Bernhard Baader
Volkssagen aus Baden
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Eine Sage ist im allgemeinen alles, was gesagt und von Mund zu Mund weiter erzählt wird, also soviel wie Gerücht; im engeren Sinn eine im Volke mündlich fortgepflanzte Erzählung von irgendeiner Begebenheit. Knüpft sich die S. an geschichtliche Personen und Handlungen, indem sie die im Volke fortlebenden Erinnerungen an geschichtliche Zustände, Persönlichkeiten, dunkel gewordene Taten zu vollständigen Erzählungen ausbildet, so entsteht die geschichtliche S. und, sofern sie sich auf die alten Helden des Volkes erstreckt, die Heldensage; sind aber die Götter mit ihren Zuständen, Handlungen und Erlebnissen Gegenstand der S., so entsteht die Göttersage oder der Mythus (s. Mythologie) und auf dem Gebiet monotheistischer dogmatischer Religion die Legende (s. d.). Hastet die Erzählung an bestimmten Örtlichkeiten, so spricht man von örtlichen Sagen. Noch eine Sagengattung bildet endlich die Tiersage, die von dem Leben und Treiben der Tiere, und zwar fast ausschließlich der ungezähmten, berichtet, die man sich mit Sprache und Denkkraft ausgerüstet vorstellt. Ost hat sich um eine besonders bevorzugte Persönlichkeit, wie z. B. König Artus, Dietrich von Bern, Attila, Karl d. Gr. etc., und deren Umgebung eine ganze Menge von Sagen gelagert, die nach Ursprung und Inhalt sehr verschieden sein können, aber doch unter sich in Zusammenhang stehen, und es bilden sich dadurch Sagenkreise, wie deren im Mittelalter in germanischen wie romanischen Ländern mehrere bestanden und zahlreiche Epen hervorgerufen haben (vgl. Heldensage). Die echte S. erscheint somit als aus dem Drang des dichterischen Volksgeistes entsprungen. Wie alle Volkspoesie blüht sie am prächtigsten in der älteren Zeit, aber auch bei höherer Kultur verstummt sie nicht ganz; vielmehr ist der Volksgeist noch heute tätig, bedeutende Vorgänge und Persönlichkeiten mit dem Schmuck der S. zu umkleiden. Die Anknüpfung an ein gewisses Wirkliches ist hauptsächlich das Merkmal, das die S. vom Märchen (s. d.) unterscheidet. Wie das Märchen, liebt sie das Wunderbare und Übernatürliche, obwohl es ihr nicht unentbehrlich ist. Am häufigsten heftet sie sich an Burg- und Klosterruinen, an Quellen, Seen, an Klüfte, an Kreuzwege etc., und zwar findet sich ein und dieselbe S. nicht selten an mehreren Orten wieder. Um die Erhaltung der deutschen S. haben sich zuerst die Brüder Grimm verdient gemacht durch ihre reiche Sammlung: »Deutsche Sagen« (Berl. 1816–18, 2 Bde.; 3. Aufl. 1891). Nächst diesen sind die Sammlungen von A. Kuhn und Schwartz (»Norddeutsche Sagen«, Leipz. 1848), J. W. Wolf (»Deutsche Märchen und Sagen«, das. 1845), Panzer (»Bayrische Sagen«, Münch. 1848, 2 Bde.), Grässe (»Sagenbuch des preußischen Staats«, Glogau 1871) und Klee (Gütersloh 1885) als besonders reichhaltige Quellen zu nennen. Als Sammler von Sagen einzelner Länder, Gegenden und Örtlichkeiten waren außerdem zahlreiche Forscher tätig, so für Mecklenburg: Studemund (1851), Niederhöffer (1857) und Bartsch (1879); für Pommern und Rügen: U. Jahn (2. Aufl. 1890), Haas (Rügen 1899, Usedom u. Wollin 1903); für Schleswig-Holst ein: Müllenhoff (1845); für Niedersachsen: Harrys (1840), Schambach und Müller (1855); für Hamburg: Beneke (1854); für Lübeck: Deecke (1852); für Oldenburg: Strackerjan (1868); für den Harz: Pröhle (2. Aufl. 1886); für Mansfeld: Giebel hausen (1850); für Westfalen: Kuhn (1859) und Krüger (1845), Weddigen und Hartmann (1884); für die Altmark: Temme (1839); für Brandenburg: Kuhn (1843) und W. Schwartz (4. Aufl. 1903); für Sachsen: Grässe (1874) und A. Meiche (1903); für das Vogtland: Köhler (1867) und Eifel (1871); für das Erzgebirge: J. A. Köhler (1886); für die Lausitz: Haupt (1862) und Gander (1894); für Thüringen: Bechstein (1835, 1898), Börner (Orlagau, 1838), Sommer (1846), Wucke (Werragegend, 1864), Witzschel (1866), Richter (1877); für Schlesien. Kern (1867), Philo vom Walde (1333); für Ostpreußen etc.: Tettau (183f) und Reusch (Samland, 1863); für Posen: Knoop (1894); für den Rhein: Simrock (9. Aufl. 1883), Geib (3. Aufl. 1858), Kiefer (4. Aufl. 1876), Kurs (1881), Schell (Bergische S., 1897), Hessel (1904); für Luxemburg: Steffen (1853) und Warker (1894); für die Eifel: P. Stolz (1888); für Franken etc.: Bechstein (1842), Janssen (1852), Heerlein (Spessart, 2. Aufl. 1885), Enslin (Frankfurt 1856), Kaufmann (Mainz 1853); für Hessen: Kant (1846), Wolf (1853), Lynker (1854), Bindewald (1873), Hessler (1889); für Bayern: Maßmann (1831), Schöppner (1851–1853), v. Leoprechting (Lechrain, 1855), Schönwerth (Oberpfalz, 1858), Sepp (1876), Haushofer (1890); für