„Hörst du ihn?“, flüsterte meine Oma.
Wie sollte ich nicht? Schließlich war das Heulen des Wolfes hier draußen, weit weg von jeder Zivilisation, kilometerweit zu hören.
Meiner Oma machten diese unheimlichen Gesänge nichts aus, die lebte hier schon seit ewigen Zeiten. Aber für mich, einem Stadtkind, war es die Hölle.
„Er ist wieder unterwegs. Er spürt die Veränderung, das Böse, das auf uns zukommt.“
„Mutter, bitte, du machst dem Kind Angst.“
Typisch meine Mum. Sah mich noch immer als Kind, obwohl ich inzwischen schon 15 Jahre alt war. Hörte das denn nie auf?
„Sie macht mir keine Angst. Ich finde das Geheule einfach nur gruselig“, konnte ich mir nicht verkneifen, patzig zu widersprechen. Selbst wenn meine Mum tausendmal recht hatte, hieß das nicht, dass ich es zugab.
Kurzfristig hatte Mum sich entschieden, über die Pfingstferien zu Oma zu fahren. Sie wollte Abstand gewinnen und wieder zu sich finden. Na toll! Ob ich mitfahren wollte oder nicht, das war ihr egal. Sie hatte es so entschieden und fertig. Auch deshalb war ich sauer auf sie. Nur weil ihr Leben gerade den Bach runter ging, musste sie meins nicht auch zur Sau machen. Ich hasste sie dafür.
Wir hatten gerade keine gute Zeit miteinander, meine Mum und ich.
Und jetzt saß ich hier fest, irgendwo im Nirgendwo. In einer Gegend, die sich Lausitz nannte und an der Grenze zu Polen lag. Hier starb ich langsam den einsamsten Tod, den es überhaupt gab: den der Langeweile.
Nicht einmal Internet hatten die hier in dem Kaff. Wie sollte ich mit meinen Freundinnen Kontakt halten? Es gab nur Omas altes Telefon. Mein Handy funktionierte hier nicht, kein Netz. Das einzige Netz, das es hier gab, war das riesige Spinnennetz, draußen über dem Küchenfenster, und wer weiß wo noch.
Wenn wir Oma früher besucht hatten, war das irgendwie anders gewesen. Rund um ihr Haus war es so spannend und interessant, dass ich gar keine Zeit hatte, mich zu langweilen. Wir waren fast jeden Tag unterwegs. Wandern, klettern, Tiere im Wald beobachten, all das tun, was man in der Großstadt nicht kann. Abends hatte ich es manchmal kaum noch geschafft etwas zu essen, so müde war ich. Mein Vater musste mich oft ins Bett tragen, weil ich am Tisch beinahe einschlief. Ich hätte einiges um eine Reset-Taste gegeben, die uns in dieses Leben zurückbrächte. Heute war alles anders, ohne ihn.
„Jasmin, kommst du mit, die Hühner in den Stall bringen?“ Omas Frage riss mich aus meinen Gedanken. Am liebsten hätte ich „Nein“ gesagt. Aber sie konnte nichts dafür, dass es mir nicht gut ging. Sie hatte sich riesig gefreut, als meine Mutter ihr Bescheid sagte, dass wir die Ferien bei ihr verbringen wollten.
Langsam stand ich auf und folgte ihr. Als ich mich noch einmal umdrehte, konnte ich gerade noch erkennen, wie meine Mum ihr Taschentuch hervorholte. Dann war die Tür zu und ich froh, nicht mehr sehen zu müssen, wie Mum schon wieder weinte.
„Erzähl, Kleines, was ist bei euch los?“ Oma schaute mich mit ihren dunklen Augen traurig an. „Wieso sprecht ihr beiden nicht miteinander? Es tut mir weh zu sehen, wie ihr miteinander umgeht.“ Sofort saß mir ein Kloß im Hals. So ein Mist, ich will nicht heulen.
„Ach Oma, das weißt du doch“, bekam ich gerade noch heraus, bevor ich ihr schluchzend am Hals hing.
