sommern hatte er sich in Haithabu12 auf das Schiff des Isländers Leif geschlichen, der ein Waffenbruder Jarl Eriks war. So kam er in das Gefolge des Fjordjarls und lebte nun als Knecht in Sigurdswik. Er war achtundzwanzig Sommer alt und längst ein echter Wikinger, der dem Jarl immer in Treue ergeben war. Ein Weib hatte er nicht. Seit einer verschmähten Liebe hatte er es vorgezogen, keine eigene Familie zu gründen. Stattdessen lebte er mit der Sippe Jarl Eriks. Daher ärgerte es den Jarl besonders, dass der Sachse solche Bedenken aussprach.
Doch Ullrik war längst ein freier Mann und hatte die gleichen Rechte wie alle anderen freien Männer.
„Es wird auch sicher nicht mehr viel zu holen sein bei den Angelsachsen!“ Thorkill Ormsson hatte das Wort ergriffen.
Der erfahrene Seemann war einst der Schwurbruder von Sigurd Svensson gewesen, der der Vater Eriks war.
Auf vielen Fahrten war er als Steuermann auf den Schiffen des Wikingerfürsten gesegelt, doch nun zählte er fast sechzig Sommer, und sein rotes Haar war längst ergraut. Die Gicht hatte seinen Händen die Kraft zu kämpfen und zu rudern genommen. Also überließ er die Raubfahrten den jungen Kriegern. Aber sein Wort hatte immer noch großes Gewicht. Vor allem in Jarl Eriks Ohr!
„Der Krieg kostet König Ethelred viel Geld, das er aus seinen Untertanen presst. Das solltest du bedenken“, sprach er zu Erik gewandt. „Es sind also keine großen Schätze zu erwarten!“
Zuerst Ullrik und nun auch noch Thorkill, der Bedenken äußerte. Das gefiel dem Jarl keineswegs! „Und auch dem Gabelbart solltest du besser aus dem Wege gehen“, fuhr der alte Schmied fort. „Schon einmal mussten wir für den Dänen das Schwert erheben13!“
„Du kennst den Grund genau, aus dem wir uns damals dem König der Dänen anschlossen“, entgegnete Jarl Erik seinem Ziehvater erbost. „Es war die Suche nach dem Mörder meiner Gesippen!“
Da meldete sich Thore zu Wort. „Ich teile nicht die Ansicht des Sachsen und auch nicht die Thorkills“, sprach er ruhig.
„König Sven von Dänemark und auch der Britannier Ethelred werden so mit sich beschäftigt sein, dass da ein paar Wikinger gar nicht auffallen!“
Ein großes Gelächter dröhnte durch die Halle. Auch Erik und Ullrik der Sachse, lachten. Die gespannte Stimmung in dem großen Raum hatte sich mit einem Mal gelöst.
Es folgten einige derbe Scherze, bis sich die Männer endlich wieder beruhigten.
„Niemand soll mir Feigheit oder gar Untreue gegenüber meinem Jarl nachsagen“, ergriff der Sachse das Wort. „Ich will der erste sein, der dir den Gefolgschaftsschwur anbietet, mein Häuptling! Segeln wir also nach Britannien!“
Diese Worte hörte Jarl Erik gerne. Er erhob sich erneut von seinem Hochstuhl. „Ja“, rief er freudig aus. „Lasst uns auf Raubfahrt gehen!“ Und die Männer begannen zu jubeln.
Die meisten Gäste machten sich am nächsten Tag auf den Heimweg in ihre Dörfer und auf ihre Höfe. Sie wollten ihren Gesippen mitteilen, dass sie den Entschluss gefasst hatten, mit Jarl Erik auf Wikingfahrt zu gehen.
Einige Krieger, meist Junggesellen ohne Familien, blieben jedoch gleich im Dorf und ließen sich von der Sippe des Jarls bewirten. Bis zu dem Tag, den Erik für die Abreise bestimmt hatte, kamen alle nach Sigurdswik zurück, und zur großen Freude des Fjordjarls waren es genügend Männer, um beide Schniggen zu bemannen. So hatte er nun eine Gefolgschaft von gut sechzig Kriegern.
Der Tag der Abreise kam. Ein blauer Himmel verhieß einen schönen Sommertag, und eine kühlende Brise aus dem Fjord würde die Wärme erträglich machen. Doch früh am Morgen, viele Bewohner des Dorfes lagen noch im Schlaf, ertönte das Signalhorn, das hoch über der Bucht auf einer Anhöhe stand.
