Titelaufnahme: Jan Scheller: Hitlers „Mein Kampf“ im Geschichtsunterricht – Bausteine für historisches Lernen in den Sekundarstufen I und II, Greifswald 2018.

ISBN: 9783746045894

Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Kein Teil des Buches darf ohne schriftliche Genehmigung der Herausgeber in irgendeiner Form reproduziert werden. Dies gilt auch für jedwede digitale Verarbeitung.

Umschlaggestaltung: Marco Schabacker

Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt

2. Auflage

Printed in Germany

Greifswald 2018

Inhaltsverzeichnis

  1. Ursachen des Zusammenbruchs
  2. Propaganda und Organisation
  3. Kriegspropaganda
  4. Der Kampf der ersten Zeit – Die Bedeutung der Rede
  5. Volk und Rasse
  6. Weltanschauung und Partei
  7. Persönlichkeit und völkischer Staatsgedanke
  8. Staatsangehöriger und Staatsbürger
  9. Der Staat
  10. Weltanschauung und Organisation
  11. Ostorientierung oder Ostpolitik

Hitlers „Mein Kampf“ als Quelle für den Geschichtsunterricht

Gut ein Jahr ist es her, dass Historiker vom Münchener Institut für Zeitgeschichte anlässlich des Auslaufens der Urheberrechte eine kommentierte Ausgabe des „Konvoluts der Unmenschlichkeit“1 veröffentlichten. Die nach einem Jahr erreichte Verkaufszahl von 85.000 Exemplaren und das Belegen des ersten Platzes in der Bestsellerliste im April 2016 dokumentieren, dass dieses Werk längst nicht nur von den Universitäts- und Stadtbibliotheken sowie von Zeithistorikern erworben wird.2

Demgegenüber ist die kommentierte Edition– so eine Einschätzung des Börsenblattes – noch kaum in den Schulen und somit auch im Geschichtsunterricht angekommen.3 Das mag zum einen daran liegen, dass seitens der Geschichtslehrer/-innen „die Angst größer geworden [sei], etwas Falsches zu unterrichten und sich angreifbar zu machen“4, kann aber auch schlicht und ergreifend an dem für das Nebenfach Geschichte gänzlich ungeeigneten Umfang von 2 Bänden mit je 1.000 Seiten und einer damit einhergehenden großen zeitlichen Belastung für Geschichtslehrer/-innen in der Planung derartiger Stunden liegen, während gleichzeitig – und das schon seit Jahren – in fast allen Geschichtsschulbüchern didaktisch aufbereitete Textauszüge angeboten werden.

Die Diskrepanz zwischen der kommentierten Edition und dem unmittelbaren Einsatz im Geschichtsunterricht hat auch das bayrische Kultusministerium erkannt und ihre Landeszentrale für politische Bildung beauftragt, diese zu schließen. Anfang Februar erschien die Broschüre „Mein Kampf in der historisch-politischen Bildung“, die zum einen das didaktische Potenzial der Quelle „Mein Kampf“ im Geschichtsunterricht fundiert herausstellt, zum anderen mögliche Perspektiven für den Geschichts- und Politikunterricht anhand von Textauszügen und Leitfragen zur Erschließung und Interpretation aufzeigt.5 Weiterhin stellte Ulrich Bongertmann Forschungskontroversen rund um das Buch heraus, welche sich als lohnende Themen für den Geschichtsunterricht anbieten.6 Insbesondere die Kontroverse über eine „ungebrochene Kontinuität“ zwischen dem Buch und der späteren NS-Politik wird in einigen Unterrichtsbeispielen aufgegriffen.

Die vorliegende Broschüre bietet für nahezu alle Kapitel beider Bände der kommentierten Ausgabe ausgewählte und didaktisch aufbereitete Textauszüge, anhand derer die Anbahnung historischer Kompetenzen bei Schüler/-innen trainiert werden kann. Die Texte werden durch einen didaktischen Kommentar begleitet, der die Ziele für die jeweiligen Unterrichtssequenzen auflistet und sowohl Lernaufgaben als auch den zugehörigen Erwartungshorizont anbietet. Ziel ist es, den Lehrer/-innen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Hitlers „Mein Kampf“ als Medium für einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht dienen kann.