Es tat gut, von ihren starken Armen gehalten zu werden. Wie hatte ich diesen Duft vermisst, der so typisch für sie war. Jetzt war ich doch froh, hier zu sein, bei ihr. Endlich konnte ich mich richtig ausheulen. Es beruhigte mich wie früher, als ich noch klein war, ihre streichelnde Hand am Rücken zu spüren. Oma sagte kein Wort, ließ mich einfach weinen. Als ich mich schniefend von ihr wegdrückte, hielt sie schon das obligatorische Taschentuch in der Hand. Sie lächelte mich an. Jetzt konnte ich das Lächeln sogar schon wieder zurückgeben.
Noch einmal holte ich tief Luft. „Ach Omi, bei dir ist immer alles so einfach.“
Während ich anfing zu erzählen, liefen wir langsam in Richtung Hühnerstall. Es waren kaum noch Hühner draußen. Sie gingen schon von ganz allein in den Stall, sobald es dunkel wurde. Oma wusste es und ich eigentlich auch. Es war nur ein Vorwand von ihr gewesen, um allein mit mir zu sein. Und dafür liebte ich sie.
„Seit Paps weg ist, ist Mum eine andere. Man kann nicht mehr mit ihr sprechen. Entweder heult sie den halbTag oder ist aggressiv. Du weißt doch, wie sie ist, Omi!“
Meine Hoffnung, sie würde mir Recht geben, erfüllte sich allerdings nicht.
„Jasmin, du vergisst, dass es meine Tochter ist, von der wir sprechen“, wies sie mich zurecht, ohne einen belehrenden Ton in der Stimme zu haben. „Natürlich kenne ich sie und ich weiß auch, wie sie sein kann. Aber als ihre Mutter sehe ich auch, wie sehr sie dich liebt und was sie alles unternimmt, damit es dir gut geht.“
„Ach ja? Gehört dazu auch, dass sie meinen Freund vergrault?“, giftete ich los.
„Wenn er das mit sich machen lässt, scheint ihm ja nicht viel an dir gelegen zu sein. Eine gute Beziehung muss auch mal Gegenwind vertragen.“
„Dann findest du gut, was Mum gemacht hat? Ich liebe Tom und sie hat alles kaputtgemacht, nur weil ihr der Mann weggelaufen ist. Sie war eifersüchtig auf mein Glück, jawohl!“ Ich hatte mich schon wieder in Rage geredet. Oma blieb dafür ganz ruhig, sagte kein Wort.
Plötzlich schämte ich mich. Nicht nur weil ich so laut geworden war, sondern auch, weil ich ihr wehgetan hatte. Obwohl sie mich gerade erst daran erinnert hatte, hatte ich schon wieder vergessen, dass wir von ihrer Tochter sprachen. Ich versuchte mir vorzustellen, wie es mir gehen würde, wenn irgendwer immer schlecht von den Menschen reden würde, die ich liebte. Das würde mir auch nicht gefallen.
Oma sah mich traurig an. „Glaubst du wirklich, was du da eben gesagt hast, mein Kind?“
Trotzig nickte ich.
„Und dass es einen anderen Grund geben könnte, warum dein Freund Schluss gemacht hat, hast du darüber schon einmal nachgedacht?“
„Sie hat es in meinem Beisein getan, Omi! Als wäre ich nicht anwesend, quatschte sie ihn plötzlich blöd an: Ob es Tradition bei ihm in der Familie sei, andere Menschen zu verletzen, oder so ähnlich. Ich wusste überhaupt nicht, was sie von ihm wollte.
Und dann war er auf einmal weg, ohne ein Wort ist er davongerannt. Seitdem geht er nicht mehr ans Telefon, antwortet nicht auf meine SMS und lässt sich zu Hause verleugnen! Mum will mir nicht sagen, warum sie das getan hat. Wir können nicht mehr normal miteinander sprechen, und ich will es auch nicht. So hat sie es wahrscheinlich auch mit Papa gemacht, hat ihn rausgeekelt oder so. Warum sollte er sonst weglaufen von ihr?“
„Jetzt ist es aber genug, mein Fräulein!“
Ups, da war es wieder. Wenn Oma „Mein Fräulein“ sagte, dann musste ich auf der Hut sein. So redete sie sogar mit Mum, wenn die über ihr Ziel hinausgeschossen war.