Oft genug bedeutete dies Gefahr für das Dorf im Sigurdfjord, denn als christlicher Jarl hatte Erik viele Feinde im Tröndelag. Allen voran den Tröndnerkönig Erik Hakonsson selbst, der die Andersgläubigen wegen des Todes seines Vaters Hakon von Lade hasste.
Doch diesmal waren genug wehrfähige Männer im Dorf, um nötigenfalls die Herrschaft des Jarls zu verteidigen.
Es dauerte nicht lange, und die Krieger hatten sich auf dem großen Platz vor dem Langhaus gesammelt. Unter dem Befehl Thorkill Ormssons blieben einige Männer zurück, um Frauen und Kinder zu schützen. Mit dem Großteil seines Heeres zog der Jarl kampfbereit an den Strand. Doch noch war ungewiss, wer da in den Fjord segelte. War es ein Freund oder ein Feind?
Mit schneller Fahrt glitt der Kiel der Schnigge auf den Strand, dass der Sand nur so spritzte. Sofort sprangen einige Krieger über die Reling und begannen das Schiff an Land zu ziehen. Die Männer trugen volles Rüstzeug. Jeder hatte neben einem Kettenhemd auch einen Helm auf dem Kopf, und als Bewaffnung trugen die meisten Schwert und Axt.
Nur wenige Nordmänner waren im Besitz einer solchen Kriegsausrüstung, ausgenommen Seeräuber und Wikinger die raubend und brandschatzend von Küste zu Küste zogen, oder die Soldaten in der Gefolgschaft eines Königs.
Als Jarl Erik und sein Gefolge aus dem kleinen Wäldchen heraustraten, das die Bucht von dem Dorf trennte, hatten sich die fremden Krieger bereits auf dem Strand gesammelt.
Sie waren der Gefolgschaft des Fjordjarls an Zahl weit unterlegen. Doch Erik blieb vorsichtig, denn er hatte sofort erkannt, dass er es mit erfahrenen Kämpfern zu tun hatte.
Dies waren wirklich Seeräuber, und ein jeder von ihnen war sicherlich ein arger Schlagtot.
Seine Männer dagegen, zwar nicht weniger mutig, waren zumeist Bauern die nur hin und wieder auf Wikingfahrt gingen und das Risiko gut abzuschätzen wussten, ob sie einen Angriff wagen konnten oder nicht. Es war wohl der Rauch, der aus den Hütten des Dorfes in den blauen Himmel stieg, der die nach Beute suchenden Seekrieger angelockt hatte, die die Dörfer in der Nähe der Küste als Ziel bevorzugten.
Die Schiffe Jarl Eriks lagen an dem Steg, der in den Fjord ragte, bereit, um auf Raubfahrt zu gehen. Doch nun drohte Sigurdswik selbst Opfer eines Wikingerüberfalls zu werden, obwohl so weit im Norden Seeräuberangriffe eher selten vorkamen.
Die große Anzahl der heranmarschierenden Krieger dieses Gaus ließ die fremden Wikinger jedoch zögern. An einen überraschenden Angriff war für sie nun nicht mehr zu denken. Drei Männer lösten sich aus der Horde und gingen dem nahenden Heer entgegen. Jarl Erik hob den Arm, und der Zug seiner Krieger kam zum Stehen. Mit Orm und Thore an der Seite trat er nun seinerseits auf die Fremden zu.
Als die Männer sich gegenüberstanden, hob der Jarl zum Gruß die Hand. Da nahm einer der Fremden seinen Helm ab und klemmte diesen unter seinen Arm. Erstaunt sah Erik in das Antlitz eines jungen Mannes, und dieser zählte sicherlich nicht mehr als achtzehn Sommer, also nicht viel mehr an Jahren als sein eigener Sohn Ari.
„Ich bin Jarl Erik Sigurdsson“, sprach der Fjordjarl streng.
„Und ich bin der Herr in diesem Gau. Dies ist meine Herrschaft!“
Der junge Wikinger sah seinem Gegenüber mit finsterem Blick in dessen blaue Augen. „Ich bin Olaf Haraldsson!“
Stolz klang in der Stimme des jungen Seekriegers. „Ich bin der Ziehsohn eines Kleinkönigs, der über einen Gau in Oppland herrscht!“
„Wie ich sehe, führst du eine gut gerüstete Kriegerschar, und ich hoffe für dich, du hegst keine feindlichen Absichten!“
Die Stimme des Fjordjarls ließ keinen Zweifel daran, dass er bereit war, die Fremden ins Meer zurückzujagen.