Schwaben: Meier (1852) und Birlinger (1861–1862), Reiser (Algäu, 1895); für Baden: Baader (1851), Schönhut (1861–65), Waibel und Flamm (1899); für das Elsaß: August St ob er (1852, 1895), Lawert (1861), Hertz (1872); für die Niederlande: Wolf (1843), Welters (1875–76); für Rumänien: Schuller (1857); für die Schweiz: Rochholz (1856), Lütolf (1862), Herzog (1871, 1882); für Tirol. Meyer (2. Aufl. 1884), Zingerle (1859), Schneller (1867), Gleirscher (1878), Heyl (1897); für Vorarlberg: Vonbun (1847 u. 1890); für Österreich: Bechstein (1846), Gebhart (1862), Dreisauff (1879), Leed (Niederösterreich, 1892); für Mähren: Schüller (1888); für Kärnten: Rappold (1887); für Steiermark: Krainz (1880), Schlossar (1881); für Böhmen: Grohmann (1863), Gradl (Egerland, 1893); für die Alpen: Vernaleken (1858), Alpenburg (1861) und Zillner (Untersberg, 1861); für Siebenbürgen: Müller (2. Aufl. 1885), Haltrich (1885). Die Sagen Islands sammelten Maurer (1860) und Poestion (1884), der Norweger: Asbjörnson (deutsch 1881), der Südslawen: Krauß (1884), der Litauer: Langkusch (1879) und Veckenstedt (1883), der Esten: Jannsen (1888), der Lappländer: Poestion (1885), der Russen: Goldschmidt (1882), der Armenier: Chalatianz (1887), die der Indianer Amerikas: Amara George (1856), Knortz (1871), Boas (1895); indische Sagen Beyer (1871), japanische Brauns (1884), altfranzösische A. v. Keller (2. Aufl. 1876); deutsche Pflanzensagen Perger (1864), die deutschen Kaisersagen Falkenstein (1847), Nebelsagen Laistner (1879) etc. Die Sagen bilden mit den im Volk umlaufenden Märchen, Legenden, Sprichwörtern etc. den Inhalt der Volkskunde (s. d.), die seit neuerer Zeit Gegenstand reger wissenschaftlicher Forschung ist. Vgl. L. Bechstein, Mythe, S., Märe und Fabel im Leben und Bewußtsein des deutschen Volkes (Leipz. 1854, 3 Tle.); J. Braun, Die Naturgeschichte der S. (Münch. 1864–65, 2 Bde.); Uhland, Schriften zur Geschichte und S., Bd. 1 u. 7 (Stuttg. 1865–68); Henne am Rhyn, Die deutsche Volkssage im Verhältnis zu den Mythen aller Völker (2. Aufl., Wien 1879); v. Bayder, Die deutsche Philologie im Grundriß (Paderb. 1883); Paul, Grundriß der germanischen Philologie, Bd. 2, 1. Abt. (2. Aufl., Straßb. 1901) und die Bibliographie in der »Zeitschrift des Vereins für Volkskunde«; Grünbaum, Gesammelte Aufsätze zur Sprach- und Sagenkunde (Berl. 1901).
Einen großen Theil der nachstehenden Sagen habe ich bereits in den Jahrgängen 1835-39 von Mone's "Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit" veröffentlicht. Von da sind sie, ohne mein Zuthun, in verschiedene Werke (besonders in A. Schnezler's "Badisches Sagenbuch") übergegangen, häufig mit alten oder neuen Druckfehlern, häufig mit unpassenden Aenderungen. Ich gebe sie jetzt in ihrer ächten Gestalt, mit einer Menge Berichtigungen und Ergänzungen, wieder und füge eine noch größere Anzahl neugesammelter hinzu. Die ganze Sammlung ist bis auf Weniges aus mündlicher Ueberlieferung geschöpft, und jede andere Quelle am gehörigen Orte angegeben. Daß manche bekannte Wunder- und Zaubergeschichten, so wie verschiedene Geistererzählungen fehlen, rührt daher, weil nicht bewährte Begebenheiten, sondern nur eigentliche Sagen (und zwar mit aller Treue) mitgetheilt werden sollen. Ihre Eintheilung und Zusammenstellung habe ich nach Gegenden gemacht, und dabei diejenigen, deren Oertlichkeit unbestimmt ist, dahin gesetzt, wo sie im Umlaufe sind.
Mehreren zufällig aufgefundenen Sagen aus entferntern Theilen Deutschlands ist am Ende der Sammlung ein Platz gegönnt worden.
Zum Schlusse wünsche ich, daß mein Buch (welches nur für Erwachsene, durchaus nicht für Kinder, ist) den Lesern eben so viel Freude machen möge, als mir seine Zusammentragung und Abfassung während zwanzig Jahren verursacht hat!
Karlsruhe, den 26. Oktober 1850.
Der Verfasser.
Nachdem die Johanniskirche in Konstanz eingegangen war, wurde sie als Stall benützt. Aber alles Vieh ging darin zu Grunde, namentlich wurden den Geißböcken Nachts von unsichtbarer Macht die Hälse umgedreht. Da hörte man auf, die Kirche als Stall zu gebrauchen.
Nachdem die Schweden die Insel Meinau im Bodensee eingenommen hatten, luden sie das Kruzifix und die beiden Schächer von Erz, welche nächst der Insel im See standen, auf einen Wagen mit zwei Pferden und fuhren damit fort. Am Berg von Lützelstetten hielt der Wagen und war nicht mehr von der Stelle zu bringen, obgleich die Schweden zuletzt zwölf Pferde daran gespannt hatten. Sie ließen ihn nun mit seiner Ladung, aber ohne die Bespannung, stehen, worauf Bauern ihn mit zwei Pferden ganz leicht zurückführten und das Kruzifix nebst den Schächern am vorigen Platz wieder aufstellten.
