Die Zitronenstadt Menton
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»Von Zeit zu Zeit muß man sich mal vom Nichtstun erholen.«
Jean Cocteau (1889–1963)
Französischer Universalkünstler
und Liebhaber der Côte d’Azur
Fischer-Idyll am Cap d’Antibes
Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen
Willkommen an der Côte d’Azur
OSTKÜSTE UND ALPES MARITIMES
1 Menton
2 Roquebrune-Cap-Martin
3 Èze
4 Cap-Ferrat und Beaulieu-sur-Mer
5 Villefranche-sur-Mer
6 Nizza – ein Rundgang
7 Nizzas Anziehungskraft
8 Antibes und Juan-les-Pins
9 Cannes
10 Îles de Lérins
11 Le Cannet
12 Mandelieu und Théoule
HINTERLAND DER ALPES MARITIMES
13 Sospel
14 Villages Perchés
15 Vence
16 Saint-Paul-de-Vence
17 Tourrettes-sur-Loup
18 Gourdon und Umgebung
19 Grasse
20 Cabris
21 Biot und Vallauris
22 Mougins
23 Der Pinienzapfenzug
MONACO UND MONTE CARLO
24 Monaco gestern und heute
25 Le Château
26 Rundgang durch Monaco
27 Die Spielplätze der High Society
28 Monacos Umgebung
DAS VERDON-GEBIET
29 Lac de Sainte-Croix
30 Les Gorges du Verdon
31 Riez
32 Moustiers-Sainte-Marie
33 Castellane
34 Lac de Castillon
WESTKÜSTE UND DAS VAR
35 Massif de l’Estérel
36 Agay und die Estérel-Küste
37 Saint-Raphaël/Fréjus
38 Die Bucht von Saint-Tropez
39 Halbinsel von Saint-Tropez
40 Le Rayol-Canadel
41 Cavalière und Cap Nègre
42 Bormes-les-Mimosas
43 Le Lavandou und Cap Bénat
44 Hyères und Halbinsel Giens
45 Îles d‘Hyères
DAS HINTERLAND DES VAR
46 Pays de Fayence
47 Roquebrune-sur-Argens
48 Les Arcs-sur-Argens
49 Lorgues
50 Collobrières
REISEINFOS
Côte d’Azur von A bis Z
Kalender
Kleiner Sprachführer
Register
Impressum
MEHR WISSEN
Wunderbare Düfte Parfum für alle
Oldtimer – Grand Prix de Monaco Historique
Gelbe Pracht – die eingewanderte Mimose
MEHR ERLEBEN
Jachthäfen Maritime Idylle
Kulinarik – Küche und Wein
Die Côte d’Azur für Kinder und Familien
Roquebrune-sur-Argens im Hinterland des Var
Betörende Düfte kann man vor allem in der Parfumstadt Grasse erleben.
Im alten Hafen von Nizza dümpeln noch Fischerboote im Wasser.
Duftender Käse aus der Region
Blick vom Schloss in Èze
Viel Flair in den pittoresken Altstadtgassen
Verträumtes Roquebrune (S. 34)
Im direkten Umfeld des mondänen Monaco ist Roquebrune der Ruhepol, der einen die schöne, aber in der Hochsaison hektische Küste schnell vergessen ließe, hätte man von hier nicht diesen traumhaften Blick darauf. Das entspannte Flair in dem romantischen Bergdorf ist fantastisch, und nachdem die Tagesbesucher die Heimreise angetreten haben, wird’s am Abend richtig verträumt.
Sentier Tirepoil (S. 79)
Aufwendig ausgebaut und dennoch harmonisch in die wilden Klippen integriert, führt dieser herrliche Spazierweg unterhalb der Milliardärsvillen um den südöstlichen Teil des Cap d‘Antibes. Anderthalb Stunden Natur pur verwöhnen die Sinne und das anschließende Mittagessen an der Plage Keller den Gaumen.
Künstlerrefugium Saint-Paul-de-Vence (S. 112)
Wenn man einen Bilderbuchort im Hinterland der Côte d’Azur sucht, ist er hier. Obwohl er aufgrund seiner Attraktivität zeitweise großen Zulauf hat, ist Saint-Paul-de-Vence immer einen Besuch wert. Die kulturelle Vergangenheit und Gegenwart sowie der Ort als Gesamtkunstwerk faszinieren. Kein Wunder, dass sich auch heute noch wahre Künstler und Lebenskünstler gern hier ansiedeln, wenn es das Budget erlaubt.
Mougins ist für seine schönen Kunstgalerien bekannt.
Mougins (S. 140)
Picasso hat hier lange gelebt – und der hatte ja bekanntlich einen gewissen Anspruch. Die kleinen Gassen der Altstadt strahlen Gelassenheit und Ruhe aus, die hier ansässigen Kunstgalerien gleichzeitig Boheme und Niveau. Für Gourmets ist Mougins ein Eldorado, und das sprudelnde Cannes liegt auch nur einen Steinwurf entfernt.
Lac de Sainte-Croix (S. 180)
Der im Norden des Départements Var gelegene See mit seinen benachbarten Verdon-Schluchten hat eigentlich nichts mehr mit der Côte d’Azur zu tun. Es wäre aber zu schade, der unvergleichbaren Naturschönheit keinen Abstecher zu widmen, denn die überwältigenden Eindrücke bleiben lange haften.
Moustiers-Sainte-Marie (S. 196)
Nach dem Lac de Sainte-Croix gibt es ganz in der Nähe noch einen Augenschmaus der anderen Art: Das aktive und trotzdem romantische Bergdorf Moustiers Sainte-Marie vermittelt Wohlfühlatmosphäre und dem Liebhaber edler Fayence-Keramik eine unerschöpfliche Auswahl. Natürlich muss man auch hier seine Begeisterung in der Saison mit vielen anderen Besuchern teilen.
Agay (S. 212)
Fern vom mondänen Trubel der High-Society-Plätze glänzt dieser kleine Badeort mit Natur pur. Zwischen Cannes und Saint-Tropez inmitten unzähliger kleiner Buchten liegt er verträumt am Fuße des Estérel-Massivs und ist ein Paradies für Camper und naturverbundene Urlauber, die gern übers Sonnenbaden hinaus aktiv sind. Windsurfen, Tauchen, Fahrradfahren … es gibt viele Möglichkeiten, sich zu betätigen.
Saint-Tropez (S. 220)
Man kann nicht die Côte d’Azur besuchen, ohne in Saint-Tropez gewesen zu sein. Der Mythos wirkt wie ein Magnet und die Kulisse wie eine zum Leben erweckte Postkarte. Nirgends sind die Strände länger und die Promis schriller. Die Kombination aus Robinson-Crusoe-Landschaften und jedem erdenklichen Luxus macht es aus. Ein passendes Taschengeld sollte man aber schon im Portemonnaie haben. Wer es etwas zurückgezogener mag, besucht Ramatuelle und Gassin.