Doch der junge Bursche überhörte die warnenden Worte.
„Du bist Erik Sigurdsson? Etwa der Erik Sigurdsson?“, fragte er stattdessen und sah den Jarl ungläubig an.
„Der Krieger, der einst in jungen Jahren den schwarzen Dänen Halvdan erschlug?“
Verwundert sahen sich die drei Männer aus dem Sigurdfjord an. Da nickte der Jarl.
„Du kämpftest an der Seite meines Paten König Olaf!“, stellte der junge Wikinger fest und schien sich über die Begegnung nun aufrichtig zu freuen.
„Ich war ein Heerführer König Olafs, das ist wohl wahr“, bestätigte Erik das Wissen des Fremden. „Doch nun genug der freundlichen Worte!“ Die Stimme des Jarls klang jetzt gereizt und voller Angriffslust. „Du bist mit deinen Kriegern sicherlich nicht in meinen Fjord gekommen, um mir Honig um den Bart zu schmieren!“
Aber Olaf Haraldsson begann angesichts der drohenden Worte nur zu lächeln. Zum Erstaunen aller Anwesenden.
„Dies war mitnichten meine Absicht“, sprach er ruhig.
„Jedoch will ich einem treuen Gefolgsmann meines Oheims nicht mit Waffengewalt gegenübertreten!“
„Schon als Knabe hörte ich von meinem Ziehvater die Sagas mutiger Krieger, die für den Glauben an den Herrn Jesus Christus tapfer an der Seite König Olafs kämpften. So auch die deine! Jarl Erik Sigurdsson! Lass mich für einige Tage dein Gast sein“, bat der junge Krieger. „Erzähle mir vom Kampf meines königlichen Gesippen, der den wahren Glauben verkündete.“
Die drohende Gefahr schien gebannt, und Jarl Erik fühlte sich durch die Worte des Kriegers geschmeichelt.
„Heute sollte der Tag unserer Abreise sein, denn es zieht uns an die Küsten fremder Länder. Doch ich will unseren Raubzug um einige Tage verschieben“, willigte der Herr des Gaus am Sigurdfjord ein. „Errichtet euer Lager und komm später in mein Langhaus und sei mein Gast, Olaf Haraldsson!“
Noch vor Einbruch der Dunkelheit begrüßte der Fjordjarl den blonden Wikingerführer in seinem Haus und bot ihm Gastrecht an. Der junge Anführer, der mit einigen Männern aus seinem Gefolge in das Dorf gekommen war, dankte dem Jarl und ließ sich an einem der großen Tische nieder.
Mehrere Vertraute Eriks saßen bereits in der Halle und labten sich an dem dargereichten Bier, Speck und Brot.
Thorkill, sein Sohn Orm, Thore, Ullrik und auch Jarl Erik selbst nahmen am Tisch der Gäste Platz.
Wie es sich für einen guten Gast geziemte, begann Olaf Haraldsson zu erzählen. „Seit einigen Monden ziehen wir von Küste zu Küste, um meinen Reichtum zu mehren. In Dänemark, in Schweden, hoch oben im Land der Samen und sogar im Reich der Franken haben wir uns in den Dörfern bedient“, sprach er nicht ohne Stolz.
„Und auch Sigurdswik sollte deinem Schwert zum Opfer fallen!“ Ari und Sigurd waren an den Tisch getreten, und die Worte des älteren der Jarlssöhne klangen sehr vorwurfsvoll.
Wären sie nur einen Tag eher aus dem Fjord gesegelt, hätten diese Wikinger das Dorf geplündert und großes Unheil gebracht. Das wussten die Männer, und Ari sprach es aus.
„So wäre es wohl geschehen“, gab Olaf unverhohlen zu, „aber der Herr Jesus Christus hat uns vor diesem Missverständnis bewahrt!“
Olaf Haraldsson war, wie schon der Tryggvesson, ein glühender Verehrer des neuen Glaubens. Was ihn aber nicht daran hinderte, als raubender und brandschatzender Wikinger durch die Länder zu ziehen. Außerdem bewunderte er die Taten seines Paten und Namensgebers Olaf Tryggvesson, der vor fast zwanzig Sommern Norwegen zu einem großen, christlichen Königreich einte und dafür mit dem Leben bezahlte. So war auch seine Freude groß, als er die kleine Kirche des Dorfes erblickte.