Am Morgen des Charfreitags kam ein Mimmenhauser Mädchen zu einem Nußbaum, in dessen hohlem Stamm eine Menge Goldkäfer umherkroch. Weil sie so schön glänzten, nahm sie eine Handvoll in ihre Schürze und rief einer Frau in der Nähe, herbeizukommen und die prächtigen Käfer im Baum zu sehen. Da waren dieselben im Augenblick verschwunden, und als das Mädchen der Frau die Käfer in ihrer Schürze zeigen wollte, hatte sie, statt ihrer, große, alte Goldstücke darin.
Den Andelsbach bei Pfullendorf mußte man lange Zeit durchwaden, weil diese Reichsstadt mit dem benachbarten Gebietsherrn sich nicht über den Kostentheil vereinigen konnte, welchen er am Stegbau übernehmen sollte. Nachdem man endlich damit im Reinen war, wurde der Steg gebaut, aber, als er fertig, zu kurz befunden. Da ließ der Stadtrath ihn in's Wasser legen, um ihn aufzulockern, und nachher an dessen beiden Enden Löcher bohren. An diese spannte man dann die Spitalpferde, je vier an ein Ende, und trieb sie nach entgegengesetzten Richtungen, um den Steg in die Länge zu dehnen. Dies hatte aber keinen anderen Erfolg, als daß es den Pfullendorfern den Namen Stegstrecker verschaffte, welchen sie bis jetzt noch nicht verloren haben.
Zu einem Müller aus Radolfzell, welcher Abends vom Möhringer Fruchtmarkt heimfuhr, kam unter der Burg Hohenkrähen ein schlechtgekleideter Wanderer und bat, ihn bis Singen mitzunehmen, was ihm auch bewilligt wurde. Kurz vor Singen mußte der Müller absteigen, wobei er mit Schrecken inne ward, daß der Geldgurt, den er um den Leib hatte, ganz leicht und leer geworden sei. Voll Verdacht blickte er auf den Wanderer, der neben ihm gesessen; aber derselbe sagte ganz gleichgültig: "Ich habe das Geld nicht; geht einmal zurück, vielleicht findet ihr es wieder." Da schaute der Müller um und sah, beim Mondlicht, vor sich auf dem Weg einen Thaler liegen; unweit davon fand er einen zweiten und einige Schritte weiter einen dritten. Hierüber lachte der Wanderer laut auf, stieg vom Wagen und verließ den Müller. Nun merkte dieser, daß er es mit Poppele, dem Spukgeist von Hohenkrähen, zu thun habe; schnell stellte er sein Fuhrwerk in Singen ein und ging suchend auf der Landstraße eine Stunde weit zurück. Nach und nach fand er alle seine Thaler, den letzten, Morgens um fünf Uhr, an der Stelle, wo er den Poppele auf den Wagen genommen hatte.
Als noch auf dem Platze, wo jetzt Schaffhausen liegt, nur ein Kloster und eine Schifflände waren, fischte einst dort im Rhein ein reicher, vornehmer Edelmann. Darüber schläfrig geworden, lenkte er den Nachen, worin er allein war, in eine Bucht, legte sich in ihm nieder und schlummerte ein. Während er so im Schlafe lag, wurde der unbefestigte Kahn von den Wellen allmälig aus der Bucht in die Strömung des Flusses gespült, und nun ging es mit ihm schnell und stets schneller dem Rheinfall zu. Der Edelmann schlief noch immer und erwachte selbst dann nicht, als er mit dem Nachen den gräßlichen Fall hinabgerissen wurde. Als er die Augen aufschlug, lag der Kahn, unbeschädigt wie er, eine Stunde unterhalb des Rheinfalls am einsamen Ufer. Da erkannte der Edelmann, was mit ihm geschehen und wie er wunderbar von Gott erhalten worden. Zum Dank hierfür stiftete er am letztern Ort ein reiches Kloster, welches die noch bestehende Benediktinerabtei Rheinau ist.
Im Dorfe Unter-Rifferswil, im Kanton Zürich, vermummte sich am Fastnachtsabend ein kecker Bursch als Teufel und ließ sich so von seinen Genossen im Schlitten umherziehen. Da kam der wirkliche Teufel, ergriff ihn und führte ihn auf immer hinweg.
Nicht weit vom Zusammenfluß der Wutach und Schlücht stand vor Zeiten das Schloß Homburg, von dem jetzt nur noch wenig Gemäuer übrig ist. In dem Schlosse haus'te ein Ritter, welcher aus Kirchen und Klöstern einen großen Schatz zusammenraubte und ihn in den unterirdischen Gang verbarg, der von der Burg auf das Schloß Küssaberg führte. Dort liegt derselbe noch heute in den Höhlen der Teufelsküche, und alle hundert Jahre erscheint in der Fastenzeit die Tochter des Ritters, um jemand zu finden, der den Schatz hebe und dadurch sie und ihren Vater erlöse. Sie ist ein wunderschönes Seefräulein mit goldgelben Haaren, nach den Einen ganz wie ein Mensch, nach den Andern unten wie ein Fisch gestaltet. Häufig badet sie in der Wutach, oder sonnt, wäscht und kämmt sich an deren Ufer. Zu einem Fischer, welcher Nachts in dem Flusse zu fischen pflegte, kam sie öfters und sprach zu ihm: "Gehe mit mir zu dem Schatze, berühre die Kiste, worin das Geld liegt, dann muß der Böse weichen, und du erhälst all den Reichthum und erlösest mich und meinen Vater miteinander." Nach mehrmaligem Weigern folgte er ihr endlich; aber kaum war er unten, so trieb ihn die Angst wieder zurück. Mit Bewilligung des Fräuleins nahm er das nächste Mal einen Kapuziner von Waldshut mit hinab. In der ersten Höhle, in die sie kamen, befand sich nichts von besonderem Werthe, in der zweiten: kostbares Kirchengeräth nebst einem goldenen Kegelspiel, und in der dritten der Hauptschatz: eine große Eisenkiste voll Geld. Auf derselben lag aber ein schwarzer Pudel mit glühenden Augen und spie Feuer. Bei diesem Anblick fiel der Fischer in Ohnmacht, worauf der Kapuziner ihn hinaus ins Freie brachte, und das Fräulein klagte, daß sie mit ihrem Vater nun wieder hundert Jahre lang unerlös't bleiben müsse.
