1. Auflage 2011
Copyright © 2011 by
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
www.hoca.de
Satz und E-Book-Umsetzung: Dörlemann Satz, Lemförde
ISBN 978-3-455-81006-6
Für J.
Ich halte den Krieg und den Frieden in meiner Toga,
aber ich entscheide mich für den Cherry-Brandy-Flip.
Richard Huelsenbeck
I don’t remember yesterday. Today it rained.
Joe Turner, Three Days of the Condor
EINS
Es war der erste Donnerstag im April, an dem ich die Wohnung nicht mehr betrat. Damals schrieb ich seit Wochen an einem Artikel über die Erstbesteigung der Eiger-Nordwand, und auf der Stadt lag ein Föhn, der die Menschen unruhig machte und schnell.
Ich verließ die Zeitungsredaktion als Letzter und fuhr mit der U-Bahn nach Hause. Auf der Fahrt stand ich in Nachbarschaft zweier Männer in auffälligen Jacken. Sie hatten die Krägen bis fast unter das Kinn geschlossen und sprachen, halb in die eigene Jacke, halb zu ihrem Gegenüber, vom kommenden Wochenende. Ich hörte, wie der eine gerade »Abends wird es doch sicher genial« sagte, als sich das Geräusch der schließenden Türen über alles legte. Auf dem mir zugewandten Rücken des anderen standen in Großbuchstaben die Worte »Mammut Extreme« aufgestickt. Als ich sie in Gedanken tonlos vor mich hin sagte, kam die Ansage des U-Bahn-Fahrers, sodass es wie »Mammut Extreme Stiglmaierplatz« klang.
Von München aus war Anderl Heckmair mit seinem Freund Wiggerl nach Grindelwald geradelt, 1938 war das. Sie hatten direkt vor der Eiger-Nordwand ein Zelt aufgeschlagen, ein paar Tage auf Wetter gewartet, sich mit Ovomaltine gestärkt und waren eingestiegen, in Wollpullovern. Unterwegs kamen sie an dem berühmten Bergsteiger Heinrich Harrer vorbei, der mit seiner Seilschaft schon länger in der Wand herumstocherte. Die Burschen hängten sich Harrer hintendran, und zu viert durchstiegen sie die Wand. Auf der Terrasse der Kleinen Scheidegg standen damals die Urlauber in Kniebundhosen und beobachteten den Aufstieg durchs Fernglas. Als Heckmair auf dem Gipfel ankam, war seine größte Sorge, dass er für die kommende Nacht keine Unterkunft finden würde, denn Wiggerl und er hatten kein Geld mehr. Später musste er als Soldat an die Ostfront, danach wurde er Bergführer in Oberstdorf. Vor zwei Monaten, am ersten Februar, ist Anderl Heckmair, der großartige Bezwinger des Eiger, gestorben. Das war mein achtundzwanzigster Geburtstag.
Ich war überarbeitet, M. hatte das gesagt, und es stimmte. Vor zwei Wochen hatte ich um Urlaub angefragt, aber keine Antwort bekommen. Vielleicht ahnten sie, dass es mir gar nicht um Urlaub ging. Mit Strandschirmen hatte ich nichts im Sinn. Was ich wollte, war eine freundliche Stille, wie sie auf einem kleinen Stadtfriedhof herrscht. Das schwebte mir als Urlaub vor, eine freundliche Stille, in der ich mich bewegen konnte.
Am Rotkreuzplatz stieg ich aus. Die Jacken fuhren weiter in den breiten Vorstadtgürtel, wo Müllberge planiert und darauf Reihenhaussiedlungen errichtet worden waren. Ich ging nicht durch die Leonrodstraße wie sonst, sondern bog erst eine Straße später ein. Die Gehsteige waren feucht und sauber. Vor mir ging eine junge Frau, die von hinten wie M. aussah mit ihrem dunkelblonden Pferdeschwanz. Aber sie war etwas größer und trug braune Lederstiefel, in denen ihre Jeans verschwand. Sie hatte es eilig, wie ich auch.