Und noch bevor er den Jarl begrüßt hatte, sprach er einige Worte mit dem Priester von Sigurdswik, der Lukas hieß und irischer Herkunft war. Ihn hatte der Jarl vor vielen Sommern in den Sigurdfjord geholt, und entgegen erster Zweifel hatte sich Lukas dank der alten Jarlsgattin Astrid schnell heimisch gefühlt.
Nun, da die Männer gemeinsam an einem Tisch saßen, der Jarl sogar auf seinen eigentlichen Platz, den Hochstuhl, verzichtet hatte, begannen die Gespräche.
„Für einen gottesfürchtigen Mann gehst du doch recht unchristlich zu Werke“, bemerkte Thorkill Ormsson herausfordernd. Doch der junge Wikinger war nicht auf den Mund gefallen. „Auch ihr seid Christen und mehrt euren Reichtum durch Raub“, antwortete er spitz, und Thorkill schwieg.
Nun wandte sich Olaf seinem Gastgeber zu. „Darf ich dich bitten, mir von früheren Tagen zu berichten, Jarl Erik. Von meinem Oheim, den ich kennenzulernen noch zu jung war.“
Der Fjordjarl nickte, nahm einen tiefen Schluck aus seinem Becher und begann dann zu sprechen. „König Olaf war ein aufrichtiger und gottesfürchtiger Krieger. Ich zählte gerade fünfzehn Sommer, als ich mit meinem Vater Sigurd und meinem Bruder Bjarne im Heer des Königs viele Städte im Süden von der Knechtschaft der Dänen befreite“, sprach der Jarl mit geschwollener Brust. „Wir entrissen dem Sven Gabelbart die Macht, über Norwegen zu herrschen, und verbreiteten den Glauben an den Herrn Christus!“
Lange erzählte Erik von der Zeit im Gefolge des Königs, und bis tief in die Nacht sprachen die Männer und tranken Bier. Alle hingen gespannt an seinen Lippen, so auch seine Söhne Sigurd und Ari. Und als er endete, waren seine Sinne arg benebelt von den vielen Erinnerungen und dem süffigen Getränk. Voller Begeisterung und Dankbarkeit sprach Olaf Haraldsson:. „Heute Nacht habe ich viel über meinen Paten und Namensgeber erfahren.“ Langsam erhob er sich von seinem Platz. „Und ich bin nun überzeugt, dass es meine Bestimmung ist, das Werk König Olaf Tryggvessons zu beenden. Eines Tages werde ich die Heiden aus Norwegen vertreiben!“ Mit festem Blich sah er in die Runde.
„Als König werde ich die Gaue vereinen! So will es der Herr Jesus Christus!“
Nicht nur die Krieger des jungen Wikingers sahen sich erstaunt an, als Olaf neben den Priester trat. „Sage mir, Gottesmann, wärest du bereit, die Krieger in meinem Gefolge zu taufen? Es gibt einige, die den Segen des Herrn Christus noch nicht erhalten haben!“
„Dies wäre mir eine Freude, Olaf Haraldsson“, antwortete der Priester bereitwillig.
Orm beugte sich zu seinem Jarl und Waffenbruder herüber.
„Ich fürchte, das wird großen Ärger geben, und er wird uns in die Sache mit hineinziehen“, flüsterte der rothaarige Steuermann. Und noch bevor Erik antworten konnte, bestätigte sich die Vorahnung Orms.
Olaf wandte sich wieder dem Herrn des Fjordes zu. „Jarl Erik, ich bitte dich, mich bei der Bekehrung meiner Gefolgschaft zu unterstützen“, bat er eindringlich. „Du bist sicherlich ein gottesfürchtiger Mann, sonst hättest du nicht an der Seite meines Paten gekämpft. Meine Krieger sind harte und wilde Wikinger, doch einige sind noch fest im Glauben an die alten Götter.“ Er sah Erik fast entschuldigend an.
„Da du ein gläubiger Christ zu sein scheinst, nahm ich an, dass dein Gefolge deinen Glauben teilt.“ Erik war erstaunt und sah den Kriegern des jungen Wikingers in ihre Gesichter. Und nicht jeder hielt seinem Blick stand.