In dem Schloßgemäuer sind schon Nachts geharnischte Männer zu Pferd und schöngekleidete Ritterfrauen gesehen worden.
Landgraf Max von Stühlingen, der sechs und einen halben Schuh hoch war, besaß eben so große Gewandtheit, als Stärke. Die lange Treppe im Schlosse zu Stühlingen sprang er in drei Sätzen hinab und bändigte die wildesten Pferde dadurch, daß er sie am Schwanz ergriff und schnell seitwärts wendete. Bei einem Gelag auf dem erwähnten Schlosse stellte er mit dem Freiherrn von Wartenberg die Wette an: er werde eher auf seinem Roß, als dieser auf dem seinigen sitzen, obgleich er dem Freiherrn, wenn derselbe in den untern Stock gekommen, noch im obern an der Treppe Antwort geben wolle. Nachdem der Wartenberger die Antwort, wie verabredet, erhalten hatte, eilte er vor das Schloß, wo sein Rappe und des Stühlingers Schimmel aufgezäumt standen, und sieh! der Landgraf saß bereits wohlgemuth im Sattel seines Riesenpferdes. Er war aus einem Fenster des obern Stockwerks darauf gesprungen und hatte nun durch diesen kühnen Streich die Wette gewonnen. Noch heutigen Tages kennt man das Fenster; und ein Hufeisen des Schimmels, so groß wie eine Suppenschüssel, ist lange Zeit im Zeughaus zu Donaueschingen aufbewahrt worden.
Auf einem Stege bei Schwaningen läßt sich in den heiligen Nächten ein gespenstiger Mann sehen. Ein Bauer des Orts, welcher einst spät aus dem Wirthshaus zu Oberwangen heimgehen wollte, wurde vor dem Geiste gewarnt, schrie aber in seinem Rausch, er wolle bald mit ihm fertig sein, und machte sich keck auf den Weg. Als er an den Steg kam und das Gespenst darauf stehen sah, wollte er es mit seinem Stock hinunterschlagen, allein er wurde von ihm am Finger gepackt, eine halbe Stunde weit gegen Dillendorf geschleppt und alsdann ohne Bewußtsein liegen gelassen. Nach einiger Zeit kam er wieder zur Besinnung, aber der Finger, woran er geschleppt worden, war kohlschwarz und blieb es auch bis zu des Bauers Tode, der bald darauf erfolgte.
Zu Wellendingen war ein lediger Schuhflicker bei seinem Bruder gestorben, welcher für blutarm gegolten hatte. In der Nacht nach seiner Beerdigung erschien er seiner Schwägerin und sprach zu ihr: "Ich habe mir bei meinen Lebzeiten ein paar hundert Gulden in Gold erspart, die ich in einem angebundenen Beutel auf der bloßen Brust zu tragen pflegte; dieses Geld, von dem niemand wußte, ist mit mir begraben worden, und ich habe nun keine Ruhe, bis es von euch geholt wird." Am Morgen erzählte die Frau ihrem Manne die Erscheinung, der dieselbe anfänglich für einen Traum hielt, aber, als sie in der folgenden Nacht sich wiederholt hatte, den Pfarrer darüber um Rath fragte. Dieser hieß ihn und die Frau in der nächsten Nacht wach bleiben und, wenn der Geist nochmals komme, dessen Begehren erfüllen. Um Mitternacht, als der Mann und die Frau hell wachten, erschien der Schuhflicker wieder und erneuerte seine Bitte; aber nur von der Frau konnte er gesehen und gehört werden. Da ging der Mann in der andern Nacht mit einem Bekannten auf den Kirchhof, öffnete Grab und Sarg, und fand auf der Brust des Leichnams den Beutel mit dem Gelde. Denselben nahm er zu sich, machte Sarg und Grab wieder zu und brachte so seinen Bruder zur Ruhe.
Zu einem Viehmädchen in Immeneich kam jeden Morgen und Abend zur Melkzeit eine große Schlange in den Stall, welche auf dem Kopfe eine goldene Krone trug. Das Mädchen gab ihr allemal warme Kuhmilch zu saufen. Als dasselbe, wegen eines Verdrusses, plötzlich aus dem Hause gekommen war, und die neue Viehmagd das erste Mal melken wollte, fand sie auf dem Melkstuhl die goldene Krone liegen, worin die Worte standen: Aus Dankbarkeit. Sie brachte die Krone ihrer Herrschaft, welche dieselbe dem abgekommenen Mädchen gab, für das sie bestimmt war. Seit dessen Verabschiedung ist die Schlange nicht wieder gesehen worden.
Zu einem Mann, welcher im Kloster St. Blasien Stroh schnitt, kam eines Nachmittags der Fürstabt mit den zwei Vornehmsten seiner Mönche. Bei Erblickung des vielen geschnittenen Strohes sprach der Fürst: "So viel Stroh dies auch ist, so haben wir doch noch mehr Gold und Silber." Der Mann erlaubte sich, dies zu bezweifeln, worauf die drei sagten, sie wollten ihm die Schätze zeigen, seine Augen verbanden und ihn, wie er merkte, durch einen unterirdischen Gang führten, der unter einem rauschenden Wasser hinwegging. Als ihm die Binde abgenommen wurde, befand er sich in einem Gewölbe, welches unter dem dreifachen Verschlusse seiner Begleiter stand, und worin Gold und Silber, gemünzt und in Stangen, klafterweis aufgesetzt war. Die Geistlichen vergönnten ihm, sich so viel Silber zu nehmen, als er in beide Hände fassen konnte, verbanden ihm dann wieder die Augen und führten ihn ins Kloster zurück.