Ich zog instinktiv den Kopf ein, weil ich noch ein lauteres Donnerwetter erwartete, doch Oma blieb zum Glück ruhig.
Sie hatte inzwischen die letzten beiden Hühner in den Stall gescheucht und die Tür verschlossen. Plötzlich ertönte wieder dieses gruselige Heulen. Hier draußen klang es viel näher. Mich fröstelte und ich wollte zurück ins Haus. Oma blickte indessen in Richtung des Waldes, von wo das Heulen gekommen war.
„Er leidet. Sein Lied ist traurig.“
„Omi, du spinnst“, sagte ich noch, bevor ich mich zum Haus umdrehte und losrannte. Seltsamerweise beschäftigte mich das Heulen des Wolfes mehr, als ich zugeben wollte. Der letzte Satz von Oma machte mich nachdenklich.
Wie kommt sie auf die Idee, er könne traurig sein? Das kann Oma doch nicht aus dem Heulen heraushören, oder?
Meine Mum schaute mir entgegen, als ich die große Wohnküche betrat. Sie hatte offensichtlich ihre Heulorgie beendet und stattdessen das Abendessen vorbereitet. Jetzt spürte ich auch den Hunger, der in meinem Inneren rumorte.
„Wo ist Oma?“ Leise kam die Frage, fast zaghaft.
„Sie müsste auch gleich kommen. Sag mal, gab es hier auch schon Wölfe, als du noch hier gelebt hast?“
Mum schien froh darüber zu sein, dass ich wieder mit ihr sprach. Die Wölfe interessierten mich tatsächlich, auch wenn ich ihr Heulen noch immer gruselig fand.
„Nein, die gab es damals nicht. Die Wölfe sind erst in den letzten Jahren hier in den Wäldern wieder heimisch worden. Zumindest stand das so in den Zeitungen. Ich habe auch Berichte darüber im Fernsehen gesehen. Inzwischen gibt es sogar schon wieder mehrere Rudel im Gebiet der Lausitz.“ Sie machte eine Pause. Zuerst sah ich ihr Stirnrunzeln, danach das Lächeln, als wäre ihr etwas Nettes eingefallen.
„Jetzt ist es wieder so wie früher zu den Zeiten, von denen mein Großvater mir immer erzählt hat. Damals, vor ca. 150 Jahren, sollen viele Wölfe hier gelebt haben. Die Wälder waren dichter und größer. Es gab viel Wild, dafür weniger Menschen. Und es gab ihn“. Jetzt musste sie wieder schmunzeln. „Ihn, den geheimnisvollen Silberwolf, der die Menschen mit seinem Heulen warnte, wenn Unwetter drohten. Ihn, der die Wanderer wieder auf den rechten Weg brachte, sie sich verirrten. Ihn, der die Menschen, die Böim Sinn hatten, mit Wahnsinn und Vergessestrafte.“ Die letzten Worte sprach sie nur noch flüsternd.
Ich machte den Spaß mit.
„Ooh jaa … Ich kenne ihn“, flüsterte ich ebenfalls. „Sein Heulen schallt durch die Wälder. Was er uns wohl sagen will?“
„Warum sprecht ihr so leise? Und wer will wem etwas sagen?“ Wir hatten gar nicht mitbekommen, dass Oma inzwischen in der Küche stand. Sie hatte die hintere Tür genommen, wie immer, wenn sie ihre letzte Runde ums Haus gelaufen war.
„Na, der Silberwolf“, antworteten meine Mum und ich wie aus einem Mund. Wir lächelten uns an, das erste Mal seit vielen Tagen.
„Ach, ihr Ungläubigen“, tadelte sie uns leicht spöttisch. „Ihr werdet schon noch sehen, dass es nicht nur eine Geschichte ist.“
„Omi, erzählst du sie mir? Ich bin zwar keine fünf Jahre mehr, aber ich höre trotzdem immer gern deine Geschichten vom Silberwolf.“ Mit meinem Augengeklimper versuchte ich bei ihr Eindruck zu schinden.