Da waren Männer, denen die Worte ihres Anführers ganz und gar nicht gefielen.
„Das sind deine Angelegenheiten, Olaf“, sprach der Jarl ernst. Einer der Männer, wohl der Stevenhauptmann des Wikingers, nickte zustimmend.
„Der Jarl hat recht, Olaf! Wie willst du dereinst König über dieses Land werden? Wie willst du das Volk bekehren, wenn du es nicht einmal bei deinen eigenen Leuten schaffst?“ Der Mann, der etwa gleichen Alters wie Erik Sigurdsson war, schien ein enger Vertrauter des jungen Oppländers zu sein.
Olaf Haraldsson schwieg einen Moment. „Du sprichst wie immer weise Worte, mein guter Thorger!“ Er wandte sich dem Jarl zu. „Verzeih mir meine Aufdringlichkeit, Jarl des Sigurdfjordes. Doch ich hoffe, wenn ich eines Tages mit der Hilfe des Herrn Jesus Christus nach der Krone greifen werde, wirst du als treuer Gefolgsmann an meiner Seite stehen. So, wie du es vor vielen Sommern bei meinem Oheim tatest!“
Nichts stand dem Tröndnerjarl ferner, als noch einmal einen Krieg für den Herrn Christus zu führen. So fest war er nicht mehr im Glauben. Zu groß war die Enttäuschung! Zu viele Schicksalsschläge, für die Erik dem Christengott die Schuld gab, denn vor allem der Verlust seines jungen Weibes Asa hatte ihn im Glauben wanken lassen. Narben auf seinem Körper heilten, aber die Wunde in seinem Herzen klaffte immer noch weit, obwohl viele Sommer vergangen waren und er bereits eine neue Familie gegründet hatte. Und das Heil des Herrn Jesus Christus war nicht viel größer als das irgendeines anderen Gottes. Davon war Erik nun überzeugt!
Einzig die Tatsache, dass der Tröndnerkönig Hakonsson die christliche Bevölkerung des Tröndelag immer wieder bedrohte, war es ihm wert, sein Schwert gegen den Herrscher zu erheben.
„Hast du meine Worte gehört?“, riss der Wikinger Olaf den Jarl aus seinen Gedanken.
„Der König des Tröndelag und auch der Dänenkönig Sven, der das Land am Nordweg in seinen Krallen hält, zählen nicht zu meinen Freunden“, antwortete der Sigurdsson geschickt und mit ernstem Blick, aber ohne ein Versprechen abzugeben.
Die Männer, die als Wikinger gekommen waren, hatten nun ihr Lager auf dem Strand aufgeschlagen. Und zur Verwunderung der Bewohner von Sigurdswik blieb es ruhig und friedlich. Der Anführer Olaf schien trotz seiner Jugend doch großen Einfluss auf die wilden Seekrieger in seinem Gefolge zu haben.
Auf einem Thing14, das die Männer abhielten, brachte der Häuptling sein Anliegen vor. Die bereits getauften Krieger, die in der Überzahl waren, versuchten die Anhänger Odins vom Glauben an den Herrn Jesus Christus zu überzeugen.
Nach der Drohung, keine ungetauften Krieger mehr in seinem Gefolge zu dulden und diese auch im Sigurdfjord zurückzulassen, zeigten sich alle bereit die Taufe anzunehmen. Sofort ließ Olaf den Priester Lukas rufen, und dieser tat, worum ihn der Anführer der Wikinger gebeten hatte.
Am nächsten Tag hielt der Priester in der kleinen Kirche des Dorfes für den jungen Seekrieger und die Täuflinge eine Messe ab, auf dass sie wahre Christenmenschen würden.
„Ich bin froh, Jarl Erik Sigurdsson, dass wir uns nicht als Feinde trennen“, sprach Olaf beim Abschied. „Der Herr Jesus Christus führte mich hierher, um mir die Augen zu öffnen. Dass ich erkenne, welchen Weg der einzige Gott für mich bestimmt hat.“ Er reichte dem Jarl freundschaftlich die Hand. „Ich werde nun meinen Reichtum mehren, sodass ich viele Krieger um mich sammeln kann. Hier im Tröndelag will ich mein Werk beginnen, so wie es Olaf Tryggvesson tat!“
„Ich wünsche dir, dass der Herr Christus dich mit viel Heil beschenkt, auf dass du deine Aufgabe erfüllen kannst“, sprach der Jarl freundlich, und Olaf Haraldsson lächelte.
