Zhuangzi

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Fußnoten

Shiji 史記, Kap. 63 (Übers. V. K.).

Zit. nach Forke 1917, S. 309.

Zhuangzi kouyi 莊子口意, zit. nach Qiu Peipei 2005, S. 9 (Übers. V. K.).

Buber 1921 [1910], S. 99.

Hesse 1970, S. 29.

Mair/Schuhmacher (Übers.) 2008, S. 5 f.

Chai, S. 1.

Liu Xiaogan 2015b, S. 128 (Übers. V. K.).

Ziporyn (Übers.) 2009, S. xvi.

Billeter 2015, S. 140 ff.

Damit war er für die Erstellung des jährlichen Kalenders sowie den Zeitpunkt der Rituale und Zeremonien am Hofe verantwortlich.

Hughes-Warrington 2000, S. 291.

Heute Landkreis Mengcheng 蒙城, nahe der Stadt Bozhou, in der Provinz Anhui.

Es ist unklar, ob »Lackgarten« eine Ortsbezeichnung oder tatsächlich eine Pflanzung darstellte.

Regierungszeiten: vgl. Niehauser 1994, S. 23 f.

Mair 1998 [1994], S. xxxii, liest Laozi im Plural als »the Old Masters«, sowohl in seiner Zhuangzi-Übersetzung als auch in diesem Abschnitt von Sima Qian.

抵率 wörtlich: »ausdrückend die Proportion«.

Zhuangzi, Kapitel 31.

Zhuangzi, Kapitel 29.

Zhuangzi, Kapitel 10.

Ein Kapitel mit dieser Überschrift ist in der heutigen Überlieferung des Zhuangzi nicht zu finden, allerdings handeln die Abschnitte 23.1 und 23.2 von den homophonen Weilei-Bergen und ihren Bewohnern.

Auch dieser Name taucht im Textus Receptus nicht auf, allerdings ist in Kapitel 23 vom ähnlich klingenden 庚桑子 (Gengsang Chu) die Rede.

Dieser Teil der Antwort ist leicht variiert in Zhuangzi 32.15 zu finden. Interessant ist, dass sich hier das Opferrind wünscht, wieder ein Kalb () zu sein, bei Sima Qian will es sich in ein Ferkel () verwandeln.

Eine entfernte Parallelität ist hier zur Passage 往矣!吾將曳尾於塗中 in Zhuangzi 17.11 zu erkennen.

David Chai 2008, S. 47, 1518, geht letztlich von einer Lebensspanne Zhuangzi’s zwischen 375300 v. u. Z. aus. Eingrenzen lässt sich die vermutliche Lebenszeit lediglich anhand der von Sima Qian genannten Regierungszeiten der Fürsten.

Makeham 1994, S. 249; Fürst Huan ließ seinen Bruder, seinen Neffen und wohl auch seine Mutter umbringen, um an die Macht zu kommen.

Walter Rüegg, zit. nach Zhang Congdong 1982, S. 384.

Kirkland, S. 64.

Vgl. Needham 1956, S. 95.

Ich behalte die in westlichen Sprachen verbreitete, latinisierte Schreibweise des Namens bei, die sich von 孔夫子 (kǒng fū zǐ, »Ehrwürdiger Meister Kong«) ableitet, sein Rufname lautete Qiu .

Menschlichkeit , Rechtschaffenheit , Höflichkeit , Weisheit .

Graham 1987, S. 211.

Harbsmeier 1993.

Knaul 1982, S. 54 f.

Niffeler 1978, S. 12 ff.

Möller 2010, S. 22.

Zit. nach Möller, ebd.

Liu Xiaogan 2015b, S. 133.

Chai 2008, S. 11 f.

Gao You 1985, S. 735.

Vgl. Chai 2008, S. 8.

漢書藝文志: Die Bibliographie ist in Abschnitt 30 des Hanshu zu finden. Ban Gu schrieb die Geschichte der Westlichen Han-Dynastie (206 v. u. Z. – 8 u. Z.) fort, die sein Vater Ban Biao begonnen hatte. Ban Gu diente als Berater des hohen Beamten Dou Xian und wurde nach einem Staatsstreich unter Kaiser He hingerichtet.

Der betreffende Eintrag im Hanshu lautet: 五十二篇。名周,宋人52 Kapitel, Name Zhou, Bürger von Song«).

Zu Meng Shi’s Biographie ist nichts bekannt.

