Liebe auf Abruf

Ein Leben als heimliche Geliebte zu führen, ist so ziemlich das Schlimmste, das man sich vorstellen kann. Niemand darf etwas von der Beziehung erfahren, selbst gute Freunde oder die Familie bleiben im Ungewissen. Sonst ist es aus, vorbei ist die Liebesbeziehung. Denn die Ehefrau gewinnt immer.


Ich lernte Helge in dem Café kennen, wo ich mir neben meinem Studium etwas Geld hinzu verdienen konnte. Er war dort Stammgast und bestellte immer das gleiche: einen Café au lait und ein Croissant.


Deshalb merkte ich mir schnell sein Gesicht und seine Wünsche. Zudem gab er immer reichlich Trinkgeld.


Eines Tages fragte er mich, wie ich hieße. »Miriam«, wiederholte er, »das ist ein schöner Name. Meine Cousine heißt genauso. Ich nenne sie Miri.«


Ich lächelte freundlich und machte weiter meine Arbeit.


Im Laufe der Zeit redeten wir immer häufiger miteinander. Ich erfuhr, dass er Geschäftsführer einer großen IT-Firma und viel unterwegs war, sodass er seine Pause in unserem Café sehr genoss: »Hier ist es so ruhig, hier kann man wirklich gut entspannen.«


Natürlich wollte er von mir möglichst viel erfahren. Ihm gefiel, dass ich Kunst und Geschichte studierte, eines Tages eine eigene Galerie aufmachen und viel verreisen wollte. »Das sind gute und erstrebenswerte Ziele«, beurteilte er meine Wünsche, »Reisen bildet. Reisen kann nie schaden.«


»Als Studentin hat man aber leider wenig Geld!«,  meinte ich traurig, »zum Glück verdiene ich bei meinem Chef Claus gutes Geld.«


Wochen später bot mir Helge plötzlich einen Job in seiner Firma an: »Du verstehst bestimmt etwas von Word und Excel«, meinte er, «ich brauche eine Aushilfe. Hast du eine Woche Zeit, um mich zu unterstützen? Ich zahle dir 20 Euro die Stunde.«