„Dafür danke ich dir, Jarl! Und wenn ich zurückkehre um den Tröndnerkönig zu vertreiben, wirst du einer meiner Hauptleute werden.“
Noch am selben Tage stachen die Wikinger in See und segelten aus dem Fjord nach Süden.
*
3 Brimun – Bremen
4 Kirtel – Langärmelige Jacke, die meist bis zu den Knien reichte und von einem Gürtel zusammen gehalten wurde
5 Jarl – Adelstitel ( Graf oder Herzog ) im Englischen = Earl
6 Romaburg – Rom
7 Danelag – Gebiete Nord-und Südostenglands, von den Dänen besetzt und besiedelt
8 Asen – eines von zwei Göttergeschlechtern des nordischen Glaubens
9 Schnigge – Langschiff der Wikinger, hatte bis zu 40 Riemen
10 siehe Band 2 – Die Wölfe des Nordens
11 Met – ein starkes weinähnliches Getränk aus Honig, wurde kalt und warm getrunken
12 Haithabu ( auch Hedeby genannt ) – Handelsstadt an der Schlei, gegenüber dem heutigen Schleswig gelegen
13 siehe Band 2 – Die Wölfe des Nordens
14 Thing - Ratsversammlung der Nordmänner
Die beiden Schnellsegler fuhren bei schönstem Sonnenschein und einer leichten Brise die Küste Norwegens entlang nach Süden. Als sie den großen Trondheimfjord erreichten, nahmen sie Kurs nach Westen in die offene See. Die Drachenköpfe an den Vordersteven nickten gleichmäßig im Rhythmus der Wellen auf und ab.
Die salzigen Wogen klatschten gegen den Bug, und die Gischt spritzte hoch über die Reling der Schniggen in die Gesichter der Männer.
Nach drei Tagen erschallte der Ruf des Mannes, der als Ausguck auf der Rahe saß: „Land voraus!“ Dies mussten die Shetland-Inseln sein. Hier gingen sie an Land, um die Seetauglichkeit ihrer Schiffe zu prüfen.
Dicht hinter dem Strand, auf dem sie gelandet waren, erstreckte sich bis weit ins Innere der Insel eine grüne, hügelige Landschaft. Auf saftigen Wiesen weideten in der Ferne einige Schafe.
„Zur Begrüßung einen Hammelbraten! Das lass ich mir gefallen“, lachte Ullrik und lief den Hügel hinauf.
Ausgelassen wie kleine Kinder folgten ihm einige Männer.
„Wir sollten uns umsehen, vielleicht gibt es hier etwas zu holen“, schlug Ari voller Kampfeslust vor.
Doch der Jarl schüttelte den Kopf. „Du bist noch sehr unerfahren, mein Sohn“, rügte Erik den jungen Burschen.
„Also höre und lerne aus meinen Worten. Diese Inseln dienen uns als Anlaufstellen bei der Überfahrt nach Britannien. Wir sollten uns also mit den Jarlen dieser Inseln gut stellen!“
Nur wenige Schiffsführer wagten die direkte Überfahrt von Norwegen auf die Insel der Angelsachsen. Und so mancher hatte diesen kühnen Entschluss schon teuer bezahlen müssen. Die Inseln der Orkneys und der Shetlands waren häufig die letzte Rettung, wenn die Meeresgötter mit ihren Stürmen die nassen Klauen nach den Seefahrern ausstreckten. Daher waren Überfälle umherziehender Wikinger hier eher selten.
Vor fast zweihundert Sommern hatten norwegische Jarle die ansässigen Pikten vertrieben und die Inseln in ihren Besitz genommen. Und seit Olaf Tryggvesson gehörten die Inseln im Nordmeer zum Königreich Norwegen.
Auf den Shetlands herrschte Odalrecht, wonach die Höfe von einer Generation zur nächsten vererbt wurden. Doch mussten sich die Odalbauern immer wieder gegen die Jarle der Orkneys erwehren, um nicht in deren Herrschaft einverleibt zu werden. So war ihr Misstrauen groß, wenn fremde Schiffe an ihren Küsten landeten.