„Du willst mich alte Frau doch nur auslachen.“
„Nein Omi, im Ernst. Bitte.“
„Ja, bitte“, half nun auch meine Mum, Oma zu überreden.
Die gab endlich nach und setzte sich zu uns.
„Also gut…
Lang ist es her, als die Wölfe schon einmal durch unsere Wälder streiften. Schon damals vermieden es die Grauen, den Menschen zu nahe zu kommen. Nur in Zeiten der Not, wenn in den eisigen Wintern der Hunger zu groß wurde, konnte man ihre Spuren sehen, wenn sie sich den Höfen näherten.
Die Menschen verziehen ihnen, wenn sie sich ein Schaf oder auch ein paar Hühner holten. Zu der Zeit lebten sie und die Wölfe in friedlicher Nachbarschaft und respektierten einander. Zu jener Zeit wussten die Menschen noch, dass sie in das Gebiet der Wölfe eingedrungen waren und nicht umgekehrt.
Damals lebten aber nicht nur die gewöhnlichen Wölfe Seite an Seite mit den Menschen. Da gab es noch ihn, Lunare - den Silberwolf.“
Bildete ich mir das nur ein oder leuchteten Omas Augen tatsächlich kurz auf?
„Woher er kam und was er wirklich war, dass wusste niemand zu sagen. Er hielt Räuber von den Höfen fern, egal ob Bär oder zweibeiniges Gesindel. Die Menschen hier waren glücklich und stolz, die Wölfe als ihre Freunde bezeichnen zu dürfen.“
Oma trank einen Schluck Tee, bevor sie weiter erzählte.
„Lunare war etwas ganz Besonderes. Man sagte ihm magische Kräfte nach, angeblich konnte er schwere Krankheiten heilen. Sein Fell glänzte silbern, was ihm seinen Namen gegeben hatte. Seine Augen waren wie zwei silberne Seen. Wenn ein Mensch hineinsah, versank seine Seele darin. War der Mensch reinen Herzens, so tauchte seine Seele rein wieder empor, gestärkt durch die Kraft des Silberwolfes. War jedoch die Seele des Menschen vergiftet und böse, so ertrug der Mensch den Kontakt nicht, und sein Geist verwirrte sich.
Man sagt, die meisten Menschen erinnerten sich hinterher nicht mehr deutlich daran, wenn sie ihn getroffen hatten. Nur wenige Auserwählte durften ihre Erinnerungen behalten. Besonders eine Geschichte ist mir immer in Erinnerung geblieben.
Es war während eines harten Winters. Zwei Geschwisterkinder, Karl und Rosa, hatten sich im Wald verlaufen. Sie drohten in der Kälte der Nacht zu erfrieren. Lunare selbst soll sie mit seinem dichten Fell gewärmt und am nächsten Tag zurück in ihr Dorf gebracht haben. Die Kinder erzählten begeistert von einem riesigen Wolf mit silbernen Fell und silbernen Augen. Einige von den Leuten taten es als Unsinn ab, die meisten aber glaubten den Kindern, und ihre Ehrfurcht, aber auch Dankbarkeit dem Silberwolf gegenüber wurden noch größer.
Von dem Tag an hörten die Menschen genauer zu, wenn Lunare rief. Sie lernten das Heulen des Silberwolfes zu deuten, wenn es die Wälder durchdrang und alle Bewohner vor Unwettern warnte. Sie brachten sich und ihr Vieh in Sicherheit. Und manches Mal geschah es, dass ein Mensch sich einen sicheren Schlupfwinkel mit einem Wolf teilte, bis das Unwetter wieder vorbei war.
Aus den beiden Kindern wurden erwachsene Leute, die sich mit der Heilkunde bestens auskannten. Weit über ihr Dorf hinaus waren sie bekannt, weil sie es vortrefflich verstanden, Tier und Mensch gleichermaßen zu helfen. Rosa und Karl genossen hohe Achtung, selbst bei denen, die über ihre Erlebnisse mit Lunare lächelten, wenn sie die wieder einmal voller Begeisterung erzählten.