St. Blasien hatte so viele Besitzungen, daß seine Mönche, wenn sie nach Rom reis'ten, jede Nacht in ihrem Eigenthum einkehren konnten.
14. Ursprung der Todtmooser Wallfahrt.
Im Schwarzwald war vor Zeiten ein Sumpf, der wegen seiner tödtlichen Ausdünstung das Todtmoos hieß. Später siedelten sich in den Wäldern um ihn mehrere Waldbrüder und Holzhauer an. Als einst einer der letzteren an dem Sumpf eine Tanne fällen wollte, rief aus ihr eine Stimme ihm dreimal zu: Halt ein! Er fragte, was sie wolle, worauf sie erwiederte: "Sage den Leuten, daß sie hier zu Ehren der Mutter-Gottes eine Kapelle bauen sollen." Nachdem der Holzhauer dies ausgerichtet, untersuchte ein Priester den Baum und fand darin ein kleines hölzernes Vesperbild. Dasselbe kam auf den Altar der Kapelle, die man neben dem Tannenbaum errichtete. Bald wurde dahin gepilgert, und es geschahen bei dem Bilde viele Wunder. Gegenwärtig ist weder das Bild, noch die Tanne mehr vorhanden; ersteres jedoch durch eine treue Nachbildung in lebensgroßen Gestalten ersetzt.
Ein Einsiedler im Schwarzwald hatte öfters einen schönen Gesang gehört, ohne entdecken zu können, wo derselbe herrühre. Nachdem er hierwegen eifrig gebetet, ging er einst wieder dem Gesang nach und kam zu einer Tanne, in deren Stamm ein hölzernes Mariabild in einer Blende stand. Er verehrte es andächtig und verkündete das Geschehene in der ganzen Gegend, worauf zu dem Baume gepilgert und dabei so viel geopfert wurde, daß unweit desselben eine Kapelle errichtet werden konnte. Auf deren Altar stellte der Einsiedler verschiedene Mal das Bild, allein stets kehrte es von selbst in die Blende zurück. Da ließ er es endlich darin stehen und, als die Wallfahrten und Opfer immer zunahmen, über die Tanne eine schöne Kirche bauen, bei welcher das Dorf Todtmoos nach und nach entstand.
Auf dem St. Antoniusberge wollte man eine kleine Kirche bauen, aber was man am Tag aufführte, ward in der Nacht durch unbekannte Gewalt wieder eingerissen. Da warf der Maurer von dort seinen Hammer in Gottes Namen in die Luft, um zu erfahren, wohin das Kirchlein kommen solle. Derselbe fiel, eine halbe Stunde davon, in einer sumpfigen Wüste, die das Todtmoos hieß, bei einer Tanne nieder. Auf diesen Platz beschloß man nun zu bauen, und als zu diesem Zwecke der Baum umgehauen wurde, fand sich darin ein hölzernes Mariabild. Zu dem Kirchenbau wollte man schöne Felsen in der Nähe verwenden, allein der Teufel machte sie unbrauchbar, indem er mit seinen Klauen die Ritze und Spalten hineinkratzte, welche heute noch zu sehen sind. Gleichwohl ward das Kirchlein aufgeführt, und darin das Bild zur Verehrung ausgesetzt. Auf dem Antoniusberg errichtete man ein Kreuz, wobei die Pilger zu halten und zu beten pflegen.
Fußnoten
Diese Sagen weichen gänzlich ab von der Entstehungsgeschichte der Todtmooser Wallfahrt, welche Placidus Rauber beschrieben hat in dem Werke: Kürtze Histori. Unser lieben Frawen auff dem Schwartzwald in dem Todtmoß zum Schönbühl etc. Friburgi Brisg. 1628.
Auf einem Speicher zu Bernau befand sich seit lange eine Holzbeuge, welche die Hauseigenthümer dort schon angetroffen hatten. Ohne jemands Zuthun stand dieselbe bald auf diesem, bald auf jenem Platze des Speichers. Endlich wollte man sie zur Feuerung benutzen, aber beim Verbrennen der ersten Stücke brannte das ganze Haus ab. Als dieses wieder aufgebaut war, hatte auf dem Speicher sich auch wieder die Holzbeuge eingefunden, welche forthin niemand mehr anzufechten wagte.
Ein armer Landmann gerieth mit einer Fuhr Holz so tief in den Koth, daß er sie, trotz aller Anstrengung, nicht mehr herausbrachte. Da kam aus dem nahen Wald ein Jäger auf einem Schwein geritten und erbot sich, den Wagen herauszuziehen, wenn der Mann ihm das verschriebe, was jetzt hinter seiner Stubenthüre stehe; nach sieben Jahren müßte er es dann hieher auf den Platz bringen. In der Meinung, es sei, wie gewöhnlich, nur der Besen hinter der Thüre, willigte der Bauer ein, sagte aber, daß er keine Tinte bei sich habe. "Schwarz gilt bei mir nichts, bei mir ist alles schwarz, ich muß roth haben!" erwiederte der Jäger, worauf der Mann sich den Finger ritzte und mit seinem Blute schrieb. Als dies geschehen, zog der Jäger den Wagen aus dem Koth und gab noch dem Bauer einen großen Beutel mit Gold. Voll Freude brachte derselbe den Reichthum nach Haus und erzählte seiner Frau das Geschehene. Da erfuhr er von ihr, daß er sein Kind verschrieben, welches damals zur Strafe hatte hinter der Thüre stehen müssen. Sie waren nun sehr traurig und beschlossen, das Kind zu aller Frömmigkeit zu erziehen, was sie in den sieben Jahren auch thaten. Während dieser Zeit befanden sie sich in stetem Wohlstande, weil das Geld, welches sie vom Jäger erhalten, niemals ausging. Als die bedungene Frist um war, brachte der Mann, in Begleitung vieler Leute, sein Kind auf den bestimmten Platz; der Jäger kam wieder auf dem Schwein angeritten und führte das Kind auf immer hinweg. Nachher hat auch das Geld des Bauers ein Ende genommen.