„Wir werden hier unser Lager errichten“, sprach Erik zu seinem Sohn. „Einige Tage wollen wir uns erholen und wieder zu Kräften kommen, bevor wir unsere Reise fortsetzen!“
Er wandte sich von dem Burschen ab, denn die Männer, die dem Sachsen auf den Hügel hinauf gefolgt waren, kamen grölend an den Strand zurück. Zwei von ihnen trugen einen toten Hammel, den sie schon auf der Wiese ausgeweidet hatten. Es dauerte nicht lange, und das Tier drehte sich über der Flamme eines Feuers. Der Braten verströmte einen köstlichen Duft in dem Lager, und den hungrigen Seefahrern, die seit Tagen nur Grütze zu essen bekommen hatten, lief das Wasser im Munde zusammen.
Doch ein einziger Hammel war für eine Horde von gut sechzig Wikingern bei weitem zu wenig. Also bedienten sie sich aufs Neue. Solange, bis ihr Hunger gestillt war und von der kleinen Herde kaum die Hälfte übrig geblieben war.
Ein schöner Sommertag neigte sich dem Ende zu. Die Sonne senkte sich dem Horizont entgegen, und die Krieger Jarl Eriks saßen an den Feuern und labten sich an dem gestohlenen Fleisch. Da erschienen im Schein der sinkenden Sonne einige Männer auf dem Kamm des Hügels.
Zuerst hatten die Wikinger die Fremden gar nicht bemerkt.
Erst als sich mehr und mehr Männer auf der Anhöhe sammelten, wurden die Seefahrer auf sie aufmerksam.
Zielstrebig marschierten die Fremden nun auf das Lager der Norweger zu, und so kam auch Bewegung in die Krieger des Fjordjarls. Ohne zu zögern stellten sie sich den Ankommenden entgegen. Doch auf Geheiß Jarl Eriks blieben die Schwerter noch im Wehrgehäng stecken.
Kaum im Lager der Wikinger angekommen, begann einer der Männer die Seefahrer auf das Gröbste zu beschimpfen.
Er überzog die Norweger mit Flüchen und Beleidigungen, und erst als der Anführer der Gruppe vortrat und das Wort ergriff, schwieg der Mann.
„Ich bin der Jarl, auf dessen Land ihr steht“, sprach er drohend. „Man nennt mich Thorstein! Dieser Bauer beschuldigt euch, sein Vieh gestohlen zu haben.“ Sein Blick fiel auf die abgenagten Knochen, die neben den Feuerstellen lagen. „Und wie ich sehe, spricht er die Wahrheit!“
Jarl Erik stellte sich dem Mann gegenüber und nannte nun auch seinen Namen. „Wir sind nicht auf Raub aus, Jarl Thorstein! Uns trieb der Hunger. Daher bin ich bereit, für das Vieh zu zahlen. Zumal es köstlich war!“
Auf vielen Gesichtern im Gefolge des Erik Sigurdsson machte sich ein sattes und zufriedenes Grinsen breit.
Plötzlich trat ein Mann aus der Gruppe der Inselbewohner hervor. Es war ein groß gewachsener, breitschultriger Hüne.
Der Mann trug die Kutte eines christlichen Priesters, sein linkes Auge verdeckte eine lederne Klappe, und die Wange zierte eine hässliche Narbe.
„Sei mir gegrüßt, Erik Sigurdsson!“
Die ruhige, tiefe Stimme des Priesters ließ den Fjordjarl aufhorchen. Er sah den Hünen im Priestergewand erstaunt an.
„Ivar Guthrumsson?“, fragte er ungläubig und große Freude überkam ihn. Mit der flachen Hand schlug er Orm, der an seiner Seite stand, auf die Schulter. „Das ist Ivar!“
Der Gottesmann trat auf den Jarl zu und streckte Erik die Hand zur Begrüßung entgegen. Und der Norweger tat nichts lieber, als diese zu ergreifen.
„Wie ich sehe, kennst du diesen Mann, ehrwürdiger Priester“, bemerkte der Jarl der Shetländer.
„Ja, das tue ich schon seit vielen Sommern, Thorstein“, sprach der einäugige Hüne und nickte. Das Gesicht des Inseljarls erhellte sich, denn auf einen Kampf mit den Fremden konnte auch er gut verzichten. Nachdem Jarl Erik dem Bauern eine gute Summe für seine Schafe gezahlt hatte, war der Streit beigelegt, und die Shetländer zogen sich zurück. Der Priester Ivar jedoch blieb im Lager der Norweger. Es gab viel zu berichten.