Die Menschen hier lebten viele Jahre friedlich neben den Wölfen, bis eines Tages ein Fremder zu ihnen kam.“
Oma machte eine Pause, wie immer an dieser Stelle. Sie senkte ihre Stimme. Ein Effekt, bei dem es mir früher immer gegruselt hatte. Heute nicht mehr, dazu war ich schon zu groß.
„Es war die Zeit der Herbststürme.
Edgar, wie der Fremde hieß, verstand es, seine wahren Absichten zu verschleiern. Er verriet den Leuten im Dorf nicht, dass er ein Jäger war. Edgar hatte die Geschichten über den Silberwolf gehört und wollte sehen, welche Wahrheiten sie enthielten. Er machte sich die Gutmütigkeit der Dorfbewohner zunutze, um mehr über Lunare zu erfahren.
Mit einer erfundenen Geschichte seines angeblich kranken Sohnes, und der Lüge, dass seine Frau verstorben sei und sein kranker Junge nun bei einer Amme untergebracht war, hatte er schnell das nötige Mitleid. Die Menschen zeigten sich voller Verständnis, dass er den Silberwolf finden wollte, hieß es doch, Lunare besäße heilende Kräfte. Selbst Rosa und Karl rieten ihm, Kontakt zum Silberwolf aufzunehmen. Edgar war ein großer und stattlicher Kerl, der den Frauen reihenweise den Kopf verdrehte. Insbesondere Rosa, die er immer wieder nach dem Silberwolf fragte, verfiel seinem Charme. Sie verliebte sich unsterblich in Edgar und wich nicht mehr von seiner Seite. Vor lauter Liebesglück entging ihrem sonst so sensiblen Gespür für Menschen die Boshaftigkeit in Edgars Wesen. Als er sie fragte, wo er die beste Gelegenheit hätte, den Silberwolf zu treffen, führte Rosa ihn dorthin.
Wenige Tage später hörte man im Dorf wieder das warnende Heulen Lunares. Es war aber kein Unwetter in Sicht. Die Menschen begriffen nicht, wovor der Silberwolf sie warnen wollte. Rosa hatte sich für die Nacht mit Edgar verabredet, doch dieser kam nicht. Enttäuscht machte sie sich auf die Suche nach ihm.
Als sie Edgar schließlich im Wald fand, beobachtete sie, dass er Fallen aufstellte. Daneben platzierte er bereits getötete Tiere. Entsetzt und zornig stellte sie ihn zur Rede. Da zeigte Edgar ihr sein wahres Gesicht.
Er lachte sie aus, wie leichtgläubig sie und die anderen Dorftrottel doch seien. Edgar höhnte, dass er es nur auf das Fell des Silberwolfes abgesehen hätte, seine Familie, vor allem sein Sohn, seien ihm völlig egal. Die vielen Taler, die ihm das Fell brächten, dagegen nicht.
Enttäuscht wollte die junge Frau zurück ins Dorf laufen und die anderen warnen. Dabei geriet sie in eine der Fallen. Anstatt ihr zu helfen, zückte Edgar ohne Skrupel sein Jagdmesser und ermordete Rosa. Danach richtete er sie so zu, dass niemand mehr erkennen konnte, wodurch sie gestorben war. Anschließend legte er sie am Waldesrand ab.
Unweit dieses schändlichen Treibens stand Lunare und beobachtete alles. Voller Trauer und Zorn hallte sein Lied durch die Wälder. Die Menschen in der Gemeinde fanden sich zusammen und berieten sich besorgt über die traurige Botschaft, die sie im Heulen des Wolfes hörten. Dabei stellten sie fest, dass Rosa und der Fremde fehlten.
Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen über die Gipfel der Bäume huschten, machten sich ein paar Leute auf, nach Rosa und Edgar zu suchen. Sie fanden beide: Rosa tot und verstümmelt, Edgar weinend neben ihr. Karl verstand die Welt nicht mehr und gab in seiner Trauer Edgar die Schuld an ihrem Tod.