Wir waren vor etwas über zwei Jahren in das Haus an der Jutastraße gezogen. Es hatte geschneit damals, und die Heizung hatte nicht funktioniert, sodass wir die erste Woche frieren mussten und M. das Bett kaum verließ. Wenn ich aus der Redaktion zurückkam, machte mein Atem in den kahlen Zimmern Wolken.
Die junge Frau vor mir bog ebenfalls in die Jutastraße ein, was mich beunruhigte. Die Straße war nicht lang. Tatsächlich verlangsamte sie vor meiner Haustür den Schritt und zog mit einer kleinen Bewegung ihre Handtasche vor den Körper, um darin nach dem Schlüssel zu suchen. Ich blieb stehen, was aber nur wenige Sekunden lang vernünftig aussehen konnte. Dann wandte ich mich nach links, durchquerte eine Garageneinfahrt hin zu einem kleinen Gittertor, an dem das Schild »Türe schließen« hing. Durch den Hinterhof des Nachbarhauses kam ich in unseren Hinterhof, der aus einer niedrigen Baracke für Mülltonnen und einem kleinen Garten bestand, in dem die Frau des Hausmeisters Hortensien pflanzte.
Durch eine schwere Eisentür, die nur angelehnt war, betrat ich das Treppenhaus. Die Schritte der jungen Frau kamen von den hölzernen Treppenstufen über mir, während ich still stand. Sie hatte kein Licht angemacht, das Treppenhaus lag im Dunkeln, und das Dunkel roch ein wenig nach heißem Fleisch, denn es gab eine Metzgerei im Haus. Ich hörte, wie der Schritt der Frau einhielt und eine Tür aufgeschlossen wurde, ich vermutete, im dritten Stock. Wir wohnten im zweiten.
Der Lichtschalter gab mir erst auf den zweiten Druck Licht. In unserem Briefkasten steckte noch die Zeitung, was bedeutete, dass M. das Haus heute wieder nicht verlassen hatte. Langsam stieg ich mit der Zeitung unter dem Arm die Stufen hinauf. In unserer Wohnung brannte Licht, das durch das Milchglas der alten Tür warm und gleichmäßig in das Treppenhaus schien. Am Fuß der Tür stand ein Paar Schuhe. Für gewöhnlich stellte niemand Schuhe ins Treppenhaus, abgesehen von den Gummistiefeln der Kinder. Es waren die Halbschuhe eines Mannes, die ordentlich neben unserer Fußmatte abgestellt waren. Sie hatten eine sportliche, schmale Form, waren aber keine Turnschuhe. Ihr blassgrünes Leder war an einigen Stellen rissig, das Innenleder war gelb, von oben konnte ich die dunkel verfärbten Abdrücke von Fußballen sehen. Die Schnürsenkel schienen mir zu lang. Es waren nicht meine Schuhe.
Das Treppenhauslicht erlosch mit einem entfernten leisen Geräusch, ich stand im Dunkeln vor dem fremden Paar Schuhe an unserer Wohnungstür. Als wäre mit dem Licht auch ein Hintergrundgeräusch vergangen, wurde die Stille im Treppenhaus viel deutlicher. In einem der oberen Stockwerke mahlte eine Waschmaschine. Mein Magen brachte mit einem sauren Stechen das Unbehagen zum Ausdruck, das mich vor den fremden grünen Schuhen erfasste.
Es gab keine Erklärung für diese Schuhe, M. hatte keinen Bruder noch Freunde, die unangemeldet zu Besuch kommen würden. Es hatte solche Freunde gegeben, sicher, aber sie waren über die Jahre gänzlich verschwunden. Das gelbe Schuhfutter war auch im Dämmerlicht gut zu erkennen.