Nun, da die Verhandlungen beendet waren, begrüßte auch Orm den Isländer voller Wiedersehensfreude. Den Männern, die den Einäugigen nicht kannten, stellte Erik den Priester als Gesippen seines Waffenbruders Leif Guthrumsson vor.
Gemeinsam mit Leif und Erik hatte der hünenhafte Isländer für König Olaf Tryggvesson gekämpft. Das war natürlich, bevor Ivar das Gewand des Priesters übergezogen hatte, um auf Island den Glauben an den Herrn Jesus Christus zu verkünden.
Gemeinsam mit Ivars Bruder Leif hatte Jarl Erik schon viele Schlachten geschlagen, und die beiden Männer, den weißblonden Isländer und den Norweger Erik, verband in der Tat mehr als eine Freundschaft. Doch seit mehr als zwei Sommer hatte er Leif schon nicht mehr gesehen.
Immer, wenn Erik auf Island weilte, um seinen Geschäften nachzugehen, war der Weißblonde auf Raubfahrt.
Umso mehr freute es den Jarl und viele Männer in seinem Gefolge, den Priester mit der Augenklappe einmal wiederzusehen.
„Was in aller Welt verschlägt dich auf diese einsame Insel?“, fragte Erik neugierig, nachdem die Männer an einem der Lagerfeuer Platz genommen hatten. Er bot dem Gottesmann von dem nun ehrlich erworbenen Fleisch an, und dieser griff grinsend zu. „Du kannst es beruhigt essen.
Es ist bezahlt!“, feixte Orm frech.
„Ich vermutete dich als Bischof auf Island“, sprach nun Erik zu dem einstigen Steuermann. „In der großen Kirche von Reykjavik!“
Der Priester schüttelte den Kopf, denn er konnte nicht gleich antworten, da ihm ein großes Stück Fleisch das Sprechen erschwerte. „Ich will den Menschen den wahren Glauben bringen und so führte mich der Herr Jesus Christus hierher!
Dein Weg Erik mein Freund, führt dich wohl nach Britannien, so vermute ich“, fuhr er fort. „Du wirst aber verstehen, Erik, dass ich eure Raubfahrt für wenig christlich halte. Noch dazu sind die Angelsachsen unsere Glaubensbrüder! Wenn ich mich recht entsinne, bist du doch von Kindesbeinen an ein getaufter Christ.“
Erik fühlte sich plötzlich unbehaglich, denn er wusste ja, dass die Worte des Priesters der Wahrheit entsprachen.
Zwar hatten den Jarl viele harte Schicksalsschläge in seinem Glauben erschüttert, doch beschenkte ihn der Herr Christus auch mit viel Heil. Sein Kriegsglück war groß, und sein Reichtum mehrte sich stetig. Erik wurde dieses Gespräch sichtlich unangenehm.
„Eines solltest du noch wissen, Jarl“, riss der Priester den Anführer aus seinen Gedanken. „Die Insel der Angelsachsen steht nun gänzlich unter dem Befehl des Gabelbart!“
Da sah der Fjordjarl den Priester erstaunt an.
„Das wusstest du nicht? Der Däne hat König Ethelred aus seiner Herrschaft vertrieben“, sprach dieser mit vollem Mund. Dies waren keine guten Nachrichten für die wenigen Gottesfürchtigen im Norden von Norwegen, denn bisher hatte ein Befehl des Gabelbart den Tröndnerkönig Hakonsson von Übergriffen gegen die christlichen Tröndner abgehalten. Würde sich Jarl Erik nun aber offen gegen den Dänenkönig stellen, in dem er angelsächsische Gebiete überfiel, könnte dies den Hakonsson ermutigen, den Fjordgau im Norden heimzusuchen, um sich beim Dänen Liebkind zu machen. Dies waren keine guten Vorzeichen für eine Wikingfahrt.
„Sage mir, Ivar“, meldete sich nun Orm zu Wort. „Wie geht es deinem Bruder Leif? Seit zwei Sommern haben wir nichts mehr von ihm gehört!“
Diesmal staunte der Priester. „Ihr wisst es nicht?“
„Was wissen wir nicht?“, fragte Orm, und Erik hatte die böse Vorahnung, nun noch schlechtere Nachrichten hören zu müssen.
„Leif ist von einer Raubfahrt nicht mehr heimgekehrt!“