Le Rayol (S. 232)
An den wildromantischen Hängen dieses unscheinbaren Küstenörtchens residiert seit eh und je eine Understatement liebende, betuchte Pariser Gesellschaft in ihren Sommervillen. Der verträumte Strand ist ideal zum Entspannen. Wer keinen Laufsteg der Eitelkeiten sucht, ist hier richtig. Wer doch, hat Saint-Tropez vor der Tür.
Île de Porquerolles (S. 244)
Das Naturparadies vor der Küste von Hyères lohnt mehr als nur einen Tagesbesuch. Denn wenn abends die Fähre die letzten Ausflügler wieder zum Festland gebracht hat, kann man hier das entspannte Inselleben in vollen Zügen genießen. Man fühlt sich dann wie auf einer Südseeinsel. Es erwarten einen fruchtige Weine und legendäre Badestrände.
Türkisfarbener Augenschmaus am Lac de Sainte-Croix
Als der französische Dichter Stéphen Liégeard 1887 ein Buch mit dem Titel La Côte d’Azur veröffentlichte, ahnte niemand, dass er damit der ganzen Region einen neuen, unverwechselbaren Namen bescherte, der Begierden weckt. Der 200 Kilometer lange Küstenstreifen zwischen Menton und Hyères, den Liégeard in seinem Werk als »azurblaue Küste« titulierte, hieß bis dahin »Französische Riviera«, wie sie übrigens im englischsprachigen Raum immer noch genannt wird. Heute ist die Bezeichnung »Côte d’Azur« nicht bloß der Name einer Region, sondern ein touristisches Markenzeichen und beschreibt ein Paradies für Genießer.
Die Côte d’Azur empfängt den Besucher zu einer emotionsreichen Entdeckungsreise, wie sie vielfältiger nicht sein könnte: Man besucht Metropolen des Luxus, einsame Felsendörfer, duftende Gärten und sonnendurchflutete Weinberge, idyllische Buchten, lauschige Gassen sowie quirlige Häfen. Die azurblaue Küste mit unzähligen Stränden, Jachthäfen und über 30 Badeorten fasziniert Besucher mit ihrer ganzen Pracht. Bereits der Anflug über die verschneiten Alpen und kurz darauf über das tiefblaue Meer lassen das Herz höherschlagen.
Im alten Hafen von Saint-Tropez geben sich die Schönen und Reichen ein Stelldichein.
Das Meer ist klar und blau und übt naturgemäß eine hohe Anziehungskraft aus. Doch mit dem Badevergnügen an den Stränden sind keineswegs die Attraktionen der Region erschöpft. Lebhafte Städte, geschichtsträchtige Dörfer, grandiose Landschaften mit über 2000 Meter hohen Bergen und einsamen Schluchten bilden ein verlockendes Kontrastprogramm.
Auch die Struktur der Bewohner und Besucher könnte mannigfaltiger nicht sein. Gegensätze wie die Millionärsvilla neben dem Campingplatz, die Jugendherberge neben dem Palasthotel, Optimistenjollen der kleinen Einsteiger neben Megajachten von großen Aussteigern findet man überall.
Das romantische Hinterland hat so viel zu bieten wie in wohl keiner anderen Küstenregion. Rund eine Stunde vom Meer entfernt – abseits der touristischen Zentren – vermitteln 6000 Kilometer Wanderwege Ruhe und Entspannung. Mountainbiker können sich auf 65 interessante und abwechslungsreiche Strecken freuen, 30 Kletterwände locken in luftigen Höhen, und für die Anhänger des Wildwassersports stehen 325 Kilometer Flüsse zur Verfügung. Nicht weniger als 70 Canyons ermöglichen atemberaubende Ansichten und Ausblicke, und der Nationalpark Mercantour ist mit seinen sechs malerischen Tälern ebenfalls einen Besuch wert. 200 verschiedene Orte für Höhlenforschung gestatten unterirdische Entdeckungsreisen. Und wer lieber im Winter an die Côte d’Azur reisen möchte, darf sich in den Alpes Maritimes auf drei international bekannte Wintersportorte (Valberg, Auron und Isola 2000) plus zwölf kleine, familiäre Stationen freuen. Ihr großer Trumpf: Schnee und Sonne sind garantiert und sie sind nur etwa anderthalb Stunden von der Küste entfernt. Der Kontrast zwischen Bergen und Meer lässt sich herrlich auskosten: Vormittags geht man auf 2000 Metern Höhe Ski fahren, nachmittags setzt man sich auf die Terrasse an der Promenade des Anglais, um einen Pastis zu genießen, und abends feiert man Karneval in Nizza oder nimmt am Zitronenfest in Menton teil. Das milde Mittelmeerklima und die Sonne schmeicheln Millionen von Touristen ebenso wie den sensiblen Nasen, die in Grasse, der Hauptstadt des Parfums, eine jahrhundertealte Tradition pflegen.
Wohnen mit Meerblick in Menton
Mediterrane Pflanzenpracht
Es gibt wohl kaum einen Landstrich in Europa, der sich in den letzten 150 Jahren so oft und so schnell gewandelt hat. Lange Zeit war die Region Durchgangsstation auf dem Weg nach Norden oder Süden. Am Meer lebten arme Fischer, im Hinterland arme Bauern. So haben auch nur wenige architektonische Glanzlichter überlebt. Sicher, es gibt Spuren der Römerzeit, z. B. im Domviertel von Fréjus und das Siegesdenkmal von Kaiser Augustus in La Turbie. Auch fehlt es nicht an architektonischen Zeugen der Barockzeit, z. B. in der Grafschaft Nizza, die erst seit 1870 zu Frankreich gehört. Glücklicherweise haben die Felsendörfer im Hinterland ihr mittelalterliches Ambiente bewahrt. Doch Fakt ist: Die Côte d’Azur ist und bleibt Objekt der modernen Freizeitgesellschaft.
Die vom Wetter nicht gerade verwöhnten Engländer entdeckten Mitte des 19. Jahrhunderts das milde Klima am Mittelmeer für sich. Cannes, Nizza, Menton und Hyères waren die ersten internationalen Fremdenverkehrsorte. Europäische Aristokraten kehrten den kalten und tristen Wintern den Rücken. Die Adligen verwirklichten an der Côte d’Azur ihre tollkühnsten Träume und sorgten dafür, dass sich die Region in einen kunstvollen Garten Eden verwandelte. Kopfschüttelnd sahen die Einheimischen zu, wie der Pariser Botaniker Gustave Adolphe Thuret 1857 auf dem Cap d’Antibes Palmen, Zypressen, Kakteen und Eukalyptusbäume anpflanzte.