Von drinnen hörte ich Stimmen. Es sprach eine Frau, gedämpft, als spräche sie hinter zwei geschlossenen Türen, ich konnte nicht erkennen, ob es M. war. Die Stimme klang gelassen und sanft, als würde sie zu einem Menschen reden, der schon lange in einem warmen Raum sitzt. Die Männerstimme schien noch weiter weg, aber ich hörte deutlich die seltsam weichen, grolldunklen Silben, mit denen sie jedes dritte oder vierte Wort begann. Dann ging eine Tür auf, das Gespräch wurde lauter, ohne dass ich einzelne Worte verstehen konnte, weitere Türen gingen auf, beide Stimmen trugen sich nahe an mir vorbei. Ich hörte auf einmal direkt vor mir, wie von innen die Kette eingehängt wurde, jene Türkette, die von M. und mir jeden Abend in einer stillen Zeremonie benutzt wurde und ohne deren schützendes Klimpern wir nicht gänzlich zur Ruhe kommen konnten.
Die Stimmen wurden wieder schwächer, sie umarmten sich im Entfernen, wie mir schien, rührten sich unter Lachen ineinander, bis schließlich die Klospülung alles rauschend übertönte. Wir hatten eine sehr laute Klospülung, das Wasser stürzte dabei aus fast zwei Metern Höhe von einem Sammelbehälter an der Decke in die Schüssel. Ich trat einen Schritt von der Tür zurück. Unverändert schien das Licht durch die Milchglasscheibe in das Treppenhaus, aber es hatte von seiner Wärme verloren. Von drinnen klang jetzt Geschirr, das aus dem Schrank genommen und auf den Tisch gestellt wurde, immer umgeben vom ruhigen Gespräch der beiden Stimmen. Ganz leicht ging auch ein Geruch nach warmen Zwiebeln durch den Türspalt. Ich stand etwas atemlos, den Schlüssel in der Hand.
Mit einem entfernten Klicken sprang das Licht im Treppenhaus wieder an. Von unten hörte ich die Haustür schlagen und schnelle Schritte heraufkommen. Erschrocken wandte ich mich um, steckte den Schlüssel in die Manteltasche und ging hinunter, ganz so, als würde ich das Haus gerade verlassen. Auf dem Absatz der zweiten Treppe begegnete ich einem großen Mann. Er trug eine Brille mit modisch-dickem Kunststoffgestell und eine Hose ohne Gürtel, in der ein etwas mitgenommenes helles Hemd steckte. Wir nickten. Ich sagte zusätzlich Hallo, aber meine Stimmbänder waren trocken, sodass nur etwas wie Lo daraus wurde. Der große Mann lächelte im Vorübergehen, er war sehr schlank. Ich denke, er hat nichts bemerkt.
Ich ging weiter nach unten, als wäre ich in einer Filmszene, die noch nicht zu Ende gespielt ist, ging bis zu den Briefkästen, die neben der Tür zum Keller an der Wand hängen. Vor unserem Briefkasten blieb ich stehen, als hätte unser kleines Namensschild dieselbe Funktion wie das Nummernschild auf einem Firmenparkplatz, als könnte ich hier parken und den Motor abstellen.
Das Haus ist alt, es hat einen großen Eingangsbereich, über dem sich die Decke hoch wölbt. Die Wände sind bis zur Kinnhöhe mit blauen Kacheln verkleidet. Wieder ging das Licht aus, das Klicken der Zeitschaltuhr war jetzt ganz nah. Die Schritte des Mannes hatten sich jenseits des dritten Stocks verloren. Atmend nahm ich die Dunkelheit wieder an, die umfassender war als noch vor Minuten, als ich hier den Aufstieg der jungen Frau abgewartet hatte, die von hinten wie M. aussah.
Ich schloss für einen Moment die Augen. Auf den Innenseiten meiner Lider blinkten die grünen Schuhe vor unserer Tür. Die Schuhe gehörten einem Mann, der in unserer Wohnung war und sich mit M. unterhielt, auch in diesem Moment. Sie deckten den Tisch und ließen die Klospülung rauschen. Irgendetwas war vorgefallen.
