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© 2018 Christoph Levin
Herstellung und Verlag:
BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN: 978-3-7481-3712-2
In einem Öffentlichen Nahverkehrssystem, das wie die Hamburger U-Bahn täglich mehr als 600.000 Menschen befördert, ereignen sich ständig irgendwelche Vorfälle. Die meisten davon sind Routine, einige dramatisch und tragisch, einige aber auch zum Schmunzeln.
Während meiner mehr als zwanzigjährigen Zeit in leitenden Funktionen des U-Bahn-Betriebs in Hamburg gehörte es zu meinen Aufgaben, täglich den Bericht der U-Bahn-Leitstelle des Vortages zu lesen. Fand sich darin ein kurioser oder lustiger Vorfall, landete eine Kopie davon auf einem zunehmend größer werdenden Stapel in meinem Schreibtisch. Diese Sammlung – ergänzt um einige andere Quellen – bildet den Grundstock für dieses kleine Büchlein.
Mein Dank gilt den vielen Fahrdienstleiter/-innen und Disponent/-innen, die die Ereignisse akribisch dokumentiert haben und teilweise auch ihren Unterhaltungswert durch die Art und Weise der Aufschreibung maßgeblich gesteigert haben.
Herrn Oberrottenmeister i.R. Douglas Pönisch danke ich für die Bereitschaft, einige seiner Karikaturen hier abdrucken zu dürfen.
Schließlich danke ich dem HOCHBAHN-Vorstand für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung.
Aus Datenschutzgründen finden sich in den nachfolgenden Kapiteln keine vollen Namen beteiligter Personen und verkürzte Datumsangaben.
Wer übrigens wissen möchte, was es mit dem Buchtitel auf sich hat, muss sich bis zum Kapitel 7 gedulden oder vorab auf Seite → nachschlagen.
Hamburg, im November 2018
Christoph Levin
Fachmännische Meldung
23.08. – 21:10 Uhr – Richtweg
Im dritten Wagen eines Zuges der U1 soll laut Angaben eines männlichen Fahrgastes (Biologe) eine Schabenkolonie leben. Es handele sich um die „Deutsche Schabe“.
Der Zugfahrer überprüfte den betreffenden Wagen, konnte aber keine Feststellung machen.
Genaue Buchführung
18.12. – 13:10 Uhr – Rauhes Haus
Im Fahrgastraum des Wagens 206-3 wurden 50 Heuschrecken ausgesetzt. Der Wagen wurde durch den Zugfahrer abgeschlossen und der Zug der Werkstatt zugeführt.
Vermerk der Werkstatt: 32 Heuschrecken erschlagen und der Entsorgung zugeführt. 18 Heuschrecken haben sich durch Flucht ihrer Vernichtung entzogen.
„Bitte nach hinten durchgehen“
Mündlich von einem ehemaligen Werkstattmitarbeiter mit Fahrberechtigung überlieferte Anekdote aus der Zeit, als die T-Wagen noch im täglichen Einsatz waren (60er Jahre):
„Bei den alten T-Wagen konnte man die Frontscheibe im Fahrerstand mittels einer Handkurbel einen Spalt weit öffnen, was an heißen Sommertagen sehr angenehm war. Ich befand mich in Ausbildung zum Zugfahrer und befuhr mit meinem Lehrfahrer an einem solchen heißen Tag die Strecke zwischen Sierichstraße und Borgweg. Plötzlich flog in voller Fahrt durch diesen Spalt ein Wespenschwarm in unseren Fahrerstand.
Nach einer kurzen Schrecksekunde öffnete mein Lehrfahrer ganz cool die Schiebetür zum Fahrgastraum, so dass die Wespen durch den Fahrtwind nach hinten in den Fahrgastraum geweht wurden. Danach schloss er die Tür schnell wieder.
Wir hörten, wie hinten nun ordentlich „Stimmung“ war, aber wichtiger war, dass wir den Zug sicher weiterfahren konnten. In der nächsten Haltestelle wurden dann natürlich erst einmal alle Türen geöffnet und die Wespen aus dem Zug komplimentiert.“
Worüber sich Fahrgäste so sorgen
02.02. – 23:34 Uhr – Hauptbahnhof Süd
Fahrgastbeschwerde über Notrufsäule: Im Fahrstuhlschacht befindet sich eine Maus. Der Fahrgast befürchtet einen Kurzschluss.
Größe ist relativ
12.05. – 15:39 Uhr – Wandsbek-Gartenstadt
Fahrgastbeschwerde: Laut Fahrgastmitteilung befinden sich im vierten Wagen des Zuges große Tiere. Die Fahrgäste verlassen fluchtartig den Wagen.
Durch den Zugfahrer S. wurde der Wagen überprüft. Im Wagen befanden sich diverse aus einer Transportkiste entwichene Futterheuschrecken. Der Eigentümer war nicht auffindbar.
Durch den Zugfahrer S. wurden die Heuschrecken aus dem Wagen verscheucht. Dabei wurden auch einzelne Tiere zertreten. Darüber, dass einige Heuschrecken getötet wurden, stellten einige Fahrgäste eine Beschwerde über den Zugfahrer in Aussicht.
Nachdem sich keine Heuschrecken mehr im Wagen befanden, wurde die Fahrt mit 3 Minuten Verspätung fortgesetzt.
Die U-Bahn ist kein Spielplatz für Kinder
26.08. – 07:22 Uhr – Norderstedt Mitte
Entenfamilie im Gleis 1 unter einem Zug.
Die Zugfahrten wurden über Gleis 2 geleitet. Verspätungen bis 5 Minuten.
Um 08:59 Uhr waren die Enten eingefangen und Gleis 1 konnte wieder befahren werden.
Schwarzfahrer
14.09. – 11:15 Uhr – Straßburger Straße
Von der Haltestelle gingen mehrere Beschwerden in der