Heute gehören die exotischen Bäume ebenso zur azurblauen Küste wie das Meer. Die Farbenvielfalt – das Purpur der Bougainvillea, das Feuer des wolligen Schneeballs, das intensive Blau der Prunkwinden und die leuchtenden Orangen- und Zitronenbäume – kann man einerseits in den öffentlichen Anlagen bewundern, andererseits in vielen privaten Gärten, die von ihren Eigentümern für andere Gartenfreunde geöffnet wurden. Solche Kleinode findet man z. B. in Menton, Grasse, Èze und Roure, einem Dorf in 1100 Metern Höhe. Ein mittelalterlicher Garten thront in Sainte-Agnès auf einem Felsvorsprung 800 Meter über dem Meeresspiegel und bietet neben den zierlichen Gartenbeeten ein einzigartiges Panorama. Der Garten der Tugenden, der Genüsse und Laster versetzt den Besucher in eine Zeit zurück, als Burgfräulein den Weisen der Troubadoure lauschten.
Die verschwenderische Pracht der Flora findet ihr Pendant in der Architektur. Die Reichen der Welt bauten ihre Paläste ohne Rücksicht auf historisch gewachsene Stadtbilder. Das vom Pariser Architekten Charles Garnier entworfene Spielcasino von Monte Carlo, die gigantischen Fassaden der Luxushotels in Nizza oder Cannes, der Nachbau der antiken griechischen Villa Kérylos in Beaulieu-sur-Mer oder das schlichte Bauhaus-Gebäude der Familie de Noailles in Hyères sind ein paar Beispiele für die neuen Wahrzeichen. Zum Markenzeichen wurde die Côte d’Azur während der Belle Époque zu Beginn des 20. Jahrhunderts – im Winter. Erst 1931 öffneten einige Hoteliers ihre Häuser auch im Sommer, jener Jahreszeit, die den alten Aristokraten zu heiß gewesen war.
Avantgardistische Architektur in Théoule
Heute lebt die Côte d’Azur in erster Linie vom Sommertourismus. In den Hauptmonaten Juli und August herrscht vielerorts Ausnahmezustand. Alles ist überfüllt, die Preise steigen mit den Temperaturen, Parkplätze am Meer sind rar. Vor allem an den berühmten Stränden rund um Saint-Tropez. Schon Ende des 19. Jahrhunderts zog das damalige Fischerdorf impressionistische Maler wie Paul Signac und Henri Matisse magisch an. Nach 1950 hat sich Saint Trop’, wie der Ort unter seinen Stammgästen gern genannt wird, zum Inbegriff des internationalen Jetsets entwickelt. Filmstars wie Brigitte Bardot und Roger Vadim, Playboys wie Gunter Sachs und Schlagerstars wie Johnny Hallyday waren Schrittmacher dieser Entwicklung. Die Stars und Sternchen zeigten an den Stränden von Tahiti und Pampelonne viel nackte Haut und lockten damit die Regenbogenpresse an, die auf immer neue Skandale hoffte.
Die Blechlawinen, die im Sommer die Strecke rund um den Golf zur Tortur machen, haben die Verantwortlichen nun doch zum Nachdenken veranlasst. Gerade die Region um Saint-Tropez steht heute als Symbol für neue Entwicklungen: Weg vom Massentourismus, Schutz von Küstenstreifen und Natur sowie drastisch verschärfte Bauvorschriften sind Ansätze, um die Schönheit der Landschaft für die Zukunft zu bewahren. Denn es gibt sie nach wie vor, die stillen und einsamen Buchten zum Baden und Schnorcheln, auch mitten in der Hochsaison. Ähnlich umweltbewusst gibt man sich in Monaco, wo neben Luxuskarossen auch dort entwickelte Elektroautos durch die Gegend fahren.
Wohnen im Gebirge und am Meer – das Massif de l’Estérel macht es möglich.
Der Grund dafür liegt bei Fürst Albert II. Der »grüne Fürst«, wie er mittlerweile genannt wird, sorgte mit seinem Amtsantritt 2005 für frischen Wind im Fürstentum, denn dank seines Engagements stieg die monegassische Regierung auf Hybrid- und Elektroautos als Dienstwagen um. Und auch sonst geht das Staatsoberhaupt Monacos in Umweltdingen mit gutem Beispiel voran. In seiner ersten Amtshandlung unterzeichnete er das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung klimaschädigender Treibhausgase. Außerdem kämpft der Monarch auch mit vollem Körpereinsatz für die Umwelt. Mit der Teilnahme an einer Nordpolexpedition machte er beispielsweise auf die Gefahr der Erderwärmung in der Arktisregion aufmerksam und gründete 2006 die Fondation Prince Albert II de Monaco, die verschiedene Umweltprojekte unterstützt. Mit großem Erfolg: Sein Einsatz wurde 2008 mit dem Umweltpreis Champions of Earth Award belohnt. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Zwergenstaat durch immer neue Bauprojekte aus allen Nähten platzt. Die Verkehrssituation eskaliert trotz der permanenten Erweiterung des Tunnelsystems langsam aber sicher zur Katastrophe.
Als Region voller Mythen übt die Côte d’Azur einen unwiderstehlichen Reiz auf Künstler, Kunstschaffende und Kreative aus. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden Maler, Bildhauer, Architekten, Komödianten, Tänzer, Modedesigner und Musiker magisch angezogen, z. B. Picasso, Renoir, Matisse, Cocteau, Léger, Maupassant, Nietzsche, Eiffel, Garnier, le Corbusier, Coco Chanel und viele andere. Alle haben ihre Spuren an der azurblauen Küste hinterlassen. Zahlreiche Museen berühmter Impressionisten und Expressionisten säumen die Küste von Menton bis Hyères. So wie die alten Meister lassen sich auch heute wieder viele Künstler, Designer und Schauspieler inspirieren: von der Landschaft, dem Licht, der verschwenderischen Natur, der Weite des Meeres und den Düften. Glücklicherweise können nicht nur einige wenige Privilegierte das Kunstwerk Côte d’Azur erleben. Jedem Besucher öffnet sich ein breit gefächertes kulturelles Angebot: Oper, Theater und Konzert sowie geballte Kunst in unzähligen Kunstgalerien und über 100 Museen vieler berühmter Impressionisten und Expressionisten, die die Küste von Menton bis Hyères säumen – darunter drei nationale Einrichtungen: Fernand Léger in Biot, Message Biblique Marc Chagall in Nizza und Picassos La Guerre et la Paix (»Krieg und Frieden«) in Vallauris.