Im Jahr 184 erhoben sich vom Daoismus inspirierte, um die »Gelben Turbane« versammelte Volksmassen, um eine gerechtere Sozialordnung durchzusetzen. Der Han-Kaiser rief lokale Fürsten und Kriegsherren zur Hilfe, um den Aufstand niederzuschlagen, was auch gelang. In der Folge aber zerfiel das geeinte Königreich, und die Partikularkräfte gewannen Einfluss.

Bereits während der »Drei Reiche« stieg die Sima-Familie auf und stellte den Premierminister. Später rief sich Sima Yan als Kaiser aus und einte China wieder, ohne die sozialen Konflikte bändigen zu können.

Chai 2008.

Wir wissen nicht, ob Sima Qian’s Auskunft eine Zählung anhand einer ihm vorliegenden Schrift, eine Schätzung oder lediglich ein Gerücht zugrunde lag. In den beiden letzteren Fällen wäre der Unterschied zum Umfang der heutigen Ausgabe ohne Belang.

Jäger (Übers.) 2009, S. 35.

Lu Deming 2006, S. 28.

Ma Xulun lehrte zwischen 1916 und 1936 Philosophie an der Peking-Universität, insbesondere Laozi und Zhuangzi, bekannte sich zu Sun Yatsen und zur Guomindang, war stellvertretender Bildungsminister der Nanjing-Regierung, trat für die Demokratisierung Chinas ein, wurde nach dem Sieg der Kommunisten unter Mao zum Bildungsminister ernannt und befasste sich mit der Reform zur Vereinfachung der chinesischen Schrift, um das weit verbreitete »Analphabetentum« zu überwinden. 1957 erschien sein Hauptwerk: eine kritische Analyse des Shuowen, des altchinesischen Zeichenlexikons.

Wang Shuming 1988, S. 1383 ff., vgl. Knaul 1982, deren Artikel eine Übersetzung der verlorenen Zhuangzi-Stellen ins Englische enthält.

Cui Dahua 1992, S. 50 ff.

Liu Xiaogan 2015b, S. 137

Xunzi 21.5.

Z. B. Laozi, Kapitel 5.

Liu Xiaogan 1994, vgl. Livia Kohn 2014, S. 3.

Shaughnessy 2001, S. 311, Anm. 6.

Csikszentmihalyi 2006, S. 9.

Vgl. Wen Xing 2000, 2015, Holloway 2009; ob die Klassifikation in »daoistisch« und »konfuzianisch« für diese Texte sinnvoll ist, wird neuerdings in Frage gestellt. Dazu ist anzumerken, dass im Yiwenzhi des Hanshu 57 konfuzianische und 37 daoistische Werke aufgeführt werden, von denen nur sieben konfuzianische und fünf daoistische »Klassiker« überliefert sind, so dass die in der Rezeptionsgeschichte wirksamen Texte nur einen Bruchteil der Schriften widerspiegeln, die zur Entstehungszeit der »Hundert Schulen« gegenwärtig waren, und das traditionelle Bild von der altchinesischen Philosophie durch die Fokussierung auf die Klassiker stark eingeengt ist.

Knechtges 2014, S. 2315.

Vgl. Liu Xiaogan 2015b, S. 139 ff., dem ich hier folge.

Wang Li 1956, S. 452: Allgemein gilt für die Entwicklung der chinesischen Schriftsprache, dass zuerst isolierte Zeichen und Komposita historisch später verwendet wurden (vgl. Liu Xiaogan 2015b, S. 141).

Kubin (Übers.) 2013, S. 11 f.

Ernst Schwarz 1988, S. 408.

Jäger (Übers.) 2009, S. 39, Zhang Congdong 1982, S. 402.

Liu Xiaogan 2015a, S. 36.

Legge (Übers.) 1885, S. 324 f., vgl. S. 338.

Möller 2010, S. 14.

Liu Xiaogan 2015a, S. 39.

Vgl. Zhuangzi 28.7.

Wilhelm (Übers.), Einleitung zu Liezi, 1972 [1911], S. 13.

June Won Seo 2015, S. 450.

Graham 1961, S. 148151.

Mair/Schuhmacher (Übers.) 2008, S. 39.

Wang Rongpei (Übers.) 1999, S. 64.

Mair/Schuhmacher (Übers.) 2008, S. 38.

Vgl. Feng Youlan 1947, S. 146.