Erst vor Stunden war ich in derselben Wohnung aufgestanden, hatte M. geweckt und, während ich mich vor dem Schrank anzog, mit ihr geredet, wie wir es jeden Morgen tun, in einem weichen, ihrem Erwachen angemessenen Rhythmus, in dem ich sie mit linden Pausen nach ihrem Schlaf befrage, nach Traumbildern und kleinen Unsinnigkeiten, die sich vielleicht ereignet hatten. Es waren Gespräche, während denen M. immer wieder einschlief und ich das Zimmer verließ, um mir vor dem Spiegel im Flur das Hemd zu knöpfen oder auf das Thermometer auf dem Balkon zu schauen. Das ergab jeweils eine vertrauliche Stille, in der das Gespräch unberührt abwartete, bis einer von uns es wieder aufnahm, ohne dabei eine gewisse Grenze zu überschreiten.
Ich versuchte, mich an M. heute Morgen zu erinnern, aber die Erinnerung verschwamm in den vielen Morgen, die ich sie so gesehen hatte, eingedreht in die Bettdecke, ein nacktes Bündel, von dem eine eigene Hitze ausging.
Mädchenroulade,
sagte ich zu ihr, und sie:
Lieb! Lass mich!
Ihre Füße schauten dabei unter der Decke hervor, aber wenn man sich ihnen näherte, verschwanden sie schnell wie Erdmännchen in ihrer Höhle.
Über was hatten wir geredet? Ich versuchte mir vorzustellen, wie ich das Hemd angezogen hatte, um von diesem Gedanken an unsere Sätze zu kommen, aber das Hemd bot keine Erinnerung. Ich besitze etwa zwei Dutzend weißer Hemden. Ein thailändischer Schneider, dem der rechte Daumen fehlt, schickt mir jedes Jahr im Herbst und im Frühling je zwei neue Hemden aus Bangkok. Sie sind eingepackt in einen Leinensack, auf den er stets einen Strauß getrockneter Blumen legt, wegen dem Zoll. Ich weiß nicht, ob die Blumen frisch sind, wenn er sie in Bangkok einpackt. Hier kommen sie als knisternde graurote Bündel an, M. hat sich angewöhnt, sie vorsichtig auszupacken und in alten Milchflaschen ohne Wasser in unserer Wohnung aufzustellen. Sie stehen auf Schränken, Tischen, Stühlen, und sie verändern sich nicht. Die Blumen sehen immer aus wie an dem Tag, an dem sie mit der Post bei uns ankamen. Es sind Sorten, die wir nicht kennen, manche wirken wie kleine, längliche Rosen, andere haben nur ein dunkelrotes Blütenblatt, das sich lederartig wie eine halb geschlossene Faust um sich selbst wölbt. Wenn man sie aus Versehen mit dem Arm streift oder die Vase umwirft, zerbröseln die Blumen schnell und vollständig zu grauem Staub. Eigentlich brauche ich gar keine Hemden mehr, aber M. machen die Blumenpakete solche Freude, dass ich sie Herrn Tamlih, so heißt der Schneider, weiter schicken lasse.
Hatte ich heute Morgen die Fenster geöffnet? Etwas über das Wetter gesagt? War die Sonne an den Rändern der Rollladen als gleißender Rahmen ins Zimmer gefallen? War M. nicht sogar aufgestanden, um ein Glas Wasser zu holen? Das alles konnte auch gestern oder gar nicht passiert sein. Ich sah durch das Treppengeländer nach oben, aber die Sicht reichte nur noch wenige Meter weit. Oben war alles von einer holzigen Finsternis. Ich hatte kein Verlangen, noch einmal hinaufzusteigen.
Unter der Treppe war Platz. Dort standen ein Kinderwagen und ein Korb für die Werbezeitungen, der gelegentlich vom Hausmeister geleert wurde. Wie ein halbes Dach ragte die Treppe darüber. Ich zog den Kinderwagen ein Stück zur Seite und war eingenommen von der Art, wie er sich rollen ließ. Dahinter war es vollkommen finster. Als Junge hatte ich in einem Zimmer unterm Dach gewohnt, mein Bett hatte direkt unter der Kante gestanden, an der die Dachschräge anfing. Gelegentlich stieß ich mir beim Aufstehen den Kopf, aber ich schlief gut und konnte noch Jahre, nachdem meine Eltern das Haus mit dem Dachzimmer verkauft hatten, nur einschlafen, wenn ich mir diese Dachschräge meines Kinderzimmers vorstellte.