Futuristische Kunst vor dem Museum of Modern and Contemporary Art in Nizza
Menschen mit Behinderung haben es oft schwer, einen geeigneten Ort für Urlaub und Erholung zu finden. Dank der Initiative des regionalen Tourismusamts Riviera Côte d’Azur wurde diesem Thema hohe Priorität eingeräumt. Dazu entwickelten die Tourismusexperten ein spezielles Label, das die vier hauptsächlichen Behinderungen (Seh- und Hörbehinderung sowie motorische und geistige Behinderung) berücksichtigt. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, welche von der Wichtigkeit dieses Projekts überzeugt sind, beginnt bereits bei der Planung behindertengerechter Infrastruktur. Bis dato bieten mehr als 70 Einrichtungen (darunter etwa 40 Hotels und Pensionen, elf Sehenswürdigkeiten und fünf Strände, sogenannte Handiplages) mit diesem Label dem behinderten Gast ein Minimum an Autonomie.
Der Markenname eines der renommiertesten Automobilhersteller der Welt wurde an der Côte d’Azur erfunden. Der in Nizza lebende Kaufmann Emil Jellinek (1853–1918) suchte ein Pseudonym für seine Fahrzeuge, um damit an den ersten Autorennen teilzunehmen. Und so benannte er die Rennwagen, die schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Bergstraßen der südfranzösischen Küste donnerten, nach seiner Tochter Mercedes. Die Tradition der Rennen entlang der Küste setzt die 1911 erstmals ausgerichtete Rallye Monte Carlo fort, während auf dem Stadtkurs von Monaco seit 1929 immer im Mai die besten Formel-1- Piloten an den Start gehen.
Ebenfalls im Mai wird der rote Teppich ausgerollt: Anlass ist das wichtigste Filmfestival Europas, die Filmfestspiele von Cannes. Die »Goldene Palme«, seit 1946 an der Croisette verliehen, verschafft Stars und Sternchen aus der ganzen Welt ein großes Rendezvous. Ein paar Monate früher treiben die Bewohner der Côte d’Azur den Winter mit reichlich Blüten aus. Fast drei Wochen lang feiern Menton und Nizza im Februar den Karneval und den Frühlingsbeginn im Zeichen von Zitronen, Orangen und Tausenden von Blüten. In Mandelieu-la-Napoule und Bormes-les-Mimosas dominiert hingegen das satte Gelb der Mimosen, doch am Ende bildet überall der Blumenkorso, der Festumzug mit reich dekorierten Wagen, den Höhepunkt der Festivitäten.
An der Côte d’Azur findet man 23 Golfclubs, die das ganze Jahr geöffnet sind. Doch nicht allein die Zahl der Golfplätze, sondern auch deren Qualität ist ganz ohne Zweifel beneidenswert. Im Jahr 2010 zeichnete die Internationale Vereinigung der Golf-Reiseveranstalter (IAGTO) die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mit der Trophäe für die beste Golfdestination Europas aus. Von Nizza, Monaco, Mandelieu-la-Napoule oder Cannes, wo immer man sich befindet, es dauert nicht länger als eine halbe Stunde bis zum nächsten Golfplatz. Alle sind in besonders reizvolle Landschaften eingebettet und bieten perfekte Voraussetzungen für attraktiven Golfsport. Da die Plätze von bekannten Architekten wie Robert Trent Jones (1906–2000), Donald Leslie Harradine (1911–1996) oder Robert von Hagge (1927–2010) konzipiert wurden, kann es durchaus passieren, dass einem auf einer Runde ein berühmter Golfprofi begegnet.
Bei den Filmfestspielen herrscht in Cannes Ausnahmezustand.
Luxusprodukte finden an der Côte d’Azur viele betuchte Abnehmer.
Keine Frage: Natürlich ist die Côte d’Azur ein Einkaufsparadies! Der Hauch von Luxus, der seit mehr als einem Jahrhundert durch die Städte und Dörfer weht, ist weltweit bekannt. Kein Wunder also, dass alle internationalen Nobelmarken in den Boutiquen vertreten sind. Luxusshopping ist fast schon Pflicht in Saint-Tropez, Cannes, Nizza oder Monaco, wo die größten Modeschöpfer Dependancen errichtet haben. Im Stadtzentrum von Nizza spricht man sogar von einem Goldenen Dreieck zwischen Rue Paradis, Avenue de Suède und Avenue de Verdun. Und auch auf der Croisette in Cannes haben sich in den letzten Jahren die internationalen Designer niedergelassen. Neben exklusiver Mode, Parfum und Schmuck bietet die Region auch bodenständiges Kunsthandwerk. Das berühmte Glas mit den Luftblasen wird aus Biot in viele Länder der Erde exportiert, und auch die außergewöhnlich schönen Töpferwaren aus Vallauris genossen lange Weltruf, bis sie Fernostimporten zum Opfer fielen. 20 Fayence-Werkstätten in Moustiers-Sainte-Marie am Ausgang der Verdon-Schlucht pflegen eine alte Tradition mit beeindruckender Perfektion, und die Keramiker von Salernes sind gefragt, wenn es um Fliesen oder Dekoration für Bad und Küche geht. In einem Land, wo Orangen und Zitronen blühen, gibt es auch Rohstoffe für die besten Süßigkeiten im Überfluss. Hausgemachte Konfitüren, kandierte Früchte oder Veilchenblüten im Zuckermantel sind ein Muss und ein beliebtes Souvenir für daheim.
Lage: Das Gebiet der Côte d’Azur liegt im Süden von Frankreich und wird durch die Seealpen im Nordosten, das Mittelmeer im Süden und Südosten sowie im Küstenhinterland durch das Massif des Maures und das Massif de l’Estérel begrenzt. Im Osten fallen die Alpen bei Monaco und Menton steil ins Meer und grenzen die Côte d’Azur von der Italienischen Riviera (Ligurien) ab. Im Westen reicht die Côte d’Azur bis Toulon. Im Norden grenzt sie an die Region Rhône-Alpes.
Fläche: 31 400 km2
Küstenlänge: 200 km
Einwohner: 2,1 Mio. Einwohner
Hauptstadt: Nizza für das Département Alpes-Maritimes und Toulon für das Département Var
Amtssprache: Französisch
Währung: Euro
Flagge: |
Geografie: Charakteristisch für die westliche Côte d’Azur sind die roten Felsen der Küste, die sich vom Estérel-Gebirge bis zur Abgrenzung durch die Calanques ausstrecken. Kalkgestein des Tertiär bildet die östlichere Steilküste, die sich durch Kaps und Buchten auszeichnet.
Bevölkerung: So unterschiedlich die Landschaft der Region ist, so verschieden ist die Mentalität der Menschen. Auch Einkommen und soziale Struktur variieren stark. Es ist ein Nebeneinander von armen Berggegenden und wohlhabenden Küstenregionen.
Religion: römisch-katholisch (Hauptteil), muslimisch (weit weniger)
Politik und Verwaltung: Die Côte d’Azur gehört zur Region Provene-Alpes-Côte d’Azur. Diese besteht aus sechs Départements und deren Präfekturen: Alpes-Maritimes/Nizza, Var/Toulon, Alpes-de-Haute-Provence/Digne, Bouches-du-Rhone/ Marseille, Vaucluse/Avignon, Hautes-Alpes/Gap. Viele der kleinen Ortschaften zeichnen sich durch einen dörflichen Charakter aus und haben nicht mehr als 2000 bis 6000 Einwohner.