Vgl. Gernet 1988, S. 364375.

Vgl. Tan Mingran 2015, S. 239.

Specht 1998, S. 14.

Wang Rongpei (Übers.) 1999, S. 64.

Kubin (Übers.) 2013, S. 15.

Mauthner 1923, III, S. 266 f.

Möller 2010, S. 24.

Vgl. Arno Widmann 2014.

Möller 2010, S. 59.

Vgl. Möller 2010, S. 65.

Möller 2010, S. 61.

Ernst Faber (18391899), ein Vorgänger Richard Wilhelms in Qingdao, beschäftigte sich bereits mit der alten chinesischen Philosophie, so mit Konfuzius, Mozi, Mengzi und Liezi. »Bei aller Gelehrsamkeit rügt Alfred Forke an Faber einen engherzigen missionarischen Standpunkt. Dennoch darf man in gewisser Weise das umfassende Übersetzungswerk Wilhelms als eine Fortsetzung der Faber'schen Arbeiten sehen – freilich ohne die bemerkte ›Engherzigkeit‹.« (Walravens 1999b)

»Wissenschaftliches Gutachten« zur Eignung Stanges für den akademischen Lehrbetrieb von Prof. Fritz Jäger, Uni Hamburg, vom 3110. 1938, in: Hartmut Walravens, 1999a; Walravens (1999b) bezeichnete ihn als »den prononciertesten NS-Mitläufer unter den deutschen Sinologen«. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Stange von 1953 bis 1970 als Professor in seiner Heimatstadt Göttingen reüssieren.

Gutachten von Prof. Fritz Jäger vom 31101943, in: Hartmut Walravens, 1999a.

»Zhuangzis Gedankenwelt stützt sich auf das Werk seines Vorläufers Laozi« (S. 107).

Möller 2010, S. 213229.

Henrik Jägers Lesebuch erschien zuerst 2003 bei Herder, wurde anlässlich des Gastland-Auftritts Chinas zur Frankfurter Buchmesse 2009 von Ammann übernommen, nach der Schließung des Ammann Verlages 2012 in Dettelbach von Röll und schließlich bei Matthes & Seitz (2018) neu aufgelegt.

Kubin 2013 – ebenfalls bei Herder erschienen.

Vgl. Feng Youlan (Übers.) 1989, S. 40.

逍遙遊 (xiāo yáo yóu)
Unbekümmertes Spazieren

Das erste Kapitel des Buches Zhuangzi beschwört ein mythologisches Gleichnis, das individuelle Freiheit als höchsten Wert setzt und in Metaphern die Kraft beschreibt, die ihr innewohnt. Für Guo Xiang (252312), Herausgeber des Zhuangzi in der Standardausgabe, besteht der Wunsch aller Lebewesen, ihren Neigungen spontan zu folgen, unabhängig von ihrer Größe, er richtet sich nur nach ihren natürlichen Bedürfnissen. Indem sie die Verbindung zu allem, worauf sich ihre Existenz stützt, nicht verlieren, öffnet sich ihnen der Raum der Freiheit. Lu Deming zufolge ist das Zeichen im Shuowen zu verstehen als »get rid of, eliminate«, als »distant, remote«, auch geschrieben in der Bedeutung »swing, sway«, sowie als »wander«. Als Komposit liest Lu Deming 逍遙 im Sinne von »carefree, at ease, free and unfettered, wander about leisurely«, die Überschrift insgesamt erläuterte er mit den Worten: »Its name coming from the idea of attaining happiness from endless leisure and comfort« (Lu Deming / Chai, S. 34).

1.1

Im dunklen Nordmeer lebt ein Fisch, der Kun genannt wird. Kun ist groß, und niemand weiß, wie viele Li (Meilen) er lang ist. Er verwandelt sich in einen Vogel, der Peng genannt wird. Pengs Rücken ist breit, und niemand weiß, wie viele Li er sich erstreckt. Schwingt er sich auf und fliegt durch die Lüfte, sind seine Flügel groß wie Wolken, die den Himmel bedecken. Ist die See bewegt, zieht der Vogel zum Südmeer. Das Südmeer ist der See des Himmels.