Ich schlüpfte unter die Treppe. Der Boden war warm, unter den braunen Bodenfliesen musste ein Heizungsrohr verlaufen. Mit dem Rücken lehnte ich mich an die Wand, genau an der Stelle, wo ich den Kopf ohne Kraftaufwand an die Treppenschräge lehnen konnte. Mit den Füßen rangierte ich den Kinderwagen so vor mich, dass seine Breitseite meinen Sitz abschirmte. Den Papierkorb trat ich ihm wie einen Wachtturm rechts an die Seite. Interessant war, dass in dem Korb auch jene Wachtturm-Hefte lagen, die die Zeugen Jehovas unermüdlich im Haus verteilten. Der Korb war aus weißem, lackiertem Metall und machte, als ich ihn heranzog, ein knirschendes Geräusch, das scharf durch die Eingangshalle schnitt. Die Zeitung aus unserem Briefkasten legte ich mir als isolierende Schicht unter. Ich überlegte, was heute von mir darin stand, ein Zweispalter zu einem Fernsehfilm, und war zufrieden, dass es nun zu etwas nützte.
Meine Lage war bequem, ich saß auf dem warmen Boden, die ausgestreckten Beine erreichten knapp den Kinderwagen, der mit einer Regenhülle verkleidet war und mich so nahezu vollständig abschirmte. An der Seite schloss der Papierkorb den Winkel, weil er etwas niedriger war als der Kinderwagen. Einen kurzen Moment lang dachte ich daran, auch noch meine Tasche neben den Papierkorb zu stellen. Das Verlangen, die Mauer weiter auszubauen, war groß. Aber es hätte von außen zweifellos seltsam ausgesehen. Das Holz und der Boden in meinem Versteck rochen nach altmodischen Reinigungsmitteln, wie der Raum in meiner alten Schule, wo die Linoldrucke zum Trocknen ausgelegt waren.
Den Mantel zog ich aus, als wäre ich zu Hause, und legte ihn zusammengefaltet neben die Tasche. Gerade als ich nachdachte, was ich an Nützlichem darin hatte, ging das Licht an und blendete mich, gleichzeitig hatte sich in unmittelbarer Nähe eine Tür geöffnet, und noch ehe ich meinem Erschrecken eine Form geben konnte, schritten zwei Beine in seltsamen schwarz-weiß karierten Hosen, die bis zum Knie mit einer fleckigen Schürze bedeckt waren, am Kinderwagen vorbei. Es war der Metzger. Ich sah noch, dass er eine rote Kunststoffwanne vor dem Bauch trug, dann verschwand er aus meinem Blickfeld, und die Eisentür zum Hinterhof schlug zu. Auf seinem Rückweg würde er einen besseren Blick auf mich haben, weil dann die offene Seite meines Treppenverstecks in seiner Richtung lag. Trotzdem wagte ich es nicht, mich zu bewegen und meine Position zu verändern, aus Angst, er könnte mich schon dabei ertappen.
Er hatte die Wohnungstür offen gelassen, und die Töne eines Fernsehers wallten zusammen mit dem warmen Fleischgeruch in mein Versteck. Beides passte gut zusammen, es war eine Essenz von Feierabend. Dann ging wieder die Eisentür, und für einen Moment sah ich dem Metzger direkt ins Gesicht, der mich aber im dunklen Treppeneck nicht wahrnahm. Die weißen Pantoffeln klappten vorbei, die Tür schloss sich wieder, und der Nebel aus Fleisch und Fernsehen dünnte aus. Das Licht erlosch, von weit schlug die Herz-Jesu-Kirche acht Uhr, und noch vor dem letzten Schlag fiel ich, ganz gegen meine Gewohnheit, in einen zufriedenen Schlaf.