Wirtschaft: Die Landwirtschaft ist wichtiger Arbeitgeber und ernährt die Bevölkerung durch den Anbau von Obst, Gemüse, Wein, Oliven, Lavendel (Parfumindustrie). Die Industrie ist darüber hinaus ein wichtiges Standbein, besonders in den städtischen Zentren. Hier befinden sich folgende Industrieschwerpunkte: Hochtechnologien, Flugzeugbau, Mikroelektronik, Biomedizin, Krebsforschung und Immunologie, Universitätslabors, Parfum (Lavendel) etc.
Tourismus: Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte der Massentourismus ein. Hauptanlaufziele der Region sind Saint-Tropez, Nizza, Cannes, Menton, Monte Carlo und Antibes/Juan-les-Pins.
1000 000 v. Chr. entsteht die Grotte von Vallonnet in Roquebrune. Sie ist damit die älteste prähistorische Wohnstätte Europas.
400 000 v. Chr. errichten die Menschen der Grotte von Terra Amata die ersten Siedlungen an der Küste von Nizza. Funde belegen, dass sie dort als Jäger lebten.
30 000 v. Chr. leben die Cro-Magnon-Menschen im Gebiet der Riviera-Küste, was Knochenfunde in der Grimaldi-Grotte beweisen. Bewohnt wird die Küste bis hinein nach Italien von dem vorindogermanischen Volk der Ligurer, das vom Handel lebt.
3000 v. Chr. Erste Besiedlung von Monaco in den Höhlen der Sankt-Martin-Gärten.
600 v. Chr. gründen die Griechen Marseille und errichten ihre ersten Handelsstützpunkte.
150 v. Chr. besiedeln die Römer auf dem Landweg die Provence, den seefahrenden Griechen kommen sie aber nicht in die Quere. Nizza wird von den Griechen beherrscht, das Hinterland von den Römern.
6 v. Chr. feiert Kaiser Augustus nach ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen mit keltisch-ligurischen Stämmen die Befriedung der Region La Turbie. Später errichten die Römer Städte und Handelsstraßen und machen das Gebiet zur römischen Provincia, daher der heutige Name Provence.
2. Jahrhundert n. Chr. werden erste christliche Einflüsse spürbar, ab dem 4. und 5. Jahrhundert gewinnt die Christianisierung zunehmend an Bedeutung.
8. Jahrhundert n. Chr. plündern und brandschatzen die Sarazenen die Küste und siedeln sich im Maurengebirge an. Die Bevölkerung schützt sich gegen die Piratenangriffe durch die Gründung von sogenannten Wehrdörfern, den villages perdés, die auf schwer zugänglichen Hügeln gebaut werden.
880 wird die Provence nach dem Zerfall des Frankenreichs unter Karl dem Großen ein eigenständiges Königreich, das sich aber bereits 935 mit dem Königreich von Burgund zusammenschließt.
1033 steht die Provence unter der Hoheit des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Die Grafen der Provence regieren jedoch weiterhin den Südosten Frankreichs. Die Städte Nizza und Marseille werden unabhängig.
1215 Gründung von Monaco durch die Errichtung einer genuesischen Grenzfestung auf dem Felsen von Monaco.
1309–1376 wird die Provence von den Päpsten in Avignon beherrscht.
1365 gibt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation seinen Anspruch auf die Provence auf.
1409–1480 erlebt die Provence unter der Herrschaft von König René d’Anjou (»dem Guten«) ihre Blütezeit.
1481 wird die Provence an die französische Krone vererbt und bis zum österreichischen Erbfolgekrieg (1746) ständig in Kriege verwickelt.
1629 wird die Provence von einer verheerenden Pestepidemie heimgesucht. Weitere Pestepidemien folgen 1720 bis 1722.
1790 kommt die Französische Revolution in den Süden. Die Folge ist die Gründung der Départements wie Bouches-du-Rhône, Var, Basses-Alpes usw.
1793 wird Nizza mit der gesamten Grafschaft an Frankreich angeschlossen. Mit dem Wiener Kongress fällt die Region wieder an das Haus von Savoyen zurück.
1815 betritt Napoleon zum letzten Mal den Boden der Provence. Er landet in Golfe-Juan, um über die nach ihm benannte Route Napoléon nach Paris zu reisen. Dort regiert er nochmals 100 Tage, ehe er endgültig nach St. Helena verbannt wird, wo er 1840 stirbt.
1860 kommen die Städte Nizza, Menton und Roquebrune zusammen mit ganz Savoyen unter französische Herrschaft. Die drei Städte gründen 1865 mit Monaco eine Zollunion.
1942–1944 Unter deutscher Besetzung. Kämpfe in Marseille und Toulon. Der Hafen von Saint-Tropez wurde kurz vor der Befreiung noch von der französischen Wehrmacht gesprengt.
1960 wird die Region »Provence-Alpes-Côte d’Azur-Corse« gegründet, die 1970 nach Abtrennung Korsikas in »Provence-Alpes-Côte d’Azur« umbenannt wurde und damit nun sechs Départements vereint.
1972 erhält die Region den Status eines établissements public unter Leitung eines Regionalpräfekten.
2001 Einweihung der Schnellzugstrecke TGV Méditerranée. Von Paris bis Marseille fährt man nun nur noch drei Stunden.
2011 Ausnahmezustand in Cannes: Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat seine Kollegen aus den G20-Ländern an die Croisette geladen, um Lösungen zur weltweiten Finanzkrise zu erörtern. 12 000 Polizisten, Schnellboote und Kampfjets gewährleisten die Sicherheit.
2014 Endlich Erleichterung in Monaco. Fürst Albert und Fürstin Charlène verkünden die Geburt der Zwillinge Jacques und Gabriella. Am 10. Dezember sind der Thronfolger und seine Schwester zur Welt gekommen.
2016 Ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Stadt Nizza, das über die Region hinaus das ganze Land gelähmt hat: der verheerende Lkw-Terroranschlag auf der Promenade des Anglais.
1Menton
2Roquebrune-Cap-Martin
3Èze
4Cap-Ferrat und Beaulieu-sur-Mer
5Villefranche-sur-Mer
6Nizza – ein Rundgang
7Nizzas Anziehungskraft
8Antibes und Juan-les-Pins
9Cannes
10Îles de Lérins
11Le Cannet
12Mandelieu und Théoule
Blick auf die wildromantische Küste beim Cap Ferrat
Das sonnenverwöhnte Menton grenzt im Osten direkt an die italienische Küstenregion Ligurien und verschmilzt westlich übergangslos mit dem Nachbarort Roquebrune-Cap-Martin. Von Italien kommend vereinnahmen die beiden historischen Badeorte die ersten acht attraktiven und kulissenreichen Küstenkilometer der französischen Riviera in Richtung Fürstentum Monaco.
