Hat unser Sicherheitsapparat die lückenlose Aufklärung der NSU-Mordserie verhindert? Trägt auch der Verfassungsschutz Verantwortung für die Verbrechen der Neonazis? Und haben Polizeibehörden jahrelang in eine falsche Richtung ermittelt, weil ihr Denken zum Teil rassistisch durchsetzt ist? Diese und andere Fragen thematisiert Mehmet Daimagüler, Opferanwalt der Nebenklage, in seinem Plädoyer zum NSU-Prozess. Er appelliert an uns alle, unsere Demokratie nicht für selbstverständlich zu nehmen, sondern sie gegen Hass und Extremismus zu verteidigen.
Mehmet Gürcan Daimagüler, 1968 in Siegen als Kind türkischer Arbeiter geboren, ist Rechtsanwalt, Kolumnist und Buchautor. Regelmäßig schreibt er für Tageszeitungen und juristische Fachmedien. Er ist einer der bekanntesten Opferanwälte in Deutschland. So vertrat er jüdische Mandanten aus Ungarn im Strafverfahren gegen den »Buchhalter von Ausschwitz«, den ehemaligen SS-Mann Oskar G. 2011 erschien sein Buch Kein schönes Land in dieser Zeit, ein schonungslos offener Beitrag zur Identitätsdebatte. Im NSU-Verfahren vertrat er die Geschwister von Abdurrahim Özüdoğru, der 2001 ermordet wurde und die Tochter von İsmail Yaşar, den der NSU 2005 erschossen hatte. Mehmet Daimagüler setzt sich unermüdlich für die Aufklärung der Morde ein. Regelmäßig spricht er in Schulen, Universitäten, Polizeiakademien und vor Vereinen und wirbt dafür, dass ein Staatsversagen wie im Falle des NSU sich nicht wiederholt.
Mehmet Daimagüler
EMPÖRUNG
REICHT NICHT!
Unser Staat hat versagt.
Jetzt sind wir dran
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe
des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte sind einige Namen in diesem Buch abgekürzt.
Originalausgabe
Copyright © 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Umschlaggestaltung: Massimo Peter-Bille
Einband-/Umschlagmotiv: © Imago/Horst Galuschka
eBook-Erstellung: hanseatenSatz-bremen, Bremen
ISBN 978-3-7325-5734-9
www.bastei-entertainment.de
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Wenn man wirklich wissen will, wie die Justiz in einem Land arbeitet, fragt man nicht die Polizeibeamten, die Juristen oder die behüteten Angehörigen des Mittelstands. Man geht zu den Schutzlosen, zu jenen also, die am meisten auf den Schutz des Rechtsstaates angewiesen sind, und lässt sie Zeugnis ablegen. Frage irgendeinen Mexikaner, irgendeinen Puerto-Ricaner, irgendeinen schwarzen Mann, irgendeine arme Person – frage die Elenden, wie es ihnen ergeht in den Hallen der Gerechtigkeit. Dann wirst du erfahren, nicht ob das Land gerecht oder ungerecht ist, sondern ob das Land überhaupt eine Liebe zur Gerechtigkeit oder auch nur eine Idee von Gerechtigkeit hat. Sicher ist auf jeden Fall, dass Ignoranz, gepaart mit Macht, der grausamste Feind ist, den Gerechtigkeit haben kann.
James Baldwin aus No Name in the Street
(1972, Übersetzung: Mehmet Daimagüler)