In den Fabeln von Qi sind merkwürdige Geschichten aufgezeichnet, in ihnen heißt es: »Wenn Peng zum Südmeer fliegt, schlagen die Wellen dreitausend Li hoch, der Wirbelwind hebt ihn auf eine Höhe von neunzigtausend Li. So fliegt er sechs Monate lang.« [Wolken türmen sich wie]

Ist das Wasser nicht tief genug, kann es ein großes Boot nicht tragen. Schüttet man einen Becher Wasser in eine Kuhle auf dem Boden, kann ein Grashalm oder Senfkorn darauf schwimmen wie ein Boot; versucht man, den Becher darin schwimmen zu lassen, steckt er fest, das Wasser ist zu flach und das Boot zu groß. Ist der Wind nicht stark genug, kann er große Flügel nicht tragen. Daher: Erst wenn Peng neunzigtausend Li emporfliegt und den Wind unter sich hat, dann reitet er auf dem Wind, trägt den blauen Himmel auf seinem Rücken, und nichts steht ihm im Weg, und dann erst fasst er den Süden ins Auge.

Eine Zikade und ein Täubchen lachen darüber und sagen: »Wenn wir uns aufraffen zu fliegen, dann landen wir auf den Zweigen einer Ulme oder eines Sandelholzbaums; manchmal, wenn wir sie nicht erreichen, purzeln wir auf die Erde, und das war’s. Wozu neunzigtausend Li in die Höhe aufsteigen und nach Süden ziehen?«

Wer ins üppige Grün hinausgeht, findet seine drei Mahlzeiten; wenn er zurückkehrt, ist der Bauch gefüllt wie zuvor. Wer hundert Li hinausgeht, stampft in der Nacht zuvor Körner, um sich zu verpflegen. Wer tausend Li hinauszieht, sammelt drei Monate zuvor Getreide als Verpflegung.

Was wissen diese beiden Wichte schon! Wenig Wissen reicht an großes Wissen nicht heran; wenige Jahre reichen nicht an viele Jahre heran. Woher weiß ich, dass es so ist? Ein Pilz [der morgens sprießt und abends welkt] weiß nichts vom Wechsel zwischen Tag und Nacht. Eine Zikade [die nur im Sommer lebt] weiß nichts von Frühling und Herbst. Beide leben zu kurz.

1.2

In den Fragen von [König] Tang an [Minister] Ji finden wir letztlich dasselbe: »Im kargen Norden gibt es ein dunkles Meer, das See des Himmels genannt wird. Dort lebt ein Fisch, der mehrere tausend Li lang ist, doch niemand weiß, wie groß er ist. Sein Name ist Kun. Außerdem lebt dort ein Vogel namens Peng; sein Rücken gleicht dem Taishan-Gebirge, seine Flügel sind groß wie Wolken am Himmel; mit dem Wirbelwind steigt er [auf einer Spiralbahn] wie ein Schafshorn neunzigtausend Li in die Höhe, durchschneidet Wolken und Dunst und schultert den blauen Himmel. Dann erst fasst er den Süden ins Auge und zieht zum Südmeer.«

Ein Sperling lacht darüber und spricht: »Wohin zieht es ihn? Ich hüpfe herum und steige nicht mehr als ein paar Meter auf, dann lande ich wieder unten. Im Gebüsch und in den Hecken herumzuflattern, das ist doch die schönste Art zu fliegen. Und wohin zieht es ihn?«

Das ist der Unterschied zwischen klein und groß.

1.3

Daher: Wer das Wissen hat, um ein Amt auszuüben, wer mit seinem Verhalten Vorbild für ein Dorf ist, wer die Wirkkraft eines Edelmannes besitzt, wer die Fähigkeit hat, berufen zu werden vom Staat – der betrachtet sich genauso

Liezi ritt auf dem Wind, wie kühl und angenehm bewegte er sich fort; nach 15 Tagen kehrte er zurück. Dem Glück nachzujagen, zählte für ihn nicht. Obwohl er sich ohne Anstrengung fortbewegte, gab es etwas, wovon er abhängig war. Wer die Gesetze von Himmel und Erde [vor seinen Wagen] zu spannen und die Wandlungsphasen der sechs Lebensgeister zu lenken versteht, um im Grenzenlosen umherzustreifen, wovon sollte er noch abhängig sein?

Daher heißt es: Der vollkommene Mensch befreit sich vom Selbst, der geistige Mensch bleibt ohne Verdienst, der weise Mensch strebt nicht nach Ruhm.