Barocke Kirchenkunst über dem Meer
Die durch die Geschichte geprägte Architektur und die heute offene Grenze verleihen Menton ein beschwingt-elegantes italienisches Flair. Viele Tagestouristen und Eigentümer von Zweitwohnsitzen aus dem Nachbarland genießen den Charme der Stadt. An lauen Sommerabenden herrscht hier ein lebhaftes, entspanntes Dolce Vita. Die Geschäfte haben teils bis Mitternacht geöffnet.
Strahlt viel Atmosphäre aus: die romantische Stadtkulisse von Menton
Wenn man über solch einen prädestinierten Standort verfügt wie die Strandclubs unten an der Promenade de la Mer, hat man schon die besten Erfolgsvoraussetzungen. Dies scheint den meisten Betreibern dort schon zu genügen. Sie haben gemeinsam, dass sie sich mit attraktiven Äußerlichkeiten begnügen, sich aber nicht die Mühe machen, ihre Gäste mit Küchenqualität zu erfreuen. Da reicht es, sich mit einem Snack zu stärken und abends das Essen oben an der Promenade oder in den gemütlichen Gassen zu genießen.
Das Barockstädtchen bietet noch viel Authentizität. Seine pittoreske historische Altstadt aus dem 17. Jahrhundert kann sich mit architektonischem Reichtum brüsten. Der heute ca. 30 000 Einwohner zählende Ort, den seit 1961 eine Städtepartnerschaft mit Baden-Baden verbindet, blickt auf eine bewegte und wechselhafte Geschichte zurück. Seine Ursprünge reichen zurück bis ins 11. Jahrhundert, als auf einem Hügel die Siedlung Puypin entstand. Heute befindet sich hier das Kloster Monastère de l’Annonciade. Bis 1146 befand sich Menton im Besitz des Grafen von Ventimiglia, bevor es 1346 die Fürstenfamilie Grimaldi von Monaco kaufte. Die 1848 erlangte Unabhängigkeit Mentons war von kurzer Dauer. Bereits 1861 stimmten die Einwohner schlussendlich der Zugehörigkeit zu Frankreich unter Napoleon zu. Während des Zweiten Weltkriegs fiel Menton bis 1944 nochmals an Italien. Beim Befreiungskampf wurde leider teilweise die prächtige Bausubstanz zerstört. Erst in den 1960er-Jahren begann der Wiederaufbau. Glücklicherweise blieben im Ortskern wichtige Zeugen des architektonischen Schatzes erhalten. An der Promenade du Soleil am Meer herrscht heute ein modernerer, aber harmonischer Baustil vor.
Aus der Grimaldi-Zeit stammen herrliche Barockbauwerke, z. B. die Basilika Saint-Michel von 1675. Sie trägt das Grimaldi-Wappen. Mit der davor liegenden Place de la Conception integriert sich die Kirche in die pastellfarbene Stadtsilhouette. Der Ort verkörpert somit ein wichtiges Element auf der Barockstraße von Ligurien nach Nizza.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog es die ersten Intellektuellen in das mediterrane Paradies. Viele ließen sich von dem Charme der Stadt in ihrem Schaffen beflügeln und genossen das heilende Mikroklima. Aufgrund der durch die Seealpen geschützten Lage herrschen hier nämlich besonders milde Winter. Menton gilt als der wärmste und sonnenreichste Ort Frankreichs.
Einfach gut!
HÔTEL NAPOLÉON
Hinter dem geschichtsträchtigen Namen verbirgt sich moderner Komfort. Gegenüber dem Jachthafen Port de Garavan empfängt das 4-Sterne-Hotel mit 40 Zimmern den Gast in heller, freundlicher Atmosphäre. Der kleine Pool auf der Teakholzterrasse vor dem Hotel lädt zur ersten Abkühlung ein. Weiße Sessel und ein legerer Kolonialstil vermitteln Wohlfühlatmosphäre. Die ansprechenden, modernen Zimmer sind funktional ausgestattet und erfreuen mit angenehmen Details wie kostenlose alkoholfreie Minibar, Mentoner Zitronenbonbons, Safe, Klimaanlage und dem schönen Blick übers Meer und auf die Altstadt, sofern gebucht. Das Frühstück findet bei schönem Wetter im rückwärtigen Garten unter Bananenstauden statt. Die Strände, die exotischen Gärten von Garavan und die Altstadt sind in unmittelbarer Nähe.
Hôtel Napoléon. 29 Porte de France. Tel. 04 93 35 89 50, www.napoleon-menton.com
Einfach gut!
KULINARISCHE HÖHENFLÜGE
Der Argentinier Mauro Colagreco hat es mit seinem »Mirazur« geschafft, hier, wenige Schritte vor der italienischen Grenze, einen von weltweiten Gastro-Kritikern hochgelobten und in der Region ganz oben thronenden Wallfahrtsort für feine Zungen zu schaffen. Seine innovativen Kreationen, extravagante Melangen aus regionalen und exotischen Ingredienzen sowie leuchtenden Blüten entzünden ein Feuerwerk für Gaumen und Augen. Der Panoramablick aufs Meer aus dem lichtdurchfluteten Gourmettempel gibt dem teils von weither angereisten Feinschmecker den Rest.
Mirazur. 30 av. Aristide-Briand, 06500 Menton, Tel. 04 92 41 86 86, reservation@mirazur.fr, www.mirazur.fr
Zuerst kam die Schriftstellerelite um George Sand (1804–1876) und Gustave Flaubert (1821–1880). Menton war in den milden Wintermonaten auch beim europäischen Hochadel beliebt. Einige englische Aristokraten ließen sich hier nieder und erbauten herrschaftliche Villen, umgeben von prachtvollen Parks und Gärten. Es entstanden markante Belle-Époque-Villen, Hotels und das Palais de l’Europe. Menton blühte im wahrsten Sinne des Wortes auf. Berühmte Gartenarchitekten entwarfen traumhafte Anlagen, die sie mit seltenen exotischen Pflanzen bestückten, die in Europa kaum anderswo gedeihen konnten. Einige der Gärten werden auch heute noch mit viel Hingabe gepflegt und stehen naturliebenden Besuchern offen.
Auch russischer Geldadel und Mitglieder der Zarenfamilie schätzten den historischen Küstenort. Auf deren Bestreben wurde 1892 die von Hans-Georg Tersling (1857–1920) entworfene orthodoxe Kirche am Friedhof gebaut. Ärzte empfahlen Menton ihren wohlhabenden Patienten, um hier ihre Tuberkulose zu lindern. Dass dies leider nicht immer von Erfolg gekrönt war, zeigen die Inschriften der Grabsteine auf dem hoch über der Altstadt thronenden Friedhof. Sie dokumentieren oftmals eine Lebensdauer von unter 40 Jahren.