In ein Wirthshaus, das in einer Einöde des Schwarzwaldes stand, hatte sich ein Mädchen als Magd verdingt. Bald merkte sie, daß sie bei Raubmördern sei, welche ihr auch sagten, daß sie sie niemals mehr aus dem Hause lassen, ihr aber stets einen guten Lohn geben würden. Nach einem Jahre war ihr ihre Lage so unerträglich geworden, daß sie um Befreiung daraus Tag und Nacht betete. Da kam eines Abends ein verirrter Metzgergesell mit einem Gurt Geld und einem gewaltigen Hunde und begehrte im Haus zu übernachten. Das Mädchen hatte mit dem hübschen Bursche großes Mitleid, und als sie ihm, während die Wirthin in der Küche war, Wein in die Wirthstube brachte, worin er allein saß, flüsterte sie ihm schnell zu, daß er sich unter Räubern befinde, bei denen auch sie wider ihren Willen sei, und er augenblicklich entfliehen solle, ehe dieselben heimkämen und ihn umbrächten. "So gefährlich ist es nicht, ich werde mir schon helfen!" erwiederte ruhig der Bursch, ließ darauf Essen und Trinken sich wohlschmecken und zuletzt einen ganzen Kübel Wein vor sich hinstellen. Um zwölf Uhr kam der Wirth mit seinen elf Genossen nach Hause, und als sie den Metzger sahen, erklärten sie ihm gleich, daß er jetzt sterben müsse. Derselbe bat nur noch um einige Augenblicke, um sich zum Tode vorzubereiten, zog ein Büchlein hervor und sprach daraus ein Gebet her, wodurch die Räuber gebannt wurden, daß sie kein Glied bewegen konnten. Hierauf nahm er den Kübel und begoß sie mit dem Weine, ließ dann einen nach dem andern durch seinen Hund niederreißen und hieb ihm mit einem ihrer Säbel den Kopf ab. Als alle erlegt waren, kam gerade die Wirthin ins Zimmer und ward auch von ihm getödtet. Nachher suchte er das Mädchen auf und fand sie im Hühnerstall, wohin sie sich, aus Furcht vor ihm, versteckt hatte. Auf ihre Bitte um Schonung ihres Lebens betheuerte er ihr seine Liebe und begab sich dann mit ihr in den nächsten Ort, wo sie alles anzeigten. Bei Durchsuchung des Wirthshauses fand man im Keller die Knochen der von den Räubern Erschlagenen und den zusammengestohlenen Reichthum. Dieser wurde dem Metzger und dem Mädchen zuerkannt, die bald darauf einander heuratheten, das Wirthshaus aber angezündet und dem Boden gleich gemacht.
In einer Dorfmühle auf dem Schwarzwald waren, Nachts beim Mahlen, viele Knechte nach einander von Katzen arg verkratzt, ja, einige sogar um das Leben gebracht worden. Hierdurch kam die Mühle so sehr in Verruf, daß kein Mühlknecht mehr darin dienen wollte. Endlich fand der Müller, als er über eine Brücke fuhr, darunter einen Mühlbursch sitzen, der ihn fragte, ob er für ihn keine Arbeit wisse. Jener erwiederte, daß er selbst schon lange einen Knecht brauche, aber wegen der Katzen keinen mehr bekommen könne. Da trat der Bursch ohne Bedenken in des Müllers Dienste, und als er in der Nacht mahlen mußte, nahm er ein scharfes Beil zu sich und legte um seinen Leib einen eisernen Reif. Gegen Mitternacht liefen zwölf Katzen herein und auf ihn los, blieben aber vor ihm stehen, und die hinteren riefen der vordersten zu, anzugreifen, worauf dieselbe erwiederte, sie könne nicht. Endlich sprang sie doch an dem Bursche hinauf und erfaßte den Ring; er aber hieb ihr mit dem Beile die Pfote ab, daß sie mit den übrigen Katzen schreiend davon lief. Nach zwei Stunden kam der Müller und erzählte, daß seiner Frau die Hand abgehauen worden sei, ohne daß sie wisse, wie. Da floh der Bursch aus der Mühle und zeigte die Sache dem Gericht an. Durch scharfe Untersuchung brachte dasselbe heraus, daß die Müllerin und elf andere der angesehensten Dorffrauen die Katzen gewesen, und ließ sie dann als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrennen.
Ein Mann in Lenzkirch, der sich in seinem Hause erhängt hatte, wurde, gegen des Pfarrers Willen, auf dem Kirchhof begraben. Da erstanden in der folgenden Nacht aus den Gräbern die Todten, rissen den Selbstmörder aus der geweihten Erde und warfen ihn vor den Gottesacker. Auf dieses begrub man ihn im Guckenloch, einer wilden Schlucht des Stiegwaldes, wo er, mit dem Strick um den Hals, noch heute umgeht.