Jede Doppelseite beinhaltet einen Unterrichtsbaustein. Auf der rechten Seite findet sich der Textauszug aus „Mein Kampf“ (gegebenenfalls mit zusätzlichen Materialien) mit den Arbeitsaufträgen, sodass diese problemlos als Arbeitsblätter für den Unterricht kopiert werden können. Auf der linken Seite findet sich der didaktische Kommentar mit Angaben zu möglichen Stundenthemen, Zielen, ggf. benötigtem Vorwissen und Erwartungshorizonten zu den einzelnen Arbeitsaufträgen. In den Erwartungshorizonten wurde zudem der Versuch unternommen, die Operatoren der KMK in einzelne Arbeitsschritte (mit a., b. usw. bezeichnet) aufzugliedern. So soll zum einen größtmögliche Transparenz hinsichtlich der Anforderungen hergestellt und zum anderen den Lehrer/-innen ermöglicht werden den Schüler/-innen während und nach dem Arbeitsprozess Hilfestellung zu geben, die mit der Bewältigung des komplexen Arbeitsauftrages nicht vorankommen bzw. nicht adäquat bewältigten.

Die ausgearbeiteten Unterrichtsbausteine orientierten sich alle am Kreislauf historischen Lernens nach Peter Gautschi.7 Demzufolge gliedert sich das historische Lernen in folgende Bestandteile:

  1. Durch die Analyse der Textquelle entnehmen die Schüler/-innen historische Sachaussagen, die zur Beantwortung der historischen Frage in einen historischen Kontext gestellt werden (Sachurteil).
  2. Im anschließenden Werturteil bewerten die Schüler/-innen unter Offenlegung der Normen- und Wertemaßstäbe und der Reflexion ihrer eigenen Perspektive einen historischen Gegenstand und beziehen ihn so auf ihre Lebenswelt. Sie nutzen die Textquelle nicht nur, um die Vergangenheit zu deuten, sondern ebenso die Gegenwart zu verstehen und sich hinsichtlich der Zukunft zu orientieren.

Der Unterrichtseinstieg sieht nach Gautschi vor, durch Wahrnehmung von Alteritätselementen, Gegenwarts- und/oder Lebensweltbezügen ein historisches Erkenntnisinteresse in Form einer historischen Frage zu formulieren. Die den Aufgabenstellungen zugrundeliegenden Fragen sind für jeden Unterrichtsbaustein mit aufgeführt, die Gestaltung der Unterrichtseinstiege wird den Lehrkräften überlassen.

Die Unterrichtsbausteine sind im Rahmen eines Hauptseminars des Arbeitsbereichs Fachdidaktik Geschichte im Wintersemester 2016/17 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald entstanden und fortlaufend optimiert worden. Mit der Veröffentlichung sollen auch andere geneigte (angehende) Geschichtslehrer/-innen von den Arbeitsergebnissen profitieren.

An der Erstellung der Unterrichtsbausteine haben folgende Studierende mitgewirkt:

Böhnke, Carolin

Brunkhorst, Steffen

Dollerschell, Mandy Lisa

Feldmann, Cedric

Franz, Annelie

Graffe, Zita

Kurdewan, Ulrike

Lehr, Jasmin

Marx, Maria

Milz, Josephine

Möhrke, Ida Rebecca

Schalau, Josephine

Schulze, Madlen

Seibert, Eric

Siemssen-Heinsohn, Till-Hendrik

Symitzeck, Patrick

Wartenberg, Nicolas

Würzig, Florian Franz-Willy


1 Zitat von Andreas Wirsching, IfZ, wiedergegeben bei Blasius, Rainer: Editoren gegen Hitler, online einsehbar unter: http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/neuausgabe-mein-kampf-editoren-gegen-hitler-14019448.html,zuletzt eingesehen am 01.08.2017.

2 o. V.: „Mein Kampf“ ist ein Verkaufsschlager wider Willen, online einsehbar unter: http://www.welt.de/regionales/bayern/article160814976/Mein-Kampf-ist-ein-Verkaufsschlager-wider-Willen.html,zuletzt eingesehen am 01.08.2017.