Der Universalkünstler Jean Cocteau (1889–1963), der seine Talente u.a. als Dichter, Autor, Regisseur sowie als surrealistischer Maler und Gestalter unter Beweis stellte, verbrachte die 1950er-Jahre an der Côte d’Azur. 1955 kam er nach Menton. Er gestaltete den Hochzeitssaal im Rathaus sowie das Wandgemälde im Büro des Bürgermeisters. 1958 wurde er Ehrenbürger von Menton und bekam als Anerkennung die alte Bastion zur Restaurierung und Darstellung seiner Werke. Er verzierte sie nach der Renovierung mit Kiesel-Mosaiken an Fassade, Wänden und auf Böden und setzte sich damit am Ende seiner Karriere selbst ein Denkmal. Eröffnet wurde das Museum aber erst 1966, drei Jahre nach seinem Tod.
Plages des Sablettes – Zauberhafter Blick auf die sandsteinfarbene Altstadtkulisse. Vom darüberliegenden Quai Bonaparte führen die verwinkelten Treppen hoch zur Place de la Conception.
Basilique Saint-Michel – Die Barockkirche mit ihrem alles überragenden Glockenturm, dem Campanin, hat seit ihrer Entstehung 1640 mehrere bauliche Veränderungen erfahren. Mo–Fr 10–12 und 15–17 Uhr. Place de la Conception, 22 rue Saint-Michel, Tel. 04 93 35 70 45.
Chapelle des Pénitents Blancs – Die etwas im Hintergrund der Basilika gelegene Kapelle besticht durch ihre üppig mit Friesen und Ranken geschmückte Säulenfassade. Sie entstand Ende des 17. Jahrhunderts. Geführte Besichtigungen auf Anfrage: Tel. 04 92 10 97 10. Place de la Conception.
Cimetière du Vieux-Château – Vom alten Friedhof hat man einen Panoramablick über die Stadt und die Küste. Tgl. 7–18 Uhr, Mai–Sept. 7–20 Uhr. Rue du Vieux-Château.
Markthalle – In kulinarischer Hinsicht schlägt das Herz von Menton in diesem schönen Bauwerk von 1898. Die Atmosphäre und das Angebot vermitteln jedem Gourmet und Nostalgiker Glücksgefühle. Di–So vormittags. Place aux Herbes/Quai de Monléon.
Eingang zur quirligen Belle-Époque-Markthalle
Musée Jean Cocteau – Die Kollektion Séverin Wunderman bietet in diesem futuristischen Gebäude an der Strandpromenade einen Überblick über das Schaffen des Ausnahmekünstlers und würdigt seine Verbindung zu Menton. Tgl. außer Di und feiertags 10–18 Uhr. 2 quai de Monléon, Tel. 04 89 81 52 50, www.museecocteaumenton.fr
Musée du Bastion – Im 17. Jahrhundert erbaut, bildet sie seit 1966 den passenden Rahmen für wechselnde Cocteau-Ausstellungen und ergänzt das benachbarte neue Museum perfekt. Tgl. außer Di und feiertags 10–18 Uhr, Eintritt 10 € für beide Museumsbesuche. Bastion du Vieux Port, Quai Napoléon III.
Nicht verpassen
LA FÊTE DU CITRON
Die Tradition der Zitrusfrüchte wird seit nunmehr 80 Jahren Ende Februar/Anfang März mit der Fête du Citron ausgiebig gefeiert. Sie ist ein Höhepunkt im Kalender der Region und lockt jährlich über 200 000 Besucher an. In den drei Wochen finden an der Strandpromenade an den Sonntagen jeweils nachmittags sowie an zwei Donnerstagen jeweils abends farbenfrohe Korsos von aufwendig mit Zitronengebilden verzierten Festwagen statt. Es treten auch Tanz- und Musikgruppen auf. Die Stimmung und Schönheit dieser Darbietung sind mitreißend. Die gleichzeitige abendliche Ausstellung überdimensionaler Motive aus Tausenden von Zitrusfrüchten in den Biovès-Gärten hinter dem Casino ist ebenfalls absolut sehenswert. Sie wird stilvoll abgerundet durch das Orchideenfestival im gleich daran angrenzenden Palais de l’Europe, bei dem eine beeindruckende Auswahl ausgefallener Exemplare präsentiert wird.
Office du Tourisme. 8 av. Boyer, Tel. 04 92 41 76 76, www.tourisme-menton.fr
2005 schenkte der belgisch-amerikanische Unternehmer und Kunstsammler Séverin Wunderman einen großen Teil seiner bedeutenden Cocteau-Sammlung der Stadt Menton, die sich im Gegenzug zum Bau eines adäquaten Museums verpflichten musste. Man schuf mit dem avantgardistischen Säulengebäude des französischen Architekten Rudy Ricciotti (*1952) am Platz vor der historischen Markthalle an der Strandpromenade ein architektonisches Meisterwerk. Die Eröffnung im Herbst 2011 erlebte Séverin Wunderman leider nicht mehr, da er bereits 2008 kurz vor der Grundsteinlegung verstarb.
Seinen ersten wirtschaftlichen Aufschwung hatte Menton den Zitronen zu verdanken. Sie wurden von den Römern aus dem Orient eingeführt und gediehen in dem hiesigen begünstigten Klima prächtig. 1929 belegte die Stadt mit 100 000 Bäumen die Nr.1 des europäischen Zitronenanbaus. Heute ist die Produktion kaum noch bedeutungsvoll und konzentriert sich auf Spezialitäten wie Likör, Marmelade, Seife und Essenzen.
Zitronen in allen Variationen
In Menton gedeihen alle Früchte und subtropischen Pflanzen. Eine Besichtigung der exotischen Gärten Val Rahmeh, Fontana Rosa oder Les Colombières im Garavan-Viertel mit dem Olivenhain Parc du Pian lohnt sich. Ebenso schön ist der Garten La Serre de la Madone an der Straße nach Gorbio.
Buntes Treiben am kleinen Fischmarkt vor der Altstadtkulisse
Menton hat ein variantenreiches Strandangebot und gleich zwei Häfen. Im Vieux Port liegen die Fischerboote und kleinere Jachten. Morgens wird hier der Fang der Fischer angelandet und wie seit jeher an kleinen Ständen verkauft. Direkt daneben, in der geschützten Bucht unterhalb der Altstadtkulisse, liegt der öffentliche, etwas feinkörnigere Strand Plage des Sablettes, der recht seicht ins Meer führt und somit familien- und kinderfreundlich ist.
Den Schwertfisch gibt’s auch portioniert.