 

Guo Xiang beschrieb anhand dieser Passage, was »Natürlichkeit« bedeutet: »What is spontaneously so, not made to be so, is the natural …« (Guo Xiang / Feng Youlan, S. 30) 至人 (zhì rén), 神人 (shén rén), 聖人 (shèng rén) meinen all diejenigen Menschen, die eins mit der Natur werden – es gibt keinen eigentlichen Unterschied zwischen ihnen. Die unterschiedlichen Bezeichnungen haben nur rhetorische Bewandtnis. Feng Youlan (ebd., S. 31) subsumiert sie unter der Bezeichnung »the independent man«.

1.4

[König] Yao wollte [dem Einsiedler] Xu You (Ehrbar) das Königreich abtreten und sprach: »Wenn Sonne oder Mond aufgegangen sind und die Fackel noch nicht ausgelöscht wurde, verschwendet sie dann nicht ihr Licht? Wenn es regnet, die

Xu You sprach: »Du regierst, und der Staat ist schon geordnet. Soll ich nun deinen Platz einnehmen, um Ruhm zu erlangen? Ruhm ist nur ein Beiwerk des Wirklichen. Soll ich es tun, um ein Beiwerk zu ergattern? Der Zaunkönig baut sein Nest tief im Wald und braucht nicht mehr als einen Ast. Der Maulwurf nippt Wasser aus dem Fluss und trinkt nur so viel, bis sein Bauch gefüllt ist. Kehr um und harre aus, Herr! Für mich ist es nutzlos, den Staat zu regieren. Selbst wenn ein Koch die Küche nicht in Ordnung hält, überlässt er dem Totenpriester die Kelche und Opfergefäße nicht und lässt ihn nicht an seine Stelle treten.«

1.5

Jian Wu (Der das Selbst schultert) fragte Lian Shu (Verbindung zur Verwandtschaft): »Ich habe Jie Yu (Geerdet) reden gehört: große Worte, aber ohne Stimmigkeit, er schweift ab und kommt nicht auf den Punkt. Seine Worte überraschen und beunruhigen mich, sie sind grenzenlos wie die Milchstraße, großartig, voller Pfade und Winkelzüge, aber sie haben nichts zu tun mit menschlichen Erfahrungen.«

Lian Shu fragte: »Was hat er gesagt?«

Jian Wu sprach: »Jie Yu sagte, in weiter Ferne gebe es einen Berg namens Gu Ye. Dort lebe ein Heiliger, dessen Haut weiß wie Eis und Schnee sei, seine Anmut sei wie bei einer jungen Frau. Er ernähre sich nicht von den fünf Getreidesorten, sondern atme den Wind und trinke den Tau, reite auf den Wolken, spanne den fliegenden Drachen vor und schweife jenseits der vier Meere umher. Indem er seine

Lian Shu sprach: »So ist es. Ein Blinder hat nichts von der Betrachtung von Ornamenten und Formen, ein Tauber hat nichts vom Klang der Glocken und Trommeln. Doch nicht nur der Körper kann blind und taub sein. Das Verständnis kann es ebenso sein. Diese Worte, sie treffen auf dich zu. Dieser Mensch mit seiner Wirkkraft, hätte er nicht die Fähigkeit, die zahllosen Lebewesen zu vereinen, während die Welt im Chaos liegt, warum sollte er sich damit abmühen, sich um alles unterm Himmel zu kümmern? Diesen Menschen, nichts kann ihn verletzen: das Hochwasser kann bis zum Himmel reichen, doch er ertrinkt nicht; große Hitze kann Erze zum Schmelzen bringen, so dass Erde und Berge versengen, doch ihm ist nicht heiß. Noch aus seinem Staub und Stroh könnte man [die Könige] Yao und Shun formen – warum sollte er sich um äußerliche Dinge kümmern?«

Ein Mann aus dem Staat Song, der Festhüte für Zeremonien verkaufte, zog in den Staat Yue. Die Leute von Yue schnitten sich die Haare kurz und tätowierten ihre Körper, so dass sie keine Verwendung dafür hatten.

Yao regierte das Volk unterm Himmel, die Verhältnisse zwischen den vier Meeren glich er an; um die vier Einsiedler aufzusuchen, zog er in die Guye-Berge; am Südufer des Flusses Fen angekommen, vergaß er allmählich die Herrschaft über sein Reich.

 

Jian Wu und Lian Shu gelten in der chinesischen Mythologie als daoistische Gelehrte, eigentlich sind sie von Zhuangzi erdachte Figuren.