Ein Raubritter auf der Burg Mönchenstein hatte drei schöne Töchter, welche Chrischona, Ottilia und Margaretha hießen. Um dieselben freiten drei Brüder von Reichenstein, die in der Nachbarschaft ihren Sitz hatten. Da der Ritter mit ihnen in Fehde lag, so wies er ihre Bewerbung zurück und ließ seine Töchter, weil sie ihre Freier liebten, einkerkern und in Ketten legen. Den Reichensteinern aber paßte er mit seinen Reisingen in einem Hinterhalt auf und nahm alle drei gefangen. Als er bald darauf hörte, daß seine Töchter sich im Kerker durch Gesang trösteten, wurde er so aufgebracht, daß er die drei Ritter auf den Burghof schleppen und vor den Augen ihrer Geliebten enthaupten ließ. Kaum war diese Schandthat ruchbar geworden, so zogen die Freunde der Gemordeten mit ihren Mannen vor Mönchenstein und erstürmten und zerstörten es. Den Fräulein thaten sie nichts zu Leide, ja, sie wollten für deren Glück in der Welt alle Sorge tragen; allein dieselben beschlossen, Gott allein ihr Leben zu weihen. Zu dem Ende erbauten sie sich, am Ausgang des Wiesenthals in das Rheinthal, auf drei unbewohnten Berggipfeln drei Kirchlein mit Klausen, deren jedes eine starke Stunde von den beiden andern entfernt war. Hier lebten sie in großer Heiligkeit und gaben sich, zu den verschiedenen Tageszeiten, mit ihren Glöcklein das Zeichen zum Gebete; auch winkten sie sich mit großen weißen Tüchern, redeten mit einander durch lange Sprachrohre und sagten sich Abends durch hinausgestellte Lichter gute Nacht. Alles dies setzten, nach Margaretha's Tod, Chrischona und Ottilia fort, bis auch diese von hinnen schied. Gottergeben ertrug Chrischona ihre Verlassenheit und folgte endlich ihren Schwestern in das Himmelreich. Jede dieser Heiligen liegt in ihrem Kirchlein begraben, von denen das eine noch jetzt St. Chrischona, das zweite St. Margaretha, und das dritte nebst dem dazu gehörenden Dorfe, nach Ottilia's Namen, Tüllingen heißt. In allen müssen, zum Andenken an die Jungfrauen, große Sprachrohre gehalten werden.
Nach anderer Ueberlieferung waren die drei Schwestern Töchter eines heidnischen Fürsten, der, weil sie Christinnen geworden, sie von Hause verbannte. Sie siedelten sich dann an den erwähnten Stellen an und lebten so heilig, daß Gott ihnen verlieh, einander zu verstehen, wenn sie, von ihren Klausen aus, mit gewöhnlicher Stimme sich unterredeten.
Fußnoten
Andere nennen Pfirt, und wieder andere Pfeffingen.
Vor zehn Jahren fand ein Mann in Hagen, welcher sich einen Keller grub, im Boden eine Menge Unken. Er that sie in einen Korb und trug sie in den nahen Wassergraben. Hierauf zurückgekommen, entdeckte er, daß eine Unke, die im Korbe hangen geblieben, sich in ein Goldstück verwandelt hatte. Sogleich eilte er an den Graben und suchte die Unken, fand aber weder sie, noch Goldmünzen.
Auf einem Berg bei Eichen liegt das Becken eines Sees, welches bald ganz trocken und mit Feldfrüchten bebaut, bald mit Wasser gefüllt ist, das darin allenthalben hervorgequollen. Dieses brach einmal so schnell herein, daß ein Brautpaar, welches Hand in Hand in dem Becken ging, sich nicht mehr flüchten konnte und ertrank. Mit dem Bache in der Has'ler Höhle und den Brunnen zu Tüllingen bei Lörrach steht der See in Verbindung; letztere fließen nicht, sobald er vorhanden ist. Nach der Sibillen Weissagung bricht er einst aus und reißt halb Eichen und den westlichen Theil Schopfheims mit der Kirche weg. Der Schlüssel der letzteren wird dann in Höllstein wiedergefunden.
Die große Tropfsteinhöhle bei Hasel wurde vor Zeiten von Erdmännlein und Erdweiblein bewohnt und heißt davon Erdmännleinsloch oder Erdmannshöhle. Diese Leute waren sehr klein und hübsch und standen mit den Has'lern in freundschaftlichem Verkehre. Den Bösen gaben sie heilsame Ermahnungen, den Guten halfen sie bei den Haus- und Feldgeschäften, die dadurch aufs beste gediehen. Manchmal nahmen sie aber auch den Arbeitern auf dem Felde Brod und Kuchen weg und legten dafür Steine aus ihrer Höhle hin, welche ganz das Aussehen dieser Gebäcke hatten.
Als einst in dem Thälchen gegen Wehr ein Erdmännlein von einigen Leuten erhascht wurde, rief ihm ein anderes angelegentlich zu: "Sage nur nicht, wozu das Haberbrod und der kleine Kostets gut ist!"