Weiter östlich reihen sich an der Promenade de la Mer einige gepflegte Strandclubs aneinander. Von deren Liegen am feinen Kieselstrand genießt man den Blick auf die malerische Altstadt. Direkt dahinter folgt dann der größere moderne Jachthafen Port de Garavan. Zurück in westliche Richtung beginnt hinter dem Cocteau-Museum der lang gezogene öffentliche Kieselstrand an der Promenade du Soleil mit ihren Hotels, Restaurants und dem Casino.
Spezialitäten aller Art aus dem Meer gibt es im »Le Nautic«.
Hôtel de Ville, Salle de Mariages. Der Hochzeitssaal im Rathaus wurde 1957/58 von Cocteau mit Decken- und Wandgemälden ausgestattet und kann Mo–Fr 8.30–12 und 14–16.30 Uhrbesichtigt werden. 17 rue de la République, Tel. 04 92 10 50 00.
Musée de Préhistoire Régionale. Museum zur regionalen Vor- und Frühgeschichte mit einem Skelett aus der Grimaldi-Grotte und einem Raum zur Mentoner Geschichte. Tgl. außer Di und feiertags 10–12 und 14–18 Uhr, Eintritt frei. Rue Lorédan-Larchey, Tel. 04 93 35 84 64.
Palais Carnolès. Das Museum zeigt Kunstwerke vom 13. Jahrhundert bis heute. Tgl. außer Di und feiertags 10–12 und 14–18 Uhr, Eintritt frei. 3 av. de la Madone, Tel. 04 93 35 49 71.
Serre de la Madone. Der Amerikaner Mayor Lawrence Johnston, fasziniert von der Botanik, hat zwischen 1924 und 1939 diesen herrlichen Garten mit exotischen Pflanzen, Brunnen und Treppen angelegt. Mitte Feb.–Okt. Di–So von 10–18 Uhr auch Führungen. 74 route de Gorbio, Tel. 04 93 57 73 90, www.serredelamadone.com
Val Rameh. Im Garavan-Viertel, wo die Vegetation am üppigsten ist, hat in den 1920er-Jahren Lord Radcliffe seltene Pflanzenarten aus der ganzen Welt gezüchtet, und die Nachwelt kann sich heute daran erfreuen. Mai–März 10–12.30 und 15.30–18.30 Uhr, Sept.–April 10–12.30 und 14–17 Uhr, Di geschl. Führungen buchbar unter Tel. 04 92 10 33 66, av. Saint-Jacques, Tel. 04 93 35 86 72.
Côté Sud. Hier versteht man es, Gäste glücklich zu machen. Einladende Einrichtung mit einfachem, gekalktem Mobiliar im Hamptons-Stil, ambitionierte, leichte und mediterrane Küche, unkompliziert, gut. 15/17 quai Bonaparte, Tel. 06 31 11 48 70.
La Mandragore. Provenzalische Spezialitäten in entspannter Atmosphäre zu ebensolchen Preisen. Place aux Herbes, Tel. 04 93 35 43 19.
Hôtel Lemon. Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Villa mit einem Palmen-Garten. 10 rue Albert 1er, Tel. 04 93 28 63 63, www.hotel-lemon.com
Le Vendôme – Belambra Club. Junges, modernes Hotel mit Ferienclub-Charakter, direkt am Strand. 2 rue St. Michel, Tel. 04 93 28 67 67.
Villa »Les Mimosas«. Idyllisches, gepflegtes Bed & Breakfast in absolut ruhiger Lage auf der Anhöhe beim Kloster L’Annonciade. 4 hübsche Terrassenzimmer zum Garten mit üppiger Vegetation, Pool und Blick zum Meer. 2221 route de l’Annonciade, Tel. 09 43 41 32 82, www.villalesmimosas.com
Au Pays du Citron. Bietet die Spezialitäten, für die Menton berühmt ist: Liköre, Gebäck, Konfitüren, Öle aus sonnengereiften Mentoner Zitronen. 24 rue St. Michel/Fußgängerzone, Tel. 04 92 09 22 85, www.aupaysducitron.fr
Fischmarkt am alten Hafen. Der Fang des Tages wird hier stolz präsentiert. Tgl. 9–12.30 Uhr. Le Vieux Port.
Huilerie St. Michel. Adresse in Menton für feinste Olivenöle und eine Vielzahl weiterer delikater Olivenprodukte und Spezialitäten der Region. 5 rue de Bréa, Tel. 04 93 35 71 04, www.huilerie-saint-michel.com
Festival de Musique de Menton. Seit 1950 jährlich von Ende Juli bis Mitte August klassische Konzerte auf dem romantischen Vorplatz der Basilika St. Michel. Informationen über das Office du Tourisme.
Weihnachtsmarkt. Mit üppiger Dekoration der Straßen im Dez. und Jan.
Centre Nautique. An der Promenade de la Mer ist das Wassersportzentrum des Tourismusbüros und bietet eine Vielzahl von Wassersportmöglichkeiten und Kursen sowie Bootsverleih an. Promenade de la Mer, Tel. 04 93 35 49 70, www.tourisme-menton.fr
Auf den Terrassen genießt man laue Abende.
Office du Tourisme. Im Palais de l’Europe. 8 av. Boyer, Tel. 04 92 41 76 76, www.tourisme-menton.fr
»Im Land der Zitronen«: das Paradies für saure Köstlichkeiten
Dieses sehenswerte Städtchen im Dunstkreis von Monaco setzt sich aus zwei Ortsteilen völlig unterschiedlichen Charakters zusammen: Roquebrune, das mittelalterliche Festungsdorf, das im 10. Jahrhundert in 300 Metern Höhe auf dem Felsen errichtet wurde, und Cap Martin, die darunterliegende Halbinsel mit ihren mondänen Villen und dem angrenzenden Ortskern aus der Neuzeit.
Friedliche Dorfatmosphäre hoch über dem Meer
Die Ausdehnung des 13 000 Einwohner zählenden Ortes reicht vom Viertel Carnolès, wo er direkt in Menton übergeht, bis an die Grenze von Monte Carlo heran. Das exklusive »Monte Carlo Beach Hotel«, das zur Hotelgruppe SBM des monegassischen Fürstenhauses gehört, befindet sich sogar noch auf Roquebrune-Gebiet. Das gilt auch für das früher Max Grundig (1908–1989) gehörende »Vista Palace Hotel« oben an der Grande Corniche, das wie ein Adlernest auf einem Felsvorsprung klebt. Heute im Besitz der Herrscherfamilie Quatars, wartet es nach aufwendiger Renovierung auf seine Wiedereröffnung. Die Anbindung des Festungsdorfs, des vieux village, an Monte Carlo erfolgt über die Grande Corniche, die Anfang des 19. Jahrhunderts unter Napoleon auf der römischen Via Julia angelegt wurde. Über die Moyenne Corniche oder die Basse Corniche gelangt man zu den unteren Ortsteilen. Von der Autobahn aus wählt man die Ausfahrt »La Turbie«.
Agavenblüten am Wegesrand