Huizi (Meister Freundlichkeit) sprach zu Zhuangzi: »Der König von Wei schenkte mir den Samen für einen großen Kürbis; ich säte ihn, und als er herangewachsen war, hatte er ein Fassungsvermögen von fünf Dan (Scheffel); gefüllt mit Wasser, war er nicht fest genug, um ihn hochheben zu können. Ich zerschnitt ihn, um Schöpflöffel aus ihm zu schnitzen, doch sie wurden zu groß und flach, um darin etwas aufzunehmen. Sie hatten nichts als ihre Größe, waren völlig nutzlos, und ich zerschlug sie.«

Zhuangzi sprach: »Ihr seid wirklich nicht gut im Nutzen großer Dinge. Einmal gab es einen Mann in Song, der war geschickt im Mischen einer Salbe gegen spröde Hände. Mit Hilfe dieser Salbe betrieb seine Familie von Generation zu Generation das Geschäft des Seidebleichens. Ein Fremder, der davon hörte, wollte für hundert Goldstücke das Rezept dieser Salbe kaufen. Er rief seine Angehörigen zusammen, beriet sich mit ihnen und sprach: ›Wir betreiben von Generation zu Generation dieses Bleichgeschäft und bekommen nur wenig Geld. Wenn wir jetzt das Rezept verkaufen, gewinnen wir auf einmal hundert Goldstücke. Bieten wir es ihm an.‹ Der Fremde bekam das Rezept und sprach mit dem König von Wu. In jener Zeit gab es Auseinandersetzungen mit [dem Staat] Yue. Der König von Wu ernannte ihn zum General. Im Winter fügte er Yue bei einer Seeschlacht mit Hilfe der Salbe eine schwere Niederlage zu, wofür er von König Wu mit einem Stück Land belehnt wurde. In beiden Fällen schützte die Salbe die Hände vorm Austrocknen; den einen führte sie zu einem Lehen, den anderen diente sie nur dem Bleichen von Stoffen, sie wurde jeweils unterschiedlich angewandt. Jetzt hast du einen großen Kürbis, der fünf Dan fassen kann; wieso überlegst du nicht, daraus ein großes Boot anzufertigen und damit über Flüsse und Seen zu fahren?

 

Manche halten Huizi für einen Schüler des Zhuangzi, andere für einen Vertreter der Sophisten (vgl. Graham, S. 3; Ziporyn, S. xv; Wohlfahrt, S. 22). In jedem Falle war Huizi (ca. 370310 v. u. Z.) ein Zeitgenosse des historischen Zhuangzi; Ziporyn beschreibt ihn als »Zhuangzi’s best friend, sparring partner, straight man and arch-foil«, Sima Biao beschrieb ihn als Minister im Staat Liang. Verkürzt lässt sich sagen, dass Huizi eine prälogische Methode entwickelt hat, Argumente des volkstümlichen Denkens zu widerlegen, indem er die Willkür der Differenzierungen aufzeigt, denen sie entspringen, eine Methode, die dem »Sokratischen Dialog« nicht unähnlich ist. Die Schlüsse, zu denen Huizi damit gelangte, waren ihrerseits nicht frei von Willkür. Ziporyn geht so weit zu behaupten, dass die Inneren Kapitel eine ironische Replik auf Huizi’s Überlegungen darstellen würden, wobei Zhuangzi die Methode Huizi’s übernommen habe, jedoch nicht den Inhalt seiner Schlussfolgerungen.

1.7

Huizi sprach zu Zhuangzi: »Ich habe einen großen Baum, den die Leute Götterbaum nennen. Sein riesiger Stamm ist bedeckt von Schwielen, und es lässt sich keine Richtschnur anlegen; die kleinen Zweige sind so verdreht und gekrümmt, dass sie für Zirkel und Winkelmaß nicht geeignet sind; auch wenn er an einer Straße stehen würde, würde ein Zimmermann ihn nicht beachten. Nun, Meister, du drechselst große und nutzlose Worte, daher wendet sich die Menge einmütig von dir ab.«

Zhuangzi antwortete: »Bist du der Einzige, der noch keinen Marder oder Wiesel gesehen hat? Sie ducken sich flach auf den Boden und lauern, ob jemand vorbeikommt. Sie springen hierhin und dorthin, nach oben, nach unten, bis sie in die Falle gehen und im Netz sterben. Das Gleiche gilt für