Späterhin, da in Hasel große Sittenlosigkeit eingerissen, ließen die Erdleute sich nicht mehr im Dorfe sehen, außer in dem ersten Haus von der Höhle her, dessen Bewohner allein der Tugend treu geblieben waren. In dasselbe kamen eines Winterabends zwei Erdmännlein und baten den Bauer um Essen, wofür sie ihm ihre Bergwerke zu zeigen versprachen. Nachdem sie Suppe bekommen, nahmen sie den Mann mit in die Höhle. Darin gelangten sie an ein fließendes Wasser, worüber sie in einem Kahne setzten, und dann öffneten die Männlein den Eingang der Bergwerke. In diesen waren viele tausend Erdleute mit der Gewinnung und Bearbeitung von Gold und Silber beschäftigt. Als der Bauer alles betrachtet hatte, wurde er mit einem Goldstänglein beschenkt und bis vor die Höhle zurückgeführt. Von nun an kamen die Männlein jeden Abend in das Haus, um Suppe zu essen, worauf sie den Mann stets mit in die Höhle nahmen und ihm eine kleine Goldstange schenkten. Hierdurch ward er allmälig sehr reich, ohne daß jemand im Ort errieth, auf welche Weise. Weil die Erdleute alle so lange Kleider trugen, daß ihre Füße ganz davon bedeckt wurden, sie auch überhaupt diese aufs sorgsältigste verbargen, ließ sich der Bauer endlich durch die Neugierde verleiten, Abends in seinen Hausgang gesiebte Asche zu streuen. In dieser zeigten sich dann, nachdem die Männlein darüber gegangen, deren Fußstapfen, die denen der Gänse ganz ähnlich waren. Als die Erdleute das Geschehene merkten, ließen sie nie wieder sich sehen, und wahrscheinlich haben sie die Gegend gänzlich verlassen. Gleich nachher fiel der Bauer in eine langwierige Krankheit, welche fortwährend zunahm; dabei büßte er immer mehr sein Vermögen ein und starb zuletzt im tiefsten Elende.
Fußnoten
Jetzt ist dieses Haus das zweite.
Hoch oben auf dem Pfaffenberg bei Mambach wurden einmal zwei Ochsen an einem Fruchtwagen scheu, sprangen vom Weg ab und schossen den steilen Abhang gegen das Wiesenthal hinunter. Ihr Herr, der vorn am Wagen war und mit fortgerissen wurde, gelobte eine Wallfahrt nach Maria-Einsiedeln, wenn er und sein Vieh gerettet würde. Da blieb er mit seinem Fuhrwerk auf einem Felsen, weit unten am Berg, unverletzt stehen, indem seine und der Ochsen Füße, wie auch der Peitschenstiel, auf welchen er sich zu stützen suchte, in den harten Stein wie in weiches Wachs sich drückten. In dem Felsen, welcher der Bettlerfelsen heißt, sind die Eindrücke noch heute vorhanden.
Als Morgens am Charfreitag ein Demberger Bube unten an der verfallenen Burg bei Tegernau vorüberging, rief und winkte ihm von dort ein schwarzer Mann, hinaufzukommen. Ohne Furcht ging der Knabe, auf einem Weg, den er jetzt zum ersten Mal an dem steilen Schloßfelsen sah, hin zu dem Gespenste. Dieses sagte ihm, er könne es erlösen und den Schatz auf der Burg gewinnen, wenn er jetzt niederkniee und das nachbete, was es ihm vorsprechen werde. Der Bube gehorchte; während er betete, kamen drei Häfen aus dem Boden, die beiden äußern ganz, der mittlere, worin Gold funkelte, zur Hälfte. Dreimal sprach der Knabe das Gebet, ohne je das letzte Wort nachsagen zu können, da krachte es fürchterlich, Mann und Häfen versanken, und der Bube lief erschrocken davon. Der Weg, worauf er hinauf und herunter gekommen, war nachher wieder verschwunden.
Bei einem Bauer in Holl diente ein unbekanntes Mädchen, das sehr fleißig und ordentlich war, aber durchaus nicht sagte, wie es heiße. Als einst der Mann, ein Joch tragend, vom Felde heimging, rief ihm die Stimme eines Unsichtbaren mehrmals nach: "Jochträger! sage der Gloria, der Kanzelmann sei gestorben." Erst beim Nachtessen erinnerte sich der Bauer wieder des Vorfalls und erzählte ihn dem Mädchen, mit dem Beifügen, nun wisse er, daß sie Gloria heiße. Da sprang das Mädchen über Hals und Kopf davon und ließ niemals sich wieder sehen.
Vor Zeiten waren im Schönenberg mehrere ergiebige Silbergruben nebst einem Goldbergwerk, und Wohlstand herrschte in der ganzen Gegend. Da diese keine eigene Pfarrkirche hatte, stiftete, zu deren Erbauung, eine reiche Grubenbesitzerin einen halben oder, wie andere sagen einen ganzen Sester Silber. Hiermit konnte das Gotteshaus, ohne den Thurm, aufgeführt werden, welches, statt auf den Schönenberg, wo die Frau wohnte, darum nach Schönau kam, daß nicht die Thalbewohner ihre Todten auf die beschwerliche Höhe bringen müßten. In der Kirche erhielten die Schönenberger, als die Hauptstifter, gewisse Vorrechte; auch übernahm die Gemeinde, vor jedem Sonn-und Feiertag den Weg von der Wohnung der Bergfrau bis hinunter zum Gotteshaus sauber abzukehren.
Als es nachmals Krieg gab, verschütteten die Bergleute alle Gruben, nachdem sie ihr Arbeitszeug darein geborgen, um sie vor dem kommenden Feinde zu sichern. Sie hofften, sie später wieder zu öffnen; allein das Landsterben brach herein und ließ niemand übrig, der die Bergwerke wieder zu finden wußte. Damals war die Sterblichkeit so groß, daß von Wieden, Geschwänd, Utzenfeld und Präg nur noch drei Ehepaare in ihre Pfarrkirche zu Schönau kamen. Die Wiedener führten ganze Leiterwagen voll Todter auf den Schönauer Gottesacker. Einmal fiel ihnen unterwegs, bei der Königshütte, ein Leichnam vom Wagen, und davon heißt der Ort noch heute der Todtenhügel.
Vom Sandbühl auf dem Belchen trat einst der Apostel Petrus mit einem Schritt in das Wiesenthal hinab und fiel dann betend auf sein rechtes Knie nieder. An jenem Ort ließ er den Eindruck seines Fußes, an diesem den seines Kniees im Felsen zurück. Ueber letztern wurde nachmals die Kapelle Schönenbuchen erbaut, worin noch heute die Pilger in die Spur des Heiligen zu knieen pflegen.